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Full text of "Archiv für Buchgewerbe vol. 54 (1917)"

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PRSNCETON UN1VERSITY 




























ARCHIV FÜR 
BUCHGEWERBE 

BEGRÜNDET VON ALEXANDER WALDOW 


54. BAND 

JAHRG.1917 


VERLAG DES DEUTSCHEN 
BUCHGEWERBEVEREINS 
LEIPZIG 


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PRINCETON UNiVERSITY 





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INHALT DES 54. BANDES 


Seite 


Seite 

Arbeiten graphischer Werkstätten . . Heft 5/6 146 
Archiv für Buchgewerbe, ein Streifzug durch 
50 Jahrgänge, von Heinrich Schwarz, Leipzig 
Heft 3/4, 5/6, 7/8, 9/10, 11/12 58, 114, 150, 190, 230 
Belgien, Deutsches Druckgewerbe im besetzten, 
von Hauptmann Dr. L. Volkmann, Brüssel 

(z. Z. Bukarest).Heft 3/4 68 

Buchbinderei, Militärische, in Polen von K. L. 

Heft 3/4 72 

Buchgewerbe im besetzten Kurland,vonGefreiten 

M. Büttner (im Felde).Heft 3/4 72 

Buchgewerbe in den deutschen Museen, Das, 
von Museumsdirektor Professor Dr. Schramm, 

Leipzig.Heft 3/4 81 

Buchgewerbeverein, Deutscher, Hauptversamm¬ 
lung am 26. Juni 1917 im Deutschen Buchge¬ 
werbehause zu Leipzig (Protokoll-Auszug) 

Heft 5/6 145 

Buchgewerbler, Der linkshändige, von H. S. W. 

Loose. Heft 3/4 76 

Buchwesen, Das, in der Mundart der „Sieben 
Gemeinden“. Mit Sprachproben aus ihrer 
Literatur, von Professor Dr. R. Stübe, Leipzig 

Heft 11/12 239 

Bücherwurm, Der, von Fritz Hansen, Berlin 

Heft 11/12 235 

Buschmann-Bändchen für Bücherfreunde, von 

Dr. Bockwitz, Brüssel.Heft 11/12 237 

Deutsche Bibliothekarschule zu Leipzig, Pro¬ 
spekt .Heft 5/6 146 

Druckgewerbe, Deutsches, im besetzten Belgien, 
von Hauptmann Dr. L. Volkmann, Brüssel 

(z. Z. Bukarest).. Heft 3/4 68 

Druckschrift, deutsche, über die Gefahr der Ab¬ 
wärtsentwicklung, von Professor Fritz Kuhl- 

mann, München.Heft 9/10 210 

Ein- und Ausschaltvorrichtungen an Hand- 
Papierschneidemaschinen. Der Rückgang der 
Unfallgefahren, von Ernst Collin, Berlin-Steg¬ 
litz . Heft 7/8 178 

Ernolith-Verfahren, Das. Heft 11/12 252 

Exlibriswerk, Ein, von Bruno H6roux, von Victor 

Rudolf Arnold. Heft 5/6 139 

Gummi(Offset)druck, Einiges vom, von E. Seydel, 

Leipzig.Heft 9/10 213 

Günther Clausen, von Dr. phil. Otto Lerche, 
Leipzig. Heft 9/10 202 


Hand-Papierschneidemaschinen, Ein- und Aus¬ 
schaltvorrichtungen, von Ernst Collin, Berlin- 

Steglitz .Heft 7/8 178 

Hauptversammlungdes Deutschen Buchgewerbe¬ 
vereins am 26. Juni 1917 im Deutschen Buch¬ 
gewerbehause zu Leipzig (Protokoll-Auszug) 

Heft 5/6 145 

Hermann Smalian +, von H. S.Heft 5/6 144 

H6roux, Bruno, Ein Exlibriswerk von, von Victor 

Rudolf Arnold.Heft 5/6 139 

Joseph Sattler. Ein Nachwort zu seinem fünfzig¬ 
sten Geburtstag, von Lothar Brieger Heft 7/8 174 
Kaiser Maximilian und das Buch, von Museums¬ 
direktor Professor Dr. Schramm, Leipzig 

Heft 11/12 250 

Kalender und Neujahrskarten .... Heft 11/12 245 
Klingspor-Karten, von Dr. Julius Zeitler, Leipzig 

Heft 5/6 142 

Kommissions- und Verkehrswesen in Leipzig, 
Buchhändlerisches. Paket - Bestellanstalt 
(Bücherhof), von Max Merseburger Heft 11/12 246 
Kriegsgedenkblätter, von Arthur Dobsky Heft 3/4 84 
Kriegsgedenkbücher sächsischer Gemeinden 
und Verbände, von Dr. Julius Zeitler, Leipzig 

Heft 9/10 215 

Kriegszeitungen, Deutsche, von Professor Dr. 

Schramm, Leipzig.Heft 1/2 1 

Kupferdruck, Einiges über den, unter besonderer 
Berücksichtigung der polychromen Maler¬ 
drucke, von Ludwig Weis, Leipzig Heft 9/10 199 
Kurland, Buchgewerbe im besetzten, von Ge¬ 
freiten M. Büttner (im Felde).... Heft 3/4 72 

Ludwig Sütterlin f, von Heinrich Wieynck 

Heft 11/12 238 

Museen, Das Buchgewerbe in den deutschen, 
von Museumsdirektor Professor Dr. Schramm, 

Leipzig.Heft 3/4 81 

Notentitel, Alte und neue, von Arthur Dobsky 

Heft 5/6, 7/8 125, 159 

Polen, Militärische Buchbinderei in, von K. L. 

Heft 3/4 72 

Schriftfragen, von H. Behrmann . . . Heft 9/10 223 
Schriftgießerei, Zur Geschichte der, von Her¬ 
mann Smalian, Leipzig.Heft 3/4 94 

Streifzug durch 50 Jahrgänge des Archivs für 
Buchgewerbe, Ein, von Heinrich Schwarz, 

Leipzig.Heft 3/4, 5/6, 7/8, 9/10, 11/12 

58, 114, 150, 190,230 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Seite 

Berichte vom Deutschen Verein 
für Buchwesen und Schrifttum: 

Bericht über die Gründungsfeier . . Heft 11/12 257 
Deutscher Verein für Buchwesen und Schrift¬ 
tum. Mitgliederliste.Heft 3/4, 7/8 99,185 

Deutsches Museum für Buchwesen und Schrift¬ 
tum ..Heft 3/4 111 


Buchgewerbliche Rundschau: 

Arbeiten graphischer Lehrwerkstätten . . Heft 3/4 

Auszeichnungen.Heft 5/6 

Bund der Freunde Deutscher Kunst . . . Heft 9/10 
Deutsches Kriegswirtschafts-Museum . Heft 11/12 
Einschränkung des Papierverbrauchs . . . Heft 7/8 

EmilDöblinf.Heft 11/12 

Erhöhung der Druckpreise.Heft 7/8 

Frage der Zusammenlegung buchgewerblicher Be¬ 
triebe .Heft 9/10 

Franz Köhler.Heft 9/10 

Fünfundsiebzigjähriges Bestehen der firma Oskar 

Leiner in Leipzig.Heft 5/6 

Fünfzigjähriges Geschäftsjubiläum der Firma G. Si- 

winna in Kattowitz.Heft 7/8 

Guten bergs 450. Todestag.Heft 11/12 

H. Berthold Messinglinienfabrik und Schriftgießerei 

Aktien-Gesellschaft.Heft 7/8 

Hundertjähriges Bestehen der Farbenfabriken Chr. 

Hostmann-Steinberg in Celle.Heft 5/6 

Joseph Athias.Heft 7/8 

Jubiläen.Heft 7/8 

Jiilius Mäser f.Heft 11/12 

Kantate-Ausstellung im Deutschen Buchgewerbe¬ 
hause zu Leipzig.Heft 3/4 

Kunstgewerbemuseum der Stadt Zürich . Heft 11/12 
Leipziger Gummier- und Lackieranstalt Schroeder 

& Co.Heft 7/8 

Leitung, Die, der k. k. Graphischen Lehr- und Ver¬ 
suchsanstalt in Wien.Heft 5/6 

Omnitypie.Heft 9/10 

Opfertag Mai 1917.Heft 3/4 

Preisausschreiben für ein Erinnerungsblatt Heft 11/12 
Prüfungsausschuß der Handelskammer zu Berlin 

Heft 7/8 

Technischer Literatur-Kalender.Heft 7/8 

Typographische Gesellschaften.Heft 9/10 

Typographische Gesellschaft zu Berlin . Heft 11/12 
Typographische Gesellschaft zu Leipzig Heft 11/12 
Verband der Fachpresse Deutschlands E. V. Heft 11/12 
Verein der Fachpresse im Königreich Sachsen 

Heft 11/12 

Warenumsatzstempel.Heft 9/10 


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Schriftgießerei-Neuheiten: 


H. Berthold, A.-G. Berlin.Heft 11/12 

Julius Klinkhardt, Leipzig.Heft 11/12 


J. G. Scheiter & Giesecke, Leipzig . . . Heft 11/12 

Bücher- und Zeitschriftenschau; 
verschiedene Eingänge: 

Altfränkische Bilder 1918.Heft 11/12 

Arbeitsproben der Werkstatt für neuzeitliche Druck¬ 
ausstattung von Wilhelm Adam in Chemnitz 

Heft 5/6 

Avenarius, Ferdinand, Klinger als Poet . . Heft 9/10 
Bericht über das Jahr 1916 des Vereins Leipziger 

Buchdruckereibesitzer.Heft 7/8 

Brade, L., Illustriertes Buchbinderbuch . Heft 11/12 
David, Ludwig, Ratgeber im Photographieren 

Heft 9/10 

Deutsche Form im Kriegsjahr. Jahrbuch des Deut¬ 
schen Werkbundes 1915.Heft 3/4 

Deutsche Heereskarte. Herausgegeben von A. Latt- 

mann in Goslar.Heft 5/6 

Eversheim, P., Die Elektrizität als Licht- und Kraft¬ 
quelle .Heft 9/10 

Fuchs, Dr. Hans, Technik im modernen Zeitungsbe¬ 
trieb .. Heft 3/4 

Fünfundzwanzig Jahre Buchdruckerei F. W. Burau in 

Danzig.Heft 7/8 

Gedenkschrift der Firma Carl Lauser, Stuttgart 1867 

bis 1917.Heft 11/12 

Jahn, Dr. Georg, Besteuerung der Kunstwerke 

Heft 3/4 

Kalenderrückwände der Firma H. Hohmann in Darm¬ 
stadt .Heft 7/8 

Kersten, Paul, Der Buchbinderlehrling . Heft 11/12 
Klinck, Fanny, Der in subjektiver Beziehung rechts¬ 
widrige Nachdruck als Eigentumsvergehen in der 
Beurteilung der Reichsgesetze . . . Heft 11/12 
Kriegsbeschädigten-Fürsorge im Deutschen Buch¬ 
druckerverein (Kreis XII Sachsen) . . . Heft 9/10 
Reimann, Hans, Die schwarze Liste. Ein heikles Bil¬ 
derbuch .Heft 9/10 

Seliger, M., Der Sächsische Ausschuß Leipzig 1916 
„Kunst ins Feld", Bericht über sein Wirken 

Heft 9/10 

Stucken, Eduard, Der Ursprung des Alphabets und die 

Mondstationen.Heft 3/4 

Sturtevant, Erich, Vom guten Ton im Wandel der 

Jahrhunderte .Heft 11/12 

Tesch, Albert, Fremdwort und Verdeutschung. Ein 
Wörterbuch für den täglichen Gebrauch Heft 9/10 
Unger, A., Wie ein Buch entsteht . . . Heft 11/12 
Zentral-Archiv für die gesamte Zeitungpraxis Heft 7/8 
Zum fünfundzwanzigjährigen Amtsjubiläum des Herrn 
Generalsekretärs Franz Köhler in Leipzig am 1. Ok¬ 
tober 1917 .Heft 11/12 256 


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Iß S § S i i Iß 2 S Iß 2 8 § £ S 8 Iß £ § £ § Iß Iß Iß 









































3>cutfdK fw^jeitunöm 

95on SSKufeumdbireftor ^rofeffor Dr. (Schramm, Seip^tg 


in fampftu'chtiged Jpeer braucht auch gciftigc Nah' 
rung! Diefer 2ludfpruch eined beutfchen .fpeerfu'hrerd 
Zeigt, wie unfre jpecredleitung in tiefem ungeheueren 
©eltfriege in glanzenber Drganifatton auf alled betucht 
iP, wad einem Volfdheere, wie ed unfer beutfched #eer 
iP, frommt unt jiemt. Glicht Pehen trauten rauhe 
Krieger, tenen bad Äriegdhanbwerf Beruf ip; bad Volf 
in ©affen hält tie ©acht im Open unt im ©epen, im 
Porten unt im fernen @uben. Unt ihm ip ed Bebürfs 
nid, trog bed gewaltigen Volferringend fich felbp nicht 
aufzugeben, fonbern mitten im ©eltenbranbe feine Kultur? 
ibeale weiter ju oerfolgen. 3 U Äriegdwaffe treten 
geifitge ©affen, bie ben ^ampfedmut unb bie ©iegeds 
juoerficht Parfen unb mächtig mehren. „Bücher indgelb" 
war barum bie Sofung, bie ungeahnten Erfolg hätte. 2lber 
auch braunen im gelbe rührte fich’d bereitd in ben erpen 
©ochen bed©eltfrieged. ©cfmchtern unbbefchetben wagten 
fich bie erPen gelbzeitungen and Tagedltcht unb erfreuten 
bie gelbgrauen, bie im pürmtfchen Vorwartdbringen ber 
erpen 3*it oon ber Tagedpreffe ber J^eimat abgefchnitten 
waren, mit ben neueren Nachrichten. Unb wad iP im Saufe 
bed langen ärieged auf bem ©ebiet ber beutfchen Äriegds 
Zeitungen bann alled geleitet worben! $ein $rieg bidher 
hat folcheSeipungen aufzuweifen. ©ad bebeuten baneben 
bie „(Geprüfte Tagfcfmft ber gefamten Fombtnierten Sir? 
ineen" bed gelbjuged oon 1794, bie oon ber girma g. 21. 
Brocfhaud in Seipjtg für bad gelb jufammengeffellten 
„Deutfcben Blattet" oom 3ahre 1810, bie „Leitung öud 
bem gelblager" ber Befreiungdfriege! ©ad ip bie Arbeit 
eined Bartholomaud Berber in greiburg, bem ber Auftrag 
oon Metternich geworben war, eine leicht trandportierbare 
gelbbrucferet ju fchaffen, gegen über ben heutigen zahlreichen 
gelbbrucfereien,bte Taufenbe unb aberXaufenbe oon Drucfs 
fachen allwod;entlich liefern, oon benen einzelne bereitd 
Millionen oon ^eitungdnummern ben fampfenben Trups 
pen übermittelt höben! ©ad will cd heilen, wenn in 
früheren Kriegen oereinzelt Befanntmachungen ber jpeereds 
leitung gebrucft würben, wenn man bie Unfumme oon 
Veröffentlichungen, ^rlaffen, Maueranfdpagen unb bie 
Zahllofen Drucffacben für ben DtenPbetrteb ber heutigen 
2lrmee in Vergleich jich>t. ©eich gewaltige 2lrbeit hier 
oorliegt, möge hier nur an einem Teil, an ben beutfchen 
Ärtegdzeitungen bargetan werben, an Jpanb bed umfaffen« 
ben Materiald, bad ber jtriegdfammlung bed Deutfdpn 
Buchgewerbemufeumd zur Verfügung ffeht. 

2lld ber ©eltfrieg im 2luguft bed Sahred 1914 herein^ 
brach, butte bie Snternationale 2ludflellung für Budp 


gewerbe unb ©raphif in Seipztg ihre Tore noch nicht ges 
fchloffen; fie lieg fich auch nicht „werfen", fonbern fn*tt 
ihre fallen unentwegt offen im feften Bewugtfein, bag 
unfre Jpecre ben getnb fo abwehrten, bag bie griebends 
arbeit in ber Heimat trog bed^rteged weitergeführtwerben 
Forme. Die2ludpellungdleitung ip nichtgetaufdp worben. 
Die grogeÄulturaudpellung hat ihre Dauer, bie im tiefPen 
grieben bid Mitte Dftober oorgefehen worben war, aufs 
recht erhalten fonnen. Mitten in biefem $ulturwerf ents 
panb bamald bie erffe ^riegdaudftellung unb bie 
erpe Deutfche Ärtegdfammlung. Beamte ber 2luds 
Peilung unb greunbe bed Buchgewerbemufeumd fammeU 
ten fchon in ben 2luguptagen, wad an Drucffachen braugen 
im gelbe ihnen in bie #anbe fiel, ©o Famen auch bic 
erften Äriegdzeitungen, ber in Voujierd entPanbene„Sanbs 
Purm", ber „SanbPurnabote oon Briep", bie „NeucPen 
Nachrichten oon ©tenap" unb wie fie alle fycifyn, bie 
ald Fleine, oft unter ben fchwtertgPcn unb primitioPen 
Verhaltniffen entPanbene Blättchen zunachp für kleinere 
Truppenteile bePtmmt waren. Die 2ludpellung war im 
DFtober gefchloffen worben, bie Äriegdfammlung würbe 
aber fortgefegt. Der erPe ßriegdwinter brachte weitere 
gelbzeitungen, oor allem 2lrmeezeitungen. Mit ber „Silier 
^rtegdzeitung" fegte eine neue Epoche ein, bie weit über 
bad hluuudging, wad oorher gefchaffen war. ©ie zeigte 
ben ©eg für bie Rettungen grogerer Verbanbe. @d ents 
panben 2lrmeezeitungen, $orpdzettungen, Dioipondzeitun* 
gen, auch bie Blatter für Heinere Verbanbe mehrten fich, 
fo bag halb bie 3 a ht oon 60 gelbzeitungen überfchritten 
war. Uber fie alle ein abfdpiegenbed Urteil heute fchon 
fallen zu wollen, wäre oerfrülp. Died bleibt einer fpateren 
Arbeit, bie fie genau bibltographifch, gefchichtlich unb ?ris 
tifch behanbeln wirb, oorbehalten. Dad Buchgewerbes 
mufeunt fammelt unb ergänzt bid ^riegdfchlug feine 
$riegdabtetlung, ber auch Z 0 ^ rc iche Photographien oon 
Drucferwerfpatten bergelbbrucfereien, oon ben beteiligten 
Perfonen, oon ben ©cf>riftleitern ufw. eingefügt finb, um 
fetnerzeit zufamnienfaPenb beridpen z« fonnen. 

©enn wir im folgcnben bie Äriegdzcitungen im eins 
Zeinen befpredpn, fo finb nur bie eigentlichen ßriegds 
Zeitungen, b. h* biejenigen, bie im gelbe ind Seben ges 
rufen, oon beutfchen ©olbaten geleitet, gefdpieben, 
flefegt, gebrueft, gefchmücft, oerpaeft unb oerfanbt werben, 
Zunachp berüeffiebtigt. 3hrc $at)i iP grog, ihr ^höwfter 
fehr mannigfaltig, ihre Bebeutung fehr oerfchieben. Unb 
hoch Pnb fie alle wert, genannt zu werben, greilich barf 
nicht bie prenge $rittf ber grtebendarbeit angelegt werben: 

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Panben hoch oielfach ben Rettungen nicht bie wohlgeorbs 
ncten ©chriftFapen mit guten ©Triften ber Jpeimot jur 
Verfügung; herrfdpe hoch in ben jurderfügung Pehenben 
betrieben nic^t biefelbe Drbnuttg, bie man in einem guten 
heimatlichen betrieb gewohnt ip; war hoch oft nicht bad 
döttgpe oorhanben, unb oor allem panb hoch nicht bte 
duhe ber griebettdarbeit jur Verfügung, Sdübe unb abs 
gefpannt oon bed $rteged neroenjerreibenber XattgFett 
machten ftch gar manchmal bte „3üngcr ber fchwarjen 
$unp" baran, ben $anieraben ihre Rettung unter ben 
fchwiertgPeit fBerf>altnifTen ju brucFen, wobei oft „Honbs 
betrieb" in Ermanglung etned deffern etnfegen mugte. 
©erabe bte FletnPen ber Rettungen, benen man ed auf ben 
erfien dlttf anfiefp, tote primttto bte oorhanbenen Mittel 
gewefen fein mußten, bürfen wir bedfjalb nicht fchelten. 
2luf ber ©trage, tm ©ebugengraben, währenb bte ©es 
fchü'ge bonnerten, ip oft bad dtanufFript entpanben; 
mitten tm Kampfe fittb bte ©eger an ber Arbeit gewefen, 
bei ber ein braoer SanbPurmmann ben £ob fü'rd Katers 
lanb parb. 5lber auch bei ben größeren Leitungen muffen 
wir, fowohl wad bie gornt ald ben Snholt betrifft, 5U?ilbe 
walten laffen, wenn wir bie ©chwiertgFetten bebenFen, bte 
auch ihnen oielfach entgegenpanben. Unb trog allebent: 
wtr alle, bie wir bte dereblung bed duchgewerbed und $ur 
Aufgabe gemacht höben, wir bürfen polj feppellen, bag 
biefe deprebungen halb ba, halb bort mitten tm törtegds 
rummel nicht oerloren gegangen ftnb,wad ftch am fchönPen 
an ben grogen Slrnteejeitungen jeigt, beren eine fogar ber 
DrucFs unb 3lluPrattondFunp alle Ehre macht. 

defonberer DanF gebührt ben lettenben militari« 
fchen Greifen, bte mit otel derpanbntd unb Siebe alled 
geforbert hoben, wad ben Äriegdjeitungen not tat. Hat 
hoch ein ^tnbenburg ben defehl jur ©runbung ber £eis 
tung ber 10. 3lrntee gegeben, Äronprinj Ruprecht bte 
Silier ßriegdjeitung tnd Seben gerufen unb lebhaft geför« 
bert; hot hoch ber jegige preugifche ßriegdmtntper o. ©tein . 
feine geber tn ben X^ienft ber ^riegdjeitung bed ihm unters 
Pehenben $orpd geteilt unb manch paefenbed ©ort in 
ihren ©palten gefagt; hoben hoch onbre Heerführer nicht 
nur in SlrtiFeln, fonbern auch in Aufrufen unb ©Fijjen 
fich in ben gelbjettungen oernehmen laffen. 

Deutfcher ©eifi, echt beutfeher ©eip weht und aud all 
ben otelett gelbjeitungen entgegen oon bem Fletnpen, nur 
in wenigen Hummern erfchienenen Blättchen btd junt 
grogen, bereitd ein ober jwet 3ahrgange ja'hlenben Slrmees 
blatt. dergleichen wir bie franjöfifchen gelbjeitungen mit 
ihren fentimentalen SJrtiFeln, ihren pöbelhaften ^ludfuh* 
ruttgen über beutfehe H^rfü'hrer unb ©olbaten, ihren 
niebertrachtigen, Faunt wteberjugebenben Sögen unb Ents 
Peilungen: welch tiefer Unterfchieb! ©ohl weig auch her 
beutfehe ©olbat, befonberd wenn er bem Englanber, fei ed 
in ^rofa, fei ed in ^oefie ju Serbe rü'cFt, eine Fraftige 
©praefte ju führen, wohl hot auch er niancöed ©pottbilb 


in Ferniger unjweibeuttger gorm unfern get'nben ges 
wibmet, aber nte hot er bie ©renjen bed 2lnpanbed oers 
laffen, nie ben guten ©efehmaef oerlegt, ©elbp ©tg unb 
©attre bleibt im Nahmen bed guten £oned, wa'hrenb fich 
in frattjöftfchen ©chügengrabcnjeitungen unb DrucFs 
fachen, aber auch in englifchen unb oor allem in italienis 
fchen rohepe ©ebanFen tn dtlb unb ©ort pnben, beren 
©iebergabe beutfehem ©efüfjl wiberprebt. 

Der Hauptinhalt unfrer Rettungen ip auch Feinedwegd 
ben getnben gewibmet. ©chrtftleitungen unb derfaffer, 
bte ben oerfchtebenpen ©tanben angehören, oorn einfachen 
Slrbeitdmann bid jum beFanntePen Unioerfitatdprofeffor, 
haben ihren $ameraben anbred ju fagen. dicht ©ift unb 
©alle laffen ben ©ieg erringen, fonbern bewugte daters 
lanbdliebe unb beutfehe ÄampfedfreubigFeit! Dte ba 
fchretben, finb dtanner, bie fich ber grogen Aufgabe ihred 
dolFed bewugt finb. ©ie fpiegelt fich ^od alled in ben 
oerfchtebenpen SlrtiFeln wtber, oft in fchlichter, einfacher, 
aber um fo wirFungdoollerer gorm! d?ag auch mancher 
derd nicht einwanbfrei, manche Zeichnung nicht auf FüttPs 
lerifcher H&je pehett, ben Houptwert macht ber 3nholt 
aud. ©prubelnber SÖ3tg unb Hmnor neben tiefem ErnP 
unb fchönpen ©ebattFen. Sdanched Sieb wirb fich old 
dolFdlteb in ben grieben herüberretten; mancher SfrtiFel 
hat mehr ald SlugenblidFdwert; manche dtttteilung wirb 
htPorifch oon ©t^tigFeit bleiben. 3o felbp bad alte ©ort, 
bag ber ^rieg ben ÄünPen nicht holb iP, ip jufebanben 
geworben, dicht nur parFed tnntged Jpctmatdgefühl tritt 
und entgegen, fonbern auch »icl derPanbnid für bie bes 
fegten ©ebiete, für beren ©efchichte, beren Äunp, beren 
©chönhett. Xte beutfehen Äulturtbeale jetgen fich eben 
auch hier ©cfjritt auf ©chritt. 5dit decht fagt eine ber 
©chrtftleitungen: ,,©enn unfre geinbe fpater einmal 
wiffen wollen, warum pe unfer nicht Herr werben Fonnten, 
trog aller ihrer £ücFe, fo mögen fie einen danb unfrer 
ober einer anbern gelbjettung burchPubieren. Hoben fie 
fich «och einen dep oon Einficht unb UrteildfahtgFett 
burch ben $rteg gerettet, fo werben fie cd banach wiffen. 
Denn Fauitt trgetibwo offenbaren fich bte guten, auf feflern 
fittlichen ©runb oeranFerten Eigenfchaften unferd dolFed 
reiner unb wahrhafter ald in btefen oon $riegdleuten am 
geinbe für ^riegdleute gefchriebetten gelbjeitungen." Dte 
beutfehen ^riegdjeitungen jeigen und beutltch, bag wir 
felbp ald ©teger bleiben wollen, wer wir finb: ein dolF 
mit hohen ßulturibealen. „©ad hülfe ed bem dolFe, wenn 
ed bie ganje ©eit gewönne unb nähme hoch ©choben an 
feiner ©eele", hat oor Furjent ber DtreFtor ber©rogherjogs 
liehen dhtfecn tn ©eimar auogcrufett; er Fann ruhig fein: 
Der ©eip ber ©chügengrabcnjettungen fichert und, bag 
wir an unferm 3nnerpen Feinen ©chaben leiben, fonbern 
bag Deutfchlanb grog unb mächtig aud biefem dölFcrs 
ringen heroorgehen wirb. Dad Deutfche deich wirb bie 
geuerprobe ooll unb ganj bepehen. 


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PRINCETON UNIVERS1TY 




Die einzelnen 3citungen 

Gazette des Ardennes 


Ehe wir un$ ben $rieg$jeitungen ber oerfdfiebenen 
gonnattonen juwenben, fei auf bie greunb unb getnb wie 
ben Neutralen woblbeFannte „Gazette des Ardennes“, 
bie nur in franjöfifcher (Sprache erfcheint unb auf Vefefjl 
ber oberften jpeereöleitung hwauögegeben wirb, naher eins 
gegangen. 3bre erfte Kummer erfc^iett in SRet^el am 
1. Nooember 1914, naebbem gar manche ©chwierigFeit in 
ber jur Verfügung ftehenben Eohnbrucferet einer franjöfis 
fchen ^romnjjeitung, bie nur mit glachbrucFpreffen ars 
beitete, bie jubem fef>r oernachlaffigt waren, u'berwunben 
unb eine beutfehen Elnfprüchen einigermaßen genugenbe 
Einrichtung gefchaffen worben war. Die Leitung erfdfien 
jundchft einmal bie EBod>e unb follte ber -SwilbeoölFerung 
ber t>on un$ befegten £eile granfreichö alö Nachrichtens 
Matt über bie ©efchehniffe unfrer großen $<it bienen, 
unb jwar in juoerlaffiger unb einwanbfreier VSeife. „Le 
but unique de ce journal est de faire connaitre les 
evenements dans toute leur sincerite“, fagt bie ©ebrifts 
leitung in ber erften Nummer, unb biefeö 3^1 ift oon 
ihr immer innegehalten worben. Die Aufnahme ber 
tung bei ber VeoölFerung war eine überaus günfttge. 
Die Auflage oon 4000, bie junächft in Eluöficht genoms 
men war, mußte fchon oon ber zehnten Nummer ab 
auf 25000 geweigert werben; auch machte fich ein jweis 
maligeö Erfcheinen wöchentlich notig. Nummer 30 teilt 
mit, baß oon nun ab bie RebaFtion fich in Eharleotlle 
(Elrbenneö) befinbe. Vom 1. Elpril 1915 ab würbe bie 
Jperftellung ber Leitung ganz in eigene Verwaltung übers 
nommen, naebbem eine größere Drucferei, beren Einrich¬ 
tungen allerbingö aud) erft ergänzt unb oerbeffert werben 
mußten, in Venugung genommen werben Fonnte. Von 
biefem ^eitpunft ab arbeiteten meift nur noch beutfche 
©ol baten in bem Vetrieb; baö bisherige Heine gormat 
würbe oerlaften unb bie„©azette"auchaußerlichimgormat 
einer Üageöjeitung genähert; bie Auflage hatte tnjwifchen 
bie ftattliche ^afft oon 85 500 erreicht, bie heute bei oiers 
maligem wöd;entltchen Erfcheinen auf 160000 gediegen 
ift. ©tanben junachff nur ein Dffizter unb zwei Unters 
offnere al$ Mitarbeiter jur Verfügung, fo finb heute bet 
ber ©chriftlettung unb bei ber Verwaltung fowie bei ber 
Leitung beö technifchen Vetrtebö ein Dffizier, oter Unters 
offnere, ein ungeteilter Eanbfturmpflichttger tätig. Die 
Verfchtebenheit ber ^apierforten ber erften Nummern ers 
Hart fichauS ber Xatfache, baß junachff bie in getnbeölanb 
oorgefunbenen unb orbnungögemäß beigetriebenen Ves 
ftanbe oon Rapier benugt würben, wa'hrenb heute nahezu alle 
Rohmaterialien auö Deutfchlanb bezogen werben müffen. 
Daö rapibe EBachfen ber 2lbonnentenjahl erFlart fid) wohl 
oor allem auö ben oerfchiebenen Riffen, bie neben aufs 


Flarenben Eluffagen unb Mitteilungen allgemeinen 3ns 
halt# betgegeben würben, tn erfter Einte bie ^ifie ber in 
Deutfchlanb befinbltchen (bamalö 250000) franjofifchen 
(befangenen, mit ©eburWort unb Regimentöbejetd^nung, 
benen fich Anfang 1916 weitere Elften anreifften, nämlich 
fotche oon im befegten Etappengebiet oerftorbenen gratis 
jofen (Liste des decedes frangais enpays occupe), ferner 
oon tngranfretch gefallenen Offizieren unbMannfchaften, 
auögejogen auö franjofifeben Jalungen (Necrologie 
fran§aise) unb enblich oon burd) ©efchoffe ber franjofc 
fchen ober oerbünbeten Gruppen getöteten ober oerwuns 
beten Ein wohnern beö befegten ©ebteteö (Victimes de leurs 
compatriotes). EBeld) enorme Arbeit ftccft in biefen Eiften, 
bte mit peinltchfter ©enauigfeit aufgeftellt würben! Daß 
biefe Elrbeit banFbar oon ben Vewohnern be$ befegten ©es 
bieteö begrüßt würbe, zeigten bie zahlreichen Veftellungen. 
Die „©ajette" würbe natürlich gar balb über ba$ neutrale 
2lu6lanb in granFreicfi beFannt, wo fie erFlarlicher EBeife 
mitbemfelbenSntercffeaufgenommen würbe. Elm 24.Elpril 
1915 weift fogar ber E>arifer „£empö" barauf hin, baß bie 
©efattgenenliften beim Eomite Elrbennatö int ^alaiä Ropal 
in ^ariö aufliegen. Unermüblich arbeiteten bie beutfehen 
„Varbaren" aber weiter an bem Eluäbau ber „©ajette"; 
fie gingen fogar fo weit, nach MögltchFeit eine Elfte ber 
im befegten ©ebiet beerbigten gefallenen franjöfifchen 
Dffijiere unb Mannfchaften unter Eingabe ber ©rabftatten 
ju oeröffentlichen. Der „Miroir de la presse fran^aise“ 
(wortgetreue ©tebergabc oon ©timmen auö ber frans 
jöftfehen treffe über bie ^riegötage oor Snhreöfrift) wirb 
in granFreich ficherlich nicht gerabe angenehm empfunben 
unb hot oiel baju beigetragen, bie fetnblid^en Eugen ju 
branbmarFen, wie überhaupt ber „Gazette des Ardennes“ 
ba$ unbeftreitbare große Verbtenft juFommt, baß fte bte 
feinblichen Eügen nicht nur unfrer iage, fonbertt in ihrer 
fpfteniattfchen EntwtcFlung im Eaufe ber ^cit, wie fte baju 
bienen müffen, ben J?aß gegen Deutfchlanb wad^juhalten, 
Flarlegt unb bloßftcllt. ©dftießlich feien noch genannt bte 
Drtöbertchte (Gazette regionale), bte faft auönahmöloö 
oon granjofen über bie hetmifeben Verhaltniffe gefd)rieben 
werben, wie überhaupt mit ©enugtuung feftjuftellen ift, 
baß felbft im rebaFtionellen Xeile beö Vlatteö fich Veis 
trage oon frgnjöfifchen Vewohnern beftnben. Daß bte 
„©ajette" auch Scfer in Deutfchlanb hat (fie ift oon ber 
Retchöpoft in bie ^eitungölifte aufgenommen), braucht 
nicht befonberö erwähnt $u werben, wohl aber ift benters 
Fenöwert, baß fie auch in bte ©efangettenlager gegeben 
wirb, waö bte in Deutfchlanb gefangenen granjofen battFs 
barft begrüßt haben. Neben ber £ageöauögabe erfchteti 
feit Eöei'hnachten 1914 eine tlluftricrtc Eluegabe, beren erftc 

1 * 


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Original fro-m 

PRtNCETON UNIVERSITY 




Kummer bereit* einen 2lbfag von 17000 ©tü'cf erhielte, 
©ie würbe junäcbfl in einer privatbrueferei bergcftcllt, 
ber bie 2Jnorbnung be* ©age* unb ber 23ilber genau vors 
gefebrieben würben; al* ober bie Auflage überau* fchnell 
wud)* (Enbc be* 3obre* 1915 bereit* 60000), würbe, ba 
bte©cbriftleitung ben immerbin beträchtlichen ©ewinn bem 
beutfeben Gewerbe jufu'bren wollte, mit beren jperflellung 
eine Drucferei in ber Jpeimat (J?. M. Joppen & ©ogn, 
Drucferei in greiburg i. 23.) betraut, bie infolge ihrer 
Einrichtungen fcbneller unb billiger liefern konnte, jumal 
fie für £iefbrucfverfahren eingerichtet ifl. Der illufhiers 
ten 2lu*gabe, bie am 1. unb 16. eine* jeben Monat* in 
einer Auflage von 100000 Exemplaren erfebeint, kommt 
eine ganj befonbere 23ebeutung $u, ba fie im 23ilb noch 
vielfach mehr jur 2lufklarung wirken fann, al* bie* oft 
viele ©orte $u tun vermögen. 3ntereffante23ilber au* ben 
befegten Gebieten, ©jenen au* ben Gefangenenlagern, 
23ilber au* Deutfcblanb unb anbre* wechfeln mit rein 
kriegerifeben Darflellungen. Glicht ohne Einbrucf bürften 
auf bie franjofifdjen S3ewobner bie photographifchen 2lufs 
nahmen von jerflo'rten Denkmälern ber 23aukunfl bleiben, 
bie unter bem £itel „Monuments de France victimes 
de leurs compatriotes et de leurs allies“ im 23itb wiebers 
gegeben finb. 2l(le* in allem: bie „Gazette des Arden- 


nes u ifl eine fcharfe ©affe in ber ipanb unfrer £>cere*s 
Verwaltung, bie nicht unterfcha'gt werben barf; ba* wiffen 
auch unfre geinbe wohl; verfuebten fie boeb burch ihre 
glieger gefälfebte Hummern ber „Galette" ben S3es 
wobnern be* von un* belegten Gebiete* jujuflellen, bie 
aber in ihrer Plumpheit gar halb al* ga'lfcbungen erfannt 
würben. Daf; unfre glieger bie echte „Galette" gar 
manchmal über ben franjo'fifcben ©chügengra'beti unb über 
ben überflogenen Qrtfcbaften hinter ben feinblicben Leihen 
abwerfen, ifl jebenfall* ben Gegnern nicht immer anges 
nehm. 3n aller Stille wirb bie rieftge Arbeit, bie mit 
ber £>erau*gabe ber „Gazette des Ardennes 1 *, bie übris 
gen* auch für 1916 unb 1917 je einen reich illufhrierten, 
von ber Bevölkerung gern aufgenommenen „Almanach 
illustre** herau*gegeben bot, verbunben ifl, geleiflet. Die 
tarnen ber am meijlen beteiligten beutfehen gelbgrauen 
finb wir leiber nicht in ber Sage $u nennen, hoffen bie* 
aber feinerjeit in bem enbgültigen Bericht über bie Ürieg*s 
Leitungen tun $u können. 3ebenfallö ifl ben „Unbekannten" 
ber Dank aller Deutfchen ficher! 

Quell fit: „Un an de jonrnalismc en pays oeenpö.“ OJoüftnber 
1915; ferner ein Slrtifel in Kummer 213 ber .Hriegftjeirung ber 
4. 'ilmiee unb ein fold>er in Ohimmer 198 ber .ftriegSjeitung ber 
7. Slrmee, foroie briefliche Mitteilungen. 


Die 3^lungen ber 2lrmeen 

Sie ©ommesSßacbt. ärieg^eitung bet? 1. ‘ülnnee 


Die jüngfle ber 2lrmee$eitungen ifl bie ber 1. 2lrmee, 
bie feit bem 1. 3onuar 1917 unter bem Ditel „©ommes 
©acht" erfcheint. 211* Jperaudgeber jeichnet Siittmeifler 
b. S. a. D. ©cbmibt. Ein flimmung*vo(ler Xitelfopf 
fchmücft bie Hummern, von benen ©ochenauegaben unb 
©onntag*auögaben, legtere auf befferem Rapier unb in vers 
mehrtem Umfang, au*gegeben werben. Bon allem 2lnfang 
an hoben wir eine ©diriftleitung vor un*, bie auf wenig 
flattern ihren Sefern möglichfl viele* bietet. Äurje, 
knappe, aber treffenbe 2lrtikel über bie jeweilige $rieg*s 
läge wie über bie ©eltlage überhaupt, benen ficb gelegene 
lieh längere wertvolle 2luffage wie „Deutfchlanb* wirt* 
fchaftliche &raft" unb anbre anreihen, „Klange au* ber 
jpeimat, bie bem ©olbaten ba* liebe jpeimatlanb, ba* er 
fo lange entbehrt, wenigflen* in Gebanken naherbringen", 
fcherjs unb ernflhafte Gebiete, jpumorifltfcbe* unb Unters 
haltenbeö in gorm von SRatfeln (Preiöaufgaben wie: ©a* 
ber ©olbat alle* mit einer leeren Äonfervenbücbfc ans 
fangen kann) unb begleichen mehr wechfeln miteinanber 
ab. gür bie Slluflration finb von ber girma SReclam, 


Seipjig, au* bem „Univerfum" älifcbee* jur Verfügung 
geflellt worben, $u Photographien unb Driginaljeicb* 
nungen hot bie girma S\ Üiehne, ^oln a. SRbv folcbc 
hergeflellt. Unter ben künfllerifchen Mitarbeitern finben 
wir ben berliner SUuflrator ©tübner unb ben Seipjiger 
Sftabierer Majr Brüning; jener hot neben einer 2ln« 
jagl £riginal$eicbnungen inöbefonbere 3lluflrationen ju 
„Mutter ©chonettchen, bie ^onfequente", fowie ju ber 
3obfiabe von Jtarl 2lrnolb Äortuin beigefleucrt; von 
Brüning* Jpanb flammt eine Sfteibe flünmungövoller 
Silber, bie er für bie „©ommes©acht" gezeichnet hot. 
Die ©erie „Unfre gelbgrauen al* ©cbaufpieler" zeigt 
manch treffenbe* Bilb; Zeichnungen wie „£cutfcher 
Krieger im ©tablhelm", „Gefangener Englanber von 
ber ©ommefront", „Da* £öcbtercben meine* Üuarticrs 
• wirt* in Otorbfrankreicb" verbienen befonbere 2lufmerks 
famkeit. 2llle* in allem: bei bem kurzen Befleben ber 
Zettfd)rift eine aebtunggebtetenbe Seiflung, bie ber 
„©ommes©acht" einen ehrenvollen Plag in ber &rieg*s 
literatur fiebert. 


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Original fro-m 

PRiNCETON UNIVERS1TY 




5 Centimes 1« Numero. 


Rethel, le l" Novembre 1914. 


GAZETTE DES ARDENNES 


AUX POPULATIONS 


Le ddsir souvent exprimd, a juste titre, par les populations des departeinents occupds par l'armde aJlemande, de 
connaitre des noavelles de l'exterieur. a. seul, guidd ia erdation de ce journal 

Par suite du ddpart'regrettable et que rien ne justiflait, au debut des hostilitds. de certaines personnes capables 
d'y apporter leur collaboration et do nous aider dans notro täche. nous avions dü, jusqu’alors. differer a sa publication 
Aujourd’hui. les obstaeles sörioux paraissent dcarids et nous nous ddeidons k faire paraiire ce premier numdro. 

Pour taciliter la diffusion du journal jusquaux lunltes les plus reculdes, nous esperons pouvoir compter sur les 
auloritds militaires et sur Ja bonne Yolonld du public. 

Les nouvelles de la guerre, qui paraitront dans ces colonnes. seront extraiies des döpdehes ofllcielles du Bureau 
Wolff. du Grand Quartier general alleinand. qui peuvent dtre ronsiddrees comme absolument exactes et dignes de foi 

En dehors de ces ddpdehe». le journal reproduira des extraits des journaux allemands, francats et anglais les plus 
rdeents. Nous putserons aussi des renseignetnenis dans des publicaiions de pays neutres, tels que la Suisse et la Hollande. 

La Gazette des Ardennes s’abstiendra rigoureuseraent d’insdrer toute fausse nouvelle. comme il s’en colporte trop 
frdquemmentet dont certajns journaux sont si souvent remplis. 

11 laut, avant tout, emter la guerre de plume qui. par certains cötda est plus perfide quune bataille rangle oü les 
ennemis en prdsencese ddfendent homme contrc homme selon les lois de la guerre et les traditions des nations 

Pendant que les uns peuvent prouver la vdrite de leurs nouvelles par des faits dont ils ont etd les tdmoins oculaires, 
il n'en esf pas de mfirae de certains organisateurs de cette lutte gigantesque qui. se sentant & l’abri, apres.avoir confid la plus 
luurde tdche a leurs allies et a leurs troupes vassalles de l’Asie et de l’Amque, lancent des fausses nouvelles que le public 
croit volontiers mais contre lesquelles il est bon de le mettre en garde 

Nous donnerons la relation de faits prdeis, non de laits imaglnaires, car s'il est hurnain de croire ce que l’on espdre, il 
est ndeessaire de d^gager la vdritd quelle qu’elle soit. 

Le but unique de ce journal est donc de faire connaltre les dvdnements dans touto leur sinedritd et nous esperons 
par lä faire oeuvre utile 


Grand Quartier g*n4ral. le SS oftobre 191t. nialin. 

Au 2t octobre. le canal Yser-Ypres a Ätö traversd par de fort* 
dätachemeuts entre Nieuport et Dixrmide aprds des combats achar- 
nds. A 1 est et au nord-est d’Ypres l'ennetnl 9>strenforc4 : pourlant 
nos troupes ont r£us.M k atancer en plusicurs endroits. Envlron 
500 nngtais, dom un colouel et 28 officiers ont die faits prisonnlers. 

Dans fest, nos troupes ont repris l'offenslvc contre AugOstow. 

Aui environa d'lwangorod, nos soldats se Patient de concert 
avec les Auirichiens. ils fireni 1.800 prisonnlers. 


Grand Quartier general, le SS octobre 1914. matin 


A l'ouest du canal d'Yser entre Nieuport et Dixmude, places qui 
sont encore dans les ntains de I ennemi. nos troupes ont continue 
leur attaque contre I ennemi qui Se ddfend a%ec acharnement. L'es- 
cadre anglaise. ayant pris pari dans le combat, a dtd obligde de se 
retirer. Trois navires dtaient sdrieusement nvarids. L escadre dis- 
paraTl pendaut I aprds-midi en dehors de Thoriton. 

Prds d'Ypres, le combat s est arrdtd. Au sud ouest dYpres, alnsi 
qu a l'ouest et au sud ouest de Lille, nos troupes fonl de bons pro- 
grds Osns un combat acharnd dans les habitations, les Anglais 
subirent dr*s pertes conM Idrables et laissdrcnt plus de 500 prisou 
niers dans nos mains 

Au nord d'A r raa, une violente attaque se brisn contre notre feu. 
L'ennetnl avait des pertes considdrables 

Sur lo thdülrc de la guerre Ä Tonest, notre offensive contre 
Augugtow avance. 

Prds Iu augorod 1«; combat se fait favorablement Un rdsultat 
aj.preciable ne s'est pas encore produit 

Grand Quartier gCn^rnl, le 27 octobre 191t. malm. 

Les combats prds du canal Yser-Ypres. aux environs d'Ypres et 
au «ud-ouest de Lille contlnuent avec le meme acharnement Les 
troupes alleniandes. ont fait des progrds hier 

Sur les autres parties du front il n'y a aucun Evenement Impor¬ 
tant k signaler. 

Dans l'ouest d'Atigustow l’att&que des Allemands avance lente- 
nient. 

Au gud-dftest de Varaovie toutes les attaque» des forces russes, 
quoique tres forte», ont dtd repou»sdes. 

Au nord-est d'lwangorod de nouveau* corps ru»-»»*»ont francht le 
YY'eichsel. 

Grand Quartier gdndral. 1c iü octobre 1911. matin. 

Los combats prds do Nieuport-Dixmudo durent eucore..Les 
Beiges re?oivent des renforts important^ ; nos nttaques continuent 
Seite navires anglais prennent part au combat eoutre notre aile 
droite ; leur feu est sans eilet. 


Pres d'Ypres, la postlion du 27 n a pas changd : k l'ouest de 
Lille, uoire attaque continue avec succös. 

Dans la fordt de TArgonne, plusicura tranchees de Tenueral ont 
dtd prises . les occupants ont did faits prisonnlers A part cela. sur 
le front ouest. rien de saillant ä signaler 

En Pologne, les troupes austro-allemandes ont dtd obligdes dese 
garer devant les nouvelles force« russes qui s'avangalent d’lwau- 
gorod-Varsovie et Nowo '»eorgiewsk. Jusque-la. toutes lesattaques 
russea avaient dtd repoussees dans des combats de plusieurs jours. 
Les Russes ne nous suivirent pas d'abord nous rdussimes k nous 
ddfaire de l ennemi sans ditficultds. 

Nos troupes prennent de nouvelles positions. 

Sur le thdätre de la guerre, au nord-ouest, pas de changements 
importants a signaler. 

Grand Quartirr g.'ndral, le 29 octobre 191*. roattn. 

Notre attaque au sud de Nieuport gagne lentement du terrain. 

Pres d'Ypres, le coinbat reste sans changement. 

Dans l’ouest de Lille, nos troupes font de bons progrds. Plusieurs 
positions fortifides ont dtd enlevdes. 10 ofliciers anglais. plus de 
300 hommes et -i canons oni dtd prls. Lescomre-nttaques anglaises 
et fran^alses ont pu etre repoussdes partout. 

Une batterie franyaise. mise en positton devant la cathddrsle de 
Reims, avec un poste d'observalion sur la tour möme, a dü 6tre 
dötruile par le fuu do notre artillerie. 

Dans la foret do TArgonne, l'ennemi a dtd fured de quitter plu¬ 
sieurs foasds, quelques mitrailleuses ont dtd prises. 

Au sud ouest de Verdun une violente attaque francaise fut 
repoussde Dansla rontre-attaque, les troupes allemandes peredrent 
jusqu'al'intdrieurde !a position.'gdndrale dont ils prirent possession. 
Los pertes enuemles (urent coDsiderables. 

Dans l'Est de la Moselle, toutes les entreprises, quoique peu 
importantes, ftirent repoussdes. 

Sur le thdatre de la guerre nord-ouest. nos troupes contlnuent a 
avancer. Pendant les tro!» derniöres semaines. 13,500 Rueses ont 
dtd falls prlsonniers, 3« canons et 39 mitrailleuses furent dgalement 
pris. 

Grand Quartier gtndrel, ik octobre 191*. matin. 

Nos attaque» au süd de Nieuport et a l est d'Ypres se sont con- 
tinudes avdc succes. 

8 mitrailleuses furent prises. 200 Anglais faits prisonniers 

Dsns la fordt d'Argonne. nos troupes prirent plusieurs fortlns 
de madriers et des points d'appui 

Au nord ouest do Verdun, l'ennemi attaque sans succes. 

Aux autres parties de l ouest et sur le thdätre de la guerre dans 
l'Est. la Situation reste sans changement 


(Stjlc Kummer ber „Gazette des Ardennes“ 


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Go^'gle 


Original from 

PRINCETON UNiVERSITY 







Pr r iO OpLrn-:. 


. ' ■ " j ,.M,,,» 


GAZETTE DES ARDENNES 

EDITION SPECIALE ILLUSTREE N° 12 


$älfd>ung 


EN ALSAGE 


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Original frnm 

PWNCETON UNI VERS I TY 











DESSIN DABEL FAIVKE 



Ankunft 


soi uumdro du 


FROPAQANDE ALLEMANDE 


J" dtcembrc 1910 l'alt<>mli 


.ulniirr 


Nc-sl-il pas f.lditav qu un ar- 
tisl<* fntsir&is ait j«lu le (iincmlil 
Mir f" iloruaicot hmiianit.urc eti 




•Ma.» er «••rail cfln>y«b!e!«). t-l que par la ort veut 
»ati»Gurr de* vouhail« «jue ckiaquc annci- la gauche 
■vpriine avec um- frrtniac monotonic. II nie parnit 
dontou* que ce'. Ikhidc« Ji*po«ilimi» soicnt cousitlc- 
f'T - Kimme salislaiMnlr». Mai* jo ine voi» oblige de 
dir* a ce» mcssicurs de Li gauchc que, pour muntrer 
de Mir» rxigenee» il n'ej gurre |>ostible de chiMsir 
im iDomont plu» defaxotuMr ipie celui d'nnr guerre 
•Tri* bien! a druil« . l’<miaut uno giirrre. la chose 
«•»«entirllr. c’est que l'uuiU‘ du people soll maiiitenue 
et que l'unioii urM v.il mjiecli'e. H Taut faire [ki> 
ser ,i r#rtiere-pLni toul <« q>ii pnurrait Ironbler Ir» 
»eniiinents iirianimcs de noirr pouple et notrr sie 
polilhuie. (Vivo appiobatiou a dmitr .grande Agitation 
agauclie. Ja* depuliLicbLnocht rrie: *Gert *e nioquor 
du people»! — Grande Agitation a droile.J II ii’esl pa« 
douleus qu'i pari quelques lache« inestbetique«, lo 
innde d'eltcluni de nntrc reprocniatior»-' prussiennr 
ne reponde atu besoiii« du pays d'une. faron qiie j'ose 
qualificr de «rainicrit ideale.» 'Grivirpclt! de: Keim¬ 
tet ! Kenntet ! a ga liehe. <>li a'excLimo Mir le* liaiie» 
ooculiitc« : Le xoila, IVspril de caniar.iderie ! Gri» h 
droilr: Silence!) 


■ Ja- gouvrrneuirnl ne Cnnnait pa« la di , lir«i' 
petiple, ni sc» Terilable« ».ntinirri.«. On . neu 
» Plu» la guenv dnrr, plu« le ruiu-liunneinrnl de la r 
»HIV saggravr. LVtai de «i«-gc e«t egalem, -ni appli, 
»W IxatKoup plus de severil, qu'an dchut de 
prerre. Le druil de reuniou et d'assmialio;: e*i 
xemi en ce»dernier* lenips loul a fall illusoirr«. 


l«i Gaielft ätt AcdiKurt, orcu|a*o a d'aulre» soin», 
n'.< gurre trwHXc ju«qu'u present l'oeeasion de parier 
de« vsmoix parl.-mcntairr* «n Allcnugue. Touti-foi» 
l'oubli e*t aisr ä ri pinir. No» lectcur» nun» vjurout 
grr de citrr quelques une» de* parulrs p.mnnnc-c» a 
la I'iele piii«MOnuc,dansla v.inredn 17 janvtir lUlfi. 

t'n di-pule cnnsi rvalonr.M.do fleydebrand.a evpov 
sa cnnceplion de l’union «aciei-. S»u «liiuxuir» w iv- 
»iinieen ileux poinl« : 1 * il ne f. .. pa» fr.ipper d'impAi* 
direct» le« cl4»«l■» poMÖdaiile», de crainte de «liminuer 
leor iortnni!; 1' i! ou-i. iit de ne pas tiitic!u*r an 
«yilnne eleelor.il de la l'rnoe ;1I »'agil, ca le iwiL «le 
re »yslenir «jue Bism.irrk liu"in«'me «uiabtiait de »nii- 
wrable • et qui, fouile Mir la disision des ilecteurs eil 
Iroi» cla»se«, le» riebe», le» demi ricbes el 1c» pauxrrs. 
assure a ciinrun de er« troi« gr»u(a'iiienU nnc repni- 
M'tttatioii rgalc; d'oii il rr«ullr «|u'a Ls»otl le cbefde 
la inaivin Krupp elil a Im will «in depnte dan* la 
prouiierr da»««-, e» que le still rage uniqne de ce . rt>i 
«le* plaque* blinder«« «uflil ä cunlrelxibnecr le» di- 
laine» de millier» de »nie» enns j«ar »e* «»uvrier» <lan» 
I.» V classe. Nolnn» en |usvmt «pie 1 eledion «e Ciit a 
biillelin» mimt«, le gotivernemeril pru»»ten n'avatil 
pas tmnte de nieilleur tumeit «Passuri'r la sinccrile 
•bi V0te.i N oici dolle cninnient «‘«•xpiime M. de Hude- 
br.iod au suj«‘l «le. la [.Tonne ileeter.ile: 

• Je me xwi» i,.w «le conclure d'un passige «ln 
«liscour* du IrAne que l'on’pnq, He mir iiindiliealioii 
«Je notre «•. sli'iue ilevtnr :il Gri» in«ni<|i|«*- a gauche : 


roulefoi», *i Ion d« sire säum er >pie«t «lexrnu« 
ceusure en Allemagne, il e«l pr. L ralde de w 
porter au lumpte n-ndn de li w'.iiue du lleirbslag 
IS janrier. \oici en quels lernies s'expriiuc le dep 
Dillmann ; 

•La* »ymlxdc sou« lequel il rnnxi« nt que n« 
coiutnenciims uns deliberalioiis, « V«t la musetie 
nur iniia'liere drslince au Reichstag allem..oft. 
voici la preuve. fl.’oratcur l non Ire h r..«vmble< 
eöinple reiulii du lieicb.tag cxinil «In «Journal |»q 
lairy de Halle«' et <ni la ceii»ure a rflace dners p 
sage« ) Voilii de quelle layn la rensure evicule 
iliseours que n<ms prononrons. (Gri* n jiet« 1 * «1 
Ecoutc*! «Tuulei 1 surlc» Ivinc» soeialisles.) le* Idai 
que sou» iwi'i ruuleiMicnt la critique faite i< i nn'i 
p.ir .Siinun, j< udi dernier, «le I ollire imperial « 
«en-al. s ,Nouveau» «ris de: L/vmler ! pvarmi le» »<x 
lisle« Oll ne »ent (usque le peuple apprenne ce r 
» eti« «lil au Reichst,itr; erst inoui ; c'esl nur »iolali 
*!c la ciuislilulinn...« 


II n'est pas sau» iuleri'l de rapfW ler que. des 18’|8. 
le roi de Prusse avail «olennellement prviiih« a se» 
»ujet* une modifleation du s»»lcni«- «•lecloral. G'Ue 
prumess«', renonvde«: plnsieur» fui» depuis lur». n'a 

En «lepit de tonles Im pr.’caulions gouveriiemeii 
Ule» cl «le Ino» le» obstaefes, quelques depule» nx ia- 
li'les nnl pu peuetrer a la Dii-lc prussienne. U ni 
laug.ige i st eil dcviccord a»».-z violent axcc celui «!>• 
'I. de. Ilr\ dehrand. Pour ce di rnier. loul est (»rfait en 
Prusse. Voiei parctmlre rominenlparle, dan.« lam^me 
seanee, le depule Hirsch : 


Ol» ue voit pa» bien qin-lle* lilxTl«-» a roiisrriI-’S 
peiiple alleniand. I.e» depuli-v au Iteivlislag n'avai« 
vjimne tonte qn'uu Vlioil : celui de parier. U v«i 
qu oll leur »(irr in- nie la po«>ihibte de s.- fam . 
lendre. Auisi IrousMmn Ire* naturelle c« lle «i-VI.» 
lion iixlignee de Hir»eJi : . l.e droit et la’loi out ( 
place ä la dpiinualioii de iarbilr.iire et a mir dirtatv 
qui ne ciimiait aiieune limite.«,.! 

La place udiis maiMjue in |nmr ra|q»«rl> r Ino« I 
«•xi inple» d .iulorit irisiiie brutal eile» au R« i> h»l 
par <le< depule» de |a gaocbe. Non* nouseontenlem 
de eiter l exenipb- siiivant, p.irre <|u'il uemlre qu, 
»«in! le« »erilables veuliinenl. de« «lirigranl« p.uig, 
manisle» a l'egard de« soblaS qiiils oul in..,!.-nn 
« I « ieimneiil expos«« a l.i mml ; il ,-sl cxlrail J i 
dwiiiir« prononc, an Reichstag |e 17 janvii-r, par 
depule Sehopllin : 

«l.e* plainle« rel.ilive» j J ( . laelieux Itauleiiiei 
impov* aus vdd.als *e sottl inullipliec, d'nile f« on q 
«tonne beaoioop ii nen*er. Des hominis qm ! lau 
en rainpagnc depuis de* inoi« oul <•(*•, dui.iut b u 
{H-fli«le»de repus. I'obirl <le vrvalions relative« * 
inarque» cxli'-rieure« de resperl. la * plainle« «o 
Cneore Iren plu« \nes ,|jt t s Io» gariiivin*. la«« n« 
quine» vi valiun« que Je» honiliie» «nt ,i «ouOrir i« 
«Orient «Enn oisln-ile I.» place de (^irl»mhe. dapi 
lequel soM.it« «•! »<ni«-ol1icier«. en rt-ndaul !■•» marqn 
de re*|>cr(, di>ive n ( dr«ceni|re «In Irntloir; a Thor 
il leur .« eU 1 Tuue lai^m gi-m-rale diTeudu <lc 
teinr -ui les Imttoir«. . <7e«t cneore nne me*urv d 
m»«t- de ».-n« que I inlcolielion de fumer dan n 
laine» rar» «le Berlin, inlcrdivtinn qui c*t eucorv i 
»ijpieur aujouH'lmi. la« coQilinin1.inl «le Crdogri« 
ivinpli (le prr a nptious sur la ili«cip!im- ilan* I 
nies de la \ill«* ilrn» giaiuj.« ju^-e. d'inipnirx n 
une il«* sc« rumlrs inqiiii-ludr», cV*t qnen «ahij 
le »oldat n‘,-rarte pi» li-up le ponei- el le petit doq 
Dans ui« anlrc ««»Mlroil, il ihr Lire : «Tout m Idat i 
• tenu de Yilir «m siiywrieuret il meuaee de put 
tion le» soldat» «pu ne vermied) bien clair. • 
IVrsoune ne »Vlonnera d’appreudre «jue, le IM j.« 
»i<-r, I” depuf« VliOpflin a pronnnce res parwl 
plemes de »en* : «II e»t niress.«irr «jue la »ie mti 
lecliiejleel que la vie pol.lique de rAllemagne »oie 


$älfcf)ung 


Original frnm 

PRINCETON UNIVERSITY 


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Prix. : IO Centimes. 


Churleville, le 1" Döcembre lölB 


GAZETTE DES ARDENNES 

EDITION SPECIALE ILLUSTREE N 8 




LES BARBARES 


lls sollt arrivt l s, I«*» liarbaivs. 

Ils soiil xeniis tons rii v«iiii|iietir>, 
Sans rris liruvauts, ni hhiik fnnfaiv, 
Mais «le l'onfiii'il tont (»Irin le rnenr. 


lls out rrap |>« 1 fort ä la pnrt**, 
lls sottl «*ntr«‘s tlans la maison : 

Hs ont Im, manne, mais «lu’import«', 
l.a faim, la soif, «luivs raison«. 


Hs mit fail un lil dnns la 
lls out iloniii et «le 
lldvant, <|ui seit, 

On «Tun foyer 


Li pellte |K>rslr qui: nous puhlions eii tcto du present numero uoui a et« 
adressde pur une de uo* abonu.-e. Lite t'-iaii arcoiupagndc d'uo ntelt qui proure, 
uoe toi* de plu«. que le« relalion» enlre la pupulation des pays •imipA» et le» 
iruupe* «Hrmandei tont — raduie en ce temps de guerre acharnee — dea plu* 
paisiblev Tou» les arlitles de la presse |iari»ieune accusanl les «oldatsallemanda 
des cruautöa le« plua lerriblr», eomuilse« »ur la population (rancaise du 
temioire onvahl, ne peuvent rien cbauger au teil que les rapporls « franro- 
atlemand« » derri» re le front «ont Inn* et correcte. El noue rroyuus pouroir 
dir* que le» deux pari« »e rnppmrhenl >le Jour en Jour, grtce au grand nombre 
d’ocrasiona qui lea (ont mieux »e cunnaitre et .il>oli«»cul de perl et d'aulre 
uombre de prdjugds fliehen x. 

Letal de guerre arnene. cela e»i inevitable. de lourd« lanleaux |ioar le« 
conlree« qui en «ont le theAtre; ses lois »ont »dvdres, du res el Inflexible«. II 
eerail iuhumsin el vrairnciit barlrare *i I on voulait enrore ejouler d'lnuliles 
«-maule* aux «outlmure» d une populatiuu deji «i crucllenn-ol dprouvee. 

Aunomdesmrrobre« 
de farme« allrinande 
uou» proteslnn« conto- 
«Ir teile» Insinuation». 

Par conlre uou» av«n< 
di-j* prouve que ec« 
iin'mi'» reglons. que les 
Journaux de Pari* ni 
ment & pluiudre eomnie 
«•x|U*de» aux brutaliid» 
de » barlmre» ■>. »out plu» 
souvenl les virtiuie» 
ioute-euie« de l'armee 
franr.. -anglai*c. 

Li « Ua.'Ur de* I r- 
denne* •• a publie. d«n» 
son numero tot du ln 
«ovembre. title »Uli»- 
tique d’uu bien tn.de 
caisrt« re • den« page» 
enlii-res ewurrrtes de 
Uoui» de penonnr» n 
vite«, leinmes cnfanl». 
vieillardt, ble»*e» 
tue» wir de- aviaieurs 
ct ariilleur» franvim nu 
anglai*. 

jST" aclknt* de kur• 
prnpn* cnmpatrl,>te<. 
i/sai :>?i> ht'i jn:. 
btr*Ut 


Victime« inutile«, victime* el rien que virtime«. sacrilicea Ajles *«ie» 
frivoles qui n’onl pas la moindre lofluence *ur le» (alt» de guerre et qui 
n'onl d'aulre rdsull.it que la inort et le inalbeur de res centainrs d innuceol» 
et de millier» d'aulre» «ouflraut des im’-rae« « exploil» ». 

Vraitneni. c'esllä la guerre eynique exult«.» au plus haut degrt de r.ruauld ■ 
des combatUnl* man! el mutllani eu inasse leurs propres coinppirfoles, non 
par un basard tnallieureux, mala en poureuivanl une inötlio«)e dont ils 
ronnaissent depuis longtnmp« le senl eilet lamentable. 

Voici donc la dernifere consdque.nce rdsullam do ce» cnn*tatnliooe inde 
niable« : sl ce nest a di-ssein — re que nou« ne pretendnns pas — c'eat 
«uuvenl p<ir (rivolitd que des aviaieurs franc*i* tucnl et blessenl leurs 
compatriote» des pay» oeeupes! 



Lu* journaux franvui« el anglai» ont traild de crimlnel» et de barbare* 
les aviateura ullemands qui ont Jeld leurs bombe« aur l.uiidres, %m (ortitications 

el »e» grand« arsenaux. 
I.onilros, une de» pla- 
res inilitairr» les plus 
iiiip.irtjiute* de l'Angle- 

Kh bien, la foule 
qu'un voit »ui vre le 
curtege lundbre »ur la 
gravure «i conlre, que 
doil-clle pcn«er de ceux 
qui ont cause la niort 
des ciuq iunucente» 
victime» que l ou c*in- 
duit au i-iroetierc ? Cinq 
uou-romb.v.Uut« Iran- 
•;ai*. lue* dan« l«*ur 
petile Villa ou verte par 
>le» aviaieurs angtuial 
l.e mol de * barbare« » 
gli»*era de bien des 
li-vrcs altrisiiies. Mai* II 


•<i fli 


.rette 


aux reprr»enunt« 
»le I' inner allemunde 
uot iu»ulUo, qui »ui- 
wmt le eercueil, portant 
uue coiimuoe de ilcurs, 
Imnimago respcclueu.x 
de l'adversairo aux 
MClitne.« de leurs rom- 
pnlrioUs. 


Oriqinnl 


Go», gle 


Original frörri 

PRINCETON UNIVERSITY 

















5lrmee*3ettun0 ber 2. 2lnnee 


Unter ben Rettungen ber Armeen iß bie ber 2* Armee 
bie alteße. 3b*e erße Kummer erfc^tcn bereite am 
30. ©eptember 1914 in Eharleoille unb würbe (aut Drucf« 
»ermerf in ber „Imprimerie A. Angiaux, Rue de l’Ar- 
quebuse 37 “ gebrueft. 3 n ber erßen Jett hielt ßch bie 
Zeitung on feinen beßimmten Erfcheinungotermin, fon« 
bern würbe in jwanglofer goC^e herauögegeben in ber 
bereite »erhaltniömaßig hohen Auflage »on 4000 ©tücf. 
©d?on im 9?o»ember 1914 würbe ber Jperßellungöort ber 
Armee«Zeitung noch ©t. Quentin »erlegt; für ben betrieb 
würben »on biefem Z*üpunFte ob nur noch beutfehe 
©olbaten al$ Drucfer unb ©eger »erwenbet. 3m Mar$ 
1915 gelang e$, in ©t.&uentin eine große ßtlliegenbe 
Drucferet, bie „Imprimerie moderne St. Quentinoise“ 
in ber Sftue b’3$le, beren Befiger noch Englanb gefluchtet 
war, für bie Jperßellung ber Z*ßung unb jugleich alö 
„Armeebrucferei 2" ju erhalten. Da6 war ein großer 
gortfehritt, inöbefonbere angefichtt ber £atfache, baß biefe 
franjüftfche Drucferet mit ben mobemßen beutfehen 
Mafchinen auägeßattet war. Die 2luflagejiffer butte ficb 
injwifchen auf über 20000 geßeigert, bie beute bie Zofß 
»on 30000 erreicht bot. Bte Enbe 1915 würbe bie Zei 5 
tung »on #auptmann 21? 0 mm, ber im ^ioilberuf gabrif« 
beßger in Trüffel iß, geleitet. Ate Jpauptmann Momm 
Anfang 3onuar 1916 nach Brüßel jwecfo Berwenbung 
beim bortigen ©eneralgouoernement berufen würbe, ging 
bie Leitung ber Armee«Zeitung unb ber Armeebrucferei 2 
in bie Jpanbe »on Leutnant ber Sanbwehr ©ittich, »on 
Beruf Buchbrucferetbeßger in Darmßabt, über, ber bte 
beute in biefer Stellung tätig iß. 3m Anfang war bie 
Armee«Zeitung, bie foßenlod an bie Gruppen »erteilt wirb, 
nur 9?acbricbtenblatt; in biefer Zeit galt eö, „ben 0tacb= 
riebtenbunger ber Gruppen ju ßillen, ba bie £age$jeitun« 
gen noch nicht fcbnell unb regelmäßig anlangten"; ate man 
aber $um ©tellungäfrieg überging unb felbß im ©chügen« 
graben bie £age$jeitungen »ielfacb bereite 24 ©tunben 
nach ihrem Erfchetnen gelefen werben fonnten, ging bte 
Rettung mehr unb mehr baju über, felbßanbige Beiträge 
»on Armeeangehörigen ju bringen, unb »on biefer Zeit an 
fommt ihr ein befonbereö 3ntereße ju. Glicht nur inner« 
lieb, fonbern auch äußerlich jeigte ßch gar balb bie 2Öanb« 
lung. ©tatt beO einfachen Buchbrucftitete iß bie Armee« 
Zeitung »on ber Kummer 167 »om 8. gebruar 1916 ab 
mit einer gefcbmacfoollen Diteljeichnung mit 9teicfteabler 
gefcbmücft. Eigene Artifel fowie Einfenbungen auO bem 
Bereiche ber Armee bilben faß auOfcpließlich ben 3nbalt 
ber Hummern; bte ©cbriftleitung iß rege bemüht, mog« 
licbß oiel gelbgraue ate Mitarbeiter heranjujiehen, unb 
bieö gelingt ihr für bie »erfebiebenßen ©ebiete; fie ging 
auch erfreulicberweife balb baju über, pbotograpbifcbe 
Drtgtnalaufnahmen fowie Zeichnungen unb ©fijjen felb« 


grauer Zeichner unb ßünßler ate SUußration §u bringen. 
Daß ©ebtehte nicht fehlen, braucht eigentlich gar nicht ge« 
fagt $u werben. Mit Danf erwähnt bie Armee«Zeitung 
mehrmals bie weitgehenbe Unterßu'gung auä ber Jpeimat, 
»on wo auö ihr Drucfplatten für harten unb Bilber 
überlaßen würben. Zweimal im Monat »erforgt außer« 
bem ber „Äriegeltebeöbienß" in Eßen bie Armee«Zeitung 
mit über 30000 illußrierten Beilagen be$ „Eßener ©eneral« 
anjeigerö". Der ©cbriftleitung macht e$ alle Ehre, baß 
fie anregenb unb aufmunternb auf ihre Sefer wirft, benen 
ße manch Foßltchen Beitrag beO Rumort, ber Saune, beO 
ErnßeO, ber Dichtung, ber Zeichnung entlocft hot. 23eßgt 
ße hoch einen ganjen ©tab »on Zeichnern, bie für bie 
Armee«Zeitung in ihrer Mußejeit arbeiten, ©ewtß iß 
hier »iel Mittelgut, aber auch manch ©ertoolleO ju ßnben. 
Da* wichtigße bei allem bleibt ber Anfporn jur geißigen 
Betätigung, unb bafür wirb man ber ©cbriftleitung, Sefer 
unb Mitarbeiter wie wir ju Jpaufe, auch noch bem Kriege 
noch Danf wißen. Artifel wie „Die ©tabt be* heiligen 
Üuinttn" mit einer Anjahl Drtginal«^ohlejeichnungen, 
„De la Tour“ mit Mitteilungen über bie Bilbntße »on 
Maurice £luentin De la Xour im Mufeum Secuper in 
©t. Üuenttn — befonber* beachtenswerte* unb hübfehe* 
Betfptel für bie £atfache, baß unfre „Barbaren"«©olbaten 
oft Dinge, bie felbß ben Einwohnern wenig befannt ober 
»on ihnen faß »ergeßen ßnb, erß wteber fo recht an$ Sicht 
bringen, al6 waren wir in tiefßem grieben bei ber Arbeit, 
Funßgefdncbtltcbe ©chage ju heben unb ber Allgemeinheit 
befannt ju machen — fowie Zeichnungen unb Bilber wie 
„Der jerßorte Bahnhof", „Mott» auö 9touq«le«©ranb" 
(©ommegebiet), „Mr. le curd“ unb anbre haben mehr alö 
Augenblicföwert. Daß in ber Drucferei, bie ben tarnen 
„Etappenbrucferei ber 2. Armee" erhalten hot, außer ber 
Zeitung noch famtliche für bie Armee benötigten Drucf« 
fachen, foweit biefe nicht in ber Heimat gebrueft werben, 
hergeßellt werben müßen, — monatlich werben laut ber 
Mitteilung tn Plummer 100 über eine Million ber »er« 
fchiebenartigßen Drucffachen fertig jur Ablieferung ge« 
bracht — fei nur noch erwähnt; fie jetgen, baß ber 
Drucfereibetrteb auf ber Jpo'he iß, fonß fonnte er folchen 
Anforberungen — honbelt eO fich hoch habet auch um 
fchwieriger herjußellenbe Drucffachen — nicht gewachfen 
fein. 3ß einmal ber grtebe eingefehrt unb fann, ohne 
milttartfehe ©eheimntße ju »erlegen, ein ÜberbltcF über 
bte »ollßanbige Arbeit, bte hier geleißet worben iß, ge« 
geben werben, fo wirb fich’ö jeigen, baß ße fich würbtg 
all bem anretht, waO wir »on unfern gelbgrauen ge« 
wohnt finb. 

du eilen: Kummer 100 ber Z«aung mit bem Artifel 
ment Slrmee^dtting" : Kummer 200 mit bem Slrtifel ^Unfere 
^rmee-'Zeitung", au^erbem briefliche Mitteilungen. 


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Original frorn 

PRINCETON UNIVERS1TY 




Der <£f)ampagnej£amerat> 

gelbjeitung ber 3. Armee 


Die 3. Armee erhielt ihre £rieg*jeitung im Dejember 
1915. Der Sefehl jur ©rünbung berfelben mar bereit* 
am 16. Stooember gegeben morben. Sine Drucferei mar 
nicht oorhanben, ge mugte erg gefchaffen merben. Wo 
etma* brauchbare* im ©ebtete ber Armee in oerlaffenen 
franjogfefjen Drucfereien gefunben mürbe, mürbe e* 
jufammengeholt. 3n einer Smaillefabrtf in Sharleoille 
mürbe mit bem erreichten Material eine Drucferei eins 
gerichtet, fo gut e* ging. Stoch fehlte e* aber an Drucfs 
färben unb Rapier, ma* au* Deutfchlanb herbeigefchafft 
merben mugte. An ©egern mangelte e* nicht, jumal 
ein Xeil ber J?erau*geber be* einige $c\t vorher eins 
gegangenen „Sanbgurm" oon Soujier*, über ben mir 
metter unten berichten, jur ©teile mar. #erau*geber unb 
#auptfchriftleiter mürbe #auptmann b.S. Dr. Submig 
Munjtnger, im ^iotl ©chrtftgeller au* Weingarten in 
Württemberg, ber e* trefflich oerganb, fpgematifd? einen 
©tamm oon Mitarbeitern heranjujtehen, nicht nur au* 
bem ©chügengraben unb bem Bereich ber 3. Armee, fons 
bem auch öu* ber Jpeimat. 3m legten Moment brohte 
ber franjügfche ©egfagen, bem bte notigen e fehlten, ba* 
Srfchetnen ber ergen Kummer bebeutenb ju oerjögem; 
burch „ Maffenmorb" ber franjofehen 6, benen ihre Afjente 
„abgemurfg" mürben, mürbe e* aber nach oielen ga'hrs 
lichfeiten möglich, jur großen greube ber Angehörigen ber 
Armee am 18. Dejember bie erge Kummer herauöjugebett, 
bie fich recht mohl fehen laffen fonnte. Sin mtrfungöooller 
£itelfopf fehmüeft bie Armeejeitung. Wa* fte mollte, 
fagt fte in biefer ergen Kummer in 9)rofa unb in ^>oefie. 
Der „Shampagnes^amerab" mollte ben gelbgrauen mirfs 
lieh ein tfamerab in Seib unb greub, in Srng unb froher 
Saune, für Serganb unb ©entüt immer fein, menn ber 
$riegdlarm ba* julieg. Dag bte ©chriftleitung ba* SRich 5 
tige getroffen, jeigte fich halb in ber fchnellen Sntmtcfs 
lung. Glicht nur bte ^öhl ber Sefer much*, täglich mehrte 
fich auch bte 3<*hl her Mitarbeiter. Die Auflage oon 
25 OOO reichte balb nicht mehr; halb mugten 35000, heute 
müffen50000©tücf gebrueft merben. Die Drucferet mugte 
oergrogert, meitere* Material befragen merben. Mit 
Kummer 16 erfchetnt bte ^itung in beutfehen grafturs 
tppen, bie injmifchen au* Deutfchlanb bejogen morben 
maren. Durch bie Beilage „^citfehau" mürbe ber Umfang 
oermehrt, fpater trat bie mettere Beilage „3m Unterganb" 
hinju, fo bag ber „Sbampagnes,ftamerab" ein recht ans 
fehnliche* klügere befant, ma* erfreulichermetfe burch Sets 
menbung oon gutem ^apter noch erhöht mürbe. Wa* 
ben 3nhalt betrifft, fo mtrb bte Leitung ber 3. Armee für 
immer oon Sebeutung bleiben. Da* gilt oor allem für 
bie Briefe au* ber Heimat, in benen ©eiehrte, ©taat*s 
manner^olitife^Dichter unb Dichterinnen, furj Männer 


unb grauen oon Stuf unb Stamen mertoolle Seiträgc ges 
fchaffm, ba* gilt aber nicht meniger auch &on hem, ma* 
bte felbgrauen Mitarbeiter, menn auch manchmal nicht ganj 
formooflenbet, bafür aber um fo mahrer unb tiefer emps 
funben beigegeuert höben. Wa* geeft f)\cx nicht alle* 
an hiftorifd? mertoollem Material, an Berichten unb 
©fijjen, an Sinbrücfen unb Smppnbungen, an Silbern 
unb Dehnungen, an Srlebtem unb gabulierlug! Wer 
bte ©efchtchte ber 3. Armee fchreiben mtll, mug biefe 
Slatter gelefen höben. Auch ön Zünftlern höt e* ber 
Armeejeitung nicht gefehlt, bte 3Hugrationen unb $arts 
faturen, ©timmung*bilber unb ^^nungen geliefert 
haben. 3n*befonbere höben geh gelijr ©egmiefi unb 
Stichörb Staumanns@ofchüg,ber eine al*Unterofgjier, 
ber anbre al* ©renabier jur gelbjeitung befehligt, burch 
laufenbe Mitarbeit in fmh em ©rabe oerbient gemacht. 
Wer über ben Setrieb ber 3eitung*brucferei, bte jegt mit 
jmei grogen unb einer fleinen ©chnellpreffe au*gegattet 
ig, geh informieren mill, ber lefe ben launigen Sertcht 
be* Unterofgjier* Jpeffe tn ber Stummer 50, ber gatigifchc 
fahlen bringt. Die gebrueften Stummem, ber Sange nach 
nebenemanber gelegt, mürben, fo fagt er un*, 620 km ers 
geben; ber „Shampagnesßamerab" fünnte alfo, „menn 
er ein leibhaftiger tfamerab mit ©emehr unb Jpanbs 
granaten au*gerüget mare, bte ganje Wegfront oerteibis 
gen". Der Unterofgjier Jpeffe, fong ein Serliner Sehrer, 
geht bem Jperau*geber feit ©rünbung ber Rettung al* 
rechte £anb bei ber ©efchaft*leitung jur ©eite. Auf bem 
brucftechntfchen ©ebiet untergügen ihn al* Seiter ber 
Drucferei Unterofgjier #enfel*, fong gabrifbireftor in 
Serlin, unb ©efreiter Jpollanb, Suchbrucffaftor au* 
Serlin, ber, mie ber #erau*geber mitteilt, „in bem fong 
ja ooUer Saien mimmelnben Setrieb unerfchütterlich bie 
gähne ber junftgerechten Xppographie aufrecht erhalt". 
Da* technische ^erfonal begeht fong au* 8 ©egertt, 
4 Drucfern, 3 Suchbinbern, fomie männlichem felbgrauen 
unb meiblichem franjofifchen #tlf*perfonal. 3n ber 
©chriftleitung gnb tätig bie Unterofgjiere Jpolg unb 
Sufacf, beibe ebenfall* Serliner Sehrer, für ©onbers 
gebiete unb ber ©efreite Doberer au* Siebrich, oor bem 
Kriege junger Kaufmann, für bie Seilagen „Jeitfchau" 
unb „3m Unterganb". Auger ber gelbjeitung unb einer 
neuen, im Aufträge be* Armeeoberfommanbo* h*rau*s 
gegebenen lanbmirtfchaftlichen Wochenfchrift „Der gelbs 
graue Sauer" mug aber bie Drucferei noch manche* 
anbre liefern, fo bag mir mit Worten ber oollgen Ans 
erfennung für all ba* ©eleigete nicht fargen bürfett. 

Quellen: Artifel„DerShampagnc^Äamerab" inSlr.25, „3 um 
50. mal" unb „Der Sbampagne^Äamerab im Siebte ber 3abl" in 
Skimmer öO ber iUrmeejJeitung, fotuie briefliche Mitteilungen. 


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Original fro-m 

PRINCETON UNIVERS1TY 





3fr- 213 Drei fön i'göfag 6.Januar 1917 



©ie 127. SriegOwoche 

(29. ©ejember 16 bi* 4. 3anuar 174 
Sit iff o(fo ba. ©ic Stntworf ber dntente auf 
bo# Jrifbcn^onflebot ber Rtittdraächfe nämlich. 
Suh<gehn Sage hob« bie Stabindfe gebraucht, pc 
tu beraten unb gu formulieren, unb ben oerrirten 
»nprengungen alier (fntenfe »Regierungen (auch 
btrjenlgen, bie eigent¬ 
lich wenig ober gar 
nicht* mehr gu regte* 
ren haben) iff e* bann 
fo gegen 3abre*ftt(up 
gelungen, ba* di gu 
legen, auf beflen dr- 
fteinen bie gange 
RJett mit mehr ober 
weniger ©ponnung 
wartete. Stein R3uu- 
ber, wenn bei biefer 
langen Xegebauer ba* 
di gleich oberfaul gu 
Sage gefommen iff. 

©enn, fo erfreulich 
furj unb wfirbig ber 
legt unferer Jrieben* 
note war, fo langaf* 
mig aufgeblafen unb 
babei inhattohobt iff 
bie Jlnfwort ber dn» 
tente. ©Ie enthält ei» 
g entlieh weiter nicht*, 
at* eine Reihe fattfam 
befannter, hunbertmal 
porgebra^fer Xdfarti- 
fetphrafen, bie beim 
hunbertunberflen 
Riale P«her nicht fn« 
tereflanter unb Aber* 
geugenbtr Wirten. ©er 
Stern ber langen Xifa- 
nel iff febenfofl* ln 
bem ©abt gu fueptn, 
baf ,fn Polier (fr» 
fenntni* ber ©chwere, 
aber auch ber Rofwen» 
bigfdf ber ©tunbe bie 
alliierten Regieren, 
gen fn polier Überrin- 
Plmmung mit Ihren 

Rölfem e* ablehnen, pch mit einem ©orphlag ohne 
©ebeufung (7) unb 9fufri«h«gfett (7) gu befaffen'. 
©amft iff unfer 3frieben*angebot obgelehnt, trie 
e* na<h ben drfldrengen ber dntenfe-RNnfper 
ntiht anber* gu enoarfen war. - Äfuf ben übrigen 
3nhatt ber »ofwortnote elngugehtn, oertohnf pd) 
laum.- ©elbflperfldnbHch muh bo* »gemarterte' 
■Selgten wleber auogiebig herhatten, um bie ©chanb» 
taten ber RHtfelmdchte gu beweifen unb ft« all 
ben geborenen jfefnb atler neutralen StWnffaiten 


hinguffellcn, wäbrenb Ne dnfenfe natürlich bie 
ebenfo ebelmüttge, wie uneigennützige ©ephüherin 
biefer 6faafen fein will, ©a* hinbert Pe ober 
nitbf, gu heefdben 3«#/ in ber Pe ihre Sfnfarort- 
note- oeröffenfttcht, an ba* bt* gum XBeifibiufen 
„befdjütft' ©riechenlabb mit gerabegu unge¬ 
heuerlichen 3umutungen herangutrden, mit Bumu< 


U-©ooflrieg burch ein ©egengewichf gu hämmert, 
©elbp ip dnglanb biefem Stampfmittel gegenüber 
madfflo*, aber wenn man Ne gange neutrale 
©cblffabrt alarmiert, — pielleicht^ bap auf biefe 
CBeife ber li*©ootpefl beijufommen iff. 6o be» 
beutet bie Jorberung nicht* mehr ober weniger, 
al* ben ©erfuch, Stonpiffc gwippen ben Reufrolen 


D menföenttnb, ballt trtulkh 
We StönJa« wanbem, • wanbrt mH! 


0«r ©lfm M Jrkbtn«, ber ©nab« ©Um 
erbrüt btln 3H ©mit ba fach«P bm £mr. 

(Pelir tforntliu*) 


fungen. Ne au* biefem neutralen ©faat ein oon»| unb ben Rljiteimächfen gu fchaffen. 

©ennunferU*©oof- 
(rieg wächP m ben Teu¬ 
fen ©Jochen gu einem 
furchfboren ©chrecfge* 
jpentf für dnglanb 
au*. (6iehe ben JHuf- 
fah in biefer Rr. .2Bo* 
ber U-©ooftrieg unfe» 
re 3feinbe foPet'.) 
- 406 500 Sonnen 
feinblicher unb neu* 
traier äanbetephiff« 
pnb allein im Rlonof 
Rooember 16 oerfenlf 
worben, ©efonber* 
gfangboli iP bie Xd» 
Pung jene* U-©oote*, 
ba* am Rorbfop tm 
au* bem Xante be* 
5rieben*permi(l(er« 
©3iffon, au* Ämerita, 
lommenbe* unb mit 
Rluniiion Doiige» 
pfropfte* ©chiff auf» 
brachte, ©a* 6chifT 
würbe nicht oerfenlf, 
fonbem froh be* 

„mcerbcherrfchenben 

aibion*" burch ba* 

ÖiomecrunbbieRorb» 

fee a(* gute prifc in 
dnen bcufphen äafen 
dngebradjt. Stein 
R3unber, wenn nach 
folgen Saffachen bie 
dnfenfe bie Rliibitt« 
ber Reufralen gur ©e» 
fdmpfung unferer U* 
©ooic forbert. - 
3n Rumänien 
machen unfere woefe» 
ren Sruppen füglich 
weitere Joriphritfe. ©fH j 0fl e n (obf dn f^effffler» 
für Ne Stinbe duperff periuPrdchcr Stampf um 
bie hefepigfe ©erethPeflung, bie ben dinfritt in 
Ne Rlolbou rcrriegeln fofl. 9fuf ben rinen Sfügel« 
puntt biefer ©felfung, ©raiia an ber Donau, i|f 
ber $dnb Phon gurüefgeworfen unb ber ©reeferi» 
topf 3J)orin genommen, wäfjrenb pch unfere Srup* 
pen auf bem anbern Flügel bem hefePigfen Jor» 
fanl, am Juf» ber Starpathen injtplpben fo gend: 
hert hoben, bap btf Angriff auf Meten ©rücfen- 


ber dnfenfe oerwaffde* Oebief ohne jebc* 6c(bP» 
bepimmungorecht machen würbe, ©a* Nnbert 
dnglanb auch nicht, gerabe in Mefen Sogen oon 
ben neutralen ©chlfffahrtOgefePphaften gu perfan¬ 
gen, baf Pe ihre für dnglanb* Rechnung fahren- 
ben ©ampfer ln 3ufunff bewaffnen müPen, wenn 
man biefe überhaupt in dnglanb lanben (apen 
wffl. ©dbppetfldnblich geweht biefe ©ewaffnung 
nicht etwa nur bcforatiPcr XPtrfungen wegen, 
fonbem gtt bem au*gdpro<hencn 3wecf, unfein 


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Original fro-m 

PRINCETON UNIVERSITY 








Äncg^eitung iw 4. 2lrmee 


DieÄriegSzeitung ber4.9lrmee reicht in ihren Anfängen 
noch in boS erße $riegSjohr zurück. 3^e erße Kummer 
ersten Rlitte Dezember 1914. Ein befcheibeneS 931 att? 
d)en war eS, boS bamals boS Sicht ber Delt erblickte, oon 
bem wohl niemonb ohnte, baß eS ju feiner jegtgen S3e? 
beutung fich ouSwachfen unb eine ber beßen, wenn nicht 
bie beße Äriegöjeitung btefeS 936'lkerkriegeS werben würbe, 
greilich hotte bamols ouch niemonb boron gebockt, ber 
Zeitung eine weitere Aufgabe jujuweifen, old bie, bte thr 
burch 2lnorbnung beS 2lrmeeoberkommonboS zugeteilt 
worben wor: „Die neueßen Röhrichten oon ollen Kriegs? 
fchauplagen ju übermitteln unb olS DorlogSgazett bie 
93et>cflkerung über bte kriegerifche Soge oufjufloren." Ein 
befcheibeneS Rachrichtenblatt für unfre gelbgrouen, in 
ben erßen fteben Hummern, bte beutfc^> unb flamtfch er? 
fchienen, ouch für bte 93eoolkerung, iß eS noch längere 
Zeit geblieben, wenn eS fich aud) mehr unb mehr bem 
Ehorokter einer Xogeöjeitung mit Seitartikeln, XageS? 
neutgfeiten unb Heeresberichten, unterholtenbem unb be? 
lehrenbem £eil näherte. 3n X^ielt in Deßflanbern ^atte 
bießriegSzeitung zuerß ihreDruckßatte unter primitwßen 
93erhaltntffen (bie Rlofchtnen mußten teilweife mit ber 
Jponb gebreht werben!) unb erßhwerenben Umßonben: 
mußten hoch bie Druckformen „mit ber ^onbforre oon 
einer Druckerei in bte onbre gebrockt werben", weil bte 
eine Druckerei mit ihren Einrichtungen nicht auSreichte. 
£rog ollebem hot fich bte Slrmeejeitung, inSbefonbere 
ttochbem bte ittufirierte 93etloge „Sofe 93lotter" im 9lpril 
1915 hinzugekommen wor, unter ber hingebenben Leitung 
oon Df ß jteren beS 3lrmeeoberkommanboS bolb fo entwickelt, 
boß fie eine Auflage oon 35000 oufweifen konn. Dohl 
wor eine eigene tigeret unb eine Älifchteronßolt gegrünbet 
unb eine britte Druckerei Ißnjugenommen worben, bas 
tägliche Dachfen ber Zeitung brongte ober gebteterifch noch 
leißungSfa'higeren Einrichtungen. Die ganze Deiterent? 
wtcklung zeigt, mit welchem SBerßanbmS unb Dohlwollen 
boS 9lrmeeoberkommonbo ben geßeigerten 93ebürfntffen 
entgegenkom. Der ErfcheinungSort konnte noch bem 
Etoppenhouptort ©ent oerlegt werben, wofelbß eine große 
ZeitungSbruckerei, bte bisher fronjoftfehe unb flomifche 
XogeSjeitungen gebruckt hatte, benugt werben konnte. 
Hier ßonb eine große omerikonifche Duple;?©chnel(preffe 
jur Verfügung. Run wor ein anbreS Arbeiten möglich, 
Zumal für bte „Sofen 93lotter", bie ftch immer wochfen? 
ber Beliebtheit mit oollem Rechte erfreuten, eine jweite 
Druckerei herangezogen werben konnte. $on größter 
Dichtigkeit ober würbe bie £otfoche, boß mit bem Druck¬ 
gewerbe oertroute Bonner berufen würben, beren ©och? 
kenntnis, literarifcheS Dißen unb ßunßoerßanbnis aus 
bem 93lott in Äürje eine Zeitung mochten, ouf bie wir 
Deutfchc allezeit ßolz fein können, auch wenn beS Krieges 


©türme longfl oorüber finb. 3llS gar ein Rlonn wie 
Eppenberg, ber 3nhober beS Seipztger SnfeloerlogS, mit 
ber Leitung ber -Bettung betrout unb eS btefem ermöglicht 
würbe, ju bem fchon longer bei ber ÄriegSjeitung totigen 
Jpomburger Zeichenlehrer gronj 93reeß, Bonner wieSucion 
93ernhorb, beffen 9lome olS 93uchgewerbekünß(er einen 
guten älong hat, ^oul ^piontke, ben Berliner SDtoler, ber 
im 3ahre 1914 ben ©roßen ©tootSpreiS für SKolerei er^ 
halten hot, heronjujtehen unb in bem Unteroffizier ©eoerin 
SRuettgerS,bem bekonnten ©chrtftßeller, einen keboktionS^ 
geholfen, fo wie in bem 93uchhanbler Äorl ©etßer für ben 
93erfonb unb Vertrieb ber Zeitung eine große ©tüge ju 
erhalten, bo woren olle 93ebingungen für großzügige Ents 
wtcklung gegeben, woS ber Leitung ber 4. 2lrmee für 
immer ein ehrenbeS Zeugnis ouSßellen wirb. ü)?oncher 
£ogeSzettung künnte bie ÄriegSzeitung ber 4.2lrmee ihrem 
3nholt unb ihrer 3lufmochung noch zum Borbtlb bienen. 
Jpeute wirb bie Zeitung in 93ernhorbs3roktur gefegt unb 
mit trefflichen Zeichnungen gefchmückt. 9}?on fpürt eS 
biefen oft burch bie Zeiteretgniffe heroorgerufenen Bilbern 
on, boß bie Zünftler mit bem Erßorken ber Zeitung in 
ihrem Tonnen gewochfen ftnb; eS ift eine greube zu fehen, 
wie ße mehr unb mehr ihre Slufgobe meifkern. DoSfelbe 
gilt oon ber Entwicklung ber „Sofen Blatter"* DoS hoben 
biefe on Dertoollem im 2oufe ber Zeit nicht olles gebrocht! 
Unb bie ©chriftleitung, woS hot ße nicht olles geleißet, 
wobei ße fich ih re r Slufgobe einer ^riegSzeitung ooll be= 
wußt geblieben, nie zu hoch gegangen, nie zu tief herafc 
geßiegen iß; ße unterhalt, erfreut, belehrt; oor ollem: ße 
weiß, woS fie will. ES iß erßounlich, welche gülle oon 
getßt'gen unb künßlertfchen Derten in ben einzelnen 
Ölummern ßeckt. TOt welcher Siebe wirb boS befegte 
©ebiet in Sluffogen unb kleineren Artikeln bchonbelt; 
welche 9lufmerkfomkeit wirb ber Kriegs? |unb ©olboten^ 
fproche zugewenbet; wie wirb bie $unß |unb Siterotur 
gepflegt; wte oerßeht eS ber Berichterßotter ber Doyens 
fchou, zufommenfoffenb unb überßchtlich über bie kriege? 
rifchen Ereigntße zu berichten unb gelegentlich Rückblicke 
unb Ausblicke zu geben; wie wcrtooll ßnb bie Beitrage 
ouS ber $eimot, bie ber geber bekannter Banner wie 
Rubolf Eucken, 5llbert ^oßer, Ernß Xroeltfch unb onbrer 
entßommen! Rieht Eintagsfliegen ßnb biefe Artikel; 
nicht finb fie gefchrteben, um Zeilen zu füllen: fie ßecken 
ooll fittltchen DerteS, hißorifchen 3nholtS, tiefen ©ernütS. 
Der größere ^eil ber Beitrage iß oon ben ©olboten ber 
9lrmee gefchrieben, borunter nicht nur eine große gülle 
oon Berichten über kleine unb große $riegSerlebntße — 
bie fpoter ein wertvolles ©tubienmoteriol für bie ^Pfpcho? 
logie beS beutfehen DeltkriegkompferS fein werben — fon? 
bem auch t>iele künßlerifche 93eitroge: ©ebichte, ©tim? 
mungSbilber unb Erzählungen oon eigener gorm unb 


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Original frorn 

PRINCETON UNIVERS1TY 





tiefem ©ehalt, bie man wohl auögelefen unb gefammelt 
fehen mochte. 2luch bie „2ofen Blatter" finb nicht plan* 
loö jufammengeffedt; gar manche Kummer tft einer be? 
fonberen @ache ober einem befonberen Einlaß gewtbmet 
unb infolgebeffen, jumal bte fünßlerifche Ausführung 
auf einer erfreulichen fySfa ftebt, für immer wertvoll. 
2Bir nennen nur dummem wie bie, bie ben ©anbmales 
reien beutfeher ©olbaten in glanbern, ben ©rabern in 
glanbern, bem Sweater hinter ber gront, Alts@ent, ben 
Seifrieben, ®pern einft unb jegt, ben SaubenFmalern in 
Srüffel, ©ent unb Antwerpen unb anberm gewibmet finb. 
£aß eine Kummer wie bie 75. mit ben alten beutfeben £ies 
bern unb Silbern oon Subwtg dichter unb eine ebenfolche 
ju ÄaiferS ©eburtstag mit benen oon 6ler>ogt befonberS 
begrüßt worben ift, laßt fich oerpeben. Auch S0?enjel war 
aus Anlaß ber ffiieberfehr feines ©eburtStageS eine be* 
fonbere Kummer gewibmet worben, ©elbßoerftanblich 
fehlen auch h^morif^ifche 23eitrage in ben „Sofen flattern" 


nicht, wie eine $riegShobelbanf mit ^^nungen oon 
Unteroffizier ^piontfe, SWoritatemSilberbogen oon Sreeft, 
@chattenriffe unb ähnliches. SefonberS h^orjuheben 
finb bie £riginaljteinbrutfe ber „Sofen Blatter", beren 
bisher wer oorliegen. Nehmen wir baju, baß außer ber 
Äriegdjeitung, bie wöchentlich zweimal erfcheint, in ber 
£)rucferet oiele Drucffachen unb Su'cher für baS Armeen 
oberfommanbo unb fonjiige militarifchegormationen her= 
geteilt werbeit, baß ftch neuerbingS bie ßricgSzeitung auch 
mit ber Jperftellung oon Suchern für bie ©olbaten be« 
faßt, fo fonnen wir nur üßorte ber größten Anerkennung 
für all baS ©eleiflete auSfprechen. 9Äan rnüchte nur 
wünfehen, baß mancher ^ritungSbetrieb in ber Jpeimat 
ftch e * n 23eifptcl an btefer ÄriegSzeitung nähme! 

£lue tlen: 5lrtifel „Unfer Jubiläum" in Kummer 200 unb „Unfre 
Äriegßjeitung im ÜBanbel jmeier 3ahre" mit Silbern au6 ber 
S)rutferei unb ©efcerei „2ofe Slätter" Kummer 78 foroic erbetene 
Mitteilungen. 




2luf ber .ftricgfyeitung ber 4. ’2lrmee 

13 


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Original fro-m 

PR1NCET0N UNIVERSITY 


























£o|cQ3l&tter 

QSeilcige pxv rodegä^eihmg bet 4.Qlrmcc 


fir. 55. 


28. Mai 1916. 


®ntettte-Arieig*rrt 



JaH6 bu im ©ften angegriffen wirft, unternimmt er ®oflten bid) bie ©flerreicher »on $iroi tjrr crnft(id) bt> 

eine groflangefegtc ®ntfaftung4offenfine gegen TOe&. brängen, fo entraftet er bid) burdi eine furchtbare Cfenfive 

in (Balijien. 



Äannß bu bagegen Serbun nicht mehr barten, entiaftet ®o, nun tut eure ©chulbigfeit, bamit auch ich weinet 

er bid) burd> eine brillante Ofonjooffrnfwe. Schweren Aufgabe, bauernb (m 3torau4 ben tnbftrg ju 

preflamieren, «oO unb ganj gerecht werben fann. 


Difitized hy Go „sie 


Original fram 

PRINCETQN UNIVERSITY 





Die Zahnbürste 



3«9H ©e mr otnol a $at)'bürid>t\ — 2ft’r u belieft, TOiinljeer. Xba liebe grau, bot ifd> bod> fa fcnrfafle net. % ©ürfAtle bat 

bodh 42 >oor. 




3a, ipat ifd> beim böt? DÖ4 ifd) ja gar a D?unt>ljarf! — 2f®’r u $Bot tuet mr benn im Äriag au mit’r a 3«V&ürfd>rf Dit Ding 

belieft, OTiinheer. ba macht »emgfdjbent Sergnüqe, afchbebliefb! 


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Original frnm 

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$eli)$eitung ber 5 . 9lrmee 

(größer: Neuefle Nachrichten) 


Die gelbjeitung ber 5. Armee ift ein gefehlt geleitetes, 
fd^>nc(r unterrichtenbeS Nachrichtenblatt, baS täglich ben 
Gruppen bie wichtigen Nachrichten auf engffem Naunt 
gibt, 0ie iff entffanben aus ben „Neueren Nachrichten", 
bie bereite feit DBtober 1914 in ©tenap als regelmäßiger 
^eitungSbienff herausgegeben würben. Diefe „Neueffen 
Nachrichten" erhielten mit ihrer Nummer 98 ben Dbers 
titel „gelbjeitung ber 5. Armee". Der EhoraBter beS 
^eitungSbienffeS würbe beibehalten, aber hoch nach unb 
nach mehr gegeben, nachbem @ch wierigfeiten beS DrucBereis 
betriebet, bie nicht gerabe flein waren, überwunben worben 
waren. Jpeute geben bie oterfeitt'gen Blatter ben H eercÖ5 
bericht, orientieren fchnell unb gefchicBtüber bie militarifcbe 


unb polttifche, auch über bie wirtfchaftlicheSage; gelegene 
lieh finben fich auch ©ebichte, inSbefonbere bei fefflichen 
Anläffen, wie jur 3ahreSwenbe, ju ilaiferS ©eburtstag, 
aber auch ©timmungSgebichte, inSbefonbere ^araphrafen 
ju befannten Siebern, wie „©ir treten mit Neten in 
heiliger 0tunbe" ober ju„^reifenbmitoielfchonen Neben", 
bie *Paraphrafe „^um ©iebenmacbtesÄriegSrat im frans 
jofifchen Hauptquartier am 7. Dejember". Über bie 
DrucBerei, bie ©efchichte ber Leitung unb ihre EntwicBs 
lung höben wir letber nichts Näheres erfahren Bonnen, 
muffen uns beSbalb auf biefe Burjen NemerBungen, bie 
auf ©runb ber uns oorltegenben Nummern gefebrieben 
finb, befchranfen. 


£itler Ärtegsscitung 

Leitung ber 6. Armee 


Die beBannteffe Arnteejeitung ifl bie ber 6. Armee, bie 
„Silier ßriegSjeitung". 0ie würbe auf Nefehl©einer 
Mgl tyofyit beS $ronprinjen Nupprecht oon Napern ins 
Seben gerufen, ber bamals DberbefehlShaber ber 6. Armee 
war. 3h*e erffe Nummer erfchien am 8. Dejember 1914, 
alfo ju ber $t\t, als man jum ©tellungSBampf übers 
gegangen war. Die oorberettenben ©chritte für bie ©rüns 
bung ber Leitung waren oon bem Nachrichtenofftjier beS 
ArmeeoberBommanboS 6, Houptmann SübcBe, unb bem 
erften Abjutanten beS ©ouoernementS Sille, Houptmann 
23rücBner, getroffen worben. Als H^ouSgeber würbe ber 
beBannteNomanfchriftflellerHouptmann b. Sanbw. *J)aul 
DsBar HocBer, ber bis ju biefer >Jeit eine marBtfcheSanbs 
wehrBompante Bommanbiert unb mit biefer im ©chügens 
graben weff lieh non SNeffineS gelegen hotte, berufen. $urjc 
Jeit ffanb ihm Nittnieiffer a. D. gretherr ©eorg oonDmps 
teba jur ©eite, ber aber infolge anbrer 3nanfpruchnahme 
nur feiten mitarbeiten Bonnte unb im Auguff 1915 feine 
Mitarbeit einflellte. Als DrucBerei ber Arnteejeitung würbe 
ber ffilliegenbe betrieb ber Silier £ageSjeitung „Echo bu 
Norb" für bie -SroecBe ber Silier ßriegSjeitung eingerichtet. 

DrucBereiperfonal würben ©olbaten oom gach bei= 
gejogen, neben ihnen aber noch franjofifche ^ioiliffen 
ctngeffellt. Nalb waren bie notigen Nlafcfnnenfeger, Jöonbs 
feger,©afchinenmeiffer,Ehemigraphen,DrucBerunb23uchs 
binber beteinanber; halb aber gab es auch Arbeit genug, 
benn nicht nur bie ßriegSjeitung, auch oll baS übrige, was 
eine große Armee an DrucBfachen oerlangt, mußte in ber 
DrucBerei hergeflellt werben: 9HaBate,Dienflanweifungen, 
Siffen, Nrofchüren, Programme, ©ar auch bie DrucBerei 
beS „Echo bu Norb" bie größte DrucBerei beS ganjen Nors 
benS oon granBreich, gar manches mußte hoch in ber Eins 


richtung oerbeffert unb neu gefchaffen werben, ganj abs 
gefehen baoon, baß fich baS beutfehe sperfonal erfl in bie 
franjüfifchen Ntofchinen einarbeiten mußte. Daß bieS fo 
rafch gefchah unb heute ber betrieb allen Anforberungen 
gewachfen ijf, oerbanBt bie Silier ^rtegöjeitung nicht jum 
minbeffen bem baperifchen 2lrtil(erieunterofßjier 23ommer, 
bem DberfaBtor beö je^tgen 23etrtebö, ber oon Hou6 au< 
ein Angehöriger ber „fchwarjen ilunff" iff (ein Münchner 
25uchbrucBer) unb feinen 0tolj barein fegte, bie „$unj!" 
auch hier ju £hren ju bringen. 3m betrieb ßnb 4 0egs 
mafchinen(^)arifer0pffem), cineNotationömafchine(Drils 
ling), 3 beutfehe tfunffbrucBpreffen mit (Jinlegeapparat 
(©inböbraut), 4 franjofifche 0chnellbrucBpreffen alteren 
0pffem6 unb mehrere Siegel. 

Der Herausgeber, Houptinann H^cBer, ber oon allem 
Anfang an höhere >3ie(e mit ber ÄricgSjeitung oerfolgte, 
was ihr auch oor allen anbern gelbs unb 0chügengrabens 
jeitungen in glücBlichffer ©eife gelungen ijf, hat halb tüch? 
tige HilfsBrafte für bie 0chriftleitung beBommen tn bem 
©efreiten Dr. ^)aul ©eiglin, NebaBteur oon Nelhagen & 
ÄlafingS ©onatshef ten, unb in ber humorbegabten 0chrtf ts 
ftellerin griebel SNerjenicb. Non bem ©rünbungStage an 
ift Unterofßjier Äarl Arnolb, ber beBannte Münchner ^aris 
Baturift, an ber Bünftlerifchen ©effaltung ber illuflrierten 
Beilage „^rtegSflugblatter" unb ber zahlreichen Nücher 
beS ^riegSoerlagS ber Silier JtriegSjeitung tätig gewefen. 

Der DrucBerei flehen außer ben ©enannten fernerhin 
jur Verfügung: 1 gaBtor mit 4 ©afchtnenfegern unb 
6 Honbfegern, 5 NuchbrucBmafchinenmeifler, 1 ^lifcheur, 
2 (JleBtrotechniBer unb wettere HÜfsBrafte. Daju Bommen 
65granjofcn, barunter 15 Einlegerinnen, 0tereotppeure, 
Nuchbinber, NotationSmafchinenmcifter. 


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Gck igle 


Original fro-m 

PRINCETON UNIVERS1TY 





©er bte Sitter $riegS$eitung von ihrer erflen Kummer 
ön verfolgt, wirb ihr ungefchmalert baS 3 cu 0ntS geben 
müfTen, baß fie von Kummer ju Kummer äußerlich «ob 
innerlich gewachfen tfl. greilich baS franjofifche kopier 
gereicht ihr nicht jum Vorteil. Erfreultcherweife hatte hier 
in ber erflen Jett bie girma g. E. ©etbmüller, Dreiwerben 
bei DreSben, mit einer „SiebeSgabe" von jwet ©agen* 
tabungen für eine SBeile Vefferung gefchaffen, was vor 
altem benVilbern jugute fam. gur befonberegeflnumntern 
fonnte fpater — ban? ben Einnahmen aus ben Verlags* 
werfen — von München* Dachau, gtinfeh unb anbern 
spapierfabrifen $unf!brucfpapierbejogen werben* gur ben 
gefamten ^apierbebarf war btefer ©eg aber bei ber großen 
Auflage von über 80000 nicht gangbar — was manches 
Mufeum unb manche Vtbliothef im 3ntereffe ber Erhal* 
tung ber wertvollen Jeitung für fpatere ©efcfdechter leb* 
haft bebauert. Trog atlebem hat ber ©ratulant in feinem 
„©eburtStagSbrief an bie Silier JtriegSjeitung" recht, wenn 
er fagt: „Du fannf! flolj fein auf beinen bisherigen Ent* 
wicflungSgang, ma petite belle Lilloise. Dein Stuf tf! 
fchon weit hinein nad) Deutfchlanb gebrungen, unb auch 
bort baff bu fchon viele #er$en erfreut, vielen Unterbat* 
tung gebracht.'' 

Die Sitter foiegSjettung hat aud; burch „AuSlefen" bie 
heute feltenen Hummern beS erflen 3ahrgangS wie auch 
fpatere ihrem beffen 3nhalt nach in Buchform juganglich 
gemacht unb bie Erhaltung beS Veflen bamit für fpatere 
feiten gefiebert, ©eiche ©erte in ber Sitter ÄriegSjeitung 
ffeefen, ifl fo befannt, baß wir hier nicht naher barauf ein* 
jugehen brauchen, ©ie viel jpeitereSunbErnfleS in *J)rofaunb 
9>oefte, aber auch wie viel ÄünfllerifcbeS im Vtlbe — vor 
allem von ßarl ArnolbS Jjanb—ift im Saufe ber Jett unfern 
getbgrauen hier geboten worben! $etn ©unber, baß fie an 
ihrer „Silier" fo hangen. Das ©an je tf! eine echte beutfehe 
Seiflung, bie felbf! bem geinbe nicht unbefannt tf! unb von 
ihm anerfannt werben muß, wenn überhaupt unfre geinbe 
noch fähig finb,gcrecht ju urteilen. Die Sitter ßriegSjeitung 
ifl bei aller Jjo'he, auf ber fie fleht, hoch immer eine echte 
©olbatenjeitung geblieben, babureb/ baß fte Angehörige 
aller Dienffgrabe unb aller ©affengattungen ju ihren Mit* 
arbettern ja'hlt. Valb fchreibt ber Geheime SftegierungSrat 
UniverfitatSprofeffdr Dr. ©djrober, ber als #auptmann 
ber Sanbwebr im gelbe fleht, halb ber AnnierungSfolbat 
Erwin SRoeSlin, ein ©emtnarifl; gar manches lefen wir 
von Dberff $aben, vom Vijewachtmeifler SKoetngh, ber im 
Jivilberuf 3ngenteur ifl, von Seutnant Vtebge, einem ©tu* 
benten ber SRecbtSwiffenfchaft; batb la§t ftch Unteroffi* 
jier griebrich, ber Dbertehrer im J£)eimatbcruf, vernehmen 
unb neben ihm ÄriegSgerichtSrat Drefen. Den MuSfetier 
Ma* Sungnicfel (befannt als ©chriftfleller) finben wir 
neben bem VerbanbSfefretar (befreiten ©teinhage. Eifrige 
Mitarbeiter finb ©tabSarjt Dr. Jpeffe, $orpSf!abSveterinar 
.ftalfoff, ©cbüge Mad)atfchecf (ein Kaufmann), gelb* 


geifllicher Dr. Aufhaufer, Seutnant DortanS (von Veruf 
Sehrer), Seutnant Detering (von Veruf Sanbmeffer), 
Seutnant 4?artmann, Dberjager Jp. ©chmalfuß ($auf* 
mann), ber Mittelfchullehrer ©ef reite Dtte, unb mancher 
anbre. 3fl auch manches, tnSbefonbere bei ben ©es 
bichten, ber gorm nach nicht ganj auf ber fyüfy, ber 
Jpauptmert liegt in ber ©eftnnung, bie aus all biefen Vet* 
tragen fprtcht, auch aus benen, bie bumoriflifcher ober 
fatirtfeher Statur ftnb, unb beffen finb vor allem wir in ber 
Jpeimatfroh. ©enn folch ein ©etf! braußen herrfcht,fann’S 
babei bleiben: „Sieb Vaterlanb magfl ruhig fein." 

Unentgeltlich wirb bie Jeitung in Taufenben unb aber 
Taufenben von Ejremplaren an unfre gelbgrauen abgegeben. 
Um bie hoffen ju beefen, ifl bie Silier $riegSjeitung fchon 
früher baju übergegangen, einen eigenen Verlag ju grün* 
ben, bem recht wertvolle Veröffentlichungen ju banfen finb. 
DaS Vuch „Sille in beutfeber £anb" fagt jwar befchetben 
von ber ©chilberung beS rein Milttarifeben barin, baß fie 
nicht ben Anfpruch erhebe, vor ber gachfritif ju beflehen, 
man wirb es bem Verlag aber fpater banfen, baf; er biefe 
Erinnerungsgabe herausgebracht hat. ©a'hrenb bie erfle 
„AuSlefe" aus ber Armeejeitung in frembem Verlag 
erfchten, f onnten eine jweite — „Vom ^ftngflfefl jur ©eth^ 
nacht" —, eine britte—„Die ©ommerlefe 1916"—unb bie 
„Vierte AuSlefe" im eigenen Verlag berauSgegeben wer* 
ben. ©ie finb in Sille in eigenem Vetrieb gefegt, gebrueft, 
gebunben worben. Von ben wetteren Veröffentlichungen 
mochten wirhternoch nennen :„ArnolbS^riegSflugblatter", 
„Das Süffige Vüchel" unb baS „Zweite Süffige Vüchel", 
unb fchltefjlich bit fleine ©ebichtfammlung „gelbfolbaten* 
fang in glanbern". Aud) ein „kleiner gührer burch Sille" 
unb eine ganje SKeihe guter AnfichtSpoflfarten unb fünf!* 
lerifcher gelbpoflfarten verbanfen bem Verlag ber Silier 
Kriegsjettung ihre Entflchung. Daß ber Verlag fein eigenes 
VerlagSfignet, baS heute weithin befannt ifl, fich hat ent* 
werfen (affen, ifl red;t erfreulich, jumal es als fpatereS Er* 
innerungeflücf ber VerlagSarbett im befegten ©ebiet von 
3ntereffc ifl. ©egenüber bem ©ebaube ber Silier Kriegs* 
jettung fleht in ber Mitte ber ©ranbe *piace baS fünfllertfch 
wertvollfle Denfntal ber ©tabt: bie ©ebachtniSfaule mit 
ber ©6'ttin von Sille; biefe ©iegeSgottin von Vra hat ber 
Stller ^riegSjettung ihr charafteriflifchcS ©tgnet gegeben, 
baS jegt alle Veröffentlichungen beS Verlags jiert. 

DerVollflanbigfeit halber fei erwahnt,baß bie Vefannt* 
gäbe beS Tagesberichtes unb ber neueflen ÄrtegSereigniffc 
lange Jrit auf einem befonberen Vlatt unter bem Titel 
„Segte ^riegSnachrichten" erfolgte, baS aber neuerbingS, 
ba bie Tageszeitungen in fo außerorbentlich furjer griff 
bis in bie ©chügengraben gelangen, nicht mehr ausgegeben 
wirb, ©irb einmal bie ©efd^ichte ber ^riegSliteratur biefeS 
großen VolferrtngenS gefchrteben, fo wirb ber^ritung ber 
6. Armee, ber Stller ÄriegSjeitung, ein hcroorragettber ^Plag 
anjuweifen fein! 

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Gck igle 


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PRINCETON UNtVERSITY 







3, Kriegsjahr 


Lille, den 14. Januar 1917 


Nummer 56 



Die Entente-Enten und die Friedenstaube 


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PRINCETON UNIVERSITY 









Ruhender Barbar in Flandern 


$116 brr £iQcr Ärifgfijcirun^ 


19 3 * 


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PRINCETON UNIVERSITY 



































KRIEGfZEITUNG 


Np. 456 / 46, Juli 1916 


Erscheint Donnerstags u. Sonntags 


Die krteg$z*itung her 7. Slrmee tp in mehr alb einer Jptns 
ficht von befonberem Sntereffe. Die erPen 8 Hummern er* 
febienen beutfeb unter bem Xitel „kriegöz*ttung" unb bas 
neben franjtfftfcb unter bem Xitel „Journal de Guerre“. 
Die fronjbfifcbe Sluögabe war vor ödem für bte 23ewobner 
be$ befegten ©ebiete$ berechnet unb follte btefen bie Slugen 
offnen über bie wahre Urfache be$ kriege* unb über bie 
kriegölage. 5(1* bie „Gazette des Ardennes“ in* Sehen 
trot unb al* Hauptaufgabe bie 5(ufFlarung be* fronjofi^ 
feben 9)ubltFum* jugemtefen erhielt, entfiel für bie krteg*s 
Zeitung btefer 9tebenzwecF, fo bafj fie ftcb ganz ben 2lns 
gehörigen ber 7. 5lrmee wtbmen Fonnte unb tnfolgebeffen 
nur noch tn beutfeber Sprache erfebten. greilicb eine mürbe 
beibebalten unb ip beute noch fo: bie Rettung wirb au*s 
fcblief(tcboonfran}bfifcbem s Perfonol,baefonflbem„Cour- 
rier de l’Aisne“ angebort, bergepellt, wa* jur golge bat, 
bafj olle ManufFripte in lateinifcbe Schrift umgefchrieben 
werben müffen. „Da* Fofiet einen Mann unbeine Schreibs 
mafebine, ber Heimat werben bogegen ein Dugenb Spes 
ZialarbeitöFrafte erfpart", Fonpatiert mit 23efrtebigung bie 
SKcbaFtion in Otummer 200 ber krieg*zcitung, wo fie im 
übrigen bem fronjofifcben^erfonal, ba* Fetn©ort Deutfcb 
verpebt, ba* befie ^eugntö au*Pellt. Dem fronjoftfeben 
9>erfona( finb jwet beutfebe Solbaten zur 5lufpcbt beiges 
geben. Der erpe Schriftleiter ber kriegdzeitung von 9 tums 
mer 1, bie am 24.0Ftober 1914 erfebten, bt* Anfang 1916 
war Morig Meper au* Mannheim, ber vor bem Kriege 
DireFtor ber Manne*mannro'brenwerFe in ^art* war unb 
alö Dolmetfcber jum 2lrmeeoberFommanbo Fommanbiert 
würbe. 3m 3anuar 1916 übernahm berjegtge Schriftleiter 
Oberleutnant karl 3obo au* karl*rube, ber auch tm gries 
ben literarifcb tätig tp, bie SRebaFtion. 3n ber Scbrifts 
leitung finb noch weiter tätig befreiter 3obanne* SReicbelt 
(feit DFtober 1916), im grieben 3ournaltp tn Dre*ben, 
Unterofft jter §urt £lFeleö, kauf mann au* Hamburg, früher 
in Export unb ^Propaganba verforgt, unb—zugleich auch al* 
©efcbaft*fübrer — Unteroffizier £rmel*, Dr. rer. pol., im 


griebenJperauögeber ber kolonialen korrefponbenz,Berlin. 
ScbwierigFeiten tm Drucfereibetrieb waren auch bei ber 
Rettung ber 7. 5lrmee gar manche ju überwtnben; Panben 
boeb junacbd nur jwei unzulängliche franjopfebe glacb* 
bruefmafebinen jur Verfügung; erft mit ber Jeit Famen 
weitere Mafcbtnen baju. £ur Verfügung flehen aufjerbem 
jwet Mergentbaler Segmafcbinen unb neuerbing* eine 
„©tnb*braut" ber girma Scheiter & ©tefecFe, bie au* Sille 
berbeigefebafft würben. 9tocb beute arbeitet bie DrucFerei 
mit franjüfifcben Schriften, wa'brenb Rapier, DrucFfarbe 
unb anbre* neuerbing* au* bem Heimatlanb flammen. 
Dte Scbriftleitung bepnbet ftcb in Saon, SRue Saurier 53 
bi* 55 , ber Hauptteil be* DrucFereibetrtebe* tn ben SRaumen 
ber franjoftfehen 3 e tlung „Tablettes de l’Aisne“. Dte 
Leitung bat ftcb wehr unb mehr ju einem für bie 2lnges 
hürtgen ber 7. Slrmee wertvollen Platte entwicfelt. 23alb 
tfl fie über bte SBiebergabe beö Xageöberichteö unb SlrtiFel 
über bte milttarifcbe unb poltttfcbe Sage htnauögegangen 
unb hat bie gelbgrauen jur Mitarbeit aufgerufen. Die^ahl 
ber Mitarbeiter bat ficb erfreultcherweife immer mehr ers 
hobt, fo bap Beiträge auö ber Heimat ober 9tachbrucF ers 
fchienener Stteratur immer feltener werben. 3n ben jum 
Xeil recht wertvollen Beiträgen ber braußen im gelbe ents 
panbenen SlrtiFel, Stimmungöbilber, SFijjen unb Srs 
Zahlungen bepebt ber bauernbe ©ert ber Rettung, ©aö auö 
bem Sehen unbXretbenin Saon über Mufifaltfcbe6,£beater, 
ktrcblichee unb bergletcben mitgetetlt wtrb, wirb ber fpatere 
©efebtebtfebretber banFbar begruben. Überhaupt erhalten 
wir bureb gar manchen SlrtiFel einen intereffanten (Jins 
bltcF tn ben Sllltag unfrer krieger, nicht nur ber vier Xppen, 
bie ficb alö 2lnfichtöFartenhanbler, XabaFhanbler, Swings 
unbMefferhanble^kriegöphotographen^nü^licb^macben; 
auch manch (JrnPeö gibt wertvolle Sluffcblüffe. Manch 
guter SlrtiFel tp zu lefen, ber ftcb mit bem ©obl unb ©ehe 
beö Solbaten befaßt, gute SRatfcblage, wertv olle ©arnungen 
gibt, ©ar auch mancher 2lrtiFel bem befegten ©ebiet ges 
wtbmet,mancher Beitrag zur ©efebtebte unb kunPgefcbi ebte 

20 


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Go^igie 


Original frorr'i 

—PRINCETON UNIVERSITY 




einzelner Orte gef daneben worben, sollen Erfolg hotte bie 
2lrmeejeitung erfi, alö fte mit Kummer 139 som 17.5Wot 
1916 böju überging, auch bie Fünjllerifchen Ärafte ber 
2lrmee mit heranjujiehen. $8on bo ob ftnben nur manch 
gute# 23ilb, inäbefonbere in ber 23etlage, ber befonbere @org* 
folt jugewonbt würbe. J?an$ Storno f)at ihr in 9lr. 183 
einen befonberä wertsollen23eitrag beigefleuert. Die^cbrift* 
(eitung wor bemüht, gachFrafte heranjujiehen, um bie 23i(bs 
flocFe felbft herftellen ju Fonnen. @o trat neben ben Drufc 
Fereileiter ©ehrmann ©eorg gep auö Berlin, ber im 3u>tf 
25ucbbrucfereireoifor bei Ullftein & @o. in 95er(in tft, ein 
SReprobuFtionOtechniFer, ber Unteroffizier ßarl 6chemmel 
aus Dreöben, ber ingriebenäjeiten ein eigene# ©efchaft für 
SReprobuFtionätechniF führt 2lu<h jwet Zünftler würben 
herangejogen: ©efretter gri§ Naumann, SlrchiteFt unb 


5D?ater au# Dre#ben, unb Kanonier 25ert 3oho, $Raler unb 
Lehrer an ber ©roßherjogltchen Äunftgewerbefchule in 
spforjheim, bie mtt anbem jufammen manche 93ilbbeilage 
für bie 2lrmeejeitung beigefteuert haben. 23ebenFt man noch, 
baß bie $rieg#jeitung ber 7. 2lrmee jahlreiche DrucFfadfjen, 
wie amtliche S3eFanntmachungen, gormulare („oom 
£nt(aufung#fchein bi# jum £obe#urteil be# @pion#") 
herff eilen muß, fo Fonnen wir auch ty* ©orte ber banFs 
baren 2lnerFennung nicht oerfagen, wa# oor allem für 
bie ©chriftleitung gilt, bte ftch fichtlich bemüht, in ganj 
beflimmter 23ejiehung gefchmacFbübenb, serebelnb unb 
erjteherifch ju wtrFen, wa# ihr erfreulicherweife täglich 
mehr gelingt. 

£1 u e 11 e n: Der ittrtif el „200 dummem Ärieg« jeitung ber 7.3lrmee" 
in Kummer 200, forme briefliche Mitteilungen. 



Von Gefr. G. Neugebauer. 


Kelmser Strasse in Corbeny. 


2lu6 ber Äriegöjeitung ber 7. '2lrmfe 


Original frnm 

PRINCETON UNIVERSITY 


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8. $Irmee 


Die 8. 2lrmee befigt ferne Kriegdzeitung. Dem Be* 
bürfnid wirb noch einer Nfitteilung ber ^reffepelle DboP II 
(Ntitau) „Genüge geleipet bureb bie SNitaufcbe Jeitung, 
bie feit bem 1. SWorj 1916 täglich mit Sludnagme SNons 
tagd mit ber ©olbatenbeilage ,gelbgrau' — mocbentltcb 
einmal, meiff mit ber ©onntagdnummer — erfebetnt. Die 
Leitung tP in etwa 2000 Exemplaren unter ber JiviU 
bevolferung unb in 15000 Exemplaren unter ben ©ol* 
baten im iDperationd* unb Etappengebiet ber NorboPfront 
verbreitet. 2lld Sflebafteur jetebnet bereinbeimifche©cbrifts 
peller unb Dichter Dberleljrer Karl ©tavenbagen. 3eboch 
erfolgte bie Übermittlung ber Nachrichten audfcbließlicb 
bureb bie ^)reffe(Ielle £>bop II (Nfitau),bteaucbim übrigen 


an ber NebaEtton ber Leitung parf beteiligt, in ber ber 
©olbatenbeilage ,gelbgrau' allein tätig ip. 2luch ber 
in ber ^reffepelle, bie von ^auptmann Elemen geleitet 
wirb, befebaftigte befreite N?ax Büttner, früher Nebafteur 
ber granffurter Jalung, bat zahlreiche Beiträge geliefert 
Jpergeflellt mtrb bie Jeitung in ber in ber zweiten Hälfte 
bed 18. SabrbunberW ald bocbfürPltcbe Drucferei bes 
grünbeten Drucferei von 3. 8. ©teffenbagen & ©obn. 
Die ©eger unb Drucfer ftnb fommanbterte ©olbaten. Die 
Ntefchinen ftnb febr primitiv unb rücfftanbig, fo baß bie 
£erpellung ber Jeitung febr febmiertg ip unb ofterd 
Hemmungen etntreten. 2lud teebnifeben ©rünben ip auch 
bie Beigabe von SHuPrationen unmöglich"* 


Äricg^citung 

Der J^erbft: 1916 brachte auch für bie 9. 2lrmee eine 
Kriegdzeitung. ©te mürbe von Dr. Bolz aud ^eibelberg, 
bem Direftor bed ^abagogiumd Neuenbeim, ber im gelbe 
5lrti(lerieoffijier unb Direftor bed ©anbertbeaterd ber 
9. 2lrmee ip, ind Seben gerufen. Mitarbeiter ftnb Unters 
offtjter groningdaud unb Kraftfahrer Ejipior, beite aud 
granffurt a. N?. 

Die erfle Nummer erfebien am 29. ©eptember 1916. 
Damald mar ed ein einfettig gebrucfted,befcheibenedBlatt. 
Mit ber großen Entfcbeibungdfcblacbt von ^ermannPabt, 
in ber bie Nutnanen in bte ©ebirgdpaffe jurüefgemorfen 
mürben, fam fie von Mühtboch nach Jpermannpabt unb 
von ba nach KronPabt. Sange Jett mar fie bie einzige 
Jeitung, bie ben ©iebenbürger Deutfcben biefer ©egenb 
ben JjJeeredbertcbt unb bie neueren Telegramme brachte. 
Nach bem fübnen unb überrafebenben Durchbruch ber 
9. Slrmee bureb bie Engpaffe nach Numanien mürbe auch 
ber ©tg ber Jeitung hierin oerlegt Überall, mo fte ges 
brueft mürbe, pellte man fie an leicht zugänglichen ©teilen 
ber belebteren ©traßen aud unb machte fte fo ben bureb* 
jtebenben Truppen mie auch ben beutfebfpreebenben Bes 
mobnern zugänglich. ©te mar ein täglich millfommener 
greunb, ba pe in fnapper gornt bad Neueße brachte. 
Dad mar aber nicht ihre einzige Aufgabe. Den fampfens 
ben ©olbaten in ber gront follte fie vor allem Nachrichten 
aud ber Jpeimat, von ben verriebenen Krtegdfcbauplagen 
vermitteln unb ihnen geifHge Nahrung jufü'bren. Neben 
ber fampfenben Truppe befamen aber auch bie gelte 
lajarette, Kranfenbaufer unb nicht ju vergeffen bie Sante 
ßurmbataillone, Etappenfommanbod, gubrparffolonnen 
unb anbre meiter hinter ber gront liegenbe gormas 
tionen bie Jeitung regelmäßig unentgeltlich jugefanbt. 
Die juerp befebetbene Auflage (250) ßeigerte ficb febon 
im Dftober auf 1000 unb beute bat bte Jeitung bte patt 
liebe Auflage von 8000 erreicht. Die jü'ngß erfebienene 


i>et 9. 2lrmee 

KaifergeburtdtagdsSludgabe mürbe in einer Auflage von 
20000 Eremplaren gebrueft. ©ie enthielt vor allem eine 
cbronologtfcbe Uberficbt über bte gefamten Kampfe ber 
9.2lrmee im gelbjug gegen Numanien: von ben Kämpfen 
in ©iebenbürgen btd ju ben legten Kampfbanblungen 
am ©eretb. Dte juerp fleine Sludgabe, bie nur ben S?ee reds 
bericht mit einigen Telegrammen brachte, mar rafcb bem 
Bebürfntd entfprecbenb ermeitert morben unb brachte neben 
mistigen Nachrichten aud ber Jpetmat ben einjelnen gront 
abfebnttten auch bie gefärbten Neutermelbungen, in vers 
gleicbenbe Betrachtung gePellt mit ben ^reßeßimmen ber 
heimatlichen Jeitungen neben ben Kritifen ber neutralen 
Sanber; fap in jeber Auflage finb über bte ©cbmetj foms 
tnenbe Berichte, Telegramme, ©timmungdbilbcr, bie aud 
ben Jeitungen unfrer ©egner pammen, enthalten. 2lucf> 
ein miffenfchaftlicher Teil mürbe ihr angegliebert; Sanb 
unb Seute ©iebenbürgend unb Numaniend merben charafs 
terifiert. Über bte Bevolferung, über mtrtfchaftliche Bers 
haltniffe, indbefonbere über bte Sanbmirtfcbaft unb 3n* 
bußrte Numaniend mtrb manche intereffante ©tubte 
gebracht, ©iffenfcbaftlidje Sluffage über gerichtliche, 
ethnographifche unb geologifcbe Themen finb baußg. 

Bon großer ©idßt'gfett finb aber auch bie 2lrmees 
befehle, bie ber Dberbefehldhaber an feine Truppen er* 
laßen hat. ©te zeigen aller ÖBelt, meid; tnniged Banb fich 
um gü'hrer unb ©olbaten fchltngt. 3n außerorbentlich 
herzlichen ©orten banft ber Dberbefehldhaber feinen bet Eid 
unb ©chnee unermüblich vormartdPürmenben Truppen, 
bte ©ieg auf ©ieg an il;re gähnen haften unb ben ver« 
raterifchen getnb in furjer Jett vollpanbig zermürbten, 
ein marnenbed Beifpiel für anbre neutrale ©taaten, bie 
SNtene machten, auf bte ©eite unfrer geinbe zu treten, ein 
leuchtenbed Beifpiel ber unvermüpltchen ©toßfraft bed 
beutfehen Jjeered unb ber beutfehen ©illendfraft. 

Quellen: briefliche 9)titreilim^en unb bie felbft. 


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Original fmm 

PRINCETON IMVERSITY — 





Beitung ber 10. s 2trmcc 

(Slls Kopfjeitung: Slrmeejeitung Scholg) 


$on allen gelbjettungen iß btc ber 10. Strmee ber auSs 
gebautere betrieb, ber oon einem ^eitungSbrucfereibetrieb 
in tiefßer griebenSjeit fich faum unterfcheibet, ja fid) mit 
mancher großen Jpeimatjeitung wohl meffen fann. Sie 
würbe auf 23efef)l bes Generaloberßen oon Eichhorn am 
9. Dejentber 1915 ins Seben gerufen. Sluch ihr blieben 
Jpinberniffe ber oerßhtebenßen Slrt nicht erfpart. $rvax 
ßanb eine feit etwa 100 Sauren beßehenbe potnißhe 
Drucferet, bie $u ben größten ©ilnaS gehört, oon Slns 
fang an jur Verfügung, biefe war aber mehr für anbre 
Drucfarbeiten, wie Schulbücher, Gebetbücher, Kalenber 
ufw., eingerichtet unb ließ beShalb für einen 3eitungSs 
betrieb manches $u wünßhen übrig. Sluch h^* hat raßs 
lofer beutfcher Slrbettsbrang einen betrieb gefchaffen, ber 
heute auf ber J?6'he fleht, £unachß galt es für bie beuts 
fchen Seger, ber Segfaßen, bie polnifch eingerichtet waren, 
Jperr ju werben. SluS ben oerßhtebenßen Schriftarten, 
bie im übrigen arg untereinanber gewürfelt worben waren, 
würbe eine Schrift jufammengeßellt, ber unfre Umlaute 
fehlten. 23alb fonnte ber Schriftoorrat aus ber Heimat 
erganjt werben. £rog all biefer Schwierigfeiten gelang 
es hoch fchon in ben erßen Hummern ein recht anfehm 
licheS Kriegsblatt ju ßhajfen. gür ben Drudf ßanb eine 
STOarinonisWotationSmaßhine älterer 23auart jur ©er- 
fügung, bie auch mancherlei Schwierigfeiten in ben ©eg 
legte, heute aber banf beutfcher Arbeit fo letßungSfa'hig 
gemacht iff, baß fie felbß für eine SÄaffenauflage nicht 
im Stiche laßt. Sluch bie oorhanbenen SinotppesSegs 
mafchinen galt es erft für ben Drucf einer beutfchen gelbs 
jeitung inßanb ju fegen unb auSjubauen. Der 23eßger ber 
polnißhen Drudferei, ber für S3enugung feiner Mafchinen 
entfprechenb entßhabtgt wirb, hat feinen betrieb baburch, 
baß er einige Mafchinen noch fclbff oerwenbet, aufs 
recht erhalten. Die Slrmeejeitung iß heute oon ihm oolls 
ßanbig unabhängig unb hat jegt ihren gefamten ums 
faffenben betrieb für ftch* Der Leitung gereicht es ju 
befonberem Werbienß, baß ße oon allem Anfang an auf 
gute Drudfherftellung ben grüßten ©ert legte unb bem 
Warnen „Drucffunß" in jeber 25ejtehung Ehre machte. 
Schon Wummer 26 jeigt hier im Xitelfopf einen wefents 
liehen gortfehritt. 9)eter 23ehrenS hotte ber Leitung als 
„Siebesgabe" einen Kopfentwurf gefchieft, ber fofort bes 
nügt würbe unb heute weit über ben engeren Kreis hinaus 
befannt tß. Snjwißhen war bie Leitung mit Wummer 25 
oom 1. gebruar 1916 an auch als Slrmeejeitung Sd)olg 
herjußellen. Die Auflage wuchs oon £ag ju £ag, unb 
bamit wuchfen auch bie Slnforberungen an ben betrieb, 
jumal bie Rettung halb Beilagen erhielt unb nicht nur in 
biefen, fonbem auch Int Jpauptblatt 23ilbßhmudf beiges 
geben würbe, gür ihn würben junachß bie Drucfßocfe 


in ber J?eünat hergeßellt, aber auch hi**m machte fich bie 
Slrmeejeitung halb unabhängig burch Einrichtung einer 
eigenen chemtgraphtßhen Slnßalt, bie heute fo eingerichtet 
tß, baß fie ben geßeigertßen SSebürfniffen rafch unb gut 
genügen fann. Dem ©runbfag, müglichß alles mit 
eigenen Graften burchjufu'hren, oerbanfen auch bie Eins 
richtung einer fleinen Schlofferwerfßatte, bie alte notigen 
JpilfSarbetten fofort oorjunehmen hot, ber betrieb einer 
23uchbinberei, bie 3nßanbfegung einer Steinbrucfpreffe für 
^Plafatbrucfe ufw. ihre Entßehung. Wur für ben Rapier* 
bejug iß bie Slrmeejeitung auf bie JJeimat angewiefen, ba 
bteWuffen in ihrer ßnnlofen 3«ßorungSwut bie einzigen 
letßungSfa'htgen ^apierfabrtfen arbeitsunfähig gemacht 
hoben, #auptßhriftletter ber 3«tung iß feit ihrem 23es 
ßehen Seutnant ber Steferoe J?anS Urbach, ber im ^oil* 
beruf Dbertngenieur unb ^>auptfchriftleiter ber Xoninbus 
ßriejeitung in SSerltn iß. 3hm oerbanft bie Slrmeejcttung 
in allererßer Sinie ihren großjügigen SluSbau. 2l(S 
Schriftleiter ßehen ihm jur Seite Sanbßurmmann Dtto 
23ratengeper (im £etmatberuf Webafteur beim Söunb ber 
Sanbwirte in S3erltn), Kanonier DSfar Sffiohrle (freier 
Schriftßeller aus Stuttgart), unb Sanbßurmmann grig 
Söergemann (Dr. phil., wiffenfchaftlicher ©Mitarbeiter beS 
3nfeloerlagS in Seipjtg). ©aS oon biefent WebaftionSs 
ßab altes ju leißen tß, bafür iß ber beße beweis bie ©iels 
feitigfeit beS 3nhaltS ber Slrmeejeitung. 2luch bem ©es 
fchaftsführer ber 3^tUing gelb webet Emil Schneiber (im 
^)eimatberuf 2lbtetlungSoorßeher beS Deutfchnationalen 
JpanblungSgehilfensWerbanbeS in Hamburg) fallt ein 
gerütteltes ©Maß Arbeit ju. Die Drucf legung beforgen auSs 
nahmSloS beutfehe Solbaten, wie überhaupt nur gelb' 
graue im gefamten betriebe beßhoftigt finb. Die Wtanns 
feboften ßnb im alten 25ernhorbinerf(oßer, baS bereits oor 
bem Kriege oon ben Wuffen als ^aferne eingerichtet wors 
ben war, untergebrocht. Erßcr gaftor bei ber 3«itwng iß 
Unterofßjier Georg ©eher, ber SlbteilungSletter ber girma 
^ermann 23üttner in 23crltn SO, jweiter gaftor Sanbs 
ßurmmann ^)eter Detleo, ber in griebenSjeit gaftor bei 
Ebmunb ©Mattig in Domi§s^lbe tß. 2l(S erßen SWafchincns 
fe^er erhielt bie Qlrmeejeitung ben Unterofßjier grtg ElS= 
tter, ber fonß baSfelbe 2lmt bei ber Dßpreußißhen 3«tung 
in Königsberg einnimmt. Sluch ber S3i(bbrucfmeißer fann 
nur rühmenb gebacht werben. 5ltS folche werben oers 
wanbt Sanbßurmmann ©alter Jpentfchel, ber im ^wik 
beruf 25ilbbrucfmetßer bei ber girma Ernß Jpebricb in 
Setpjig iß, unb Sanbßurmmann ^eter ©Müfch, ber Dbers 
mafchinenmeißer ber girma Sa Wuetlfche 2lf jibenjbrucferei 
in Stachen. Der Suchbtnberei ßeht Gefreiter grig 25obe, 
ber 23eßger ber girma Slbotf 25obe in Krimmitfchau i. S. 
oor, wafjrenb Kanonier Ewalb ©irth, Ehenttgraph ber 


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PRINCETON UNIVERS1TY 



girma gr. ©. Nubfuß in Dortmunb, ber (S^cmigrap^ ber 
Slrmeeseitung ifl. ©ollten mir einen Überblick über bad, 
mad bie Leitung ber 10. 2(rmee an 3nhalt unb, wie wir 
gleich fogen wollen, gutem 3nbult «Hed bietet, geben, wir 
müßten oiele ©eiten unferd Bericbted bamit füllen. Spier 
kann nur Fürs jufümmenfaffenb berichtet werben, Ed ifl 
ein frifeber 3ug, ber oon allem Slnfang an bureb bie Lei¬ 
tung gebt. Mit ber ©roße ber Aufgabe (bie Auflage 
fleigerte ficb oon 24000 auf über 50000) muchd ber Ums 
fang bed 3nbalted unb fein ©ert sufebenbd. „Ein Sol* 
batenblatt, bad bem gelbgrauen ein lieber Äamerab fein 
möge, barin jeber fein Hörnlein Ernfl unb greube, Be* 

lebrung unb Erbauung finbe,.fröhlich unb flarF, 

im ©eifle bei 5. Slugufl 1914.ohne Ingberjigfeit, 

ohne Schulmeiflerei" war nach ben einleitenben ©orten 
ber erflen Kummer bad 3iel ber Scbriftleitung. Sie felbft 
bat wobl bantald nicht baran gebaebt, ju welcher Bebeu* 
tung ficb biefed Solbatenblatt erbeben würbe, wenn auch 
Leutnant Urbacb bereite bamald anfünbigt, baß er „ei 
nacb beutfeber 2lrt audbauen unb fefligen" wolle. Die 
Entwicklung ber Leitung ifl banF ber Planmäßigkeit, mit 
ber fie audgebaut würbe, glanjenb. Glicht ber Jpeeredbericbt 
allein wirb gegeben, fonbem befpreebenbe unb erlauternbe 
Staffage bringen ibn bem Solbaten naher. Dagedereig* 
niffe an ber gront unb in ber Jpeimat werben befprochcn; 
ja felbfl Fein ©ebenftag unfrer großen Deutschen wirb 
oergeffen: Seibnis, ©uflao greptag unb anbre erhalten 
wertoolle ©ürbigung bei ber ©teberkebr ibred ©eburtd* 
ober Dobedtagd. Mancher wertoolle Beitrag aud ber #ei* 
mat ifl ju oerjeiebnen, ber im wahren Sinne bei ©orted 
ben gelbgrauen unterhalt, belehrt, forbert. 3n biefer Be* 
jiebung wirb auch ben ©efcbmackdoerirrungen ju Seihe ge* 
gangen. #ofratSepffcrt,Dredben,unbProfefTorPasaureF, 
Stuttgart, haben ficb oerbünbet gegen ben „wanbernben 
.ftitfcb" unb bie „allerbanb ©efcbmacklofigFeiten", bie auch 
ber Ärieg wteberum b^roorgerufen bat. Mand) tiefemp* 
funbened, tiefernfled ffiort bient ferner ber Erbauung unb 
gefligung unfrer Solbaten, baneben erheitert Fernbeutfcher 
Junior unb urwücbfige DarflellungdFraft bie Sefer. Altans 
eher gelbgraue ifl Mitarbeiter. Manch lefendmerted Stirn* 
mungdbilb oerbanFen wir ihnen. Mit oiel Siebe wirb bad 
befegte ©ebiet bid itxi einjelnfFe beachtet. Der Slbfchnitt 
*3 w ifcben 5öüiö unb Düna" wirb für immer wertvoll 
bleiben. ©ad (leckt nicht hier alled an feffelnben Nach¬ 
richten über ©efehiebte, ©ebrauebe, Sehend weife, Bauwerke, 
Sprache ufw. bei befegten ©ebieted. 211 te beutfebe Nitter* 
bürgen bed polnifchen Siolanbed, ©ilnaer griebbüfe unb 
©rabmaler, jiomnod alte Bauwerke, bad Panjebaud, bie 
EntwicklungdmoglicbFeiten ber baltifcben Snbuflrte, bal* 
tifche Sagen, audfübrlicbe Mitteilungen über Mufeen unb 
Sammlungen, Scbilberungen bei Sehend unb Dreibend 
unfrer gelbgrauen, fei ei im täglichen Sehen, fei ei bei 
fportlicbenBeranjlaltungenobertmgrontsSdwufpielbaud 


unb oielcd anbre jiefct in abwechflungdreicber gülle an 
unfern 2lugen oorüber. ©ir erfahren oon beutfeber gor* 
fchungdarbeit in Polen, bie unfrer ©iffenfehaft für immer 
jugute kommen wirb, wir feben, wie unfre gelbgrauen 
Sludflellungen oeranflalten, bie ihnen immer jur Ehre ge* 
reichen werben, ©ad ifl nicht alled mit ber „Sludflellung 
ber ©ilnaer Slrbeitdfluben" unb erft jegt mit einer „Deut* 
fchen Jiunflaudflellung" in fflilna gefchaffen worben! Jjpier 
flößen wir gleichseitig auf ben Namen eined Manned, 
ber aud ber £eit ber Befegung Dilfitd burch bie Nuffen 
wohlbekannt ifl: Dberbürgermeifler Pohl, ber heute Stabt* 
hauptmann oon ©ilna ifl, bem oiele Slnregungen su oer* 
banken finb. ©eiche SebendFraft unb unermüdliche Dat* 
Fraft fpriebt aud allebem unb oielem anbem, bad wir nicht 
erwähnen können. Daß bie Schriftleitung jebed gremb* 
wort nach Möglichkeit oermeibet, seigt fich fchon an all ben 
alten Beseichnungen für bie Monatdnamen, aber auch an 
ben Überfchriften. Jpier gibt ei Feine „Nebuffe", fonbem 
„^opfnüffe^nichtd^^umoriflifched^fonbern „Schnurr* 
pfeifet", Feine „Mifsellen", fonbem „Brocken"; ben 
©etterbericht ßnbet man unter „Saubfrofcb", bie 23üchers 
rejenfionen unter „23üchermuflerung", bie Dheater* unb 
ßonjertbefprechungen unter „MadFe unb Seper", bie kirch¬ 
lichen Neranflaltungen unter „Jjelm ab". Allergrößter 
©ert ifl bei ber 2lrmeesettung fchon febr früh auf ben 23ilbs 
febmuef gelegt worben, um oor allem bie ©eltgefcbehniffe 
ben Sefern naher su bringen. Ed ifl erflaunlicb, wie rafd) 
bie3Uuflrationen ben ^eitereigniffen auf bem guße folgen 
unb vielfach in gefchtefter humoriflifeber unb fatirifeber 
gorm mehr fagen ald oiele ©orte. Der 23ilbfchmuck ßnbet 
ficb nicht nur im Jpauptblatt, fonbem auch in bm brei 
Beiblättern ^Scheinwerfer", ^Beobachter" unb „Seelen* 
acbfe",biebad Jpauptblatt wertooll ergansen; indbefonbere 
bat ber „Scheinwerfer" nicht nur tejrtlichc, fonbem auch 
bilbliche wertoolle Beitrage. Aid ßünfller finb an ber 
Slrmeeseitung flanbig tätig: ©efreiter Alfreb JpenbrioF, 
Zeichner unb oerantwortlichcr Schriftleiter ber Spam: 
burger ©oche, Sanbflurmmann ©erbarb Paul, Berliner 
Maler unb Funflgewcrblicber ^fiebner, unb Unterofftsin* 
Paul ©eher, Äunflmaler aud Slmflabt in Dbüringcn. 
Neben ihnen liefert manch anbrer gelbgraucr bilbliche Bei* 
trage, bie ber Beachtung wohl wert finb. Nehmen wir 
hinsu, baß auch Bilberbogen, folcbe fogar in Mebrfarben* 
bruck gelegentlich ber Leitung beiliegen, fo bürfen wir ohne 
Übertreibung fagen: mit einem folchcn Betrieb können fich 
oiele in ber jpeimat nicht im entfernteren meffen. 

Mit bem Drucken ber 3«tung ifl bad Arbeitsgebiet ber 
Leitung ber 10. 2lrntee Feinedwegd erfeböpft. 3hr füllt 
auch bie Arbeit bed DrucFed ber amtlichen Dienflbrucf* 
fachen, Bekanntmachungen, Maucranfchlage ufw. su, oon 
benen bie legten infolge ber DrcifprachigFeit befonbere 2ln* 
forberungen an bie Scger flellen. Aber auch DrucFfachen 
für prioate Beranflaltungen, Programme für Sportfefle, 


24 


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X^eoterauffu^rungcn, 5KufiPoeranftaltungen unb ber* 
gleichen werben in ber DrucPerei ^ergefie((t, unb fner ge* 
reicht es ber Leitung ju befonberer Sb**/ baß fie aUeö baran 
fe6t, möglich nur Pünfflerifdje Drucffacben binauSgeben 
$u laffen. ©elbf? ben Pleinften Drucffacben wirb bic größte 
5lufmerPfamPeit gewibmet. 3b^ Jabl ift fo groß, boß 
fic in unfenn 23ucbgewerbcmufeum eine befonbere 51bteis 
lung bilbet. Solche DrucPfadjen finb in einer befonberen 
5luSfiellung „gelbgraue DrucPPunff" in ber 5(usffe(lung 
ber Söilnaer ArbeitSfiuben in le(3ter Jeit jufammengeftellt 
gewefen, woraus beroorgebt, felbft ber „SntlaufungS* 
fd)cin" Pünfflerifcb auSgeflattet würbe, ber, wie wir oon 
manchem felbgrauen Urlauber gebort hohen, freubigfi 
überall begrüßt würbe. SpetfeParten, Sin labungSPartcn, 
S.rlibriS, ^(aPate, alle oon $ünfflerbanb, bat bie DrucPerei 
bergcfWlt. 91 och finb wir nicht $u Snbe. 2Bir müffen noch 
mit wenig Porten ber SöerlagStatigPeit ber Jeitung ber 
10. 51rmcc gebenPen. Sine große ©erie ÄünfflerpoflParten 
finb bcrauSgegeben worben, jwei S3ioatbanber (auf S;= 
jcllenj oon Siebborn oon granj ©taffen, auf bie 10.5lrntcc 
oon greb JpcnbrioP) finb gefebaffen worben; ein Pletnet 


©olbatenfü'brer bureb Sßilna unter bem Xitel „3cb weiß 
S3efcbeib", ein gü'brer bureb hie 5luSffe(lung ©ilnaer 5lrs 
beitSffuben 1916, „Jpomer im gelbe", „23ilber jur 3liaS" 
oon Leutnant ©eb, bie juerjf burd) mehrere Hummern beS 
„Scheinwerfers" oero ff entlieht würben, erfebienen im 93er« 
lag ber 5frmeejeitung, benen ficb bie Veröffentlichung „Die 
19 tägige 91ußPnacPerfd)lacbt bei ffiilna" anfebloß, bie bas 
Ergebnis ber 8.^>reiSnuß 5I.£>.$. 10 bradrte. (Die5lrmees 
jeitung bntte oon 51nfang an oiel für fHatfel unb ben „9tußs 
PnacPer^CnPel" übrig.) Sine oollc ©ürbtgung beS weit? 
oerjweigten Unternehmens ber Jeitung ber 10. 51rmee 
behalten wir uns für gricbenSjeiten oor; hier fei mit 23e* 
frtebigungfeffgcffellt,baß cS beutfcber51rbeit unbbeutfebem 
UnternebmungSgeiff gelungen ifl, in befegten ©ebieten 
ein bud^gewerblicbeS Unternehmen ins 2eben ju rufen, 
baS für alle fetten bem beutfeben tarnen Sbre mad;t! 

Cu elfen: s $rofcI)üre „Jeitung ber 10. Armee" (al$ Äopfjeitung: 
„Armcejeitung 1916, 10 Seiten; ferner „Jwifd)en 2Bilia 

unb Düna. fflunbfcfyau au$ Stappe unb ftront. AuSlefc aufi einem 
Arbeitsgebiet", 7 Seiten; Urbach, „Die Sntflef)ung, ber 33erfant> 
unb bie Leitung ber Jeitung ber 10. Armee"; au derbem jahlreiche 
briefliche Mitteilungen. 



Der russische Entlastungsangriff 


Zeichnung von 
Gefr. Fred Hendriok 


AuS ber Jeitung ber 10. Armee 


29 


4 


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Original frnm 

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V' • 1'*+/ 


liw« 


BILDER ZUR ILIAS 


Zeichnungen von Leutnant d. R Hans Geh 


juni iDiiifif full nitJfn örai SRaJf DfiDf Arm' an 
ärrSBfugunfl 9m9JlunD uni» öif SRaff Dfrlftjmü- 


jröütti ein ötartterfr fulöte 
l 7 ism: 


lanosturm 


FAHRT Z 


^itttrlidj pürrr Ä öttpadp «ntirr..0li®) 


ZUR REVIERSTUNDE 


cS>tnn frra^nnfraanfntr üif 
OdjlndjtunliiiMQSflJfiiifie' 
täimntüodj auFöEat oDfrftm 
öipftl... (ölüis) 

DER BEOBACHTER. 


DER BLINDGÄNGER. 


loljmöiifrOmö 
lim... (5liaa) 


EIT DER SCHN EESCHM E LZI 

iuidjfttumfn flufliöf ^faöe.. 

(Jlia») 


DIE GRANATE 


Scitunct frcr 10. ’Ürmec 


Original ffom 

PRINCETON UNIVERSITY 


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KriegSjeitung bet* 11. ^Irmec 


Recht fchicffalereid) ift bie Sntmtcflung ber Kriegs jeitung 
bcr 11. 2lrniee. 3h* ftanb nicht eine 2lrmeebrucferei jur 
Verfügung. Der betfpielloS rafche EBormarfch ber 2lrmee 
burch Serbien, bic glanjenben Erfolge, bie fich anfchloffen, 
baS fiegreiche 23ormartebringen, baS feinen Halt fannte, 
lieg eine gelbbrucferei nicht entftehen. Unb boeb mar auch 
für biefe 2lrntee baS 23ebürfntS nach einer KriegSjeitung 
oorhanben, bic bann auch beim Söormarfd) bcr 2(rmee©all? 
mtg (11. 2lrmee) gegrünbet mürbe unb beren erfte 91 ums 
mer am 26. Dftober 1915 erfcfji'en. Die erften 13 Rum? 
tnern finb in 23ubapeft rebigtert, im Sohnbrucf oon ber 
2lthenaunt?2l.?@. bergefleüt unb ben Gruppen nadjgefchicft 
morben. iperauögeber mar junachft Leutnant Rubolf Ull? 
(lein, einer bcr 3nhaber beS befannten berliner Verlags? 
haufeS. Jpeereöbericbt, militarifche unb polttifchc Sage, aber 
auch ©timmungSarttfel unb HuntortftifcheS, Rooellen unb 
©ebichte, finb in biefen Hummern enthalten, bic oon Rum? 
mer 4 ab einen gejeicfmetenXitelfopf erhalten haben. Rum? 
mer 13 batiert oom 10. Rooember 1915. Der ftürmifd^e 
Eöorntarfch ber 11. 2lrmee lieg ein Rachfenben ber ^ritung 
an bie Xruppen nicht mehr ju, bie KriegSjeitung fonnte 
ihren £mecf nicht mehr erfüllen, unb fo ftellte fie ihr Sr? 
fcheinen junachft ein. Runtmer 14 erfchtett unter bem 
Datum 21. H* 0. 3. gebruar 1916 mit bemfelben Kopf? 
titel, aber in fleinerent gormate. Die ©chriftlettung, als 
beren 2lbreffe gelbpoftftation 22 angegeben ift unb bie bie 
Unterbred>ung mtt„ben mohl allen befannten ©egoerhalt? 
niften" begrünbet, teilt mit, bag bie 2lrmeejeitung nun 
mieber regelmagig erfcheine, unb hofft, bag fie mieberum 
ein treuer unb gern gefehener Begleiter ber Druppen fein 
merbe. Kur je 3cit nur noch, bi6 jum ERarj 1916, gab fie 
Seutnant UUftetn heraus, an beffen ©teile nunmehr fein 
bisheriger Mitarbeiter Unteroffijier beS SanbfturntSSmalb 
Dheim, ber befannte CEbefrebafteur ber berliner 2lbenb? 
poft, als Herausgeber unb Hauptfchriftleiter ber Leitung 
tritt. Der Drucf? unb SrfcheinungSort mar nach beut fer? 
bifchmtajebonifchen KricgSfchauplag oerlegt morben. 3n 
Usfü'b, ber majebonifchen Hauptftabt, mürbe eine ferbifchc 
Drucferei im alten türfifchen ©aifenhauS als Slrnteebruf? 
ferei eingerichtet, in ber es freilich recht troftloS auSfaf). 
(Einige haften beutfd>cr2luSjeichnungefcbriften marenjmar 
oorhanben, aber anbreS ©chriftmaterial fehlte. SS mürbe 
ale ©runbfehrift eine Korpus 2lntiqua aue Ungarn be? 
fchafft. „Sin alter oerlotterter ^etroleummotor englifcher 
Herfunft ftanb neben einer leiblich gut erhaltenen ©orncr? 
©dtnellpreffejur Verfügung. XranSmtffion,$Rotorpumpe, 
Regulator unb bae garbmerf ber treffe maren in recht 
befolatem Juftanbe. Der ERotor neigte anbauernb ju 
©torungen u nb erf orberte oiele Reparaturen. Das pumpern 
merf hatte feine Jpubfraft, fo bag Hilfsarbeiter ma'hrenb 
bee Drucfce baS Referooir mit Simern füllen mugten, 


um bie ERotorfü'hlung ju bemerfZeitigen." £rogallebem 
unb trog ber 23efchranfung in ber 23enügung ber oorban? 
benen ERafchtncn, bie auch ben Bulgaren für ihre Leitung 
„Robina" jur Verfügung flehen mugten, ift es beutfehem 
gleig unb beutfeher 2luSbauer gelungen, bie Rettung rcgcl? 
magig herauSjubringen, unb jmar täglich, mit 2luSnahme 
ber ©onntage. Rechnen mir noch baju, bag bie Mitarbeit 
in Anbetracht ber befonberen 23erhaltniffe jeitmeilig ganj 
ftoefte, fo mug man fich nur munbern, bag bie ©chrift? 
leitung nie oerfagte. Die Kriegsberichte finb immer jur 
Hanb, fleine 2lrtifel über bteS unb baS, unterhaltenber unb 
belehrenber Ratur, in abmedjflungSretcher golge, ©ebtdfte, 
oor allem aber furje unb fchnell orientierenbe fleine Kriegs? 
nachrichten, fagen bem Sefer, maS er braucht. 3Uuftra? 
ttonen fehlen natürlich. Die 3eitung jeigt in ihrer ganjen 
2lufmad)ung bie gefchtcfte Hanb beS 25erufsfchriftletterS, 
ber meig, morauf es für bie Riinute anfommt, unb baS 
mirb ihm für immer ben Danf ber Gruppen fichern. Rrit 
ber Rümmer 195 oom 6. ©eptember 1916, als Rumänien 
in ben Krieg gegen unS mit eingetreten mar, gab eS noch* 
male eine spaufe für bie 3^ung, fie erfchien aber bereits 
micber am 23. ©eptember unb ifl bann bis Rummcr 222 
oom 15. Rooember 1916 mieberum regelmagig auSgegeben 
morben, an melcheni Dage ihr Singehen oomDberf ontmanbo 
befchloffen mürbe. Damit hört aber bie Xatigfeitber©chrift? 
lettung unb ber übrigen bei ber Kriegs jeitung beteiligten ^er? 
fonen,berDrucferunb©eger,nichtauf.DasDberfommanbo 
ber nunmehrigen o« ^ßelom griff ben @e? 

banfen ber „KriegSjeitung" auf unb befahl bie ©rünbung ber 
ÄriegSjeitung ber Jpeereögruppe o. 35elom, 
bereit erffe Rümmer am 14. Dezember erfd^ien. Unter? 
offijier Dheim ifl mieberum ihr H^auSgebcr unb Haupt? 
fchriftleiter. 3hnt tfl Unteroffizier ber üanbmebr grig H u ® 5 
mann, Rcftor aus Sehe, ber befannte nteberbeutfd>e 
©chriftfteller,jugeteilt. DaS technifd)e^erfonalberKriegS? 
jeitung ber 11. 2lrmce mürbe übernommen unb arbeitet 
ebenforüjltg unb pflichtgetreu für bie neugegrünbete2lrmee? 
Zeitung, fo bag bie Rennung ber Rauten mof)l am ^)lage 
ift. Ss mirfen ©efrettcr Albert Rubolpb auS Berlin? 
Sidftenberg als Rletteur, ©ehrmann Albert ^)ietag aus 
Leipzig, Heinrich Sreug aus RecfarbifchofSheim, Xheobor 
Uhl aus Karlsruhe, famtlich Xrainfahrer, fomie üele? 
grapbift H^ftnann gren^el aus Hannooer als ©chrift* 
feger, Kraftrabfahrer Surt ©truef aus 25erlin?©teglig als 
Rtafcbmenmeifter. 2lud; als Drbonnanjen finb noch $mci 
gachleute,©efreiter©ilhelnt SorbeS unb©chrntann2lbolf 
EJRo'hl, bctbc aus Hamburg, jugejogeit. Sine ©ürbiguttg 
biefer neuen KriegSjeitung ift fpäterer ^eit oorbebalten. 

Quellen: Slrtifel „Kameraben \“ in Ruinmer 14 ber Krieg$: 
^eitung: ferner „Die 100. Rümmer untrer KriegSjeitung" in Rüm¬ 
mer 100, fomie briefliche Rlitteilungen. 

4* 


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PRINCETON UNfVERSITY 




2>ie 2ßad)t im £5flcn 

Solbaucr $riegS$eitung. Armeegruppe ©allmig 


greitag, ben 23. April 1915 erfchicn bte erftc'Wummer 
tiefer von ber Armeegruppe ©allmiß herausgegebenen 
ßriegsjeitung. Jur Einführung fagt fie, baß cd (ich ge* 
jeigt höbe, „baß an ber gront 23ebürfniS nach geifhger 
Wahrung herrfcht. — 3hr mollt erfahren, mas auf ben 
verfchiebenen jtriegSfchauplägen vor fich geht unb mie es 
ju Jpaufe auSfieht. Diefettt Verlangen mill ,Dte ©acht 
im Dften' bienen. Sie will euch geizige Wahrung unb 
jugleich Erquicfung bieten, inbem fie ben Wachrichtcn aus 
bem gelbe, 90 m SWeer unb vom beutfehen SBerteibigungSs 
krieg, vom ©irtfchaftSleben, für Stunben ber Wtuße 
UnterhaltungSftoff angliebert. Sie rechnet jugleich auf 
eure rege Mitarbeit. 3eber von euch hot unvergeßliche Er* 
lebniffe. Schreibt fie nieber unb gebt fie ber ,©ad)t im 
£ftcn' kunb." DtefeS Programm hot bie Jeitung, bie in 
ber Druckerei ber Donjiger Jeitung gebrueft mürbe, in 
allen ihren Wummern bis 131, vom 24. September 1915, 
treulich innegehalten unb ift besholb ben Gruppen fchnelt 
etmoS WertrouteS gemorben, maS fie mochentagS fafb als 


etmaS Selbftverftänbliches ermarteten. s 23on Wunimer 9 
biß 102 ift als ErfcheinungSort Dölbau angegeben, 
©ertvoll auch für fpätere Jeiten finb bie Berichte aus 
bem Sonbergebiet ber Armeegruppe ©allmig, bie fich in 
größeren ober Heineren Sfijjen burch bie Wummern jer* 
ftreut finben. W?it Wummer 103 vom 22. Auguft 1915 
führt bie „©acht im Dften" plöglich ben Untertitel „gelb* 
jeitung ber 12. Armee". Ein Schriftleiter ift auch jegt 
nicht angegeben. Der beginn ber großen Dffenftve im 
Dften verurfachte am 24. September 1915 bie Einteilung 
beS Erfd)einenS ber Jeitung, bie bei bem rafchen 23ors 
märtsbringen ber Gruppen tief in geinbeSlattb hinein von 
Danjig aus nicht mehr rafcf> unb pünktlich hotte nach- 
geliefert merben können. Ohne jebe Anknüpfung an unfer 
23latt ift bann, als bie Armee mieber ruhigere Jeiten hotte, 
unter bemfelben Warnen bie folgcnbe Armeejeitung er? 
fchienen, bie bann auch in geinbeSlanb gebrueft mürbe. 

Quelle: 2lrtifel „Jpunbert Wummern .Rriegfyeitung" von 
A. Bertling in Wummer 100. 


2)te 2ßad?t im £>flett 

gelbjeitung ber 12. Armee 


Die $riegs$eitung ber 12. Armee tritt uns entgegen als 
eine gelbjeitung, bie unter ben fchmierigften Werhältniffen 
hcrgeftellt mirb unb noch mehr mie anbre Leitungen beS 
SöemegungSkriegeS barauf auSgehen mußte, fchnell baS 
©ichtigflc ben fampfenben Gruppen ju übermitteln, bie 
bie DageSjettungen ber Xpeimat entmeber gar nicht ober 
nur fehr fpat erreichten. Es ift erftauttlich, mit melcher 
Pünktlichkeit alltäglich baS nur vier Seiten ftarkc SSlatt, 
bie „©acht im £>ften", beffen Ditelkopf einen in bie gerne 
fpähenben Weiter jeigt, trog ber größten Schmierigkeiten 
erfchien unb fchnellftenS verbreitet mürbe, jpier liegt viel 
Pille Arbeit vor, bie in ber Jpeimat mentg beachtet, von 
unfern Kämpfern an ber gront aber bankbar anerkannt 
mürbe, jumal es bie Schriftleitung verftanben hotte, bas 
©ichtigfte im Xelegrammftil fo fchnell mie möglich mits 
juteilen unb baneben noch Unterhaltenbes unb 23elehreit= 
beS, EritfteS unb HumoriftifcheS auf bem mentgen jur $ers 
fügungftebcnbenWaumjubieten.DieerfteWummercrfchicn 
am 1. Dezember 1915 unb mürbe in ©robno gebrueft. 
Schriftleiter iftipauptmann Jum ©infei, ber von £iba aus 
bie Webaktion telephonifch leitete, bereit* am 28. April 1916 
mar bie Jahl ber 23effeller fo gemachfen, baß bie eine jur 
Verfügung ffef>enbe treffe bie nötige Auflage nicht mehr 
fchaffen konnte unb beshalb Umfchau nach einer jmeiten 
gehalten merben mußte, bie glücflichermeife fehr halb er= 


langt mürbe. 23ei biefer Gelegenheit mürbe ber Drucfort 
näher an bte gront herangerüeft unb in £iba eine Druckerei 
für bte Jeitung unb ben fonfttgett Drucffachenbebarf eins 
gerichtet, bie heute als 25uch- unb Steinbrucferei ber 
„©acht tm Dften" in vollem betrieb ift. Unzählige 
Schmierigfeiten mußten übermunben merben, ba bie jur 
Verfügung ftehenben Drucfpreffen nicht tteuefter $on= 
ftruktion finb; bie eine ift jrnar „noch im mehrpflichtigen 
Alter", bie anbre aber iff ein „alter gebienter Sanbffürmer, 
ber mohl 1870/71 noch erlebt hat", fo baß eö kein ©unber 
ift, baß fie manchmal „verfagen", maö um fo empftnbs 
lieber mar, metl bie Jeitung jmeimal burch bie treffe 
mußte, juttächft Seite 1 unb 4, bann Seite 2 unb 3. 
Seite 1 unb 4 bringt bie Heeresberichte unb Xelegramnte 
unb mürben erft int legten Wfoment gebrueft, mä'hrenb bie 
3ttncnfeiten bereits vor bem Eintreffen ber legten SWits 
tetlungen hergeftellt merben konnten. Wur ber unerntübs 
liehe gleiß ber felbgrauen Drucker ermöglichte trog allem 
baS regelmäßige pünktliche Erfcheinen beS vierfeitigen 
23latteS. greilich einmal mußte bte „Watton" herabgefegt 
merben, „um bie Vorräte ju ftreefen", ba meitere Rapiers 
fenbungen junächft nicht herangebracht merben konnten; 
es finb aber nur brei Wummern jmeifeitig erfchtencn, ba 
mar ber üWangel mieber behoben. Seit Wummer 323 
heißt bie „©acht im Dften": 


28 


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Original frnm 

PR1NCIT0N UMiVERSITX 





Setöjeitung t>cr $lrmee Abteilung <5$effer 


bte bann mit Kummer 367 oom 1. Dejember 1916 ben 
Xttelfopf anbert, ber nun in ber 9ftitte einen Snfans 
teriften auf einfamer ©acht im r»erfd^neiten ©alb, linfß 
ein Dorf unb rec^tö einen Scßügengraben mit Solbaten 
jeigt. Die Scßriftleitung hot eß felbfl am fcßonjfen auß= 
gefproeßen, maß fte in 366 Hummern geleitet ßot, wenn 
fie fagt: „Daß bebeutet 366 Xage ber Unterhaltung in 
SRußlanbß Sin oben, ber Aufmunterung im Grammen 
Dienft, ber Aufflarung über bie Sage bei greunb unb 
geinb — auf felbmaßig beengtem 9taum." SBilbfcßmucf 
enthielt bie Leitung biß in bie neuere $eit nicht; ihn er« 
fegte bie ^Beilage „Daß Sehen im SBilb" oon Slfner,$Berltn, 
bie ja auch anbern gelbjeitungen längere 3*it beigelegen 
hat. Aid bie „Otomogrobefer ßrtegßmocße" einging unb 
bie „©acht im £)ßen" beren Sefer übernehmen mußte, 
machte fich eine SBerftarfung ber Scßriftleitung notig, bie 
fofort burchgeführt mürbe. 'Seit Kummer 383 mürben 
ber gelbjeitung allmochentltch „flriegßbilberbogen" bei* 
gelegt, bie nur beitrage bcr gelbgrauen ber Armeeabteilung 
bringen, unb oor allem auch baju beßtmmt finb, ben 


Angehörigen in ber Jpeimat übermittelt ju merben; ein 
trefflicher ©ebanfe, mofür mancher 93ater, manche Butter, 
manche grau eineß gelbgrauen banfbar fein mirb, bie nun 
fich ein SBtlb machen fonnen, mo ihre Angehörigen fu'rß 
Söaterlanb ©acht h^ten. Sine große %af)i 25ül>cr illus 
jfrieren bie Artikel, bie unß bie SBerefinamalber, bie 
litauifcheSanbfchaft, ben 93ia(omjeferUrma(b, oerfchiebene 
Stabte unb Dörfer, oon benen mir alle mohl oor bem 
Kriege feine Ahnung hotten, naherbringen. Die gelb* 
jeitung mar mit Kummer 408 auch ju einem größeren 
gormat, baß fiel) ber Dageßjeitung mehr na'ßert, übers 
gegangen unb hatte bie Angehörigen ber Armeeabteilung 
mehr unb mehr jur Mitarbeit herangejogen,maßmteberum 
ihren ©ert befonberß erhöhte. Alleß in allem mirb man 
Scßriftleitung unb Drucfperfonal rücfßaltloß baß Sob 
fpenben, baß in Otummer 130 gemünfeht mirb: „Du biff 
treu gemefen!" ©ahrlich, unter folchen Söerbaltniffen 
folche Seiflungen oerbienen oollße Anerfennung! 

Quellen: Kummer 160 „Sin unfre Sefer!"; Kummer 367 
„Äameraben! (Sin 3°h r gflbjeitung!" 


gelbjeitung ber üöugarmee 


Auch gelbjeitung ber SBugarmce iff in ihrer ganjen 
Anlage junäcßft faff außfcßließlicß ein 91acßricßtenblatt 
gemefen, beffen Jpauptjmecf mar, bie Gruppen biß in bie 
oorberfte Sinie fchnell mit bem £ageßbericßt unb ben mtd)s 
tigffen friegerifchen Sreigniffen befannt ju machen. 3h*e 
erfle Kummer erfchien am 18. Dejember 1913 nach 
Ubermtnbung gar mancher (Schmierigfeiten in 23iala, 
baß Stappenhauptort mar. Weht ftanb mic fo oielfach 
bei ben tfriegßjeitungen im ©effen irgenbeine ^eitungßs 
brueferei jur Verfügung; ein f feiner befebeibener $8es 
trieb nur mar in bem ruffifeßen Stabtcßen oorßanben, 
bem nur ruffifeße Sd^rtft unb eine abgebrauchte Antiqua 
jur Verfügung fianben. Jpauptmann £)tt, ber bamalß 
Abjutant ber Stappeninfpeftion mar, rußte aber nidjt, 
biß alle Scßmierigfeiten übermunben maren. Sin Sanbs 
flurmmann, 23efiger einer Drucferei, erflarte fieß bereit, 
auß ber Sjcimat feine Schrift ju holen; baß Angebot 
mürbe angenommen, bie SDZafcßine ber fleinen ruffifeßen 
Drucferei injfanb gefegt unb, maß fonff noeß fehlte, 
oon ben oerfeßiebenffen Drten ßerbeigefcßafft, fo baß 
bereitß bie erfie Kummer in 3000sAuflage oerfeßteft 
merben fonnte. ÜRogen auch bie erffe Kummer unb bie 
unmittelbar folgenben bei manchem „oom gaeße" megen 
ihrer „Scßriftfcheußlicßfeiten" bie Sritif ßeraußgeforbert 
haben: bie greube, baß eine „S3ugsjeitung" fcßnell alleß 
©iffenßmerte übermittelte, übermog alleß anbre. Die 
befeßeibene „Üuetfcße" follte erfreulicßermeife nießt lange 


Drucferei ber gelbjeitung bleiben; in SBreßsSitomff maren 
eine Drucfmafcßine, eine £iegelbrucfpreffe mie auch eine 
spapierfeßnetbemafeßine in einem ßalbjerftorten oerlaffenen 
ipauß gefunben morben, bie fcßnellflenß ßerbeigefcßafft 
mürben. Dafür reichten bie SRaume nießt meßr ju. So 
jog man auß in baß ©ebaube einer polntfcßen SBanf; für 
bie Segerei flanb ein früherer ©ebfaal jur Verfügung, 
mo nun beutfdje Solbaten „am faufetiben ©ebftußl ber 
^eit mitfeßaffen" follten. gretlicß,genügenb$Kaume maren 
oorßanben, SKafcßinen maren aueß jur Stelle, aber mit 
„speterßburger Jpoße", bie für beutfeße Scßrift nießt ju 
brauchen mar. Sß galt erft biefe bei ber polnifdjen Drufs 
feret umjutaufeßen, maß glüefließermeife gelang. Aucß 
ein Dpnamo mürbe aufgetrieben, ja fcßließlicß eine jmeite 
s U?afd)ine auß einer fletnen Drucferei in SERienbjprjec, fo 
baß ein einigermaßen befriebigenbeß Arbeiten möglich 
mürbe, nadjbcm auß ^inff eine britte Sttafcßine ßerbeiges 
feßafft mar. Dem ScßriftlciterJpauptmann Dtt, im $mU 
beruf^)rtoatbojentanber Xpanbelßhod)fcßu(e ju $ölna.9tß., 
mürbe jurllnterflügung^ijefclbmebelXibicf,tm3ioilberuf 
^ammergericßtßsWferenbar auß Berlin, jugeteilt, bcr 
naeß Abberufung beß ©rünberß Seiter ber 3^tung mürbe. 
Drucfer unb Seger maren halb auß ben Greifen ber Sanbs 
flurmleute in genügenber^aßl oorßanben. Daß bie^dtung 
ein 23ebürfntß für bie meit oorgefeßobenen Gruppen mar, 
bie bie ©aeßt oor ben ^rtjpetsSümpfen hielten, jeigt 
baß rafeße ©ad;fen ber Auflage, bie balb 23000 jaßlte. 


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Original fro-m 

PRINCETON UNIVERS1TY 





BcfonberSwertooll war gor manchem basjufammenfaflfen 0cf)ilberungen ©on £rlebniffen; gelegentlich Fommen auch 

ber Chreigntffe beS jeweils ©ergangenen KriegSmonatS in SHuflrationen, barunter 0Ftjjen ©on gelbgrauen ©or. 

einem Flaren über ficht liehen Bericht unb bie Beigabe ©on ^atfelecFen^eitereGrcFe^ücherbefprechunge^grageFaften 

harten ju biefen Kriegsberichten. 0obalb aber einmal bie erhoben hoö Sntereffe ber Sefer an ber Leitung. $llleS in 

beutfehe gront jur SKube geFommen unb eine gewiffe allem: auch hier haben wir trog aller beflehenben0chwierig= 

@tetigfeit ber Berbaltnifife eingetreten war, Fonnte auch Feiten eine 3^tung ©or und, bie ficherlich ihr £etl baju 

ju einer inhaltlichen 2JuSgeftaltung ber Leitung gefchritten beitrag^bieKampfeSfreubigFeitunfrerilruppenjuerbalten 

werben. SWehr unb mehr Famen ju ben rein militarifchen unb §u erhöhen. #cutc liegt bie 0d)riftleitung in benJpanben 

2lrtiFeln folche aus ber Heimat ©on fübrenben Bannern ©on ?eutnantBinge, Lehrer aus Hamburg, bem jwei JpilfSs 

unferS BaterlanbeS; auch ber gelbgraue felbft Farn juin arbeiterunterflehen,UnteroffijierJpenrp,SRechtSanwaltunb 

'Bort, fobafhmr halb wertoolle Beitrage ber ©erfchiebenften 0tabt©erorbneter in Bonn, ber ben politifcfcwirtfchafts 

Slrt ftnben, feien es 0timmungSartiFel ober belehrenbe liehen Zeit unter fich hat, unb ©efreiter Bolff, Kaufs 

0Fijjen / Betrachtungen über baS befegte ©ebiet ober mann unb 0chriftfietfer, ber ben literarifcben£etl bearbeitet. 



,,Nein, diese Barbaren, vor der Wahrheit sollten sie uns wenigstens schuetzen.“ 


Nouvelles de la guerre (tfiflet Krifflfyeitung) 


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Original frnm 

PRINCETON UNIVERSITY 





i>m SSctrtebcn t>er ^riegtfjeitungen 



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Gck 'gle 


Original frnm 

PRINCETON UNIVERSITY 







































$(u9 l>cn betrieben ber Äriegtfjeitungcn 



<8e$erei ber Äriegßicirung ber 4. ülrmee 



’Diflfd)infnfaoI ber .ftriegßjeituni} ber 4. 'iUrmee 


32 


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Original fro-m 

PRINCETON UNIVERSITY 




















'JWafd)tnenfcfct’rci bcr peitung bcc 10. ülrmef 


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Qrigiraa 

PRINCETON L 







































fcen betrieben bet* ifricgtfjeitungen 


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9)iarinoni:91oßenbtu(fniaf(^ine aftefkr Bauart, bic »or ber SBemifcung bureb 
bic ber 10.Slnnee ned) nie jur sollen ^eifhing gebracht worben war 




M;<-* . * - t 

4' 4 

3Fi7 * 



[f TfP*! 


1 • 


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Waben son Oiottenbrudpapier. (Leitung ber lO.ülrmee) 

34 


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OrigiriiBl fro-m 

PRINCETON-UNtVERSITY 
















©arbe^elfc^oft 

Die altcflc jlorpSzettung ifl bie „©arbesgelbs^ofl", bie 
freilich feine eigentliche gelbzeitung ifl unb beShalb nur 
ber Vollflanbigfeit halber erwähnt fei. Sie wirb feit 
2. September 1914 auf Veranlagung beS flellvertretenben 
©eneralfommanboS in Berlin h^uSgegeben unb ifl 
„ber ©arbc gewibmet". Sie bezeichnet fich felbft als „2116 
JTpanbfchrift gebrutft"; Herausgeber ifl 2. v. Schlier, 
Drutfer 3uliuS Sittenfelb, beibe in Verlin. Sic gelangt 
bei ben im gelbe flehcnben Truppenteilen ber ©arbe unb 
ihren neuen gormationen unentgeltlich Jur Verteilung. 

ftnegsjeitung für Da$ 15.51rmeeforptf 

3nt gelbe felbfl ifl bie ÄriegSjeitung für baS 15. Armees 
forpS bie altefie ÄorpSjeitung. Auch fie reicht in baS erfle 
ßriegSjahr juru'cf. erfte Kummer battert vom 5.Des 

Zcmber 1914. Schriftleitung unb ErfchetnungSort ifl nicht 
immer angegeben. Einzelne ber Hummern nennen bie flans 
brtfehe Stabt Menin alsErfcheinungSort. Das 15. Armee? 
forps fleht in griebenSzeitcn in Straßburg, was fich lange 
3eit im Titelfopf barin auSpragte, baß ihn eine Anficht 
vom Straßburger Mu'nfler fehmuefte. ©roße Schwierige 
feiten waren, wie bie erflcn Nummern auf ben erflen Vltcf 
Zeigen, in tppographifcher Beziehung zu überwtnben; hoch 
haben Schritt um Schritt bie mit ber H ewu $8 ö be &et 
Leitung betrauten gelbgrauen bie Schwterigfetten übers 
wunben, fo baß halb eine Erweiterung in AuSficht ges 
nontmen werben fonnte. ^unachfl würbe SonnabenbS ein 
UnterholtungSblatt beigegeben, fpater ein befonbereS tllus 
flrierteS Vlatt „Der AuSblafer", ber t>iel Originelles bringt. 

^flmpagncsÄricg^jeitung 

8. $Kcfert>eforps 

Noch primitiver als bie vorhergehenbegelbzeitung mußte 
bie „ßriegSzeitung beS 8. NeferveforpS", fpater „Ehams 
pagnes^riegSzeitung" genannt, ihre Arbeit beginnen. 3h* 
flanb zunachfl feine Drucferet zur Verfügung. Ein Viertels 
bunbert Nummern mußten mit Schreibmafchine unb 
Vervielfältigungsapparat h^geflellt werben unb trog? 
bem war bas z^flreuenbe unb unterhaltenbe Vlatt, bas 
feit Anfang 3anuar 1915 erfchien, gern gefehen. Sein 
3ie( war ja auch nicht bie Nachrichtenübermittlung, fons 
bem bie Aufmunterung unb Belehrung. Mit Nummer 26 
tritt berVuchbrucf anstellebeSheftographifchenSchreibs 
mafchinenfa^eS. Die Entwicflung führte balb zu bem 
weiteren Ausbau, ber fogar 3lluflrationen in Tiefbrutf 
ermöglichte. Schriftleiter ifl Huuptmann ©erner vom 
©eneralfommanbo, bem mehrere Hilfsarbeiter beigegeben 
finb. Die friegertfehen Verhaltniffe haben auch tn biefen 


^eitungSbetrieb verfchiebentlich beflimmenb eingegriffen. 
Von Nummer 34 vom 21.3uni 1915 ab ifl fie auch bie 
Leitung ber Armeegruppe glecf. 

2)er @c&ügengraben 

14. NeferveforpS 

3wei abgefchloffene 3ahrgange liegen bereits von biefer 
wertvollen ßorpSzeitung vor. 3hw erfle Nummer erfchien 
am 22. Augufl 1915. Mitteilungen über ben Drucfort 
unb bie Drucferei felbfl fehlen, abgefebeti von gelegents 
liehen Anbeutungen in ber Leitung, aus benen hervorgeht, 
baß bie friegerifchen Ereigntffe manche Schwierigfeiten 
unb Verlegungen beS OrteS mit fich brachten. Die Offen? 
five hat, wenn auch nur furze 3cit, baS regelmäßige Er? 
feheinen unmöglich gemacht. Die erfle Statte ihres Ers 
fcheinenS war fchon am erflen Tage ber Offenfivc ein Opfer 
beS Krieges geworben. Valb aber war eine neue Statte 
für bie ßorpSzeitung gefunben, fo baß fie wteber regels 
mäßig erfchcinen fonnte. Schriftleiter ifl feit Vegrünbung 
Stabsarzt Dr. Korber, alfo ein Mann, ber fonfl bem 
JeitungSleben fernfleht. Aber gerabe baS ifl es, waS ber 
Rettung beS 14.NeferveforpS,bem„Scbü§engraben" feinen 
befonberen Neiz unb ©ert verleiht. Schriftleitung wie 
Mitarbeiter finb Männer, bie fagen, wie eS ihnen umS 
Herz ifl. Mag auch nicht alles fonnvollenbet fein: was 
geboten wirb, ifl echt, wahr, unverfalfcht! Der „Schürens 
graben" will ja auch weiter nichts, als „baS Vanb, baS 
bie Angehörigen beSfelben $orpS umfchlingt, fefler unb 
trauter fnüpfen". „Heiteres unb Schnurriges, Nachbenfs 
licheS, ErnfleS unb Tiefes,alles foll hier eine Statte ftnbcn" 
wirb in Nummer 1 als baSjenige bezeichnet, was ben 3ns 
halt ausmachen foll. J^eifelloS hat es ber „Schürens 
graben" verflanben, voll unb ganz Aufgabe zu ers 
füllen. Daß ber üorpsführer, ber jegigepreußifche Minifier 
von Stein, barin nicht einmal, fonbern mehrere Male bas 
©ort ergreift — zunachfl in einer größeren Sfizz* „£cr 
©ranathof", fpater in kleineren Ausladungen, in benen 
er fich befonberS ber Schipper annimmt — zeigt, wie eng 
gu'hrung unb Mannfchaft miteinanber verbunben finb unb 
geineinfam Anteil haben an allem, waS im Vereine beS 
$orpS vor fiel) geh*» Diefe Anteilnahme hat fich Erzellenz 
von Stein auch an ber $orpezeitung bis zu feiner Abbes 
rufung herjlichfl angelegen fein laffen. 3ebe Nummer beS 
„Schu'gengraben" tragt einen anbern Titelfopf. Die 40 
erflen ilopfe ber gelbzeitung hat bie ilorpSverlagSbuch 5 
hanblung Vapaume in einem Sonberhefte zufammens 
geflellt unb in ben Hanbel gebracht, wofür ihr mancher zu 
Danf verpflichtet fein wirb. Man muß fich über bie Neich* 
haltigfeit ber Entwürfe wunbern. ©ewiß ifl mancher für 
gefleigerte Anfprüchc fünfllerifch nicht auf ber H#h*/ 

5* 


35 


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Original from 

PRINCETON UNIVERS1TY 






4&ML 




K«n. R.D*acnKolbe f * R IOJ Rqt.-'af*! 


^itelfcpfc bc$ ,,@c^ü$fn9robfnß' 


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Gougle 


Original ftom 

PRtNCETON UNiVERSITY 


















waren aber auch ^ter nicht VuchgewerbeFünffler DonVeruf 
am VSerFe; bie ba jeichneten unb entwarfen, taten eß aber 
mit t>iel Jpingabc, unb baß bebt gar Diele über ben Durch- 
fcbnitt Don mancher anbern Stiftung auf biefem ©ebiet weit 
ginauß. s Boß ben 3nhalt &cr töorpßjeitung betrifft, fo iff 
er fo oielgeffaltig, ba§ in wenigen VSorten nicht barüber 
berichtet werben fann. gür fpätere feiten werben bie 3D?it= 
teilungen über baß £ebcn unbXreiben bcr^orpßangehorigen 
Don befonberem Sntereffe fein. V?ufifliebhaber unbVhifiF* 
Dcrffänbige fcheinen bt«* mehr wie anberßwo unfern gelbs 
grauen gar manche fcgone ©tunbe, fei eß im ÄirchenFonjert 
fei eß in äünfflerabenben, bereitet ju hoben. Auch bie Valis 
Vapaumer Sichtfpiele hoben manche ©tunbcn Derfürjen 
helfen. Verfe finb auch ber ©chriftleitung biefer gelb* 
jeitung genügenb jugegangen, fo baf; fie barauf aufmerFs 
fam machen ntu§, baf} „baß ©cgügengrabenleben hoch 
nicht nur ^Poefie", baf; hoch auch //«in ©tü'cf Fräftiger 
*Profa" babei fei; bie ®erfe aber, bie wiebergegeben finb, 
finb in ihren ©ebanFen wohl ber Aufnahme wert gewefen. 
Daß gilt auch tn>n &«n humoriftifchen Beiträgen, bie ers 
frculicherweife trog ihreß Fräftigen ©olbatenhumorß nie 
an bie ©renje beß ©ewognlichen h«*anFommen. 2Bie in 
anbern befegten ©ebieten, fo jeigte fich auch halb im Ve^ 
reiche beß 14. SKeferoeForpß unter ben gelbgrauen baß 
Sntereffe für £anb unb ?eute, für bie ©efcbichte unb für 
bie Denfmäler ber alten franjofifchen ^rooinj, waß feinen 
Vieberfcglag in manch gutem ArtiFel unb ©timmungßs 
bilb in ber gelbjettung gefunben hot. Diefer Xatfacge Der« 
banFen ouch bie fcgonen Veröffentlichungen „Auß©täbten 
unb ©cgloffern VorbfranFreicgß", „^mifchen Arraß unb 
gerönne" unb anbre ihr £ntf!ehen. Viel £iebe unb Jpin= 
gäbe, jtamerabfcgaftlichFeit unb echter beutfcher ©olbatem 
geift fpricht ouß allem. 2Bogl bem VolFe, baß folchen 
©eiff fein eigen nennen Fann! Die lebenßwahren Vummern 
beß „©cgügengraben", auß bencn gelegentlich in ArtiFeln 
wie „Denen braufjen" bie ©chwere beß itampfeß auch in 
fcer ©chriftleitung nachjittert, werben eß unfern fpateren 
©efchlechtern jetgen, wie eß möglich mar, baß fchier 
®?enfchenunmogliche $u leiffen unb einen fo übermächtigen 
gseinb abjuwehren. 

©er <5d)ü&engraben 

4. SfteferoeForpß 

Unter bemfelben Xitel „Der ©chügengraben" hot auch 
baß 4.SfteferoeForpß eine gelbjeitung gehabt, aber nur in 
einer Vummer, bie alß„Anfangßs unbAbfcgtebßnummer" 
bezeichnet iff, aber wohl Derbient, ber Vergeffengeit enU 
riffen ju werben, £rfcgienen iff fie in <Petit ©t. ®?arb 
am 19. ©eptember 1915; alß ©chriftleiter wirb genannt 
Dr. griebrich ffiolterß. Die Vummer follte nichtß anbreß 
alß ein @rinnerungßblatt fein. 3n ^Profa unb *Poefie tff 
ber oerfcgiebenflen £rlebniffe gebacht, fo baf; bie Vurnmer 
weitergehenbeß 3ntereffe Derlangt. 


Äriegtfjeitung t>etf Äorptf SJtarftyaU 

Jur ßaiferlicg Deutfchen ©übarmee, wo ofFerreicgifchc 
unb ungarifche Dioifionen mit beutfehen jufammem 
geflochten würben, führt unß bie ßriegßjeitung beß Äorpo 
Vcarfcgall. 3gre erfte Vummer trägt baß Datum Dom 
25. OFtober 1915. Die urfprüngliche Abficht, fie in meh¬ 
reren ©praßen erfcheinen ju taffen, um auch ben Der* 
bünbeten Xruppen Sefeffoff ju bieten, hot fich l«iher nicht 
oerwirFtichen loffen. Alß Jperaußgeber zeichnete boß ©eneraU 
Fommonbo. Die ©chriftleitung tag in ben Jpänben oon Seuts 
nant greiherr d. ÜRarfcgall unb Vijefelbwcbel ber SReferoe 
Otto ©chabbet. Alß Aufgabe ber Leitung iff eine hoppelte 
in Vummer 1 in Außficht genommen: bie Vfttglieber 
beß $orpß aufjuFlären unb ju belehren, jurn anbern auch 
fie ju unterhalten. Veibeß iff in gefchicFter VSeife in ben 
35 Vummerti burchgeführt worben, bie ben fern oon ber 
Jpeimat ffegenben unb fechtenben Xruppen fehr erwünfeht 
waren. ©ebrucFt würbe bie Leitung unmittelbar hinter ber 
gront in ©alijien unter manchen ©chwierigFeiten, bie 
aber auch h»«« mit echtem ©olbatenhumor überwunben 
würben. Vor allem bie eingefügten «RartenfFijjen jeigen, 
baß oft bie notigffen jpilfßmittel nicht jur Verfügung 
waren, guter SVillc aber hot fie hoch gefchoffen unb ba^ 
mit Diel jur Orientierung beigetrogen. Die Drucferei bes 
fonb fich trt bem Fleinen jübifchen ^Popierloben eineß off? 
galijifchen Dorfeß. 3hre technifche 2lußffottung war bie 
benFbar einfochffe. ©ie befog eine ©chnellprefTe mit^)anbs 
betrieb, ber Don gefangenen SRuffen Derfehen würbe; erfi 
fpät Fonnte ein Vtotor mit eleFtrifchem Slntrieb eingebaut 
werben. Die 3«itung erfchien alle fünf Xage; bie Auflage 
fteigerte ftch Don 5000 auf 16000. Obgleich ber monat* 
liehe Vejugßpreiß für bie Angehörigen ber ©übarmee nur 
7 geller betrug (Vejüge in bie Heimat würben nur in 
befchränFtem SRa^e für 9R 1.20 abgegeben) unb bie Auß? 
gaben für Rapier unb Material beträchtlich waren, Fonnten 
hoch über 5000 VfarF erfpart werben, um, alß jtriegß? 
anleihe angelegt, wohltätigen ^toeefen jugeführt ju werben, 
©ertooll finb bie Vertchte über baß Äorpß V^arfchall unb 
bieVtitteilungen„^in3ohtÄaiferlichDeutfche©übarmee // , 
bie wichtige hifiorifche Auffchlüffe geben. Vcfonbere Siebe 
iff auf bie 51öeihnachtßnummer 1915 oerwenbet worben, 
ber ©raf Vothmer, ber gü'hrer ber ©übarmee, einen poe^ 
tifchen V^eihnachtßgru^ „An bie ^aiferltch Deutfche ©übs 
armee" gewibmet hot unb ber jwei Vilbbeilogen Don 
Jpanß Xhonta unb oon ^Pobf! beigelegt finb. gür bie 
Vummer 14 hotten gelbmarfcholl ^rjh«fiog griebrich unb 
(5rjh«riogsXhronfolger ^orl gronj Sofef Veujohrßgrüge 
überfonbt, bie im gaFftmile wiebergegeben finb. Von be* 
fonberent Sntereffe bürfte ber ArtiFel „Auch eine ^rtegß^ 
jettung" fein, ber über eine ruffifche Äriegßjeitung, bie 
ber ©chriftleitung in bie $änbe gefallen war, berichtet unb 
jeigt, auf welch ntebrigem 91iDeau bte „$riegßjeitungen" 


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Original fro-m 

PRINCETON UNIVERS1TY 



unfrer geinte fielen; flrofct fic hoch »on infamer Lüge 
unb unglaublicher ©emeinbeit! Man Pann nur bebauern, 
baß bie $orp$zeitung mit Kummer 35, bie 23ilbcrfchmucP 
aus ben Karpathen »on bem befannten ©orpöweber 
iOTaler Jjeinrich Vogeler, ber bie ÄarpathenPämpfc mit: 
erlebt tyat, bringt, infolge ber Verlegung be$ ©eneral: 
PommanboS eingegangen ifi; ihre Aufgabe, bie fie ftch ge? 
ftellt bat, ^at fie {ebenfalls jur uollflcn t 3ufriebenheit ihrer 
Lefer, bie ibr es immer banPeit werben, erfüllt. 

Quell fn: 23or allem Kummer 1, bie auf Seite 4 bie $ufflaben 
ber .ftnegfyeirunfl flarlegt, fonrie brieflidje Mitteilungen. 

©er ©rabenbote bes 11. ^Inneeforps 

Das ©encralPommanbo bcS 11. ArmeePorps f?atte zu: 
nächfl, um feinen Angehörigen bas ©icbtigfle unb Neueflc 
fchnell $u übermitteln, nur ein jweifettiged 2Matt unter 
bem Xitel „gunPerbienfl", ber »om 17. DPtober 1915 bie 
22 . Januar 1916 ununterbrochen erfebien, herausgegeben. 
Mit bem 23. 3<muar ging bas ßommanbo aber baju 
über, eine wirPliche Äriegöjeitung ju febaffen, bie unter 
bem tarnen „Der ©rabenbote beS 11. ArmeePorps" bie 
26. Dezember ohne Unterbrechung ben Xruppen geliefert 
würbe. Seither erfcheint bie 3eitung nicht mehr. ©eher 
DrucPort noch Schriftleitung ifl genannt. 3m großen 
ganzen ifl ber „©rabenbote" einegortfe( 3 ung beS„gunPer: 
bienfleö", geht aber in einzelnen Hummern allwöchentlich 
weit über biefen hinaus, intern er Erzählenbcs unb Er: 
heiternbes, £tflorifcbeS unb 23elehrenbeS hinzufügt, jum 
Xeil auch illuflrierte Beilagen, bie befltmmten Anläffen 
ober ©egenflänben gewibmet finb, gibt. 3n ber Jpaupt: 
fache finb eS aber militärifche ArtiPel unb Purjc politifche 
Nachrichten, bie ben 3nh<dt ber Leitung auSmachen. ©ert: 
»oll bleiben für immer Darflellungen »on .ftriegSerleb: 
niffen unb bie ArtiPel, bie »on gelbgrauen flammen, weil 
fie inbi»tbuellen EbaraPter tragen unb baS Leben beS 
ArmeePorps betreffen. 

9ln Sfonbernö ßüfte 

Äriegöjeitung für bas MarinePorps 

Den ^orpöjeitungen reihte fich am 15. März 1916 bie 
Jlriegöjeitung für baS MarinePorpS„Anglanberns,ftüfle" 
an. Als Schriftleiter zeichnet äor»ettenPapitän Erid) 
Ebgar Schulze. Die Zeitung erfcheint alle 14 Xage 
in einem Umfange »on 8 Seiten Quart. Sie wirb »on 
brei beutfehen Ma trofen, ben 23uchbrucPern ©innefelb 
aus Melle, Schmibt aus Danzig unb Neimann aus 
Berlin, in einer befchlagnahmten Pleinen belgifcl^en 
XraPtatchen? unb Jpetligenbilt'chen'X^rucferci in Brügge 
bergeflellt, beren hefiger bei ÄriegSausbrud) nach Englanb 
flüchtete. Die glachbrucfpreffe, bie gar manche Schwierig: 
feiten infolge ihrer »erfchiebcnen Mängel in ben ©eg 
(egte, bruefte früher in flämifcber Sprache „De Nieuwe 


Zondagbode van’t Bisdom“. 3n ihrer Antiquafchrift 
erfchienen auch bie Nummern 1 bie 15 ber .ftrieg$$eitung 
bee MarinePorps; Nummer 16 ff. zeigen Plare graftur* 
buchflabcn, bie inzwifeben »on einer beutfeben Schrift: 
gießerei bezogen worben waren. 23efonberS ju begrüßen 
ifi, baß bie Zeitung auf holzfreiem Rapier bergeflellt wirb. 

©aS bie Zeitung will, hnt fie in Nummer 1 in ge: 
bunbener gorm bePanntgegebcn unb bat bieS ihr tyro: 
gramm getreulich erfüllt. 

„heitres unb ErnfleS »om Schützengraben 
3n Dichtung unb *)>rofa foll cud> erlaben. 

Unb manchmal wollen wir mit euch wanbern 
Durch alte Stabte im febonen glanbern . . . 

©ir wollen erzählen oon flanbrifchen Sagen, 

93on flamifcber .ftunfl unb »ergangenen Xagen, 

Unb was bie geber nicht fcbilbern Pann, 

Das zeichnet euch f*t unfer MalerSmann" . . . 

So wecbfeln heitere unb ernfle Erinnerungen beS 
MarinePorps aus unfrer großen fchweren Zeit in ben 
Spalten beS Platte* mit StimmungSbilbern unb poetifchen 
Ergüffen in mannigfaltigfler gorm miteinanber ab. ©aS 
ba unb bort im Pleinen unb Pleinflen zu Lanb unb zu 
©affer an Xaten vollbracht wirb, erzählen uns fchlichte 
Berichte. Neichlicb viel %e rfe, benen man aber nachfagen 
muß, baß fie manchmal weit über bem Durchfchnitt ber 
»ielen Schügengrabenreimereten flehen, auch folcbc in 
Hamburger iNunbart, gibt ee baneben zu lefen. Necbt 
wertooll aber finb bie vielen Stimmungtfbilber unb 
Scbilberungen beö flainifchen i'anbed unb bee flämifchcn 
Nolf6lebcn^, bie vielfach fcurch Silber illuflriert finb. 
Nicht nur bem Jpeute wirb bie $ricg$zcitung gerecht, 
fonbern auch bem, wa6 früher an biefer flanbrifchen $üfle 
war, btö zurücP zur £eit Albrecht Dürerd, ifl ber unb jener 
ArtiPel gewibmet. Ntel bat bie Äorp6z«tung bem Unter: 
Offizier gri§ Sartorius, im 3*®tl(eben Nebafteur am 
^)eibelberger Xageblatt, ber in ber Schriftlcitung mit 
tätig ifl, zu »erbanfen, ber bem 25latt nicht nur manchen 
2 ?citrag,fonbernaud) fachtechnifcbe jpilfein jeberNicbtung 
Zuteil werben läßt. Den bilblid>en SchmucP, foweit er 
nicht auf pbotograpbifd>en Aufnahmen beruht, beflreiten 
großenteils NeprobuPtionen »on Silbern beö bePannten 
NlalcrS granz Eichhorfl, ber in griebenSzeiten in Berlin 
fein Atelier aufgefcblagen unb feine zahlreichen Ölbilber, 
Zeichnungen, Aquarelle unb Lithographien ber Kriegs: 
Zeitung in entgegenfommcnbfler ©eife zur Verfügung 
geflellt hut (»on ihm flammt aud) ber XitelPopf „An 
glanberns .^üfle"), währenb 23ootSmann6maat giebler, 
einer ber Mitarbeiter ber Münchener „3ugenb", unb 
Äraftrabfahrer s ))oe$fch bie vielen lufligen Einfälle son 
grig Sartoriue illuflricren. Auch »on bem baprifchen 
Maler Dbermaicr bePommen wir SPizzen zu fehen, fowic 


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Original frorn 

PRINCETON UNIVERS1TY 




21bbilbungen feiner Oenfmtfnjen, bie er auf Marinefü'brer 
geraffen bat Den gefcbäftlicben betrieb leitet Unteroffizier 
©.&otbfcbilb,BerlagSbucbbänbler aus Berlin. Überblicft 
man ben erften 3abrgang, ber mit ber Kummer 24 vom 
1. MärjbiefeS 3abreS feinen 2lbfcbluß gefunben bat, fo 
fann man ber ©cbriftleitung unb ihren Mitarbeitern für 
ihre liebevolle unb jtelbewußte Arbeit nur Danf unb 51ns 
erfennung auSfprecben. 

Quellen: 3 lrtifel „(Jinjäbriüeä SBefte^cn unfrer .ftriegfycitung" 
in Bummer 25 forme briefliche Mitteilungen. 

SRotwgrobefer Äriegtfjeitung 

Leitung beS 25. BeferveforpS 

Bocb weniger als Baranowitfcbt (©eite 43) wirb ben 
meinen baS ©täbteben Bowogrobef, nach bem ftd) unfre 
ßriegSjeitung nennt, befannt fein. ©eit ab von allen Ber* 
febrSflraßen liegt biefeSingriebenSjeitenetwa lOOOO^in* 
wobner jä'blenbe ©täbteben, fo baß man ftcb nur wunbern 
fann, wie unfre gelbgrauen bortbin bie notigen jpilfs* 
mittel für bie Verausgabe einer Rettung, bie feineSwegS 
ju ben Heineren gelbjeitungen biefeS ©eltfriegeS gebort, 
gefebafft haben. DaS ©täbteben felber bot nur in einer 
fleinen jubifeben Drutferet eine verffaubte Jpanbpreffe, 
adeö anbre mußte von auswärts befebafft werben. Uns 
ermüblicber beutfeber gleiß bat auch f)itx nicht geruht, bis 
alles fo war, baß man, wenn auch unter großen ©cbwierig* 
feiten, eine Leitung, bie ftcb feb^n laffen fonnte, heraus* 


jugeben imjlanbe war. ©ie ben Drucfern unb ©egern, 
fo gebührt auch ber ©cbriftleitung, bie bis Anfang ©ep* 
tember 1916 in ben Jpänben von Oberleutnant ©raf 23er* 
lepfcb, fpäterfürjere^eitin benen beS JpauptmannS Baebr 
unb beS 21rmierungSfolbaten (sprivatbojentDr.) Baumann 
lag, für ihre unermubltcbe unb vor allem jielbewußte 
Arbeit, bie um fo b#ber anjufd)lagen ifl, als bie vielen 
Xruppenverfcbiebungen ben Berfeb* mit ben Mitarbeitern 
außerorbentlicb erfebwerten, ber Danf aller. 21m 2. Oe* 
jentber 1916 bat bie Rettung, bie ficb von Kummer 38 
ab „Bowogrobefer ßriegSwocbe" nannte, ihr £r* 
febetnen eingeflellt. 21ls ©efcbäfteffellc unbDrudferei ber 
3eitung if! Bowogrobef, DrinitatiSffraße 67 angegeben. 
„Bon Mittwoch ju Mittwoch" lautet bie Überfcbrift beS 
erjlen 2lbfcbnitteS jeber Kummer; er faßt gefebieft unb furj 
bie militärifcben (Jreigniffe jufantmen; ihm fcblteßen fiel? 
tneifl allgemein verflänblicbe Betrachtungen über bie Sage, 
©timmungSartifel unb ähnliches nach 21rt einer £ageS* 
jeitung an; alles ifl aber Original, von gelbgrauen ge* 
febrteben; Bacbbrucfe aus anbern Blättern finb ber ©ebrift* 
lettung verpönt. DaS wertvollfle wirb aber für immer baS 
bleiben, was uberSanb unb Seute, über Bergangenbeit unb 
©egenwart BowogrobefS unb feiner Umgebung mitgeteilt 
wirb, fowie bie ©ebilberungen eigener (*r(ebmffe unb 
©timmungSbilber ber mitarbettenben gelbgrauen, bie oft 
von tiefempfunbenem 3nbalte ftnb. 

Quelle: Oer Slrtifel: „$lu$ bem Üeben ber Bowogrobefer 
&rieg$ jeitung". 





6«K«nd. 


machuo^ 




mmhmkuh^ 


3vv MvW . /'Sw ' 




/VlX/t-- '{'VV'V'i/*. 

vj^vr /vvv^l . 


„* 2 ln $lanbern$ .ftitfte": ftlanbrifcf)e$ ABC: @d)attenfpiel 


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Original frnm 

PRINCETON UNIVERSITY 






DunftonssKrtegsjertungen 


Äricg^jcitung ber 14.3nfantertebimfion 

Die älteffe DtoifionSFrtegSjeitung iff bte bet 14. 3ns 
fanteriebioifton, bte bereite am 4.Vooetnber 1914 tn Don 
(fübmefflich Sille) begrünbet mürbe. 3h* Schriftleiter iff 
feit beginn SRittineiffer oott Marfchall, bet Drbonanjs 
offijier beim Stab bet Dtotfion iff. Die Leitung mar jus 
nächff als 9lachrichtenblatt gebaut unb umfaßte nur einen 
Vogen. Jpelbentaten einjelner Mitglieber ber Dioifton unb 
bie auf Slngehorige berfelben entfallenen £>rbenSauSjeid)s 
nungen mürben in ihr für fpa'tere ©efchlecbter unb für 
bie heutige 14.3nfantertebioifion oor allem aufgejeichnet. 
©ebrueft mürbe bie Leitung junachff in (Saroin in ber 
Drucferei oon *))louoiec & (Shartreur. £aS Sntereffe ber 
Dioifion an ihrer gelbjertung mar ein fo großes, baß bie 
anfängliche Auflage oon 1CXX) auf 2000 erhöht merben 
mußte. 3meima( in ber Wod;e Fonnte fie mit beitragen 
ber gelbgrauen, bte junt Xeil mit SHuffrationen aus bem 
Kampfgebiet ber Dioifion oerfehen finb, unb „StebeSgaben" 
oon Sd)riftffellern in ber Heimat, melche tn ^oefie unb 
9 >rofa bie Leitung unterffügten, bis jutn heutigen 2ag ers 
fchetnen unb hat oiel greube unb SlnerFennung gefunben. 
Die eingefanbten SHuffrationen mürben in ßaroin lithos 
graphiert. 3m51pri( 1916 mürbe berDrucfort ber Leitung 
nach Xournap, tm 3uni 1916 nach Stenap ocrlegt, mo 
fie heute noch gebrueft mirb. Wenn mtr bebenfen, baß ber 
Leitung immer nur ein einjiger Seger jur Verfügung 
ffanb, baß bei bem hüußg mechfelnben Kampfgebiet ber 
Sig ber Schriftleitung mit mecbfelte, fo Fo'nnen mir uns 
nur munbern, baß es möglich mar, bie DioifionSjertung 
immer rechtzeitig fertigjuffellen unb jur Verteilung ju 
bringen. Achter Solbatengciff fpricht aus allen feilen, bte 
bie gelbgrauen fclbfl gefchrieben haben; unfern mir!liehen 
geittb höben fie richtig erfannt; oiel Junior trog aller 
ferneren Kampfe finbet fid), ber aber im Nahmen beffen 
bleibt, maS gut beutfeh iff. ©eneral oon 2lltrocf mibmetc 
ber KriegSjeitung mteberholt ©ebichte, SRittmeiffer oon 
Sepben lieferte manche hübfehe bmnoriffifche ^eid^nung, 
mie überhaupt bie „Süffige £cfc" ein J’pauptbeflanbteil ber 
Leitung iff. ipeute iff bie Auflage ber Leitung auf 3000 
geffiegen. 

©er Heine föttnenroerfer 

Wochenblatt für unfre 3nfanteriebioifion au 
ber SRamFa 

Vur 11 Vummern erlebte biefeS für bie 3nfantertes 
bioifion an ber SRamFa oon ber 3. Kompanie beS 1.9)ios 
nierbataillonS Vumnter 17 h^rauögegebene achtfeitige 
Wochenblatt, baS auSfcblteßlid? ber SpriF unb bem Jpumor 
gemibtnet iff. Schriftleitung unb Mitarbeiter finb recht 
fangeS* unb lieberfrohe gelbgraue. Die poetifchen £rjeugs 


niffe follen fangbar fein unb finb auch gefungen morben. 
3u befannten Melobien finb jeitgemaße £e;te gefchrieben 
morben, fo baS SReiterlieb „WaS fprengt bort heran tm 
Sonnenlicht?", „3ch weiß moht,maS foll es bebeuten" unb 
anbreS mehr. Manch gutes Sieb, baS meit über bem Durch* 
fchnitt ber oielen Schügengrabenpoefie fleht, enthalt baS bes 
fcheibene Vlattchen, beffen erffe Vumtner am 1. Slprtl 1915, 
beffen legte am Sonntag, ben 20 . 3uni 1915 erfchien. Die 
große Dffenftoe gegen bte SRuffen gut ben Schriftleiter unb 
bie Drucfer junt KriegShanbmerf gerufen unb barnit ber 
„Verausgabung ber Leitung auSfchließlich im Sdjügens 
graben", mie fie fonff nad) einem VennerF am Kopf beS 
VlatteS erfolgte, ein @itbe gemacht. Seiber mar bei ber 
Kompanie nichts Vageres über bte DrucFerei fomie bte 
beteiligten *)>erfonen ju erfahren. 3ebenfal(S ffanb ben 
3üngern ber fchmarjen Kunff nicht allju oiel Drucfs 
material jur Verfügung. Xrog allebem macht baS bes 
fcheibene Vlattcgen ben unbefannten Drucfern alle £gre. 

3m ©dmgengraben 

Wocgenfcgau ber 54. 3nfanteriebioifion 
grifcher, froher ©eiff meht uns aus ben fauber ges 
brucFten Vummern ber „Wod)enfcgau ber 54. 3nfanterie= 
bioifion" entgegen, bte jum erffenmal unter bem Vatiten 
„3m Schügengraben" als gelbnummer 1 am 16. Mai 1915 
ohne Slngabe beS DrucforteS unb beS Schriftleiters ers 
fd^ien. gretherr o. Watter gibt ^irl unb ^meef ber 
tung in ben (JingangSmorten btefer Vummer beFannt. 
„Den Kameraben jur Erholung tn freien Slugenblicfen" 
foll fie bienen; „aus uttferm augenblicklichen engeren 
Seben berauSgegriffene ^rlebniffe" follen in ihr Slufnahnte 
ßnben. Die erffen 10 Vummern finb mit großer Ves 
geifferung gefchrieben, zeigen otel Slbmechfluttg unb bringen 
in Vertagen eine große Slnjahl ©cbichte, bie nid;t nur 
im Snhalt, fonbern auch in ber gorm teilmetfe eine feltene 
Jpb'hc jetgen. Die mannigfachen Verfchiebungen, bte bie 
Dioifion ooit Mitte 3uli 1915 ab über fich ergehen (affen 
mußte, ließen ein Weitercrfcheinen ber „Wod^enfchau" 
nicht mehr ju; ja bei biefen Verfchiebungen litt bte DruFs 
Ferei burd) einen Volltreffer fel;r. SllS aber bte Diotfton 
oom Cffen mieber nach bent Weffen jurücFFehrte unb 
ruhigere 3^iten Famen, erfchien bie Leitung mieber, ja 
mürbe fogar ermeitert burch mehrere Vertagen, bie jegtaud? 
mertoolle Vtlbbeilagen mie „granjofifche Stabte hinter 
uitfrer groitt" bes SanbffurmmanncS Müllers ©reife 
bringen. Der (SharaFtcr ber ^ituitg tff tm übrigen berfelbe 
geblieben. Seiber ffeben uttS nicht alle Vummern jur Vers 
fügung, nach ben oorliegcnben Fann man aber mitgreube 
feffffellen, baß gretherr o. Watter mit bem, maS er mollte, 
ben oott t'hm gemünfd^ten Erfolg oollauf gehabt hat. 


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Original fro-m 

PRINCETON UNIVERS1TY 



SDtetöereiter tm ©unbgau 

ßriegdjeitung ber 8. £anbwehrbioifion 

Am 21* Rooember 1915 erfchien berritd eine weitere 
Dioiftondjeitung, bie ber 8. Sanbwehrbioifton. Ein Vlelbe* 
reiter fehmüeft ben Xitelfopf biefed Äriegdblatted, beffen 
Rebaftion ed fcfmcll oerflanben hatte, ein echted ©olbaten* 
blatt aud ber Dioifiondjeitung ju machen, «^err gelb? 
btoifiondpfarrer ©d)war$ teilt und folgenbed mit: „Der 
©eg oom erflen Auftauchen bed ©ebanfend bid jur wirf* 
liefen Audfu'hrung war ein weiter; mancherlei unoorher» 
gefehene Hemmniffe febienen bed öfteren bad ©elingen bed 
Unternehmend in grage ju flellen. ©chwierig war oor 
allem bie Vefchaffung einer Drucfereieinrichtung. Ver* 
fchtebene kleine würben erwogen, bid ber ©chriftleitung 
burch Zufall befannt würbe, baß in einer geräumten £>rt* 
fchaft bed Dioifiondgebieted eine Drudferpreffe mit %\\s 
behor flehe. Eine Vefichtigung ergab bie Vrauchbarfeit für 
unfre ^roeefe. $xvciv hatten bie franjofifchen ©ranaten 
bem bicht hinter unfern ©chu'gengraben flehenben ©ebaube 
übel mitgefpielt unb einige Volltreffer bie ©egerfaflen 
tüchtig burcheinanbergerüttelt,aber bie Vlafchine war noch 
unoerfehrt. ©ern gab ber Veftger feine Einwilligung $ur 
©egnahme ber Einrichtung — würbe hoch auf biefe ÜBeife 
alled oor ber fieberen ^erflorung bewahrt. Der Abtrand* 
port gefebah nachtd, bamit ber geinb nicht aufmerffam 
würbe unb unfre Arbeit flore. Die erfle Rümmer erfchien 
am 21. Rooember 1915, achtfeitig, im gormat 29 l / 2 :23, 
jweifpaltig gebrueft. Aid Äopfflücf trug biefe Audgabe 
einen Vielbereiter mit Xitelfchrift ald $lifchee, barunter 
burcblaufenb bie näheren Angaben über bad Erfcheinen 
unb bie Vejugdbebingungen. Da biefe Anorbnung nicht 
befriebigte, würbe ber $opf fchon in ber jwetten Rümmer 
geanbert: fette Antiquafchrift. ©eit Rümmer 17 hat bie 
Leitung eine fünflterifche $opfleifle nach einem Entwurf 
bed bekannten $arldruher Vlalerd Helmut Eichrobt, jur* 
jeit Leutnant ber Sanbwefjr. Auch bad gormat war noch 
Veranberungen unterworfen, bid man 39 y 2 • 261/ 2 bei* 
behielt; ab Rümmer 2 erfchien bie Leitung oierfeitig, brei* 
fpaltig gebrueft. Die Auflage war urfpru'ngltch 3000, 
flieg jcboch Enbe 1916 auf 5500. Die ©chriftleitung liegt 
in ben Hänben bed eoangelifchen gelbbioiftondpfarrerd 
©cpwarj. Drucfort ifl bad ©tabtehen 9)ftrt im Dberelfaß, 
unweit ber ©chwetjer ©renje. Uber bad, wad bie Leitung 
will, gibt ber „ Audwetd" Audfunft, ben ber „Vielbereiter" 
in feiner erflen Rümmer mit auf ben ©eg erhalten hat: 
„er will echte $amerabfchaft in ber Dioifion forbern ... 
er foll weber ein Etfa§ noch eine ßonfurrenj für Xaged* 
jeitungen unb ©ochenblatter politifcbcn, religiofen ober 
fonfligen 3nhaltd fein ... er foll aber nicht etwa lebtg* 
lieh ein ©igblatt fein, fein bloßer ^eitoertreib. Daju ifl 
er $u fehr Jlriegdjeitung; baju fleht bad, wad wir fafl 
täglich erleben unb worauf wir und fletd bereithalten 


müffen, ju hoch unb groß oor und, bie wir hier in blutigem 
Emfl, in heiligem Dienfl mit unferm ?etb bie Heimat 
fchügen..." ©o ifl ber „Vielbereiter" ©oche für ©oche 
©onntagd hinaudgegangen ju ben ßameraben in ©chu'gen* 
graben unb Ruhequartier. Vefonberdwertooll ifl bie eifrige 
Vlttarbeit aud ber Gruppe heraud felbfl, oom Regimentd* 
fommanbeur bid jum jüngflen Erfagrefruten. 3nfolge* 
beffen hat bie Rubrtf „Aud unfrer Dioifion" feiten unter 
©toffmangel gelitten. Viele Rummern tragen 23ilb* 
fchmudf, Aufnahmen aud bem Dioiftondabfchnitt, Jeich* 
nungen humoriflifcher Art, harten. Rümmer 13,18 unb 
38 enthalten Vilbbeitagen, Vumnter 39 eine $artcnbeis 
läge. Vefonberd audgeflattete 2Judgaben erfchienen juni 
©eburtdtag bed ©roßherjogd oon Vaben (^upferbruefs 
bilb ©r. $gl. Roheit), ju ©eihnachten unb Veujahr 1917 
(Vilbnid ^inbenburgd oon ^rofeffor Vernharb ©tnter). 
9Jlit Vummer 60 oom 7.3anuar 1917 hat bie gelbjeitung 
infolge ber ^rtegdoerhaltniffe bad Erfcheinen eingeflellt, 
hoch fall ftc nachflend wieber auf leben. Der Reinertrag 
wirb jur Unterflu'gung oon bedürftigen Hinterbliebenen 
gefallener Angehöriger ber Dimfton oerwenbet* 

Brotfc^en üJUas unt» fülofel 

gelbjeitung ber Armeeabteilung C 

Die ßriegdjeitung „^mifchcn Vlaad unb Vlofel" ijl erfl 
mit ihrer Vummer 16eineeigentlichegelbjeitung geworben, 
ba fie erfl oon biefer Vummer ab in eigener gelbbrucfcrci 
hergeflellt wirb. Vummer 1 erfchien am 15. 3anuar 1916 
unb würbe wie bie folgenben Vummern bid junt 3. ©ep? 
tember in ber Vuchbrucferei ©ebrüber ^ang in Vleg ge^ 
brueft. Dorthin würbe oon bem ©chriftleiter Rittmetfler 
ber Referoc Richter, ber im ^tailberuf Rechtdanwalt in 
Verlin ifl, aud bem „Rebaftiondflollen bed ©chügens 
grabend" bad Vlanuffript brueffertig gefanbt. H^aud? 
gegeben würbe bie ^«tfch^fl junachfl ald Vlatt ber 
33. Referoebioifion „jum^weefe bed noch engeren inneren 
Anfchluffed bcr in berDioifion oereinigten norbs, füb? unb 
weflbeutfchen Vrüberflamme". ©ie tragt ben Eharaftcr 
einer ^lagedjeitung unb erfchien junachfl am 1. unb 15. 
jeben Vlonatd, oom 3. ©eptember 1916 ab jeben ©onns 
tag. Vlit biefem Xag wirb fie in ber gelbbrucferet 3arnps 
Eonfland, 3ohannflraße 4 hergeflellt, bie heute „gelbbrufs 
Ferei ^wifchen Vlaad unb Vlofel" heißt. Von Rümmer 27 
ab befant bie Leitung ben Untertitel„ge(bjeitung ber Armee* 
abteilung oon ©tran§", wa'hrenb bie iteueflen Rumntcrn 
fie ald „gelbjeitung ber Armeeabteilung C" bezeichnen. 
Der Entwurf bed ^eitungdfopfed, ber (iitfd bad Dorf 
Vt&nlle, rechtd bad Dorf Eombred mit ber burch bie 
Kampfe jtoifchen Vlaad unb Vlofel befannten Habe aoit 
Eombred, in ber Vlitte einen oon unfern Gruppen erriet^ 
teten Audßchtdtunn jeigt, flammt oon bem Vtüncbcner 
Vlaler unb 3ngenieur 2egitt. gür bie gcibbvucferci war 

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Original fro-m 

PRINCETON UNIVERS1TY 




baS Drucfmaterial aus ben oerfchtebenßen teilen beS bes 
fegten ©ebieteS zufammengebracht worben, Sange $cit 
lag ber Leitung als Btlberbeilage „DaS Seben im Bitb" ber 
girma Otto ElSner, Berlin, bet, einigen 9t ummern bic „©eit 
im Bilb" oon 3hnng&gahrenholg, Berlin, wa'hrenb heute 
bie gelbbrucferei eine eigene Bilberbeilage brueft. gü'r baS 
3abr 1917 lieferte bie gelbjeitung ihren Sefern einen 
fchmucfen©anbFalenber. ©ägrenb in ber erften Jett mehr 
allgemeine $lrtifel int EhuraFter einer Tageszeitung, bie 
Zumetff aus ber Heimat (lammten, abgebrueft waren, 
Famen, feitbent bet ErfcheinungSort in bte gelbbrucferei 
oerlegt war, mehr unb mehr gelbgraue jum ©orte, bie 
manch intereffanten unb auch für fpatere feiten wertoollen 
Beitrag lieferten, ©ebichte fehlen naturlieb auch hier nicht. 
Die „Ehrentafel" erja'blt oon manch einem Jpelben, beffen 
Taten ohne bie Jeitung fc e r Nergeffenhett anbeimgefallen 
waren. Manchen Eittblicf gewahrt uns bie Jeitung auch 
in bie befegten ©ebiete burch SlrtiFel wie „Das Sanb 
jwifeben SNaaS unb Ntofel in ber ©efchichte DeutfchlanbS 
unb granfretchS" ufw. Der 3lrtiPel „Die ©raber unfrer 
Kameraben, wie wir fie erhalten unb fehmüefen" unb 
anbre werben auch in ber Jpeimat 3ntereffe ftnben, wie bie 
2lrtiFel über bie Kampfe im sprtefferwalb unb an anbern 
Orten. 2luch was ber Nteger NhifeumSbireFtor 9)rofeffor 
Keune über bie KriegSarbeit beS ©ufeumS ju N?eg im 
Kampfgebiet jwtfcben NtaaS unb Ntofel berichtet, oerbient 
befonbere Beachtung. Techntfcher Setter ber Drucferei ifl 
©anitatSunterofßzier Kuchler, in griebcnöjeit gaftor unb 
technifcher Seiter ber „lothringer VolfSfiimme" in N?cg, 
bent bie ©chriftleitung folgenbeS glanjenbe JeugniS auSs 
(Feilt: „©etn organifatorifcheS Talent, fein praFtifcber 
©inn, bie ga'higfett, oon allen friebenSmaßtgen ©efichtSs 
punFten abfebenb ftch in allen neuen unoorbergefehenen 
Sagen, bte ber Krieg fo häufig bringt, fchnell jureebtjus 
finben unb mit nur behelfsmäßigem Material ober uns 
gefchultem 9>erfonal gleich Tüchtiges ju leiften wie im 
griebenSbetrieb, höben fich bei ihm ebenfo für bte Truppe 
bewahrt, wie für bie gelbbrucFerei." 

Q.uelfen: 5lufjer ber Leitung felbft briefliche ^Hitteitungen ber 
©chriftleitung. 

©üna=3citung 

Jpalbwüchentliche grontjeitung ber 
41. Snfanteriebioifton 

Die jungfle Dioiftonöjeitung i(l bie grontjeitung oom 
Düna(iranb, bie oon ber 41. Snfanteriebioifion beraub 
gegeben wtrb. 3n wenigen Tagen Fann fie auf ein 3obr 
ununterbrochenen ErfcheinenS jurudFfeben unb barf bteS 
mit greube tun. Befchetben hat fie am 9. Ntarz 1916 
begonnen, naebbem bie benFbar größten ©chwterigfeiten 
bei ber Befchaffung beS ©aterials unb Einrichtung ber 
Drucferei glücflich überwunben waren, ©ebippe unb 
J?acfe mußten er(l ben £>rt für ben DrudFtempel febaffen; 


©chriftfaßen unb Ntafchinen mußten erfl erlangt, Nepas 
raturen oorgenotttmen, Furj otele !D?ube unb Arbeit aufs 
gewenbet werben, ehe im grontbereich eine Drucferei 
betriebsfertig war, bie unfern felbgrauen Buchbrucfern 
einigermaßen genügte, Jahlreiche ©elegenheitsbrucfe 
waren er(l ju fertigen — unb unter ihnen folcbe, bte fclbfl 
einer Drucferei in griebenSjeiten Ehre machen würben —, 
bann erfi Fonnte bet allmählicher Erweiterung ber SNates 
rtalten, ©chriften (junachfl flanb fafl nur lettifche ©chrift 
jur Verfügung) unb Ntafcbtnen jur ©rünbung ber 
„Dünasjeitung" feibft gefchritten werben. Nur 
oter ©eiten im gormat 197 j :25 cm gab eS junochff, 
aber biefe wenigen ©eiten genügten, um gar manchem 
DiotftonSmttglteb feine Dünasjeitung recht halb lieb unb 
wert ju machen, ©aS bte Jettung wollte, fagte fie tn 
ihrer erflen Kummer: „Ein neues Banb ber Jufammens 
gehortgfeit unb ber Kamerabfchaft auch über bie ©tunben 
ber Kampfe hinaus" wollte ft* btlben; baS höt fie rebltch 
gehalten bt'S jum heutigen Xage, was ihrer ©chriftleitung 
unb ben Drucfern angeftchts all ber oielen ©chwterig* 
Fetten für immer jur Ehre gereicht. 2l(S Drucfort wirb 
auf Kummer 1 ©jtalten angegeben; fpater unterblieb 
bie Eingabe bes DrucforteS bis Kummer 74, oon wo an 
ber Drucfort „©talten" furje 3eit lang auf ber -Bettung 
wteber genannt wirb, um bann auf Verlangen ber Jenfurs 
behorbe wieber bureb bie allgemeine Bezeichnung „3m 
gelbe" erfegt ju werben. Bis Kummer 60 jeichnet mit 
Ausnahme ber Hummern 96 bis 9 9, bie tn Vertretung 
SeutnantVtartin rebigiert hot, Seutnant b.SR. ©ranig, 
im ^ioilberuf 9tebaFteur bei ben Seipjtger 9teue(len 9tach s 
richten,als oerantwortlicher ©chriftleiter; mit Kummer 61 
trat an feine ©teile Oberleutnant Eafar, ber uns bet 
ber Deutfchen KriegSjettung oon Baranowitfchi wieber 
begegnet. BtS Vuntmer 69 zeigte ber 5lttelFopf jwifchen 
ben ©orten „Düna" unb „Leitung" ben auffliegenben 
preußtfehen 2lbler; feit Vuntmer 70 fehmüeft fie ein 
£itelFopf oon ber J?anb Emil DoeplerS beS 3üngeren, 
feither ifl aber auch ^öS ganze ©ewanb ber KriegSzeitung 
ein fcbmucfereS, was erfreulicherweife auch für baS oers 
wanbte Rapier gilt. Die technifche Seitung ber Drucferei 
liegt feit Enbe ^tooember 1916 tn ben ^anben beS Vizes 
wachtmetflerS gar ber, ber im ^ioilberuf bis zum KriegSs 
auSbruch Schriftleiter ber Kieler 9teue(len Nachrichten 
war. 3hm i(l ficherltch oor allem bte weitere 2luSge(!als 
tung ber Drucferei zu banfen, bte heute fo letftungSfa'htg 
ifl, baß fie in eigenem Betrieb Kunflbeilagen für btegronts 
Zeitung am Dünas©tranb her(lel(en Fann. ©chabc, baß 
ihr Künftler zur 3lluflrterung fehlen! Doch für bie 
©tebergabe oon Kunflblattern wtrb ihr gar mancher gelbs 
graue zu DanF oerpflichtet fein. Der Nummer 77 lag eine 
Zeichnung oon granz ©taffen, Berlin, bet, bie er zu 
einem ©ebicht beS DiotfionSPommanbeurS, ©eneralmajor 
o. Bebr, mit bent £itel „©eihnachten" entworfen böt. 


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Original fro-m 

PRINCETON UNIVERS1TY 




ffienn mir auf ben 3nhalt mit einigen ©orten ein- 
gehen, fo bü'rfen mir auch ^ier mit greuben fefiftetten, baß 
manch mertoolleö $orn, baö unfre 3^'t uberbauern mtrb, 
fleh hw flnbet, unb baß auch 1)itx, unfern gelbgrauen jur 
Ehre, ©emüt, fittltcher Ernfl unb nur guter Jjumor unö 
entgegentritt. Ergreifenb ifl manche ©fijje in ihrer 
©chlichtheit, mie bie be$ £anbflurmmanneö 3lflen „211$ 
er mieberfam"; ©emüt jeigt ficf> in ben fielen ©ebid)ten, 
oon benen einzelne meit über ben Durchfchmttömert bim 
auägehen. Schnell finb bie Dichter bet jebem neuen Er* 
eigniö jur ijanb. $aum bat Rumänien in ben^rteg einge* 
griffen, fo ifl auch bie Entfache bereite in 23erfe gebracht: 

„93iel geinbe finb beö Jpafen Xob; 

Doch, finb mir Jpafen? ©chmerenot! 

©ir finb boeb feine /pafen! 

2luf, laßt jum ©türme blafen!..." 

Otacb ber Ablehnung be$ griebenöangeboteö unb be$ 2luf* 
ruf$ beö $aifer$ an fein 23olf oernehmen mir bie ©orte: 

„$un, Michel, ifl betn grtebenötraum 

Verronnen, mie ein ©eifenfehaum!" ufm. 

2lufinerffamfeit oerbienen bie ©ebtehte „Die baltifcben 
Mütter" unb „Der halten 25ittc", bie leiber ben Germer! 
tragen „Dichter unbefannt". ©agen au$ bent halten* 
(anbe, Klaubereien über ba$ Dioifionögebiet, Berichte auö 
ben friegerifeben Erlebniffen biefeö $ampfabfchnttte$, Ept* 
foben unb rühmliche £aten einjelner unb oteleä anbre 
mehr machen ben 3nhalt fo mancher Kummer auö. 2luch 
an ben beitragen $ur ©olbatenfpracbe baut bie Dünaer 
Leitung mit. ©ar manchen Etnblicf bekommen mir be$ 
ferneren in ba$ friebltche 2eben unb Treiben ber Dioifion; 
mir hören oon ©portöfeflen, oon Xhcateroeranftaltungen 
unb bergleichen mehr; auch über bie Dtoiflonäbücherei 
merben mir unterrichtet. ©ie meit entfernt unfre gelte 
grauen oon bem feierten Seben finb, ba$ un$ au$ gelte 
jettungen unfrer ©egner entgegentritt, jeigt u. a. bie 
Mitteilung in Kummer 5 unter ber Überfcbrift „Ein 
furlanbifcheO 23auernmufeum in Ktfflem". sticht gleich* 
gültig flehen unfre £eute bem oon ihnen befehlen £anb 
gegenüber; ein furlanbifcbeä 25auernmufeum, baö Ein* 
blidf in ba$ hüuOlicbe Eeben ber 23emobner gibt, ifl $u* 
fammengebraebt morben; flolj berichtet bie Düna^eitung 
oon 436 ©egenflanben in 124 Wirten, bie oor bem 23er* 
berben gerettet mürben unb in biefein Mufeum ju fehen 
finb. ©elbfl oergangene feiten be$ befegten ©ebieteö 
merben in ben £eferti burch 2lrtifel mie „2lu$ ber @b*onif 
ber Koflorate ©elburg unb ©onnajt" machgerufen. 2llleö 
in allem eine ^eitfehrift, bie trog tbreö befcheibenen Um* 
fanget bie jegigen ßriegöläufte überbauern mirb. 

Quellen: ^Briefliche Mitteilungen unb »etfd)iebene 2lrtifel in 
bet „Düna^eitung", bie Sinblide in bie (Jntnucflung ber DivifionS-' 
jeitung ermöglid^en. 

43 


2)cutfchcJtricg^eitungoon95flrflnonjitfchi 

Dioifion$$eitung 

23aranomttfchi! ©er oon un$ fannte biefen ruffifchen 
Drt früher, ben nichtigen Eifenbahnfnotenpunft jmtfehen 
©ilna unb Kinff, ber in biefein ©eltfrieg eine fo große 
SRolle gefpielt hot! greilich al$ unfre $ricg$$eitung ge* 
grünbet mürbe, fah e$ bofe bort au$. Die SRuffen hotten 
fafl alleö niebergebrannt. ©enige jpaufer maren nur flehen* 
geblieben, unb auch fle maren nicht unbeflhabigt. Einee 
biefer arg mitgenommenen Raufer mit flaffenbcm Dach 5 
fluhl, eine frühere ruffifche Drucferei, ifl oon unfern gelte 
grauen ober mie fie bie gelegentlich nennt „gelte 

gelben", bie in ©umpf unb £ebm ihren Mann gegen ben 
geinb geflanben hotten, jum^etm ber „Deutfchen ^riegö* 
jeitung oon 23aranomitfchi" eingerichtet morben. greilich 
erfl mußten hoffen unb Heller, befchmugte Kopierrefle, 
©chutt unb bergleichen mehr aufgeräumt unb befchafft 
merben, maö für eine menfehliche 25ehaufung notig mar. 
Ratten hoch bie SKuffen alleö, ma$ nicht niet* unb nagelfefl 
mar, auf eiliger glud)t mitgenommen, felbfl bie Drucfer* 
fchmarje, bie fie „für ©agenfehmiere gehalten hotten". Die 
©chriftfaflen hotten fie in ihrer 3erftorung$mut ben 
oielen Xoufenben 23uchfloben milb burcheinanber gemorfen; 
furj in einen ©irrmarr fonbergleichen mußte erfl Drbnung 
gebracht merben. Deutfche ©rünblichfeit hot aber fchnell 
Abhilfe gefchaffen unb ifl halb beö ©chmuged ^)err ge* 
morben. Unoerbroffen unb mit ^umor mar man an bie 
Arbeit gegangen, unb halb prangte an ber ©tim* unb 
©eitenmanb beS mieber hergeflellten ^)aufeö bie Sluffchrift 
„Deutfche ÄriegOjeitung oon 23aranomttfchi". „Über* 
mütig fieht'ö nicht aue, biefeö rote 25acffleinhau$", aber 
beutfeher ©eifl unb grobfinn fyxxföt barin unb ethifcher 
©eminn geht beö oielen oon ihm auö. Die erfle Kummer 
erfchien am 1.3anuar 1916 unter ber ©chriftleitung oon 
Leutnant @afar. Den Xitelfopf fehmüefen ©olbaten im 
©chattenriß, bieDrahtoerhaueburchfchneiben. 33ier©eiten 
nur maren e$ unb finb eO meifl heute noch, ^ie jebe Kummer 
bringt, aber biefe oier ©eiten bringen fooiel Mannigfaltige^ 
unb 2lnregenbeö unb Srheiternbeö, baß bie Äriegöjeitung 
ein Liebling aller in grage Fommenben Gruppen gemorben 
ifl. Kummer 22 oom IS'. Marj 1916 mar befonberO ber 
... Dioifion gemibinet, beren erfler Sahreotag bamit er* 
reicht mar. 23on Kummer 26 ab merben bie ©ebenftage 
ber Dioifion aufgeführt unb fo für „jeben, ber ftch noch 
gefunb bei ben Xruppen befinbet, bie Erinnerung an bie 
flroße 3eit oor einem 3abr, in ber eine ruffifche geflung 
nach btx anbern in bie Jpanbe ber beutfehen unb oerbün* 
beten Gruppen fiel" machgerufen, eine ^ufammenflellung, 
bie meitergehenbeO 3ntereffe oerbient. Die ©chriftleitung 
hat e$ aber auch halb oerflanben, fleh oon ber Heimat, oon 
„©chere unb garbflift" unabhängig ju machen unb Mit* 
arbeitet au$ bem ©d)ügengraben unb auo ber Etappe 

6* 


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Original fro-m 

PRINCETON UNIVERS1TY 




beranjujiefjen, fo baß bie ^üung fid? ju einem frifchen 
Dioiftonßblatt entwicfelte, baß ni^t nur braußen, fonbem 
auch in ber Heimat siele greunbe fanb. Bon Kummer 26 
ab jeichnete alß Schriftleiter Jpauptmann Eggert. Daß 
Dioifionßleben roirb oor unß lebenbig, ober auch Stobt unb 
Sanb, BeoölPeru ng unb beren ©efchidjte führt unß in furjen 
2lrtiFeln, jum 31eil mit BilberfchmucF,bie 3eitung oor; auch 
hier alfo, trog beß geringen Umfangeß ber Leitung, roicber 
bie fo oft gemachte Beobachtung, baß bie „beutfehen Bor? 
boren" Stubien unb geschichtliche gorfchungen treiben, wo 
fie hinfommen! könnten SHrtiPel wie „©räber unb kreuze 
auf ruffifcher Srbe" in benSchugengrobenjeitungen unfrer 
geinbe flehen? ffiir glaubenfoum! Bon Bummer 46 
ob ifl bie Schriftleitung nicht mehr genannt (jjauptmann 
Sggerß mar jum Regiment juruefgetreten) unb fo ifl eß 
biß jur ©egenwart geblieben; bie Leitung ober ifl ftänbig 
gemochfen, unb war mehr unb mehr für bie Truppen 
ihre fchnell orientierenbe „Tageßzeitung" geworben. Bon 
Bummer 54 ob jeigt ber TitelPopf eine ruffifchc £anb? 
fchaft. Die Fommenben Bummern bringen gelegentlich 
Bilber oon Otto Ubbelohbe. 3icl&ewußt wirFt bie Schrift? 
leitung burch ihre SeitartiPel noch gor mancher Bichtung. 
„Schntücfc bein jjeim im gelbe" tfl ein 5lrtife(, ber wohl 
beachtet fein will. „3ebcr foll lernen, baß baß natürliche 
Blaterial in natürlicher Berwenbung ber fchönfteSchmucf 
ifl", biefer Slußfpruch jeigt, baß man auch 90r tcm 5*'nbe 
nicht oergeffen hnt, waß wahre kunfl ifl. 2llleß wirb be? 
fprochen, oon ben tatarifchen kunftflätten in Bußlanb biß 
Zur „Schwarten kunfl" in Slonint (Bericht über jroei 
DrucPereien), oon bem Jaubhüttenfefl ber Bewohner bie 
Zu ben täglichen Srlebniffen beß heutigen befegten ©e? 
bieteß: furz, eine BtonnigfaltigPeit beß Stoffeß, bie eß 
erPlärt, baß bie kriegßzeitung immer mehr Abnehmer 
finbet. Daß alleß tfl um fo anerfennenßwerter, alß oiele 
SchmierigFeiten im Betriebe, ber fich täglich oergrößerte, 
entflanben, biß fchließltch alle Bfafchinen unb alleß Drucf? 
material fo imflanbe mar, baß einigermaßen rafch ge? 
arbeitet werben fonnte. 3egt ifl bie kriegßzeitung fchon 
inß jmeitc 3ahr threß Beflehenß eingetreten, maß fie burch 
nochmalige Änberuttg beß kopftitelß funbtat. 3brem 
Beftreben, rafch unb gut $u unterrichten, aufflärenb ju 
mirfen, ju unterholten unb ju forbern, — auch Annoncen 
fehlen in ber Leitung nicht, fomeit fie in ben 3ntereffen? 
Freiß ber ¥efer fallen unb ihnen 2öiffenßmerteß inßbefonbere 
auf bem ©ebiete oon Theater unb BJuftf mitteilen, ein 
Teil ber Rettung, ber, fo befchetben er auch fein mag, 
fpäteren ©efchlechtern in ber ober jener Bejahung nicht 
unintereffant fein bürfte — ifl fie biß heute treu geblieben, 
maß ben unbeFannten jegigen Leitern berfelben jeber 
banFen wirb. 

Quellen: Artifel „kameraben!" in Bummer 26 vom 3®b r( 
1916; „£in 3ubr kriefldjcifunfl" in Bummer 1 vom 3<ntuar 1917, 
l'oroie fcßriftliche Btirteilungen. 


2He Sclbgrauc 

kriegßzeitung ber 50. Snfanteriebioifion 

„Die gelbgraue" mürbe im ffiinter 1915 im Schügen? 
graben oor Beimß oon Sanbflurmmann Jjeinrich Dtto 
DehlFe gegrünbet. Sr oerteiltc bamalß an bie käme? 
raben feiner kompanie,mit Schreibmafchine oeroielfältigt, 
mit ber Unterfchrift „3m Schügengraben ber 7. kom? 
panie, oor Beimß, Booember 1915" ein oon ihm oer? 
faßteß „SBarfchlieb ber 7. Kompanie beß kronenregi? 
mentß" unb Fünbigte gleichzeitig bickriegßjeitfchrift „Die 
gelbgraue" an, für bie er Beiträge erbat. Daß Sieb ifl 
injmifcben oon bem königlichen ÜBufiFbireFtor 9R. S)ö gg 
in SBünchen oertont worben. Leutnant ?ubmig, ber £ug? 
fübrer DehlFeß, billigte ben tylan unb trat in bie Schrift? 
leitung ein, bie am 20. Dejember 1915 ihre erflc kriege? 
nummer, 27 mit ber üWafchine gefchriebene Ciuartblättcr 
in felbgrauem Umfchlag, erfcheinen ließ. Die Blätter 
follten alß Schügengraben«iBonatßfchrift fortgeführt 
werben. 9Rit ber Bummer 4 übernahm bie 50. 3n? 
fanteriebioifton bie Blätter unb führte fie alß kriege? 
jettung ber Dioifton weiter. 

Leutnant i^ubmig behielt bie Schriftleitung biß Bum? 
mer 1 beß zweiten 3ahrgangß bei; oon Bummer 2 ab 
wirb nur noch angegeben: £eraußgabe,Schriftleitung unb 
^Prüfungßflelle bei ber 50. jnfanteriebioifion im gelbe. 
Bon biefer 3«t an erfcheint fte auch nicht mehr wie früher 
monatlich, fonbem oierjehntagig. Sofort mit ber Über? 
nähme ber Rettung burch bie Dioifion trat eine wefent? 
liehe Beuerung ein. 2ln Stelle ber Btofchinenfchrift trat 
bie Drucf form; aber auch inhaltlich würbe ber Bahnten 
weitergezogen, anberfeitß aber jlraffer gelegt, maß bem 
Blatte zum größten Borteil gereicht. $eute iff eß — bae 
Fann man fchon oor kriegßfchluß fageit — eine gunbgrubc 
für ben kriegßgefchichtfchreiber für fpätere 3«ten, ber hier 
nicht nur pofttioe Mitteilungen, fonbem auch lebenßwahrc 
Schtlberungen unb hiflorifche Begebenheiten, bie bie Dioi? 
jton betreffen, beieinattber ßnbet, wie wir fie für eine anbre 
Dioifton nicht haben. Unb bafür wirb man ber Schrift? 
leitung immer banFbar fein. Daß fie auf baß Äußere be* 
Blatteß immer mehr Bebacht nimmt, ift ein weiterer Bor? 
Zug. ©uteß Rapier, tppographifch guter Sag, gute Bilb? 
beilagen unb Fünftlerifcher Schmucf finbet fich alleß bei 
ihr zufamtnen. Snßbefonbere ift ber Schrift große 2(uf? 
mcrFfamPeit gewibmet. 3hr jrgigeß Titelblatt flammt 
oon ^rofeffor g. 3B. kleuFettß, ber alß Unteroffizier im 
gelbe fleht unb im gelbe fte entworfen hat. Sr hat ber 
„gelbgrauen" auch fanft noch manch wertoolleß Stücf 
gewibmet, baß ihr febr zum Borteil gereicht unb ihr auch 
rein oont StanbpunFte beß Bücherliebbabcrß blcibcnben 
»ißert oerleiht. 

Quellen: ^Irtifct „Jtnmeraben ber 50. 3nfanteriebivifion! - in 
Bummer 4, April 1916. 


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Original ftom 

PRINCETON UNIVERSITY 



Bettungen Fletnerer gormationen 


ipofmacfei* SReucflc 9ta$ri$ten 

„£rfte beutfcpe Schu'gengrabenjeitung" nennt ftc(> auf 
ihren Hummern oont jweiten Soprgang ab biefe* tn mehr 
alö einer 23e$iehung intereftante 23tatteren, ba* fpater 
feinen tarnen in 

„Dev bai;rifcf)e £anbroe(>rmann" 

früher „J^opnacFer Neuefte Nachrichten" 

umanberte. Der Negru'nber beöfelben, gelbwebel 2!?. £b« 
meier oon ber 4. Kompanie be* 2. baprifepen Lanbwepr« 
Snfanterieregimentd, im ^iotlberuf *Poftbeantter au* 
München, ber oiel al* LteberFontponift unb gaepfeprift« 
fetter für NluftFjeitungen tätig ift, teilte un* über £nt« 
fteputtg unb (*ntwicflung feiner Scpügengrabenjeitung 
folgenbe* mit: „3cp höbe ju beginn be* Kriege* oer« 
fehiebene NorFommniffe unb £rlebniffe auf ben ÜÄarfcpen 
unb im Öuartier ufw. in Geröchen wiebergegeben, welche 
ich bann abenbö ober einer meiner Leute — ich mar 
feinerjeit noch Unteroffijier unb, ba mein Leutnant ge« 
fallen war, an beffen Stelle Zugführer — oorla*. Die 
Leute hotten greube baran, unb mein ^uporerFrei* C r« 
ftreefte fiep halb auf bie ganje Kompanie. Ntele berNtann« 
fchaften baten mich um 21bfcpriften ober fchrieben felbft 
ab. 211$ für un* bann 21nfang September 1914 ber 
StellungöFrieg begann, würbe ba* Noriefen ju fcpwterig, 
ich fchrieb bie Fleinen Aachen bann auf ein Nlatt Rapier 
unb heftete biefe* an einen Naum, wo fie gelefen ober ab« 
gefchrieben werben Fonnten. (£* waren aber einige gaul« 
pelje barunter, bie e* für bequemer hielten, ba* ganje 
Nlatt mitgehen $u heilen. 3cp Fant bann auf bie 3bee, 
bie Nerölein heFtographifch $u oeroielfaltigen unb $u oer« 
teilen, wobei mir ba* $an$leiperfona( behilflich war. 21(1« 
mählich ober oerbrauchte ich bent gelbwebel juoiel Rapier, 
auch feine JpeFtograppenblatter würben nicht beffer, unb bie 
Sache wäre allmählich etngefcplafen. Da Fant ich ouf ben 
©ebanFen, bie Leute ba* Material felbft befahlen $u (affen. 
Da* war ungefähr am 14. «September 1914, —banach ift 
bieÄriegöjeitung ber gefte Nopen unb ber Stabt Sogen, bie 
bereit* am 7. September 1914 erfepten, bie erfte jtriegö« 
jeitung — al* bie Nummer 1 ber ,/pohnacfer Neuefte Nach« 
richten 4 , genannt nach bent Nerg ber große Jpopnacf tn ben 
Nogefcn, ungefähr 11—12Stunben oont üöallfahrt*« unb 
LuftFurortDrei #pren bei XurFheint imDberelfaß, wo wir 
feinerjeit lagen, erfchien. Die 21uf(age war 70 Stücf, eine 
.ftompaniejeitung. 3ch felbft fertigte ben Snpalt, fchrieb ihn 
unb ba* $an$leiperfona( fertigte auf JpeFtograppenblattern 
bie 2lb$u'ge. @nbe September würben wir nach Neigten 
oerfegt. Da war e* infolge ber otelen SKarfcpe fehr fcp wierig, 
ba* Unternehmen fortjufegen, aber eine Nummer würbe 


biefe £eit über hoch h^gejlellt, wenn auch iw Straßen« 
graben. Xpter war eö auch, wo bie Xitelanberung oor ficb 
ging unb au* ben ,#opnacfer Neueren Nachrichten 4 ,Der 
baprtfepe Lanbweprmann 4 würbe. Neftcr ging e* bann 
wieber, al* wir bei 21ntwerpen auf einem gort unb fpater 
in einer Drtfcpaft untergebracht würben. 21bcr fchon nach 
einem SNonat ungefähr würbe ba* Regiment wieber oer« 
fegt. @* ging nach granFreicp. #ier würbe abwecpflungö« 
weife in Kellern unb Unterftanbcn ,gebrucFt 4 , ba* gormat 
oergroßert unb fogar üluftriert. 21ber mit ben Zeichnern 
hatte ich *Pecp. ©iner würbe fchwer oerwunbet, ber anbre 
fiel bei einem Sturmangriff ber granjofen. 3cf> fonb aber 
immer wieber £rfag. SchwierigFeiten machte hü* in 
ber Champagne bie ^apierbefchaffung. Der SWarFetenber 
brachte eö immer oon feinen (JinFauföreifen oon Xrier 
mit. 21uch ein neuer 21pparat juitt Neroielfaltigen würbe 
angefchafft, japanifepe @rbe unb fpater ein Verfahren mit 
ffiacpöpapier. Nun, au* ber Äompaniejettung würbe all« 
mahltch eine Nataillonö* unb Negimentöjeitung, welche 
auch waprenb ber großen SBinterfcplacpt tn ber Champagne 
weiter erfchien. Nachbent wtr 1915 wteber in bie Nogefen 
oerfegt würben unb an einen ruhigeren *piag Famen, Fonnte 
wieber intenfto gearbeitet werben. Die ^ohl ber 21bnehnter 
ftetgerte fich fortwahrenb, unb alle bi*her angewanbten 
Verfahren waren nicht mehr htnreichenb. Darum begann 
tch mit 21nfattg beö jweiten 3ohtgong* (£nbe 21ugu ft 1915) 
bie autographifche ^erftellung. Da* SRanufFript würbe 
im Unterftanb mittel* 21utographentinte fertig geftellt, per 
Nabfahrer tn bie Nuchbrucferei unb Sithographenanftalt 
3eß in Colmar im £lfaß oerbraebt, wo fie heute noch 
mittel* SteinbrucF hergeftellt wirb. 3egt ift bie 21uflage 
auf 1700 gefttegen (ber Nrief ift batiert: ,3m gelbe 
2. V. 1916. 4 ) unb in ber ganjen Dioifion oerbreitet. 
Äerauögabe, Schriftleitung unb JJerftellung be* tejrtlichen 
3nholt* liegt nach wie oor in meinen Jpanben. 211* ftan« 
bige üWitarbeiter Fann ich nur einen Lithographen meiner 
Kompanie unb fett oier Ntonaten einen ^)umoriften einer 
anbern Kompanie nennen. Seit etwa einem 2Ronat be¬ 
tätigen fich ein Nilbhauer unb ein jtunftntaler meiner 
Kompanie allen Srnfte* mit bein Unternehmen." 

Non ber Leitung liegen jwei Nummern mit bem Xitel 
„jpohttaefer Neuefte Nachrichten" oor, Nummer 3—10 
be* erften, Nummer 1 —26 beö ^weiten unb bie btöher er« 
fchtenenen Nummern be* brüten 3ohrgangö, außerbent 
oont DFtober 1915 eine Neilage unter bem Xitel ,,21n« 
jetger ber ©emeinbe Jpittelbach, Sonberauögabe be* Napri« 
fchen Lanbwehrntannö", bie nur Scherje unb jpuntorifti« 
fcheö enthalt, wie überhaupt bie ganje 3 c ttfc^>rift jutn 
größten Xeil in 2ßort unb Nüb bem Scherf gewtbntet ift 
unb eebt baprifepen Runter oerrat. 


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©er ©ra&toerbau 

Sebügengrabenzeitung beö 35ai>rifcf>cn £anb* 
webr*3nfanterieregimentö Kummer 1 

Cine echt baprifebe Scbügengrabenzeitung ift auch „Der 
Drabtoerbau", ber in feiner Anlage unb in feinem Cba* 
rafter bem „Batjrifcben £anbwebrmann" augcrorbcntlicb 
gleicht. Seine erfte Kummer erfebien Anfang Dftober 1915 
in ben Bogefen. Alö Schriftleitung zeichnet Unteroffizier 
granj (Grunbner oon ber 3. Kompanie. Kummer 31 ooni 
3Ipri( 1916 bringt unö in Bilb unb Xert „Die Nebaftionö* 
Rübe beö Drabtoerbau auf bem.... Kopf"; ibr entnehmen 
mir folgenbeö: „Der Drabtoerbau ift, obwohl unö gar nickte 
baran gelegen mar, weit über bte Scbügengraben binauö* 
gebrungen. Die golge baoon ift, bag mir mit Zufcbriften 
oon auöwärtö überfebmemmt werben. 3br 3nbalt oerröt 
meift eine oöllige UnFenntniö ber Utnftänbe, unter benen 
ber Drabtoerbau entfiebt. £ö werben oft Zumutungen 
an unö gesellt, alö ob wir eine Zeitung mit großer 9fle- 
baftion unb Cjrpebition unb einem ganzen Stab oon Xipp* 
mainfeilen waren. £ö fei baber bemerft, bag ber Drahts 
oerbau eine reine Scbügengrabenzeitung, b. b. eine Zeitung 
oom Scbügengraben für ben Scbügengraben ift. ,Bom 
Scbügengraben 4 , b. b., bag bie Zeitung oon unö, oon 
unferm Regiment bcmbelt unb bag fte oon Leuten berge* 
ftellt ift, bie in ber erften Kampflinie (leben. Die Schrift* 
leitung febreibt bie Zeitung in ben freien Stunben, bie 
ihr ber Scbügengrabenbienft lägt, eigenbänbig mit Auto* 
grapbentinte auf weigern Kanzleipapier inö reine, reitet 
felbft ben Berfefdümmel, teilt bie Zeichnungen ein, be* 
tejrtet fie ufw. ufw.... Dag unfer Kerzenlicht jebeömal 
auölifebt, fo oft eine SNine in unfrer Nähe einfeblägt ober 
fo oft ,fie 4 uns eine ,£felöbritfcbe 4 aufö Dach fegen, unb 
bag bie emfigen Kläger über unö ben Drecf bureb bie 
Bretteroerfcbalung auf baö SNanuffript werfen alö unwill* 
fommenen Streufanb, baö macht gar niebtö! 3ni ©egen* 
teil: ©ir fühlen unö ganz toogl babei unb mochten unfre 
Nebaftion um feinen *Pretö in irgenbeinem Staböquartier 
ober einer gelbwebelfcbreibftube aufgefcblagen feben. ©ir 
finb ftolz barauf, bag unfer Drabtoerbau wirflicb oom 
Scbügengraben ift." So finb bie meiften Hummern beö 
„Drabtoerbauö" im SNanuffript im Scbügengraben her* 
geftellt worben; baö Ntonuffript bringt bann irgenbein 
Bote nach Colmar in bie Drucferei 3eg, bie uns oon anbern 
Zeitungen bereitö befannt ift, wo bie notigen Abzüge her* 
geftellt werben. Kummer 25 batte alö gafebingönummer 
ben Xitel „Stacbelbrabt". Auch ber „Drabtoerbau" wirb 
fommenben (Gefcbledftern jeigen, welch unoerwüftlicber 
#umor unb innere fittlicbe Kraft unfre gelbgrauen in 
oorberfter Sinie am geinbe beberrfebt bat, unb ihnen er* 
flaren, weöbalb unfre geinbe tiefe Nlauer nicht zu bureb- 
breeben oermoebten. 

Quellen: Die Zeitung felbft unb fd)riftlicf)e Ntitteilungen. 


9lA£bricbten au« 0ac&fenrul) 

jperauögegeben oom 2. Bataillon, Crfag* 
regiment Kummer 32 

Zunäcbft nur für eine Kompanie beftimmt, erfebienen 
Zwifcben gebruar unb September 1915 Drei dummem 
cineö beftograpbierten Blatteö „J!)aut*Se", bie ihre Cnt* 
ftebung bem Leutnant ber Neferoe ©albe, einem fäcbfü 
feben Xbeologen, oerbanften. (Jrinnerungöblätter füllten 
fie für bie „Kriegögemeinbe Jpaute*Seille" fein unb wur* 
ben oon ben Angehörigen ber Kompanie freubigft begrügt. 
3m September 1915 würbe eö bureb grogeö Entgegen* 
fommen beö Bataillonöfommanbeurö ermöglicht/ biefeö 
beftograpbierte Kompanieblättchen zu einer gebrueften 
Bataillonözeitung unter bem Hainen „Nachrichten auö 
Sacbfenrub" auözubauen,benen oon ber zweiten Nummer 
ab „Nachrichten oon ber ©ettin*.fpöbe" eingegliebert wur* 
ben, ba baö 3. Bataillon baö berauögebenbe 2. Bataillon 
gebeten batte, für feine Angehörigen an ber jperauögabe mit 
beteiligt fein zu bürfen. So haben wir in bem nun ziemlich 
regelmäßig erfcheincnben 23latt eine nicht nur für bie An* 
gehörigen beö 2. unb 3. Bataillone, fonbern auch für bie 
Allgemeinheit wertoolle Crinnerungögabe für fpätere Zei= 
ten, bie Cinblicfe in baö £eben unb Xreiben btefer beiben 
Bataillone gibt. N?an möchte fafl bebauem, bag nicht 
mehr folcber Blatter erfebienen finb, ba bie grogen Armee* 
unb Korpözeitungen für bie Borfommniffe ber einzelnen 
Heineren unb fleinften Xruppenteile weber ben genügen* 
ben Naum noch baö genügenbe 3ntereffe buben fönnen. 
jpeute rebigiert Leutnant ber Neferoe Carl Boigt, bie „Nach' 
richten auö Sacbfenrub", bie allerbingö nicht an bergront, 
fonbern in Leipzig bei <Paul Sitte alö Ntonuffript gebrurft 
werben unb beren Berfenbung an bie gront banf ber 
Unterftügung beö eoangelifcben Drtöpfarrerö Schulz in 
Saarburg ermöglicht wirb. Berichte ber Bataillonöcbro* 
lüften wecbfeln mit iNitteilungen über bie auögezeicbneten 
Angehörigen unb über bie (Gefallenen ber beiben Bataillone. 
Berzeicbniffe ber auf gelbfriebböfen in Bremenil unb Unt* 
gebung beftatteten Bataillonöangebörigen reiben ficb an 
allgemeine Stimmungöartifcl unb ©ebiebte; auch ber 
BataillonöbücberwartCrnft Koch lagt ficb über bie Bücherei 
oernebmen, was benen, bie für folcbe Bibliotbefen Bücher 
geftiftet haben, oon 3ntereffe fein wirb. Alleö aber bleibt 
im Nahmen beffen, waö mit bem 2. unb 3. Bataillon 
Zufammcnbangt — alleö grembe, oor allem oon auger* 
halb beö Negtmentö ftammenbe ift ben „Nachrichten auö 
Sacbfenrub" ftreng ferngebalten unb ber Berlocfung, oon 
guten Beruföfchriftftellern Beiträge aufzunebmen, ftanb* 
baft wtberftanben worben — unb barin liegt ber ©ert ber 
„Nachrichten auö Sacbfenrub". 

Quellen: Die '3rtifel: „Unfer Blatt" neue ftolge Nummer 1; 
„3um Bnfanfl unb jum Cnbc" 2. 3 ^br 9 ang Olummer 1; 
Sacbfenrub in ben Dructflocf fam" 3. ^abrflang Nummer 1 unb 
briefliche Niitteilungen. 


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„Spunafyl“ 

ßriegßjeitung beß 3nfanterieregimentß Vremen 

Eine heute feiten geworbene Rettung, bie aber unfre Slufs 
merBfamBeit befonberß oerbient; nicht etwa, weil fie großer 
angelegt wäre nach 2lrt ber Slrmeejcitungen ober weil fie 
inhaltlich ftch weit über ben Durchfchnitt &er otelen Äriegßs 
jeitungen erheben wtfrbe. Olein, ihre ganje ©efebichte i(B 
eß, bte unß mit ihr fpmpathifteren laßt. 3n 3Ü)eutfch-S3aiüp 
i(B ihre erfBe Kummer am 14.Vooember 1914 erfchienen, 
unter Verhaltniffen, bie nur unentwegter ©olbatenhumor 
unb ©olbatenBraft ju u'bernrinben oermochten, Die Börper* 
liehe Verpflegung war mit bem Übergehen beß $ampfeß 
in eine Vuhepaufe fchnell geregelt worben; bie Äriegßs 
jeitung will nun bem „Üöunfch nach einer 5lrt gcifHgen 
jtuchenwagen" Rechnung tragen. Sille $antcraben oom 
©olbaten biß jum Dfftjter werben jur Mitarbeit aufges 
rufen unb eingelaben, ihre VBanufBripte „in ben Jeitung^ 
BafBen am Vaum bei ber ^umpe beß Vegimentßlagerß" 
einjuwerfen. Vur baß allernotwenbigfBe Drucfmaterial 
fBanb für bie erfBen Hummern jur Verfügung, bte noch 
mit Jpanbbetrieb in einem VlodPhauß h^rgepcllt würben. 
Die legte Kummer ifB oom 11. SlugufB 1915'. ©ranaten 
haben baß VlocBhaußchen, tn bem bie DrucBerei unterges 
bracht war, jertrummert, wobet VBafchinennteifBer ©eorg 
VBepcr auß Vremen ben Jpelbentob furß Vaterlanb (Barb. 
Vur oolle Jptngabe an baß Unternehmen f)at unter ben 
außerorbentlich fchwierigen Verhaltniffen btefe Rettung jus 
(Banbe bringen Bonnen, bie im übrigen auch inhaltlich ein 
wertoolleß DoBument für ben erfBen $riegßwinter bar« 
(Bellt, greub unb Setb, ErnfB unb Jpumor tragt fie mit 
ihren Sefern, beren ©timmung fich alß recht juoerfichtltcb 
unb außerorbentlich gut in ihr wtberfpiegelt. 

Söcttcr t>ut?d)l>fllten 

Äriegßjeitung ber VBafchtnengewehrs$ompanie 
beßSanbwehrsSnfanterteregimentß Vummer 75 

Vur jwet Vummern finb oon biefer unter ben primis 
tiofBen Verhaltniffen entfBanbenen gelbjeitung erfchienen. 
Saut £itelBopf war „DrucB unb Vertag im ©chugengraben 
in Sftußlanb". Daß Vorwort tn ber erfBen Vummer unb 
ein im Vefige beß Vuchgewcrbemufeumß befinbltcheß 
©chreiben beß ©rtinberß ber Rettung, eineß langjährigen 
Seferö unferß „Sirebio für Vuchgewerbe", beß #errn Unters 
of fi jierjtlee, ermöglichen unß f olgenbeVBitteilungen: Vach- 
bem ber große Vormarfch in SRußlanb im #erbfB 1915 
beenbet war, würben oon bem Regiment fefBe ©tellungen 
bejogen. Der (Brenge ruffifche ©inter brachte oiele VBußes 
(Bunben, bte ju allen möglichen Vefcpafttgungen führten, 
um bte $eit ju oertretben. Unteroffijier $lee, tm $imU 
beruf ©chrtf tfeger, Bant habet am 24.3anuar 1916 auf ben 
©cbanBen, eine ©ebugengrabenjeitung inß Seben ju rufen. 


Daß VBatertal, befBehenb auß einer $orpuß graBturgrunbs 
fchrift mit halbfetter Slußjeichnungßfchrtft, etwaß Tertia 
für £iteljeilen, ben $opf (rechtß ber $aifer, linBß iptnbens 
bürg) in einem ©aloano pergefBellt, garbe, SBalje, beBarn 
$lee burch Vermittlung fetneß greunbeß ©. VB. $olj oon 
ber ©cbrtftgießeret D. ©tempel Sl.s®. in granBfurt a. VB. 
gefBiftet. ©ebriftBafBen, JpoljfBege, ^)oljfchtff, garbens 
(Bein ufw. fertigten fich bic Drucfer felbfB im gelbe. Slm 
8. gebruar war baß VBaterial oon ber © ebrif tgiegerei an 
ber gront angeBommen. (befreiter D. Vrauer, ©eger auß 
£rabens£rarbacb, unb Unteroffijier Soewp, Setjrer auß 
Verlin, ber bann bte VebaBtton übernahm, halfen mit, fo 
baß am 11. gebruar bte erfBe Vuntmer, ein jweifettigeß 
Öuartblatt, burch VurfBenabjuge l^rgefBetlt, in 350 
Gf.remplaren erfchetnen Bonnte. 3h^ folgte nur noch bie 
Vummer 2, ba bann baß Erfchetnen beß Bleinen Vlattchenß 
auß unbeBannten ©runben oon einem höheren Vorgefegten 
oerboten würbe. Die Drucferet war noch langetm ©ebugem 
graben, 300 m oont geinbe entfernt, unb t(B jum £etl 
noch h^nte bort. Den $opf hat ^)err ^tee bem JpifBortfcben 
VBufeunt ber ©tabt Vremen gefchenBt, ba er Vremer i(B 
unb auch im heimatlichen Vegimentim gelbe (Bebt, ©ebabe, 
baß biefer frohen unb freubigen Slrbett, bte trog primis 
tiofBer Verhaltniffe, nach ben oorltegenben groben ju 
fchließen, manch @uteß ju fchaffen oerfprach, Beine längere 
3eit ber Vetattgung gegönnt werben Bonnte! 

©ubencr Äricg^cttung 

2. Erfagbataillon 0renabterregtment 
Vummer 12 

©üben war lange 3«t ©arnifonßfBabt; bie ©efebiebte 
beß ©renabierregimentß Vummer 12 i(B mit thr eng oers 
Bnupft; fett 1881 aber war bte ©tabt garntfonloß. VBan 
Bann eß ftch benBen, baß trog ber fchweren $eit ber am 
5. VBarj 1915 erfolgte Etnjug beß 2. Erfagbataillonß beß 
©renabterregimentß Vummer 12 gerabe in ©üben oon ber 
VeoölBerung mit greuben begrüßt würbe. 2Bar hoch banitt 
in bie ©tabt wieber etngejogen, waß mit ihr etnfB eng oers 
Bnupft war unb waß man hofft, in griebenßjeiten behalten 
ju burfen. ^ur Erinnerung an btefen Einjug erfchten ein 
3ahr fpater am 5. VBarj 1916 bte „©ubener togßs 
jeitung'', für beren 3nljalt Seutnant Trebbin, VebaBteur 
9B. £cutfch unb Vijefelbwebel ©ebneiber alß oerantworts 
lieh jetchnen unb bie in ber DrudPerei oon Sllbert ^oenig 
in EJuben hcrgefBellt würbe. Eine jwette Vummer i(B ihr 
wteberum ein 3al;r fpater am 5. VBarj 1917 gefolgt. 
Veibe Vuntmem wibtnen ftch t>em militanfchen Seben 
unb Treiben in ©üben einfB unb jegt, fowte ben £aten, 
bie bte „©ubener ©olbaten" in btefem SBeltBriege oolls 
bracht haben, unb btlben fomit ein banBenßwerteß ©tue! 
in ber großen $ette ber Äriegßoeröffentlichungen biefeß 
SSÖeltBriegeß. 


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©cfyügengröbcnsSeitung 

4?erau*gegeben vom 3. Vataillon be* Sieferves 
3nfanterieregiment* 26^ 

Stur vier Hummern ftnb von tiefer Vataillon*zeitung 
erfcbienen, je jvrci Ouartblatter ftarP. Ermöglicht würbe 
fic burch ba* EntgegenPommen be* Verleger* ber „©efers 
Zeitung" unb ber „Vrcmer Stachricbten" $arl Schüne* 
mann in Bremen, ber ba* Material: jrrei Heine 21ntiquas 
Paften unb einen Slbziehapparat, imgebruar 1916 ftiftete. 
Der Erfcf>einung*ort ber Leitung mar „eine au* wenigen 
Käufern beftef>entc früher rufftfe^e jegt beutfehe Ortfchaft 
oftltch ber ©cichfel unb weltlich be* Uralgebiete*, hart 
vor ben feinblicben ©efd>u§en an ber Düna". 3n ihrer 
primitiven $(rt wirb fie für immer ein intereftante* StücP 
nu* biefem großen ©eltPriege fein. Die vier Stummem 
batieren vom 19. unb 26. gebruar fowie vom 7. Marz 
unb 1. Slpril 1916. Sie tragen ben VcrmerP „Die £ei 5 
tung erfcheint je naebbem fte Mitarbeiter finbet". Schrift; 
(eiter mar ber Slbjutant be* Vatatllon* Leutnant Elfter*. 
Stehen bem „^eitungöbienft unferer gunPenftation" ent; 
batten fie Mitteilungen über ben Anteil be* Vataillon* 
an ben dampfen, Stimtnung*bilber von ber Düna unb 
politifebe SSeitrage. 3n Stummer 4 werben bie $ameraben 
noch jur Mitarbeit in „Einlabung" überfebriebenen Verfen 
aufgeforbert, ba* Vataillon ift aber in ben fotgenben 
dampfen, barunter inöbefonbere bie in erfter Sinie an ber 
jperauögabe ber Rettung beteiligten gelbgrauen, fo fd)n>er 
betmgefuebt worben, baß weitere Stummem nicht mehr 
erfebeinen Ponnten. ©a* au* ber Pteinen „gclbbrucferei" 
geworben ift, Ponnten wir nicht in Erfahrung bringen. 

a«eiten: Slrtifel „Jum Ortrit" unb Mitteitunflen über bie 
„ftelbbrutferei" in Stummer 1. 

Äricgs'scitung t)cr $efte üöopen unb 
etabt £o$en 

»Soweit wir feben Ponnen, ift bie $rieg$$eitung ber gefte 
Vopen unb Stabt Sogen bie altefte biefe* ©eltPriege*; 
ihre erfte Stummer erfebien am 7. September 1914, ju 
einer ^eit,. al* Stabt unb geftung arg von ben Stuften 
bebrangt würben. Um fo mehr ift Snbalt unb £on ber 
Leitung, bie nur auf freubtgen Äampf bi* jurn außerften 
unb guten Jpumor geftimmt ift, anjuerPennen. Vergleiche 
inöbefonbere ben Scbriftwecbfel über bie von ben Stuften 
Zugemutete Übergabe bergefte Vopen. greiticb regelmäßig 
wöchentlich einmal ift fie nicht erfcbienen, fonbern bat von 
ber fpater betgefegten EinfchranPung „Eventuell nach Ve; 
barf" reichlich ©ebraueb gemacht. ©ebrucPt würbe bie 
Leitung in ber DrucPeret von *Paul $übnel in Sogen. 311* 
verantwortlich zeichnet Stittmeifter vonStegelein,rcfpePtivc 
Oberleutnant grepbe, fpater Oberleutnant Vorcbert. Die 
erfchienenen Stummem ftellen unfern vorgefchobenett unb 
ftarP bebrangten bamaligen truppen ba* befte3eugni* au*. 


Mricgejcitung ber Seftung S3ortum 

Einen eigenen Steij bat biefe AlriegVjeitung, bie auf ber 
.ftüfteninfel VorPum, wo unfere gelbgrauen bie ©acht gegen 
Englanb halten, gebrucPt unb berau*gegeben wirb. ©a* 
fie von anbent Solbatenblattern vor allem unterfebeibet, 
finb bie zahlreichen wertvollen Sonbernummern, bie einem 
beftimmten 3lnlaß, einer beftimmten Werfen ober Sache 
gewibmet finb. Die Anregung jur ©rünbung ber geftung*; 
Zeitung ging vom geftungVPommanbanten Oberft MaercPer 
au*. Stummer 1 erfchien am 7. 3luguft 1915 unb würbe 
Poftenlo* an bie Vefagung verteilt. Die Aufnahme ber 
Leitung war eine überrafchenb gute, fo baß fie erweitert 
unb au*gcbaut werben Ponnte. Oberft MaercPer bat ba* 
Verbienft, bie Leitung nicht nur in* Seben gerufen, fonbern 
auch auögebaut unb lebcitefa'big gemacht ju haben. Silo 
er bie 3nfel Enbe 1915 verließ, würbe junachft ber 3lb; 
jutant ber jlommanbantur Jpauptmann von Efcbwege 
mit ber Schriftleitung beauftragt. Die Vlüte ber Jeitung 
Ponnte aber erft anheben, al* ihr ein eigentlicher StebaPteur 
gegeben würbe, ber in ber ^erfon M Jpauptmannö unb 
Dichter^ .^arl Sange gefunben würbe. 3egt Pommt ftraffc 
Seitung in bie Leitung unb bewußte* StarPen be* beutfeben 
©eifte*. Den meiften Erfolg hatten bie Sonbernummern, 
bie mit viel Siebe jufammengeftellt würben. Die „Stuß? 
lanbnunimem", bie „Storbfeenummer", bie ftimmunges 
volle „VorPumnummer", bie HermannsSon*s5lu*gabc 
unb wie fie alle beißen, verbienen e*, weiteften Greifen be= 
Pannt $u werbm. Durch freunbltcbeUntcrftügung au* ber 
jpeiniat feiten* buchgewerblicher betriebe Ponnte fte jurn 
Zcii mitVilbbeilagen verfeben werben. Der Umfang beffen, 
wa* geboten wirb, ift groß, unb ba* alle* in ftimmung** 
vollem ©ewanb, woju ber Schriftleiter viel felbft beitragt. 
Stehen gelbgrauen arbeiten Männer vonStatnen wie ^afar 
glaifchlen, Pfarrer £raub, ©alter 93(oem, ViPtor unb 
$lara Vlütgen unb anbre mit, wa* natürlich ben ©ert 
ber $rieg*$eitung auch für fpatcre feiten befonber* hebt. 
DrucP unb Verlag liegt in ben Jpanbcn be* Unteroffizier* 
Vrauer, be* Vefiger* ber Otto Vrauerfdjen DrucPerei in 
VorPum, ber alle* tut, um bie Stummem auch brucPtechs 
nifch einwanbfrei bcrauöjubringcn. 3n btefer geftung*= 
$eitung haben wir jweifello* eine* ber beften £rjeugniffe 
unfrer ^riegvlitcratur vor un*, bie inebefonberc bem 
Schriftleiter alle (*brc macht, ber in einem glugblatt feine 
3iclc babin Punbgibt, baß „ba* beutfehe Vewußtfetn — 
wir legen auf ba* ,beutfehe 4 befonbent ©ert — gehoben 
unb geftarPt wirb" unb baß in ber Leitung „ftch bie burcl> 
ben Ärieg hffvorgerufenen eblen strafte, bie tiefere Siebe 
jur Heimat unb zum Vaterlanbe, wiberfpiegeln". Diefc 
Jiele Pommen in ben obengenannten Sonbernummern 
befonber* fchon unb zielbewußt zum SluöbrucP. 

Quälten: Dif 3 f * tl inq fflbft unb briff(i(bf OTittfitunqrn von ivr: 
febiebfnon Seiten. 


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Sianb|turm.-3dtimgen 


Der £anl>fturm 

(£injiged beutfched Militarwochenblatt auf 
granFretchd gluren 

2lngehorige ber 3. Kompanie bed Ägl. ©achf. £anbs 
ßurmbataillond Kummet 1 btt ©uchgewerbeßabt Jüeipjig 
oerbanFen wir biefed, jwar nicht erße unb einige, aber 
hoch neben bem „£anbßurmboten oon ©riep“, beffen erße 
Kummer ebenfalld bereite am 11. OFtober 1914 erfchien, 
frühere gebruefte (heFtographifch erfchienen noch früher 
— am 14. ©eptember 1914 — bie „Jpohenacfer Neueßen 
Nachrichten") Militarwochenblatt. Man fpurt ed bem 
©latt fchon äußerlich an, baß f)itt Männer oom gach am 
BerFe waren. $wat waren, wie wir aud ben erfcfn'enenen 
Nummern erfehen, nie! ©chwierigFeiten ju uberwinben, 
aber bie „Sanbßurmßrma ©erger, ©ogt & 2ubwig, famts 
lieh aud Seipjtg", bie ©ag unb DrucF bewerFßelligte, iß 
ihrer in jeber ©ejiehung S)ttt geworben. 2lld ©erlag 
geben bie erßen Nummem ©oujierd, Nue @hancp 1, 
fpater Nue (Shancp 13, oon Nummer 11 ab umgetauft 
*£eip$iger Straße 13" an. Die Friegerifchen Sreigniffc 
haben jwißhen Nummer 3 unb Nummer 6 eine größere 
^)aufe im (Srfcheinen entgehen laffen, wie überhaupt oon 
biefer 3«t ab bad ©latt nicht mehr wöchentlich, fonbern 
in mehr ober weniger großen ^wifchenraumen erfchien. 
Der Srfolg ber Leitung war ein großer, wad oor allem 
ber ©chriftleitung, bie aud Offizieren ber 3. Kompanie 
(Oberleutnant ©chroembgend, Oberleutnant Meper, ?euts 
nant ©inger, woju fpater eine ^citlang Oberleutnant 
BebersNobine, 21.sD.s$. 3, tritt, ber an bie ©teile bed 
(enteren tritt) beßanb, mit ju banFen iß. Jjat fie ed hoch 
oerßanben, bie ?anbßurmleute in 9)rofa unb ^)oefie ju 
faffen burch 21rtiFel, bie echt beutfeh unb ooll Eingabe 
für bad ©aterlanb felbß ben ©ttllßen mitriffen. Die 
©egeißerung ber erffen ßriegdwochen burchweht biefe 
Leitung oon Anfang bid $u (£nbe, wedhalb ße bem Foms 
menben ©eßhichtfchreiber wertoofle 2luffchlüffe über bie 
©timinung unfrer gelbgrauen in biefen £agen geben 
wirb. Dem Jtaifer würbe mit ber gelbnummer 8, oon 
ber ab nun ber Untertitel „i&ßed, ehentald einjiged beut« 
fched Militarwochenblatt auf granFreichd glur“ htißt, 
eine befonbre Nummer gewibmet, bie ein 93i(b oon ©runo 
#eroujr fehmüeft. Dad ©tabtehen ©oujierd iß in ben 
Fommenben Nummern gelegentlich ©egenßanb ber ©es 
trachtung fowohl feiner ©efchichte ald feinen heutigen 
©erhaltnifien nach* ©on benen baheim werben biefe 21rs 
tiFel, wie auch bie Mitteilungen über bie „DenFmalds 
unb griebbofdweihe oon ©oujterd" feinerjeit banFbar be« 
grüßt worben fein. 2lud ber Jpeimat haben in ben legten 
Nummern £eip$tger ^rofefforen ©eitrage beigeßeuert. 


gelbnummer 21 iß bie ©chlußnummer, bie am 31.0Fs 
tober 1913 erfchienen iß unb bie Angabe „3 weiter unb 
allerlegter Sahrgang" am ßopftitel enthalt. Die ©chrifts 
leitung nimmt in ihr 2lbfchieb oon ben £efem; Äoms 
manbierungen nach &en oerfchiebenßen ßriegdßhauplagen 
haben bie gortfegung bed ftmbßurmblatted nicht mehr er* 
mogltcht. Mancher wirb mit aufrichtigem ©ebauern fein 
Eingehen oernommen höben. Die Nachfrage nach ben 
erfclßenenen Nummern war halb groß, fo baß ber „©er* 
banb berDeutfchen tppographißhen ©efellfchaften" einen 
originalgetreuen Nachbrucf ber erßen 3 Nummem oer* 
anßalten mußte. 

Duetten: „Der fadtfifebe Äronprinj unb unfre Sfitung" in 
ftdbmimmcr 5; „2ln unfre 2efer" in gribmimtntr 21. 

Der £ani>fturmbote oon 33riep 

Ärtegdjeitung 

Bie fchon oben gefagt, erfchien an bemfelben ©onn* 
tag, ben 11. OFtober 1914, ohne baß ed ben ^eraudgebem 
bed „Sanbßurm" beFannt geworben war, eine jweite 
.ftriegdjeitung: „Der Sanbßurmbote oon ©riep". 2l(d J^er* 
audgeber zeichnet Jpauptmann Nolfd oom l.Sanbßurms 
bataillon in Meg; ald ©eger unb Drucfer werben genannt 
bie Sanbßurmleute (befreiter 211e;anber unb MudFetter 
Doroill^. Über bad ©rfcheinen bemerFt ber ^eitungdFopf: 
„Srfcheint jtemlich unregelmäßig, unb folange wir hier 
finb." Dem 5£e;t fehieft bie ©chriftleitung bie ©emerFung 
ooraud: „Bir würben lieber mit beutfehen ©uchßaben 
bruefen, aber bie granjofen haben, unb bad ©atatllon 
liefert Feine." ©on Nummer 4 ab wirb ©efreiter ©uchtel 
ald bei ber Drucfarbeit Mitbeteiligter angeführt, bie 
Nummer 7, bie „Beihnachtdjettung" nennt fchließlich 
noch ^en Kanonier Marion; legtere beiben Sanbßurmleute 
gehörten ber 3. Kompanie bed ^anbßurmsSnfanteries 
bataillond I Subwigdburg an unb ßnb württembergifche 
gachgenoffen aud ©tuttgart, bjw. Jpeilbronn. Die nicht 
numerierte Beihnachtdnummer war bid auf weitered 
bie ©chlußnummer bed Unternehmend. 21m I. Sluguß 
1913 würbe aber bie 3«tung unter bem Namen „Sanbs 
ßurmbote oon ©riep unb Umgebung, ßriegdjeitung" 
unter Beiternumerierung ald Nummer 8 wieber aufs 
genommen, ber jeboch nur noch bie Nummer 9 oom 
13. 21uguß folgte. Die neuen ijeraudgeber, l^anbßurms 
mann £. Nühle unb Sanbßurmmann ©chramm oon 
ber 3. Kompanie bed 2anbßurms3nfantertebatatllond I 
^ubwtgdburg hatten jwar einen ßarFen Anlauf genommen 
unb oiel oerfprochen, oon Nummer 9 aber iß nichtd weis 
ter erfchienen; bie beiben legten Nummern finb auch fas 
baltlicb ihren ©organgerinnen nicht gleichwertig. 

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Original from 

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Unterf)alfung«blätter unb ©elegcntteifejeitungen 


93o<jefenroa$t 

£inc gan$ eigenartige ©tellung in ber &rieg$aeitungös 
Literatur nimmt bie „Söogefen wacht" ein; nicht iß fie bie 
Leitung irgenbeiner gormation, fie gehört ober auch nic^t 
ju ben blättern, bie au6fc^(ie^(ic^ nur bem Jpumor ge* 
wibmet finb. ©ie ßeht vielmehr in ber 3D?itte jwifchen 
beiben ßriegSjeitungSgattungen. Ba$ fie vor ollem auös 
Zeichnet, iß ihr Fünßlerifcher Bert. Der £itelfopf flammt 
von bem Münchener töunßmaler SR. (rberle, ber jufammen 
mit bem SMnchener ©pejialarzt Dr. ©. Hirfd? unb bem 
Lüneburger ©chriftßeller <L £. ©chneiber als S)cvau& 
geber jeiebnet. 3hncn bot eS bie ©d)önheit ber SQogefen 
angetan unb fie jur geber beziehentlich zum ©riffel greifen 
laßen. Den herrlichen SRaturfchönheiten biefcd prächtigen 
©tü'cf LanbcS gilt ein großer Detl beS SnljolteS ber $t\s 
tung in fchriftßellerifcher unb FünßlerifcherHinficht. Webt 
minber aber befeelte bie Herausgeber ein anber ©treben: 
ben $ameraben in Bort unb Söilb Humor unb Kampfes* 
frcubigFeit ju beleben unb ju ßarFen, woS ihnen, wie mir 
aus manches gclbgrouen SWunb gehört hoben, auch roirFs 
lieh gelungen ifl. SRach Überwinbung mancher ©chwierig^ 
Feiten erfebien bie erjle SRummer Anfang 3unt 1916. @ie 
fowohl olS bie folgcnbcn mußten mehrere 9Äalc nach« 
gebrueft werben, fo flarF mar bie Nachfrage, ©amtliche 
Hummern, mit 2luSnahme von Kummer 4 (1916), finb 
von ber Litbogrophifchen 2lnßalt Sllbert 3eß in Golmar 
gebrueft morben. Einzelne SRummern finb als ©onber* 
nummern befonberen 2lnlaßen gemibmet, mie bie für ben 
Münchener Dpfertog, für bie ©tobt ßolmar ufm. Söoit 
einer Kummer jur anbern hot fich bie Leitung mehr 
cntmicFelt. Humor unb ©atire troten bolb in größerem 
SJMaßc binju, ober ouch bie SRitarbeiterjobl mehrte fiel), 
©o mibmetc ber ©tuttgorter SSÄaler $Mat .törner ber 
tung feine $unß, SMaler ©tüger^Herbßmeier unb anbre 
fchloffen fich on. 2luch bie 3oht ber literarifchcn SERit; 
arbeiter ßeigerte fich: alles ober finb eS 23ogefcnFampfcr, 
bie fyet ju ben .ftameroben fprechen unb bcSholb ihre 
BirFung nicht verfehlten, zumal bie Reifung von Anfang 
an auch 3 we tf ör bcnbrucFe bringt. 

0.ucllcn: 93orn>ort jum ©ammclbanb bc$ 191B 

ven Dr. ©cerfl .$irfcb, fotric briefliche ^Mitteilungen. 

3m @d?ü$ew}vaben in ben 23ogefen 

3ehn Hummern nur finb von biefer originellen ©chügcm 
grabenjettung erfchienen, von benen bie crflen fünf blau 
heftographiert von Paul @rfenS unb p. .ftracbenwiger im 
©chügengraben h^cRcllt, bie fpateren fünf von Holl* 
berg & 23üchting in Leipzig, beziehentlich ber SöerlagS; 
anflalt 2lugußin & @te., (Shorlottenburg, gebrueft morben 


finb. SBon ben erflen fünf Wimmern mürben fpater nach 
ben h«Ftographifcl)en flattern Wichbrucfc veranflaltet. 
Diefe fomohl mie bie legten fünf Hummern jeichnet 
befreiter Paul @rFenS, ber ßünßlerbeirat ber Münchener 
ßammerfpiele, allein als Herausgeber. „Der Unterflanb 
ber verantwortlichen ©ebrif tleitung befanb fich tm SBogefem 
fchügengraben ber 5.KompaniebeS2.23ataillonS beSSBap* 
rifchen <Srfags3nfanterieregimentS W. 1. Das Original 
ber ^eitfehrift wirb bort hergeflellt", befagt bie ©chlußs 
fchrift jeher Kummer, prächtiger Junior fpricht nicht nur 
aus ben Werfen, fonbern auch aus ben oft recht paefenben 
S8i(bern,biemitvie(©efchicfin©trichmanierhergefle(ltftnb. 

^elbgraue SSIatter 
au? bem ©(^ülengraben 

Drei Hummern (3uni, 3uli, 31ugufl 1916) liegen von 
biefen „gelbgrauen 23lattern au$ bem ©chügengraben", 
bie fortgefegt werben follen, biö h^ute vor. Lanbfturm= 
mann Heinrich Dtto DehlFe, im 3it>ilberuf 3ournalifl auO 
Kettwig a. b. SKuhr, ben mir bereite von ber ^itung „Die 
gelbgraue" Fennen, ifl ihr Jperauägeber. 3m CEhoraFter 
gleichen ße ben erflen Hummern ber „gelbgrauen", finb 
nur noch mehr Fünfllertfch auägeflattet. ©o bringt bae 
3uniheft GrfbSBeröffentlichungen beö aleÄriegemaler vor 
Söerbun im gelbe flehenben rheintfehen SKalere <£buarb 
Dollerfchell, ber auch für bie beiben anbern Jpefte S8eis 
trage geliefert hot. 3n legteren ßnben ficb auch 
nungen von Jpeinemann unb vom ©efreiten $labe$. 2111c 
brei ^efte ßnb in einen grauen Umfchlog gebunben, bem 
SReprobuFtionen vonSöilbern Dollcrfchelld oufgeFlebt finb. 
Bie ber 23t(bfchmucf weit über baö funauogeht, maö mon 
fonß im großen unb ganjen von gclbjettungen erwartet, 
fo ßehenoueb bie 21rtifel, ©ebichte unb ©ttmmungöbilber, 
von benen ein großer Dcil vom ©chriftleiter verfaßt finb, 
jum größten Xeil weit über bem Durchfchnitt beffen, wae 
gewöhnlich geboten mirb,fo baß man baä ^rfebeinen von 
weiteren Jpcftcn nur mit greube begrüßen Fönnte. 

2)ic Äaifcr-'Bcitunö bcs Ofl^cetcß 

3u ben eigentlichen ©elegcnheitöbrucfen gehört vor 
allem biefe ^riegöjcitung, bie anläßlich be6 ©eburtdtageO 
©einer SMajeßat bc6 jlaifer* am 27. 3anuar 1915 in Lob$ 
erfchienen iß. Die Dlummer würbe von ber bamaltgen 
preffeverwaltung beim Dberbefehldhober Dß h^ouöges 
geben, beren Leiter ©ebeimer SKegterungörat <£(einow, ber 
beFannte Herausgeber ber politifchen Bochenfchrtft „Die 
©ren jboten", war. Die Kummer iß bem 2lnlaß entfprecbenb 
auf einen patriotifch^militartfchen Xon geßimmt. 

7 * 


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$ncfe*Ärieg$$ettung 

©ebenfblatt jum SahreStage ber Mobilmachung 
1914 

Am l.Auguf 1915 erfchien biefeS vierfeitige,imgormat 
einet XageSjeitung gebruefte $riegSblatt für bie Ringes 
hörigen beS 2. SrfagbataillonS gufartillerie*9RegimentS 
Sncfe (Magbeburg) 02r. 4, berauSgegcben von beffen 
2 . SRefrutenbepot. Als ©cbriftleiter jeiebnete ¥ubwig 
6 cbmibt, Kriegsfreiwilliger. ©ebrutft if bic Kummer 
bei Karl griefe, Jpofbucbbrucfer in Magbeburg. Major 
b. 9R. Baffermann, baS befannte SReicbStagSmitglicb, butte 
von Burg Diemcrf ein aus einen begeif ernben @ru§ allen 
'Ungehörigen ber Sncfe sgorntation gefanbt. 3m übrigen 
ift ber Snbalt militarifchen Dingen, bie fich fpcjiell auf 
bie Artillerie beziehen, gewibmet, wobei auch bereu <scbu 6 * 
heilige, bie 0 ancta Barbara, nicht vergeffen ift. 

2ßeilwa#ten 1915 uni» 2ßetjmad)ten 
SSrügge 1916 

g;ef jeitungen ber Kraftrababteilung bes 
Marine! orpS 

granj Sicbhorf if ben Sefern ber Zeitung bes Marine* 
forps „An glanberns Kü'fe" fein Unbefannter; hat er 
hoch, wie wir oben auSführten, biefer KorpSjeitung gar 
manches Bilb $ur 3Uufration jur Verfügung gefeilt, 
gür ©eihnaebten 1915 unb 1916 hat er jwei gef jeitungen 
für bie Kraftrababteilung gefebaffen, bie mit ju bem 
Bef en gehören, waS in biefem ©eltfrieg braunen vor bem 
geinb gefebaffen worben if. 3 ebe ber gefjeitungen ent? 
halt brei wirfungSvolle ©teinbruefe von ihm, aufjerbem 
aber in ©ort unb Bilb Weiteres unb SrnfeS in reicher 
gülle, wobei ihn Kameraben unterfügt haben, von benen 
befonbers ©alter spoegfeb b u nennen if, ber uns „Das 
felbgraulicbe ABS" in Bilbern ju Werfen von ©ufav 
Berufein oorfü'hrt unb „Das BerpflegungSgelb" im Bilb 
einbrücflichf vor Augen führt. Beibe Hummern haben 
in ihrer fünflerifeben AuSfattung weit mehr wie Augen* 
blicfSwert unb finb fchon heute recht gefucht. Die 3 weite 
Kummer if jum greife von 7 Mart noch 5 « haben, wa'hrenb 
bic erfe Kummer nicht mehr erhältlich if* 

2ßei&nflC&t$Matt $fant»mt 1915 

DiefeS in einen befonberenllmfchlaggeheftcte 28Drucf* 
feiten in Üuart farfc ©eibnacbtsblatt würbe von Mit* 
gliebern ber greiwilligen Kranfenpflege bei ber Kranfcn* 
transport*Abtei(ung ber 4. Armee in glanbern 1915 unter 
ber verantwortlichen 6 chriftleitung von Zugführer ©illi 
0auct herausgegeben. ©timinungSbilber in ^oefie unb 
$rofa, fowie eine Anjabl Spigrammc bilben ben Snhalt 
beS fauber gebrueften ÄefteS, bem auch oier ^oljfcbnitte 
beigegeben finb, freilich ohne Angabe ber fünfter. 


2ßeifwa$ten 1915 

Dem 2.Bataillon £eibgarbe*3nfanterieregiment 
Kummer 115 gewibmet 

Sine recht anfebnlicbe geffebrift hat Major ber Steferve 
Müller*J?icfler, ber BataillonSfü'hrer beS 2. Bataillons 
beS£eibgarbe*3nfanterieregimentS 9tunimer 115, ju ©eib 5 
nachten 1915 feinen Gruppen gewibmet, ju welcher Unter* 
off jier ^ebrnibt eine Umfcblagjctchnung entworfen hat 
unb bie in Darmfabt gebrueft würbe. Sine herrliche 
©eihnacbtSgabe if eS vielen gewefen, bie braufen am 
geinbe biefeS ©cibnacbten verleben mußten. ^rofaifchc, 
biebterifebe unb jeichnerifcbe ©rüge haben fie gebracht, bic 
wohl wert finb, auch weiteren Greifen befannt ju werben. 
Der Artifel „Die gähne bes 2 . Bataillons", bas Sieb vom 
@chügengraben frei nach Schillers ©locfc mit einer An* 
jabl Zeichnungen, bie Ausführungen „bleuer Kampf mit 
alten ©affen", wie auch &ie buntorififeben unb übrigen 
Beitrage haben jebem etwas gebracht, bie ©eihnacbtSgabe 
wirb aber auch in unfern KricgSfanunlungcn gern ihre 
Statte f nben. 

iöote 00 m SDoIlertöl 

Sine KriegSweibnacbtsjeitung 

3 n ©rofjfolioformat hat ©tabsarjt ber Sanbwchr 
Dr.Stter biefe vierfeitige ©eihnacbtSgabe mit einem jwei* 
feitigen Unterhaltungsblatt herausgegeben, bas Srnfes 
unb Weiteres aus ber „ 3 ugenb", bem „@impli$iffmus" 
unb anbern Blattern bringt, aber auch Beitrage von gelb* 
grauen, beren Flamen meif nicht genannt f nb. Die Be* 
fanntfehaft beS @chrift(eiterS mit bem Slfäffer Bauern* 
bieffer Karl Zumfein ermöglichte ben Abbrucf verfebiebener 
©ebichte von biefem. ©ebrueft if biefe mit fünf 2 anb* 
fchaftSaufnahmen gefchmücfte ©eihnacbtSgabe in ber 
Drucferci ber Dberelfaffifcben BcrlagSanfalt A.*©. in 
Mülhaufen. 

Beebniigger Tageblatt 

31. Dejember 1916 

Zum iSilvefer 1916 hat Artillcrifenmaat ^olicfc in 
3eebrügge, aus DreSben, einer ber Mitarbeiter ber Marine* 
forpSjeitfcbrift „An glanberns Kü'fe" einen „©cneral* 
anjeiger für ©ef enbe, Mibbelferfe,£)f enbe, Blanfcnberge, 
Zeebrügge, Jpepf, Duinbergcn, Knocfe unb bie Mole" er* 
fcheinen laffen, ber „(ücfenlofe, flaglid)e ©iebergabc aller 
XageS* unb %ubtereigniffe" bringt unb in bem fraf* 
tiger ©eemannShumor jum ©orte fommt, ber ficberlicb 
manchem gelbgrauen ben 6 ilveferabenb angenehm ver* 
fü'rjt hat. 

Sine jweite Auflage erfolgte eben, als biefe Zeilen in 
Drucf gingen, am 1. April 1917, bie als „3Kufrierte 
0onbernummer" bem Aprilfcherj gewibmet if. 


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3citungcti ffit (Befangene unb Sntowfofe 


2>er ©onntagtf&ote 
für t>ie i>eutfdj>en Kriegsgefangenen 

nur im Schügengraben unb in ber Etappe ers 
holten unfre gelbgrauen ihre eigene Leitung, auch für bie 
Kriegsgefangenen in £nglanb unb granfreich, in 3apan 
unb ben oerfchiebencn fetnblichen Kolonien, in legter 3eit 
auch in SÄußlanb gibt eS beutfehen Sefeftoff. ©emeint finb 
bamit nicht bie in ben ©efangenenlagern oon ben ©es 
fangenen fclbfl herausgegebenen Blatter, bie uns jum 
größten Teil nicht juganglich finb, fonbern eine Bers 
offentlichung, bie in ber Schroeij unter beut Flamen „Der 
Sonntagsbote für bie beutfehen Kriegsgefangenen'' ers 
fcheint, oon ber Schroeijerifchen ^tlfsffeUc für Kriegs^ 
gefangene „Pro captivis“ in Bern h^nsgegeben unb 
non berbefannten BerlagSbuchhanblung21.grancfe,Bern, 
neriegt wirb. Der Seipjiger ^rofeffor SÖolterecf hatte fich 
bereits im Jperbft 1915 mit ^rofeffor Sdjultheß jus 
fammengetan unb biefeS Blatt gegrünbet. 3hnen ijt es 
gelungen, feinen ©eringcren als ben Dichter Hermann 
.^effe jur Mitarbeit heranjujiehen, fo baß ben ©efangenen 
„eine gute unb gut beutfehe Kofi" geboten werben Fonntc. 
Diefer Sonntagsbote für bie beutfehen Kriegsgefangenen 
gelangte gelegentlich ba unb bort auch in bie Jjanbe ber 
in ber Sd)wei$ internierten Deutfchen, bei benen fich halb 
ber Sßunfch nach einem Binbeglteb auch jwifchcn ben 
Snternierten rührte. 

2)eutfc&e 3ntcrnicrtcn-'3eitung 

Der eben befprochene „Sonntagsbote für bie beutfehen 
Kriegsgefangenen" würbe junachft benufct, um biefeni 
£Bunfche Rechnung ju tragen, <£r würbe mit gelben Ums 
fchlagblattern oerfehen, bie fpejiell ben Snternierten ges 
wibmet waren unb alles für fte^BiffenS werte brachten. Balb 
aber jeigte fich ber auf ben gelben Umfchlagblattcrn §ur 
Verfügung ftehenbe Sftahmen für bie Snternierten als $u 
eng; bas Sntereffe war geweeft, bie Snternierten lafen 
nicht nur bie befcheibcnen gelben Umfehlagblatter, fons 
fcern fehieften Beiträge um Beiträge ein, fo baß ber ©e= 
fcanfe einer eigenen ^itung für bie Schweizer Snternierten 
<jar halb auftauchte unb mit bem 2lbfch(uß ber 17. ges 
nieinfamcn Kummer ©effalt gewann. Seit Kummer 18 
oom 20. Sanuar 1917 ißt bie „Deutfche Snterniertens 
Leitung" felbftanbig geworben, ja fte hat eine eigene Drufs 
ferci, bie „Deutfdfjc SnterniertensDrucferei" befommen. 
gormat unb Rapier jeigen febon bei biefer erften felbs 
ftonbigen Kummer einen wefentlichen gortfehritt; ber 
Srnhalt wirbjegt fo, baßer auSfchließlich ben Snternierten 
gilt unb bem fpatcren gorfcher intereffante @inblicfe in 
fcaä SnterniertensSeben gewahrt. Die Drucferei wirb oon 


bem internierten Leutnant Sfrael geleitet, wa'hrenb bie 
Schtiftleitung ^rofeffor SBolterecf unb Leutnant Stichs 
jufammen mit ^ermann Jpeffe beforgen. Leutnant Stichs 
oerbanfen wir noch folgenbe Mitteilungen: 

„9tur Sntertüerte finb in ber Drucferei befefjaftigt unb 
jwar bisher inSgefaint 15. Bon ber Drucferei werben 
auch fanitliche fonjtigen Drucfereiarbeiten für bie Snters 
nierten unb für bie KriegSgefangenensgürforge hctgejfedt. 
21uch ber Berfanb ber 3nterniertens3eitung wirb bort bes 
waltigt. 3 ur 5 e ü man babei, eine jwettc Schnellpreffe 
aufjuftellen, ebenfo eine Steinbrucfpreffe, ba in nachher 
3eit auch Kunflbeilagen als (SrinnerungSbla'tter an bie 
Schweij, oon internierten Künjllern geliefert, bie Leitung 
bereichern follen." 

Über bie Leitung felbft fagt Leutnant Stichs: „Stein 
äußerlich hat fich &ie neue golge in MuSfehen unb gormat 
geanbert. Der Umfchlag ift ein mit ber beutfehen unb 
Schwerer glagge gejiertes Titelblatt mitffetswechfelnbem 
Zitelbüb. Der Snhalt jebeS Jjeftes umfaßt minbeftens 
16 Drucffeiten jweifpaltigen SageS. Das gormat ift 
großer geworben unb oor allen Dingen ift für reichliche 
SUuftrierung Sorge getragen. Der Sonntagsbote unb 
bie Mitteilungen ber Kaifertich Deutfchen ©efanbtfchaft 
werben als befonbere Beilagen jebem #eft ber Snters 
niertens^eitung beigelegt." 

Die bis jegt oorliegenben Stummem jeigen, wie bie 
Schriftleiter eifrig bemüht finb, alles ju bieten, was übers 
haupt unter ben oorliegenben Umftanben geboten werben 
fann. ©ichtig erfcheint unS eine anbre Tatfache ju fein, 
bie befonberS heroorgehoben wirb: 

„2BaS burch bie Schaffung biefer Leitung unb bie £rs 
richtung ber Drucferei ben Snternierten gegeben würbe, 
bebeutet eine große ©ohltat, nicht nur, weil fie ben 
Kameraben guten Stoff ju bieten fucht, ben fie anberwarts 
ja auch finben fonnten, fonbem weil fie neben ber bireften, 
perfonlich intereffierenben Anregung oielen Kameraben ein 
Slrbeitsfelb juweift, fowohl benen, bie t>on ihrem Snters 
niertenort aus uns mit geiftigem Material bebenfen, als 
auch &enen, bie an ber Mafchine ober im Sehers unb 
spacfrauni ftehen ober im QlrbeitSjimmcr ber Drucfs unb 
Schriftleitung bie auSfüllenbe, befriebigenbe Betätigung 
finben." 

Sn biefen Porten jeigt fich echt beutfeher ©eift unb 
beutfehe 21rt, bie es in jeber Beziehung ju unterflüfcen gilt, 
was burch moglichft oiele Beftellungen aus ber Jpeünat 
unb oon ber gront ju erreichen ift. Untcrftügcn wir beSs 
halb bas oaterlanbtfche Unternehmen, wo wir Fonnen, nach 
Kräften! 

Quellen: (Einführung t?on <ProfcfTor 2Bolrercrf jum 1. Jpcft 
(1. 3uli 1916) unb briefliche Mitteilungen. 


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Nea tov @ötU(J 

‘EXXtlVlKTI €KÖO(Jl<; 


2ßie befannt, ig ba$ 4. gried^tfc^e ArmeeforpS in ©orlig 
unterbracht. ©eit 3.November 1916 ^ot biefeS in ber 
griechifchen Ausgabe ber N£a toO ©orlig ein täglich er* 
fcheinenbeS vierfeitigeS Nlatt, für beffen Verausgabe bie 
©riechen ber Aftiengefeflfchaft ©orliger Nachrichten unb 
Anzeiger ©orlig, vor allem aber ihrem Direftor Emil 
©lauber augerorbentlich banfbar gnb. 2Öte freunbfehaft* 
lieh &ie ^Beziehungen gnb, geht auch auS einer Danfabreffe 
an ben Dberfaftor Max ©runbmann ju feinem fu'nfunb* 
jwanjigjährigen Subiläum hervor, bie in beutfeher unb 
grtechifcher ©prache gebrudft mürbe unb unter bem gried)i* 
fchen Dext bie gaffimileS ber NamenSunterfchriften ber 
griechifchen Kollegen trägt. Die ©chriftleitung ber Leitung 
liegt in ben Jpänben von Direftor Emil ©lauber b. 3* 
Die Überfegung ber Leitung erfolgt burch verfchtebenc 
©riechen, in ber Jpauptfache burch &en ©ergeant Dio* 
nyfgoS AgapitoS, ber tm 3it>Uberuf Diplomingenieur ig. 
Die ©eger ftnb ©riechen; biefe fomohl als eine Anzahl 
anbrer ©riechen, bie in verfdgebenen NetriebSabteilungen 
befchäftigt gnb, ftnb alle von Neruf Nuchgemerbler. 

Zeit ftnb über 20 griechifche Angestellte tätig. Die ver* 
manbten ©chriften flammen von ©ebrüber jUtngfpor, 
Offenbach, unb ©chelter & ©iefedfe, Leipzig. $\x ben Mit* 
arbeitern jä'blt bie Leitung viele ber jegt in ©orlig an* 
mefenben, aber auch anbre fich in Deutfchlanb aufhaltenbc 
©riechen. ©ie liefern als Beiträge gern politifche Ab* 
banblungen, in benen ge mit Norliebe in ber ihnen eige* 
nen temperamentvollen Art Stellung gegen Nem'zeloS unb 
gegen bie Entente nehmen. Auch ©ebichte merben etnge? 
fanbt, beren Snhalt vielfach bem fahonen ©riechenlanb, 
aber auch allem Schonen in ber gaflfreunblichen ©tabt 


©orlt'g gilt. 3m übrigen ifl baS Nlatt eine echte DageS* 
Zeitung, bie Annoncen nicht nur ber ©efchäftSleute von 
©orltg bringt, fonbem auch zahlreiche Anzeigen von 
©riechen, inSbefonbere ©lücfmünfche aus Anlag bcr 
NamenSfege, ja fogar NerlobungSanzetgen griednfeher 
©olbaten mit ©orliger Töchtern. 3ur3abreSmenbe mürbe 
ein griechifchcr ßalenbcr „ c EXXtiviköv üuepoXoriov toO 
Itou? 1917“ herauSgegeben, „eig äväpvriaiv ttk ev 
("KepXiTS bia|uovrj<s toO A\ IwpaTOs tou BckTiXikoü 
l EXXnviKoO iTpaioO“, ber neben bem Äalenber Mittei* 
(ungen über ©orlig, aber auch über baS griechifche Armee* 
forpS enthält mit Silbern einiger griechifchcr Offiziere. 
Nor uns liegen augerbent eine groge Anzahl meiterer 
Drucf fachen in griechifchcr ©prache, barunter bie griechifche 
Nationalhymne „3ch erlernt an beinern ©d)mert btcf>, 
beffen ©chneibc furchtbar ifl", in griechifcher unb beut* 
fchcr Sprache mit Noten in gefchmaclvoller Aufmachung. 
Maler Eurt ©lauber, Schüler ber Afabemie in DreSben 
unb Seipjig, hat in banfenSmerter Nkife geh um bie AuS* 
flattung mancher Druclfachen verbtent gemacht. 3g ein* 
mal ber gemaltige Nkltfrieg ju Enbe unb mirb ber ©e* 
fchichtfchreiber baS ©tubiurn ber Einzelheiten aufnehmen, 
fo mirb ihm für bie ©orliger Jett bes 4. griechifchcn 
ArmeeforpS bie Rettung „N£a toO ©orlig' 4 manchen An* 
haltspunft geben, maS allein fchon ben ©orliger Nach* 
richten für biefe griechifche Aufgabe ben Danl ber Nach* 
melt fichert. Ermähnt fei fchlieglich, bag bie Rettung in 
bcr Dürfet, in Mazebonien unb ben von uns befegten 
Deilen ©erbieno eine groge Anzahl Sefer befigt, maS ben 
Neriegern auch ein Reichen ber Anerfennung ihrer Dätig* 
feit fein mag. 


Nachrichtenblätter 


5Bte grog bie ^ahl ber einfachen Nachrichtenblätter ins* 
befonbere im Anfang bes Krieges gemefen ifl unb heute 
noch ifl/ lügt fich jnrjeit mohl faum mit Negimmtheit 
fagen. ©ie maren ja auch auSfchlieglich baju ba, fcfmell* 
genS bie ^riegönachrichten unter ben fämpfenben Druppen 
ju verbreiten,unbgnb be$hnlb fag allgemein alö Einblatt* 
bruefe mte Extrablätter verbreitet morbett, bie bann, ba 
ihr De;t ja auch fang anfänglich mar, itachbcm fic gelcfcn 
maren, nicht metter beachtet mürben. Auger ben gelegent* 
lieh bei ben einzelnen Äriegözcitungen oben bereite ge* 
nannten Nachrichtcnblättern gnb unV unter anbern noch 
befannt gemorben: 

Die legten $rieg$nachricbten bee 19. Arnteeforpö, bie 
Neuegen «ftriegönacbrichten ber Armeegruppe lagert. Ne* 
fonberä beachtet mürben bie Deutfchen Nachrichten vom 


Kriege, Napaunter ^ritung am Mittag, bie fpäter nur 
noch ben Xitel N(apaumer) Leitung) am Mittag im An* 
Hang an bie N*3*am Nlittag in Nerlin führten, aber aud^ 
bann nur cinfeitigbebrucfteNlätter blieben; ge fallen unter 
anbern Namen gortfegungen erhalten höben, von benen 
un$ aber feine Exemplare vorlicgen. gag jebc Armee hatte 
in bcr ergen $cit falche einfacl^e ertrablattmägigen Nach' 
richten,auch,3 c itnngobicng"obcr // gunferbieng"genannt. 
Db eine abfolut vollgänbige ^nfammengellung biefer 
Nlättcr überhaupt je moglid) fein mirb, mag billig bc* 
Zmeifelt merben; jcbenfallö gnb mir für jebe einfehlägige 
Mitteilung banfbar, bamit mentggenö an einer ©teile eine 
bibliographtfch mogltchg vollgänbige Überficht vorbanben 
ig. Die Amtsblätter bcr verfchiebenen Nehorbcn merben 
an anbrer ©teile bchanbelt merben. 


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Original fro-m 

PRINCETON UNIVERS1TY 




Wachtrag 


2luf 93orpoften 

äßochenfchau für bie (eilten ©eef reitFrafte 

Mit bem 3onuor biefeS JohreS erhielten wir eine jweite 
Morinejeitfchrift. Marinepfarrer Ronneberger, ber jweite 
eoangelifche Pfarrer ber 2lufF(arungSfcbiffe ber Jpochfees 
flotte, gibt feit 7. Januar eine Mochenfchau für bie leidsten 
©eefreitFrafte unter bem Xitel „2luf Borpof en" unterMte 
wirFung beS ©tabeS beS Befehlshabers ber 5lufFlarungSs 
fdjiffe h«auS unb wirb babei oon Marinepfarrer genger 
unterfügt. Die Leitung erfcheint breimal monatlich unb 
wirb in ber Buchbrucferei 2luguf ©tecFer in Rüf ringen 
gebrucFt. Die bis jegt oorliegenben Hummern jeigen, bag 
wir eS auch ^ier mit einer erfreulichen Srfcheinung unfrer 
ÄriegSpreffe ju tun hüben, bte fpateren ©efchlecbtern oon 
ben 2eiben unbgreuben unfrer Blau jacFen in bt'efem furche 
baren MeltFriege gar manches erjagen wirb. 

2>er <5to§trupp 

gelbjeitung ber Slrmeeabteilung A 

Die jüngfe uns beFannt geworbene ÄrtegSjeitung if 
„Der ©togtrupp", herausgegeben som 2lrmeeoberFoms 
manbo A unb gebrueft bei@ebrüber Jpofer in©aarbrücfen. 
Die erfte Kummer flammt oom 28. Mar j 1917 unb wenbet 
fich in begeiferten, jum ©ieg entfchloffenen unb einer ge* 
rechten ©ache gewiffen Morten an bie Dampfer für Deutfeh* 
lanbS ©roge. „Die Sntfchloffenheit, bie Begeiferung für 
bie gerechte beutfehe ©ache hat jmei gewaltige, unbefieg* 
bare Armeen gefchaffen: bie grontannee unb bie Jpeims 
armee. Beibe müffen gü'hlung mtteinanber halten. Die 
neugegrünbete gelbjeitung ber 2lrmeeabteilung A will 
einen ber BerbinbungSpof en übernehmen. 3n ihr foll fich 
wiberfpiegeln ber einheitliche Mille jutn ©ieg. .ftampfeSs 
luf unb ßampfesfreube, wie f e in allen Xeilen ber gront 
Fraftsoll jum 3luSbrucF Fommen, werben in ihr Morte 
fnben begeifernber Miebergabe oon Erleben unb Erfolgen. 
t 3u allem barf ber unbefiegbare, treffliche ©olbatenhumor 
nicht fehlen; er erfrifcht, er überwinbet alle ©chwiertg= 
Feiten unb hilft über ©tunben hinweg, bie beS ©olbaten 
S}e rj erfaffen." 3eben Mittwoch unb ©onnabenb foll ber 
„©togtrupp" erfcheinen. Wach allem, was wir feben, wirb 
er getreu feinem Programm bleiben unb halb eine gern 
gefehene ÄriegSjeitung bei unfern gelbgrauen fein. 

<5eiHe*23ote 

ÄriegSjeitung „£wifchen 211 unb 242" 

Die urfprünglichen erfen Hummern biefeS oon 2lm 
gehörigen ber 5. Kompanie beS 2anbwehr*3nfanteries 
regtments Kummer 68 berauSgegebenen Blattes ftnb wohl 


Schwerlich mehr ju erholten; WachbrucFe bagegen, bie in 
ber gorm oeranbert finb, finb halb ba halb bort erhältlich. 
Den Warnen hat biefe ©chügengrabenjeitung oon ber©eil(c, 
einem Webenflug ber Mofel, wo baS Regiment feine 
©tellung jwifchett ben Joo'hen 211 unb 242 hotte. Do uns 
jurjeit nur eine Wummer oorliegt, Fonnen wir ein Urteil 
über bie Leitung nicht obgeben. 

£>ie Papevifc&e ßanbwe^r 

gür baS baprifche2anbwehrs3nfanterieregimentWums 
mer 2 if bei 2llbert 3eg in Colmar, beffen DrucFerei wir 
fchon mehrfoch erwähnten, biefe Leitung gerauSgegeben 
worben, bie in ihrer gonjen Anlage unb ihrem 3nholt ber 
oben befprochenen „BogefensMacgt" fegt nahefeht. 2lucg 
hier fehlen uns weitere Mitteilungen, für bie wir jeberjeit 
banfbar fnb. 

2>te @appe 

Sbenfalls bei Sllbert 3eg in Äolmar, ber, wie es Scheint, 
für bie baprifegen Regimenter ber DrucFer überhaupt if, 
if bie „©appe", bie Leitung beS Baprifegen Referoes 
Snfanterieregiments Wummer 19, l.Botaillon gebrucFt 
worben. Sin oollfanbiger Jahrgang liegt uns nicht oor, 
ebenfo fehlen nähere Mitteilungen. 

2)oPrul>f(pasS5ote 

3m (egten Moment erhielten wir biefe in Sonfanja 
bereite im jweiten 3agrgang erfcheinenbe ÄriegSjeitung. 
3hr@garaFter gleicht bem ber fchnell orientierenben Woch* 
ricgtenblatter; neben XageSbericgt unb politifchen Über* 
fichten fehlen aber auch ©ebiegte unb humorif ifche 3lrtiFel 
fowie Furje Berichte nicht. Wagere Mitteilungen fnb uns 
oon ber ©cgriftleitung jugefagt, fo bag wir fpater barüber 
ausführlich berichten Fonnen. 

Un£ fcptenöc Bettungen 

2lugcr einer Reihe oon ©elegenheitSjeitungen, bie ool U 
fanbig jufammenjubringen wohl Faum je möglich fein 
wirb, wenn man auch olle beFtographifch h^tgefeilten 
Blatter mit bcrücFfichtigen will, fehlen unfrer ©ammlung 
folgenbe ^riegSjettungen:„ÄriegSjeitung fürXouroggen", 
ber „DrmontsBote", bie „*J)atrulle", ber „Beobachter", 
ferner bie „glieger^Rettung", ber „Batteriebote", bie „2a 
Sapeller Rettung", fowie siele ffieignachtSjeitungen. 3ebe 
Mitteilung—ber „RoefelarerÄaifergrug" unb ber„Roefes 
larer MeihnachtSgrug" gehen uns wahrenb beS DrucfeS 
biefeS Berichtes eben ju — fowie jebe Überweifung felbf 
einjelner Wummern begrügen wir mit greuben. 


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Original fro-m 

PRINCETON UNIVERS1TY 




(Sine große »on $rieg$jeitungen ^oben wir an 
un$ ooruberjietyen fehen, unb hoch ftnb eö nicht alle. 3mmer 
wieber tauchen halb ba balb bort neue gelb$eitungen auf, 
fei eö, baß fie neu erfcheinen, fei eö, baß fie jegt erft in 
ber Heimat beFannt werben, Seiber i(F infolge ber blinben 
©ammelwut oon ^rioatleuten e$ öffentlichen ©amm« 
lungen febr erfchwert, SöolljFanbigFeit auf biefem ©ebiete 
ju erreichen. 2ln unb für ftch fafl wertlofe (Srjeugniffe 
ber DrucFerpreffe werben baburch im greife auf eine Jpo'he 
gejFeigert, bie nur noch ber SSibliomane für folche Dinge 
anlegen wirb. Daß ba$ Deutfche 33uchgewerbcmufeum 
al$ bie ©teile, bie neben anbern Aufgaben t>or allem ber 
(Sefchichte beö 23uchbrucFe$ ju bienen tytt, in erfter Sinic 
berufen ijl, fyicx für fpatere ©efdjlechter ju fammcln, i(F 
erfreulicherweife fafFoon allen beteiligten ©eiten anerfannt 
worben. ®ir banFen auch hier nllen in grage Fommenben 


militarifchen ©teilen für ihre weitgehenbe Unter« 

(Fügung unb erbitten biefe auch für bie ^uFunft biö jum 
(Eintritt ber griebenöjeit, bamit in bem 9leubau unfern 
Sttufeumö ein moglichfF oollffanbiger Überblick über bie 
DatigFeit unfrer felbgrauen 23uchgewerbler in biefem un« 
geheuren SÖteltFriege gegeben werben Fann. ffiir werben 
alle$ tun, um bie ©ammlung, bie fich nicht nur auf bie 
^riegöjeitungen befchranFt, fonbern alleö aufnimmt, wa$ 
bie gelbbrucFereien überhaupt an amtlichen DrucFfacben, 
23eFanntmachungen, 9)ofFFarten, 93erlag6werFen, (Belegen« 
heitöbrucFcn bi$ herunter ju Äirchenprogrammen unb 
Öuittungöfcheinen ber oerfchiebenjFen 2lrt heroorbringen, 
unb auch ^h 0 * 0 8rapbien au$ ben betrieben ber Kriege« 
jeitungen fammelt, ju einer moglichfF ooUfFanbigen unb 
einbrucFäoollen Umfchau $u gehalten, bie Äinbern unb 
$inbe$Finbern noch erja'hlen wirb, wa$ ihre Söatcr unter 
ben fchwierigflen Söerhaltniffen im sollen 93ewußtfeiu ber 
beutfeben .firaft gefebaffen haben. 



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herausgegeben vom Deutschen Buchgewerbeverein 

I. Band: ANTIQUA ODER FRAKTUR? (Lateinische oder Deutsche Schrift?) Eine kritische Studie von Dr. August 
Kirschmann. Zweite, durchgesehene und vermehrte Auflage mit zahlreichen Beispielen u.Versuchen. Geheftet M. 1.50 

II. Band: FARBENPHOTOGRAPHIE UND FARBENDRUCK von Professor Dr. E. Goldberg, Leipzig. 84 Seiten 
umfassend, m. 8 Abbildungen imText u. izTafeln m. 6 einfarbigen sowie 16 mehrfarbigen Abbildungen. Geheftet M. 1.50 

III. Band: DER SATZ CHEMISCHER UND MATHEMATISCHER FORMELN von Wilhelm Hellwig, Leipzig. 

5z Seiten umfassend.Geheftet M. —.60 

IV. Band: DER TITELSATZ, SEINE ENTWICKLUNG UND SEINE GRUNDSÄTZE von Reinhold Bammes, 

Mönchen. 99 Seiten umfassend, mit 35 ganzseitigen Abbildungen.Geheftet M. i.— 

V. Band: DIE BUCHORNAMENTIK IM 15. UND 16. JAHRHUNDERT von Dr. Hans Wolff, Leipzig. 

Deutschland I. 11z Seiten umfassend, mit 58 Abbildungen und z farbigen Beilagen.Geheftet M. 1.50 

Deutschland II. 104 Seiten umfassend, mit 63 Abbildungen und z Beilagen.Geheftet M. 1.50 

VI. Band: BEITRAGE ZUR ENTWICKLUNGSGESCHICHTE DER SCHRIFT von Dr. R. Stöbe, Leipzig. 

Heft 1: Vorstufen der Schrift. 104 Seiten umfassend, mit 51 Abbildungen.Geheftet M. 1.25 

Heft z: Bilderschriften, m Seiten umfassend, mit 54 Abbildungen und 5 Beilagen.Geheftet M. 1.25 

VII. Band: DIE GRUNDFORMEN NEUZEITLICHER DRUCKSCHRIFTEN von Lorenz Reinhard Spitzenpfeil, 
Kulmbach, do Seiten umfassend mit vielen Beispielen und Versuchen, sowie 20 Seiten Anhang . . Geheftet M. 1.25 

VIII. Band: DIE ENTSTEHUNG EINER SCHRIFT von Heinrich Hoffmeister, Frankfurt a.M. 60 Seiten umfassend, 

mit 15 Abbildungen.Geheftet M. —.60 

IX. Band: DIE PAPIERFABRIKATION von Dr. Bruno Possanner von Ehrenthal, Cöthen i. Anh. 96 Seiten um¬ 
fassend mit 51 Abbildungen und 7 Beilagen.Geheftet M. 1.50 

X. Band: DIE SCHWABACHER SCHRIFT IN VERGANGENHEIT UND GEGENWART von Hermann 

Clauß, Pfarrer in Schwabach. 82 Seiten umfassend mit 8 in den Text eingedruckten Bildertafeln und 12 großen 
Schriftrafeln.Geheftet M. 2.~ 


Durch alle Buchhandlungen zu beziehen — Wenn nicht erhältlich, dann direkt von der 

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Gegründet 1845. 16 Auszeichnungen 

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ICH BITTE PROBEN ZU VERLANGEN« 







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Fräs- und Hobelmaschinen, Prägepressen 
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RUCH WÄHREND DES KRIEGES IN RLLEN ABTEILUNGEN IM BETRIEB 



Herausgeber: Deutscher Buchgewerbeverein 

Verantwortl. Schriftleiter: Prof. Dr. Schramm — Druck von Breitkopf & Härtel — Sämtlich in Leipzig 


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DUPLEX-AUTOTYPIE 

Aus der Mappe: Schülerarbeiten der Buchdrucker-Lehranstalt in Leipzig 


Beilage zum Archiv für Buchgewerbe i 

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Original frörri 

•PFUNCEIONXINIVERSITY 
























ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 

BEGRÜNDET VON ALEXANDER WALDOW 

54 . BAND MÄRZ-APRIL 1917 HEFT 3/4 

HERAUSGEGEBEN VOM DEUTSCHEN BUCHGEWERBEVEREIN 


Bekanntmachung 

In den Deutschen Buchgewerbeverein wurden als Mitglieder aufgenommen: 


a) als Einzelmitglieder: 

1. C. deBoer jun.,i. Fa.C.deBoer G.m.b.H ., Helder. 

2. Wilh. Braun , Direktor der Graph. Anstalt vorm. 
Czettel & Deutsch, Budapest. 

3. W. Emil Busse , i. Fa. Busse & Pfefferkorn, Leipzig. 

4. Direktion der Kgl. Ungarischen Staatsdruckerei , 
Budapest. 

5. Adolf Dunkmann , i. Fa. A. H. F. Dunkmann, Aurich. 

6. Otto Ficker , Papierwarenfabrik, Kirchheim-Teck. 

7. Samuel Grünhut , Direktor der Druck- und Ver¬ 
lagsanstalt Melantrich, Wien. 

8. Walter C. F. Hirth , i. Fa. Knorr &Hirth, Münchert. 

9. Max Hoff mann , Direktor der Manzschenk. k.Hof- 
und Verlagsbuchhandlung, Druckereiabteilung, 
Wien. 

10. Korfiz Holm , Prokurist der Fa. Albert Langen, 
Verlag, München. 

11. Marie Knackstedt , i. Fa. Knackstedt&Co., Kunst¬ 
anstalt, Hamburg. 

12. C.J. Koster, i. Fa. Gebr. Koster Verlag, Amsterdam. 

13. Werner Kranzbühler , i. Fa. Kranzbühler & Co., 
Buchdruckerei, Zweibrücken. 

14. Eduard Lankes , i. Fa. Mechanische Kreide-Relief- 
Zurichtung Lankes & Schwärzier, München. 

15. Johannes M. Meulenhoff, Verlag, Amsterdam. 

16. Heinrich ölkers, i. Fa. H. N. F. Ölkers, Hamburg. 

17. Paul Ollendorf, Prokurist der Fa. C. F. Peters, 
Musikalienverlag, Leipzig. 

18. Hedwig Pschorr , i. Fa. Fr. Bassermannsche Ver¬ 
lagsbuchhandlung, München. 


19. Wilh. Rahe, München-Gladbach. 

20. Reklamearchiv des Betriebswissenschaftlichen In¬ 
stituts an der Handelshochschule , Mannheim. 

21. K. Rosenbruch , i. Fa. Vereinsbuchdruckerei, 
Hannover. 

22. Hermann Rutzky , Prokurist der Zaunritschen 
Buch- und Kunstdruckerei, Salzburg. 

23. W. J. Schillemans , i. Fa. W. J. Thieme & Co., Buch- 
und Kunstdruckerei, Zutphen. 

24. J. B. Schmidt , Gesangbuchfabrik, Mainz. 

25. Hans Schulze , Direktor der Chromo- und Kunst¬ 
druckpapierfabrik vorm. Gust. Najork, A.-G., 
Leipzig-Plagwitz. 

26. Hermann Stäubli, i. Fa. Gebr. Stäubli, Fadenheft- 
Maschinenfabrik, Hör gen-Zürich. 

27. W. P. van Stockum jun., Verlag, Haag. 

28. Dr. Gerhard Tischer, i. Fa. Tischer & Jagenberg, 
G. m. b. H., Musikverlag, Köln a. Rh.-Bayenthal. 

29. Carl Gust. Vogel y i. Fa. C.G. Vogel, Buchdruckerei 
und Verlag, Pößneck. 

30. Georg Wagner , i. Fa. Vereinsbuchdruckerei, Greiz. 

31. W. Waltmann, Direktor der Fa. H. A. Kramers & 
Sohn, A.-G.undTechnische Buchhandlung, J.Walt- 
mann, Delft (Niederlande). 

32. S. Warendorf jun., i. Fa. Van Holkema & Waren¬ 
dorf, Buchdruckerei und Verlag, Amsterdam. 

33. F. Worms , i. Fa. Worms & Lüthgen, Verlagshand¬ 
lung, Krefeld. 

b) als korporatives Mitglied: 

Basler Typographische Vereinigung, Basel. 


Leipzig , im Mai 1917 

Die Geschäftsstelle des Deutschen Buchgewerbevereins 

I. A. Paul Agsten 

57 8 


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PRINCETON UNIVERS1TY 





ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 



Ein Streifzug durch 50 Jahrgänge des Archivs für Buchgewerbe 

Kl| Von HEINRICH SCHWARZ in Leipzig 


R LÄSSLICH der Vollendung des 50. Jahr- 
inges des Archivs für Buchgewerbe er- 
:hien in seinen Spalten (Band50, Heft 11/12) 
einekurzeAbhandlungüberdenBegründer 
des Archivs unter dem Titel „Alexander 
Waldow, ein Vorkämpfer des Buchge¬ 
werbes“. Es ist darin bereits kurz ange¬ 
deutet worden, welche ZieleWaldow durch 
ie Gründung des Archivs verfolgte, wie er 
ein Blatt, das neben dem im Jahre 1834 
egründeten Journal für Buchdruckerkunst 
ins derhervortretendsten deutschen Fach- 
lätter werden sollte, ausgebaut hat und 
- Abbildung ! welcheWandlungen dasselbe während seines 

initiaiumrahmung langen Bestehens durchmachte. 

0864 )dMArehivs Die Absicht, im Anschlüsse an die vor¬ 
erwähnte kurze Abhandlung einen gedrängten 
Auszug des Haupt¬ 
inhaltes sowie des 
Gesamt-Inhaltsver¬ 
zeichnisses der 50 
stattlichenBände zu 
geben, mußte aus 
verschiedenen Ur¬ 
sachen damals ver¬ 
schoben werden,ob¬ 
gleich damit auch 
ein schätzenswerter 
Beitrag zur Buch¬ 
gewerblichen Welt¬ 
ausstellunggegeben 
worden wäre. 

Bedeutete die 
große buchgewerb- 
licheWeltschau von 
1914 in Leipzig zwar 
eine Art Schlu߬ 
punkt in der Ge¬ 
schichte des Buch¬ 
gewerbes, so ist die 
durch den lang¬ 
dauernden Krieg 
hervorgerufene 
Ruhepause in der 
gewerblichen und 
technischen Ent¬ 
wicklungdesgesam¬ 
ten Buchgewerbes 
gewiß dergeeignete 
Zeitpunkt, einen 
Rückblickzu tunauf 


einen Abschnitt von etwa 50 Jahren Buchdrucker¬ 
geschichte, den wohl der reiche Inhalt der während 
dieser Zeit erschienenen Bände des Archivs darstellt. 

Der im Anschluß an den 50. Jahrgang erschienene 
Band 51 (1914) des Archivs wurde ausschließlich 
dazu bestimmt, das Hauptsächlichste der Internatio¬ 
nalen Ausstellung für Buchgewerbe und Graphik fest¬ 
zuhalten, während die Jahrgänge 1915 und 1916 trotz 
der Kriegslage bereits wieder in altbewährter Reich¬ 
haltigkeit einen erfreulichen Anfang der ferneren Ent¬ 
wicklung und Bedeutung des Blattes bilden. 


Zunächst noch eine kurze Vorausschickung. Wenn 
in den Heften 5 und 6 des vorigen Jahrganges des 
Archivs in der Einleitung der „Das schöne Buch“ 
behandelnden Beilage zutreffend gesagt ist, daß es bis 

etwaEnde des ersten 
Drittels des 19. Jahr- 
Hunderts keine häß- 
liehen Bücher ge - 
geben habe,sondern, 
daß jedes Buch , ob 
wissenschaftlichen 
oder schöngeistigen 
Inhaltes mit der¬ 
selben Sorgfalt aus¬ 
gestattet wurde , so 
läßt sich dieser 
Ausspruch auf die 
Ausstattung der 
Gelegenheitsdruck¬ 
sachen in dem¬ 
selben Zeiträume 
nicht in gleichem 
Maße anwenden, 
denn schon in dem 
1876 erschienenen 
Handbuch derBuch- 
druckerkunst von 
J. H. Bachmann , 
eines langjährigen 
Mitarbeiters am Ar¬ 
chiv, heißt es u. a.: 
„Vor 1840 waren 
die typographischen 
Akzidenzarbeiten so 
primitiverNatur,daß 
von geschickten Ak¬ 
zidenzsetzern noch 
gar nicht die Rede 


Abbildung 2. Verkleinerter (dreifarbiger, blau, rot, gold) Haupt¬ 
titel zum I. Bande (1864) des Archivs für Buchdruckerkunst 


□ igitized by 


PRHMCETON 






ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


sein konnte, weil kein Material vorhanden war, welches 
hätte geschickt verarbeitet werden können. Alle ele¬ 
gant ausgestatteten Drucksachen waren lithographisch 
ausgeführt. Erst vom Jahre 1840 an beginnt der 
Akzidenzsatz bei den Buchdruckern mehr und mehr 
an Interesse zu gewinnen und es gab den Anstoß hier¬ 
zu das von Frankreich herübergekommene Material. 
Was dann von den Gießereien produziert wurde, war 
endlich zu einer so reichen Fülle von Akzidenzsatz¬ 
material geworden, wohlgeeignet, mit der Lithographie 
zu wetteifern und sie in vielen Sachen zu überholen.“ 
In diesem unsicheren und verwirrenden Stande 
des Akzidenzwesens mag Alexander Waldow wohl 
zuerst die Notwendigkeit und Zweckmäßigkeit der 
Gründung eines Fachblattes, das sich die Pflege des 
Geschmacks im Buchdruck zur Aufgabe machte, er¬ 
kannt und die Nützlichkeit eines solchen Unterneh¬ 
mens vorausgesehen haben. Daß er dabei dem ge¬ 
wählten Titel »Archiv für Buchdruckerkunst“ den 
zutreffenden Zusatz „und verwandte Geschäfts¬ 
zweige“ gab, läßt den weiten Blick Waldows für das, 
was dem Buchgewerbe im Ganzen damals fehlte, 
deutlich erkennen. 

Einegediegenetech- 
nische Bildung ver¬ 
einigte sich in ihm 
miteinem feinenGe- 
schmack und Kunst¬ 
sinn, die ihn be¬ 
fähigten, sowohl das 
reinTechnische der 
Buchdruckerkunst 
wie auch die künst¬ 
lerische Seite der¬ 
selben in seltenem 
Maße zu erfassen 
und fortzubilden. Im 
Archiv wollte er sei¬ 
nen Kollegen den 
Weg weisen, der zu 
höheren Zielen 
führte. Daß er dies 
getan, beweist der 
reiche Inhalt der 
unter seinerLeitung 
von 1864 bis 1 SOSer¬ 
schienenen Bände. 

Wenn man nun 
auch hätte vermuten 
können,daß Waldow 
sein Archiv textlich 
nach der Seite des 
Akzidenzgebietes 
ausbauen würde, so 
zeigt sich doch, daß 
das Gegenteil der 


Fall ist. In der richtigen Erkenntnis, daß hier Bei¬ 
spiele und kurze Erklärungen mehr nützen, als wie 
ausführliche theoretische Auseinandersetzungen, ver¬ 
legte Waldow zumeist das, was den Akzidenzsatz 
betraf, in den Beilagenteil des Blattes, dem er seine 
ganz besondere Sorgfalt zuwandte. Reiche Abwechs¬ 
lung in dem Gebotenen, einwandfreie Satz- und 
Druckausführung sowie ein feiner Geschmack waren 
stets die Kennzeichen der Archivbeilagen, die sowohl 
den Akzidenzsetzern wie den Akzidenzdruckern jener 
Zeit als Vorbilder dienten. Durch kurze sachliche Er¬ 
klärung des Werdeganges der Beilagen, ferner durch 
Hinweise auf die Zusammensetzung der Farben, An¬ 
gabe der Bezugsquellen der verwendeten Materialien, 
Schriften und dergleichen, diente er besonders den 
Betrieben, die sich hauptsächlich mit dem Akzidenz¬ 
druck befaßten und bei denen das Archiv zum unent¬ 
behrlichen Fachblatte wurde. Im textlichen Teile des 
Archivs verfolgte Waldow stets das Ziel der Gründ¬ 
lichkeit und der Gemeinverständlichkeit. Er gewann 
mit großem Geschick die tüchtigsten Fachmänner 
ihrer Zeit zu seinen ständigen Mitarbeitern, die ihm die 

zahlreichen Sonder¬ 
gebiete des Buch¬ 
gewerbes bearbei¬ 
teten und zwar in 
vielen den jewei¬ 
ligen Stoff erschöp¬ 
fenden, heute noch 
lesenswerten und 
lehrreichen Abhand¬ 
lungen. 

Neben dem rein 
Technischen und 
Künstlerischen des 
Buchgewerbes 
wurde auch der Ge¬ 
schichte desselben 
ein weiter Raum ge¬ 
währt und daneben 
in den ersten25Jahr- 
gängen allgemeinen 
gewerblichen und 
oft wirtschaftlichen 
Fragen gebührende 
Behandlung zuteil. 
Dem Buchgewerbe 
des Auslandes 
wurde von Anfang 
an große Aufmerk¬ 
samkeit zugewandt 
und von eigenen Be¬ 
richterstattern die 
bemerkenswertesten 
Vorgänge undNeue- 
rungen verzeichnet. 

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Abbildung 3. Verkleinerter (dreifarbiger, braun, gold,Ton) Haupt¬ 
titel zum II. Bande (1865) des Archivs für Buchdruckerkunst 


59 


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PRfNCETON UNIVERSITY 




ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


In Richtung und Schreibweise befleißigte sich das 
Archiv stets größter Sachlichkeit und selbst da, wo 
es zu kritischen Auseinandersetzungen in ihm kam, 
vermied der Herausgeber das Aufkommen jedweder 
gehässigen oder verletzenden Tonart. 

Obgleich der Begründer des Archivs nicht nur ein 
tüchtiger Fachmann war, sondern sich auch zum 
klug rechnenden Geschäftsmann entwickelte und als 
solcher mit allen graphischen Lieferantenfirmen Ver¬ 
bindung hatte, verstand er es dem Archiv die Unab¬ 
hängigkeit zu bewahren, die es heute noch aus¬ 
zeichnet. Sachliche Kritiken gewerblicher Vorgänge 
und Erscheinungen sind infolgedessen in den ver¬ 
schiedenen Jahrgängen nichts Seltenes, während sich 
Erfinder und Verbraucher häufig genug des Urteils 
des Archivs als das eines erfahrenen und zuverläs¬ 
sigen Ratgebers bedienten. 

Als im Jahre 1898 das Archiv in den Besitz des 
Deutschen Buchgewerbevereins , dessen Organ es seit¬ 
dem ist, überging und zugleich der von Waldow ge¬ 
wählte Titel Archiv für Buchdruckerkunst und ver¬ 
wandte Geschäftszweige die vereinfachte,aberebenso 
zutreffende Bezeichnung Archiv für Buchgewerbe er¬ 
hielt, änderte sich an der von Waldow eingeschla¬ 
genen Richtung nicht allzuviel, abgesehen von der 
gänzlichen Ausschaltung der Reklame aus dem text¬ 
lichen und Beilagenteile. Hierdurch wurde die Un¬ 
abhängigkeit des Blattes eine noch vollständigere. 
Der Inhalt selbst fand von diesem Zeitpunkt an be¬ 
deutende Erweiterung, ebenso wurde die Gesamt¬ 
ausstattung des Archivs den in dieser Zeit aufkom¬ 
menden neuen Grundsätzen der Buchkunst angepaßt. 
Die Jahrgänge von 1864 an bilden inhaltlich sowohl 
wie in bezug auf Illustrationen und Beilagen ein 
wirkliches Archiv des Buchgewerbes, in das alles 
Wichtige, was die Geschichte und die Technik des 
letzteren sowie die Buchkunst anbetrifft, zusammen¬ 
getragen wurde. 

Es ist nun keineswegs beabsichtigt, im nach¬ 
stehenden eine trockene Aufzählung des in den 
50 Bänden enthaltenen Stoffes zu geben, es soll viel¬ 
mehr durch kurze Betrachtung des Hauptinhaltes der 
50 Bände und die Erwähnung von interessanten 
Einzelheiten aus den letzteren versucht werden zu 
zeigen, inwieweit das Archiv zu seinem Teile an der 
Weiterentwicklung der Technik und des Geschmacks 
im Buchgewerbe und seiner einzelnen Gebiete durch 
Wort und Beispiel beigetragen hat. Wenn dabei hier 
und da das Neuere mit dem Älteren in Vergleich ge¬ 
zogen wird, so dürfte dies nur den Wert dieser Ab¬ 
handlung vergrößern. Bemerkenswerte Beispiele und 
Abbildungen aus den Jahrgängen werden sicherlich 
das Interesse der Leser finden und für sich sprechen. 

Die jahrgangweise Behandlung des Gesamtstoffes 
erschien als die zweckmäßigste und es läßt sich eine 
zeitliche Gliederung desselben allenfalls wie folgt 


andeuten: Die Zeit von 1864 bis 1875 gilt als die 
einer im Buchgewerbe allgemein einsetzenden, tech¬ 
nischen und geschäftlichen Entwicklung, die dem 
Loslösen vom Allzuhandwerklichen entspricht, in der 
auch die Erkenntnis für die Notwendigkeit tech¬ 
nischen Fortschreitens sowie das Schritthalten mit 
dem Auslande Platz greift. Die Jahre 1876 bis 1885 
können als diejenigen gelten, in denen die fortschritt¬ 
lichen Strömungen im Kunstgewerbe in einer nicht 
immer günstigen Weise auf das Buchgewerbe ein¬ 
wirkten. Die sich anschließende Zeit 1886 bis 1898 
bewegt sich gewissermaßen im Zeichen eines allge¬ 
meinen Gärens, die ihren Höhepunkt im glücklich 
überwundenen Jugendstil fand und die heute als eine 
weniger rühmliche in der Entwicklung des Buch¬ 
gewerbes gilt. Den Schluß bildet endlich etwa die 
Zeit 1899 bis zur Jetztzeit, das heißt der Abschnitt, in 
dem das Buchgewerbe wieder auf einen erfreulich 
hohen künstlerischen Stand angekommen ist. 

Wie ich bereits erwähnte, hat der Herausgeber des 
Archivs den Hauptraum seines Blattes stets seinen 
Mitarbeitern, die er aus den verschiedensten Zweigen 
des Buchgewerbes gewann, überlassen, während er 
selbst den rein technischen Teil und den Kleinstoff 
des Blattes bearbeitete. Hieraus ergab sich die durch 
viele Bände beibehaltene Gepflogenheit der Aufnahme 
einer oder gar zweier Hauptabhandlungen, die sich 
auf den ganzen Jahrgang erstreckten. Es wird immer 
wieder betont, daß der für das Archiv festgestellte Plan, 
ganz ausführliche, jedem genügende Abhandlungen zu 
bringen, festgehalten werden müsse. Es entstanden 
auf diese Weise zahlreiche Monographien einzelner 
Gebiete des Buchgewerbes, die, inBuchform gedruckt, 
lange Jahre die allgemein gekaufte, fast ausschlie߬ 
liche Fachliteratur bildeten. Der Gedanke,'solche 
grundlegenden Hauptartikel als Monographienin Buch¬ 
form zu veröffentlichen, wurde vom Deutschen Buch¬ 
gewerbeverein wieder aufgegriflfen und bis in die 
neueste Zeit mit gutem Erfolge fortgesetzt 1 . 

1 Es erschienen bisher folgende neuere Monographien 
des Buchgewerbes: 

Band I: Kirschmann, Dr.A., Antiqua oder Fraktur? 

„ II: Goldberg, Dr.E., Farbenphotographie und Farben¬ 
druck 

„ III: Helhvig, Wilh., Der Satz chemischer und mathe¬ 
matischer Formeln 

„ IV: Bammes, Reinh., Der Titelsatz, seine Entwicklung 
und seine Grundsätze 

„ V: Wolff, Dr.Hans, Die Buchornamentik im XV. und 
XVI. Jahrhundert 

„ VI: Stübe, Dr. R., Beiträge zur Entwicklungsgeschichte 
der Schrift 

„ VII: Spitzenpfeil, L.R., Die Grundformen neuzeitlicher 
Druckschriften 

„VIII: Hoffmeister, H., Die Entstehung einer Schrift 

„ IX: Possannerv.Ehrenthal,Dr.B.,DiePapierfabrikation 

„ X: Clauß, Hermann, Die Schwabacher Schrift in Ver¬ 
gangenheit und Gegenwart. 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE: 


Ich komme nun auf die Jahrgänge des Archivs selbst 
bzw. auf deren Inhalt zu, um in bunter Folge, jedoch 
unter möglichster stofflicher Zusammenziehung das 
Bemerkenswerteste herauszugreifen und zu einem 
kurzgefaßten Ganzen zusammenzustellen. 

Eine für die damalige Zeit besonders charak¬ 
teristische und interessante Abhandlung be- 


1864 



trifft die künstlerischen Anforderungen , die an den 
Buchdrucker zu stellen sind. Der Verfasser ist der 
Ansicht, daß man bald nach der Erfindung die außer¬ 
ordentliche Bedeutsamkeit des Buchdrucks erkannt 
habe und die Erfindung in der für sie besonders 
günstigen Zeit bald als Kunst würdigte. Daß die Buch¬ 
druckerkunst stets bemüht gewesen wäre, ihrem Titel 
Ehre zu machen, könne indessen nicht behauptet 
werden. Die Nützlichkeit als Buchdrucker sei bald 
wichtiger geworden als seinekünstlerische Bedeutsam¬ 
keit, und um für alle Schichten des 
Volkes heilbringend zu sein, machte 
sich selbst eine ganz außerordent¬ 
liche Billigkeit in seinen Erzeug¬ 
nissen notwendig. Alles dies zuge¬ 
geben, müsse aber doch verlangt 
werden, daß die Grundregeln der 
Schönheit, Harmonie und Wahrheit 
Beachtungfindend oder Buchdruck 
sich von andern Handwerken den 
Rang habe ablaufen lassen, müsse er 
den Beistand der Kunst und Wissen¬ 
schaften suchen und annehmen. Der 
Verfasser wendet sich dann gegen 
die Schriftgießereien, die sozusagen 
planlos arbeiten, und verlangt, daß 
in jeder Schriftgießerei ein befähigter 
akademisch gebildeter Zeichner zu 
Rate gezogen wird, wenn Vignetten , ^ 

Einfassungen und Schriften ent¬ 
worfen werden sollen . Den Akzidenz¬ 
setzern gibt er den Rat, sich zur 
Vermeidung von Unschönheiten mit 
den Grundregeln der Symmetrie, der 
Zeichenkunst und derschönenKünste 
einigermaßen bekannt zu machen 
und ihren Geschmack auszubilden , 
am besten schon beim Schulunter¬ 
richt. DerVerfasser tadelt ferner die 
große Figurenzahl bei Einfassungen 
und hält 30 Figuren als die zulässige 
Höchstzahl, bestehe das so vielfach 
zusammensetzbare Alphabet doch 
nur aus 25 Buchstaben! Hier müsse 
sich eben auch die Schriftgießerei 
als vorarbeitender Zweig des Buch¬ 
druckes von der Zeichenkunst durch 
Rat und Tat unterstützen lassen, da- 


lerischen Anforderungen besser und leichter zu ent¬ 
sprechen in den Stand gesetzt werde . 

Was der Verfasser von der Steigerung des künst- 
lerischenVerständnissesbeim Buchdrucker wünschte, 
hat sich im Laufe der letzten 25 Jahre nicht allein durch 
die allerorten gepflegten Fortbildungsbestrebungen, 
sondern auch durch die Bemühungen der graphischen 
Fachschulen, die typographischen Gesellschaften, die 
Fachpresse u.a.m. in vollstem Maße erfüllt. Dasselbe 
trifftzuaufdieSchriftgießereien,diewohlheutefastohne 
Ausnahme künstlerische Kräfte in Anspruch nehmen. 

Das weite Gebiet der Sprachen, das der deutschen 
wie der fremden findet schon in den ersten Bänden 
des Archivs Behandlung. Die erste Arbeit dieser Art 
ist eine von Theodor Goebel in Riga über den Satz des 
Englischen. Der Verfasser sagt mit Recht, daß man 
in den meisten Handbüchern der Buchdruckerkunst 




ZIKBSCHBIFTE1T. 


Mo. TM. Corp« 10. Mia. 3 PM., pr. PM PL t Mo TM. Oorpo 12. Mio 4 PM. pr. PM. Ml.«*. 

WEHMHNI WMWXSl &&IP2 SfTSftilS 

Mo TM. Corpo II Mio. t PM. pr. PM. Fl. 1. 30. 

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Mo. 7*1. Corp» 34. Ml*. • PM. pr. PM. Fl. I. 30. 


i. 7M. Corpo 3«. MM. I PM. pr. PM. t. M. 


No. 71*. Corpo .*«. MM. • PM.. pr. PM. Fl 1. 13. 


No. 777. Cor|w 34. Mia. • PM., pr. PM. Fl. 1. SO. 


«»»@ mm 3 Mim 


Ne. 720. Corpo 11 Mio. 3 PM.. pr. PM. Fl. I. 30. 


No. T». Corp« 17. Min. 4 PO, pr. PM. Fl 1. 41 

um SS rafttMtölQ M MM 

No 031 Corp« 13. Mio. I oder 13 PU , pr. PM. Fl 1.30. 


No. TSI. Corp« «. Mia. 3 PM., pr. PM. FL 3 30. 

ft STOMA WM ISKtfl mm 

No. 041. Corp« 1t. Mia. • odrr 13 PM., pr. PM. Fl. I. «3. 

Krausenstrasse 38 BERLIN IMofs-Platz 


Dresler’sclie Gicsserei, F. Flinsch in Frankfurt a. M. 




mit die Buchdruckerkunst den künst- Abbildung 4. Verkleinerte Schriftprobenseite aus dem II. Bande (1865) des Arcbiva für Buchdruckerkunst 


61 


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PRINCETON UNtVERSiTY 




ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


die einfachsten Dinge eingehend behandelt findet , aber 
vergeblich nach Anleitungen zum Satz fremder Sprachen 
sucht , obgleich diese viel wichtiger seien. Es wird dann 
in eingehender Weise der Satz des Englischen erklärt 
und die von großer Sachkenntnis getragene Abhand¬ 
lung später als Buch herausgegeben. 

Im Laufe der letzten Jahre hat sich erfreulicher¬ 
weise wieder eine ganze Anzahl von Fachgenossen 
der fachtechnischen BehandlungdesSprachengebietes 
zugewandt und die neueren Bände des Archivs sind 
besonders reich an solchen Abhandlungen. 

In einer den ersten Band eröffnenden Abhandlung 
von ]. H . Bachmann über den Musiknotensatz wird 


steht in keiner Beziehung zum Normalsystem. Ver¬ 
schiedene Gießereien liefern heute Notentypen auf 
Normalkegel, im allgemeinen ist aber die Gliederung 
des Notentypenmaterials die gleiche geblieben, wie 
sie das Archiv damals vorführte. 

Das Pariser Punktsystem wird in einem Artikel be¬ 
reits berührt und festgestellt, daß dasselbe in Deutsch - 
land schon wieder verdorben sei . Damals eingeforderte 
Zurichtungen aus verschiedenen Ländern zeigten auch 
ganz erhebliche Unterschiede, alle wurden aber als 
das vermeintliche Pariser System bezeichnet. Um zu 
vermeiden, daß es in Deutschland nicht ebensoviel 
französische als wie deutsche Systeme gebe, sollen 


Antiqua und Kursiv alten Schnitts Nr. 12 von Wilhelm Gronau, Berlin 


Antlrfu* pr. 100 I»fd, 36 Thlr. Kleine CIceiH). Curslv pr. 100 Pfd. 38 Thlr. 

Quousque tandem abutere, Catilina, patientia noftra? 
quamdiü nos etiam furor ifte tuus eludet ? quem ad finem 
sese effrenata ja&abit audacia? nihilne te no&urnum 
12345 ABCDEFGHIJKLM 67890 
Quousque tandem abutere , Catilina , patientia noßra? quamdiu 

Antlqn pr. 100 Pfd. M Thlr. Kittel. Cunlr pr. 100 Pfd. 26 Thlr. 

Quousque tandem abutere, Catilina, patientia 
noftra? quamdiu nos etiam furor ifte tuus 
12345 ABCDEFGHIJ 67890 
Quousque tandem abutere, Catilina , patientia 


Antiqua pr. 100 Pfd. 36 Thlr. Grobe ClCePO. Curilr pr. 100 Pfd. 38 Thlr. 

Quousque tandem abutere, Catilina, patientia nos- 
tra? quamdiu nos etiam furor ifte tuus eludet? 
quem ad finem sese effrenata ja&abit audacia? ni- 
12345 ABCDEFGHIJK 67890 
Quousque tandem abutere , Catilina , patientia noßra? 

Min. 25 Pfd. Terti». Pfd. 16 gCr. 

Quousque tandem abutere, Catilina, 
patientia noftra? quamdiu nos etiam 
12-3 45 ABC DE F G H 67890 
Quousque tandem abutere , Catilina , pat 


Min. 25 Pfd. Text. Pf 1. IC gGr. 

INDEX ANSICHT VON DRESDEN AMEN 
Reichhaltige Auswahl von claffifchen und neuerten Tonwerken 

Abbildung 5. Teil einer Schriftprobenseite aus dem I. Bande (1864) des Archivs fQr Buchdruckerkunst 


über die Vernachlässigung dieses wichtigen Gebietes 
der Satzkunst hingewiesen und bemerkt, daß Dr. Hein¬ 
rich Meyer in Braunschweig (+ 1863) bereits die Not¬ 
wendigkeit eines Leitfadens zum Musiknotensatz er¬ 
kannt habe, da seit Breitkopfs Bemühungen um die 
Verbesserung des Notendruckes vermittels gegos¬ 
sener Typen so gut wie nichts mehr geschehen war. 
Einer eingehenden Schilderung der Geschichte des 
Notensatzes folgt eine bis ins Kleinste bearbeitete 
AnleitungzumMusiknotensatz. Die darin vorkommen¬ 
den zahlreichen Beispiele sind aus den sogenannten 
Schelterschen Notentypen gesetzt, deren Matrizen 
sich heute im Besitze der Firmen Julius Klinkhardt in 
Leipzig, die Anfang der siebziger Jahre die Scheltersche 
Gießerei erwarb, sowie der Firma J. G. Scheiter & 
Giesecke, die auch die Stempel besitzt, befinden.Dieses 
Notenmaterial ist das verbreitetste, es ist auf den so¬ 
genannten Leipziger Kegel (Notenkegel) gegossen und 


sich die deutschen Schriftgießereien über ein gleich¬ 
mäßig greifbares Maß verständigen. Die Schaffung 
eines Urmaßes für Kegel und Höhe wird als das Er¬ 
strebenswerte hingestellt. 

Dürfen wir wohl heufe sagen, daß der Normalkegel 
allgemein eingeführt ist, so hat es hinsichtlich der 
Normalhöhe lange bedurft, bis es zur Festlegung des 
schon vor 50 Jahren angeregten Urmaßes kam, näm¬ 
lich der vor einer Reihe von Jahren durch den Verein 
Deutscher Schriftgießereien erfolgten Festlegung der 
Normalhöhe auf 62 2 / 3 typographische Punkte. Trotz¬ 
dem während der Dauer des WeltkriegesmancheBuch- 
druckerei durch Umguß oder durch Abhobeln des 
Schriftenmaterials zur Normalhöhe überging, sind wir 
leider in Deutschland noch weit entfernt von dem Ziele 
einer Einheitlichkeit in Kegel und Höhe. 

Die Schriftprobenschau ist wie in den späteren Jahr¬ 
gängen des Archivs auch schon in den ersten Bänden 


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PRINCETON UNIVERSiTY 



ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


eine interessante Übersicht fast aller Schöpfungen der 
deutschen Schriftgießereien. Nicht nur, daß eine Auf¬ 
zählung der Neuheiten erfolgt, es wird auch gegen das 
Aufkommen zweckwidriger Erzeugnisse Stellung ge¬ 
nommen. Wie sich aber die Anschauungen zu wandeln 
vermögen, beweist folgende Notiz: Die alten Antiqua- 
und Kursivschriften, die wohl bisher jeder Buchdrucker 
der Jetztzeit , kam ihm irgendein vergilbtes Blatt Maku¬ 
latur oder ein mit denselben gedrucktes Buch in die 
Hände , lächelnd betrachtete und dabei gewiß dachte: 
es ist doch ein kurioser Schnitt , da sind sie wieder, 
die alten Schriften, man bietet sie uns jetzt als etwas 
ganz Neues , Modernes. Wie manche Gießerei, besonders 
in Frankreich und England mag vor nicht allzu langer 
Zeit die Stempel und Matrizen dieser Schriften als 
altes Metall verkauft haben und stellt sie nun wieder 
mit bedeutenden Kosten her. Die Verleger sind ordent¬ 
lich erpicht , ihre Werke wieder mit diesen Lettern 
drucken zu lassen und wir sahen sie in letzter Zeit zu 
wahrhaften Prachtwerken verwendet. Die Schriften, 
die zu dieser Äußerung Anlaß gaben, sind die um diese 
Zeit wieder aufkommenden romanischen und Mediäval¬ 
schriften, wie sie zuerst Wilhelm Gronau in Berlin 
unter dem Namen Antiqua und Kursiv alten Schnittes 
1864 im Archiv veröffentlichte (siehe Abbildung 5). 

Diese Auslassung trifft auffallend auch auf die Jetzt¬ 
zeit zu, in der auch eine ganz besondere Vorliebe für 
alte gute Schriftschnitte herrscht und die Verleger im 
wahren Sinne des Wortes erpicht darauf sind, ihre 
Verlagswerke damit herstellen zu lassen: die Unger-, 
Breitkopf-und Didot-Schriften sind treffende Beweise 
für das Gesagte. 

Über das Oxydieren der Lettern finden schon in dem 
ersten Bande des Archivs Auseinandersetzungen statt, 
die in nichts abweichen von denen, die sich jahrzehnte¬ 
lang bis auf heute in der Fachpresse fortgesetzt haben. 
Es wird behauptet, daß bei Lettern aus dem früher 
beim Handguß verwendeten Eisenmetall seltener Oxyd 
auftrat, als wie bei der zunehjnenden Verwendung 
von Antimonialblei, das den Krankheitsstoff (Sauer¬ 
stoff) bereits in sich trage. Diese Notiz und viele 
spätere beweisen, daß das Oxydieren ein Erbübel im 
Buchdruck bleiben wird, denn auch heute noch gibt 
es gegen die Oxydation der Lettern kein Mittel. 

In bezug auf die Stereotypie nahm das Archiv da¬ 
mals die Stellung ein, daß die Stanhopesche (Versenk-) 
Methode, die Daul6sche Löffelgußmanier sowie die 
Papierstereotypie friedlich nebeneinander angewandt 
werden sollten, da jede ihren Zweck erfülle. Die Zeit hat 
indessen die Papierstereotypie zur Alleinherrscherin 
werden lassen. Das Archiv hat den Fortschritten der 
Stereotypie stets weiteste Beachtung geschenkt, was 
sich an andrer Stelle zeigen wird. 

Eine äußerst gründliche, reich illustrierte Abhand¬ 
lung des Schnellpressenbauers Andr. Eisenmann be¬ 
titelt sich Die Schnellpresse , ihre Konstruktion, Zu¬ 


sammenstellung und Behandlung. Eigenartig ist das 
einleitende offene Bekenntnis des Verfassers, daß er 
wohl gut mit Hammer, Meißel und Feile , aber weniger 
gut mit der Feder umzugehen weiß und den Leser bittet, 
man möge in bezug auf Stil usw. keinen zu hohen 
Maßstab an die Arbeit legen. Auch hier wird wie bei 
fast allen Abhandlungen eine kurze Geschichte der 
Erfindung der Schnellpresse vorangestellt und dabei 
die bis dahin bekannten Schnellpressen bereits in 
sechs Klassen eingeteilt, nämlich: 

a) die einfache mit einem Druckzylinder und einer 
Form; 

b) die doppelte mit zwei Druckzylindern und einer 
Form; 

c) die doppelte mit einem’Druckzylinder und zwei 
Formen nebeneinander; 

d) die Komplettmaschine mit zwei Druckzylindern 
und zwei Formen hintereinander; 

e) die vierfache mit zwei Druckzylindern und einer 
Form; 

f) die sechsfache mit drei Druckzylindern und einer 
Form. 

Die Druckgrößen der Pressen gliedert der Verfasser 
in neun Größen, die sich von 15,5" bis 19,5" (Nr. l) 
und 26,5" bis 39" (Nr. 9) badischen Maßes bewegen. 
Für den Guß der Walzen wird eine Mischung von fünf 
Teilen Leim und sieben Teilen Sirup empfohlen. In 
seiner ausführlichen Schilderung der Vorbedingungen 
für die richtige Konstruktion einer Schnellpresse macht 
dem Verfasser eine auch heute noch vielverbreitete 
Gepflogenheit Sorge, denn er klagt mit Recht: es muß 
einem wehe tun , wenn man sieht , wie so mancher 
Karren, der viel Mähe und Arbeit gekostet hat, nach 
kurzer Zeit schon ruiniert ist , durch Auf- und Zukeilen 
der Formen mit eisernen Hämmern; ganze Tüllen kann 
man im Fundament und Rahmen finden, welche so 
leichtfertigerweise eingehackt sind, daß es einem da¬ 
vor grausen möchte. Ein Blick auf solches Fundament 
gibt dem Prinzipal sogleich das höhere Urteil über die 
Befähigung des Dirigenten der Maschine. Nachdem 
der Verfasser alle Einzelheiten des Maschinenbaues 
erklärt, ebenso alle Teile der verschiedenen Schnell¬ 
pressensysteme durchgesprochen hat, setzt er einen 
hauptsächlich für Maschinenmeister bestimmten Rat¬ 
geber und Helfer bei verschiedenen Vorkommnissen 
an der Schnellpresse an den Schluß seiner Abhand¬ 
lung. Er wünscht u. a. darin, daß der Maschinen¬ 
meister soviel technische Kenntnisse besitzt , daß er 
seine Maschine richtig abschlagen und fehlerfrei wieder 
aufstellen kann , denn dies gehöre zu seinem Fache. 

Der Verfasser weist ferner auf die Notwendigkeit 
der technischen Fortbildung hin und bemerkt, daß viele 
Maschinenmeister es nicht für nötig finden, andern 
von ihrem Können etwas mitzuteilen, daß die Buch¬ 
drucker aber bereits begonnen haben, Fortbildungs¬ 
vereine unter sich zu gründen, durch die manches 


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PRINCETON UNtVERSITY 



ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


besser werden dürfte; da die Theorie jedoch nicht 
allein ausreiche, sondern die Praxis die Hauptsache 
sei, so müßten die Vereine dahin zu gelangen ver¬ 
suchen, daß ihnen seitens einer Buchdruckerei für 
einen Abend der Woche oder für den Sonntag eine 
Maschine zur Verfügung gestellt wird. — Er beklagt 
den Mangel guter Maschinenmeister und befürwortet 
die Gründung einer Maschinenmeisterschule , die 
später in Leipzig auch tatsächlich zustande kommt. 

Der Inhalt der die praktischen Erfahrungen eines 
Fachmanns vonaltem Schrotund Korn wiedergebenden 
Abhandlung ist selbst für heutige Verhältnisse außer¬ 
ordentlich interessant; sie zeigt, daß aber auch die 
Nöte der damaligen Buchdruckereien und Maschinen¬ 
bauer in vieler Hinsicht schon die gleichen waren, 
wie die der jetzigen. 

Eine Angelegenheit, die das Archiv und das Druck¬ 
gewerbe Mitte der sechziger Jahre bereits lebhaft be- 



Abblldungß. Dampfmotor. Aus dem I. Bande 
(1864) des Archivs für Buchdruckerkunst 


schäftigte, ist die der Antriebskraft für Maschinen. 
Ein neuer Dampfmotor (siehe Abbildung 6) des Tech¬ 
nikers C. A. Grosser , gebaut von 0. Schuchardt in 
Leipzig, war die hervortretendste Neuerung dieser Art 
und kein Geringerer als wie C. B. Lorck in Leipzig 
hatte es übernommen, in seiner damaligen Druckerei 
(jetzt W. Drugulin ), den für niedrigen Druck berech¬ 
neten Dampfmotor für den Einzelantrieb an drei 
Schnellpressen und einem Satinierwerk zu erproben. 
Der erforderliche Dampf wurde in kleineren Anlagen 
durch abseits stehende Kanonenöfen erzeugt. Der 
Motor wirkte direkt auf das Schwungrad, wodurch der 
überall noch bis Mitte der achtziger Jahre übliche 
Raddreher in Wegfall kam. C. B. Lorck spricht sich 
im Archiv etwa wie folgt über die Neuerung, die ihn 
viel Geld gekostet hat, aus: Das Prinzip des Motors 
ist gut, die Vermeidung der Transmissionen sehr an - 
genehm, derVorteil, jede Maschine ohne auch die andern 
schnell oder langsam gehen zu lassen , sehr beachtens¬ 
wert und der Dampfverbrauch ein sehr geringer. Als 


Sündenbock für den ersten Versuch habe ich allerdings 
mit verschiedenen Obeiständen zu kämpfen gehabt. 
Es ist gewiß interessant, daß das, was man schon vor 
50 Jahren für erstrebenswert hielt, erst in der Neu¬ 
zeit allgemeiner durch die Aufstellung von Einzel¬ 
elektromotoren zur Ausführung kommt. 

Die Frage der Anbringung von Selbstauslegern an 
Schnellpressen hat das Archiv häufig beschäftigt und 
es gibt der Herausgeber seine Ansicht dahin kund, 
daß dort , wo nur Akzidenzen auf Schnellpressen ge¬ 
druckt werden, der Selbstausleger nur mit Nachteil 
angewendet werden kann , wohingegen da, wo ein 
Drucker zwei Maschinen zu bedienenhabe,der Ausleger 
sich ebenso gut bewähre y wie in Zeitungsdruckereien. 
Bemerkenswert bleibt, daß, obgleich bereits 1864 sechs 
Schnellpressenfabriken Schnellpressen mit Selbst¬ 
auslegern versahen, nicht nur im Auslande, besonders 
in Frankreich, sondern auch in Leipziger Buchdruk- 
kereien bis vor wenigen Jahren noch Schnellpressen 
ohne Selbstausleger im Betrieb gehalten wurden. Das 
von jeher verfolgte Ziel der Ersparung einer Arbeits¬ 
kraft am Auslegetisch ist freilich niemals erreicht 
worden, und es trifft auch heute noch der im Archiv 
enthaltene Ausspruch eines alten Buchdruckers zu, 
der da lautet: Der Selbstausleger kann nicht sprechen: 
ein Spieß oder dergleichen kommt. Der schnelle Gang 
unsrer heutigen Schnellpressen bedingt trotz Selbst¬ 
ausleger auch noch die aufmerksame Auslegerin, 
auf die allerdings häufig genug der Ausspruch des 
Maschinenbauers Eisenmann: ich habe auch schon 
viele Ausleger gekannt , die sprechen konnten , aber 
nicht gesehen haben , Anwendung finden kann. 

Gegen die hohen Preise für Schnellpressen eiferte 
bereits zur damaligen Zeit ein Mitarbeiter des Archivs 
und befürwortet den Bau kleinerer Pressen, damit 
auch Drucker mittlerer Provinzialblätter dieselben 
anstatt auf der Handpresse auf der Schnellpresse her¬ 
steilen können. Die Folge ist, daß zunächst kleine 
Tischfärbemaschinenj wie sieneuerdings wieder selbst 
von großen Betrieben gekauft werden, Aufstellung 
fanden. 

Unter Hinweis auf den großen Nutzen, den die da¬ 
mals begründeten Farbenfabriken trotz aller Vor¬ 
urteile, die man gegen sie gehabt hat, gefunden haben, 
wird die Gründung der ersten Buchdruckwalzeri- 
gießerei durch die Firma C. B. Bachmann in Leipzig 
bekannt gegeben. Der im Archiv abgedruckte Frage¬ 
bogen für die Besteller weist dieselben Punkte auf, 
die auch heute noch für den Walzenguß in Betracht 
kommen. Bald darauf wird auf die Wichtigkeit des 
Glyzerins für die Walzenbereitung hingewiesen. 

Als Vorläufer des heutigen Kunstdruckpapieres be¬ 
gegnet uns 1864 bereits der Glacekarton und das 
Glacipapier , die jahrzehntelang der Stolz und zugleich 
das Schmerzenskind der Buchdrucker gewesen sind. 
Der Herausgeber des Archivs erblickte am meisten 


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Abb. 8. Illuftration in Zinkätjung. Aus dem II. Bande (1865) des Archivs für Buchdruckerkunft 



Abbil. 9. Drudkprobe von einem Guttapercha-Klifchee 
Aus dem II. Bande (1865) des Archivs für Buchdruckerkunft 


Beilage 


zum Archiv für 

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Zu der Abhandlung: Ein Streifzug durch 50 Jahrgänge des Archivs für Buchgewerbe 

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PRIINCETON UNIVERSITY 



























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PRINCETON UNIVERS1TY 




Se« Sonntag« geierflänge laben 
Sie groinmen 311 m ©ebete ein; 

9lud) id) f bn em’ger ©ott ber ©naben, 
Söill beut' ein frommer 93eter fein; 

9?id)t, mo ber ©laubigen ©emimmel 
Se« Some« enger SRaum umgrenzt, 

9?ein, ^ier, mo rein unb blau ber Fimmel 
!>od) über mir al« Kuppel glänzt. 

911« ®inb fdjon mar oor allen anbern 
Sftir biefer Sag fo lieb, fo fd)ön; 

Sa fab id) ©otte« ©ngel manbetn, 

Unb ©ott felbft burd) bie gluren ge^n; 


Probe eines im IV. Bande (1867) des Archivs fiir Buchdruckerkunft befdiriebenen Illuftrationsverfahrens (Graphotypie) 

Zugleich Probe einer Buchfeite 


Beilage zum Archiv für Buchgewerbe 

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Zu der Abhandlung: Ein Streifzug durch 50 Jahrgänge des Archivs für Buchgewerbe 

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PRIiNCETON UNIVERSUM 
























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Satjbeifpiel aus dem VIII. Bande (1871) des Archivs fiir Buchdruckerkunft 



Satjbeifpiel aus dem VII. Bande (1870) des Archivs für Buchdruckerkunft 


Beilage zum Archiv für_ I^uchgewerb 


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Zu der Abhandlung: Ein Streifzug durch 50 Jahrgänge des Archivs für Buchgewerbe 

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Verkleinerte Probefeite aus der im II. Bande (1865) des Archivs für Budidruckerkunft erwähnten Meffinglinienprobe 
Zugleich Beifpiel für den später aufkommenden Linienfatj 


Beilage zum Archiv für Budigewerbe 

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Zu der Abhandlung: Ein Streifzug durch 50 Jahrgänge des Archivs für Buchgewerbe 

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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Bis 1865 soll die eiserne Handpresse in etwa 
zwanzig verschiedenen Bauarten verbreitet gewesen 
sein. Der Verfasser beschreibt die verschiedenen 
Systeme und Teile der Pressen, die in kleineren und 
mittleren Betrieben noch sehr verbreitet waren und 
selbst bis in die achtziger Jahre des 19. Jahrhunderts, 
ja selbst heute noch für die Herstellung ganz guter 
Akzidenzarbeiten ein gutes Druckinstrument sind. 
Er erklärt sodann alle Vorbereitungen zum Druck so¬ 
wie die technischen Einzelvorgänge desselben. Be¬ 
merkenswert ist u. a. die aufgestellte Regel, daß beim 
erfolgenden Druck die Typen fast nur an ihrer Ober¬ 
fläche vom Papier berührt werden dürfen, so daß nur 
eine kaum bemerkbare Schattierung eintritt. Im far- 
bigen Bilderdruck traut der Verfasser dem Buchdrucker 
ebenso wie der Lithographie nicht viel zu, er sagt: 
Der Geist, welcher den Pinsel des Malers führt, will 
frei sein und läßt sich in keine Druckpresse bannen 
und darum werden die Leistungen der letzteren in 
diesem Fache auch niemals zu einer künstlerischen 
Vollendunggelangen,der schaffende Geist des Künstlers 
allein vermag den Farben Leben und Poesie einzu¬ 
hauchen . Als hervortretendste Farbendrucker erwähnt 
der Verfasser mit Recht Silbermann in Straßburg, 
Hirschfeld in Leipzig, Dupont in Paris, welch letzterer 
das bekannte Derrieysche Probenalbum gedruckt habe. 

Eine besonders eingehende Behandlung erfahren 
die bunten Farben und deren chemische Eigenheiten. 
In bezug auf das Rot stellt der Verfasser den Grund¬ 
satz auf, daß der Zinnober für den typographischen 
Farbendruck das Universalrot sei, denn durch seine 
Beimischung zu anderm Rot erhielten diese erst ihre 
volle Druckfähigkeit . Die verschiedenen Druckarten 
werden auch behandelt, wobei der in der ersten Hälfte 
des 19. Jahrhunderts aufgekommene und beim Wert¬ 
papierdruck auch im Auslande vielfach angewandte 
Congrtvedruck schon als überwunden bezeichnet wird 1 . 

Den Schluß dieser interessanten Abhandlung bildet 
eine Besprechung der geeignetsten Formenwasch¬ 
mittel, auf die übrigens in Er- 
mangelungsolchervon ätherischer 
Beschaffenheit in der jetzigen 
Kriegszeit wieder zurückgegriflfen 
werden muß, nämlich auf das Was¬ 
serglas, die kaustische Lauge, die 
Holzasche und die Soda (kohlen¬ 
saures Natron). 

Fragen wir, welche Rolle der 
Handpresse heute noch zufällt, so 
müssen wir allerdings gestehen, 
daß sie fast ausschließlich nur ein 

1 EineCongrdvedruck-Schnellpresse 
aus demBesitze derHaenelschenBuch- 
druckerei in Magdeburg befindet sich 
in den technischen Sammlungen des 
Deutschen Buchgewerbevereins. 


korrekturabziehendes Instrument ist. Daß mit ihrer 
Beseitigung aus den Druckräumen leider auch das 
Verschwinden der guten alten Drucker zu beklagen 
ist, wird niemand bestreiten, es haben trotz aller 
technischen Vervollkommnungen und Fortschritte 
nur wenige Fachgenossen deren Können als Erbteil 
übernommen. 

Von besonderem Interesse ist in diesem Bande 
des Archivs eine Aussprache, an der sich viele Fach¬ 
genossen beteiligen, und die die Überlegenheit der 
Schnellpressen mit Zylinderfarbwerk gegenüber den 
von Frankreich vordringenden Pressen mit Tisch¬ 
färbung zum Gegenstände hat. Das Ergebnis der 
Aussprache ist, daß die Tischfärbemaschinen für 
größere Firmen überhaupt nicht in Frage kommen, 
dagegen für kleinere Firmen den Vorzug einfacherer 
Bedienung haben. 

Der zurWiedergabe selten gewordener alter Druck¬ 
werke vielfach angewendete anastatische Druck findet 
bereits im Jahrgang 1865 des Archivs eine ein¬ 
gehende Behandlung. In der Neuzeit haben die Photo¬ 
lithographie, der Ullmanndruck und andere Wieder¬ 
gabe-Möglichkeiten denselbenwieder etwasverdrängt. 

Als hervorragende Neuheit bringt das Archiv 1865 
eine eingehende Beschreibung der um diese Zeit in 
England erfundenen Setzmaschine von Hattersley in 
Manchester (siehe Abbildung 7), die aus der eigent¬ 
lichen Setzmaschine und der sogenannten Klassier¬ 
maschine bestand. Bei dieser Maschine wurde durch 
Tastenanschlag auf einem besonderen Apparat vorher 
klassiert, das heißt in Rinnen eingereihte gegossene 
Typen automatisch in den Winkelhaken befördert. 
Die Maschine sollte dem Handsatz gegenüber einen 
Gewinn von 150 bis 300 Prozent bringen, da mit ihr 
etwa 6000 Buchstaben die Stunde gesetzt werden 
konnten. Das Archiv bemerkt zu der Neuerung, daß 
eine solche Maschine nur für glatten Zeitungs- und 
Romansatz oder dergleichen anwendbar sei, für die 
Arbeit, in der die wahre Kunst des tüchtigen Setzers 
besteht, wird nie eine Maschine er¬ 
funden werden . Es sei auch noch 
keine Maschine erfunden worden, 
die nicht mit mehr oder weniger be¬ 
gründeten Vorurteilen derjenigen 
zu kämpfen gehabt hätte, deren 
Interesse sie zu berühren oder zu 
verletzen scheine . Und doch sei 
erwiesen, daß durch erleichterte, 
verbesserte,vermehrte Arbeit immer 
mehr Arbeit und allgemeinerWohl- 
stand hervorgerufen wird. Durch 
die gewaltigen Fortschritte auf dem 
Gebiete des Setzmaschinenbaues 
innerhalb der Zeit von 50 Jahren 
wird manches von dem vorstehend 
Gesagten hinfällig, immerhin kann 



Abbildung 7. Die Setzmaschine von Hattersley in 
Manchester. Aus dem II. Bande (1865) des Archivs 
für Buchdruckerkunst 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


man aber der Auffassung des Verfassers über den 
Wert des tüchtigen Setzers nur beistimmen. 

Die noch heute nicht geklärte Frage der Schriften¬ 
bezeichnungen durch die Schriftgießereien wird in 
einer Notiz auch bereits berührt; es heißt darin: Wie 
im lieben Deutschland überhaupt keine Einigkeit 
herrscht, so ist es auch unter den Schriftgießereien 
Deutschlands. Jede derselben hat einen anderen Namen 
für ein und dieselbe Schrift. Von uns wird man aber 
kaum Lehre annehmen und sich zu einem Namen für 
jede Schriftsorte einigen wollen. 

Wenn dieser Zustand sich auch eher verschlim¬ 
mert hat, so bedeutet es doch einen gewissen Fort¬ 
schritt, daß seit einigen Jahren jeder gewählte Schrift¬ 
name nur einmal Vorkommen kann, denn die Firmen, 
die dem Verein Deutscher Schriftgießereien ange¬ 
hören, dürfen Namen, die andre Firmen bereits 
führen, nicht erneut benutzen. 

Ein in bezug auf das Aufkommen und die Verbrei¬ 
tung der Messinglinien nicht uninteressantes Zirkular 
nebst Preisliste ist das im Jahrgang 1865 abgedruckte 
von Hermann Berthold in Berlin. Es heißt darin unter 
anderm: Meine Messingprobe enthält auch die Dar¬ 
stellung einiger praktischer Anwendungen von Achtel¬ 
petitlinien ohne Gehrungen, welche eine zweckmäßige 
Verwendung der Achtelpetitlinien ersichtlich macht. 
Jedes Quantum der mir in Auftrag gegebenen Messing¬ 
linien wird in meiner Fabrik durch ein vorzügliches, 
zu diesem Behuf ganz neu konstruiertes Walzwerk 
auf die ganz genaue Kegelstärke der betreffenden Buch¬ 
druckerei gewalzt, wodurch die Linien eine außer¬ 
ordentliche Härte erlangen und das Federn derselben 
völlig beseitigt ist. 

Eine Probeseite aus der erwähnten Messinglinien¬ 
probe, die als ganz hervorragende Satzleistung gelten 
kann, ist auch (etwas verkleinert) auf einer Beilage 
zu diesem Hefte wiedergegeben. Der Satz dieses 
Blattes kann zugleich als eine Probe des bald auf¬ 
kommenden Liniensatzes gelten. 

Es ist merkwürdig, daß die Achtelpetitlinien, die 
jahrzehntelang das vom Akzidenzsetzer bevorzug¬ 
teste Material waren, seit dem Aufkommen der 
modernen Satzweise aus den Betrieben so gut wie 
ausgeschieden sind. Natürlich liefert heute jede 
Messiuglinienfabrik nicht nur Achtelpetitlinien, son¬ 
dern überhaupt Material von nur größter Genauig¬ 
keit. Die in dem Zirkular erwähnte Bertholdsche 
Messinglinienprobe zeichnet sich durch eine tech¬ 
nische Vollkommenheit aus, die auch heute noch den 
Fachmann mit Bewunderung erfüllt. 

Die große Einfachheit, mit der heute die Stereo¬ 
typie ausgeübt wird, läßt die Versuche, die zur Ver¬ 
vielfältigung der Satzkolumnen im Laufe der früheren 
Zeit gemacht worden sind, fast als schwerfällige er¬ 
scheinen. In einer Abhandlung Die Stereotypie von 
A. Isermann> welch letzterer sich überhaupt um die 


Verbreitung und Vervollkommnung der Stereotypie 
besonders verdient gemacht hat, werden die zahl¬ 
reichen Versuche, die fast alle nichts weiter als solche 
blieben, ausführlich geschildert und die Gips- und 
Papierstereotypie, wie bereits unter 1864 erwähnt, 
als einzig praktisch anwendbare Verfahren bezeichnet. 
Der Verfasser erklärt die späte Erfindung der Stereo¬ 
typie und ihre langsame Vervollkommnung damit, 
daß das Bedürfnis dafür nicht in dem Grade vorhan¬ 
den war, wie zur Jetztzeit (1865), wo die Konkurrenz 
die mächtigste Gebieterin auf dem Felde der Industrie 
ist und der menschliche Geist gewaltsam zu neuen 
Forschungen und Verbesserungen gedrängt wird. Die 
von Lord Stanhope, dem Erbauer der eisernen Hand¬ 
presse, erfundene sogenannte Gipsstereotypie hat 
lange Zeit denVorrang behauptet, und selbst E. Haenel 
in Berlin ließ noch um 1840 die bereits 1829 in Paris 
von Didot häufig angewandte viel einfachere Papier¬ 
stereotypie zu ihren Gunsten wieder fallen. Isermann 
sagt in seiner Abhandlung, daß sein Streben, die Stereo¬ 
typie zu immer größerer Vervollkommnung und Ver¬ 
breitung zu bringen, anerkannt wird, da die Stereotypie 
in zweiter Linie fast denselben wesentlichen Einfluß 
auf die literarUche Produktion ausübt wie die Erfin¬ 
dung der Buchdruckerkunst in erster, und daß es 
hauptsächlich der Erfindung der Stereotypie zuzu¬ 
schreiben ist, wenn die großen Massen der literari¬ 
schen Unternehmungen für so fabelhaft billige Preise 
dem Publikum dargeboten werden können. Das von 
Hermann beschriebene Verfahren ist das heute noch 
allgemein ausgeübte und es darf wohl gesagt werden, 
daß die Papierstereotypie in ihrer Anwendung beim 
Zeitungsdruck zu einer unentbehrlichen Ergänzung 
des Buchdrucks geworden ist. 

Ein neues Verfahren, die Zinkographie, wird im 
zweiten Bande des Archivs (1865) ebenfalls be¬ 
sprochen und als eine sehr wichtige Methode Klischees 
herzustellen erwähnt. Von der jetzt fast allgemein 
angewandten photographischen Übertragung ist dabei 
allerdings noch nicht die Rede, es wird vielmehr aus¬ 
schließlich von Umdrucken von der Kupferplatte, der 
Radierungen oder der Holzschnitte berichtet, wobei 
bereits gute Resultate erzielt worden seien. Die Ätz¬ 
technik selbst wickelte sich früher nach der Beschrei¬ 
bung fast genau so ab, wie jetzt. Die auf einer Beilage 
zu diesem Hefte (oberes Bild, Abbildung 8) wieder- 
gegebenekontrastreicheAbbildungillustriertedieAus- 
führungen. Ein im zweiten Bande besprochenes Ver¬ 
fahren der Herstellung von Guttapercha-Klischees 
verdient ebenfalls Erwähnung, obgleich dasselbe zu 
breiterer Anwendung nicht gekommen ist (siehe Ab¬ 
bildung 9, unteres Bild). 

Eine der interessantesten Abhandlungen im Jahr¬ 
gange 1865 des Archivs ist die von F. Hermann Meyer 
über die Organisation und den Geschäftsbetrieb des 
deutschen BuchhandeH. Es wird darin alles behandelt 

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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


und erläutert, was die damals bereits sehr entwickelte 
Organisation des Buchhandels und seine geschäft¬ 
lichen Einrichtungen anbetrifft, von der Erklärung 
des Begriffs Buchhandel angefangen bis zur Tätig¬ 
keit des Markthelfers, der das fertige Buch weiter¬ 
befördert. Bei der Abfassung seiner Arbeit hatte der 
Verfasser im Aufträge des Herausgebers des Archivs 
davon auszugehen, daß der größte Teil der Arbeiten, 
mit welcher eine Druckerei beschäftigt ist, Buch¬ 
händlerarbeiten sind. Er sollte die Buchdruckerei¬ 
besitzer und deren Gehilfen darüber aufklären, wie 
die zahlreichen buchhändlerischen Geschäftspapiere 
richtig gesetzt und gedruckt werden müssen. Außer¬ 
dem sollte die Arbeit den Herren Gehilfen Gelegen¬ 
heit geben, sich einmal ordentlich über die Art und 
Weise zu orientieren, wie der Verleger seine Kalkula¬ 
tion macht, wenn er ein Buch drucken und erscheinen 
lassen will und daß es dabei durchaus nicht gleich¬ 
gültig ist, ob er den Preis pro Exemplar um einen oder 
mehrere Groschen teurer ansetzt. Er sagt weiter: Die 
Herren Gehilfen scheinen immer der Meinung zu sein, 
der Verleger verteile die Kosten für Herstellung eines 
Buches auf sämtliche gedruckte Exemplare , während 
das doch nicht der Fall ist, demnach eine Erhöhung 
des Druckpreises seitens seines Druckers durchaus nicht 
so gleichgültig sein kann, wie die Herren annehmen. 
DieAbhandlungist mitzahlreichen Formularbeispielen 
illustriert und in allen Abschnitten auf das Verständnis 
der Buchdrucker zugeschnitten. 

Bei dem Abschnitt über die Ausstattung neuer 
Verlagswerke bemerkt der Verfasser, daß das Publi¬ 
kum auf eleganten, großen und deutlichen Druck, 
weißes und festes Papier, kurzum auf anständige Aus¬ 
stattung großen Wert legt und übel angebrachte Spar¬ 
samkeit sich durch geringen Absatz rächen würde. 
Die Vorschläge eines tüchtigen Druckers werden er¬ 
wünschte Hilfsmittel an die Hand geben, um die Art der 
Ausführung zu bestimmen. Dem Druck der Kataloge 
wird besondere Sorgfalt empfohlen. Es heißt unter 
anderm: Die Käufer trauen den Handlungen, welche 


schlecht gemachte und schlecht gedruckte Kataloge 
ausgeben, von vornherein nichts Besonderes zu und 
legen daher ihre Kataloge gern ungelesen und unbe¬ 
achtet zur Seite. Als Schrift für den Katalogsatz er¬ 
achtet der Verfasser nur die Antiqua als geeignet, 
da dem Ausländer, selbst wenn er Deutsch versteht, 
unsre Fraktur etwa so vorkommt, als wie einem Deut¬ 
schen, der Griechisch versteht, die russische Schrift. 
Diese Abhandlung ist heute noch von Interesse, weil 
in der gesamten typographischen Fachpresse das 
speziellere Gebiet des Buchhandels so gut wie keine 
Behandlung mehr erfährt, was wohl einesteils daran 
liegen mag, daß der Buchhandel seine eigenen, gut 
ausgebauten Fachblätter hat. Was über die Schrift 
gesagt ist, hat heute wieder eine gewisse Bedeutung 
insofern, als hier und da der Frage nähergetreten 
wurde,die Buchhändlerkataloge vornehmlich inFraktur 
herzustellen. 

In einer kleinen Abhandlung, in der sich J.H. Bach¬ 
mann mit Th. Goebel über technische Fragen ausein¬ 
andersetzt, kommt eine bemerkenswerte Ansicht über 
die Frage der Arbeitsteilung, die in unsrer gegen¬ 
wärtigen Zeit, wenn nach amerikanischem Vorbilde 
durchgeführt, als das Heil großer und mittlerer Be¬ 
triebe angesehen wird, vor, die kurz wiedergegeben 
sein mag. Goebel behauptet, daß gerade das System 
der Arbeitsteilung zur größtmöglichen Vervollkomm¬ 
nung der Arbeit führt, zur Vervollkommnung in jeder 
Hinsicht, deren Ausdruck die höchste technische Voll¬ 
endung bei auf das geringste Maß zurückgeführten 
Herstellungskosten ist. Dem setzt Bachmann ent¬ 
gegen: daß diese Ansicht sehr hübsch ist, sobald man 
das Produkt, welches auf diese Weise hergestellt wird, 
als Hauptsache betrachtet. Ihm stehe aber der Ar¬ 
beiter, der Mensch, obenan und deshalb könne er sich 
nicht recht mit diesem Grundsätze der Volkswirtschaft, 
der den Menschen zur Verdummung führt und ihn zur 
Maschine herabwürdigt, befreunden. Sein Grundsatz 
sei: Wirke so intelligent und geschickt als möglich in 
deinem Fache. (Fortsetzung folgt.) 


Deutsches Druckgewerbe im besetzten Belgien 

Von Hauptmann Dr. L. VOLKMANN, Brüssel (z. Z. Bukarest) 


S cpjQN j n den Frühzeiten der Buchdrucker- 
jj kunst haben Deutsche die neue Erfindung 
| auch in Belgien eingeführt und ausgeübt. 
Bis heute sind seither deutsche Drucker in 
belgischen Städten ansässig und tätig gewesen, und 
neben ihnen deutsche Buch-, Kunst- und Musikalien¬ 
händler, die bestrebt waren, die geistigen Werte ihres 
Heimatlandes dem merkwürdigen Grenzgebilde an 
Maas und Schelde zu vermitteln und umgekehrt. 

Nichtvon diesen bekannten Dingen aber soll diesmal 
hier die Rede sein, sondern von der öffentlichen und 
amtlichen Betätigung des Druckgewerbes im Dienst 


und Interesse der deutschen Verwaltung des besetzten 
Belgiens, von einigen drucktechnischen Anstalten 
und Unternehmungen, welche infolge des Krieges 
hier entstanden oder in deutschem Sinne ausgebaut 
worden sind, und die daher vielleicht auch in der 
Heimat einiges Interesse beanspruchen dürfen. 

Wir beginnen wie billig mit der Belgischen Staats¬ 
druckerei in Brüssel, die unter deutscher Oberleitung 
fortgeführt, zweckmäßig erweitert und den veränderten 
Verhältnissen angepaßt worden ist. Freilich darf man 
sich darunter nichtetwaein großes graphisches Muster¬ 
institut vorstellen, wie unsre Reichsdruckerei oder 


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Original fram 

PRINCETON UNtVERSITY 






ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


die Wiener Hof- und Staatsdruckerei. Es war viel¬ 
mehr eine ganz bescheidene Einrichtung, die mit nur 
neun Maschinen arbeitete und im wesentlichen bel¬ 
gische Regierungsdrucksachen, vor allem das Amts¬ 
blatt „Moniteur Beige“ herstellte. Die deutsche Ver¬ 
waltung hatte nach der Ende August 1914 erfolgten 
Besetzung Brüssels die Druckerei mit ihrem etwa 
130 Köpfe zählenden Personal ruhig weiter bestehen 
lassen und sie zunächst auch nur für den Druck ihres 
eigenen „Gesetz- und Verordnungsblattes“ in An¬ 
spruch genommen. Im Januar 1915 jedoch übernahm 
sie den ganzen Betrieb in eigene Verwaltung und er¬ 
nannte zum Kommissar Herrn Treutier, den früheren 
Mitinhaber der Pfälzischen Verlagsanstalt in Neu¬ 
stadt a. Hardt, die sich bekanntlich durch saubere und 
neuzeitliche, stilreine Druckausstattung einen guten 
Namen gemacht hat. Von diesem Zeitpunkt ab wurden 
sämtliche Drucksachen nicht nur der fortbestehenden 
belgischen Ministerien, sondern auch der deutschen 
Militär- und Zivilbehörden in der Staatsdruckerei her¬ 
gestellt, was nicht nur eine Vermehrung derMaschinen 
und des Schriftmaterials erforderte, sondern vor allem 
auch eine Umbildung des bisher fast nur auf glatten 
Satz eingerichteten belgischen Personals, was nicht 
ohne große Schwierigkeiten zu erreichen war. Eine 
große Schnellpresse für die amtlichen Maueranschläge 
wurde aus der durch den Krieg beschädigten belgischen 
Staatsdruckerei für Post und Telegraphie in Mecheln 
requiriert, eine kleinere aus der Brüsseler Postdirek¬ 
tion, zwei Tiegeldruckpressen und zwei Frankenthaler 
Schnellpressen wurden angeschafft, auch Schneide- 
und Heftmaschinen wurden besorgt, so daß die Räume 
zurzeit völlig gefüllt sind und der Betrieb nicht weiter 
ausgedehnt werden kann. An regelmäßigen Druck¬ 
arbeiten seien speziell noch die dreisprachig er¬ 
scheinende Zeitschrift „Der Landmann“ und dieWolff- 
telegramme zur Verteilung an sämtliche Dienststellen 
genannt. Zur Berechnung kamen im Jahre 1916 für 
etwa 550000 Mark Druckarbeiten, wobei zu bemerken 
ist, daß viele Behörden das allmählich knapp werdende 
Papier selbst lieferten, gewiß eine respektable Leistung 
des rührigen Kommissars, wenn man bedenkt, mit 
welch bescheidenen Mitteln er seine Tätigkeit in den 
engen Räumen hinter dem Parlamentsgebäude be¬ 
ginnen mußte. 

Ein wesentlich andres Bild bietet die Druckerei des 
Generalgouvernements in Brüssel, die sich auf dem 
Grund und Boden der interessanten alten Abtei La 
Cambre, unweit des Eingangs zu dem beliebten Bois 
de la Cambre, befindet und einen rein deutschen 
militärischen Betrieb darstellt. Die Abtei selbst, durch 
deren Hof der Zugang zur barackenartig schlichten 
Druckerei führt, geht in ihren Anfängen bis in das 
frühe Mittelalter zurück, besteht aber jetzt außer einer 
gotischen Kirche nur aus weitläufigen, aber ganz 
verfallenden Gebäuden des 18. Jahrhunderts mit reiz¬ 


vollen Garten- und Terrassenanlagen. In der Revo¬ 
lutionszeit säkularisiert, diente die schöne Anlage 
später abwechselnd als Armenhaus und Militärschule; 
jetzt ist nur der Mittelbau noch als Armeemuseum 
erhalten, alles übrige, auch die Kirche, ist dem gänz¬ 
lichen Verfall und Abbruch geweiht. Von den male¬ 
rischen Architekturbildern mögen die hier wieder¬ 
gegebenen Ansichten einen Begriffgeben, welche einer 
von Alfred Müller-Holstein, einem früheren Mitglied 
der Leipziger Akademie, zur Weihnachtsfeier des 
Generalgouvernements Belgien geschaffenen Reihe 
von Postkarten entstammen. Der junge Künstler ist 
jetzt in der Druckerei des Generalgouvernements 
tätig; es war ein freundlicher Zufall, daß ich als sein 
frühererKompanieführerihm diese sachgemäßere Be¬ 
schäftigung erwirken konnte, nachdem er inzwischen 
einem Armierungsbataillon zugeteilt gewesen war. 

Die von Leutnant Grabert geleitete Druckerei selbst 
besteht aus zwei Gebäuden, welche früher die karto¬ 
graphische Anstalt des belgischen Generalstabes ent¬ 
hielten, und umfaßt eine Abteilung für Kartographie 
nebst Steindruckerei, eine photographische Abteilung 
und eine neu begründete kleine Buchdruckerei. Das 
Ganze ist als besondere Sektion unmittelbar dem 
Generalgouvernement unterstellt. 

Die Steindruckerei arbeitet mit fünf Schnell- und 
sieben Handpressen, sämtlich von Julien in Brüssel 
stammend. Sie dient vornehmlich der Kartographie, 
deren umfangreiche Steinlager sich im Erdgeschoß 
anschließen, während die Kartographen im ersten 
Stock arbeiten. Dort kann man auch das ehemalige 
Kartenlager der belgischen Armee sehen: ausgeleerte, 
von Feuchtigkeit ganz verzogene Schränke in einem 
nicht verschalten Dachbodenraum! Sehr primitiv war 
die photographische Einrichtung, die nicht einmal über 
künstliches Licht zum Aufnehmen und Kopieren ver¬ 
fügte, so daß die Belgier zeitweilig acht Tage für eine 
Kopie gebraucht haben. Mit vielem Geschick sind 
jetzt aus Holz und Pappe provisorische Apparate ge¬ 
baut worden, die schon gute Dienste geleistet haben; 
auch ein Schleuderapparat für Plattenpräparation war 
nicht vorhanden und mußte im Hause selbst herge¬ 
stellt werden. Neben dem Druck der Karten tritt in 
der Steindruckerei alles andre sehr zurück, doch findet 
sich auch manche hübsche Gelegenheitsarbeit, wie 
die oben erwähnte Postkartenserie, und so ist z. B. 
auch das Plakat der vom Deutschen Buchgewerbe¬ 
verein Weihnachten 1915 in Brüssel veranstalteten 
graphischen Ausstellung hier gedruckt worden. 

Ganz neu angelegt ist sodann die Abteilung für 
Buchdruck, die zuerst in einem Raume des General¬ 
gouvernements selbst mit einem Setzkasten und einer 
Handpresse begonnen wurde und jetzt ganz fröhlich 
neben der Staatsdruckerei blüht. Sie umfaßt sieben 
Schnell-und dreiTiegeldruckpressen, dabei zwei ältere 
Koenig & Bauersche Pressen aus Mecheln und neue 


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Brüssel: La Cambre. Einfahrtstor Brüssel: La Cambre. Westgiebel der Klosterkirche 

Zu dem Aufsatz: Deutsches Druckgewerbe im besetzten Belgien 


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Blick in den Setzersaal der Druckerei des Generalgouvernements 



Zu dem Aufsatz: Deutsches Druckgewerbe im besetzten Belgien 


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PRtNCETON UNIVERSITY 






























ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Maschinen von Rockstroh & Schneider, ferner zwei 
Linotype-Setzmaschinen aus Maubeuge, die erst für 
deutsche Matrizen umgearbeitet werden mußten, und 
das Schriftmaterial stammt neben Neuanschaffungen 
von Müller & Auster auch teilweise von Beschlag¬ 
nahmen in den Druckereien verbotener Zeitschriften, 
kurz, es ist ein richtiger Kriegsbetrieb, in dem man 
sich helfen mußte, wie man eben konnte. Eine eigene 
kleine Schlosserei und Tischlerei leistet hierbei gute 
Dienste, und in dieser befindet sich auch die Bohr¬ 
maschine des Königs Albert von Belgien fleißig in 
Betrieb, an der er früher im Marstall handwerkliche 
Künste geübt hat. Die Buchdruckerei stellt Dienst¬ 
anweisungen, Broschüren und Akzidenzen fürMilitär- 
und Eisenbahnbehörden sowie Truppenteile her, an 
Zeitschriften druckt sie das Militärverordnungsblatt, 
das dreisprachig erscheinende Rote Kreuz und die 
Korrespondenz Belgien. Eine kleine Buchbinderei 
ist gleichfalls angegliedert, deren Maschinen zum Teil 
aus der Mechelner Postdruckerei stammen (Perforier- 
und Schneidemaschinen). Sämtliche Arbeiter sind 
Soldaten, die zugleich ihre Wohnräume hier haben, 
und auf den Korridoren geht man an den Gewehr¬ 
stützen vorbei. C’est la guerre. 

Und auch ein deutsches Zeitungsunternehmen ist 
im besetzten Brüssel entstanden: Der Belgische Kurier, 
der am 20. August 1915, dem Jahrestage des Ein¬ 
zuges der deutschen Truppen, zum ersten Male er¬ 
schien und seitdem als raschester Übermittler der 
Heeresberichte, als Bote aus der Heimat und alsNach- 
richtenblatt über belgische Ereignisse und Zustände 
den Deutschen in Belgien unentbehrlich und auch 
vielen Belgiern wertvoll geworden ist. In einem großen 
Automobilhaus unweit des botanischen Gartens ist 
dafür rasch ein ganz moderner Zeitungsbetrieb ein¬ 
gerichtetworden. Im Oberstock befinden sich Schrift¬ 
leitung, Buchhaltung usw., sowie die Setzerei, welche 
neben Handsatz mit sechs Linotype-Setzmaschinen 
arbeitet. Das Erdgeschoß enthält die Rundstereotypie 
und zwei Rotationspressen zu acht und 16 Seiten, 
Falzerei, Papierlager und Expedition. Das Blatt er- 
scheint seit November 1915inzwei Ausgaben, morgens 
und nachmittags, die letztere hat wegen des Heeres¬ 
berichtes naturgemäß die höhere Auflage. Mit Berlin 
ist ein direkter Fernsprechverkehr eingerichtet und 


auch sonst ist alles getan, um stets die neuesten 
Meldungen sofort zu bringen und auf raschestem 
Wege in ganz Belgien zu verbreiten. Am Tage des 
einjährigen Bestehens, 20. August 1916, nahm Seine 
Exzellenz der Generalgouverneur Freiherr vonBissing 
an einer kleinen Feier des Hauses teil, die hier im 
Bilde vorgeführt ist, und stiftete als Festgabe für die 
Arbeiter einen Betrag von 1000 Mark. Es ist zu 
hoffen, daß auch nach dem Kriege jedenfalls ein 
deutsches Blatt in Brüssel bestehen bleibt. 

Nach dem altertümlichen Gent endlich führt uns 
eine deutsche Zeitung besonderer Art, die jetzt dort 
hergestellt wird, nachdem sie ursprünglich in Thielt 
das Licht der Welt erblickte: die Kriegszeitung der 
4 . Armee , die für uns noch ein besonderes Interesse 
dadurch bietet, daß sie von dem wohlbekannten Leiter 
des Leipziger Inselverlages, Hauptmann Professor 
Dr. A. Kippenberg herausgegeben wird, dem ein an¬ 
drer früherer Leipziger Verleger, Karl Weißer, eifrige 
Hilfe leistet, während der bekannte Graphiker Lucian 
Bernhard die Ausstattung besorgt. Das Blatt wurde 
im November 1914 in Thielt, Westflandern, begründet, 
wo es zunächst in sehr bescheidenem Umfange deutsch 
und flämischzurOrientierung der Bevölkerungwie der 
Truppen zweimal wöchentlich erschien; der flämische 
Text kam jedoch schon nach sieben Nummern in Weg¬ 
fall. Seit April trat eine illustrierte Beilage „Lose 
Blätter“ hinzu, für welche eine eigene Ätzerei be¬ 
gründet wurde, und bald nahm die Zeitung einen 
solchen Aufschwung, daß sie in eine große Genter 
Zeitungsdruckerei verlegt werden mußte, um den er¬ 
höhten Anforderungen mit Hilfe besserer Maschinen 
genügen zu können. Beim zweijährigen Bestehen, 
November 1916, hatte die Auflage bereits 35000 er¬ 
reicht, und sie ist ständig im Steigen. Über die bloße 
Nachrichten-Übermittlung hinaus hat sich die Kriegs¬ 
zeitung der 4. Armee — ein würdiges Gegenstück der 
weitbekannten Liller Kriegszeitung — zu einem gut¬ 
geleiteten, inhaltreichen literarischen Unterhaltungs¬ 
und Belehrungsblatt für unsre Feldgrauen entwickelt, 
in dem auch die Kunst zu ihrem Recht kommt und 
ein gesunder Humor nicht fehlt. Sie bildet einen 
sehr wesentlichen und besonders erfreulichen Teil 
ln dem Bilde deutschen Druckgewerbes im besetzten 
Belgien, das hier zu entwerfen versucht wurde. 


Buchgewerbe im besetzten Kurland 

Von Gefreiten M. BÜTTNER (im Felde) 


rw'vy-j'sER vom Buchgewerbe in diesem Lande 
j / - berichten will, müßte eigentlich eine 

j Geschichte des Deutschtums in den 

i««> .baltischen Provinzen schreiben. Wir 

haben vor dem Kriege daheim in Deutschland meist 
leider nur viel zu wenig vom Baltenland gewußt, — 
es lag ja noch hinter Ostelbien, es war ja „Ru߬ 


land“, und erst in diesen drei Jahren, die uns so 
manches gelehrt, haben zahlreiche Veröffentlichungen 
in Wort und Bild, in Buchform und Zeitungsartikeln, 
die Erkenntnis verbreitet oder vertieft: dort oben 
ist altes deutsches Land mit deutscher Kultur und 
in seinen geistig führenden Schichten mit deutschen 
Bewohnern. 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Deutsch sein, heißt literarisch sein. Was liegt also 
näher, als daß auch im Baltikum das Buchgewerbe 
einen Ehrenplatz einnimmt? Es ist bezeichnend und 
für unser Thema von besonderem Interesse, daß die 
baltische Intelligenz, die gebildeten deutschen Kreise, 
von alters her geradezu „die Literaten“ heißen. Und 
weil denn deutsche Geisteskultur in diesem Lande 
so weiten Raum und so überragende Stellung ein¬ 
nimmt, kann es sich hier nur darum handeln, auch 
auf das Gebiet des Buchgewerbes nur einen Streif¬ 
blick zu werfen, nur hier und da Ausschnitte aus 
reichem Rahmen zu bieten. 

Unter den gegebenen Umständen befassen wir uns 
hier lediglich mit Kurland, das seit dem Sommer 1915 
von deutscher Hand gehalten wird. Der Brennpunkt 
alles kurländischen Geisteslebens ist von jeher die 
Hauptstadt des „Gottesländchens“ gewesen, Mitau. 
Sie hat sich ihre gute, deutsch-baltische Eigenart in 
ungleich höherem Grade bewahrt, als beispielsweise 
die an der Peripherie Kurlands liegenden Großstädte 
Libau und Riga, deren Eigenschaft als verkehrsreiche 
Handels- und Hafenplätze ihren baltischen Charakter 
einigermaßen verwischt und internationalisiert hat, 
und von denen wir im allgemeinen schon aus diesem 
Grunde füglich absehen dürfen. 

Mit dem Buchgewerbe in Kurland ist der Name des 
Hauses J. F. Steffenhagen & Sohn in Mitau unlöslich 
verknüpft. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts 
unter dieser Firma als „hochfürstliche Druckerei“ 
gegründet — die ersten Anfänge lassen sich bis 1584 
verfolgen! — hat der Verlag eine stattliche Reihe von 
Buchausgaben veranstaltet, deren auf uns überkom¬ 
mene, zuweilen höchst selten gewordene Exemplare 
noch heute als typographische und buchgewerbliche 
Meisterwerke gelten dürfen. Bereits 1685 wurde hier 
eine lettische Grammatik von Adolphi und ein lettisches 
Gesangbuch gedruckt. Erwähnt seien ferner aus dieser 
ersten Zeit nur ein 1789 in zwei Bänden erschienenes 
lettisch-deutsches Lexikon von Pastor Stender, die 
reichhaltigen und vielseitigen „Wöchentlichen Unter¬ 
haltungen für Liebhaber deutscher Lektüre in Ru߬ 
land“, herausgegeben von dem Staatsrat Johann 
Friedrich von Recke (1805), und das ausgezeichnete 
vierbändige „AllgemeineSchriftsteller-undGelehrten- 
Lexikon der Provinzen Livland, Esthland und Kur¬ 
land“ von J. Fr. von Recke und Karl Eduard Napiersky, 
das 1827 verlegt wurde und das je einem Göttinger, 
Hallenser und Dresdener Gelehrten gewidmet war. 
Daneben hat die Steflfenhagensche Offizin von ihren 
ersten Anfängen an religiöse Schriften, Schulbücher, 
Kalender usw. in heute unzählbarer Menge verlegt. 
Sehr früh wurde hierauch schon in den verschiedensten 
Sprachen gedruckt, wie in Deutsch, Russisch, Lettisch, 
Litauisch, Estnisch, Polnisch, Französisch, Englisch, 
Italienisch, Holländisch, Lateinisch, Griechisch und 
Hebräisch. 


Einen Beweis für die gute deutsche Art des Hauses 
als Kulturträger bildet, nächst der Fülle der deutschen, 
der starke Anteil der lettischen Verlagswerke nament¬ 
lich belehrenden Inhalts. Auf diesem Gebiete muß 
gerade der Reichsdeutsche in dankbarer Anerkennung 
der großen Verdienste gedenken, die sich seit langem 
die kurländische Ritterschaft und die Pastoren um die 
Verbreitung deutscher Kultur und Bildung in diesem 
Lande mit Hilfe des Buchgewerbes erworben haben, 
und die hier nur eben registriert werden können. 

In diesem Zusammenhänge sei auch die 1815 ge¬ 
gründete „Kurländische Gesellschaft für Literatur 
und Kunst* genannt, die sich insbesondere die Pflege 
und Aufhellung der baltischen und reichsdeutschen 
Beziehungen zur Aufgabe gemacht und hervorragen¬ 
den Anteil an der Entwicklung des kurländischen 
Geisteslebens hat. Die seit 1818 bis heute von der 
Gesellschaft alljährlich herausgegebenen, bei Steffen¬ 
hagen gedruckten „Sitzungsberichte“, in Verbindung 
mit dem Jahresbericht des kurländischen Provinzial¬ 
museums, umfassen eine achtunggebietende Fülle von 
Wissen und in seiner Gründlichkeit echt deutschen 
Forscherfleißes. In ähnlicher Weise gibt auch die 
„Genealogische Gesellschaft der Ostseeprovinzen zu 
Mitau“ seit 1893 jährlich ein groß angelegtes, eben¬ 
falls mustergültig in der Steffenhagenschen Offizin 
hergestelltes „Jahrbuch für Genealogie, Heraldik und 
Sphragistik“ heraus. 

Bevor wir uns ganz mit den periodischen Druck¬ 
erzeugnissen befassen, müssen wir noch der beiden 
alten Mitauer Buchhandlungen gedenken, die sich be¬ 
sonders um die Pflege der deutschen Literatur als 
ihre östlichen Vorposten verdient gemacht haben: der 
1826 gegründeten Firma Ferd. Besthorn und der seit 
1837 bestehenden Fr. Lucasschen Buchhandlung, jetzt 
C. Th. Bluhm. Von ihnen hat sich namentlich die 
erstere unter ihrer früheren Firma G. A. Reyher (später 
in Riga) in ausgedehnter Weise verlegerisch betätigt. 
Außer verschiedener lettischer und russischer Litera¬ 
tur, Landkarten von Kurland, künstlerischen Porträts 
und Musikalien erschienen hier z. B. eine großzügige 
kurländische Kirchengeschichte von Th. Kallmeyer, 
Beiträge zur lettischen Geschichte von Dr. F. Bielen¬ 
stein, eine Geschichte der Buchdruckerkunst in Riga 
von A. Buchholtz, eine Gedichtsammlung des bal¬ 
tischen Lyrikers Barons Karl von Fircks, sowie regel¬ 
mäßig seit 1828 die „Magazine der Lettisch-Literä- 
rischen Gesellschaft“. 

Von den älteren deutschen Häusern ist noch 
E. Behre’s Verlag, jetzt Nicolai Hübner, in Mitau zu 
nennen, der unter der erstgenannten Firma u. a. die 
Werke des baltischen Dichterseniors Pantenius in 
erster Auflage, Beiträge zur baltischen Geschichte 
von Professor Th. Schiemann, eine Geschichte Kur¬ 
lands von Arbusow, ein Album baltischer Ansichten 
in ausgezeichneten Stahlstichen von Stavenhagen, 

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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


deutsche Übersetzungen Turgeniewscher Werke und 
anderes herausgegeben hat. Schließlich sei an dieser 
Stelle noch erwähnt, daß in Libau in der Hauptsache 
die 1851 gegründete Buchdruckerei Gottl. D. Meyer, 
der Verlag G. L. Zimmermann (1856) und Rud. Puhze 
(1876) ähnlichen Bestrebungen und Tendenzen hul¬ 
digten, wie die vorerwähnten deutschen Verleger in 
der Hauptstadt Kurlands. Daß auch der »Verein der 
Deutschen in Kurland“, der sich neben den Zweig¬ 
vereinen in Livland und Estland in bewundernswerter 
Weise um die Erhaltung und Stärkung des Deutsch¬ 
tums in den baltischen Provinzen bemüht hat, sich 
zugleich verlegerisch betätigt und gemeinsam mit 
Riga und Reval bis zum Krieg den Deutschen Vereins¬ 
kalender, aber auch andres herausgegeben hat, wie 
z. B. Theaterstücke des einheimischen Schriftstellers 
Karl Stavenhagen, sei der Vollständigkeit halber hier 
angeführt. 

Den Bevölkerungsverhältnissen dieses Landes ent¬ 
sprechend, hat hier im Buchgewerbe auch die lettische 
Literatur naturgemäß immer einen breiten Raum ein¬ 
genommen. Der Tätigkeit der deutsch-baltischenVer- 
lagshäuser in dieser Beziehung, namentlich auf reli¬ 
giösem und belehrendem Gebiet, ist im vorstehenden 
bereits kurz gedacht worden. Die Geschichte der ge¬ 
druckten lettischen Literatur beginnt im Jahre 1586 
mit dem Druck des Kleinen Katechismus Luthers, von 
zehn Psalmen und eines Bibelauszuges, deren Über¬ 
setzung fünf kurländische Pastoren besorgten; der 
Druck erfolgte noch in Königsberg bei Georg Oster¬ 
berger. Von diesem buchgewerblichen lettischen Ur¬ 
ahn finden sich heute nur noch drei Exemplare, in 
den Bibliotheken zu Königsberg, Riga und Dorpat. 
Die ganze folgende lettische Literatur bestand dann 
zunächst nur aus Umarbeitungen und Erweiterungen 
dieses Werkes. Weitere ältere Buchausgaben in let¬ 
tischer Sprache wurden bereits im Zusammenhänge 
mit der Firma Steffenhagen verzeichnet. Aus neuerer 
Zeit verdient die noch heute bestehende, rein lettische 
Verlagsbuchhandlung von H. Allunan in Mitau an¬ 
geführt zu werden. Sie hat sich, neben der Heraus¬ 
gabe von lettisch-russischen Sprachlehrbüchem usw., 
vornehmlich den Verlag von Unterhaltungslektüre in 
billigen, volkstümlichen Ausgaben zum Ziel gesetzt 
und dabei erfreulicherweise auch moderne deutsche 
Literatur berücksichtigt. So finden wir in den von ihr ver¬ 
legten Sammlungen in lettischer Übersetzung Werke 
von Wilhelm Hauff, Georg Ebers, Gabriele Reuter, 
Berta von Suttner, Paul Keller, Peter Rosegger, Arthur 
Schnitzler, freilich auch die Heimburg, Marlitt, Werner, 
aus dem Auslande die Namen Scott, Bulwer, Mau¬ 
passant, Zola, Selma Lagerlöf, Björnson. Auch einen 
umfangreichen Theaterverlag besitzt die Firma, durch 
den der Lette u. a. mit Werken von Shakespeare, 
Ludwig Holberg, Max Halbe, Sudermann, Ludwig 
Fulda, L’Arronge bekannt gemacht wird. In ähnlicher 


Weise hat sich der Verlag J. Schablowsky (Mitau und 
Riga) hauptsächlich mit der Herausgabe billiger let¬ 
tischer Unterhaltungslektüre und Jugendschriften be¬ 
faßt. Die Schaffung eines groß angelegten lettischen 
Konversationslexikons, von dem indessen leider nur 
etwa zwei Bände erschienen sind, hatte die inzwischen 
eingegangene Firma H. J. Drawin-Drawneeka in Mitau 
geplant; auch eine lettische belletristische und illu¬ 
strierte Monatsschrift, »Austrums“ (Osten), ist hier 
vor dem Kriege verlegt worden. 

Wenn wir uns schließlich dem periodischen Druck¬ 
gewerbe in Kurland zuwenden, ist von vornherein zu 
berücksichtigen, daß in dieser Beziehung stets die 
Großstadt Riga eine drückende Konkurrenz bildete, 
etwa in der Art des Warenhauses gegenüber dem 
kleinen Detailgeschäft. Riga lag sozusagen vor den 
Toren Mitaus — heute liegt eine Welt von Schützen¬ 
gräben dazwischen —, und die dort erscheinenden 
Zeitungen konnte man etwa eine Stunde später auch 
hier bereits lesen. Trotz dieses erschwerenden Um¬ 
standes hat auch Mitau fast immer seine Presse 
gehabt. Soweit sich mit Sicherheit zurückverfolgen 
läßt, erschien hier die erste Zeitung im Jahre 1766 
wöchentlich zweimal unter dem Titel „Mitauische Nach¬ 
richten von Gelehrten-, Staats- und einheimischen 
Sachen“, die nach verschiedenen Namensänderungen 
von 1784 ab »Mitauische Zeitung“ hieß. Seit 1811 
führte sie die Bezeichnung »Allgemeine Deutsche 
Zeitung für Rußland“, um von 1832 ab wiederum 
»Mitausche Zeitung“ zu heißen. Ihre Redaktion be¬ 
sorgte zuerst der Philosoph und Schriftsteller Joh. 
Georg Hamann (1730 bis 1788) aus Königsberg, der 
1766 als Informator im Hause des Hofrats Tottien in 
Mitau weilte. 

Außer diesem Blatt erschien 1797 der »Mitausche 
Anzeigervon allerhand dem gemeinen wesen nöthigen 
und nützlichen Sachen, welche zu Jedermanns Nach¬ 
richt bekannt werden“, — ein Titel, der in unsrer 
schnellebigen Zeit, da sich beispielsweise der eilige 
Berliner mittags im Zeitungskiosk hastig seine »B. Z.“ 
fordert, einigermaßen unpraktisch anmutet und der 
denn auch 1808 auf „Das Mitausche Intelligenzblatt“ 
zusammenschrumpfte. Die„Mitausche Zeitung“ stellte 
1851, das „Intelligenzblatt“ 1853 das Erscheinen ein, 
um der„Kurländischen Gouvernements-Zeitung“ Platz 
zumachen. Von 1873bis 1906 erschien die „Mitausche 
Zeitung“ wieder ziemlich regelmäßig, von 1906 bis 
1909 unter dem Namen „ Baltische Tageszeitung“ unter 
Leitung des bereits erwähnten baltischen Dichters 
Karl Stavenhagen, der auch heute wieder als verant- 
wortlicherRedakteur der unter der deutschen Militär¬ 
verwaltungais moderneTageszeitungneuerstandenen 
„Mitauschen Zeitung“ zeichnet. Ein knapp zwei¬ 
jähriges Dasein fristete schließlich in den Jahren 1910 
und 1911 sowie vorübergehend nochmals in der ersten 
Kriegszeit der „Mitausche Lokalanzeiger“,, in der 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Hauptsache ein Anzeigenblatt, in dessen Spalten die 
bunte Mischung deutscher, lettischer und russischer 
Typen sich seltsam genug ausnimmt. 

In Libau hat sich die bereits in der Zeit vor dem 
Kriege erschienene „Libausche Zeitung“ gleichfalls 
seit der deutschen Besetzung neu verjüngt; in dem 
kurländischen Städtchen Goldingen erschien früher 
der wöchentliche „Goldinger Anzeiger“, in Windau 
die „Windauer Zeitung“. 

Als älteste lettische Zeitung wurden von der schon 
genannten Kurländischen Gesellschaft für Literatur 
und Kunst im Jahre 1822 die „Latweeschu Awises“ 
(Lettische Nachrichten) ins Leben gerufen, die später 
von der Lettisch-Literärischen Gesellschaft fortgeführt 
worden und bis 1915 erschienen sind. Das Blatt hat 
in hervorragender Weise zur Aufklärung und Bildung 


der Letten und zu ihrer Bekanntschaft mit deutscher 
Kultur beigetragen. Heute werden unter der deutschen 
Verwaltung die mehrmals wöchentlich erscheinenden 
„Dsimtenes Sinas“ (Heimatsnachrichten) für die let¬ 
tische Bevölkerung herausgegeben. 

Die vorstehende Zusammenstellung von Erzeug¬ 
nissen kurländischen Buch- und Druckgewerbes kann, 
wie bereits betont, keinerlei Anspruch auf Vollständig¬ 
keit machen. Aber auch schon die gegebene Auswahl 
mag als Probe besten deutschen Wesens im Balten¬ 
landedienen. WiedieBlumesichderlebenspendenden 
Sonne zuneigt, so hat in geistiger und kultureller Be¬ 
ziehung auch Kurland stets nach Deutschland herüber¬ 
geblickt und hat — aller Russifizierungspolitik zum 
Trotz! — liebevoll deutsche Art gehegt und gepflegt. 
Möge es uns erhalten bleiben! 


Militärische Buchbinderei in Polen 


M wunderschönen Monat Mai 1915 sitze ich 
im Geschäftszimmer meiner Landsturm-Kom¬ 
panie in Kalisch und habe gerade die schrift¬ 
lichen Vorbereitungen beendet für den schön¬ 
sten Augenblick im Leben des Soldaten, das heißt 
ich schrieb die Löhnungsliste, als vor dem Fenster 
sich die rundliche Gestalt der Bataillons-Ordonnanz 
vom Rade schwingt, mit gewichtigem Schritt ins 
Zimmer tritt und meinem Feldwebel den Befehl über¬ 
bringt: „Gefr. L.... meldet sich sofort beim Beauf¬ 
tragten des Oberbefehlshabers Ost bei der Deutschen 
Verwaltung für Polen.“ Also so wie ich! Ich wandere 
also los zu dem schloßähnlichen Gebäude, in welches 
vor wenig Tagen die neue Behörde „Deutsche Ver¬ 
waltung“ eingezogen war, und melde mich in der Re¬ 
gistratur. „Sie sind Buchbinder; können Sie Akten 
heften?“ Bei mir denk ich: das wär schlimm, wenn 
ich nicht mehr könnte, sagen kann ich aber bloß: 
„Jawohl! “ Ich bekomme also einen Berg Aktenstücke; 
Nadel und Zwirn ist auch da, einen Tisch finde ich 
neben dem Schreibmaschinen-Menschen, der mit 
seinem lieblichen Geklapper die Frühlingsluft erfüllt. 
So geht es einige Tage fort, zum Leidwesen meines 
Feldwebels, der auch für mich Arbeit genug hat. 
Dann kommt ein Offizier zu mir mit dem Auftrag, 
eine Karte anzufertigen, aus 96 Blättern der General¬ 
stabskarte zusammenzusetzen (zwölf Blatt hoch, acht 
Blatt breit), auf Leinen zu ziehen und zum Aufhängen 
und Rollen eingerichtet. Schnell gesagt, aber wie, 
wo und womit gemacht? Leinwand ist in der Stadt, 
die in den ersten Augusttagen 1914 zum großen Teil 
zerstört, verbrannt und von den Bewohnern verlassen 
ist, nicht aufzutreiben, also muß ich diese und das 
nötigste Werkzeug von der nächsten deutschen Stadt, 
Ostrowo, holen. Zum Spannen benutze ich das Parkett 
eines Saales des ehemaligen russischen Gouverne¬ 
mentsgebäudes, vorher muß ich es aber höchsteigen¬ 


händig reinigen. Unter Assistenz eines gefälligen Kraft¬ 
fahrers kommt das Zusammensetzen und Spannen 
des Schirtings glücklich zustande; zuletzt, nach 
dem Zuschneiden der Blätter, das Aufziehen, wobei 
mir die verschiedene Dehnung der Blätter große 
Schwierigkeiten bereitet. Meine Kommißtrittchen 
muß ich allerdings ausziehen und in Strümpfen auf 
und nieder hopsen, was die zuschauenden Offiziere be¬ 
lustigt und mir vom Fürst I.... den Titel Parterre- 
Akrobat einträgt. — Eine ordentliche Rollvorrichtung 
ist nicht zu beschaffen und ich muß mir anders helfen. 
Ich freunde mich mit den Kameraden an, welche als 
Zimmerleute beim Bau einer Entlausungsanstalt tätig 
sind, und bekomme von ihnen schöne glatte Leisten, 
echt Kiefer, naturfarbig. Ein Autoschlosser macht 
mir vier große eiserne Haken. Bevor wir diese ein- 
schlagen, müssen wir erst eine Jagd nach einer Leiter 
veranstalten, was nach einem halben Tag auch Erfolg 
hat. Nun wird die Karte oben und unten zwischen 
Leisten genagelt, Ösen eingeschraubt und hierzu aus 
Porzellanringen und starker Schnur eine Zugvorrich¬ 
tung erfunden, so daß die Karte oben an drei Schnuren 
hängt und hochgezogen werden kann, während die 
untere noch zusammengerollte Partie in drei end¬ 
losen Schlingen aus Schnur hängt und selbsttätig 
auf- und zurollt. Nachdem die Fertigstellung gemeldet 
und das gute Funktionieren von den Offizieren ge¬ 
nügend festgestellt war, bekam ich vom Fürst I... 
einen neuen Darlehnskassenschein, was meinen be¬ 
drückten Finanzen ganz wohltuend war. Ich hab in 
meinem Leben schon manches schwierige Stück Ar¬ 
beit geliefert, aber selten hat es mir solche Freude 
gemacht wie dieses. Ich blieb kommandiert, auch 
als mein Bataillon nach dem Norden abrtickte und 
an den Kämpfen am Omulev und an der Rawka teil¬ 
nahm. — Später fand ich vier große Bretter, jedes 
130 x 100 cm groß, welche als Platten zu einem großen 

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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Speisetisch gedient hatten und die aneinanderzu¬ 
setzen waren. Diese waren mir willkommen und 
dienten mir noch oft zum Kartenaufziehen. 

Bald nach der Einnahme Warschaus wurde die Be¬ 
hörde vergrößert und aus ihr das „Generalgouverne¬ 
ment Warschau“ gegründet. Wir fuhren nach der 
Polenhauptstadt. Dort war das Schloß als Sitz des 
Generalgouvernements bestimmt, aber noch nicht be¬ 
nutzbar, weshalb die Diensträume in einem andern Bau 
aufgeschlagen wurden. In den ersten Tagen herrschte 
ein großes Durcheinander: Offiziere, Ordonnanzen, 
Autos, Zivilisten kamen, gingen, suchten sich und 
alle die neuen deutschen Behörden und Kommando¬ 
stellen in der eroberten Stadt. Ich besann mich auf 
meine Zeichenkunst, machte zwei große Schilder aus 
Pappe mitderAufschrift:„Generalgouvernement“und 
nagelte sie an die Türen. Nun waren wir zu finden. 
Nach einer Woche wurden die Räume im Schloß’ be¬ 
zogen. Meine erste Arbeit war die, Schilder anzu¬ 
fertigen für die Zimmertüren, wobei mir meine Fertig¬ 
keit im Lackschriftschreiben zustatten kam. Bald war 
dadurch im Hause Übersicht und Ordnung. Eine 
große Tafel, in der Hausflur, hergestellt durch Über¬ 
spannen eines Bilderrahmens mit Zeichenpapier und 
von mir beschrieben, dient als „Wegweiser“ zu den 
Abteilungen in Verbindung mit Numerierung der 
Eingänge. Bald konnte ich mir eine richtige Buch¬ 
binderei einrichten. Einen soliden schönen Arbeits¬ 
tisch, mit dicker Platte, fand ich in der Schloßküche; 
eine Schneidemaschine und eine Drahtheftemaschine 
wurde requiriert und aufgestellt, nachdem ein schönes 
helles Zimmer von den Nachlässen der Russen ge¬ 
reinigt war. Beschäftigung gab es genug, besonders 
große Karten aufzuziehen. Als Seltenheit will ich eine 
Karte erwähnen, deren Blätter einzeln gedruckt sind, 
aber nicht mit rechteckiger Begrenzung, sondern nach 
unten breiter werdend, entsprechend den auseinander 
laufenden Meridianlinien. Die ganze Karte war etwa 4 m 
hoch, unten 1,50, oben 1,20 breit, wird erst in den Längs¬ 
brüchen gefaltet, und dann zusammengelegt wie üblich. 

Zu gleicher Zeit wurde in den Nebenräumen eine 
Buchdruckerei eingerichtet, Maschinen aufgestellt, 
Motore gesetzt, Setzregale mit Schriften gefüllt, nach¬ 
dem die Jünger Gutenbergs im Waffenkleid einge¬ 


troffen waren. Etwas später ward auch eine vor¬ 
handene Steindruckpresse in Betrieb genommen. 
Bald machte sich für die Setzerei eine Erweiterung 
nötig, weshalb ich mein bisheriges Zimmer dieser 
überlassen und mit meiner Buchbinderei in einen 
weiteren Raum umziehen mußte. Dieser Raum scheint 
von den Russen als Archiv, als Montierungs- und 
Rumpelkammer zugleich gebraucht zu sein, und be¬ 
fand sich in einem unbeschreiblichen Zustand. Alles 
mögliche: Bücher, Bilder, Koffer, Möbel, Waffen, 
Kupfergeschirr, Bekleidungsstücke, militärische Aus¬ 
rüstung, Lampen, Patronen, Pulver, Lithographie¬ 
steine, Dekorationen, Fahnen usw. lagen in einer 
wüsten mannshohen Schicht und mußte in mehrtägiger 
Arbeit aufgeräumt werden. Hierbei kamen mir 
viele Einlegeplatten einer großen Speisetafel in die 
Hände, welche jetzt, zusammengesetzt und auf Kon- 
Sole an die Wand aufgestellt, als Brett zum Karten¬ 
aufziehen dient. Sehr bald wurde mit der wachsenden 
Arbeit eine Erweiterung des Buchbinderei-Personals 
nötig, und Kameraden und Berufsgenossen aus Trier 
und aus Breslau wurden „befohlen“. 

Am 5. August d. J. war der Gedenktag der Ein¬ 
nahme Warschaus, und am 25. August konnte ich an 
der Feier des einjährigen Bestehens des General¬ 
gouvernements teilnehmen,welche in schlichterWeise 
im Schloßhofe stattfand durch eine Ansprache des 
Generalgouverneurs Exzellenz von Beseler, des Er¬ 
oberers von Antwerpen und Nowo-Georgiewsk. 

In diesem Jahre ist manches Stück Arbeit aus uns¬ 
rer Buchbinderei hervorgegangen, vom einfachen 
Aktenheft bis zum Immediatbericht an Se. Majestät; 
die halbe Welt in Landkarten, oft von riesigen Maßen, 
haben wir gefertigt, manches Buch gebunden, einen 
Jahrgang des Militärverordnungsblattes für das Gene¬ 
ralgouvernement Warschau, aus der eignen Druckerei, 
fertig gemacht, nebst den vielen andern Druckschriften 
und Formularen, und diese Zeit meiner Tätigkeit im 
Beruf und Dienst wird mir eine angenehme Erinne¬ 
rung bleiben. Ich habe einen Einblick bekommen 
in die großartige Organisation unsrer Heeresver¬ 
waltung, welche auch die Grundlage ist zu unsern 
Erfolgen, welche uns hoffentlich recht bald zu einem 
glücklichen Frieden führen werden. K. L. 


Der linkshändige Buchgewerbler 

Betrachtungen im Anschluß an das Zirkelsystem für linkshändiges buchgewerbliches Zeichnen 

von HS. W. LOOSE 


TTP Vermeidung von Verwechslungen mit 
j M [Autoren, aus deren Federn bereits viel Tinte 
\M [über die Verwendungsmöglichkeiten des 
iimnmi! linkshändigen Kriegsinvaliden geflossen ist, 
ohne selbst auch nur kurze Zeit versucht zu haben, 
linkshändig unter Berücksichtigung der besonderen 
Erfordernisse der einzelnen Berufszweige zu arbeiten, 


scheint es mir nicht unwichtig, im voraus festzustellen, 
daß ich selbst Buchgewerbler (zeichnerisch „Nicht- 
Akademiker“, sondern „nur“ Autodidakt) bin und in¬ 
folge französischer Aufmerksamkeit an der Westfront 
einen ganz anerkennenswert gezielten Brustschuß 
erhielt, der eine Lähmung der rechten Hand zur Folge 
hatte. Die Quintessenz dieser für die Allgemeinheit 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


sonst belanglosen Tatsachen ist, daß die nachfolgenden 
Betrachtungen derVerwendungsmöglichkeitder linken 
Hand im Buchgewerbe erfahrungsgemäß Rechnung 
tragen und das erläuterte zeichnerische System nicht 
unbedingt akademischer oder kunstgewerblicher Vor¬ 
schulung bedarf, sofern sonst der Invalid überein ge- 
wissesMaßvonlntelligenzundnatürlicherGeschmacks- 
begabung verfügt. Diese Vorbedingung verengert für 
unsre Betrachtungen auch wesentlich den Kreis links¬ 
händiger Invaliden, indem sie alle untergeordneten 
geistigen Kräfte ausschließt, die ohne besondere beruf¬ 
liche Schulungim Buchgewerbe tätiggewesen sind.Der 
allgemeine Aufbau der bisher gepflegten Invaliden¬ 
fürsorge, die für den Mindergebildeten, bei beschei¬ 
denen geistigen und sozialen Ansprüchen vielseitigauf 
dem Arbeitsmarkte zu Verwendenden naturgemäß mit 
größerem Erfolge tätig sein kann, als für den Künstler 
oder buchkunstgewerblichen Fachmann als Kopf¬ 
arbeiter, scheint mir für diese Invaliden hinreichend 
Gewähr für eine zufriedenstellende Unterbringung im 
Gewerbe oder in verwandten Berufszweigen zu bieten. 
Unter die Bezeichnung „Kopfarbeiter“ beziehe ich 
aber im Buchgewerbe auch den Drucker und Setzer 
fortschrittlicher ästhetischer Bestrebung ein, weil seine 
Tätigkeit, vom Handwerk zum Kunsthandwerk er¬ 
hoben, sich auf geistiger Grundlage vollzieht. 

Entgegen allen bisherigen Bewertungen der Ver¬ 
wendungsmöglichkeit des Linkshänders für Schrift 
und Zeichnung bin ich nun erfahrungsgemäß der 
Meinung, daß nicht das Schreiben eine Vorschule des 
Zeichnens ist, sondern umgekehrt. Es läßt sich dies 
am ehesten orthopädisch begründen, weil der noch 
schwerfälligen Linken vor allem eine ständige Schulung 
von Handgelenk und Fingern nottut, eine Schulung, 
die beim Schreiben durch das feste Aufliegen von 
Arm und meist auch Handgelenk sowie die geringe 
Fingerbeweglichkeit schwerlich oder doch nur lang¬ 
sam erreichbar ist. Anders beim Zeichnen: hier ist 
nirgends feste Lage, alles ist fließende Bewegung, 
ständiges Spielen von Handgelenk und Fingern. 

Die bisherigen Versuche nun, den zeichnenden 
linkshändigen Buch- oder Kunstgewerbler innerhalb 
allgemeiner Zeichenkurse nach der rechtshändigen 
pädagogischen Methode zu schulen, sind wohl durch¬ 
zuführen, aber zweifellos zeitraubend. Eine gemein¬ 
same Schulung von Rechts- und Linkshändern halte 
ich außerdem für durchaus verfehlt, da selbst bei 
gleicher Begabung ein einheitliches Tempo nicht er¬ 
reichbar sein kann. Auch würden bei der rechts¬ 
händigen Methode des Unterrichts mindestens links¬ 
händig arbeitende Lehrkräfte notwendig sein.—Selbst 
wenn der Linkshänder aber auf diese Art im Entwurf 
der Zeichnung die Fertigkeit des Rechtshänders er¬ 
reicht — ich zweifle dies durchaus nicht an —, so 
werden sich zunehmende Schwierigkeiten bei der 
Reinzeichnung einstellen, insbesondere auf buchge¬ 


werblichem Gebiete, das an exakte, gleichmäßige 
Linienführung und sauberen Strich besondere Anfor¬ 
derungen stellt, denen allerdings selbst die wenigsten 
Rechtshänder zu entsprechen geeignet oder infolge 
falscher Auffassung genialen Künstlertums gewillt 
sind. Leere Deckweißtuben sind bekanntlich neben 
den unvermeidlichen Zigarettenresten untrügliche 
Anzeichen stattgefundener zeichnerischer Tätigkeit 
unsrer jungen akademischen Buchgewerbler. 

Für das Programm einer zeichnerischen links¬ 
händigen Schulung ergeben sich nach alledem folgende 
Vorbedingungen: möglichst vielseitige Bewegung der 
Gelenke, eine der Schwerfälligkeit der Linken ange¬ 
paßte, erleichterte Linienführung bei der Reinzeich¬ 
nung und Unabhängigkeit von der zeichnerischen 
rechtshändigen Vorschulung. 

Diese Vorbedingungen nun und die Erkenntnis, 
daß beim Gebrauche des Zirkels die erste und zweite 
.Bedingung ohne weiteres in geradezu vorbildlicher 
Weise erfüllbar sind, führte — rein geistig über¬ 
legend — zum Gedanken des Zirkelzeichnens auf 
systematischer Grundlage. Bei allen Invaliden der 
mathematischen und ingenieur-wissenschaftlichenBe- 
rufe würde diese Erkenntnis genügen, um den Links¬ 
händer auf seine ursprüngliche berufliche Tätigkeit 
zu verweisen. Schwieriger gestaltete sich die Frage 
beim Buch- und Kunstgewerbler, weil hier das Pro¬ 
blem zu lösen war, ob wir ausschließlich durch Zirkel¬ 
schläge kunstgewerblich-künstlerisch befriedigende 
Resultate, das heißt gefällige Formen konstruieren 
können. Eine eingehende Betrachtung antiker wie 
zeitgemäßer Ornamentik ergibt nun bereits, daß die 
Verwendung des geometrischen Zirkelornamentes, 
wenn auch nicht systematisch, so doch vielseitig zu 
allen Zeiten angewandt worden ist. Und wenn auch 
demKünstlerdasGebundenederZirkelverwendungen, 
die sich ergeben, die Strenge derLinienführung weniger 
sympathisch erscheinen mag,als die freie ungebundene 
Linie, wie sie aus dem Schwünge des Handgelenkes 
heraus entsteht, so geht doch gerade die kunstgewerb¬ 
liche Strömung der Gegenwart infolge ihrer Neigung 
nach Klarheit, nach Vermeidung aller Verschnörke- 
lungen und linearen Auswüchse fast unbewußt fort¬ 
schreitend zur strengen Form der Kreislinien über. 
Den Höhepunkt erreichten hierbei bewußt — in Be¬ 
rücksichtigung des Erfahrungsgrundsatzes, daß der 
Kreis das absolut schönste geometrische Gebilde ist— 
Künstler wie Peter Behrens und in hervorragender 
Weise Ehmcke, indem sie die primitivste Form des 
Zirkelornamentes, den Kreis an sich dekorativ ver¬ 
wendeten. Wir brauchen uns nur des Kreiszierates 
Ehmckes zu erinnern, den er für die Schriftgießerei 
Flinsch entworfen hat. Nebenher würden sich aber eine 
ganze Reihe freihändig entworfener dekorativerEinzel- 
teile ohne Beeinträchtigung ihrer Gefälligkeit der 
Form mit dem Zirkel haben konstruieren lassen. 


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Auf diesen, teils bewußt, teils unbewußt ange¬ 
wandten Zirkelformen aufbauend, galt es, die Ver¬ 
wendung des Zirkels sinnreich auszubauen, syste¬ 
matisch zu erweitern. Hierbei war mir von Anbeginn 
unstrittig, daß eine Systematisierung des Ornamentes 
durch den Zirkel seiner natürlichen geometrisch¬ 
zeichnerischen Verwendung entsprechend auch geo¬ 
metrisch exakt aufgebaut werden müsse. Schon aus 
diesem Grunde, aber auch zur Vermeidung des bei 
Einarmigkeit schwierigen Operierens mit Winkel und 
Reißschiene ergab sich die Verwendung von Milli¬ 
meterpapier. Die Ausarbeitungdes geometrischen Auf¬ 
baues, wie ich ihn zum ersten Male in vollständiger 
Folge auf der Heimatdank-Ausstellung Leipzig 1917 
zeigen werde, ergab nun vor allem die völlige Unzu¬ 
länglichkeit unsrer planimetrischen Lehrbücher bei 
Benutzung für buch- oder kunstgewerbliche Zwecke. 
Wir müssen hierbei vor allem als Grundsatz auf¬ 
stellen, daß alle knabenschulmäßige geometrische 
Weisheit einschließlich der meist breit ausgeführten 
Voraussetzungen und Beweise der Konstruktionen 
für den erwachsenen Invaliden, ja selbst als Neuling 
auszuschalten sind. Es ist gewissermaßen nur das 
Rezept der Konstruktion erwünscht, dafür aber eine 
zeichnerische Darstellung und Erläuterung, die jeden 
Zweifel über die Anwendung der Konstruktion aus¬ 
schließt, augenfällig klar und überzeugend wirkt. 
Außerdem ist den besonderen Bedürfnissen des Kunst¬ 
gewerbes bedeutend erweitert Rechnung zu tragen, 
soweit sie überhaupt berücksichtigt werden. Becker- 
Vonderlinn (Ausgabe Göschen) gibt beispielsweise 
die primitiven Formen der enggezogenen einfachen 
oder Bandspirale überhaupt nicht, behandelt die Ent¬ 
wicklung der Sternformen in einer kunstgewerblich 
geradezu naiven Form und zeigt insbesondere inner¬ 
halb seiner Konstruktionen über Kreisberührungen 
eine bedenklich architektonisch-wissenschaftlicheEin- 
seitigkeit. 

Das Gerippe des geometrischen Lehrganges, wie 
ich ihn auf der Heimatdank-Ausstellung unter Be¬ 
rücksichtigung auch des von Geometrie noch Unge¬ 
trübten zeigen werde, gliedert sich nach folgenden 
Gesichtspunkten: 

1. Zeichnerische Erläuterungen der geometrischen 
Fachausdrücke (Peripherie, Radius, Winkel, 
Tangente usw.). 

2. Auffindung der Mittelpunkte gegebener Formen 
(des Kreises, der regelmäßigen Vielecke usw.). 

3. Winkelhalbierungen, Lotfällungen, Parallelen, 
Winkelübertragungen (mit besonderer Berück¬ 
sichtigung des Einarmigen ohne Zuhilfenahme 
von Reißschiene und Winkel). 

4. Verwandtschaft regelmäßigerVielecke (Vier-und 
Achteck, Drei- und Sechseck, Vier-, Acht- und 
Dreieck usw.). 


5. Die Konstruktion der regelmäßigen Vielecke im 
gegebenen Kreis. (Für das System von weit¬ 
gehenderer Bedeutung als die Konstruktion bei 
gegebener Seitenlänge, welche jedoch ebenfalls 
gezeigt wird.) 

6. Kreisberührungen: a) eine bestimmte Anzahl 
Kreise in einem gegebenen Kreis derart zu kon¬ 
struieren, daß sie sich und den gegebenen Kreis 
nur berühren, nicht schneiden; b) Konstruktion 
in gleicher Weise um einen gegebenen Kreis; 
c) Konstruktion von Kreisen zwischen zwei ge¬ 
gebenen Kreisen. 

7. Die Spirale: a) die einfache und Bandspirale bei 
zwei Einstichpunkten; b) bei gleichmäßigem Ab¬ 
rücken der Einstichpunkte nach links oder rechts 
oder nach beiden Seiten; c) die archimedische 
und ionische Spirale unter besonderer Berück¬ 
sichtigung der Ausführung der Kurve mit dem 
Zirkel, nicht mit der freien Hand. 

8. Die Kreisbögen: a) normaler, gedrückter und 
überhöhter Bogen; b) fallender oder steigender 
Bogen; c) Tudor- und Kamiesbögen; d) Korb¬ 
bögen und Eilinien mit besonderer Überleitung 
zum Oval. 

9. Das Oval: a) bei gegebener Quer- oder Höhen¬ 
achse; b) bei gegebenen beiden Achsen. 

10. Die kunstgewerblich-zeichnerische Bedeutung 
der geometrischen Hilfskonstruktion (vergleiche 
die beigegebene Abbildungsseite): a) die Stern¬ 
formen; b) Rosettenformen; c) Netzbildungen 
oder Vergatterungen. 

11. Die radial angeordnete Zusammensetzung regel¬ 
mäßigerVielecke zum Flächenmuster (das Sechs¬ 
eck, Fünfeck, Fünf- und Achteck, Drei-, Vier- 
und Sechseck usw.). 

12. Die dekorative Verwertung der geometrischen 
Hilfskonstruktion innerhalb des Flächenmusters. 

Diese kurz skizzierten Hauptgesichtspunkte werden 
auf der Heimatdank-Ausstellung auf etwa 50 größeren 
Tafeln zeichnerisch erläutert werden, an die sich etwa 
200 ausgeführte Flächenmuster und Entwürfe von 
dekorativen Einzelformen anschließen. Absichtlich 
ausgeschaltet wurden für die ersten Kurse inner¬ 
halb des geometrischen Lehrganges die Parabel- und 
Hyperbel-Konstruktionen, Kegelschnitte, Konchoide 
sowie verschiedene Konstruktionen rein geometrisch- 
wissenschaftlichen Interesses ohne besondere Be¬ 
deutung für die Praxis des buch- und kunstgewerb¬ 
lichen Zeichnens. 

Hinsichtlich desGesamtlehrganges setzen die ersten 
Übungen naturgemäß mit dem vollen Kreis ein. Schon 
Ehmcke hat uns gezeigt, daß der Kreis, wie wir ihn 
in seiner vollen Form durch In- oder Nebeneinander¬ 
setzung auch verwenden mögen, bei entsprechender 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


geschmacklicher Aufteilung der gegebenen Fläche 
stets gefällige Formen ergeben wird. Die viereckige 
Kasteneinteilung des Millimeterpapieres ergibt so¬ 
dann das Viereck als nächstliegende geometrische 
Form zur ornamentalen Gestaltung, und die kleinen 
Zierstücke der Randsteile der beigegebenenZeichnung 
dekorativer Formen wird zur Genüge die schier un¬ 
erschöpfliche Vielgestaltigkeit dieser Formenwelt er¬ 
weisen. 

Erhöhte Forderungen an geistige Überlegung und 
an den Blick für die charakteristischen Formen der 
Naturerscheinungen werden gestellt, sobald wir ver¬ 
suchen, Blüte und Blatt in das Bereich unsrer Kon¬ 
struktionsversuche einzubeziehen. Hier erst zeigt 
sich am deutlichsten, daß der Kernpunkt des Systems 
weniger in der manuellen Fertigkeit, als in der Ge¬ 
staltungsgabe, der geistigen Überlegung liegt. Selbst¬ 
verständlich werden wir die Naturerscheinungen nie 
naturalistisch vollkommen getreu wiedergeben können, 
doch ist dies schließlich auch nicht Zweck der deko¬ 
rativen Zeichnung. 

Wenn Professor Dr. Schramm in seinem Referat 
über die Ausstellung des Systems im Buchgewerbe¬ 
museum (September bis Dezember 1915) sagte, daß 
die Entwürfe dieses Systems hauptsächlich auf farbige 
Wiedergabe angewiesen seien, so trifft dies in der 
Hauptsache auch gegenwärtig noch zu, wennschon der 
weitere Ausbau inzwischen überzeugend beweist, daß 
wir das System auch für einfarbige buchgewerbliche 
Zeichnung verwenden können. Immerhin halte ich 
es in Übereinstimmung mit der Schrammschen Auf¬ 
fassung für unbedingt notwendig, daß bei Einführung 
des Systems nur farbenästhetisch geschulte Kräfte 
sich des Unterrichtes annehmen sollten. 


Solange sich keine umfassendere Publikation über 
das System einschließlich des geometrischen Lehr¬ 
ganges ermöglichen läßt, wird die Verbreitung zu 
Nutzen der in Frage kommenden Invaliden ausschlie߬ 
lich auf Ausstellungen und Vorträge angewiesen sein. 
Hierin würde ich gleichzeitig eine wertvolle Selbsthilfe 
der buchgewerblichen Kreise, der typographischen 
Vereinigungen usw. erblicken, den namentlich in der 
Provinz noch immer vorhandenen nutzlosen Hand¬ 
fertigkeitskursen der Invaliden bzw. Lazarettinsassen 
zu steuern. Die Frage der schnellen und sachgemäßen 
Berufsnachschulung des Invaliden ist eine zu ernste 
Frage, als daß die wertvolle, nutzlos verstreichende 
Lazarettzeit des Verwundeten mit derartigen Spie¬ 
lereien ausgefüllt wird, wie sie die üblichen Knüpf- 
und Flechtarbeiten schlechterdings darstellen. 

Wenn ich ohne Überschätzung des Systems auch 
annehmen zu können glaube, daß wir eine große Zahl 
fachmännisch vorgeschulter oder kunstgewerblich 
begabter Linkshänder durch dasselbe dem Berufe er¬ 
halten oder zuführen können, so möchte ich andern- 
teils entschieden vor einer Verallgemeinerung warnen, 
die leicht zu einem kunstgewerblichen Proletariat 
führen könnte. Nur der wirklich Berufene soll am 
Unterrichte teilnehmen. Im übrigen wollen wir nicht 
vergessen, daß wir den typographisch geschulten In¬ 
validen auch als Linkshänder zum Reklamefachmann 
ausbilden können. Der Kreis der buchgewerblich zeit¬ 
gemäß geschulten Reklamefachleute ist durchaus nicht 
so groß, als er scheinen möchte, und ich glaube, daß 
wir bei geeigneter Zusammenarbeit wirklicher Fach¬ 
leute eine ganze Anzahl buchgewerblicher Invaliden 
auf dieses Gebiet überleiten könnten, soweit sie im 
alten Wirkungskreis nicht mehr verwendbar sind. 


Das Buchgewerbe in den deutschen Museen 

Von Museumsdirektor Professor Dr. SCHRAMM, Leipzig 
(Fortsetzung) 


2. Germanisches Museum zu Nürnberg 

in ganz andres Bild als das Stuttgarter Lan- 
5 1 u S desgewerbemuseum eröffnet sich dem Buch- 
5 8 jgewerbler im Germanischen Museum zu 
Üm..m4 Nürnberg. Dies liegt in der Natur der Sache. 
Hatten wir esbeim Stuttgarter Landesgewerbemuseum 
mit einem reinen Kunstgewerbemuseum zu tun, so 
ist das Germanische Museum das erste große In¬ 
stitut, das neben Kunstwerken in sein Sammeln kul¬ 
turhistorisch wichtige, für die Geschichte unsrer 
Vorfahren bedeutungsvolle Stücke einbezog, ja die 
geschichtlicheEntwicklung in den Vordergrund rückte; 
soll es doch laut § 1 seiner Satzung „eine National¬ 
anstalt für alle Deutschen“ sein mit dem Zweck, „die 
Kenntnis der deutschen Vorzeit zu erhalten und zu 


mehren, namentlich die bedeutsamen Denkmale der 
deutschen Geschichte, Kunst und Literatur vor der 
Vergessenheit zu bewahren und ihr Verständnis auf 
alle Weise zu fördern“. So ist es besonders reizvoll, 
nach dem Besuch des Stuttgarter Museums in Nürn¬ 
berg rückschauend die Entwicklung der verschiedenen 
Zweige des Buchgewerbes betrachten zu können, und 
das ist bei den vielen einschlägigen Sammlungsgegen¬ 
ständen in hervorragendem Maße möglich. 

Das Germanische Museum ist bekanntlich in der 
Kartause untergebracht, wenige Minuten vom Haupt¬ 
bahnhof entfernt. Für den Buchgewerbler ist der 
Hinweis wichtig, daß erst die allerletzten Säle des 
eigentlichen Museums für ihn in Betracht kommen, 
wenn er Fachstudien treiben will. Wohl ist für ihn 
bereits der Kreuzgang bemerkenswert mit seinem 

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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


ältesten auf deutschem Boden gefundenen Grabmälern 
und die sich anschließende lange Reihe von Gipsab¬ 
güssen, da sie für die Entwicklung der Schrift be¬ 
achtenswerte Aufschlüsse geben. Auch die Sammlung 
von Siegelstempeln vom 12. bis 19. Jahrhundert in 
Raum 17 und die Sammlung von Nachbildungen der 
sämtlichen deutschen Kaisersiegel, eine Schenkung 
unsers Kaisers, in Raum 33, sind von Interesse. In 
Raum 31 wird er bei der Sammlung von kostbaren, 
meist in Edelmetall mit reichem Steinbesatz ausge¬ 
führten Buchdeckeln des frühen und hohen Mittelalters 
länger verweilen. Auch Raum 69, der der Geschichte 
des Handels und Verkehrs gewidmet ist, mit seinen 
alten Frachtbriefen und Urkunden (beachte besonders 
das „Hänselbuch“), ist in mehr als einer Beziehung 
für ihn interessant. Ferner wird ihn Raum 77 länger 
aufhalten. Hier sind eine ganze Anzahl Landkarten 
ausgestellt und zwar so, daß deren Entwicklung von 
den frühesten Zeiten an verfolgt werden kann. Stadt¬ 
pläne und eine Anzahl älterer sehr interessanter 
Kalender reihen sich an, die besondere Aufmerksam¬ 
keit verdienen. In Raum 80 konnte ich unter den 
Zunftladen eine buchgewerbliche nicht entdecken; 
in den magazinierten Beständen des Museums ist 
aber, wie ich höre, eine Buchbinderzunftlade vor¬ 
handen. Um so beachtenswerter sind hier die Ge¬ 
sellen- und Lehrlingsbriefe, die Handwerksordnungen 
und Meister-Bücher, die in Ausstattung und Form 
für den Buchgewerbler nur Lehrreiches bieten. Das¬ 
selbe gilt für die Beispiele, die in Raum 92 für die 
Entwicklung der Noten zusammengestellt sind, be¬ 
ginnend mit den Neumen, die an einem Manuskript 
aus dem 12. Jahrhundert gezeigt werden, denen sich 
Noten aus dem 15., 16. und 17. Jahrhundert in Schrift 
und Druck anschließen. 

Fanden sich in den bisherigen Räumen nur bald 
da bald dort den Buchgewerbler interessierende 
Stücke, so setzt mit Raum 93 eine geschlossene buch- 
gewerbliche Ausstellung ein, die zu besuchen und 
genauer zu besichtigen besonders lohnt. Das Ger¬ 
manische Museum hatte schon frühzeitig begonnen, 
seine Aufmerksamkeit den Holzstöcken zuzuwenden 
und gar bald eine recht stattliche Sammlung von 
solchen aus dem 15. bis 18. Jahrhundert zusammen¬ 
gebracht. Durch Schenkungen von verschiedenen 
Seiten — genannt seien nur die Scheurische Familien¬ 
sammlung, die Sammlung Dr. Hassler-Ulm, die Schen¬ 
kungen der Jos. Köselschen Buchdruckerei in Kempten, 
die Überweisungen aus städtischem Besitz — ist die 
Sammlung heute eine der größten, wenn nicht die 
größte unsrer deutschen Museen. Selbstverständlich 
konnte die gesamte Sammlung nicht zur Ausstellung 
gebracht werden; was aber ausliegt, ermöglicht einen 
schnellen und guten Überblick über die Holzschnitt¬ 
kunst vom 15. bis 19. Jahrhundert. Die Originalholz¬ 
stöcke sind zum Teil recht gut erhalten, so daß sie 


selbst heute noch nach Hunderten von Jahren zum 
Abdruck benutzt werden könnten. Die Sammlung 
läßt uns nicht nur einen Einblick in die Technik und 
Kunst des Holzschnittes der verschiedenen Zeiten 
tun, sondern ist kulturgeschichtlich auch hochinter¬ 
essant. Es liegen Holzstöcke für einzelne Blätter, 
für Illustrationen von Büchern, für Titelblätter, für 
merkantile Zwecke (insbesondere für Tabakfabriken) 
mit aus; die letzten Stöcke zeigen Darstellungen der 
ersten deutschen Eisenbahn Nürnberg-Fürth (1835). 
Man beachte auch die galvanoplastisch hergestellten 
Klischees in Letternmetall, die für die Initialver¬ 
zierungendes Buchdruckesverwendetwurden. Nimmt 
man dazu die vielen nicht ausgestellten Stöcke, so 
kann selbst derjenige, der eingehendere Studien auf 
diesemGebietmachen will,im Germanischen Museum 
ein Studienmaterial finden, das ihm zahlreiche Auf¬ 
schlüsse gibt, zumal ein recht umfangreicher, mit 
vielen Illustrationen versehener Katalog „der im Ger¬ 
manischen Museum vorhandenen zum Abdrucke be¬ 
stimmten geschnittenen Holzstöcke“ sowohl vom 15. 
und 16. als auch vom 17. und 18. Jahrhundert vorliegt. 

Der nächste Raum 94 ist ganz den Bucheinbänden 
gewidmet. Leider fehlen auch hier wie in Stuttgart 
und in fast allen Museen Einbände des frühen Mittel¬ 
alters. Der Grundstock der Bucheinbandsammlung 
geht auf den Gründer des Museums Freiherrn Hans 
von Aufseß zurück, der ein volles Verständnis dafür 
hatte, daß neben dem Inhalt der zahlreichen von ihm 
gesammelten alten Drucke und Handschriften auch 
der Einband für eine Sammlung von Wert, ja von 
größtem Wert sein konnte. Sein Sammeln fiel in 
eine Zeit, in der mancher alte Einband von unver¬ 
ständigen Bibliothekaren, denen die mit Schließen 
und Beschlägen versehenen Bände nicht in die in 
Reih und Glied stehenden übrigen Bücher paßten, 
seines Schmuckes beraubt wurde und einen neuen 
„schmuckeren und passenderen“ (!) Einband erhielt. 
Aufseß kaufte solche abgerissene Buchdeckel und 
heruntergerissene Schließen und legte mit diesen und 
einer Reihe Bücher in bemerkenswerten Einbänden 
den Grundstock der heutigen Sammlung, die im Laufe 
der Jahre so ausgestaltet wurde, daß sie heute recht 
wertvolle Einblicke in die Geschichte des Buchein¬ 
bandes ermöglicht. Viele Einbände sind Nürnberger 
Arbeit. Der Museumsleitung wird man immer Dank 
dafür wissen, daß sie in geschickter Auswahl eine für 
bestimmte Zeiten fast lückenlose Übersicht über die 
Entwicklung des Bucheinbandes gegeben hat. Tech¬ 
nik wie künstlerische Ausstattung kann hier studiert 
werden. In dem zweiten der zahlreichen Kästen, die 
mit Bucheinbänden gefüllt sind, istein kleines Brevier 
ausgelegt, das in Wildleder gebunden ist und beson¬ 
ders deshalb beachtenswert ist, weil der Einband eine 
Art Beutel bildet, den wir aus Gemälden des 15. Jahr¬ 
hunderts kennen, der bekanntlich dazu diente, das 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Buch am Gürtel befestigt zu tragen. Solche Buch¬ 
beutel sind selten und ein Hinweis darauf deshalb 
nicht unangebracht. Daß Kettenbücher nicht fehlen, 
braucht wohl kaum gesagt zu werden. Die ausgelegten 
Stücke reichen bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts; 
Bucheinbände unsrer heutigen Buchkünstler fehlen, 
was sich aus der ganzen Anlage des Germanischen 
Museums erklärt, das der Vergangenheit und ihren 
künstlerischen und kulturhistorisch wichtigen Äuße¬ 
rungen gewidmet ist. Auch über die Bucheinbände 
liegt ein ausführlicher Überblick vor unter dem Titel 
„Katalog der im Germanischen Museum vorhandenen 
interessanten Bucheinbände und Teile von solchen“. 

In Raum 95 kommt das Innere des Buches, Schrift 
und Druck , zum Wort, deren geschichtliche Entwick¬ 
lung an einer Reihe wertvoller Urkunden und Hand¬ 
schriften beziehentlich Frühdrucken und Drucken der 
späteren Zeit gezeigt wird. Auch Buchillustration und 
Buchschmuck haben hier in hervorragenden Ver¬ 
tretern einen ehrenvollen Platz bekommen. Aus der 
Fülle dessen, was Bibliothek, Archiv und Kupferstich¬ 
kabinett des Germanischen Museums birgt, sind hier 
die besten Stücke zusammengetragen. Freilich wer 
vom Deutschen Buchgewerbemuseum in Leipzig, das 
in dieser Beziehung wohl einzigartige Schätze im 
Original oder in Künstlerkopien birgt, kommt, wird 
manches vermissen, aber doch auch Stücke sehen, 
die Nürnberg besonders auszeichnen. 

An den Wänden über den Schaukästen bekommen 
wir zunächst prächtige Proben von Handschriften- 
Miniaturen zu sehen. Die Miniaturensammlung , über 
deren Bestände ein ausführlicher „Katalog der mittel¬ 
alterlichen Miniaturen des Germanischen National- 
Museums“ von E. W. Bredt Auskunft gibt, ist recht 
bemerkenswert und in ihren Beständen für eingehen¬ 
dere Arbeiten auf diesem Gebiet nicht ohne Schaden 
zu umgehen. Das aushängende Material, das bei der 
Beschränktheit des Raumes erklärlicherweise nur für 
den flüchtigeren Besucher berechnet ist, läßt die Fülle 
der vorhandenen Stücke kaum ahnen. Die Anlage der 
Miniaturensammlung geht ebenfalls wie die der Buch¬ 
einbandsammlung in die ersten Jahre des Bestehens 
des Germanischen Museums zurück. Nürnberg mit 
seinen vielen Feingoldschlägern war ja auch damals 
ein Ort, wo Pergamentblätter in großer Zahl auf den 
Markt kamen, die freilich nicht nach ihrem Inhalt oder 
ihrer künstlerischen Bemalung und Beschriftung, 
sondern dem Gewichte nach verkauft wurden. Auf 
den Nürnberger Pergamentmärkten hat denn Freiherr 
von Aufseß manches schöne Blatt erstanden, ohne 
freilich dazu gelangen zu können, etwa große wert¬ 
volle Handschriften oder wenigstens größere Lagen 
von solchen zu erhalten, da hierzu die Geldmittel 
fehlten. Die Sammeltätigkeit ist bis auf den heutigen 
Tag fortgesetzt worden, so daß das Germanische 
Museum gegenwärtig wohl imstande ist, einen recht 


guten Überblick über die Entwicklungsgeschichte der 
mittelalterlichen Miniaturenmalerei Deutschlands zu 
gewähren, ja sogar auch Einblicke in die Miniaturen¬ 
malerei andrer Länder zu ermöglichen. Den Miniaturen 
schließen sich an denWänden Blätter des Holzschnittes, 
des Kupferstiches, der Lithographie an, so geordnet, 
daß nicht nur ein technischer und künstlerischer, 
sondern auch kulturhistorischer Überblick ermöglicht 
ist. Auch hier bekommt man manch wertvolles Blatt 
zu sehen von den Vertretern des frühen Holzschnittes 
an bis zu den Inkunabeln der Lithographie. 

Eine reiche Fülle von hervorragenden Stücken des 
Schrifttums bergen die Glaskästen unter diesen an 
den Wänden ausgestellten Blättern. Den Anfang 
machen hier eine große Anzahl höchst interessanter 
Urkunden (Tauschverträge, Bestätigungsurkunden, 
Schenkungsbriefe, Wappenbriefe und dergleichen 
mehr). Schade, daß hier nicht auch das „Püchl von 
meim gesiecht und von abentewer“ von Stromer aus¬ 
gestellt ist, das nach Marabini, „Die Papiermühlen 
im Gebiete der weiland freien Reichsstadt Nürnberg“, 
Bayrische Papiergeschichte I. Teil 1894 Seite 17 — ich 
selbst habe es leider bis jetzt nicht einsehen können — 
das Germanische Museum besitzen soll und das über 
die erste Papiermühle Bayerns, die „Gleismül“ be¬ 
richtet. Es würde sicherlich gerade in diesem Raum, 
wenigstens von buchgewerblicher Seite, besonderem 
Interesse begegnen. Wer Schrift und Schriftentwick- 
lung im Laufe der Jahrhunderte studieren will, findet 
hier willkommenes Material, ebenso kommt der Ge¬ 
schichtsforscher durch manches Stück auf seine Rech¬ 
nung. Die ausgelegten Urkunden beginnen mit einem 
Vertrag aus dem Jahre 905, dem sich eine ganze 
Reihe von höchst wichtigen Schriftstücken anschließt, 
darunter Originale von Melanchthon, Wallenstein, 
Gustav Adolf usw. Die künstlerische Ausstattung der 
ausgelegten geschriebenen Stücke kommt dann am 
meisten bei den geschriebenen Büchern zur Geltung, 
obwohl auch hier kulturgeschichtlich besonders wich¬ 
tige Dokumente, die vielleicht weniger künstlerisch 
sind, mit gezeigt werden. Die Hauptzierde bilden 
eine Anzahl Evangeliarien und einzelne historisch 
wertvolle Bruchstücke. Auch die Wachstafel, die ja 
noch lange im Gebrauch war, bekommen wir zu sehen. 
Auf Albrecht Dürers „Unterweisung zur Messung mit 
dem Zirkel und Richtscheit“, eine eigenhändige Nieder¬ 
schrift Dürers, sei besonders aufmerksam gemacht. 
Ehe die Vorläufer des Buchdrucks zum Worte kommen, 
sind noch besonders schöne Stammbücher, Wappen¬ 
bücher, Geschlechterbücher und andre illustrierte 
Handschriften des 16. und 17. Jahrhunderts gezeigt. 
Erst dann kommt der Plattendruck zum Wort mit 
einem Blockbuch, der bekannten „Ars moriendi“, und 
einem Kalender des Ludwig von Basel aus dem Jahre 
1458, der überhaupt nur in dem ausliegenden Exem¬ 
plar bekannt ist. 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Mit Kasten XV setzt die Buchdruckgeschichte ein. 
Viel schöne Exemplare von Frühdrucken nennt das 
Germanische Museum sein eigen; freilich die 42 zeilige 
Bibel fehlt ihm wie auch die 36zeilige Bibel. Von 
beiden sind nur einzelne Blätter vorhanden; dagegen 
ist das Catholicon und kleinere Drucke der allerersten 
Zeit des Buchdrucks vertreten. Es kann natürlich 
nicht Aufgabe des Germanischen Museums sein, in 
dieser Abteilung eine lückenlose Übersicht über die 
Buchdruckerkunst zu geben, aber auch hier dürfen 
wir, obwohl manch schönes Buch fehlt, die Aner¬ 
kennung nicht versagen, daß es trotzdem den ver¬ 
schiedenen Museumsleitern beziehentlich den Be¬ 
arbeitern der Gruppe gelungen ist, dem Besucher, der 
nicht Fachmann ist, einen guten Begriff von dem ge¬ 
schichtlichen Werdegang des Buches zu geben. Be¬ 
sonders bemerkenswert sind die deutschen Bibeln, 
von denen die erste, dritte, vierte, sechste und neunte 
ausliegen. Daß Hartmann Schedels Weltchronik nicht 
fehlt, ist für Nürnberg wohl selbstverständlich. Im 
übrigen ist gerade Nürnberg in dem, was ausliegt, 
gut bedacht, was sehr zu begrüßen ist; Hans Sachs 
ist sogar ein besonderer Tischkasten gewidmet, in dem 
viele Einzelausgaben seiner Schriften, sowie ein Band 
der von ihm selbst besorgten Gesamtausgabe zu¬ 
sammengestellt sind. Die Drucke sind bis zum Aus¬ 
gang des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts fort¬ 
geführt, wo Schillers erste gedruckte Arbeit und Ernst 
Moritz Arndt, Geist der Zeit, den Abschluß bilden. 
Ein paar alte Druckpressen sind außerdem im Saale 
aufgestellt. Schade, daß über diesen Raum, soweit das 
Buchwesen in Frage kommt, nicht auch ein ausführ¬ 
licher Katalog vorhanden ist, der um so mehr zu be¬ 
grüßen wäre, als viele Inkunabeln und spätere Drucke 
in der Bibliothek des Germanischen Museums stehen. 

Raum 96, der den letzten eigentlichen Ausstellungs¬ 
raum des gesamteh Germanischen Museums bildet, 
birgt noch Zeugdrucke y die dem Buchgewerbler, da sie 
chronologisch vom ersten Jahrtausend bis zur Gegen¬ 
wart geordnet sind, einen willkommenen raschen Über¬ 
blick ermöglichen. 

Wer einen vollständigen Einblick gewinnen will, 
was für buchgewerbliche Studien im Germanischen 
Museum zu holen ist, darf nach Besuch des Museums 
nicht versäumen, nach der Unteren Grasersgasse 18 zu 


gehen und dort das Kupferstichkabinett, die Bibliothek 
und das Archiv noch zu besuchen. Es kann hier nur 
andeutungsweise gesagt werden, daß dort viel un¬ 
gehobenes Material vorhanden ist, das für eine uns 
immer noch fehlende vollständige und einwandfreie 
Geschichte des Buchgewerbes,der Schrift, des Druckes 
und alles, was mit ihm zusammenhängt, von größtem 
Werte ist. Was steckt nicht alles an Urkunden und 
Schriftstücken im Archiv, was bietet nicht alles an 
Frühdrucken und späteren Erscheinungen die Biblio¬ 
thek, was enthält nicht alles an Einzelblättern das 
Kupferstichkabinett! Es wird einer späteren Arbeit 
Vorbehalten bleiben müssen, hierüber eingehendere 
Mitteilungen, auf Grund deren ein weiteres Studium 
ermöglicht wird, zu machen. Erfreulicherweise werden 
über die Neuerwerbungen des Kupferstichkabinetts 
neuerlich Berichte ausgegeben, deren erster, von 
W. Stengel verfaßt, im Jahre 1913 erschienen ist und 
uns klar zeigt, welche Fülle von interessantem Mate¬ 
rial die Sammlung birgt. Ich nenne daraus nur die 
Schlagwörter: Ornamentstichsammlung,kunstgewerb¬ 
liche Handarbeiten, Scheibenrisse, Lehrbriefe, Visiten¬ 
karten, Glückwunschkarten, Exlibris, Flugblätter, 
Karikaturen, Illustrationen, Inkunabeln des Holz¬ 
schnitts und andrer Reproduktionsverfahren usw., um 
meine Behauptung zu erhärten. Daß all das liebevoll 
gepflegt wird, spürt man schon den mit trefflichen 
Illustrationen geschmückten Berichten des Kupfer¬ 
stichkabinetts an, wenn man sie zur Hand nimmt. 
Aus den Beständen des Kupferstichkabinetts werden 
von Zeitzu Zeit Sonderausstellungen veranstaltet— so 
vor kurzem eine hochinteressante Kalenderausstel¬ 
lung —, die den Besuchern die Schätze des Kabinetts 
mehr und mehr aufschließen. 

All das Gesagte zeigt, daß es für einen Buchge¬ 
werbler wohl der Mühe wert ist, sich im Germanischen 
Museum des genaueren umzusehen. Erwirdin seinem 
Wissen um vieles reicher von ihm zurückkehren. Die 
Anregung,dieseinerzeit,alsdieBibliothekarschuleihre 
Studienreise machte, aus buchgewerblichen Kreisen 
kam, eine ähnliche Reise für Angehörige des Berufes 
zu unternehmen, wird, wenn der Friede uns beschert 
sein wird, für Stuttgart und Nürnberg der Erwägung 
wert sein; was an uns liegt, daß eine solche Reise 
möglich wird, soll in jeder Beziehung geschehen. 


Kriegsgedenkblätter 

Von ARTHUR DOBSKY 


^ eine der a ii er g r öß ten Überraschungen, 
| die der Weltkrieg mit sich gebracht hat, wird 
: man wohl immer seine lange Dauer be- 
zeichnen müssen. Kein Mensch, besonders 
aber der gute Deutsche hätte es sich bei Ausbruch 
des Weltgewitters einreden lassen, daßauch ein vierter 
Sommer herankommen würde, ohne daß die Waffen 


ihr grausames Handwerk beendet haben. Diese für 
unsre Begriffe heute oft noch unfaßbare Tatsache mag 
es mit sich gebracht haben, daß sich hinsichtlich aller 
Lebensäußerungen und aller Erscheinungen des All¬ 
tages so einschneidende Verschiebungen eingestellt 
haben, daß es schon eines großen Quantums Gleich¬ 
mut bedarf, um unberührt von ihnen zu bleiben. Auf 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


der einen Seite eine fast katastrophal ausartende Ein¬ 
schränkung aller mit Handel und Wandel, mit Tech¬ 
nik und Industrie zusammenhängenden Berufszweige, 
auf der andern eine auch für den ausgesprochensten 
Optimisten noch überraschend große Einfühlung aller 
davon Betroffenen in die neuen Verhältnisse. Kann 
hier nicht der Ort sein, streng systematisch zu unter¬ 
suchen, in welch unerhört ziel- und zweckbewußter 
Weise sich diese aus der Sachlage notwendig ge¬ 
wordene Neuorientierung vollzogen hat, wie das ganze 
Wirtschaftsleben, aus seinen Fugen gerissen, sich 
schon nach wenigen Wochen und Monaten mit ruhiger 
Selbstverständlichkeit in neuen Bahnen bewegte, so 
darf es uns an dieser Stelle immerhin besonders 
interessieren, welchen Einfluß der Krieg auf das künst¬ 
lerische Leben unsres Volkes gewonnen hat. Hier¬ 
über heute schon abschließende Urteile formulieren 
zu wollen, scheint uns, trotzdem nun schon bald drei 
Jahre Krieg hinter uns liegen, durchaus verfrüht. 
Verfrüht deshalb, weil aus einer großen Achtung vor 
der deutschen Kunst in ihrer Gesamtheit wir noch 
immer das Gefühl haben, daß das Beste, was dem 
Krieg an künstlerischen Ergebnissen zu zeitigen be- 
schieden sein wird, bis heute kaum schon geschaffen 
sein dürfte und noch unerweckt in irgendwelches 
Menschen Brust verborgen schlummert. Dieser Ge¬ 
danke kommt glücklicherweise fast überall zum Aus¬ 
druck, wo man bisher eine kritische Würdigung der 
sogenannten Kriegskunst versucht hat, und ich selbst 
habe auch mehr als einmal schon Gelegenheit ge¬ 
funden, meine Ansicht dahin zu äußern, daß allein 
der Umstand, daß die schaffenden Künstler noch viel 
zu sehr mitten in den Ereignissen stehen, sie hindern 
muß, ruhig und mit einer gewissen Sachlichkeit an 
ihre Arbeit gehen zu können. Selbstverständlich wird 
dem von vielen Seiten entgegengehalten werden, daß 
mitten aus den Ereignissen heraus und unter der Ein¬ 
wirkung der seelischen Erlebnisse, die täglich auf uns 
einstürmen, das Beste, Wertvollste und am meisten 
von edler vaterländischer Begeisterung Getragene 
geboren werden müsse. Die Verschiedenheit der 
Meinungen hier zir überbrücken ist ebensoschwer, 
wie es auch unlohnend erscheinen will. Tatsachen 
beweisen und die Tatsache ist die, daß selbst eine An¬ 
zahl unsrer besten und größten Künstler dem Kriegs¬ 
bilde gegenüber völlig versagt hat, und besonders der 
wirkliche Kunstfreund und -verständige, der nicht 
schon in der billigen Verherrlichung irgendeiner Epi¬ 
sode eine große künstlerische Tat sieht, er denkt mit 
Wehmut daran, daß auch das, was die deutsche Kunst 
während des Weltkrieges hervorbrachte, ganz gewiß 
kein Ehrendenkmal für diese sein kann. Einzelne 
Ausnahmen und Erscheinungen vermögen hier wohl 
tröstend, aber keineswegs derart eindrucksvoll zu 
wirken, um das Schwache und Schlechte, ja zum Teil 
Miserable, was man sich geleistet hat, darüber ganz 


zu vergessen. Was besonders die erste Zeit der 
nationalen Erhebung an künstlerisch Minderwertigem 
und Geschmacklosem hervorbrachte, es ist heute 
schon zu einem trüben Kapitel der Kriegsgeschichte 
geworden, und wenn einzelne tatkräftige Gegner 
dieser Geschmacksverrohung, insbesondere der tem¬ 
peramentvolle Leiter des Stuttgarter Landesgewerbe¬ 
museums Professor G. E. Pazaurek, in ehrlicher Ent¬ 
rüstung daran gehen konnten, in demonstrativer Weise 
vorzuführen, was der übelste Hurrapatriotismus an 
Kriegskitsch erzeugt hat, wie die geschäftige Indu¬ 
strie in spekulativer Ausnutzung der Konjunktur sich 
förmlich überbot, den Markt und das leider so emp¬ 
fängliche Publikum mit den Ausgeburten ihrer Ge¬ 
schmacksverirrungen zu überschütten,sokennzeichnet 
dies leider für alle Zeiten in wenig erbaulicher Weise 
die geistige Verfassung, in der sich das deutsche Volk 
unter der Einwirkung der freilich erschütternden Er¬ 
eignisse befunden haben muß, als der eiserne Hammer 
des Weltenschicksales an des Reiches Tore pochte. 

Naturgemäß drehte sich, besonders in den ersten 
Monaten, das ganze künstlerische Schaffen, soweit 
es sich von den ersten lähmenden Schrecken erholt 
hatte, um die Erscheinung der volkstümlichsten Figur, 
die es gab, um den feldgrauen Soldaten. Um unsre 
tapferen Krieger, die hinauszogen von Frau und Kind 
und Braut, von Vater und Mutter begleitet, um auf 
dem Schlachtfelde die Grenzen des Vaterlandes zu 
schützen, die uns in sechsundvierzigjähriger Friedens- 
arbeitso unantastbargesichert schienen. BilligeBilder, 
Postkarten in ungeheuren Mengen, Witzblätter, die 
mit ihrer Derbheit auch dem tränenden Auge einmal 
ein Lächeln ablocken sollten, überschwemmten förm¬ 
lich die Straße und ließen einen mehr als einmal 
angstvoll fragen, wohin das wohl führen werde. Dann 
kamen mit den ersten Siegen, die unser herrliches 
Heer erkämpfte, auch die ersten schmerzvollen Ver¬ 
luste. Tag um Tag, Monat um Monat verging und be¬ 
wegten Herzens sahen wir: das grausame Morden 
ging weiter. Aber es mußte ja sein. Ein Feind ge¬ 
sellte sich zu dem andern und endlich, umringt von 
einem Wall von Gegnern, sah Deutschland sich mit 
seinen Bundesgenossen in einer Lage, in der sich 
wohl kein Volk der Welt jemals zuvor befunden hat. 
Die Opfer des Krieges wuchsen, die Verlustlisten 
nahmen jene beängstigenden Längen an, die uns nun 
schon seit Jahresfrist wie schaurige Menetekel ent¬ 
gegenrufen. Aus der Trauer einzelner, Mehrwerden¬ 
der, vieler um die gefallenen Söhne und Brüder wurde 
die Trauer des ganzen Landes, die Trauer des Volkes. 
Gedenket der Toten, ehret unsre Gefallenen, sorgt 
für die Hinterbliebenen unsrer tapferen Krieger, das 
waren die Worte, die täglich die Erinnerung von neuem 
wachriefen,daß wir inmitten einer großen, gewaltigen, 
eisernen Zeit standen. So konnte es nicht ausbleiben, 
daß auch die Kunst sich des neuen schmerzvollen 

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Verkleinerte Wiedergabe eines Gedenkblattes der Kriegsnotspende zu Leipzig. Steinzeichnung von Prof. H6roux 

Zu der Abhandlung: Kriegsgedenkblätter 


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Verkleinerte Wiedergabe eines Gedenkblattes der Kriegsnotspende zu Leipzig 
Mehrfarbige Steinzeichnung von Prof. H. Steiner-Prag 

Zu der Abhandlung: Kriegsgedenkblätter 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Stoffes bemächtigte, der ihr gegeben war, und wenn 
heute im 34. Kriegsmonate, wo die Erzeugnisse von 
Kriegsliteratur und KriegskunstzuungeheurenBergen 
angewachsen sind, mehr denn je die Menschen der 
Wunsch beseelt, daß das grausame Ringen ein Ende 
nehmen möge, so mag für alle die, die es ehrlich mit 
der Kunst und dem geistigen Leben ihres Volkes 
meinen, dieser Wunsch eine ganz besondere Bedeu¬ 
tung dahin haben, daß damit auch dem, was hier aus 
der Not geboren wird, ein Ziel gesetzt werde. 

Aber noch tobt der Kampf. Furchtbarer und 
schreckenerregender als je zuvor zwingt der Ver¬ 
nichtungswille unsrer Feinde das deutsche Heer zu 
den unerhörtesten Kraftanstrengungen, das schmerz¬ 
volle Memento mori, das über die deutschen Lande 
klingt, wächst an zu einem einzigen ungeheueren 
Klagerufe. So kann es denn nicht verwundern, wenn 
das, was dem Gedenken der Gefallenen gewidmet ist, 
heute schon einen gar breiten Raum einnimmt und 
wenn, gefördert aus dem Bedürfnis, den Hinter¬ 
bliebenen der Krieger ein trostvolles Andenken zu 
schaffen, der künstlerische Trieb sich auch weiterhin 
mit dem Gedenkblatt beschäftigen wird. Schon aus 
diesem Grunde kann unsre Betrachtung keineswegs 
eine abschließende sein, und nur der Wunsch, dem 
Wichtigsten und Wertvollsten, was an Gedenkblättern 
geschaffen wurde, einmal in dieser Form gerecht 
werden zu wollen, zu zeigen, aus welchen künst¬ 
lerischen Empfindungen und Mitteln heraus das alles 
erstand, was heute schon in reicher Fülle vor uns 
liegt, mag diesen Versuch rechtfertigen. 

Naturgemäß, das möchten wir auch denen gegen¬ 
über betonen, die die Aufgabe, ein Gedenkblatt zu 
schaffen, vielleicht noch vor sich haben, mußte der 
Zweck, dem es dienen soll, immer als oberster Leit¬ 
gedanke vor Augen stehen. Der Zweck ist, wir wissen 
es hinreichend, die Menschen, die einen Angehörigen 
verloren, durch eine bildliche Darstellung zu trösten, 
ihnen das Schmerzvolle des Auseinandergerissen¬ 
seins verklärt erscheinen zu lassen durch die große 
heilige Sache, für die der Gefallene seine Pflicht ge¬ 
tan. Wird nun selbstverständlich die tausendfältig 
verschiedene Auffassung der Künstler, wird ihr mehr 
oder minder starkes seelisches Mitschwingen, ihre 
Bildung und vor allem die Vollendung in ihrem künst¬ 
lerischen Handwerk immer die verschiedenartigsten 
Ergebnisse zeitigen müssen, so hat die Gefahr einer 
großen Ähnlichkeit und Wiederholung nicht nur von 
vornherein bestanden, sondern sie hat sich auch er¬ 
füllt. Der Gegenstand, der letzten Endes immer dem¬ 
selben Zweck sinnbildlich gerecht werden mußte, 
brachte dies mit sich, und so darf es nicht wunder¬ 
nehmen, wenn man die Blätter bequem in einige 
wenige Gruppen einteilen könnte. Ist es hier der ge¬ 
fallene Held selbst, der, in seiner äußeren Erschei¬ 
nung zum Helden emporgehoben, im Todeskampfe 


zusammenbricht oder in allegorischer Verherrlichung 
zu den Wolken emporschwebt, so istes dortwiederdas 
von rauhen Kriegergestalten umstandene Grab, von 
dessen feierlicher Stätte diese Abschied nehmen. Er¬ 
blickt jener Künstler in einem schlichten Denkstein, 
von dem die Flammen zum Himmel emporlodern, 
genug, um auszudrücken, daß hier Opfer über Opfer 
gebracht wurden, so will der andre wieder soviel 
als möglich in sein Bild hineinbringen und läßt 
getrosten Mutes eine ganze Schlacht vor unsern 
Augen abspielen, als deren einziger Zurückbleibender 
nun eben gerade der Held zu denken ist, dessen Er¬ 
innerung das Blatt gewidmet sein soll. Daß die un¬ 
geahnte und ungeheure Länge des Krieges einerseits, 
die entsprechenden großen Opfer anderseits eine 
gewisse Schematisierung mit sich bringen mußten, 
war vorauszusehen. Wohl wäre es schön und für die 
künstlerische Befruchtung unsrer Zeit vielleicht von 
höchstem Segen gewesen, wenn die meisten Menschen 
in der Lage gewesen wären, sich etwa im Sinne eines 
Bücherzeichens auch ein eigenes Gedenkblatt her- 
stellen zu lassen, das, ganz auf den persönlichen 
Charakter des Gefallenen eingestimmt, nur die aller¬ 
nächsten Angehörigen und ihren Kreis an den Ver¬ 
storbenen zu erinnern hatte. Aber die angedeuteten 
Gründe haben dies unmöglich gemacht, und sie haben 
es sogar begrüßenswert erscheinen lassen, daß die 
Herstellung dieser Gedenkblätter teils von offizieller, 
teils von privater Seite aus in die Hand genommen 
wurde. Auf diese Weise konnte, so schätzenswert die 
vielgestaltige Künstleräußerung auch immer sein 
mag, doch gerade hier eine gewisse Einheitlichkeit 
erzielt und einer allzu geschäftigen Üppigkeit der 
Industrie ein Hemmnis entgegengestellt werden. 

Wie nicht anders zu erwarten, haben sich alle Tech¬ 
niken in den Dienst des Gedenkblattes gestellt. So¬ 
gar steinerne und eiserne Denkmäler fürs Haus hat 
man geschaffen, und wenn auch gerade diese zu den 
schlimmsten Erzeugnissen zählen, die profitgieriger 
Geschäftsgeist zu ersinnen wußte, so wird man ge¬ 
wiß ihnen einmal ein besonderes Kapitel innerhalb 
der Geschmacklosigkeiten zu widmen haben, die auf 
das Konto Krieg kommen. 

Will man versuchen zu dem, was in reicher Fülle 
der Betrachtung harrt, eine gerecht abwägende Stel¬ 
lung zu nehmen, dann darf man vor allem nicht 
vergessen, daß die meisten Gedenkblätter sich an 
die große Menge wenden. Was dies heißt, weiß der 
schaffende Künstler zur Genüge, und es wissen’s auch 
die, welche die ganze Schwierigkeit kennen, sich mit 
dem Geschmack der breiten Masse auseinandersetzen 
zu müssen. Künstlerische Gesichtspunkte kamen 
hier, wir wollen es nur ehrlich zugestehen, erst in 
allerletzter Linie in Frage. Zunächst hatte das Bild 
die Aufgabe, seine Empfänger zu trösten, und den 
Schmerz, der naturgemäß erst einmal für einige Zeit 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


von neuem aufgepeitscht wurde, hinüberzuleiten in 
die stumme Resignation einer durch das unabänder¬ 
liche Schicksal gebotenen Notwendigkeit, hinter der 
verklärend und schmerzmildernd das Los des Helden¬ 
todes steht. 

Von diesem Gesichtspunkte aus betrachtet, sind 
die Gedenkblätter, die das Preußische Kriegsministe¬ 
rium, die Badische Regierung, das Bayrische Kriegs¬ 
ministerium und der König von Württemberg her- 
stellen ließen, denn auch in erster Linie einzuwerten. 
Sie sind nicht freie künstlerische Leistungen, hinter 
denen sich der hochfliegende Genius entfalten konnte, 
sondern Dinge, die ganz ihrem Zwecke untergeordnet, 
auf das Gefühlssystem Tausender eingestellt werden 
mußten. Diesen Gefühlen entgegenzukommen, ent¬ 
spricht gerade das preußische vielleicht am meisten. 
Der Engel, dessen lichte Erscheinung die Hände 
schmerzlindernd auf den Gefallenen legt, ist mit dem 
Glauben des Volkes zu sehr verwachsen, als daß man 
ihm seine stets neu einsetzende Wirkung nehmen 
konnte. In farbiger Beziehung ist das Blatt denn auch 
ganz im herkömmlichen, etwas süßlichen Sinne ge¬ 
halten, der jede charakteristische Eigenart vermissen 
läßt. Vorzüglich gelöst wenigstens als eine zeichne¬ 
rische Leistung will uns das Gedenkblatt erscheinen, 
das Professor Robert von Haug für den König von 
Württemberg schuf. Rein kompositioneil weist auch 
dieses die Schwächen auf, die schon in der Tücke des 
Objektes liegen. Vor allem die später oft noch wieder¬ 
kehrende Zerstörung des Gesamteindruckes durch 
Anbringen des für die Widmung bestimmten Raumes 
inmitten der Bildfläche muß als ein böser Stilfehler 
bezeichnet werden, dem sich, wie in dem vorliegenden 
Falle wenigstens als sicher angenommen werden darf, 
der Künstler nur ungern beugte. Vielleicht darf an 
dieser Stelle auch eines Blattes gedacht werden, das 
der bekannte Leipziger Maler und Graphiker Pro¬ 
fessor Franz Hein für den König von Sachsen schuf. 
Aus selbstbetroffenem und deshalb besonders tief mit¬ 
empfindendem Herzen gequollen, ist diese Steinzeich¬ 
nung nicht nur ganz erfüllt von der erschütternden 
Tragik des Augenblickes, in dem die Kameraden Ab¬ 
schied nehmen von dem Grabe des Toten, es ist auch 
rein künstlerisch durchaus auf der Höhe. 

Wie nicht anders zu erwarten war, haben gerade 
die Graphiker und damit im engeren Sinne die Schwarz¬ 
weißkünstler eine dankbare und reiche Tätigkeit im 
Dienste des Gedenkblattes entfalten können. Von 
dem Augenblick an, da das Gedenkblatt auch darüber 
hinausschritt, nur das Gedächtnis der Gefallenen zu 
ehren, und ihm in der Verbildlichung der großen Zeit 
als solche und ihrer Erscheinungen, insonderheit aber 
der Hilfsbestrebungen gerecht zu werden, wurde das 
Feld viel weiter und es bedarf schon einer gewissen 
systematischen Ordnung, um sich durch den reichen 
Stoff hindurchwinden zu können. Was die Beteiligung 


der Malerei und sonstiger farbig arbeitender Künste, 
besonders der Steinzeichnung zustande gebracht hat, 
ist, wir möchten es fast mit Freuden sagen, nicht sehr 
erheblich. Dessenungeachtet, um gleich bei dem 
einzusetzen, was hier geleistet wurde, ist manches 
Schöne zu verzeichnen, und besonders das durch den 
Dürerbund herausgegebene Blatt von Hugo Grimm 
darf an erster Stelle genannt werden. Hier ist, man 
darf wohl sagen, eine gewisse Monumentalität zu 
verspüren, und nur ein vergleichender Blick auf das 
Blatt, von K. von Roscynski, das man in seiner sü߬ 
lichen Art in die geschmacksarme Zeit nach dem 
Deutsch-Französischen Feldzuge zurücklegen muß, 
läßt es doppelt wertvoll erscheinen. Vor allem ist 
in koloristischer Beziehung ein gutes Quantum er¬ 
lesenen Geschmacks entwickelt, das vielleicht als 
restlos zu bezeichnen wäre, wenn der Künstler die 
beinahe symmetrische Verteilung der Sterne am 
Himmel vermieden hätte. Aber abgesehen hiervon, die 
mächtigen Vertikalen, die wuchtige Horizontale des 
Schwertes, das der vorderste Krieger umklammert, 
steigern den Bildeindruck zu einer bezwingenden 
Höhe. 

Wie dieses Blatt nicht eigentlich als Gedenkblatt 
für die Krieger, sondern für den Krieg überhaupt 
gekennzeichnet ist, so erfüllt in diesem Sinne auch 
das Bild des Dresdner Akademieprofessors Osmar 
Schindler sehr gut und eindrucksvoll seine Bestim¬ 
mung. Ein Krieger in der Tracht von 1813. Darunter 
das Körnersche „Vater ich rufe dich!* Das Ganze auf 
einem schlichten Grau und Schwarz eingestimmt, dem 
weder der rötliche Abendhimmel, noch der ganz unter¬ 
geordnet zurücktretende Schriftunterdruck die ruhig 
geschlossene Bildwirkung nimmt. 

Wenden wir uns nun den Blättern zu, die ausge¬ 
sprochen dem Zwecke dienen, das Gedächtnis der 
Toten im Hause und in der Familie in Ehren zu halten, 
dann geht der Wunsch, ihnen gegenüber die sachliche 
Ruhe zu bewahren, nicht immer ohne Schwierigkeiten 
ab. Daß gerade große und berühmte Künstler hier 
mehr als einmal vor einer Klippe stehen mußten, an 
der selbst ihr überragendes Können sie vor dem Schei¬ 
tern nicht bewahrte, ist eine Tatsache, die sich nicht 
wegleugnen läßt. Leider ist auch einer unsrer be¬ 
deutendsten deutschen Künstler, Max Klinger, nicht 
ganz so glücklich um die Klippe herumgekommen, 
als wie man es hätte wünschen mögen, und allein 
sein Blatt würde schlagend beweisen, daß auch des 
allergrößten Künstlers Genius, der sonst in seinem 
Reiche wie ein Fürst gebietet, sich nicht von den Er¬ 
eignissen zu künstlerischen Taten fortreißen läßt, 
wenn eben gewisse Vorbedingungen fehlen. Will 
uns schon um des Umstandes willen, daß das Auge 
zunächst auf einen vorn am Bildrande liegenden 
Krieger fällt, dessen Todeskampf man förmlich noch 
verspürt, gerade sein Gedenkblatt wenig geeignet 

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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


erscheinen, dem Trostbedürfnis der Menschen ent¬ 
gegenzukommen, so muß vor allem auch das An¬ 
bringen der Widmungstafel innerhalb des Bildes selbst 
und oberhalb eines Sturmangriffes als Fehlgriff dünken, 
den man schon um der rein technisch glänzenden 
Leistung, die Klinger als Radierer immer darbieten 
wird, herzlich bedauern muß. Gerade die nach Klinger 
noch oft angewandte Art, die Stimmung, die das Bild, 
sei es ein Sturmangriff, ein Friedhof mit Heldengräbern 
oder sonst ein Vorwurf, der uns die ganze Tragik des 
Geschehens fühlen lassen soll, bezweckt, durch den 
Raum für die Widmung zu zerreißen, ist so vielen 
Künstlern verhängnisvoll geworden. Hier sind nach 
unserm Empfinden die künstlerischen Grundsätze, 
die in friedlichen Zeiten und so ganz besonders nach¬ 
drucksvoll auf der Bugra proklamiert wurden, direkt 
über den Haufen geworfen worden und alle Bereit¬ 
willigkeit, um der guten und edlen Sache willen, mit¬ 
gehen zu wollen und milde zu sein, kann nicht hin¬ 
dern, dies festzunageln. Daß andre Künstler wie 
Klinger dann noch weiter gingen und diese der Wid¬ 
mung vorbehaltene Fläche mit den bekannten Attri¬ 
buten, dem Lorbeerkranz, dem Eisernen Kreuz usw. 
umrahmten, konnte natürlich nicht ausbleiben und 
auch nicht hindern, daß gerade bei dem ungebildeteren 
Publikum Blätter von der Art, wie E. Zimmer, Max 
Brösel, Johannes Gehrts und Rudolf Eichstädt sie 
geschaffen, so einhelligen Beifall fanden. Besonders 
des letzteren wie eine Allegorie aus längst vergan- 
genen Tagen anmutende Darstellung, in der kämpfende 
Krieger, eine Siegesgöttin, die in einer antiken Säulen¬ 
halle steht, und endlich ein Denkmal für einen Heer¬ 
führer, zu dessen Füßen auch noch das Abbild des 
Kriegers Platz findet, dessen Andenken das Ganze 
gewidmet sein soll, zusammengedrängt sind, sie ist 
direkt ein Schulbeispiel geworden, mit welch billigen 
und abgebrauchten Mitteln auch das Publikum von 
heute noch zu packen ist. Haben wir bis zum Aus¬ 
bruch des Krieges immer mit Stentorstimme verkündet, 
daß für das Volk das Beste gerade gut genug sei, so 
mußte dieser traurige Anlaß, der eben das Volk wie 
kaum je zuvor auf einmal mit den Dingen der Kunst 
zusammenbrachte, doppelt Ansporn sein, die Worte in 
die Tat umzusetzen. Daß dasnur in sehrbescheidenem 
Maße geschehen ist, ist schmerzlich genug. Immer¬ 
hin, es wäre ungerecht zu verkennen, daß manches 
Gute und Wertvolle hervorgebracht worden ist. Sehr 
schöne Verdienste hat sich auch hier wiederum der 
Dürerbund erworben, und er hat, wie es scheint, auch 
eine besonders glückliche Hand gehabt. Wenigstens, 
das ist seinen Blättern fast allen gemeinsam eigen, 
lassen sie den üblen patriotischen Überschwang weg, 
und sie suchen in der goldenen Mitte, die zwischen 
den von Rührung triefenden Blättern und jenen völlig 
kaltlassenden liegt, das zu finden, was einem so ernsten, 
die tiefsten seelischen Empfindungen eines Volkes 


berührenden Gegenstände wie dem Kriegergedenk¬ 
blatte eben innewohnen muß. In diesem Sinne dürfen 
die Blätter von Robert Budzinski, Rudolf Lipus, Bertha 
Schmitz und Bruno Bielefeld als überaus respektable 
Leistungen gelten. Das ist Kunst für das Volk im 
besten Sinne des Wortes. Hier ist, wie z. B. in dem 
Blatte von Bertha Schmitz unter Verzicht auf alles 
anekdotische Beiwerk, nur aus der Stimmung, die ein 
einsam auf einem Hügel dastehendes Kreuz auslöst, 
das sich geisterhaft von den zum Himmel lodernden 
Flammen abhebt, eine ergreifende Wirkung erzielt, 
die kaum zu überbieten ist. Vielleicht wird der künst¬ 
lerisch ganz Empfindsame noch gestört durch den 
weißen Raum, der unterhalb des Bildes für den Namen 
des Toten freigehalten ist, und man hätte auch diesem 
einen leichten grauen Ton geben können. Aber rein 
bildmäßig betrachtet,ist dieWirkung doch ganzeminent. 
Sehr fein ist auch das Blatt von Rudolf Lipus. In der 
zeichnerischen Behandlung etwas an den sicheren 
eindringlichen Strich Otto Greiners erinnernd, will 
auch bei diesem Blatte der gedankliche Inhalt gar 
nicht so sehr zum Bewußtsein kommen. Weder das 
geschmückte Grab, noch die prachtvoll durchge¬ 
arbeiteten Gestalten der drei Krieger, die hier dem 
toten Kameraden das letzte Gebet widmen, noch die 
sich ausdehnende weite Landschaft sind uns mehr, 
als die unerläßliche Struktur eines gedanklichen Pro¬ 
zesses, hinter dem das Mitgefühl für den ganzen 
grausigen Ernst einer Welttragödie steht. Hier fühlt 
man die Schwere des Augenblickes und empfindet, 
wie jeder einzelne Soldat, der sein Leben läßt, und 
sei es auch der einfachste, zum Mitträger des Völker¬ 
schicksals wird. 

Auch hier wie bei allen andern Düterbundblättern 
ist dem Raum für die Unterschrift und den Gedenk¬ 
spruch die untergeordnete, wenn auch nicht neben¬ 
sächliche Bedeutung zuerteilt, die eigentlich selbst¬ 
verständlich sein müßte, wenigstens dann, wenn das 
Blatt den Anspruch erhebt, zufolge seiner künst¬ 
lerischen Eigenschaften den Beschauer aus der Tiefe 
seines Schmerzes zu einem hoffnungsfroheren Aus¬ 
blick emporreißen zu können. Nicht unwesentlich 
will uns bei diesen auch das glücklich gewählte Format 
erscheinen, das, nicht zu groß und nicht zu klein, dem 
Besitzer das Aufhängen im Zimmer ohne jede Mühe 
ermöglicht. 

Dieser wichtige Umstand ist von vielen Künstlern 
und Kunstanstalten außer acht gelassen worden, und 
so wird es kommen, daß viele der Blätter ihren 
Zweck aus dem Grunde nicht erfüllen können, weil 
man sich scheut, ihnen den großen Raum abzutreten, 
den sie beanspruchen, vielfach auch gar nicht die 
Möglichkeit dazu hat. ^Dieses gleiche Schicksal wird 
wohl auch das an sich recht vortreffliche Lehrer¬ 
gedenkblatt von Otto Roloff treffen. In der Kom¬ 
position, in der zeichnerischen Behandlung der famos 


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charakterisierten Krieger und der Schüler, die ihrem 
toten Lehrerden letzten Gruß entbieten, auf durchaus 
anerkennenswerter Höhe, ist auch dieses Gedenk¬ 
blatt, wie die meisten andern, im Format vollkom¬ 
men vergriffen, d. h. es ist viel zu groß. In dieser 
Beziehung, aber auch in andrer einen sehr beachtens¬ 
werten Gegenvorstoß unternommen zu haben, dies 
Verdienst dürfte ohne Zweifel dem LeipzigerGraphiker 
Bruno H6roux zukommen. H6roux unsern Lesern 
vorzustellen, ist gewiß nicht nötig. Was er mit sei¬ 
nem letzten und wohl schönsten Gedenkblatt ge¬ 
schaffen hat, das aber verdient ein besonderes Wort. 
Kein Künstler, und sei er noch so universal, ist 
immer in der gleichen Stimmung, um zu all und 
jeder Frist einer so heiklen Aufgabe, wie es das 
Schaffen eines solchen Blattes unbedingt ist, voll¬ 
kommen gerecht werden zu können. Von dieser Vor¬ 
aussetzung wird man sich immer leiten lassen müs¬ 
sen, denn nur so kann man gerecht sein. H6roux hat 
gerade dieses letzte Blatt ohne Auftrag geschaffen. 
Ganz aus seinem eigenen Empfinden, ganz der Stim¬ 
mung folgend, die ihn angesichts der düsteren Tragik 
ergriff, die jedes einzelnen Soldaten Tod, und sei 
es der letzten einer, umschließt* so ist dieses in 
Strichradierung ausgeführte Bild entstanden. Seiner 
Eigenschaft als Krieger und Held völlig entkleidet, in 
schlichter Menschlichkeit, packend durch die Sehnig- 
keit des jugendlichen Körpers, dessen Kraft nun 
ausgelöscht ist, so schwebt der Tote mit dem abge¬ 
brochenen Schwert in der Rechten empor zu lichteren 
Höhen. Mildgütig drückt ihm eine Frauengestalt den 
wohlverdienten Lorbeer auf das Haupt; sein Werk 
ist vollendet, und gekrönt mit dem gleichen Ruhm, 
der ebenfalls dem größten Feldherrn zuteil wird, 
geht er zu der Schar der Opfer ein, deren Zahl das 
Schicksal und den Ausgang dieses Völkerringens 
besiegeln wird. 

Wohl ließe sich noch viel über dieses wirklich 
hervorragend gut gelungene Werk sagen. Aber es 
ist nicht der Platz hierfür und wir müssen uns be¬ 
scheiden. Nur das sei noch betont, daß H6roux ge¬ 
rade hier in seiner Eigenschaft als Radierer das Beste 
gegeben hat, was er vermochte. Ob es der Umstand 
war, daß keine hemmenden Fesseln des Auftrages 
hinter ihm standen, ob es ein besonders guter Tag 
war, der ihn dies Werk schaffen ließ, sicher wird es 
unter allem, was wirkliche ernste und reife Kunst 
hervorgebracht hat, mit an erster Stelle stehen. Vom 
Künstler selbst mit der radierten Unterschrift ver¬ 
sehen: Gekrönt, du Held, in Sonnenhöhen steige, 
Im stummen Schmerz sich unsre Seele neige, Des 
Dankes Schuld bleibt immerdar, und nur in einer 
sehr bescheidenen, drucktechnisch ganz einwand¬ 
freien Auflage abgezogen, wird diese glänzende 
Leistung eines deutschen Radierers auch über die 
Dauer dieses Krieges hinaus ihren Ewigkeitswert 


bewahren. H6roux hat auch sonst noch vielfach im 
Dienst des Gedenkblattes gestanden. Da ist vor allem 
das, was er als Lithographie für die Kriegsnotspende 
schuf und das mit den kräftig betonten Volksgestalten 
eine außerordentlich packende Wirkung ausüben 
mußte, ist ein solches in gleicher Technik für den 
gefallenen Fliegerhelden Boelcke, auf dem er in zwei 
Farben eine kaum zu übertreffende Tiefe des gegen¬ 
ständlichen Inhaltes erreicht, sind kleinere Gedenk¬ 
blätter, die er für verschiedene Kunstverleger aus¬ 
zuführen hatte, und nicht zuletzt ein solches, das die 
Stadt Leipzig den jugendlichen Schneeschippern zum 
Andenken an ihre Mitwirkung in dem harten Kriegs¬ 
winter 1917 übergeben hat. Das letztere, eineRadierung 
in bescheidenem Formate, zeigt so recht, wie glück¬ 
lich H6roux sich seiner gewiß nicht unbedingt ver¬ 
lockenden Aufgabe einzufühlen wußte, und wie hinter 
dem Muß, dem gegenständlichen Inhalte gerecht zu 
werden, der auf rein künstlerische Lösung bedachte 
Wille stand. 

Sprechen wir schon einmal von dem, was Leipzig 
an Beiträgen zur Kriegskunst geleistet hat, so dürfen 
wohl auch gleich einige andre Künstler erwähnt 
werden. Hier sind es vor allem die Blätter für die 
Kriegsnotspende, die genau so wie für Leipzig auch 
für andre Städte die beredten Zeugen dafür bleiben 
sollen, in welcher Weise der Opfersinn des Volkes 
zutage trat. Naturgemäß mußte gerade hier, wo 
auf die breitesten Massen eingewirkt werden sollte, 
eine möglichst sinnfällige Wirkung die Hauptsache 
sein, und um derentwillen gelegentlich Konzessionen 
gemacht werden. Dieser Forderung ist wohl auch 
M. Honegger mit seiner zweifarbigen Lithographie, 
die das Motto Geholfen trägt, erlegen, dessen an 
sich recht wirkungsvolles Blatt eben kaum anders 
als auf seinen gegenständlichen Gehalt hin geprüft 
werden will. 

Etwas kraftvoller und eigenwilliger ist Otto Richard 
Bossert vorgegangen, der mit seinem in breiter 
Holzschnittmanier ausgeführten heiligen Martin 
einen guten malerischen Eindruck erzielt, dem freilich 
die Menge nicht sonderlich verständnisvoll gegen¬ 
überstehen wird. Hiermit schon weit eher rechnen 
kann die Lithographie Sämann von Erich Grüner, und 
wenn auch hier in den Einzelheiten Wünsche offen¬ 
bleiben, der große Eindruck, den der über das Feld 
schreitende Mann auslöst, ist doch nachdrucksvoll 
genug, um denZweck, den das Bild verfolgt, hinreichend 
zu unterstreichen. Am günstigsten aber dürfte wohl 
Hugo Steiner-Prag abgeschnitten haben, dessen Bild 
mit dem Motto Opferflamme nicht nur inhaltlich am 
nachdenklichsten stimmt, sondern vor allem in rein 
künstlerischerBeziehungeingediegenesMaßvonFor« 
derungen erfüllt. Daß hinter all diesen Werken mehr 
oder weniger die Hemmung der durch den Auftrag 
und den Zweck fest umschriebenen Aufgabe steht, 

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ist ebenso nicht wegzuleugnen, wie es dem Einsichts¬ 
vollen verschlossen bleiben kann. Wie durch Jahr¬ 
tausende für die Kunst die ungebundene Freiheit das 
höchste Gesetz gewesen ist, so ist sie es auch hier 
geblieben. 

Deshalb muß allein schon der Respekt vor der 
Arbeit, vor dem künstlerischen Wollen bei der 
Einschätzung dieser Werke den rechten Maßstab 
sichern. Steht hinter ihnen allen doch ein gut Teil 
ehrlicher Freude an der Sache, ein gut Teil seelischer 
Erregung, die, aus den Nöten und Beschwernissen der 
Zeit geboren, der Kunst die Erreichung dessen ver¬ 
sagen mußte, was in glücklicheren, friedlicheren Zeiten 
ihr mühelos in den Schoß fiel. Dessenungeachtet 
gebietet es dem gewissenhaften Chronisten die Pflicht, 
sich mit dem Bestehenden sachlich auseinanderzu¬ 
setzen, und es läßt sich nicht leugnen, daß einzelne 
andre Städte, wie Breslau, München, Frankfurt und 
auch Stuttgart, mit den Bildern für ihre Kriegsnot¬ 
spende mehr Glück hatten. Frankfurt konnte sich, 
wenigstensinderersten Zeit, denfürderartigeAufgaben 
geradezu vorbestimmten, inzwischen'aber verstor¬ 
benen FritzBÖhle sichern, der, allen Hemmnissen zum 
Trotz, Hervorragendes geleistet hat. Ganz besonders 
schön ist auch sein Blatt, das für die Geber der Geburts¬ 
tagsspende bestimmt wurde, die ebenfalls inzwischen 
in andern Städten Nachahmung gefunden hat; und 
auch ohne daß für den historisch Schauenden immer 
der Geist Albrecht Dürers dahinterstand, war es 
das Werk eines kerndeutschen Künstlers von aus¬ 
gesprochener Eigenart. In diesem Sinne muß auch 
das Gedenkblatt für die Stadt Nürnberg von G. Kellner 
als eine ganz gute Leistung angesehen werden. 
Wollen wir nun nach weiteren künstlerischen Lei¬ 
stungen suchen, die im Dienste dessen stehen, was 
hier zweckbestimmend war, so drängen sich uns die 
verschiedenartigsten Erscheinungen entgegen. Auf¬ 
fällig ist nur, daß sich in der Hauptsache alle diese 
Dinge zwischen zwei weit entfernten Polen bewegen. 
Hier ein starker Hang am Althergebrachten, an der 
alten Schablone, die sich krampfhaft, aber vergeblich 
bemüht, ein moderneres Ansehen zu erlangen, dort 
wieder das Einsetzen allermodernster Künstler, deren 
ganzes Wesen dem Erleben des Krieges und der Fähig¬ 
keit, dies in künstlerische Form zu übertragen, völlig 
fernsteht. 

Die gute, gesunde Mittellinie, der Wille, gerade 
diesen bleibenden Dokumenten für die künstlerische 
Anschauung einer politisch wie wirtschaftlich in 
jeder Beziehung ganz aus dem Geleise gebrachten 
Zeit so etwas wie den Stempel der Zeit aufzu¬ 
drücken, kommt nur ganz vereinzelt zum Durch¬ 
bruch. Und ist es einmal der Fall, dann erstirbt der 
Versuch meist an dem Widerstande der ausgeschrie¬ 
benen künstlerischen Handschrift des einzelnen. Viel¬ 
leicht hätten die Bilder Fritz Erlers, mit denen er im 


Winter 1914/15 Aufsehen erregte, wenn sie als Ge¬ 
denkblätter gedacht gewesen wären, so etwas wie 
einen Stil bedeuten können, auf den sich weiter bauen 
ließ. Vielleicht auch läßt sein jetzt viel bewundertes 
und wirklich ungemein packendes Plakat für die 
Kriegsanleihe diese Hoffnung wieder aufkommen. 
Erler hat diese künstlerischen Dokumente zum Kriege 
noch übertroffen durch sein Gedenkblatt, das er für den 
König von Bayern schuf. Es ist, so will es uns wenig¬ 
stens scheinen, in seiner kraftvollen und energischen 
zeichnerischen Behandlung vielleicht am meisten aus 
dem Willen geboren, dem kriegerischen Erlebnis 
künstlerische Eindrücke von dauerndem Werte abzu¬ 
ringen. 

Seine Wirkung ist schlechtweg monumental. Aber 
was sich sonst in die Erscheinung drängt, es sind 
zumeist künstlerische Eintagsfliegen, die wohl im 
wesentlichen schlecht und recht ihren Zweck erfüllen, 
sich aber über die hoffentlich nicht mehr allzu lange 
Zeitlichkeit ihres Daseins nicht hinaus erheben. Der 
Laie freilich, der nichts andres fordert, als daß das 
Andenken an einen gefallenen Angehörigen ihm in 
recht nahegehender Weise bewahrt werde, er ist zu¬ 
frieden und findet seine Rechnung. Er hat an dem 
allerdings famos charakterisierten Landsturmmann 
O. Weils, der der Hamburger Kriegsnotspende einen 
so einzigartigen Erfolg sicherte, seine Freude, er weiß 
es sehr wohl zu würdigen, wenn ihm das Grab seines 
Toten recht weihe- und stimmungsvoll vor Augen 
steht, wenn des jungen Seehelden Weddigen sieges¬ 
bewußte Erscheinung in symbolischer Vereinigung 
mit einem U-Boot die erhebende Erinnerung wach¬ 
hält an das, was er getan. Und wenn er gar schon 
für die wirklich ausgezeichneten Schwarzweißblätter 
Erich Thums, die dieser unter der schlichten und 
ehrlichen Bezeichnung Hinter den Heeren heraus¬ 
gab, einiges Verständnis aufbringt, muß man schon 
recht zufrieden sein. Sonderlich anspruchsvoll ist 
man eben gerade in dieser Beziehung nicht, und so 
ist es gewiß verständlich, wenn man selbst bei den 
Blättern, die ernste Künstler wie Matthias Schiestl, 
H.Röhm und andre schufen, einen milderen Maßstab 
anlegt, und wenn solche von A. Heumann, H. Anker, 
J. P. Junghanns, die sich lediglich an das Gemüt 
des Volkes wenden, am allermeisten ungeteiltem Bei¬ 
fall begegneten. Demgegenüber mag es bezeichnend 
für den Stand unsrer Kunstauffassung sein, daß eine 
Anzahl der ganz modernen Künstler sich mit frischem 
Wagemut an den Dienst der Sache wagten. Daß ihnen 
diese völlig fernlag, daß sie, die bisher jeglichen ge¬ 
danklichen Inhalt verpönt hatten, sich selbst verleug- 
neten, es war ihnen gleich. Die Forderung des Tages 
erheischte es, geschäftlicher Nutzen winkte auch und 
so ging man denn auch in den Lagern der ganz Ex¬ 
tremen daran, dem Kriege seinen künstlerischen 
Tribut zu entrichten. Man wollte das Andenken der 


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toten Helden ehren,man wollte die schmerzvergrämten 
Hinterbliebenen erheben und trösten und versuchte 
es, indem man Menschenleiber aus Knackwürsten 
konstruierte, weil man es angeblich so sah. Was 
Leute, wie der so hoch talentierte Willi Geiger, was 
Georg Barlach, Delaville, Edwin Scharff, Willi Jäckel 
und andre in dieser Beziehung geschaffen haben, ist 
rein entwicklungsgeschichtlich vielleicht zu wertvoll, 
um es mit billigen Witzen abzutun, als Beitrag für die 
Kunst, die aus der Größe der Zeit geboren für immer 
einen Nachklang an diese in sich bergen sollte, ist 
es wertlos. Mag sich der Künstler dem Erlebnis des 
Krieges gegenüberstellen, wie er will, er wird, wenn 
er an die tiefsten und heiligsten Gefühle der Menschen 
appelliert, sich niemals so von ihnen loslösen können, 
daß er mit widerlich verrenkten Leibern, mit hinge¬ 
schluderten Andeutungen, die ebensogut einen Berg, 
wie einen See oder eine Gulaschkanone vorstellen 
können, den Widerhall dieser Gefühle erwecken kann, 
die vom heißesten, verzweiflungsvollen Schmerz der 
Mutter um den verlorenen Sohn bis zur still ver¬ 
haltenen Träne des Mannes in tausendfältiger Ab¬ 
stufung sich Bahn brechen. Dazu gehören Künstler, 
die aus der Tiefe der ihnen innewohnenden mensch¬ 
lichen Anteilnahme das ganz unermeßliche Leid selbst 
zu empfinden vermögen. So haben denn auch die 
vielen Beiträge, die sich die Futuristen und Kubisten, 
die Expressionisten und andre Zukunftskünstler in 
eifriger Ausnutzung der Konjunktur geleistet haben, 
nur mit ganz vereinzelten Ausnahmen das Anrecht, 
als Erzeugnisse dessen angesehen zu werden, was 
man als eine Blüte nationaler Begeisterung, als eine 
freudige Anteilnahme an einer großen heiligen Sache 
erwarten muß. 

Besser und eindrucksvoller, als es hier bei den 
futuristischen Versuchen geschieht, vermögen noch 
immer die Aussprüche großer Männer, die Wieder¬ 
belebungen dessen, was der geistige Besitz des Volkes 
war und wieder werden soll, das Gedenken an die 
große Zeit festhalten. Gerade hier ist sehr viel Schönes 
und Gutes hervorgebracht worden, und den Kunstge¬ 
werblern haben sich neue, reizvolle Aufgaben in Hülle 
und Fülle geboten. Altes in neue Form zu kleiden, 
das war die Losung, und schon ein flüchtiger Blick 
zeigt, daß man diese sehr gut zu nützen verstand. Neue 
Schrifttypen, neue Initialen, dazu neue Ornamente, 
die dem zeitgenössischen Geschmacke entsprachen, 
mußten ersonnen werden und wirkten schon während 
ihrer Entstehung belebend auf das graphische Ge¬ 
werbe ein. 

Waren es die Aussprüche des Kaisers und seiner 
Vorgänger, Bismarcks, Hindenburgs und andrer großer 
Männer der Vergangenheit und Gegenwart, das Volk 
griff willig nach ihnen, und besonders das erste Jahr 


ist für Erzeugnisse dieser Art ein ungemein frucht¬ 
bares gewesen. Haßgesänge, Schutz- und Trutzlieder, 
die Bilder der Heerführer, sie waren der begehrte 
Artikel des Tages, und wenn auch sie im engsten 
Sinne des Wortes nicht eigentlich Gedenkblätter waren, 
so war doch letzten Endes auch ihre Bestimmung die, 
das Gedenken an die Ereignisse des Krieges, an die 
Heldentaten und Siege unsrer Krieger, in Wort und 
Bild festzuhalten. Was auf diesem Gebiete geschaffen 
wurde, ist Legion geworden. Fast alle unsrer großen 
Kunstverleger und -anstalten entfalteten eine nie ge¬ 
ahnte Tätigkeit, die Buch- und Kunstgewerbler, so¬ 
weit sie nicht im Felde standen, hatten ein neues Feld, 
und wenn naturgemäß auch hier die Früchte von sehr 
verschiedener Güte sein mußten, so ist doch genug 
des Wertvollen zustande gebracht worden. Einen sehr 
glücklichen Griff bedeutete das gleich in den ersten 
Monaten aufgekommene und in riesigen Mengen ver¬ 
breitete Kriegsvaterunser der Firma Grauert & Zink 
in Berlin, sehr Gutes brachte Werckmeisters Kunst¬ 
verlag, brachten die Trowitschschen Kunstanstalten, 
die Kunstverlage Schaffnit in Düsseldorf und Lud¬ 
wig Möller in Lübeck, und nicht zuletzt die be¬ 
kannten Leipziger Verleger. All dem, was hier von 
den sich überstürzenden Ereignissen förmlich ge¬ 
jagt in rascher Folge auf den Markt geworfen wurde, 
kritisch oder auch nur betrachtend gerecht zu werden, 
kann heute nicht die Aufgabe sein und muß andrer 
Gelegenheit Vorbehalten bleiben. Nur das sei rück¬ 
blickend und zusammenfassend gesagt: überwältigend 
an künstlerischer Güte ist das, was der Krieg auf 
diesem Gebiete gezeitigt hat, in seiner Gesamtheit 
nicht. Genau so wie vorher standen sich die Rich¬ 
tungen und Anschauungen schroff gegenüber. Das 
„berühmte“ Gedenkblatt mit dem entsetzlich bunten 
Feldgrauen, dem man in Gestalt einer abgeschnittenen 
Photographie nur den Kopf des Gefallenen aufzusetzen 
brauchte, um, wie in den Reklamen so verheißungs¬ 
voll verkündet wurde, „das herrlichste Denkmal für 
den lieben Helden im Hause zu haben“, es machte 
sich ebenso breit, wie die Granate mit dem Hinden- 
burgbild und das Sacktüchel mit den Bildnissen sämt¬ 
licher Heerführer. Wenn man will, kann man wohl 
ruhig sagen: Geschmacklosigkeit warTrumpf. Schlimm 
ist nur, daß es den wenigen Künstlern, die wirklich 
etwas zu sagen und zu geben in der Lage gewesen 
wären, nicht gelungen ist, so kraftvoll und erfolg¬ 
reich gegen diese anzukämpfen, wie es notwendig ge¬ 
wesen wäre. Die Gelegenheit war günstig, günstiger 
wie je zuvor. Wir wissen heute, daß Hunderttausende 
von deutschen Familien um ihre Angehörigen trauern. 
Wie schön wäre es gewesen, wenn diese Trauer ihren 
Widerklang und ihren stummenTrost nurin würdigen 
und wirklich künstlerischen Werken gefunden hätte. 


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Zur Geschichte der Schriftgießerei 

Von HERMANN SMALIAN, Berlin 

uHMmina UFMERKSAME Leser de§ Archivs wissen, hoch war die Höhe, mit welcher die Fr. Dreßlersche 
| ■ daß wir in den Kulturstaaten zwei unver- Schriftgießerei (jetzt Flinsch) in Frankfurt a. M. neue 

| j änderlichenSchriftkegelsystemenzusteuem, Buchdruckereien errichtete. Dasselbe geschah auch 

dem 1784 von Firmin Didot geschaffenen von deren Hamburger Filiale Fr. Dreßler & Rost - 
französischen Punktsystem, und dem 100 Jahre später Fingerlin. Und als 1834 diese Filiale von Lehmann & 
(1886) von der United States Type Founders Asso- Mohr erworben und nach Berlin verlegt wurde, da 
ciation auf einem Kongresse in Niagara geschaffenen hielt auch diese älteste Schrifthöhe ihren Einzug in 
amerikanischen Punktsystem. Ersteres wird einge- die jetzige Reichshauptstadt, und eine Anzahl alter 
führt in allen den Ländern, welche im Schriftgießerei- Berliner Buchdruckereien führt sie noch heute, 
gewerbe mit den Gießereien des europäischen Konti- Bei der geringen Sorgfalt, die man, wie schon ge- 
nents in geschäftlichen Beziehungen standen und sagt, damals auf genaue Schrifthöhe legte, bei den 
stehen. Letzteres gelangt zur Herrschaft in den von ein fachen Gießgeräten mittels Handguß, und vor allem 
den Schriftgießereien der Vereinigten Staaten von bei dem Fehlen jeder behördlichen Festlegung der 
Nordamerika und von England geschäftlich beein- ersten Schrifthöhe waren Abweichungen davon un- 
flußten Ländern. vermeidlich. Neben der Frankfurter Höhe von un- 

Weniger aussichtsreich sind die Verringerungen gefähr 68 Didotpunkten findet sich denn auch heute 
der Schrifthöhen in den Kulturstaaten. Zweifellos noch in alten deutschen Buchdruckereien eine Höhe 
hatten die Lettern der Frühdrucker sämtlich dieselbe von ungefähr 67 Punkten. Eine ganz ungewöhnliche 
Höhe,dieGutenbergische,welchesicherlichderStärke Verbreitung fand die Höhe, welche Lefövre noch 
der Platten für die Holztafeldrucke angepaßt war, um die Mitte des 19. Jahrhunderts in Südfrankreich, 
wahrscheinlich einem Zolle der vielen damals ge- in Lyon, als gebräuchlich angibt, die Höhe von elf 
bräuchlich gewesenen deutschen Fußmaße. Daß diese Pariser Linien = 66 Didotpunkte. Sie fand z. B. Ein- 
Höhe auch mit der Verbreitung der Buchdruckerkunst gang in Holland, Italien, den Nordstaaten Europas, 
in das Ausland wanderte, dafür bringt die unlängst und vor allem in Deutschland unter der Bezeichnung 
herausgekommene FestschriftderSchriftgießereißen- holländische, italienische, dänische, Leipziger Höhe. 
jamin Krebs Nachfolger einen vollgültigen Beweis. Im eigentlichen Rußland ist sie mit einer Entartung 
In den sehr eingehenden archivalischen Studien des nach oben, 66 3 / 4 Punkt, als Normalhöhe auch für neue 
Verfassers dieser Festschrift, Gustav Mori , heißt es Buchdruckereien gebräuchlich. Aber nirgend wurde 
von dem Frühdrucker Johann Numeister in Frank- im Verlaufe der Jahrhunderte der Versuch gemacht, 
furt a. M.: „Da Numeister sich schon einige Jahre eine allgemeine einheitliche Höhe anzustreben, noch 
vor Drucklegung des aus acht schmalen Folioblättern sie behördlich festzulegen. 

bestehenden Schriftchens in Lyon niedergelassen Eine Ausnahme davon machte das Pariser Buch¬ 
hatte.“ Dahin hat er also auch die Gutenbergsche gewerbe. Die Pariser Buchhändler, Buchdrucker und 
Schrifthöhe mitgenommen, das heißt diejenige Schrift- Schriftgießer des 18. Jahrhunderts hatten sich in einer 
höhe, welche die Frankfurter Handelsgießereien an- Chambre syndicale zusammengefunden und gaben 
Ringlich gemeinsam führten und mit der sie auch neue von Zeit zu Zeit Reglements für ihre Mitglieder 
Buchdruckereien ausstatteten. Damit stimmt auch heraus. In einem solchen Reglement de la librairie 
überein eine Stelle in Th. Leftvres „Guide pratique vom 28. Februar 1723 wurde die Schrifthöhe auf 
du Compositeur“, Paris 1883, in welcher es heißt: IOV 2 Pariser Linien = 63 Didotpunkten festgelegt. 
„A Paris, cette hauteur est g6n£ralement de 10 lignes Merkwürdigerweise ist aber diese einzige behördliche 
et demie; ä Lyon, de 11 lignes; ä Strasbourg de Festlegung gerade in Frankreich nicht festgehalten 
11 lignes un quart.“ worden. Die Höhe der französischen Staatsdruckerei, 

Obwohl für den Buchdruck eine gleiche Höhe aller der Imprimerie nationale beträgt ungefähr 63 y 4 , die 
Lettern eine dringende Notwendigkeit für schnelle der Pariser Handelsgießereien ungefähr 62 3 / 4 Didot- 
Zurichtung bleibt, so legte man damals doch keinen punkte. Dieser Unterschied von einem halben Punkte 
Wert auf genaue Höhenmessungen. Obige Angaben hatte sich denn auch in Deutschland eingeschlichen, 
sind also nur ungefähre. Sie bestätigen aber, daß in als man ohne einheitliches Vorgehen das Didotsystem 
dem deutschen Erdwinkel, wo die Wiege der Buch- als Normalsystem einzuführen begann, bis man ihn 
druckerkunst stand, in der Gegend von Mainz, Straß- 1875 vollständig beseitigte. Tatsächlich ist Deutsch¬ 
burg, Frankfurt a. M., die Gutenbergsche Schrifthöhe land nun das einzige Land, in welchem der Normal¬ 
üblich war. Sie hat sich als sogenannte „Frankfurter kegel und die Normalhöhe behördlich festgelegt sind 
Höhe“ bis in die Gegenwart erhalten. 11V 4 Pariser und auch festgehalten werden. England und die 
Linien sind = 67V 2 PunkteDidot. Ungefähr 68Punkte Vereinigten Staaten von Nordamerika haben eine 

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einheitliche, aber nicht behördlich festgelegte Höhe FriedrichDreßler in Frankfurt a.M. um 1840 zu seinem 

von ungefähr 62 Didotpunkten, die sogenannte eng- Haussystem machte, davon Schriften am Lager hielt 

lische Schrifthöhe. — undneueBuchdruckereieneinrichtetePHatdieSchrift- 

Weshalb sich diese Höhenfrage so zum Nachteil gießerei Benjamin Krebs bis zur Einführung ihres 

des Großbetriebes entwickelt.hat, wird geschichtlich Konkordanzsyptems auch die Frankfurter Höhe ge- 

schwer nachzuweisen sein. Ein Hauptgrund dürfte führt, und nahm dann die Höhe der Imprimerie natio- 

wohl die Eigenbrötelei sein, der die alten Schriftgießer nale (63 V 4 Punkte) an, während Dreßler die Höhe 

bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts hinein in vielen der Pariser Handelsgießereien (62 3 / 4 Punkte) zu seiner 

Kulturstaaten verfallen waren. Ein Mann wie Benja - Normalhöhe machte, die dann 1904vonallendeutschen 

min Krebs hätte ja manchen für die Schriftgießerei- Schriftgießereien auf 62 2 / 3 Didotpunkte (23,566 mm) 

technik wichtigen geschichtlichen Anhaltpunkt geben behördlich festgelegt wurde? Für die Geschichte der 

können. Denn in der Jubiläumsschrift heißt es z. B., Schriftgießereitechnik wäre es erwünscht, wenn noch 

daß er sich durch mehrjährigen Aufenthalt in Eng- nachträglich festgestellt werden könnte, ob auch die 

land und Frankreich mit den Fortschritten dieser KrebsscheSchriftgießereiursprünglichdieFrankfurter 

Länder bekannt gemacht hatte, und in seinem 1827 Schrifthöhe, also die Gutenbergische geführt hat. 
erschienenen Handbuche „zum ersten Male für zwei ^ * 

Forderungen eintrat, die erst in unsern Tagen volles * 

Verständnis gefunden haben: einheitlicher Schrift- Ich hatte einleitend gesagt, daß wir betreffs des 
kegel und Schrifthöhe*. Schriftkegels in den Kulturstaaten zwei unveränder- 

IndiesemHandbuchewirdeinegenaueBeschreibung liehen aufdemWeltlängenmaß, dem Meter, beruhenden 
des französischen Punktsystems gegeben (Seite 49). Systemen zusteuern, dem Didotschen (66 7 a Cicero = 

Krebs empfiehlt es jedoch nicht, obwohl er Firmin 300 mm) und dem amerikanischen (83Pica=350mm), 

Didots rühmend gedenkt (Seite 13), sondern schlägt dem alle andern schließlich zu weichen haben. Mit der 

(Seite 68 ) vor, die Richtschnur soll Nonpareille heißen, Schrifthöhe ist es leider nicht so. Behördlich festgelegt 

und 12 Zoll sollen = 1 Zoll sein. (Welcher Zoll?) ist nur die Didothöhe in Deutschland (62 2 /sPunkte = 

Das gemeinschaftliche Maß für alle andern Schriften 23,566 mm). Die nächst verbreitetste ist die amerika¬ 
sei 14 Zeilen Nonpareille. In dieses Maß sollen gehen: nisch-englische (0,917 englische Zoll hoch). Natür- 

12 Zeilen von Kolonel, 11 Petit, 10 Bourgeois, 9Kor- lieh wäre es ja nun, daß alle Buchdruckereien mit 

pus, 8 Rheinländer, 7 Cicero, 6 Mittel, 5 Tertia. Die Didotkegel die Didothöhe, alle Buchdruckereien mit 

Höhe sei 1 1 Zeilen von Nonpareille. englischem Kegel die amerikanisch-englische Höhe 

Eine grundlegende Änderung der deutschen Kegel- annehmen würden. Dem steht leider die Tatsache 

und Höhenverhältnisse enthieltdieser Vorschlag nicht, entgegen, daß die Schriftgießereien verschiedener 

Allem Anschein nach beabsichtigte Krebs damit Länder fortfahren, neue Buchdruckereien mit ab- 

vielmehr, eine Vereinheitlichung der verschiedenen weichenden Höhen einzurichten, im eigentlichen Ru߬ 
deutschen Kegel und Höhen herbeizuführen ohne stark i a nd z. B. mit der Höhe von 66 3 /4 Punkten, in Hol¬ 
einschneidende Änderungen. land von 66 Punkten, in Belgien und Österreich von 

Es scheint auch aus diesem Vorschläge nichts 03 punkten (die alte Fournierhöhe). Danach werden 

entstanden zu sein; er widerspricht auch dem, was w ir auch in Zukunft mit 5 Höhengruppen rechnen 

Krebs (Seite 58) über die Stärke des Kegels bei müssen: 

Einrichtung einer neuen Druckerei sagt. Denn in 
einer um 1850 herum herausgekommenen Preis¬ 
liste der Schrift- und Stereotypengießerei Benjamin 
Krebs heißt es u. a.: „Bei Einrichtungen neuer Buch¬ 
druckereien empfehle ich das von mir seit 1822 ein¬ 
geführte und seitdem verbesserte Konkordanzsystem 
nach Pariser Höhe und Punkten, welches sich stets 
eines so allgemeinen Beifalls zu erfreuen hatte, daß 
bis jetzt 119 meiner Geschäftsfreunde dasselbe ein- Höhe 1 ist allgemein gebräuchlich in Nordamerika, 
geführt haben. Dadurch bin ich auch imstande, die England und seinen Kolonien, Höhe 2 in Frank¬ 
gangbarsten Schriften am Lager zu halten, und eilige reich, Spanien und in neueren Buchdruckereien auf 

Aufträge wie ganze Neueinrichtungen in kürzester dem europäischen Kontinent, und vielfach in Süd- 

Zeit zu liefern.“ und Mittelamerika, Höhe 3 in Belgien und neuen 

Ich habe in seinem Handbuche (1827) nichts von Druckereien Österreichs, Höhe 4 in den Niederlanden 
dem Konkordanzsystem gelesen, nach welchem Krebs und absterbend in den alten Buchdruckereien des 
seit 1822 neue Buchdruckereien einrichtete. Ist es europäischen Kontinents, Höhe 5 nur im eigentlichen 
das Didotsche Punktsystem,welches die Schriftgießerei Rußland. 

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Rundschau 


Arbeiten graphischer Lehrwerkstätten. Obgleich der 
Weltkrieg den geordneten Betrieb der Fachschulen, wie 
nicht anders zu erwarten, auch stark beeinflußt hat, und zwar 
einesteils durch die Einberufung der Lehrkräfte, anderseits 
dadurch, daß zahlreiche Schüler der Oberklassen Lehre und 
Schule mit dem Heeresdienst vertauschen mußten oder 
die Unterrichtsstunden zugunsten der geschäftlichen Tätig¬ 
keit versäumten, so ist doch mit anerkennenswertem Eifer 
an verschiedenen Anstalten weitergearbeitet worden, ja es 
hat fast den Anschein, als habe die Entlastung der Klassen 
und der gesteigerte Wille, gerade in der Kriegszeit besonders 
Gelungenes zu schaffen, die Arbeit vorteilhaft beeinflußt. 
Zu dieser Anschauung gelangt man ohne weiteres beim 
aufmerksamen Betrachten der reichhaltigen Jahresmappe 
1916/17 mit Schülerarbeiten, die die Buchdrucker-Lehr¬ 
anstalt zu Leipzig herausgegeben hat. Es wird darin so viel 
des Guten und Schönen geboten, daß man mit dem Erfolge 
des praktischen Unterrichts in vollstem Maße befriedigt 
sein kann. Die gegebenen Satz- und Druckproben lassen er¬ 
kennen, daß die Schüler durch alle Stadien des Technischen 
und Geschmacklichen geführt wurden. Unter den zahl¬ 
reichen Satzproben treten besonders gelungene Anord¬ 
nungen von Buchseiten hervor und es können manche der¬ 
selben als vorbildliche für die Bücherausstattung ange¬ 
sprochen werden. Der gute Eindruck der Satzproben ist 
nicht zuletzt auf die strenge Durchführung der typographi¬ 
schen Regeln, denen man ja in neuester Zeit auch wieder 
in weiteren Kreisen erhöhte Beachtung schenkt und damit 
deren Wert anerkennt, zurückzuführen. Auch in bezug auf 
farbige Wirkungen ist manch guter Griff getan und vom 
Schablonenhaften abgewichen worden. Den Abteilungen 
Chemigraphie und Reproduktions-Photographie hat der 
Krieg besonders schwierige Aufgaben gestellt, denn es muß 
hier mit zahllosen Ersatzmitteln gearbeitet werden. Trotz¬ 
dem sind die Ergebnisse auch dieses Unterrichtszweiges 
sehr erfreuliche und anerkennenswerte. Es ist zu hoffen, 
daß es der Buchdrucker-Lehranstalt gelingt, den Untericht 
trotz der sich türmenden Erschwernisse fortzusetzen und 
dadurch zur besseren Ausbildung des Nachwuchses, auf 
den das Gewerbe nach Kriegsende so sehr angewiesen ist, 
beizutragen. Durch das Entgegenkommen der Leitung der 
Buchdrucker-Lehranstalt sowie desVereins LeipzigerBuch- 
druckereibesitzer sind wir in der angenehmen Lage, zwei 
Probearbeiten aus der Jahresmappe (zwei Gedenkblätter) 
als Beilagen zu diesem Hefte zu bringen. Die Blätter sind 
zeitgemäße Arbeitsproben der Setzer-, Drucker- und Chemi- 
grapbenklassen zugleich, d. h. die Ausführung der Blätter 
erfolgte ganz in den Lehrwerkstätten derBuchdrucker-Lehr- 
anstalt unterAnleitung der FachlehrerHerren Köditz,Kupfer 
und Wetzig. — Auch die Schulmitteilungen der Fachschule 
des Vereins Münchener Buchdruckereibesitzer sind wäh¬ 
rend der Kriegszeit fortlaufend erschienen. Deren Inhalt 
erstrecktsich außerauffachlicheund allgemeine belehrende 
Aufsätze auch auf Mitteilungen, die die Beziehungen der 
Schule zu den im Heeresdienst befindlichen ehemaligen 
Besuchern der Fachschule aufrechterhalten sollen. Der In¬ 
halt der in einfacher aber zweckentsprechender, guter typo¬ 
graphischer Ausstattung erscheinenden Hefte, die auch 
praktische Beispiele enthalten, ist in vieler Beziehung in¬ 
teressant und beweist, daß die Leitung der Schule darauf 


bedacht ist, bei den Schülern die Liebe zum Berufe zu stei¬ 
gern und bei ihnen die praktische Lehre vorteilhaft zu er¬ 
gänzen. -c-. 

Opfertag Mal 1917. Erinnerungsschrift des Zweigver¬ 
eins Leipzig vom Roten Kreuz. Zu dem glänzenden Ergeb¬ 
nis, das der Opfertag in der Stadt Leipzig erzielt hat, der 
Summe von etwa M 120000.—, dürfte in nicht geringem 
Maße auch der Ertrag aus dem Verkauf der erschienenen 
Erinnerungsschrift beigetragen haben. Dieselbe hat Gro߬ 
oktavformat, einen Umfang von zwölf Seiten Text und ein 
Doppelblatt Illustrationen, beides in einen wirksamen Um¬ 
schlag geheftet. Der Entwurf zu dem letzteren stammt von 
Erich Grüner. Der Inhalt des Heftes setzt sich aus meh¬ 
reren interessanten Abhandlungen zusammen, die durch 
Illustrationen nach Zeichnungen von Walter Hammer ge¬ 
schmückt sind. Behandelt sind: die Leistungen des Roten 
Kreuzes von Reiner von Spohr, Krieg und helfende Liebe 
von Valerian Tornius, die Tätigkeit der Frau im Roten Kreuz 
von Dr. Wilh. Kühn, der Sinn des Roten Kreuzes und seine 
literarische Gestaltung von Dr. Fr. Sebrecht, die Kriegsfür¬ 
sorge bei unsem Verbündeten von Geh. Medizinalrat Dr. 
Tillmanns. Von besonderem Interesse ist auch der in Tief¬ 
druck wiedergegebene Entwurf Erich Gruners zu einem 
Gedenkblatt für das Rote Kreuz. Die Denkschrift ist in ge¬ 
schmackvoller Weise in der Kunstanstalt von J.J. Weber in 
Leipzig hergestellt worden, welch letztere auch die Beilage 
„Opfertag“, dies ist die Umschlag-Vorderseite des Heftes, 
für das „Archiv“ lieferte. Wir danken dem Redaktionsaus- 
schuß für die freundliche Genehmigung der Wiedergabe 
des eindrucksvollen Blattes. S. 

Kantate-Ausstellung im Deutschen Bucbgewerbe- 
hause zu Leipzig. Ungeachtet der Erschwernisse, die der 
Weltkrieg jedweder Art von Veranstaltungen verursacht, ist 
doch auch in diesem Jahre die altgewohnte und vom Lese¬ 
publikum wie von Bücherliebhabern und Fachleuten stets 
mit Spannung erwartete Ausstellung der Jahresneuheiten 
zustande gekommen und sie hat sogar den Vorzug der Reich¬ 
haltigkeit. Die zahlreichen Eingänge sind nach Sachgebieten 
gegliedert, und zwar wie folgt: Theologie, Philosophie» 
Literatur und Geschichte, Rechtswissenschaft, Bau- und 
Ingenieur-Wissenschaften, Handel, Gewerbe und Verkehr, 
Hauswissenschaft, Militär-, Staats- und Landwissenschaft, 
Kulturgeschichte, Kunst und Kunstgewerbe, Naturwissen¬ 
schaft, Erziehung, Unterricht. Eine besonders reichhaltige 
Gruppe bildet die Kriegsliteratur (I. ernstere, II. Romane 
und Erzählungen). Die Jugendliteratur ist ebenfalls sehr 
stark vertreten und in ganz besonderem Maße die schöne 
Literatur (Lieder, Gedichte, Theater, Romane, Erzäh¬ 
lungen, Novellen, Klassiker). Wie stets, so enthält die 
Ausstellung auch das Neueste an Wandbildern, Friesen, 
Sprüchen, sowie vieles aus dem Gebiete der Musik. Im 
Mittelpunkte der Ausstellung ist. eine geschmackvolle 
Gruppe aufgestellt, und zwar mehrere Vitrinen mit schönen 
Büchern, welch letztere zwar vom Besucher nur äußerlich 
betrachtet werden können, ihm aber immerhin andeuten, 
nach welcher Richtung sich die ganze Ausstattung des 
Buches bewegen soll. Die Auslage gibt der Ausstellung 
auch zum Teil den erzieherischen Wert, den sie in Ver¬ 
bindung mit ihrer orientierenden und geschäftlichen Be¬ 
deutung haben soll. S. 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Bücher- und Zeitschriftenschau; verschiedene Eingänge 


V Deutsche Form im Kriegsjahr . Jahrbuch des Deutschen 
Werkbundes 1915. Verlegt bei F. Bruckmann A.-G., Mün¬ 
chen 1915. Von den Erschütterungen des Weltkrieges eben¬ 
so jäh unterbrochen wie die Bugra hat die großartig an¬ 
gelegte Ausstellung des Deutschen Werkbundes in Köln 
im Jahre 1914 das gleiche Schicksal erleben müssen, wie 
die erstere. Mit einem Riesenaufwand von geistiger und 
gewerblicher Arbeit in Szene gesetzt, wäre gerade diese 
Ausstellung berufen gewesen, die Schlußsumme dessen 
zu ziehen, was man in den Jahren seit etwa 1900 an Ge¬ 
schmacksbewegungen und Stilwandlungen erlebt hat. Daß 
dies nicht wenig war, ist hinreichend bekannt geworden, 
und wenn nie zuvor in einer so kurzen Periode sich der 
Kampf um die neue Form in solch heftigem Widerstreiten 
vollzogen hat, so kennzeichnet dies nicht nur die Hoch¬ 
spannung, mit der alle geistigen und künstlerischen Ener¬ 
gien an der Arbeit waren, sondern es beweist auch, wie 
sehr das gesamte deutsche Volk von all diesen Bestrebungen 
mit fortgerissen wurde, die in erster Linie der Veredelung 
der handwerklichen Arbeit durch Streben nach geschmack¬ 
licher und materialgerechter Qualität galten. Daß der 
Deutsche Werkbund hier bald die führende Rolle an sich 
gerissen hatte, wir wissen es zur Genüge, und wenn man 
auch keineswegs immer und restlos mit all dem einver¬ 
standen zu sein braucht, was hier mit allerdings bewunderns¬ 
werter Konsequenz erstrebt wurde, so nötigt doch das posi¬ 
tiv Geleistete ein gutes Quantum Respekt ab. In ganz be¬ 
sonders nachdrucksvoller Weise sollte und mußte das wohl 
die Werkbundausstellung tun. Da kam der Krieg. Ihre 
Anreger und Schöpfer wurden auseinander gerissen, das 
grandiose Werk, das über die Ergebnisse jahrelanger Kultur¬ 
arbeit Rechenschaft ablegen sollte, wurde ihm ebenso 
zum Opfer wie vieles andre auch. Aber der Wunsch, der 
Ausstellung ein literarisches Denkmal zu sichern, konnte 
auch während der furchtbarsten Erschütterungen, die das 
Weltgewitter mit sich brachte, nicht schlummern. So lag 
es nahe, daß die Buchgabe des Werkbundes, die dieser Jahr 
um Jahr seinen Mitgliedern überreichte, diesmal ganz dem 
Andenken an die Ausstellung gewidmet war. Es ist ein statt¬ 
liches Dokument geworden. Auf 168 Bilderseiten sieht man 
das vorüberziehen, was deutsche Künstler, deutsche Ge¬ 
werbetreibende und Industrielle aus dem gemeinsamen 
Streben, einen neuen deutschen Stil, eine neue deutsche 
Form zu schaffen, geleistet haben. In der Tat ein über¬ 
wältigend reiches Material. Die Aufnahmen und Wieder¬ 
gaben sind vorzüglich, die Textanmerkungen ganz aus den 
zweckbewußten Erkenntnissen entstanden, die der Werk¬ 
bundarbeit immer die bestimmende Note geben. Der voran¬ 
geschickte, von warmer Begeisterung für die Sache erfüllte 
Text von Peter Jessen ist in klarer und schöner Schrift ge¬ 
setzt, auch die übrige Anordnung des Textes auf den Vorsatz¬ 
seiten und dem einfachen aber sehr würdigen Umschlag ist 
vortrefflich. Man merkt, daß der Deutsche Werkbund auch 
hier ganze Arbeit leisten will. Die wohlbekannte Anstalt 
von Bruckmann in München ist ihm in dieser Absicht mit 
der ganzen Entfaltung ihrer technischen und künstlerischen 
Mittel zur Seite getreten. Dy. 

W Der Ursprung des Alphabets and die Mondstationen. 
Von EduardStücken. Leipzig, J.C.Hinrichs. (52 Seiten, Preis 
M 7.50, gebunden M 9.—.) Die Frage nach dem Ursprung des 


Alphabets ist in den letzten Jahren mehrfach und unter ganz 
neuen Gesichtspunkten erörtert worden. Das Problem ist 
nicht nur neu in Fluß gekommen, sondern auch unendlich 
viel komplizierter geworden. — Neuerdings ist das Problem, 
zumal durch Hermann Schneider, durch Fritz Hommel und 
Ed. Stucken in das Gebiet der Religionsgeschichte oder 
der allgemeinen Weltauffassung verlegt worden. Es sind 
Fragen gestellt, die Probleme in sich bergen. Woher stam¬ 
men die ursprünglichen Bilder, die als Buchstabenzeichen 
dienen? Vor allem: ist ihre Anordnung zufällig oder durch 
irgendeinen Gedanken bestimmt? Liegt in der Reihenfolge 
der Zeichen irgendwelcher Sinn, stellen sie einen Zusam¬ 
menhang dar? Von dieser Frage geht Stuckens Schrift aus. 
Seine Arbeit bildet einen neuen Versuch, das Alphabet 
aus Vorstellungen der altorientalischen Weltanschauung 
abzuleiten. Und zwar findet er seine Voraussetzungen in 
der Astronomie der Babylonier, die in der Tat einen weit- 
hinreichenden Einfluß geübt hat. Der Mond selbst braucht 
für seine Bahn rund 28 Tage, an jedem Tage berührt er eine 
andre Sterngruppe. Diese einzelnen Stellungen des Mondes 
unter den Gestirnen nennt man die Mondstationen, die nach 
den Gestirnen benannt sind. Indem Stucken von der Unter¬ 
suchung der Mondstationen ausgeht, verbindet er mit deren 
Namen die einzelnen Buchstaben. Und zwar in der Weise, 
daß der Lautwert des einzelnen Buchstaben als erster Laut 
im Namen der Mondstation erscheint oder eine Bedeutungs¬ 
verwandtschaft mit dem Namen der Mondstation hat. Vor 
allem aber fällt schwer ins Gewicht, daß die Anordnung der 
Zeichen im ältesten semitischenAlphabet derReihenfolge der 
Mondstationen entspricht. Nun hat derMondumlauf freilich 
28 Tage, aber ursprünglich hat man nur 24 Stationen bezeich¬ 
net. Damit kommen wir derBuchstabenzahl des Alphabetes 
ganz nahe. Es wird langer Arbeit bedürfen, ehe die neuen Auf¬ 
stellungen eines so geistvollen Gelehrten wie Stucken durch 
weitere Prüfung völligerwiesen sind. Der Gedanke Stuckens 
hat als Ganzes eine starke innere Einheit. Wer sich mit der 
Frage nach dem Ursprung unsers Alphabets beschäftigt, muß 
diese schwerwiegende, scharfsinnige und von erstaunlicher 
Gelehrsamkeit zeugende Arbeit eingehend berücksichtigen. 
Die Fülle der hier niedergelegten Materialien und Gedanken 
zu bewältigen, ist freilich nicht leicht. Das Problem in allen 
seinenVerzweigungen undMöglichkeiten darzulegen, ist hier 
nicht möglich. Referent möchte dazu neigen, das semitische 
Alphabet mitderSchriftderägäischen Kultur(Kreta) zu ver¬ 
binden. Doch ist diese noch nicht sicher lesbar und könnte 
unterbabylonischem Einfluß stehen. Was für Stuckens Hypo¬ 
these ins Gewicht fällt, ist die sonst unerklärte Zahl der 
Buchstaben und ihre Anordnung, vor allem aber die Her¬ 
leitung der großen Schöpfung, mit der die moderne Kultur 
begann,ausderEinheitderaltorientalischenWeltanschauung 
und aus ihrer Wissenschaft. Eine eminent wissenschaftliche 
Leistung aber war die Schöpfung des Alphabets. R. St. 

W Besteuerung der Kunstwerke . Von Dr. Georg Jahn. 
Verlag von Rudolf Schick & Co., Leipzig 1916. Die vor¬ 
liegende Broschüre ist gewissermaßen als ahnungsvoller 
Vorläufer der in den ersten Monaten dieses Jahres so stark 
und allgemein einsetzenden Bewegung der deutschen 
Künstlerschaft gegen die sie bedrohende Gefahr der Be¬ 
steuerung der Kunstwerke anzusehen. Wie durch die Tages¬ 
presse hinreichend bekannt geworden ist, ist vom Reichstag 

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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


allen Ernstes der Anlauf unternommen worden, den Kunst¬ 
besitz zu besteuern und damit den lebenden Künstlern einen 
Schlag zu versetzen, der sie bis in das innerste Mark treffen 
muß. An sich ist der Versuch, die Kunst, die ja noch viel¬ 
fach, ob zu Recht oder Unrecht, das sei hier unerörtert, 
als Luxus betrachtet wird, zur Besteuerung heranzuziehen, 
keineswegs neu. Es hat sogar sehr kunstfreundliche 
Menschen gegeben, die der Meinung waren, daß die ganz 
unerhörte und einzigdastehende Wertsteigerung, die die 
Kunst in unsrer Zeit erfahren hat, eine solche Maßnahme 
keineswegs unangebracht erscheinen lasser. Leider aber 
scheint man an den Regierungsstellen in Unkenntnis der 
tatsächlichen Verhältnisse bei der Besteuerung der Kunst 
nicht dort einsetzen zu wollen, wo sie nicht nur berechtigt, 
ja fast erforderlich wäre, nämlich bei den Kunsthändlern, 
die an der Arbeit der Künstler zu reichen Leuten werden, 
sondern man will diese auf die Künstler selbst abschieben. 
Daß sich die gesamte deutsche Künstlerschaft mit einer 
Einmütigkeit, die man ihr in andern Dingen nicht immer 
nachrühmen kann, hiergegen zu wehren anschickt, ist nur 
zu verstehen, und es ist auch nur zu wünschen, daß diese 
Protestbewegung von vollem Erfolge begleitet sein möchte. 
An dieser Stelle aber muß besonders darauf hingewiesen 
werden, daß schon lange, ehe diese einsetzte, die vitalen 
Interessen der Künstler und ihre materiellen Nöte zum 
Gegenstand der Erörterung gemacht worden sind, und es 
dürfte sich immerhin schon eine nicht unbeträchtliche 
Literatur über diesen Gegenstand zusammenstellen lassen. 
Einen überaus wertvollen Beitrag hierzu geliefert zu haben, 
das Verdienst darf sich gewiß der Verfasser der vorliegen¬ 
den Broschüre zusprechen. In durchaus sachkundigerWeise 
rückt Jahn der so aktuell gewordenen Materie zu Leibe und 
in scharfgeschliffenen Sätzen weist er nach, welche unab¬ 
sehbaren Folgen gerade für die lebenden Künstler die 
Besteuerung des Kunstbesitzes mit sich bringen muß. Das 
Schlimme ist hierbei, daß von diesen Folgen viel weniger 
die großen und berühmten Künstler betroffen würden, deren 
große Preise eine Besteuerung ganz ruhig vertragen, son¬ 
dern daß, wie bei allen derartigen steuerpolitischen Ma߬ 
nahmen, in erster Linie die darunter leiden müßten, die 
ohnehin nicht vom Glücke bevorzugt sind. Mit erfreulicher 
Deutlichkeit spürt Jahn auch den Mißständen am sogenann¬ 
ten Kunstmarkte nach, die, wer möchte das bestreiten, 
gerade in den letzten Jahren sich in höchst unerfreulicher, 
zum Teil in widerlicher Weise herausgebildet haben. Auf 
der einen Seite der blendende Glanz des Goldes, das man 
den bevorzugten und von der Reklame berühmt gemachten 
Künstlern willig in den Schoß wirft, auf der andern die 
bittere Not, die manchem Künstler sein ganzes Dasein zu 
einer schweren Last macht. Und weil gerade die letzteren 
eine Schmälerung ihrerVerdienstmöglichkeit nichtertragen 
können, weil ihnen der Lebenskampf nicht noch mehr er¬ 
schwert werden darf, deshalb ist es nur zu begrüßen, daß 


die Künstler in dem Kampfe um ihre Existenz hier und da 
kräftige und warmherzige Förderung gefunden haben. Hier¬ 
zu gehört nicht zuletzt diese temperamentvoll herunter¬ 
geschriebene Broschüre, die weit über ihre augenblicklich 
aktuelle Bedeutung hinaus für die zeitgenössischen Zu¬ 
stände im deutschen Kunstleben immer dokumentarischen 
Wert haben wird. Dy. 

V Technik im modernen Zeitungsbeirieb. Von Dr. Hans 
Fuchs , Stuttgart. Gedruckt in der Tagblattdrückerei. 1916. 
Mit einer überaus fesselnden und selbst für den weniger 
Interessierten an wissenswerten Aufschlüssen reichen Ar¬ 
beit hat Dr. Hans Fuchs die Literatur vermehrt, die über 
das Zeitungswesen existiert. Der Ausbau der Technik im 
modernen Zeitungsbetriebe Deutschlands, sein Einfluß auf 
die Gestaltung und Organisation dieser Betriebe und die 
dadurch hervorgerufene Sonderstellung des Zeitungs¬ 
betriebes, sie geben die Grundlinien an für die mit tiefer 
Eindringlichkeit in die Materie gegebenen Darstellungen. 
Naturgemäß setzt der Verfasser bei der enormen Aus¬ 
dehnung ein, die das gesamte Zeitungswesen Deutschlands 
in den letzten Jahren erfahren hat, und wenn er hier unver¬ 
hohlen und mißbilligend zum Ausdruck bringt, daß die 
enorme Maschinenproduktion oder besser Überproduktion 
unsrer Zeit mit daran schuld ist, daß das Zeitungswesen 
durch die zahlenmäßig erschreckenden Gründungen kleiner 
und kleinster Druckereien in höchst ungesunde Bahnen 
gelenkt wurde, so wird ihm auch der Fernstehende recht 
geben müssen. Aber von dieser weniger erfreulichen Fest¬ 
stellung abgesehen, bietet Fuchs doch ein imposantes 
Bild dessen, was sich innerhalb des Zeitungsbetriebes ab¬ 
spielt. Fuchs will, das ist wichtig, unter dem Begriff Zeitung 
nur die fortlaufend erscheinende periodische Druckschrift 
verstanden wissen, deren hauptsächlicher Teil politischer 
Art ist. Er schließt also bei seinen Betrachtungen und Sta¬ 
tistiken die Fachpresse, die Zeitschriften, die Witzblätter 
und die kleinen Erzeugnisse der Druckpresse aus, die man 
gemeinhin mit dem Worte Zeitung belegt, ohne daß sie 
solche sind. Unter dieser Zugrundelegung geben seine 
Untersuchungen über die Besonderheiten des Zeitungs¬ 
betriebes, über die Schwankungen der Beschäftigungs¬ 
intensität, über ihre großartigen Leistungen, wie auch über 
ihre Mißstände (hierunter versteht er besonders die traurige 
Berichterstattung der kleineren Tageszeitungen und deren 
Abhängigkeit von den großen Blättern) überaus interessante 
Aufschlüsse, mit denen sich vertraut zu machen für alle die, 
die mittelbar oder unmittelbar mit der Presse in Berührung 
kommen, und das istvorallem beim gesamten Buchgewerbe 
der Fall, ganz gewiß von großem Werte ist. Was an rein 
äußeren Merkmalen diese Arbeit noch besonders beachtens¬ 
wert macht, es ist die klare und sachliche und doch nicht 
trocken dozierende Ausdrucksweise des Verfassers, und es 
ist nicht zuletzt die typographisch ausgezeichnete Leistung, 
die derDruckerei einerTageszeitung alle Ehre macht. Dy. 


Inhaltsverzeichnis 


Bekanntmachung. S. 57. — Ein Streifzug durch 50 Jahr¬ 
gänge des Archivs für Buchgewerbe. S. 58. — Deutsches 
Druckgewerbe im besetzten Belgien. S.68. — Buchgewerbe 
im besetzten Kurland. S. 72. — Militärische Buchbinderei 
in Polen. S.75. — Der linkshändige Buchgewerbler. S.76.— 
Das Buchgewerbe in den deutschen Museen. S. 81. — 


Kriegsgedenkblätter. S. 84. — Zur Geschichte der Schrift¬ 
gießerei. S. 94. — Rundschau. S. 96. — Bücher- und 
Zeitschriftenschau; verschiedene Eingänge. S. 97. — Ein 
Deutscher Verein für Buchwesen und Schrifttum. S.99.— 
Deutsches Museum für Buchwesen und Schrifttum. S. 111. 
7 Beilagen. 


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■ ■ - — : - ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE - - - - 

©in £)eutfd)er herein für 23udpefen unb Schrifttum 

f$t graufatucr ber große Ärieg fein Bernichtungswerf an ebelßen Äulturwerten fortfeljt, befto gebie* 
.Oterifcher brängt fich unfrer im b«iß«** Gingen um ihre (Ejrißenj ßehenben Station bie «Pflicht auf, 
folcheSEBerte nacfjbeßcn Äraften ju fammeln unb )u bewahren, als faßbaren Beßh för ba« neue®eutfcf>* 
lanb, bas ßarf unb geführt aus biefem SEBeltenbranb hervorgeben foff. 

Auch bie bleibenben SGBirfungen ber burch ben Ärieg fo jäh geßorten „BJeltausßellung für 
Buchgewerbe unb ©raph*f" 8«b<fa«** ju biefen SBerten, bie wir nicht preiögeben wollen unb burfen; 
war bo<h jene Ausßeflung weit über ihren engeren Böhmen hinauögewachfen ju einer Kultur* 
auößellung im weiteren «Sinne be« SBorte«, unb ließ bo<b bas erfolgreiche Bufammenwirfen afler 
wiffenfchaftlichen, fünßlerifchen unb gewerblichen Greife, welche« ße gefcb«ffen hotte, auch für bie ©auer 
eine tiefgreifenbe görberung beutfchen ©eißesleben« erhoffen. 

®ie weitgebenben B*»fa*»ffaplane, »eiche ßch on bie „Bugra" fnüyften, ßnb feinerjeit nur jurücf« 
geßefft, niemal« aufgegeben worben, unb ber Bdtyimft j U ihrer SBieberaufnahme fcheint nunmehr 
gefommen ju fein, um fo mehr al« ßch bereit« in anbern Säubern gleichartige Beßrebungen ju regen 
beginnen, voran in Sranfreich, wo man ein großartige« «Mus^e du livre et de la pensee fran£aise» 
in offenborer Anlehnung an ba« Programm ber Bugra ju begrünben im Begriff fleht. 

Um ben einmütigen unb fruchtbaren 3ufammenf<hluß aller ber Ärafte, bie am Buchwefen unb 
©chrifttum fchaffenb unb verbreitenb tätig ßnb, jur §orberung unb Bereicherung ber beutfchen ©eiße«* 
fultur bauernb wirffam ju erhalten, hoben berufene Vertreter ber SBiffenfchaft unb .ftunß, beö Buch* 
hanbel« unb Buchgewerbe« ßch bereinigt, um bie ©rünbung eine« 

£)eutfcf)en SSerein^ für &udjn>efen unb Schrifttum 

in bie Biege ju leiten, ber ein ©ammelpunft beutfchen @eiße«leben« auf ber ©runblage be« Buche« 
unb beö graphißh«*» Ausbrucf« überhaupt werben unb bem großen ©ebanfen, ber in ber „.paffe ber 
Äultur" verfarpert war, bleibenbe ©eßalt unb SSBirfung verleihen foff. 

©iefem 3i«l« fall«*» bienen: eine umfaffenbe 3«itfchrift fwr 0«iß»9« Kultur, Bortrage unb 
SBanberauößellungen in ©eutfchlanb unb im befreunbeten Auslanb, fowie ein großangelegte« 
üOlufeum für Buchwefen unb ©chrifttum, ba« ber (Erhaltung unb bem weiteren Ausbau ber 
burch bie Jf?atte ber Kultur gewonnenen wertvollen ©ammtungen gewibmet fein wirb. 

©ie 9tei<h«verwaltung, bie königlich ©achßfche Regierung, bie ©tabt Seipjig, fowie jahlreiche 
wiffenfchaftliche, fünßlerifche unb buchgewerbliche Bereine unb Anßalten haben bem großen «plane 
bereit« aufrichtig jugeßimmt unb feine görberung in Ausfleht geßefft; bie enbgültige ©urchführung wirb 
ber tatfraftigen ÜJlitwirfung aller beteiligten Greife in ganj ©eutfchlanb bebürfen. 

Auch an (Euer .pochwohlgeboren richten wir baher bie ergebene Bitte, biefe« bebeutfame vater* 
länbißhe 2Berf mit ju fßrbern, unb junächß bem @rünbung«au«fchuß beijutreten, ber al«balb nach 
§rieben«fchluß ber Bermirflichung be« ©ebanfen« naher treten wirb, jur (Ehre beö beutfchen Barnen« 
unb jur Ausbreitung unb Bertiefung beutfchen ©eißeslebenö. 

23orftant> t>e£ ©rün&ungtfautffc&ujfetf 

©ehetmer #ofrat Dr. üubroig Söolfmann, 1. SBorfigetiber. — UntoerfitatöprofefTor ©eheuner £ofrat Dr. ©alter 
®S%, 2. 23orfi§enber. — SWufeumäbtreftor ^Profeffor Dr. 9U6ert Stramm, Schriftführer. — ^reidhouptmann 
t>on 23urgöborff. — £)berbürgernmfter ©eheimet 9ftat Dr. ©tttrich. — ©ehetmer jpofrat ^rofeffor £>tto 

99 13* 


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— ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE " 

©ugmann, ©tubienprofeffor bet ßönigticfjen ülfabemie bet bilbenben Äünfk, Dreßten. - ©e&eimer «Regierungßrat 
Dr. jur. Äontob jjepn, «Bortragenbet SRat In bet ©eneralbireftion bet Aönigticfxn Sammlungen ju SreSben. - 
©ebeimer Jjofrat Ülrnbt ©epet. — ©ebeimer «Regierungßrat greiberr ton Der. — UnioerfttätöptofefTor ©ebeimer 
Xpofrat Dr. ©etbatb ©eeliger. — Äommerjienrat Slrtur Seemann. — ©ebeimer JJofrat «Profeffor ©a* Seliger, 
Direftor bet .Röniglicben Slfabemie für grapbifebe fünfte unb SSucbgeroetbe ju Seipjig. — Unioerfitatßprofeffor 
©ebeimet Jpoftat Dr. ©tieba, «Reftor bet Unioerfitat Seipjig. — «Profeffor ©alter Xiemann. 


Stifter 

(©inbegbeitrag 1000 ©atf) 

«Berget & ffiirtb, garfcenfabrifen, Seipjig 
«Bertram, Slbolf, D. Dr. jur. can., gütgbifcbof, 33reolau 
»leicbert, ©ar, ÄgC ©äebf. fommerjienrat, Seipjig 
Jjerfurtb, Gbgar, «Berlagßbucbbänbler, Seipjig 
Äaifer, 3ofef, Äommerjienrat, «Bterfen 
Ätincficbt, Jjeinricb, S3efi§er ber ga. <Lg. Mntficbt& 
©obn unb beß ©eigner Slageblattß, ©eigen 
«Palmid, Gbarleß ©., Sommerjienrat, Drcöben 
Quelle&©et>er, 93etlagßbucbbanblung, Seipjig 
«Reclam, J?anß Jjeinticb, ©ebeimer Sommer jienrat, 
Seipjig 

©ebroeber, «Hbolf, i.ga. ©ieler&«Bogcl, Seipjig 
©ugmann, Slugufl, Äommerjienrat, Setpjig 
23 .93obacb & So., «Berlagßbudbbanblung, SBerltn 
StBolffsSftober, ©artin, i.ga. 6.@.ütober©.m.b. S}., 
Seipjig 

ficbcn^längfic^c IDUtgUefcer 

(einmaliger ^Beitrag 500 ©ar!) 

SBacbem, 3. SBerlagßburfibanblung, Äo'In 
©rfiwell, Souiß, SBerlagßbucbbänbler, Dortmunb 
Dietrich, DßBar, ^apierfabrtfen, ©eigenfelß a.©. 
©obel, griebricb ©., Sgt.©acbf.©ebeimerÄommerjiem 
rat, Seipjig 

Sabufen, Sari, ©ebeimer Sommerjienrat, Delmenborfl 
«Reinbarbt, 2., 58ucbbrucfc©etallgerätes unb 
©afdnncnfabrif, Seipjig=@onnen>i§ 

SBigtbum o. ScBftabt, ©raf Sbrigopb, Ägl. ©aebf. 

©taatßminifler, Srjcllenj, Dreßben 
©a l b f cb m i b t, ©alter, 3ufli jrat Dr., 23ctlim@runercalb 


S3c^ört>cn uni» 23etbänt»e 

2l(lgemetner Deutfcber (Sprachverein (<L ©.) Berlins 
griebenau 

25unb £5eutfcber ©elcbrten unb ÄunfHer, Berlin 
Deutfcber ScbriftfMlerverbanb, Berlin 
X>trcFtion ber $aiferltcben 9bicb$brucFerei, Berlin 
Gfsangelifcber spreffcs^ßerbanb für IDeutfcblanb 
gurfUic^ Xfyuxn unb Xajbfcbe Hofbibltotbe!, ftegenöburg 
©rapbifebe* Kabinett unb ßunfhmffenfcbaftlicbe* 3nftttut, 
Mannheim 

©rofberjoglicbc Unberfitätöbibliotbef, grcibur^ u S?. 


ßoniglicbe 2lfabemie für grap^ifc&e fünfte unb 23ucb* 
geroerbe, Seipjig 

$6mglkbe2lfabemtefur,ftunftunb ßunftgeroerbe, 23re$lau 
königlich Sacbfifcbe 2lfabetnte ber bilbenben fünfte, 
£)reöben 

*Pabagogtfcbe$ UnberfilatösSeminar, 3ena 
Scbrifibunb Deutfcber ^ocbfcbullebrer 
Staatliche äunftgeroerbefcbule, Hamburg 
Stäbtifcbeö griebricb^olptecbnifum, Gothen i. 21- 
Stenograpben=2$erbanb StoljesScbrep, 23erlin 
herein jum b^ü. $arl S3orromau$, 23onn 
herein Setpjiger treffe, Seipjig 

QEinselmitglie&er 

2lbbetmeper, £beo, BleBtor, HannoversSinben 
2lc!ermann, 2llfreb, J^ofrot Dr v Seipjig 
2lbler, Slbrobom, ©ebeimer J?ofrat Dr., @tubienbireftor 
ber j?anbel$bocbfbuk/ Seipjig 
3lbleröfelb523allefirem, ^ufemio t» v ^uneben 
21 f f o 11 e r, grig, Dr. jur., Unberfitätöprofeff or, ^)eibelberg 
21 bn, 2Ubert, Dr. jur., ^ommerjienrot, 23onn 
2lftiengefellfcboft Jpacferbrou, ^uneben 
211 ber t, s Peter,Dr.phil., s ))rofeffor,2lrcbbrat,greiburg i.23. 
2Ulgemeine 3 e i tun 0/ ^b^ nini ? 

2lnberö, SRecbnungärat, Sonbtagöabgeorbneter, 
3)reöben 

2lntbe6, ^buorb, *J)rofefTor Dr., ©roßberjoglicber Denfs 
molpfleger unb23orftonb beö ©ro§b^fS 0 9^b^ ©enfmal? 
2lrcbit>0/ Dormflöbt 

2lrminiuö, ©ilbelm, Dr. phil., ^rofeffor, ©eimor 
2lrnbt, Slugu^in, Dr.theol.etphil., ^rofeffo^ffieibenou 
2lrnbolb, ©eorg, ©ebeimerSommerjienrat, Dreöben 
2lfcbaffenburg, ©uf?at>, Dr. med., ^)rofeffor on ber 
2lFabemie für proftifebe 9Jfebijin, fioln 
2lt>enoriuö, gerbinonb, Dr.phil.h. c., Herausgeber beS 
^unfimartS, DreSben 

23ablfenS ÄePsfabriF, Spannover 
23abr, IKtcbarb, Dr. phil, Berlin 
23allauff, griebricb, Dr.phil., «Profeffor, 2luricb 
23aenfcb^Drugulin, Hofrat Dr.phil., Seipjig 
23arbeleben, Äarl Dr. med., UnberfitatSprofeffor, 
3ena 

25arge, Hamann, Dr.phil., ^rofeffor an ber ^etrifcbule, 
Seipjig 

100 


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PRINCETON UNIVERS1TY 



ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


23arnap, Subroig, ©eheimrat unb Jpofrat, Jpannooer 
23arthel0, $ar( Subroig, Dr.phil., 2fPabemieprofeffor, 
.ftantmerherr, 23onn 

58artholomae, Glmftfun, ©eheimer Jpofrat Dr. phil., 
Unioerfita'täprofeffor, Jpetbelberg 
58 a u m g a r t n c r, 21., Dr. phil., 58erlag0buchhunbler, 2eip $ig 
23 u d) ho l b, Jpeinrich, Dr. phil., $Profe ffor, granPf urt a. 3)?. 

23 c cf, Heinrich, D. Dr. jur. Dr.s3ng., @taat0minifter für 
$ultu0 unb öffentlichen Unterricht, Urjelfenj, Dre0ben 
23ecf er, 2llbert, Dr. phil., profeffor, ^metbrucfen 
23ecfep, Heinrich, Pfarrer, $6'ln a.SRh* 

23erger, ßurt, ßonful, Seipjig 
23crgmanns$orn, SRicparb o., Dr. jur., Verleger ber 
6 chlefifchen Rettung, 33w*fau 
23 e r (t n 9 , Dr. phil., ^rofefT or, 9ERufeum0btrePtor, Dre 0 ben 
23etbe, Grrich, Dr.phil., ©ehetmer jpofrat, Unioerfitot^ 
profeffor, Seipjig 

23ettenh«ufen,3v $gl. @ochf. Sommer jienrat, Dredben 
23eper, @arl, $unf!hanbler, Seipjig 
23ierbrouer, $., Dr., ga'hrhtucfe u@. 

23ilhar$, 2llfon0, Dr.med., ©ehetmer @anität0rat, 
©igmoringen 

23inj, @uftat>, Dr.phil., profeffor, Direftor ber 0tabt? 
bibliotheP, 9Roinj 

23 i r P m e p e r, $arl, Witter o., Dr. j ur., profeffor, ©eheimer 
SRat, Lunchen 

Sötfchoff, Dietrich, Dr.jur., 23onPbirePtor, Seipjig 
231aujtetn, 21rtur, Dr. phil., $anbel0PammerfpnbiPu0 
unb Dojent an ber Jpanbeteljocbfcbule, Mannheim 
58loch, WU, Dr.phil., profeffor, ^ofen 
23obemer, 3*©., grau, 3fchopau 
23ogeng, @.21.(£., Dr.jur., 23erlin 
23ohatto, £ann0, Dr. phil., DberbibliothePar, ©ien 
23ol(, granj, ©eheimer Jpofrat Dr.phil., Unioerfitatös 
profeffor, Jjeibelberg 

23o((ert, Martin, Dr. phil., DtrePtor ber ©tobtbibliotheP, 
23romberg 

23onifaciu0sDrucferci, 5paberbom 
23oerner, J?an0,58erlog6buchhonbler, Scipjig 
23otbmcr, #etnj, ßonful, ©efchaftöföhrer beö Jpinbens 
burgsSWufeumd, *Pofen 

23ott9er,2öilhelm,Dr.phil.,Unioerfitat9profeffor,?eipjig 
23opfen, $arl, Dr. phil., ©eheimer Jpof rat, DirePtor ber 
UnioerfitatöbibliotheP, Seipjig 
23ranbenburg, (£rtch, Dr. phil., ©eheimer Jpofrat, 
Unioerfttatöprofeffor, £eipjig 
23ranbenjtein, greiherr o., @ro§h^Jog(ich 9flecflem 
burgifcher a. o. ©efanbter unb bevollmächtigter 9Rinifter, 
£r$ellen$, 23erlin 

23rann, SKarPud, Dr.phil., profeffor, 58re6lau 
23raun, ©eneralfePretar bed 23orromäu0558erein0, 23onn 
23rcnbicfe, #an0, Dr.phil., 23er(in 
23repohl, griebrich SBilhdm, ©cbriftfleller, 23ab 9htffau 

101 


23rincfmann, 21. (£rich, Dr. phil., profeffor an ber Xech ? 

nifchen #ochfchule Äarlöruhe 
23rinjinger, 21bolf, ©tabtpfarrer, Dbernborf a. 9t. 

23 r o cP h a u 0 Heinrich,Dr. phil.,Unit>erfttat0profeff or a.D., 
«eipjig 

23ru<fmann, $ugo, Verleger, München 
23runner, ßarl, Dr. phil, profeffor, 23erlins$!icbterfelbe 
23running, ©alter o., Dr.jur., £anbrat, @tolp i. 
23rtlffau, £)0Par, $g(. @uperintenbent, (£il0leben 
23uchberger, Michael, Dr. theol., DomPapitular unb 
DirePtor, München 

23 flehte, @arl, $Bertag0buchhfln&tW/ 23erlimgriebenau 
23uchn>alb, ©eorg, Dr. theol. et phil., ©uperintenbcnt, 
9tochlt§ 

23 u b b e, @erharb,Dr. phil.,tyrof effor am 5Rat0gpmnafium / 
jpannooer 

23uhring, (5.3 V @tabtbaurat, Setpjig 
23urg$borff, (5urt greiherr oon, Dr. jur., Äretebaupt* 
mann, ^eipjtg 

23uttner, Pfänner j. 5lhöl/8rön} griebrich,Dr.phil., 
profeffor, ©eheimer Jpofrat, Coburg 

Warften 6 , Dr.jur., 3 ufti§rat, Äottbu^ 
( 5 affel(s( 5 ajiei(, griebri^ ©raf j., Ägl. @achf. 21mt62 
hauptmann, Dfchag 

d(a§, Heinrich, SRechtöanmalt, SBorftßenber beö 2111^ 
beutfchen 5öerbanbeö, SWatnj 
Kiemen, Dtto, D. Dr. phil., profeffor, ^wicfau 
(Kiemen, ^aul, Dr.phil., ©eheimer SRegierungörat, 
Unioerfttat^profeffor, 23onn 

^onrabp,21ugufl,Dr. phil.,Unioerntatöprofeffor,Seipjig 
^ o r b e e, 21 ugufi,D.,@ uperintenbent,9Äitglieb ber 1 .@achf. 
@tanbePammer, Seipjtg 

DantafchPe, 21bolf, ^erau0geber ber 23erliner Iage0j 
jeitung „Deutfche ©arte", 23erlin 
Dannemann, grtebrich, Dr. phil., SRealfchulbirePtor, 
23armen 

D a n j i g e r, ^urt, Dr., Mannheim 
Dehme(, SRicharb, Dr. phil., 231anPenefe 
Delitfch, ^ermann, Sehrer an ber $g(. 21Pabemie für 
graphifche fünfte unb 23uchgemerbe, Seipjig 
Deffoir, 50?ajc, Dr.phil. et med., Unioerfitat0profeffor, 
23erltn 

Deutfche 21mmoniaP558erPauf0s23ereinigung @. nt. b. #., 
23ochum 

Deutfche0 Drucf? unb 23erlag0hau0, ©. m. b. 23erlin 
DiePamp, granj, Dr. theol., Unioerfttatöprofeffor, 
SRunfier 

Dietrich, SRubolf, Dr.jur., ©eheimer 5Rat, Dberbtirger? 
meiner, Seipjig 

Dob0Pp, 21rtur, Äunftfchriftfteller, Jeipjig 


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Original fro-m 

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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Docnged, ©illp, $gl. 0&bf* Jjjofrat, Dberleiter ber 
@äcbftfcben 0taat$$eitung, Dreäben 
Doren, 2llfreb, Dr. phil., Univerfitat$profeffor, feipjig 
Dranöfelb, Jpebroig, 6cbriftleiterin, jtöln a.©b. 

Du ©?ont*0ebauberg, ©erlag ber Kölner 3*itung, 
$oln a. ©b. 

Dürr, Glfe, Snbaberin ber Dürr’fcben ©ucb^anblung, 
Stipjig 

Z5ünnger,2It>dbett,Dr.jur.,£bcrlanbe6gcrtd't6pra7it'tnt, 

Äarldrube 

£bbarbt, ©obo, ^rofeffor, ©erlin5©runeroalb 
(Jbrarb, griebricb, Dr. phil., ^rofeffor, ©ebeimer $om 
fif!orialrat,Direftorber0tabtbibliotbef,granffurta.9ft. 
(5 cf a r b t, 3obann ^einric^,©erlagebucb^änbler^eibelberg 
£cfart, ©ubolf, ffiaifenbauäinfpeftor, ©orten 
£cf er t, ßbrifhan, Dr. jur. et phil., ©ebeimer ©egierungte 
rat, @tubienbiref tor ber Kölner Jjocbfcbulen, äoln a. ©b. 
Sbler & ßrifcbe, @efcf>aftöbüc^erfabriP, Hannover 
£ggert*©inbegg, ©altber, 6cbriftfteller unb ©erlagt 
rebafteur, SKüncben 

^b«?alb, ©ubolf, Dr. phil., tyrofeffor, ©ebeimer Jjofrat, 
Direftor ber ©ibliotbef beö Jperjoglicben Jpaufe*, ©otba 
£icbborn, $urt v., Dr.phil., ©anfier, ©re$lau 
(Jlfenfcand, Xbeobor, Dr. phil., *))rof eff or, ©ebei mer Jpof* 
rat, ©eftor ber Xecbnifcben ^ocbfcbule, Dredben 
Elfter, £rnj!, Dr.phil., ©ebeimer ©egierungdrat, 
Unioerfitätäprofeffor, Marburg 
Elfter, Jubroig, Dr. theol., Dr. phil., ^>rofeffor, ffiirflicb 
©ebeimer Dberregierungörat, 3ena 
^Igbacber, 9>aul, Dr.jur., $>rofeffor, ©erlins©runeroalb 
(£nbre$, granj @arl, SRajor, 9Rtfncben - 
£ngel, 2lle;anber, Gbefrebafteur, ©erlins@tegli§ 
Sngelborn, @arl, Sommerjienrat, Stuttgart 
Srbberg, ©obert o., Dr. phil., ©erlin 
fcrler, Dtto, Sebrer, £eip$ig 
Srmifcb, J?ub., Dr. phil., ©ebeimer ©egierungörat, 
Direftor ber $gl. Sanbeäbibliotbef, Dredben 
£rnjl, Dito, ©rogflottbecf 

(5 u cf e n,©ubolf, D. Dr. phil., ©ebeimcr ©at, Unioerfitatös 
profeffor, 3ena 

(£uefen*2lbbenbäufen, Dr. v., 2ßirf lieber ©ebeimer 
©at, ©roßberjoglicb Dlbenburgifcber a. o. ©efanbter 
unb bevollmächtigter OTinifter, £jr$e(len$, ©erlin 
£wert, ©?aj, Dr.phil., Direftor beö £pjeum$, ©üben 

galbij, Dr.phil., ©romberg 
gelten, 3ofepb,Dr. theol., UnioerfttatöprofefTor^äpfc 
lieber #audprälat, ©onn 

gelten, ÖBübelm, Dr.phil., profeffor, 0iegburg 
giefer, Sobonneö, D.Dr.phil., UnioerfttatöprofefTor, 
@tragburg 

gifentfeber, grig, Dr. phil., Seipjig 


gifeber, ©ilbelm, Dr. phil., ©ibliotbefebircftor, ©raj 
gloericfe, Gurt, Dr.phil., ©oblingen 
gloerfe, #ann$, Dr. phil., Sflündjen 
glugjeugbau griebricbebafen, ©. m. b. griebrieb*bafen 
g oef e, ©ubolf, Dr. phil., profeffor, ©ebeimer ©egierung*; 

rat, Direftor ber Äaifcrs©ilbelm=©ibliotbef, *J)ofen 
gorrer, ©obert, Dr. phil., äonfervator, Stragburg 
gop, ffiillp, Dr.phil., profeffor,3J?ufeum$bireftor,Äöln 
granfe, ©?a;, gabrifbireftor, 2eipjig?OTocfau 
grenffen, ©uffav, Dr. theol. h. c., Saflor, ©lanfenefe 
grieblanber, 2War, Dr.phil., Unberfitatvprofeffor, 
©ebeimer ©egierungdrat, ©erlin 
griebricb*,Sommerjienrat, ©orftöenber be$ ©unbee ber 
Snbufhiellen, ©erlin 

g r i § f cb, Xty obor, Dr. phil., ©ejirf öfebulinfpef tor,£>f cba8 
gulb, SJubtoig, Dr.jur., 3u|hjrat, SWainj 
gulba, Dr. phil., ©erlimDablem 
güllfrug, ©erbarb, Lic. theol., *))aftor, ©erlimDablem 
g u 11 n e r, £ugen, Dr.^Sng. h. c., ©ebeimrat, 2ßarmbrunn 

©arbtbaufen, ©iftor, Dr.phil., Unioerfitateprofeffor, 

©arfunfel, 3ofepb, i. ga. ©?arfud ^armelin, feipjig 
©artenfebläger, gri§, Dr. phil., Leiter be8 ©aebriebtens 
bureaud unb ber ^efules©ibltotbef ber garbenfabrifen 
vormab griebricb ©aper & @obn, ^everfufen 
@effcf en, 3ob v Dr. phil., UnioerfttateprofefTor, ©oftoef 
©engenbacb, Slbolf, Jjofbucbbrucfercibeftger unb ©er 
leger, ©tonnbeim 
©eraifebe« Xageblatt, ©era 

©erftenberg, Jpeinricb, Dr. phil.^rofeffor, Direftor bee 
©ilbelms©pmnartum8, Jpamburg 
©iefe, grig, Dr.phil., (Sbarlottenburg 
©tefeefe, ©eorg, Äommerjienrat, ^eipjig 
©irarbet, ffi., ©erlcger, Düffelborf 
©lauber, b. 3«, ^mil, Direftor, @6'rli§ 

©lauebauer Tageblatt unb $ln$eiger, ©lauebau 
©leiebeni©u§murm, Äarl 2lle;anbcr, greiberr v., 

^gl. ©apr. Kämmerer, ÜRuncben 
©olbfebmibt, OTori^, Dr. phil., ^rofeffor, ^attomij 
©olbfebmibt5©otbfebilb, ©ubolf greiberr o., 
©eneralfonful, granffurt a. ©?. 

©oliner, Sofef, Dr. med., 2lrjt, Erfurt 
©oette, ©ubolf, ^)rofeffor, 6premberg 
@oe§, ©alter, Dr. phil., ©ebeimer ipofrat, Unioerfita't^ 
profeffor, Seipjig 

©o§e, Qllfreb, Dr.phil., profeffor, ©erlinsStebterfelbe 
©rabomöfp, 5lbolf, Dr.jur., ©erlin 
©ramjom, Dtto, Dr.phil., profeffor, (Sböflottenburg 
©raefel, ©ebeimer ©at im OTinifterium, ©era 
©raul, ©iebarb, Dr. phil., profeffor, SWufeumobireftor, 
«eipjig 

©rautoff, gerb., Dr. phil., Gbefrebafteur, ^etpjig 


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Original frorn 

PRINCETON UNIVERS1TY 



ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


©reue, ©., Dr.phil., Direktor beö «Rorbbeutfcben ?lopb, 
Bremen 

©rotb, 2lbolf, Dr.phil., ^rofcffor, 9tiPola$fee 
©rubert, Jpermann, ©erbeanroalt, *))rag 
©runer, £ricb, ßunfhnaler unb ©rapbiPer, £eip$ig 
©runcr, Stabtrat, Ürautenau i.58. 
©runets^Demtant, %f)dia, gtau ©ebeime 
jtommerjienrat, £eipjig 

©ü'ntter, £)tto t>on, Dr.phil., ^)rofcffor, ©ebeimer S ?ofs 
rat, Söorjfrmb beö ScbillersWufeumö, Warbacb 
©ußmann, £>tto, ©ebeimer $ofrat, Stubienprofeffor 
an ber ägl. 2lPabemie bcr bilbenben fünfte, £>reöben 

jjaberlanb, @rnfl, 58ucbbrudPereibefi§er, kipjig 
jpaberle, Daniel, Dr. phil. nat., Äaiferlicber SRecbnungös 
rat, Jpeibelberg 

Jpabocf, 3aPob, Sngenieur, $8aprifcbe gliegerabteilung 
#aecfel, (£rnft, Dr.phil. Dr. med. Dr.jur., ©irPlicbet 
©ebeimer SRat, ^jrjettenj, 3ena 
Jjageborn, 2luguft, tfaiferlicber SRecbnungörat, Berlin 
Jjagemann, @arl, Dr.phil., Jj>oftbeater*3ntenbant, 
Wannbeim 

Rabling *>♦ Sanjenauer, Jpeinricb, Dr.phil., ©eifc 
bifebof, 9>aberborn 
Jpabn, 2Uban u., #ofrat, £etp$ig 
Jpabn, Sllfreb, 58erlag$bucbbünbler, £eip$ig 
#a'bnel, granjiöPud, fteftaPteur, Jpobeneicben5©elling$:: 
büttel 

Jpalbcrt, 2lrorum, SRebaPteur, Hamburg 
#aenel, £ricb, Dr. phil., ^rofeffor, WufeumäbirePtor, 
Dreöben 

Jparlan, ©alter, Dr.jur., 58erlins@runeroalb 
Jparmelin, Worig, £eip$ig 
£arpf, 2lbolf, Dr. phil., ScbriftfMer, Scoben 
^arrafforo i §, Otto, Jjofrat, 58erlag$bucbbanbler,Seip$ig 
J£>arrnng, War, 58erlag$bucbbünbler, 9JiPola$fee 
£ artmann, Otto, DirePtor ber SOerlagöanftalt normale 
@♦3. Wanj 51.s© v 9tegenöburg 
Jpartmann, ^)aul, Dr.phil., Orbentlicber ^rofeffor an 
ber ©rogb^rjoglicben ^ocbfcbule, Darmftabt 
$afe, 0$Par 0 ., Dr.phil., ©ebeimer jpofrat, Seipjig 
«$aß 1, ©uibo, Pfarrer unb Kämmerer, 23ab Digenbacb 
Jpaug, glamin Heinrich, Dr. phil., gürftlicb Eoroenfleim 
SRofenbergfcber 2lrcbioar, ©ertbeim 
Jpauptmann, ßarl, Dr.phil., Wtttelfcbreiberbau 
$aoenflein, 9tub., ©irPlicber ©ebeimer SRat, $Reicb$ s 
banPs^rafibent, (*r$ellenj, Berlin 
#aoer, griebricb, Jpoljfcbleiferei, Oblau 
#ein,granj, ^rofeffor an ber Äoniglicben SIPabemie für 
grapbifebe fünfte unb 58ucbgen>erbe, Seipjig 
#ellingbauö, Otto, Dr. phil., ^rofeffor, ©ebeimer 
Stubienrat, Wünfler 

#elmolt, i?an$ g., Dr. phil., @befrebaPteur, $8renten 


Jpelffig, SRubolf, Dr.jur., OberbibliotbePar, kipjig 
Jperour, 58runo, ^rofeffor, Setpjig 
#erre, ^)aul, Dr.phil., UnioerfitatSprofeffor, Seipjig 
Verriebt, ©üntber, ^auptfcbriftleiter, kipjig 
Xperrmann, ©uflao, Kaufmann, £eipjig 
Jperrmann, War, Dr.phil., *Profeffor, Berlin 
jperrmann, *Paul, Dr.phil., ^rofejfor, DirePtor ber 
SPulpturemSammlung, Dreöben 
^)errmann, ^aul, \. ga.(5. jperrmann sen., £eipjig 
Jperjog, ©ilbelm, Berlin 

#effe, 3IIbert, Dr. jur. et phil., Unberfitakprofeffor, 
^onigeberg 

Regler, ^arl, SftePtor, Gaffel 
S) epn, Äonrab, Dr. jur.,Sßortragenber SRat in ber ©eneraU 
DirePtion ber ÄonigC Sammlungen, Dreöben 
^)ierfemann, ^arl ©., 93er(ag$bucbbanbler, kipjig 
^>ippe. War, Dr.phil., ^)rofeffor, DirePtor ber Stabts 
bibliotbeP, 23reö(au 

^offmeifier, Heinrich, Schriftgießerei, ?eipjig 
J£>ofPen, Witter SRubolf uon, SRegierung^rat, ©ien 
^)obn, ©ilbelm, Dr.phil., DirePtor, W.*©labbacb 
^ollanber, Sugen, Dr.mcd., ^rofeffor, Berlin 
^)oppe, ^ermann, ©olbfebmibt, Jpirfc^berg t.ScbL 
S) u b e r, Jjermann, ^ofelfcbe 23ucbbönblung, Kempten u 21. 
S) ueb, SRubolf, SufNjrat, Darmpabt 
Rummel, griebricb, Lic. theol., DePan in (Jraildbeim 
4>ungerlanb, ^)einj, Dr.phil., £>önabrücf 
^unPe, ^einricb, WufiPalienbanblung Wü'blau, Äiel 
^)u*pfelb, Submig, ©eneralbirePtor, Seipjig 
^u pöPenö, 2llbert, Dr.phil., DirePtor beö Stabtarcbbe, 
2lacben 

3acob, $arl, Dr.phil., Unberfttalöprofeffor, Tübingen 
3acobö, <£mil, Dr.phil., ^Orofeffor, DirePtor ber 
UnberßtatäbibliotbeP, greiburg i. 58. 

SaefcbPe, £mil, Dr. phil., DirePtor ber $8ücberballen, 
Düffelborf 

3abn, War, Dr. phil., ^rofeffor,2)irePtor ber Stabtifcben 
Schule für grauenberufe, Seipjig 
SanufjPiemicjsSReinfelö, ^an6 t>., SbefrebaPteur, 
58erlin^icbterfelbe 
3ap, griebricb, Äonful, Seipjig 
3entfcb, ^arl, Dr.phil.h.c., Gleiße 
3 e r e m i a 6,2llfreb,D. Dr. phil., Pfarrer unb ^Orbatbojent, 
Seipjig 

3effen, *)>eter, Dr. phil., ©ebeimer SRegierungörat, 
DirePtor ber 58ibliotbeP beö Äunfigemerbemufeumef, 
58erlin 

3b m eU, 2ubtt>ig, ©ebeimer ^irebenratD., Unberfttatä* 
profeffor, Seipjig 

3mmenbürffer, 58enno, Dr.phil., profeffor, ©ien 
3mmanuel, grig, £>berjl, 58erlin 


103 


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Original fro-m 

PRINCETON UNIVERS1TY 



f 


ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Sund, Sofc., Dr.jur., ©eb. 3uffijrat, SReid^ötogö- 
abgeorbneter, Seipjig 
3ung, Artbur, <5^>cfrc£>aftcur, $6'ln 
3#rgend, Otto, Dr. phil., ©tabtarcbioar, Jpannooer 
3 uff, Alfreb, *Paffor, ©redlau 

,ftapp, 3uliud, Dr. phil., ©erltn^ffieffenb 
Äappffein, Dojent unb ©cbriftffeller, (ifynxz 

(Ottenburg 

$atban, Alfreb, ©erlagdbucbba'nbler, Augdburg 
Äaeubler, Dr.jur., Oberburgernieiffer, ©titglieb ber 
1. ©acbfifcben ©tänbePammer, ©au£en 
Kaufmann, (higenie, grau, ©lannbetnt 
Äaugfcb/ SRubolf, ©ebeimer SRegierungdrat Dr. phil., 
Untoerfitätdprofejfor,granPfurt a. ©1. 

$ePule oon ©traboni§, ©tefan, Dr.jur., Dr. phil., 
jtammerberr, Berlin 
Äell&Sofer, Seipjig 
Heller, Otto, ©lufiPfcbnftffeller, ©lüncben 
$ern, Otto, Dr. phil., ©ebeimer SRegierungdrat, 
Untoerfttateprofeffor, Jpalle 
ßeutgen, griebricb, Dr.phil., profeffor, Hamburg 
tiefer, Xbito, Jpauptmann ber SReferoe, ©raubenj 
^irebratb, A., @befreba?teur, ©lagbeburg 
ßirffein, ©uffao, ©erlagdbucbba'nbler, Seipjig 
$ittel,3ofef ©albutn, Dr.jur., ^)ofrat,^)anbe(öPammers 
fpnbiPud, ffitfrjburg 

ßleinberg, Alfreb, Dr.phil., 1 P. profeffor, £efd?en 
Hemm, ^aul, Dr.phil., ^Orofeffor, Seip jigs©augfcb 
Ätinfb«rbt, ©iPtor, Dr., ©erlagdbucbba'nbler, Seipjig 
ß(o§, Seopolb, OirePtor bed ©erlagd griebricb Anbread 
spertbed, ©otba 

Änabe, Äarl, Dr. phil., ©ebeimer ©tubienrat, DirePtor 
ber Oberrealfcbule, Marburg 

$necbt, griebrid) 3uf!ud, Dr. theol, ffieibbifcbof unb 
DombePan, ^aberborn 

ßnorr & J?irtb, ©luncbener ©eueffe ©aebriebten, 
©luneben 

Nobler, Oberbßrgermeifter, Darmfiabt 
$oentgsgacbfenfelb, granj, greiberr, Dr.jur., Gitters 
fcbaftlicbed SRttglteb ber ©urttembergifeben 1.Kammer, 
©cbloß gacbfenfelb 

ßonigdberger Allgemeine Leitung, tfönigdberg 
R o e p p, griebricb, Dr., OirePtor ber SR6'mtfcbs©ermanifcben 
.ftommiffion bed jtaiferlicben Arcbaologifcben Snjfttutd, 
Unioerfitätdprofeffor, granPfurt a.©f. 
ßoerner, ©ernbarb, Dr.jur., SRegierungdrat, 25erlin 
ßoblfcbnubt, Odfar, Lic. theol., ©uperintenbent, 
USalbea, ©. 

$o f f in a, ©uffao, Dr.phil., Unioerfitatdprofeffor, S3er(in- 
Stcbterfelbe 

ßo'ft er, SUbert, Dr.phil., ©ebeimer £ofrat, Unioerfitatd? 
profeffor, Seipjig 


ßoetfebau, $ar (, Dr. phil., 9)rof eff or, ©lufeumd birePtor, 
Ouffelborf 

$raemer, #and, 1. ©orfifcenber bed SReicbdaudfcbuffed 
für Drudgeroerbe, ©erlag unb ^apicroerarbeitung, 
©erlin 

$rau j;, SRubolf, Dr.phil., ©ebeimer Arcbiorat, ©tuttgart 
$ r t e g e r, Albert, Dr. phil., ©ebeimer Arcbiorat, jtarldrube 
$ r i e g e r, ©ogban, Dr. phil., Ä gl. JpauebibliotbePar, ©erlin 
ßrifebe, Dr.jur., ©ebeimer SRat, ©ortragenber SRat im 
©fintffcrium bed 3nnern, Dredben 
ÄroPer, £rnfl, Dr.phil., profeffor, ArcbiobirePtor unb 
OberbibliotbePar, Seipjig 
Äroner, Alfreb, ©ebeimer Jpofrat, Seipjig 
ßruger, ^ermann Slnberd, Dr. phil., profeffor, ©cu* 
bietenborf 

Äübne,3(lfreb,Dr.,©ebeimerSRegierungörat,(5barlottens 

bürg 

^uPula, Sfttcbarb, Dr. phil. P. P. ^ofrat, DirePtor ber 
Unioerfitatds©ibliotbeP, ^)rag 
Äulmbacber Sports©rauerei „ < Sflönd)tf)of iJ / Äulmbacb 
^unj o. ©runn, gen. t>. Äauffungen, Dr.phil., 
2lrcbiobibliotbeP$birePtor, ©?eg 

Saemmer,^)ugo, D.Dr.phil., ©ebeimer SRegierungärat, 
^ralat, ^rotonotar, Unioerfitat^profeffor, ©redlau 
£ampe, Dr.jur., ©tabtrat, Xeipjig 
Sanbmann, g(oren$,Dr.phil., ©pmnaftalbirePtor, ^illid* 
beim 

^ange, SR., ©rtfbl’fd^ Unioerfitatd^ucb- unb ©tein- 
bruderei, ©iegen 

Sange, ^onrab o., Dr.phil., Unioerfitatdprofeffor, 
Xu'bingen 

Sangenbed, fflilb*, Dr. phil., profeffor, SRealfcbuls 
birePtor, granPfurt a.©?. 

Sangemiefcbe, ©tlb v ^benbaufen bei ©luneben 
Sauffer, Otto, Dr.phil., profeffor, ©lufeumdbirePtor, 
Hamburg 

Sebnert, Slbolf, profeffor, Seipjig 
Seibinger, ©eorg, Dr.phil., Ägl.OberbibliotbePar, 
©löncben 

Seipjiger Allgemeine 3«Itmg, Seipjig 
Stebermann, gelijr, Dr.phil., profeffor, ©erlin 
Siebermann, ©laj, Dr.phil.h.c., profeffor, ©erlin 
S i e b m a n n,Otto,Dr.jur.h.c.,©erlagdbucbbunb(er, ©erlin 
Sinnemann, SRicbarb, ©erlagdbucbbö'nbler, Seip^ig 
Sigmann, ©ertbolb, Dr.phil., ©ebeimer SRegierungdrat, 
Unioerfitatdprofeffor, ©onn 

Sobner, Artur, Dr.jur., Ägl. ©aebf.#ofrat, Sanbtagd^ 
abgeorbneter, Seipjig 

Somni^, ©larie, Seiterin ber ^entralböcberei für ©linbe, 
Seipjig 

Soefcbe, ©eorg, D. Dr. phil., f.P. Äofrat, Unioerfitatd? 
profeffor i.SR., Äönigfee 


104 


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Original frorn 

PRINCETON UNIVERS1TY 



ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


goefcfccr, Jpermann, Pfarrer, ^roontg 

£oe{H, 53injenj, ßgLOberjtubienrat, Subwtgö^öfcn a*9tb. 

Soubier, J?an$, Dr.phil., sj>rofefjor, 23erlin 

Sot>i $, Jpetnricb,i.ga. &b* &♦ Sotn* ©6'bne, Jpeiligenftabt 

Subrotg, 9tubolf, ©cbriftfteller, ©teöbaben 

gutgcnborff/aBidibalbSco^rei^crrOv^rofeffor^ubecf 

9J?aa$, ©eorg, Dr. jur., sprofeffor, 23ibliotbeBar beö 
9teicbömilitargericbtö, Berlin 
SRäber, ©uibo, $gl. ©aebf. $ontmiffion$rat, Dreäben 
9Rabler, 2lnton, ßontmerjienrat, Seipjig 
SKammen, granj o., sprofeffor Dr., ©eblog 23ranbftein 
9Rafj, .ftonrab, Oberbfirgermeifler, ©cfrlig 
ÜRattbaei, 2lbelbert, Dr.phil., ©ebeimer SRegierungörat, 
^profeffor on bet £ecbnifcben Jpocbfcbule, Danjig 
9Rau$bacb, 3ofef, Dr. theol., UniDerfitataprofeffor, 
9>ralat, SRunfter 

SKebnert, ^aul, Dr.phil., 2BirBlicber ©ebeimer SRat, 
(Jjjellenj, Rittergut SRebingen 
9Hebr man n, ßarl, Dr.phil., Jpauptf ebrif tteitcr, Noblen j 
2Reters©raefe, 3uliu$, 23erltn 
9Reincfe, $R., D.Dr. phil., *paflor, Hamburg 
SReiner, 2lrtur, #ofrat, SBerlagöbucbbanbler, Seipjig 
ÜReinerg, 2Raj, Dr. theol., Untt>crfitötöprofeffor, 

9Rtfnfter i. ffi. 

ÜReifjner, 3aBob griebricb, Dr.phil. et jur., ^oebfebufc 
bojent, Jpeibelberg 

3Renbelfobn, 2öaltber, 5&erlag6bucbbanbler, Seipjig 
2Reng, ©eorg, Dr.phil., Unioerfitatöprofeffor, 3cna 
2Rerten$, @buarb, Dr.phil., gretburg 
9Reper, 2lrnbt, ©ebeimer Jjofrat, Seipjig 
SReper, OäBar, ©tabtrat, ©ebeimer ßommerjienrat, 
Seipiig 

9Reper, 9>eter, Dr. phil., $gl.©pmnafialbireBtor, 
SÄunflereifel 

SRicbacli, Otto, ©rofiberjogltcber 9totar, 23rucbfal 
9RilcbfadB, ©uflao, Dr.phil., sprofeffor, ©ebetmer Spofs 
rat, OberbibliotbeBar, ffiolfenböttel 
9RilBau,grig,Dr.phil.,©ebetmer 9tegierung$rat,DireBtor 
ber ßgl. unb Unioerfttat^ibliotbeB, 23re$lau 
SRUteljiaebt, Dr.jur., 9tecbtdanwa(t am SReicbägericbt, 
Seipjig 

3RogB, (Sugen, Dr.phil., ©tubienrat unb Unioerfttatä* 
profeffor, Setpjig 
9Rollert, Dr. phil., ©iegen 
3Rorig, 23., Dr.phil., 23erlin 
9Rofapp, ©cbulrat, Dr., ©tuttgart 
SRoft, Otto, Dr., 23tfrgermetfter, ©terBrabe 
ÜRtfbfmann, getijr, ©ebeimer SRegierungärat, ÄaffeU 
©ilbelmöbobe 

ÜRtf Iler, £rnft, Dr., 9teicb$tag$abgeorbneter, SReiningen 
SJRumm, SReinbarb, Lic. theol., Saflor, 9Ritglieb beö 
9teicb$tag$, (^barlottenburg 


aRdncbensOacbauer^Ftiengefetlfcbaft für SKafcbtnem 
papierfabriBation, 9Runcben 

ÜR u t b e f i u $, Hermann, Dr.s3ng., ©ebeimer 9tegierung$* 
rat, 91tBola$fee 

9Rutbefiu6, Äarl, ©cbulrat, 2Bctmar 

91acbob, OäBar, Dr.phil., 23erltn*@runen>alb 
SRagel, Dr.jur., ßgl.©acbf.9Rinifter berSuftij^tjellenj, 
Dreöben 

9tagel, @rtcb, 23rauereibireBtor, SRuncben 
9laubarbt, (Elifabetb, grau Jtommerjienrat, Setpjig 
Neubauer, griebricb, Dr.phil., DireBtor beö Sefftng* 
©pmnafiuntä, granBfurt a. 9R. 

91eue 25ogt(anbifcbe 3 e i tun 9/ flauen t. 55. 

91ogg(er, 3ofef, SbefrebaBteur, fflien 
91onne’ö Srben, Dorfjeitung, Jpilbburgbaufen 

ObfB, ©eorg, Dr.rer.pol., Unioerfitatöprofeffor, Oreäben 
Oer, granj gretberr o., Dr., Sombecbant, ©raj 
Oer, 5Ra;, gretberr o., ©ebetmer Dtegierungörat, Setpjtg 
O Iben bürg, J?an6, ©ebetmer Sommer jienrat, SRuncben 
Oergen, (Jlifabetb t>., geb. t>. Xbabben, Ooroto 
OfBerrietb/ 2Ilbert, Dr.jur., profeffor, 23erlin 
Oeflermieg, Hermann, $gd ^ofbucbbönbler, 23erltns 
?angmig 

Oettingen, ffiolfgang o., Dr. phil., profeffor, ©ebeimer 
SRegterungSrat, OireBtor beö ©oetbe?NationalsSRufe* 
umd, ffieimar 

Otto, ^)anö, Dr.jur., SRecbtöanroalt, Setpjtg 
Otto, ^ermann, ©cbulrat, jurjeit ©cbulreferent beim 
©eneralgouoemement ffiarfebau 

a a f cb e, ^)and, ^apitanleutnant a. O., ©ut SBalbf rieben 
9>abjt, Sllrotn, Dr.phil., profeffor, ffieimar 
^)apterfabriB Oberfcbmitten 2Ö.&3.9Roufang 2l.s@. 
^atentpapierfabriB ^)enig 
9>ete rö, grig, ©tabtbaurat, Setpjig 
9>faff, ®buarb, profeffor, ÄreiöfcbulinfpeBtor, Darms 
fiabt, S3orftgenber beö Deutfcben ©tenograpbenbunbrt 
©abetäberger 

^feilu.Ä(einS((gut, Soacbim, ©raf o., Dr. phil. h. c., 
^ammerberr, grteberöborf 
^iegefer, granj, 55erlagdbucbbönbler, Xäbingen 
sjXattenfteiner, 9ttcbarb, Dr., fflien 
^Plagntann, 9tofamunbe, graulein, ^obnftabt 
q)niotoer, Otto, Dr. phil., profeffor, ^uftoö beö 
STOarBifcben SRufeumd, 23erltn 
^oertner, 23altbafar, Dr. theol., 9Rtlitaroberpfarrer beo 
I. unb XX. 2lrmeeBorp$, 2ll(enjtein 
^PolacjeB, <£rnjt, Dr.phil., Unioerfitatöprofeffor, 
SKufeuntöbireBtor, ©tra^burg im Slfajj 
^opp, 3ofef, Dr.phil., profeffor an ber Xecbnifcben 
^ocbfcbule, 9Rt(ncben 

14 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


9>offanner, 23.o., Dr. phil., Dojent am spolptccbnifum, 
Gütben 

tyrioatbanf ju ©otba, ©otba 

SR a u cb, S^nfüan, Dr. phil., UnioerfitatSprofeffor, ©iefjcn 
SReicbel, Jtorl, $gl. ©acbf. Äommcrjienrat i. Ja. 

<L @. SRober, Seipjig 

SReicbl, Otto, SöerlagSbucbbünbler, i. Ja. Otto SReicbl, 
23erlin 

SR ei m er, 2Rar,Direftor an ber DreSbener 23anf,DreSben 
SReincfes23locb, ^ermann, Dr. phil., UnioerfttatSs 
profeffor, SRoflocf 

SRieger, @ugen, Äommerjienrat i. Ja. ©taeble & Jriebel, 
©tuttgart 

SRiefjer, 3afob, Dr.jur., UnioerfitatSprofeffor, ©ebeimer 
3uffi$rat, *J)räfibent beS ^)anfa523unbcö, SDtitglieb beS 
SReicbStagS, 23cr(in 

SRobert, @arl, Dr. phil., ©ebeimer SRegierungSrat, 
UnioerfitatSprofeffor, ^)aUc 
SR o eher, S33?ax, Gbefrebafteur, Aachen 
SRobleber, £b*obor, ^Pfarrer, ^a^fetben, Württemberg 
SRobmeber, Wilhelm, Dr. med. et phil., ©tabtfcbulrat 
unb SReftor a. D. SDtüncben 
SRolffS, £rnff, Lic.theol., *))affor, OSnabrücf 
SR o l f S, Wilhelm, Dr. phil., ©ebeimer Jpofrat, SBorfigenber 
beS Deutfcben ÄampffpielbunbeS, SKuncben 
SRofcber, Dr. jur.. Wirf lieber ©ebeimer SRat, SWinifferiaU 
bireftor, (Jjjellena, DreSben 

SR off, Daoib, Snbaber ber Jpinricb^fc^en 23ucbb<tnblung, 
Seipjig 

SRotb, Jriebricb, Dr.phil., <Profeffor, Seipjig 
SRotbgieffer, ©eorg, @befabafteur, 23erlin 
SRotbfcbilb, Walther, Dr. phil.,#of?erlag$bucbbonbler, 
23erlin5Wilmeröborf 
SRube, Abolf, SReftor, SRafel 
SRubiger, £rnff, $gl. ©acbf. Sommerjienrat, SRoberoifcb 
SRugenffein, J?anS, Dr.phil., UnioerfitatSbibliotbefar, 
Seipiig 

SRump, Sobanneö, Lic.theol.,Dr.phil.,Pfarrer, 23erlin 
SRumpf, üflay, Dr.phil., ^>rofeffor an ber Jjanbel$bocb* 
fcbule, SWannbeim 

SRuefj, Jerbtnanb, Dr. phil., sprofeffor, ©tubienrat, 
Lunchen / 

©alomonfobn, Artbur, Dr., ©efcba'ftSinbaber ber 
DiSfontogefellfcbaft, 23erltn 
©aluS, £ugo, Dr. med., ©cbriftffeller, *Prag 
©arrajin, 9Kajr, Dr. phil. Dr.*3ng., Wirflicber ©e* 
beimer Oberbaurat, SBorfigenber beS Allgemeinen 
Deutfcben ©pracboereinS, 23erlimjriebenau 
©ag, 3obann, Dr.phil., Oberbibltotbefar, ©tanbiger 
Hilfsarbeiter im Auswärtigen Amt, 23erlin 
©auberlicb, Otto, t. Ja. Oefar 23ranbffetter, £eip§ig 


©ebaebt, Dr., Direftor ber SRationalbanf, 23erlin 
©ebafer, 3afob, Dr. phil., ©etlicher SRat, *Profeffor ber 
Xbtologie, SSttainj 

©cbaufal, SRicbarb, Dr. jur., f. f. Winifferialrat, Wien 
©ebaumfeil, Grrnff, Lic. theol. Dr. phil., sprofeffor, 
SfubwigSluff 

©cbeel, Alfreb, libefr^ft^ur, Mannheim 
©cbeffer, Xbrobor, Dr.phil., S8erlins©teglifc 
©cbellenbergfcbe £ofbucbbrucferei, WicSbaben 
©ebief, SRubolf, iöerlagsbucbbönbler, Seipjig 
©cbiefler, ©uffao, SanbgericbtSbireftor, Hamburg 
©cbilling, SSflaj:, Dr. phil., ©cbulrat, Zeigen 
©eblippe, Osfar, Dr.phil., Xeipjig 
©cbmabel, 3ofef, SRitter o., $gl. Wirflicber SRat, 
SKüncben 

©cbmarfow, Auguff, Dr.phil., ©ebeimer Hofrat, 
UnioerfitatSprofeffor, Seipjig 
©cbmetbing, Abolf, Dr. phil., ©ebeimer SRegierungSrat, 
SJWitglieb beS AbgeorbnetenbaufcS, 3J?ünffer 
©cbmeibler, 23ernbarb, Dr.phil.,UnioerfitatSprofeffor, 

*«M«8 

©cbmibt, Abolf, Dr. phil., Jpofbibliotbcfbireftor, 
Dannffabt 

©cbmibt, ßarl, Dr. phil., *Profeffor, Jriebbcrg 
© cb m i b t, SRapmunb, Dr. phil., i. Ja. OSfar 23ranbff etter, 
Seipjig 

©cbmibt, SRicbarb, Äommerjienrat, Söorfißenber ber 
HönbelSfammer, 2eip$ig 

©ebneiber, ©uffao, Dr. phil., <Profeffor, Hofrat, ©era. 
©ebnorr o. ^arolsfelb, phil., Direftor ber 

Ägl. S}o fs unb ©taatsbibliotbef, SKüncben 
©cboll, Werner, i. Ja. A. Deicbertfcbe S8erlagSbucbb«nb= 
lung, Setpjig 
©cboller, 3ba, Düren 

©cbonberg, Abolf, Jreiberr o., ÄgL ©aebf.Äammm 
berr, ©cblo§ Xbonimenbain 

©ebramm. Albert, ^rofeffor, Dr. phil., SKufeumSs 
bireftor, £eip§ig 

©ebramm, Otto, Dr. phil., (Sbnnifer, Seipjig 
© cb r o b e r, Dr. jur., Wirf lieber ©ebeimer SRat, ÜRin itferiaU 
bireftor, Dresben 

©ebubert, SReinbolb, 23erlagsbucbbünblcr, Seipjig 
©ebubert oon ©olbern, ^benfo SRitter, f. f. 
©micbows^rag 

©cbulenburg, Werner oon ber, Dr. jur. et phil., Dber^ 
leutnant, 3 . 3 . 23crn 

©cbulte, Äarl 3ofef, Dr. theol., 23ifcbof ooti $)aberborn 
©cbulj, Dr.phil., Oberbibliotbefar, Hatte 
©ebulje, ^ricb Ubgar, Äoroettenfapitan unb AbmiraU 
ftabSoffijier, im Jelbe 

©ebulje, Otto, s ))rofefTor, Direftor ber H ön bn>erfer= unb 
Äunftgewerbefcbule, (Jlberfelb 

106 


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PRINCETON UNIVERS1TY 



ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


©cbumacber, 3ofef, ©ireftor be$ 23unbe$ ©eutfcbet 
23erfebr$oereinc, 23erlin 

© cb u m a n n, 9>aul, Dr.phil., ^rofeff or, SBerantroortlicber 
©cbriftleiter für ßunft unb ©iffenfcbaft am ©reöbener 
2lnjeiger, ©reiben 

©cbmarg, 9tubolf, Dr. phil, ^rofcffor, 23orfianb bcr 
STOufifbtbliotbef Meters, £eip§ig 
© d) tv t c r, $arl, 23orfi§enber be$ ©eu tfcfjen ^botogropben^ 
SBereind, ffieimar 

©ecfenborff, gretfjerr o v ^räfibent bcö SReicbögericbtö, 
©rjellenj, £eip$ig 

© e e cf, ©tto, Dr. phil., ©ebeimer SRegierungörat, Umoerfis 
tatöprofefTor, SRu'nffer 

© c cb o r f, £>enricb,Dr. phil.,^rofeffor,©tabtbibliotbefar, 
23renien 

©ecltger, ©erwarb, Dr.phil., UnioerfitatöprofefTor, 
©ebeimer Jpofrat, £eip$ig 
©eemonn, 2(rtur, ßommerjienrat, ?eipjig 
©effncr, <£., Dr.phil., ^rofejfor, ©ebeimer Äofrat, 
fcipjig 

©etbet, Philipp, i.ga.2lbam ©etbet, £eipjig 
©ctff crt, 9Raj:, Dr.phil., ^rofcffor, ©enator ber Honigs 
licken 2lfabemie ber Mnjle, 23erlin 
©etfcinger, 5tbelbert, 23anfbtreftor, 3'ttou 
©eliger, 5J?ajr, ^rofeffor, Reimer #ofrat, ©ireftor bcr 
königlichen Slfabcmtc für grapfjtfd?e Ätfnfle unb 23ucb s 
geroerbe, Seipjig 

©enger, Äarl Ibeobor, ßbefrebafteur, ©tuttgort 
© epbotb, (£.§.,Dr. phil, Unroerfitat$prof effor, Tübingen 
©epberoifc, o., ©taatäminiffer, <£;jellen$, ©reäben 
©ieberfc, ^aut, 23ucbbrucfereibefi§er, ffiien 
©iegidmunb, $arl, $gl ©adjf. ©ebeimer Jpofrat, 
^ommerjienrot, S3erlin 

©imon, Heinrich, Dr.phil., ©berbibliotbefar,^)rofeffor, 
CEbarlottenburg, Xechnifche Jjocbfcbulc 
©ombort,ffierner, Dr.phil., 9>rofeffor, (Sfcarfottenburg 
©panier, STOeier, Dr. phil., SReftor, Söerltn 
©pecht, griebrich, Dr.phil., (£&ar(ottenburg 
©pecht, Xbomaä, Dr.theol., ^ocbfcbulprofeffor, 
©itlingen 

©ptero^einri^Dr.jur.^eferentim^rieg^miniflertunt, 

Berlin 

©taaefmann, Jpan*, 93erlag$bucbbönb(er, £eipjig 
©tabler, Dr.jur., ©ebeimer 3ftat, SBortragenber SRat im 
9Rinijferium be* Snnern, ©reiben 
© t a r f e, Jpermann, ©ro ßen&ainer lageblatt, ©roßen^ain 
©teebe, SHbert, Dr.phil, £anbtag$abgeorbneter, £eipjig 
©teche, Otto, Dr.phil.,Unioerfitat^profeffor,granffurt 
am 2Rain 

©teef ner, SRubolf, Dr.jur., SRecbtäanroalt, £eipjig 
©teffen^agen, (frnil, Dr.jur., *Profejfor, ©ebeimer 
SRegierungörat, Coburg 

©teble, 23runo, Dr. phil., ©ebeimer ^Regierung** unb 
©cbulrat, ©traffturg 


©teinborff, ©eorg, Dr.phil., ©ebeimer Jpofrat, 
Unioerfttätöprofeffor, £eip$ig 
©teiners^rag, Jpugo, ^rofeffor an ber königlichen 
SIfabemie für grapbifcbe^unfle unb 23ucbgeroerbe,£cip$ig 
©teinbaufen, ©eorg, Dr.phil., ^>rofeffor, 23ibliotbef$s 
bireftor, kaffel 

©ternberg,£eo,2lmt$ricbter unb ©cbriftfleller, Sftubeäs 
beim 

©tettenbeim, £ubroig, Dr.phil., ©cbriftfleller, Seipjig 
©tieba, SBilbelm, Dr.phil., ©ebeimer «Öofrat, Unioer? 

fitatäprofeffor, SReftor ber Untoerfitat, £eip$tg 
©tiers©omlo, Dr.jur., Jjocbfcbulprofcffor, $oln 
©tilfe, Hermann, $gl*9>reu§. Kommerzienrat, Söerlin 
©toefer, Helene, Dr. phil., 91ifo(aöfee 
©torcf, $arl, Dr.phil., Äunffrebafteur am „Ifirmer", 
©teglig-23erlin 

©torcf, 3B.g., Leiter ber ©rapbifeb^n ©ammlung unb 
be$ kunfln?ifTenfcbaft(icben 3nßitut6 9Rannbeim, $urs 
jeit ÄarUrube 

©trietbolt, ^beftebafteur bed 9Runflerifcben 2Injeigerö, 
fünfter 

Xagticbe SRunbfcbau, Dr. ©uflao 95reitbaupt, S3ertin 
Xeicbmann, 25., SRajor, ©reöben 
Xeöborpf, $)aui, Dr.med., SRuncben 
Xbumfer, 23iftor, f.f. £anbeöfcbu(infpeftor,9legierung6s 
rat, ©raj 

Xiebemann, 2I(freb, Dr.jur., Jabrifbefißer, ©reöben 
liemann, ©alter, 9>rofeffor an ber königlichen 2lfa* 
bemie füv grapbifebe fünfte unb 23ucbgetoerbe, £eipjig 
Xilftter 3«ßung (Xüfiter Nachrichten), Xilfit 
Xraub, ©ottfrieb, Dr.theol., ©ortmunb 
Ireu, ©eorg, Dr. phil., ©r.sSng., ^rofeffor, ©ebeimer 
9iat, ©reöben 

Xroger, ^9t v Sommerjienrat, flauen u25. 
Xrommöborff, ^aul, Dr. phil., ©berbibliotbefar, 
®onjig 

Iruper, Sobanneö, ©ireftor beä ^rjiebungdbetmö 
©opbienbobe, 3cna 

lumbtflt, ©eorg, Dr.phil, 2lrcbiorat, ©onauefebingen 

25ambagen, ^ermann, Dr. phil, ©ebeimer #ofrat, 
Unioerfitatoprofeffor, Erlangen 
23ieroeg, griebricb, 25er(ins£icbterfelbe 
®ogele, 2llbert, Dr.phil, Pfarrer, Sgeröbeint 
93ogtlanbifcber 2Injeiger unb lageblatt, flauen u 2}. 
23oigtlänberö Verlag, £eipjig 
25olbebr, Ibeobor, Dr. phil, ^rofeffor, Wufeumös 
bireftor, SRagbeburg 

23olfmann,?ubn)ig, Dr. phil, ©ebeimer Jpofrat,Scip$ig 
Notiert, Srnß, Dr.phil, 25erlag6bucbbSnbler, 23er(in* 
©ilmertborf 

107 14 * 


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PRINCETON UNIVERS1TY 



ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Vollmüller, $arl, Dr. phil., Drbentlicber Unioerptat«? 
profeffor a.D., Dre«ben 

Volg, £ubwig, Dr.phil, CberbibliotbeFar, DarmPabt 
VoerPer, Sllfreb, Verlagdbucbbanbler, Seipsig 
Vowincfcl, (£rnP, Dr.phil., SRealfcbulbireFtor, üTOctt« 
mann 

ffiaag, 2llbert, Dr. phil., ©ebeimer JJofrat, DireFtor unb 
Unioerptat«profeffor, ,$eibelbcrg 
©albecF, Jpermann, VanFproFuriP, Vtannbeim 
ffialfemann, ^ermann, Dr. phil., Dberlt;sealbireFtor, 
@d?le«wig 

©anner, Xbcobor, ßommerjienrat unb jtonful, 
Stuttgart 

© a p p l e r, ©eorg, Sommer jienrat, £ anbtag«abgeorbneter, 

Mm 

©eher, *}>aul, Dr.phil., Unioerfitat«profefFor unb 
V?ufeum«bireFtor, 3ena 

©eibenmüller, g.Gr., *PapierfabriFen, $tfnton«tbal 
©et«Fircbner, Sfticbarb, Dr. j ur., VürgermeiPer ber @tabt 
©ien, SWtniflcr a. D., 

©enbtlanb, Dr. jur., SufKjrat, j?anbel«Fammers 
fpnbiFu«, £eip$ig 

©erner, gerb., Dr. phil., profeffor, 9teicb«tag«abgeorbs 
neter, Vugbacb 

ffiette, Hermann, Dr.med., 0anitat«rat, £berPabt 


©iebe’« ^Papierfabrif, SRofentbal i. SR. 

© if l,3-/®orfi6cnter be« $rei«oerein« beutfcher Leitung«* 
oerleger für Reffen unb .OeffemVaffau, ÜRainjer iän* 
jeiger, ÜRains 

©itForo«Fi, ©eorg, Dr.phil., Unioerptat«profeffor, 

Mpiifi 

©olf, Vertbolb, Jj>auptfcbriftleiter ber ?eipsiger STbenbs 
Seitung, Seipsig 

©olf r am, ©eorg, ©ebeimer $Regierung«rat, DireFtor ber 
Unioerptat«* unb £anbe«bibliotbeF, Unioerptat«* 
profeffor, Strapburg 

©ollf, 3uliu« gerbinanb, profeffor, GbefrebaFteur unb 
Verleger ber Dre«bener Veueffen SRacbricbten, ©reiben 
©oIso gen, Jpan« *Paul greiberr t>., Vapreutb 
©orner, ©crbarb, Dr.jur., profeffor, ©telloertretenber 
@tubienbireftor ber #anbel«bocbfcbule, £eipsig 
©ünfcbmann, ©eorg, 2lrcbiteFt, Seipsig 
©urm, 2lloi«, Dr.phil., £üttenbireFtor, JD«nabrücf 
©urm, Jpermann 3ofef, Dr.phil, Pfarrer,Neubau« 
©pcbgramm, 3afob, profeffor Dr., 0cbulrat, ^übecf 

Jimmern, Jjeinricb, Dr.phil, ©ebeimer £ofrat, 
Unit>erptat«profeffor, Seipsig 
•Jisier, Dr.phil, gürfflicb ^pteffifc^er 5Ircbioar, 9>lep 
3obelti$, gebot o., Berlin 
3fba(ig, Jjeinricb, Dr.phil, profeffor, Dre«ben 


Sftacbwort: ®iefe Sifte mürbe am 10. 9Hai b.% abgefcfcloffen; in* 
swifcben pnb weitere sablreictye2fnmelbungen eingegangen, 
bie fpater veröffentlicht werben. — 3nmelbungen bitten 
wir an ben Schriftführer: ÜJtufeum«btrcFtor profeffor 
Dr. ©c^ramm, Setpsig, @ericbt*weg 26 part. $u fenben 


0abung^'€nt»urf 


Swetf be« Vereine 
5 1 

Der „Deutfcbe herein für Vucbwefen unb ©ebrifttum" 
besweeft bie ^ufammenfaffung aller wiffenpbaftlicben, 
Fu'nplerifcben unb bucbgewerblicben Greife Deutfcblanb« 
fowie bie Bewahrung unb Verbreitung beutfeber ©cifieO^ 
Fultur im weitepen @inne be« ©orte« auf ber ©runblage 
be« Vucbe« unb be« grapbtfcben 2lu«brucfe« überhaupt. 

§ 2 

Der Aufgabe be« Verein« follen bauptfacblicb bienen: 

1. eine bie gefamten VePrebungen sufammenfaffenbe 
^eitfebrift für beutfebe @eiPe«Fultur, 


2. Vortrage unb ©anberau«Pellungen bureb 
gans Deutfcblanb unb ba« befreunbete 9lu«lanb, 

3. ein „SRufeum für Vucbwefen unb ©ebrift« 
tum", ba« ein umfaffenbe« Vilb ber (Jntwicflung 
ber geifhgen Kultur t>on ben einfacbPen Anfängen 
bi« s u * bocbPen 6tufe bei ben einseinen VölFem 
Seigen unb neben ber ^cbaufammlung eine@tubiens 
fammlung unb VibliotbeF mit moglicbP reichem 
©tubienniaterial umfaffen fott. 

Verwaltung 

§ 3 

Der Verein bat feinen @i§ in Eeipsig unb iP in ba« 
Verein«regiPer eingetragen. 


108 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


5 * 

2tn ber ©pige beS BeretnS fleht ein ©brenauSfcbuß. 3 ur 
Berwaltung unter bcm ßbwnvorfig von 4—9 Bers 
tretern beS SRctc^ed unb ber BunbeSflaaten berufen: 

1. ber Borflanb, 

2. ber BerwaltungSrat, 

3. ber SluSfcbuß. 

SBorftanb 

5 s 

I. Der Borflanb befiehl aus 17 Btitgliebern, von benen 
je eines bureb ben ReicbsPanjler, bureb baS kgl. ©aebf. 
üKiniflerium beS Snnem, bureb baS kgl. ©aebf. kuls 
tuSminiflerium, bie ©tabt Seipjig unb ben Deutfcben 
Buchgewerbes herein beflimmt wirb, 4 SRttglieber 
werben bureb fcen BerwaltungSrat mit einfoeber 
©timmenmebrbeit je auf 3 Sabre gewählt; bie erfle 
Wahl tiefer SÄitglieber fleht ber ©rfinbungSverfamms 
lung ju, fte erfolgt auf ein Sabr. 2lußerbem geboren 
bem Borflanb an: ber jeweilige kretSbauptmann ju 
Seipjig, ber jeweilige RePtor ber Untverfttat ju £etpjig, 
ein Vertreter ber ©eneralbirePtion ber kgl. ©amms 
lungen ju DreSben, ber jeweilige ©tubienbireFtor ber 
kgl. SIPabemie für bilbenbe fünfte ju DreSben, ber 
jeweilige DireFtor ber kgl. SlPabemte für grapbifebe 
künfle unb Buchgewerbe ju 2eipjig, ber jeweilige 
erfle Borfieber beS Deutfcben BucbgewerbesBeretnS, 
fowie ein Rat ber königlichen kreisbauptmannfebaft 
Seipjig unb ber DirePtor beS SRufeumS für Buch* 
wefen unb ©ebrifttum. ©cbeibet ein SRitglieb t>ors 
jeitig aus, fo wirb für ben Refl feiner 3lmtSbauer 
vom Borflanb ein ©rfagmttglieb gewählt 

II. Dem Borflanb Fommt bie Leitung beS BereinS eins 
fcbließltcb beS RecbnungSwefenS ju, unbefebabet ber 
Befugniffe von BerwaltungSrat, wiffenfcbaftlicbem 
Beirat unb 21uSfcbuß, ©r beflellt unb entlaßt bie Bes 
amten. Die kaffenfübrung erfolgt bureb bie kaffem 
Verwaltung ber königlichen kreisbauptmannfebaft. 
Die nacbfle Slufficbt hierüber fleht bem Kate ber kreiSs 
bauptmannfebaft ju, ber SRitglieb beS BorflanbeS ifl. 
3bm obliegt auch bie Bertretung ber kaffenfübrung 
im Borflanb. 

III. Die SKitglieber beS BorflanbeS wählen aus ihrer 
3Witte einen Borftgenben unb beffen ©tellvertreter. 
Der Borfigenbe vertritt ben Berein nach außen. Die 
21rbeitSverteilung unb ©efcbaftSorbnung innerhalb 
beS BorflanbeS wirb von biefem felbfl beflimmt. 

§ 6 

Dem Borflanb fleht ein wiffenfcbaftlicber, Pünfls 
fertfd5>cr unb teebnifeber Beirat jur ©eite, ©r um* 
faßt mtnbeflenS je 9 SRitglieber, bie vom BerwaltungSrat 
auf Borfcblag beS BorflanbeS jeweilig auf 3 Sabre berufen 

109 


werben, ©eine SKitglieber finb in allen wichtigen wiffens 
fcbaftlicben, Pünfllerifcben unb teebnifebengragen ju büren. 
Der Beirat wirb vom BorflanbininbeflenS einmal jährlich 
ju einer ©igung verfammelt. Sfußerbem ifl er innerhalb 
eines BlonatS ju berufen, wenn minbeflenS Vs feiner 9Rits 
glieber bieS unter Angabe ber ©rfinbe beantragt. 

S3ertvaltungsrat 

§7 

I. Der BerwaltungSrat beflebt aus 50—130 Btitglies 
bem, bie jum £eil ernannt, jum Xeil mit einfacher 
©tinimenmebrbeit je auf bie Dauer von 3 3abren 
gewählt werben. Die erjle Wahl fleht ber ©rünbungS* 
verfammlung ober mit beren ©rmaebtigung bem Bors 
flanbe ju: bie fpateren Wahlen nimmt ber 2luSfcbuß 
vor. ©cbeibet ein 9Äitg(ieb vorzeitig aus, fo Pann 
für ben Refl ber 21mtSbauer vom BerwaltungSratetn 
©rfagtnitglieb gewählt werben. $\\x ©mennung von 
SJfitgliebem finb berechtigt: 

1. ber ReicbsPanjler unb bie ©aebfifebe Regierung 
je für 3 Btitglieber, bie Regierungen von Preußen, 
Bapern, Württemberg, Baben unb Reffen je für 
2 SWttglieber, bie übrigen beutfeben BunbeSflaaten 
je für 1 Btitglieb; 

2. bie ©tabt Setpjig unb ber Deutfcbe Buchgewerbes 
Berein für je 3 ÜRitglieber; 

3. je für 1 BNtglieb: wiffenfcbaftlicbe, Pünfllerifcbe, 
. teebnifebe Berbanbe, #ocbfcbulen, Beretne ufw., 

benen baS Recht jur ©mennung von ber ©rün* 
bungSverfammlung ober vom SluSfcbuß beigelegt 
wirb. 

II. Der BerwaltungSrat befcbließt über ben Boranfcblag 
ber ©innabmen unb Ausgaben beS BereinS, ben ber 
Borflanb jährlich entwirft unb bem er eine 2lufs 
flellung über ben ©tanb beS BermögenS beifügt, ©r 
forgt für bie jährliche Prüfung ber Rechnung unb 
wählt auf ©runb ber Borfcbriften in § 8, Rr. 1,4 
bie bureb Wahl ju beflimmenben Btitglieber beS 2luSs 
fcbuffeS. ©r beantragt ferner je nach ber ^uflanbigs 
Feit bei bem Borflanb ober bei bem 2luSfd)uß bie 
3Raßnabmen, bie er für bie ©ntwicPlung beS Bers 
eins als notwenbig erachtet. 

Dem BerwaltungSrat fleht baS Recht ju, SRitglieber 
aus wichtigen ©rünben auSjufcbließen. Dem 5luSs 
gefcbloffenen fleht baS Recht ber Berufung an ben 
SluSfcbuß ju. 

III. Der BerwaltungSrat wählt aus feiner SRitte mit 
einfache* ©timmenmebrbeit je auf bie Dauer von 
3 3abten einen Borfigenben unb jwei ©tellvertreter 
fowie jwei ©ebriftfübrer. Bei vorjeitigem SluSs 
febetben bt'efer SWitglteber tritt Reuwabl für ben Refl 
ber SlmtSbauer ein. 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Der Vorftfcenbe beruft ben Verwaltung*rat unter 
Angabe ber 2age*orbnung unb leitet beffen Verband 
lungen. 

Der Verwaltung*rat tritt jährlich minbeflen* einmal 
jufammen. 

Slußerbem ift er innerhalb eine* 9ttonat* ju berufen, 
wenn wenigen* Vio ferner 9J?itglieber bie* unter 
Angabe ber ©rünbe beantragt. 

Die Vefchlüffe be* Verwaltung*rate* werben mit 
einfacher ©timmenmehrheit gefaßt. Vei ©timmem 
gleicbbeit entfeheibet bie ©timrne be* Vorftgenben, 
ber im übrigen nur bei Vtohlen ein ©timmrecht hat. 
©chriftliehe 2lbfttmmung im VJege be* Umlauf* ifl 
julafftg. Über ©egenfianbe, bie nicht auf ber £age*s 
orbnung flehen, fann bie Verfammlung be* Vers 
waltung*rate* nur beraten unb beließen, wenn bie 
Mehrheit ber 2lnwefenben feinen ©tberfpruch erhebt. 
Die Vefchlüffe ftnb in einer Vieberfchrift ju Der* 
jeichnen, bie non bem Vorftfcenben unb einem ©chrift* 
führer beurfunbet wirb. 

$u*f$uß 
5 8 

I. Die btt 2lu*fchußmitglieber ijt unbefchranFt. 
9Äitglieber ohne Vegrenjung ber 2lmt*bauer ftnb: 

1. bie 9flitg(ieber be* ©rünbung*au*fchuffe*, 

2. bie 9JNtglieber be* Vorftanbe* unb be* Verwais 
tung*rate*, 

3. bie (5hrenf 6'rberer be* herein*, bie einen ©tiftung** 
beitrag non minbeffen* lOOOO 3)?. gegeben haben, 

4. weitere 9flitglieber be* herein*, bie noin 33er« 
waltung*rat mit 2 /^Wltf}tf)tit gewählt werben. 

II. Der21u*fchußbefchließt über #nberung ber ©agungen 
unb über 2lu*gaben non mehr a(* 20000 9tt., wenn 
baburch ba* Vermögen be* Verein* angegriffen wirb. 
dt wählt bie 9Äitglieber be* Verwaltung*rate* auf 
©runb ber Vorfchrift in § 7,9k. I unb benimmt bie 
wiffenfchaftlichen Verbanbe, Jpochfchulen, Vereine 
ufw., bie nach § 7 91r. 1,3 jur Ernennung non 9Rits 
gliebern be* Verwaltung*rate* berechtigt fein follen. 
Die Anträge, bie er bejüglich ber Verwaltung unb 
2lu*geflaltung be* Verein* ju (feilen hat, übergibt 
er $ur wetteren Vehanblung bem Verwaltung*rat. 

III. Den Vorfifc im 2lu*fchuß führt ber Vorfifcenbe be* 
Verwaltung*rate*. ©chriftführer tff jeweil* einer ber 
©chriftführer be* Verwaltung*rate*. 

3u #nberungen ber ©afcungen, bie ohne ©eneh* 
migung ber ÄgL ©achfifchen ©taat*regierung nicht 
nolljiehbar ftnb, iff 2 I^^Slt\)t\)t\t nütig. 3m übrigen 
gelten für bie ©efchaftöführung be* 2lu*fchuffe* bie 
Vorfcbriften in § 7, Vr. III. 


§9 

Die 9Äitgliebfchaft beim VorfFanb, Verwaltungörat 
unb 2lu*fchuß iff ehrenamtlich; Vergütungen auch für 
bie #mter ber Vorfifcenben unb ©chriftführer werben 
nicht gewahrt. 

SWttglieber 
§ io 

I. 9Äitglieber be* Verein* ftnb: 

1. (£injelperfonen mit einem 3ahre*beitrag non min* 
bejfen* 6 9ft. ober mit einem einmaligen Vetrag 
non minbeflen* 500 9tt. 

2. ©efellfchaften unb ßorperfchaften mit einem 3ah s 
re*beitrag non minbeffen* 20 9K. 

3. ©tifter mit einem Veitrag non minbefien* 10009ft. 

4. @hrenforberer mit einem Veitrag non minbeftenö 
10000 9Ä. 

Slußerbem finb 9Kitglieber: bie 9Ritglieber be* @hrem 
au*fchuffe* unb bie (i*hrenoorfthenben, ferner bie 
9ttitglieber be* Verwaltungörate* unb bie ©tifter 
folcher ©ammlung*gegenffanbe, bie nach bem Urteil 
be* Vorflanbe* bemorragenbe ffiichtigfeit haben, 
^erfonlichfeiten, bie für ben Verein burch ihre amts 
liehe ©tellung non befonberer Vebeutung finb, follen 
eine 9ttitglieb*Farte auch ahne befonberen 9Ritglieb*s 
beitrag erhalten. 

II. Die 9ttitglieber haben freien Zutritt ju ben ©amm* 
lungen be* Verein* unb ba* Stecht, bie Vücherei nach 
Maßgabe ber hierfür geltenben befonberen Vorfchrtften 
ju benügen. ©te Fünnen bie Veröffentlichungen be* 
Verein* ju ermäßigtem greife beziehen. 9Ber ntim 
beften* einen 3ahre*beitrag non 30 9)?. ober einen 
©efamtbettrag non 500 9Ä. leiffet, erhalt bie bem 
Verein bienenbe ^eitfehrift ohne Entgelt. 

©tifter unb (^htenforberer beziehen biefe^eitfehrift unb 
famtliche Veröffentlichungen Foflenlo*. 

III. Die 9Äitglieber Fonnen jeberjeit au*treten, haben aber, 
fowett fie beitrag*pf(ichtig ftnb, ihren Veitrag für ba* 
laufenbe Saht ju entrichten. 

5Cnfl8fung be* herein* 

§11 

(Sine üluflöfung be* Verein* Fann nur erfolgen, wenn 
minbeffen* 3 /4 famtltcher 9)?ttglieber fowie ba* $gl. ©ach- 
ftfehe 9Äintfferium be* 3nnern jußtimmen. 3fl bie betreff 
fenbe Verfammlung nicht non 3 / 4 ber 9Ritglieber befucht, 
fo entfeheibet eine jweite Verfammlung mit 3 / 4 5 ®ehrheit 
ber 2lnwefenben. Diefer Vefchluß Fann aber nicht ohne 
ffimmung ber ©achfifchen ©taat*regierung gefaßt werben. 
3m galle ber Sluflofung be* Verein* entfeheibet über bie 
Verwenbung be* Vermögen* ba* ÄgL ©achfifchr Vtinu 
fleriutn be*3nnern nach Vernehmung mit bem Ägl. ©ach¬ 
fifchen .ftultu*miniflerium unb bem ©tabtrat ju ?eipjig. 


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- - ■ - — ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE ===== 

Deutf<he$ $iufeum für Bucfwefen unt> 0cf)rifttum 


chon oor Eröffnung ber Snternationalen AuSdedung 
für Buchgewerbe unb ©rapgiE war bem Deutfchen 
Buchgewerbemufeum ein ©chriftmufeum angegliebert 
worben, baS reiche Bedanbe ju ben bisherigen ©anim* 
(ungen hinjubrochte; wa'hrenb ber Steuer ber AuSdedung 
unb inSbefonbere nach Schluß berfefben wuchfen ihm noch 
mehr, jum Seit recht wertoode AuSdellungSgegendanbe 
ju; oor adern war bie „#ade ber Kultur" ihm fafl ganz 
geblieben, fei eS burch ©chenEung, fei eS burch Stiftung 
oon Beiträgen, mit benen bie wertooden DbjeEte angeEauft 
werben Eonnten. ©o hatte fich baS Buchgewerbemufeum 
mehr unb mehr $u einem Eulturgefchichtlichen Btufeum 
entwicfelt, für baS fein bisheriger Barne, ber in jebem 
gernpehenben bie fatfehe Anfchauung erwecEte, als ob es 
fich nur um ©ewerbemufeum mit Btafchinen unb 
buchgewerbltchen Srzeugniffen honbelte — biefe gehören 
fchon feit Sahren nicht mehr jum Buchgewerbemufeum, 
fonbern ftnb in ben fogenannten Secbnifchen ©ammlungen 
beS Deutfchen BuchgewerbeoereinS oereinigt — langd nicht 
mehr paßte. Aber auch bie bisherigen Baume reichten 
langd nicht mehr ju, um bie gölte beS außerorbentlich 
wertooden SBaterialS ju faffen. 3n entgegenEommenbder 
2öeife hotte bie ©tabt Seipzig ihre prächtige Kuppelhalle 
auf bem AuSdedungSgelanbe für baS Bhifeum jur Ber* 
fugung gededt, wo eS fich rafch onerEanntermaßen ju 
einem bebeutenben Kulturmufeum weiter entwicfelte unb 
in ben Kreifen ber ffiiffenfchoft unb ber Kund/ beS ©e* 
werbeS unbberSnbufhie warmegörberer fanb. ©efchenEe 
unb ©tiftungen mehrten fich, &o mußte plöglich oor 
SahreSfrtd im JpeereSintereffe bie Jpalle geräumt unb bie 
SRufeumSgegendanbe magaziniert werben, ba baS Such* 
gewerbehaus, in welchem bie Sechnifchen ©ammlungen 
beS Deutfchen BuchgewerbeoereinS untergebracht finb, 
Eeinen Baum für biefe gewaltig angewachfenen ©amm* 
lungen mehr bot Der DeutfcheBuchgewerbeoerein Eonnte 
aber auch &oS gewaltige SBufeum, baS aus ber „Jpade ber 
Kultur" entdanb, als fotcher nicht mehr tragen; ging eS 
hoch weit über baS hinaus, was ber Deutfche Buchgewerbe* 
oerein fich als Aufgabe gededt hotte. Diefe Satfachen 
unb bie Erwägung, baß jur wurbtgen weiteren Durch? 
ftfhrung unb jum fpdematifchen Ausbau beS SBufeumS 
erhebliche Mittel — bonbeit es fich hoch oor allem um 
einen großzügigen Neubau — erforberlich finb, brangten 
Zur ©chaffung einer neuen Drganifation, bie Srager nicht 
nur beS BtufeumS, fonbern auch weiterer £iele werben 
fodte. Begehrte Anhänger ber „Jpade ber Kultur" for* 
berten gebieterifch beren ffiiebererdehen unb oor allem 
beren wiffenfchaftliche unb Eundlerifche AuSnu'gung im 
3ntereffe unferS beutfehen BolEeS. greilich gab eS auch 
eine $ohl Eieinmutiger, aber treuer Anhänger beS ©e* 
banEenS, bie unfre fchwere Kriegszeit für ungeeignet zur 


©eiteroerfolgung ber Eultureden £iele hielten; bie £ahl 
berer, bie zuoerpchtlich auf freubige ^udimmung weiter 
Kreife rechneten, war aber größer, unb fo würbe auf ben 
3.3Äarz biefeS 3ahreS eine Berfammlung in baS©achfen* 
Zimmer beS Deutfchen BuchgewerbehaufeS einberufen, um 
weitere Borfchlage machen zu Eönnen. Die Berfammlung 
war glanzenb befucht. Regierung unb ©tabt, 2Biffenf<haft 
unb Kund, ©ewerbe unb 3nbufhie waren burch namhafte 
SÄitglieber oertreten, fo baß man zur oorberettenben ©rön* 
bung eines „Deutfchen BereinS furBuchwefen unb©chrift* 
tum" fchreiten Eonnte. Bunb 100 Jperren traten fofort 
bem ©runbungSauSfchuß bei, ber fich am felben Abenb 
Eondituierte unb einen Bordanb wählte. Sin Aufruf an 
ade wiffenfchaftlichen, Eu'ndlerifchen unb gewerblichen 
Kreife DeutfchlonbS würbe crlaflfen, unb biefer hot in ben 
wenigen ©ochen bie ^ohl ber Bfitgliebcr bereits auf runb 
600anwachfenlaffen. ©tifter haben fich gefunben, lebenS* 
längliche SBitglieber fchrteben fich ein, Bebörben unb 3n* 
ditute, angefehene Korporationen unb Berbanbe fchloffen 
fich on, täglich mehrte fich unb mehrt pch &i* 3 ö hl ^erer, 
bie freubig bem Unternehmen zudimmen. ffliber Srwarten 
groß id ber Srfolg trog ber ©chwerc ber $eit, unb auch 
er zeigt fchlagcnb, wie fo manches ©roße, was wir gegen* 
wartig erleben burfen, baß bas beutfehe BolE nicht gewidt 
id/ fich feine Eultureden ©uter rauben zu laffen, fonbern 
auch Eunftig alles tun wirb, waS zur Ausbreitung unb 
Bertiefung beutfehen ©eideSlebenS gefchehen Eann, unb 
hierzu fod in feinem Seile baS „Deutfche Btufeum für 
Buchwefen unb ©chrifttum", bie ffieiterfü'hrung ber 
Kulturhade, beitragen. Dem Deutfchen Buchgewerbeoerein 
wirb baburch in feiner SatigEeit nichts genommen. Sr 
wirb auch Eunftig buchgewerbliche AuSdedungen oer* 
andalten, er wirb auch weiter feine dönbige buchgewerb* 
liehe AuSdcdung im Buchgewerbehaus pflegen, er wirb 
wie bisher bie Kantate* unb SöeihnachtSauSdedung burch? 
führen, er wirb feine rein gewerblichen ©ammlungen mehr 
wie je pflegen unb im Sntereffe beS Buchgewerbes in neu* 
Zeitlichem ©inne ausbauen, er wirb fein „ Archio für Buch? 
gewerbe" mit bem ^iele ber görberung unb Berebelung 
beS Buchgewerbes weiterfuhren, aber er wirb baS, was 
über biefe $itk hiuouSgeht, feine Eulturgefchichtlichen, 
technohidorifchen unb Eundgefchichtlichen Abteilungen bem 
neuen Kulturmufeum uberweifen muffen, ©chon lange 
brangen bie Berhaltniffe barauf hin: hier bie gewerbliche 
©ammlung zu Bug unb gromnten beS gefamten Buch? 
gewerbeS unb feines BachwuchfeS bis inS einzelndc in 
aden SechniEen unb Betriebszweigen auf ben neueden 
©tanb gebracht, bort baS Eulturgefchichtliche Btufeum, 
baS bem Buchgewerbe feine Eulturgefchichtliche Bebeutung 
Zeigt, aber weit über baS hinaus ein ©tubienmaterial für 
BJiffcnfchaft unb Kund, ©chule unb Sehen bardedt, geteilt 



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PRINCETON UNIVERS1TY 



ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


in baS eigentliche Mufeum, eine große ©tubienfamms 
lung unb eine gachbibliothef. ©ififenfchaft, Kunf* unb 
£echnif höben jur Durchführung beS Planes in hervors 
rogenben Vertretern fich jur Verfügung gepeilt, fo baß 
bat neue „Deutfche Mufeum für Vuchwefen unb ©chrifts 
tum" ju einem in jeber Vejiehung einwanbfreien Werts 
sotten Kulturmufeum für Deutfchlanb werben Fann. 

ßlar jeigen ftch fchon heute in fcbarfen Umrififen bie 
wichtigen ©ammlungSgebiete, auf bie nur Furj hier eins 
gegangen fei. Sin umfaffenbeS Vilb ber @ntwicflung ber 
geizigen Kultur von ben einfachen Anfängen bis jur 
hochflen ©tufe bei ben einjelnen VolFern follgejeigt werben. 

wirb bie ©ammlung beginnen müffen mit ben Vors 
tfufen ber ©chrift alter VolFer unb ber Kulturlofen ber 
©egenwart, wirb bann jeigen, wie fich bei ben Kulturs 
oolPern einf! unb je§t©rapbiF unb ©chrift, Vuch unb Vilb, 
XechntP unb Kunfl entwicFelt höben unb bie ©ammlung 
bi* jur neueren £eit fortführen, ©etbfbertfanblich Fann 
nicht alles im Mufeum jur Ausfüllung gelangen, manche 
eignet ftch öuch hierju gar nicht; für ben Siefergebenben 
wirb bie ©tubienfammlung unb bie gachbibliotheF ba* 
weitere Material bi* ins Kleinße geben. Vach ben bisherigen 
planen würbe baS Mufeum folgenbe Daume umfaffen: 

1. Vorftufen ber ©chrift unb beS graphifchen AuSbrucFeS. 
2—6. Die ©chriftentwicFlung unb ba* Vuchwefen ber 
jentrals unb oflafiatifchen Kulturen (<5hina,Korea,3öpan, 
©iam, 3nbien). 7-12. Das ©chrifts unb Vuchwefen ber 
MittelmeerFulturen (#gppten, VabploniensAfforien, Kas 
naanaifche, Phonijifche, Aramaifche, Althebraifche, ©ries 
chifcfcVomifche Abteilung, @brif!licher Orient). 13—19. 
Das ©chrifts unb Vuchwefen (Europas feit ber AntiPe bis 
jur (Srftnbung ber mechanifchen Vervielfältigung (bie 
Feltifch^germanifchen Kulturen ber Vorbfeegeftabe unb ber 

VülFerwanberung,bie^arolingifcheunbOttontfche^ultur, 

bie 3eit beS hohen Mittelalters, bie ^eit beS fpatern Mittels 
alterS). 20—43. Von ber(£rftnbung ber mechanifchen Vers 
vielfaltigung bis jur mobernen ^TechniF (Vorläufer ber 
DrucFerFunp, ©utenbergraum, 3nPunabeln, Denaiffance, 
Deformation, Vlüte beS ^oljfchnittS, Vlüte beS Tupfers 
flichS, £ntwicf(ung ber MufiFfchrift unb bie MuftPalien, 
fcntwicflung ber Kartographie, ©efchichte beS Vucheins 
banbS, (JntwicFlung ber Kalligraphie, AufFommen beS 
(JylibriS, ©ebrauchSgraphiF unb KleingraphiF, Pergament 
unb Rapier, Anfänge ber XageSpreffe, Vuchillupration 
unb VuchPunfl. Alte buchgewerbliche ©erFftatten). 46-60. 
(Jntwicflung ber mobernen Kultur unb DechniP in allen 
ihren Zweigen, wobei bie wichtigen Srftnbungen (©chnells 
preffe, Lithographie ufw.) unb bejeichnenbßen gortfchritte 
in XechniP unb Kunfi befonberS hcroorgehoben werben. 
61—72. ©onberabteilungen für ©efchichte beS VibliotheFs 
wefenS, für Abarten ber ©chrtft, wie Vlinbenfchrift, Kurjs 
fchrift, ©eheimfchrift, Überficht über bie (SntwicFlung ber 


£ageSpreffe unb ber gachpreffe, Abteilung „Die grau im 
Vuchgewerbe", DePlamefaal für piaFatwefen, Snferats 
wefen ufw., befonberS wichtige Srjeugniffe beS AuSlanbeS, 
Abteilung „©eltFrieg". 73—73. Daume für wechfelnbe 
Ausheilungen ber Königlichen AFabemie für grapbifche 
Ku'nfle unb Vuchgewerbe ju Leip jig für Arbeiten von Lehrern 
unb ©chülernfowie für ben Verein DeutfcberVuchgewerbes 
Fünfter. 76 unb 77. ©ale ju gelegentlichen Ausheilungen. 

^u all bem werben ©tubienfammlung unb VibliotheF 
enthalten, was notig ift, um flreng wiffenfcbaftlich all 
ben vielen ©ebieten auf ben ©runb ju gehen, unb jwar 
in £injelblattern, in Mappen werfen unb Vüchern. Jpier 
foll ber gorfchenbe alles Material über bie ©efchichte ber 
©chrift,beS VucheS, beS VilbeS, im einjelnen berVefchreibs 
unb VebrucFftoffe, ber verfchiebenen DrucFvetfahren, beS 
VucheinbanbeS, beS VuchtitelS, beS VuchfchmucFs, ber 
Vuchilluffration ufw. in müglichfter VodftanbigFeit vors 
finben. Die Literatur über all biefe ©ebiete foll gefammelt 
unb in guten ©chlagwortFatalogen juganglid) gemacht 
werben. VefonberS große Abteilungen firtb bereits im 
©erben begriffen, fo bie piaFats©ammlung, bie <£jrlibriSs 
©ammlung, Rapiers©ammlungen, ©ammlung von 
©chriftarten aller VülPer unb feiten, bie KrtegSs©amms 
lung, eine grofje ©ammlung von Photographien ufw. £in 
großer Lefefaal fowie ein Jeichcnfaal werben bie Möglich« 
Feit für ben einjelnen geben, ftch in aller Duhe bem 
©tubium alles beffen, was auf ber ©runblage beS VucheS 
unb beS graphifchen AuSbrucfS überhaupt an Kulturs 
gütern gefchaffen worben ifl, ju wibrnen, wa'hrenb ein 
großer unb ein fletner neujeitltch eingerichteter $6'rfaal 
©elegenheit geben wirb, einem größeren Kreife in Vors 
tragen bie großen ©erte na'herjubringen. 

Konnte hier auch nur Furj angebeutet werben, was baS 
Mufeum für Vuchwefen unb ©chrifttum will, fo wirb 
hoch jebermann barauS erPennen, baß eS richtig unb würbig 
burchgefu'hrt unferm beutfeben VolFe nur ju Vu§ unb 
grommen, unb vor allem auch jur @hre gereichen wirb. 
Allen ben vielen ©iffenfchaftlern, KünfHern unb Kunjb 
hiftoriFern, Vertretern ber Xechnif unb ber 3nbujlrie, bie 
ihre fachmannifcheMitarbeit jugefagt hoben,gebührt bereits 
heute herjlichffer DanF. 3eber aber, ber mitraten unb rnits 
arbeiten will an bem großen ©erFe,ih herzlich willFommen. 

Mag auch granFretch in offenbarer Anlehnung an unfre 
Plane, bie auf bie Vugra jurüefgehen, ein noch fo großs 
artiges «Musee du livre et de la pens^e fran^aise» ins 
Leben rufen, mag auch £nglanb jurjeit alles baran fe§en, 
um baS Deutfche Vuchgewerbe in feiner ©irFung auf bie 
Kultur ber Menfchhcit völlig auSjufchalten, alle biefe Ves 
ßrebungen werben nur jeigen, was unferDeutfcheSMufeum 
für Vuchwefen unb ©chrifttum erhörten wirb, was wahre 
Kultur ifl unb wer bie Kulturträger im Laufe ber 3ohr« 
hunberte gewefen ftnb. 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 




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umschläge, geschnittene Karten, Seidenpapiere usw. 






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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 



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sollen, erreichen dies durch die öftere Aufnahme im 

ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 



cd imisse, 
c K/aCzenmcisse. 

SegriindcL 1805 
(Prämiert auf vielen- 
Musste Uungeru 


tJarberv 

für das graphische 
cv bewerbe. 

Telegramm Sfdrcäs 

Cv. PffastingerP 


Herausgeber: Deutscher Bachgewerbeverein 

Verantwortl. Schriftleiter: Prof. Dr. Schramm — Druck von Breitkopf & Härtel — Sämtlich in Leipzig 


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’ulflic 





ilage zum Archiv 


Beilage aus dem Bande III (1867) des Archivs für Budidrudierkunft. 

Original ftom / 

Zu der Abhandlung: Ein Streifzug durch 50Jahr^pngr0r.<jhiv& für Buchgewerbe. 















ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 

BEGRÜNDET VON ALEXANDER WALDOW 


54. BAND MAI-JUNI 1917 HEFT 5/6 


HERAUSGEGEBEN VOM DEUTSCHEN BUCHGEWERBEVEREIN 


Bekanntmachung 

In den Deutschen Buchgewerbeverein wurden im Monat Juni 1917 
als Mitglieder aufgenommen: 

1. Käpten Tore H. Baudy, Direktor, Aktiebolaget J. O. Öberg & Sohn, Eskilstuna. 

2. F. W. Breidenstein, i. Fa. H. L. Brönner’s Druckerei, Frankfurt a. M. 

3. Heinr. Buschmann, Buch- und Steindruckerei, Geschäftsbücherfabrik, Münster i. W. 

4. Ernst Doelker, Klischeefabrik, Zürich. 

5. Ernst Döring, Geschäftsführer der Fa. Deutsches Druck- und Verlagshaus G. m. b. H., Berlin. 

6. M. Ernst, Buchdruckerei, München. 

7. Richard Fiedler, Buchdruckerei und Buchbinderei, Chemnitz. 

8. Johannes Fischer, i. Fa. Fischer & Wittig, Buchdruckerei, Leipzig. 

9. Otto Fischer, i. Fa. Fischer & Wittig, Buchdruckerei, Leipzig. 

10. Karl Groak, i. Fa. Österreichische Zeitungs- und Druckerei-A.-G., Wien. 

11. C. Heimann, i. Fa. Buchdruckerei J. B. Heimann, Köln a. Rh. 

12. Oskar Heinrich, Geschäftsführer der Buchdruckerei Berolina G. m. b. H., Berlin. 

13. E. Herzog, i. Fa. Echo vom Niederrhein, G. m.b.H., Duisburg. 

14. Dr. Paul Hofmann, i. Fa. Carl Hofmann, Verlag der Papierzeitung, Berlin. 

15. H. Kaeufel, Buchdruckerei-Direktor der Buchdruckerei A.-G. Passavia, Passau. 

16. M. Mouton, i. Fa. Mouton & Co., Buch- und Kunstdruckerei, Haag. 

17. Heinrich Niescher, i. Fa. C. Rieh. Gärtner’sche Buchdruckerei, Dresden. 

18. Franz Stitzel, Buchdruckerei-Volontär, Stuttgart. 

19. G.Stokkink, Direktor der Stokkink’s Electrische Boekbinderij, Amsterdam. 

20. Günther Wagner, Farben-, Tuschen- und Tintenfabrik, Hannover. 

21. P.K. Wahlström, i. Fa. Wahlström & Widstraad, Stockholm. 

22. C. Winkler, i. Fa. Winkler, Fallert & Co., Fachgeschäft, Bern. 

23. Kunstgewerbeschule, Gotenburg. 

Leipzig, im Juni 1917 

Die Geschäftsstelle des Deutschen Buchgewerbevereins 

I. A. Paul Agsten 

t 


113 15 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Ein Streifzug durch 50 jahrgänge des Archivs für Buchgewerbe 

Von HEINRICH SCHWARZ in Leipzig 
(1. Fortsetzung) 



Das Gebiet der Sprachen findet im dritten 
Bande des Archivs weitere Behandlung 
durch das Erscheinen einer allgemeinverständlichen 
Abhandlung über den griechischen Satz. Der Verfasser 
erklärt den Widerwillen, den viele Setzer gegen den 
Satz des Griechischen haben, damit, daß sie von den 
grammatikalischen Regeln der Sprache nur geringe 
oder keine Kenntnis haben . Guter griechischer Satz 
könne aber nur entstehen, wenn der Setzer imstande 
sei, die Manuskripte fast so geläufig zu lesen, wie das 
Deutsche . 

In einer andern Abhandlung wird das Wichtigste 
der lateinischen Sprache behandelt und im Anschluß 
hieran erscheint ein ausführlicher Aufsatz von Aug. 
Marahrens über den Satz des Dänischen für Setzer 
und Korrektoren . Es wird hierbei daraufhingewiesen, 
daß die Kenntnis der fremden Sprachen beim Setzen 
nicht nur Nutzen im deutschen Vaterlande bringen 
soll, bei weitem 
mehr müsse dieser 
Nutzen dann in die 
Erscheinung treten, 
wenn die Betreffen¬ 
den die Grenzen des 
Vaterlandes über¬ 
schreiten,und ihnen 
Demütigungen er¬ 
spare, wie sie stets 
denen widerfahren, 
die selbst als tüch¬ 
tige deutsche Setzer 
im Auslande Stel¬ 
lungfinden. Bemer¬ 
kenswert ist, daß 
vom Verfasser die 
Fraktur noch als 
die dänische Druck¬ 
schrift bezeichnet 
wird, während die 
Antiqua nur dann 
und wann Verwen¬ 
dung finde. Seit 
langem ist bekannt¬ 
lich das Umgekehrte 
der Fall. 

In den in den ersten 
Bänden des Archivs 
regelmäßig erschei¬ 
nenden Monatskor¬ 
respondenzen aus 
England, Spanien, 

Italien und Frank¬ 


reich spiegelt sich viel Interessantes aus dem Druck¬ 
gewerbe dieser Länder wider. Das eigenartige Ge¬ 
baren mancher französischer Farbenfabriken und 
Schriftgießereien wird gegeißelt, da jene sich nicht 
scheuen, ihre Proben und Kataloge mit von ihnen 
gekauften deutschen Farben zu drucken, ebenso wie 
die Schriftgießereien ihre Proben bereits vor dem 
Galvanisieren mit den gekauften Schriften drucken. 
An andrer Stelle wird darauf hingewiesen, daß auch 
manche deutsche Schriftgießerei ihre Matern aus dem 
galvanischen Topfe beziehe . 

Eine gelungene Ergänzung finden diese Notizen 
durch eine öfters im dritten Bande des Archivs erschei¬ 
nende Anzeige von F. F. May in London, der die weit¬ 
verbreiteten Fraktur- und Antiquaschriften des 1866 
in London verstorbenen Stempelschneiders Cosmann 
Damian May empfiehlt und Kupferabschläge von den 
Stahlstempeln abgibt. Die May sehen Schriften wurden 

von fast allen deut¬ 
schen Schriftgieße¬ 
reien erworben, sie 
bilden selbst heute 
nochhierunddaden 
Grundstock derBrot- 
schriftenauswahl. 

In einem Artikel 
Die Buchdrucker¬ 
kunst in Spanien 
wird zunächst ein 
Bild von dem hohen 
Stande der altspa- 
nischenDruckkunst 
gegeben und im An¬ 
schluß hieran die 
Entwicklung des 
spanischen Druck¬ 
gewerbes geschil¬ 
dert. Der Artikel 
verdient deshalb 
hervorgehoben zu 
werden, weil der 
Verfasser bereits 
die Gründung einer 
Buchdrucker - Fach - 
schule mit einem 
sich auf fünf Jahre 
erstreckendenLehr- 
plane in Vorschlag 
bringt. Leider hat 
sich das spanische 
Druckgewerbe 
nur nach der rein 


1866 


Abbildung 10. Verkleinerter (dreifarbiger, rot, braun, grüner Ton) 
Haupttitel zum V. Bande (1868) des Archivs für Buchdruckerkunst 


114 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


technischen Seite im Laufe der verflossenen 50 Jahre 
entwickelt, während das Geschmackliche und Künst¬ 
lerische zu keinem besonders erfreulichen Stande zu 
gelangen vermochte. 

Nachdem schon im zweiten Bande des Archivs auf 
das neue Verfahren der Chemigraphie hingewiesen 
wurde, folgt im dritten Bande eine ausführliche Ab¬ 
handlung von A. Isermann über das mehr und mehr 
an Verbreitung gewinnende Verfahren zur Herstellung 
von Klischees aus Zink , wobei merkwürdigerweise 
von vornherein bezweifelt wird, daß das Verfahren 
selbst bei größter Vervollkommnung jemals den Holz¬ 
stich verdrängen könne; ein Verfahren , das aber das 
Illustrative für den Buchdruck verallgemeinern könne , 
sei eine wahre Wohltat und ein wirkliches Bedürfnis. 
Die damals noch ziemlich umständliche Technik des 
neuen Verfahrens, das ohne Mithilfe der Photographie 
ausgeübt wurde, wird in eingehender Weise beschrie¬ 
ben und es werden auf besonderen Blättern auch 
einige Druckproben gegeben. 

Als eine besonders wichtige Erfindung wird in 
demselben Band die aufkommende eiserne Steindruck- 
Schnellpresse be¬ 
zeichnet, die mit 
einer Vorrichtung 
zumWischen oder 
Benetzen des Stei¬ 
nes versehen ist. 

Die Presse sollte 
dasAcht- bis Zehn¬ 
fache der gewöhn¬ 
lichen Handpresse 
leisten (siehe Ab¬ 
bildung 12, S.l 16). 

Die starke Zu¬ 
nahmeillustrierter 
Werke dürfte im 
weiteren den Her¬ 
ausgeber des 
Archivs veranlaßt 
haben, dem dritten 
Bande eine aus¬ 
führliche Abhand¬ 
lung von Herrn an n 
Küntzel über die 
Zurichtung und 
den Druck von 
Illustrationen , die 
zugleich ein kur¬ 
zer Leitfaden für 
Maschinenmeister 
sein sollte, einzu¬ 
fügen. Der Ver¬ 
fasser legt nicht 
nur seine eigenen 
Erfahrungen als 


Drucker nieder, er schickt seiner Arbeit eine gründ¬ 
liche Einleitung über die Entwicklung des Illustrations- 
Druckwesens voraus. Der Holzschnitt, der Kupfer¬ 
stich und die Radierkunst sowie die Lithographie 
werden kurz gestreift und dann alles, was beim Bilder¬ 
druck auf der Schnellpresse zu beachten ist, er¬ 
läutert. Das sachgemäße Feuchten und Satinieren 
der Druckpapiere spielte damals noch eine ziemliche 
Rolle, nicht minder machten dem Drucker die Be¬ 
schaffenheit der selbstgegossenen Walzen manche 
Schwierigkeiten. Die Anleitungen, die der Verfasser 
für das Zurichten selbst gibt, decken sich im großen 
und ganzen mit der heute noch fast überall ange¬ 
wandten Zurichtetechnik, abgesehen von der erst vor 
wenigen Jahren allgemein aufgenommenen Kreide¬ 
relief-Zurichtung. Das Vorbereiten der Bilderzurich¬ 
tungen durch Herstellung von Klischeeabdrücken auf 
der Handpresse bezeichnet der Verfasser auch schon 
als zweckdienlich, ebenso geht er davon aus, daß 
eine Schnellpresse je nach der Art der Arbeit 700 
bis 1500 Drucke machen soll. Die Abhandlung ist 
von mehreren Beilagen begleitet, die die Zurichtung 

der verschiedenen 
Klischeearten illu¬ 
strieren. Die Holz¬ 
schnittbeilage mit 
Zinktonplatte ist 
inderOriginalaus- 
führung diesem 
Hefte beigefügt. 

Einer besonde¬ 
ren Abart des Far¬ 
bendruckes, dem 
sogenannten Iris¬ 
druck widmet das 
Archiv in seinem 
dritten Bande Auf¬ 
merksamkeit, und 
zwar gibt B.A. Ihm 
eine ausführliche 
AnleitungzurAus- 
übung desselben 
auf der Schnell¬ 
presse. Die Erzie¬ 
lung der Regen¬ 
bogenwirkung mit 
einem Druckgange 
durch ent¬ 
sprechende An¬ 
ordnung des Farb¬ 
werkes war der 
Zweck des 
Irisdruckes. Von 
der Technik des 
Irisdruckes abge¬ 
leitet dürfte der 

15 * 



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PRINCETON UNtVERSITY 



ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


neuzeitliche Brauch sein, die Auftragwalzen mit Aus¬ 
schnitten zu versehen und mehrere nebeneinander 
liegende Farben zugleich, das heißt aus Ersparnis¬ 
gründen mit einem Druckgange zu drucken. 

Bemerkenswertist esauch, daß im Archiv 1866 noch 
die sogenannten hölzernen Schiefstege zum Schließen 
der Formen als das beste Schließmittel gepriesen und 
die aufkommenden eisernen Schließmittel als ungeeig¬ 
net verworfen wurden. In einer andern Abhandlung 
dagegen wird die Notwendigkeit der systematischen 
Einteilung der Format- und Schließstege betont. 

Daß die Rentabilitätsfrage die Buchdrucker der 
damaligen Zeit bereits in ähnlicher Weise als wie in 
der Neuzeit beschäftigte, beweist eine längere Aus¬ 
einandersetzung im dritten Bande des Archivs. Als 
angemessene Abschreibung am Einkaufspreise alles 
Bleimaterials werden 15 Prozent, nach Abzug des Zeug- 



Abbildung 12. Eiserne Steindruck-Schnellpresse 
Aus dem III. Bande (1866) des Archivs für Buchdruckerkunst 


wertes, betrachtet, während für Maschinen 7y 2 Pro¬ 
zentals ausreichend angesehen werden. Als gerechten 
Spesensatz auf Satz- und Druckkosten werden bei 
Zeitungs- und gewöhnlichen Arbeiten 60 bis 70 Pro¬ 
zent, bei Akzidenzen 80 bis 100 Prozent und bei ganz 
feinen Arbeiten 150 Prozent genannt. Den zu er¬ 
wartenden Gewinn aus einem Druckereibetrieb glaubt 
der betreffende Verfasser kurz so zusammenzufassen, 
daß er etwa 14 bis 15 Prozent des Druckereianlage¬ 
kapitals als Nutzen für notwendig hält. Er sagt: Dieser 
Prozentsatz ist gewiß nicht zu hoch gegriffen, denn 
wenn der Besitzer einer Buchdruckerei nichts verdienen 
würde, als wie die Zinsen seines im Geschäfte steckenden 
Kapitals und die Summe, welche die Erhaltung eines 
einfachen bürgerlichen Haushaltes erfordert , wäre er 
in der Tat in keiner beneidenswerten Lage, denn was 
würde er anfangen, wenn die Arbeitskräfte nachlassen, 
wenn unabwendbare Unfälle und Verluste ihn treffen. 
Jede andre Berufsklasse, die mit weit geringerem Auf¬ 
wand an Kapital, Arbeit und Sorge ihren Angehörigen 
eine gesicherte Existenz und ein sorgenfreies Alter 
garantiert, wäre unserm Stande vorzuziehen. 


Durch gelegentliche Beschreibung der buchgewerb¬ 
lichen Großbetriebe des In- und Auslandes, an denen 
es schon damals keineswegs fehlte, gab das Archiv 
seinen Lesern in Wort und Bild einen Begriff solcher 
Einrichtungen und der außergewöhnlichen Hilfsmittel, 
deren man sich in ihnen bediente. So bringt der dritte 
Band eine eingehende Beschreibung der Druckerei 
der „Times“ in London, in der als besondere Neue¬ 
rung, sozusagen als „Wunder“ der Maschinenbau¬ 
technik zwei Applegathsche Riesenschnellpressen, 
an deren jede allein acht Einleger und vier Ausleger 
tätig sein mußten. Die Abbildung 13 veranschaulicht 
eine dieser Riesenmaschinen, deren Umständlichkeit 
in rechtem Gegensatz steht zu den vereinfachten 
Rotationsmaschinen der Jetztzeit. 

Den Schluß des reichhaltigen dritten Bandes bildet 
die Wiedergabe eines Vortrages, den Theodor L. de 



Abbildung 13. Verkleinerte Wiedergabe der Applegathschen achtfachen Schnell¬ 
presse. Aus dem III.Bande (1866) des Archivs für Buchdruckerkunst 


Vinne in der NeuyorkerTypographischen Gesellschaft 
über die Buchdruckerkunst im Mittelalter gehalten 
hat. In diesen Ausführungen sind eine Menge von 
Aussprüchen enthalten, die in ihrer Richtigkeit auch 
heute noch auf die Buchausstattung zutreffen. So 
heißt es unter anderem: Ich finde , daß sehr wenige 
von den vielen , die über Buchdruckerkunst geschrieben 
haben, selbst Drucker waren und daß nicht einer von 
hundert von denen, welche bestimmt und absprechend 
über das äußere Ansehen von Büchern reden und 
schreiben, die nötigen Kenntnisse haben, um als kom¬ 
petente Richter gelten zu können . Denn es gibt gewisse 
nützliche und notwendige Wissenswürdigkeiten zur 
Beurteilung von Büchern , welche nicht außerhalb der 
Druckerei gelernt werden können. Die gedrängte Satz¬ 
anordnung bei den ersten Drucken erklärt sich de 
Vinne aus dem Fehlen geeigneten Füllmaterials, welch 
letzteres Schoeffer erst geschaffen habe. Er sagt zu¬ 
gleich : Die zweckmäßige Anwendung von Durchschuß 
und Quadraten mag als Kleinigkeit erscheinen, ist es 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


jedoch in Wirklichkeit nicht, denn derjenige, der die 
Typen so zu gruppieren weiß, daß er die Idee des 
Autors dadurch klarer machen kann , als wie es bei 
anderem Satz sein würde , erzeigt ihm keinen kleinen 


jetzt elende Drucker und elegante Büchen Interessante 
Ansichten über die primitiven Werkzeuge und Pressen 
der berühmten Buchdrucker, deren zeitliche Notwen¬ 
digkeit man nicht einsehen könne, über die bedauer- 



Dienst. Bemerkenswert ist auch der Ausspruch: daß 
es vollkommen falsch ist, irgendein Werk aus dem 
15. oder 16. Jahrhundert als eine Probe der durch¬ 
schnittlichen Kunstfertigkeit dieses Zeitalters hinzu¬ 
stellen. Es gab in diesen glorreichen Tagen so gut wie 


liehe Verfeinerung der Druckschriften im 19. Jahr¬ 
hundert, über dieVorzüge der Buchdruckerkorrektoren 
und verschiedenes andre machen diese Abhandlung 
zu einer solchen, die Anregung nach verschiedenster 
Richtung gegeben haben dürfte. 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


I AOVJ/ | des Archivs behandelten Sondergebiete des 
Büchgewerbes findet im vierten Bande eine Arbeit 
von J. H . Bachmann über die Schriftgießerei Raum. 
Der Verfasser behandelt das trotz des Fehlens der 
erst viel später in Deutschland eingeführten Komplett- 
Gießmaschine bereits weite Gebiete der Typenher¬ 
stellung mit großer Sachkenntnis in seiner übersicht¬ 
lich gegliederten Arbeit. In der Einführung entwickelt 
der Verfasser auch einige beachtenswerte Ansichten 
über Buchausstattung. Er sagt z. B.: Der Buchdrucker 
formt für das große Publikum keine Rohstoffe um, er 
bietet demselben nichts Greifbares , sondern nur etwas 
Sichtbares . Seine eigentliche Arbeit schätzt man nicht 
und bewundert man nicht, ja, wenn sie ihren Zweck 
richtig erfüllen soll, darf sie nicht einmal bewunde¬ 
rungswürdig sein . Sie ist weiter nichts als der elek¬ 
trische Draht, der die erhabenen Gedanken großer 
Geister tausendfältig der Menschheit zuführt. Ist das 
Papier eines Buches gut, so rühmt man die Papier¬ 
fabrik, ist der Einband gut, so lobt man den Buch¬ 
binder, ist man aber beim Lesen des Buches, so will 
man weder durch einen auffallenden Schnitt der Schrift 
oder sonst etwas gestört sein, man will eben weiter 
nichts als den geistigen Inhalt des Buches ungestört 
aufnehmen und darum muß der Schnitt einer Schrift 
einen recht ruhigen Charakter haben. Mit Bezug auf 
die Fraktur findet es der Verfasser unbegreiflich, daß 
einige unsrer besten Gelehrten und Sprachforscher 
den Gedanken fassen konnten, die Fraktur gänzlich 
abzuschaffen und die lateinische Schrift dafür einzu¬ 
führen. Er sagt: Betrachtet man die Fraktur mit etwas 
philosophischen Blicken, so wird man finden, daß sie 
sowohl das physische wie das geistige Deutschtum auf 
wunderbare Weise verkörpert. Als im 18. Jahrhundert 
sich die deutsche Literatur so glänzend entfaltete, da 
war die deutsche Druckschrift, die Fraktur schon so 
innig mit dem Charakter und dem Leben des deutschen 
Volkes verwebt und während zweier Jahrhunderte ein 
so unveräußerliches Nationaleigentum geworden, daß 
an eine Romanisierung nicht mehr gedacht werden 
konnte. Die Fraktur ist das einzige Band, das die 
ganze deutsche Nation, so weit die deutsche Zunge 
klingt, noch zusammenhält. Nach einer Klassifizierung 
der Schriftarten folgt der Gießzettel, der im Vergleich 
mit dem jetzigen Normalgießzettel wesentlich andre 
Zahlen aufweist. Der Guß mit dem Handinstrument 
wird eingehend beschrieben und eine Leistung von 
etwa 3000 bis 7000 Buchstaben je nach der Fertig¬ 
keit des Gießers genannt. Die am Ende der sechziger 
Jahre von Richard Kühnau in Leipzig gebaute Hand- 
Typengießmaschine löste den Handguß bald ab, da 
mit ihr 20000 bis 25000 Buchstaben an einem Tage 
gegossen werden konnten. 

Beim eingehenden Studium der Abhandlung ge¬ 
winnt man den Eindruck, daß in bezug auf die Hand¬ 


werkszeuge und sonstigen Arbeitsmittel der Schrift¬ 
gießer keine einschneidenden Verbesserungen im 
Laufe der Zeit erfolgten, denn alles das, was im vierten 
Band des Archivs beschrieben wird, ist heute noch 
im Gebrauch und es entstehen viele Erzeugnisse noch 
in gleicher Weise wie vor 50 Jahren. Der Komplett¬ 
maschinenguß und das Höhenfräsen bedeuten aller¬ 
dings wesentliche Vereinfachungen der alten Her¬ 
stellungsweisegegenüber. Für die Maternherstellung 
beschreibt der Verfasser lediglich den Stempelschnitt, 
er bemerkt aber, daß die Galvanoplastik ein ebenso 
unentbehrliches wie verwerfliches Hilfsmittel für die 
Schriftgießerei geworden sei. Das Verwerfliche beruhe 
in dem Umfang des Nachgalvanisierens. Dem Stempel¬ 
schneider stehe kein gesetzlicher Schutz zur Seite und 
der moralische Einfluß, den der 1857 ins Leben ge¬ 
rufene Verein Deutscher Stempelschneider und Schrift¬ 
gießer auf den Unfug des Nachgalvanisierens auszu¬ 
üben bestimmt war, sei ohne durchgreifende Wirkung 
geblieben. Der zu erstrebende gesetzliche Schutz sei 
das einzige Radikalmittel zur Heilung dieses wunden 
Fleckes in der Schriftgießerei. Tatsächlich ist ja dann 
auch im Jahre 1875 ein Musterschutzgesetz erlassen 
worden, dessen unveränderte und den heutigen Ver¬ 
hältnissen kaum noch entsprechende Fassung neben 
dem in seiner Wirkung noch nicht erprobten Kunst¬ 
schutzgesetz das einzige Schutzmittel der Schrift¬ 
gießerei und Stempelschneiderei bildet. 

Als eine beachtenswerte schriftgießerische Er¬ 
scheinung aus damaliger Zeit darf die im vierten Bande 
des Archivs vorgeführte Mikroskopschrift (Fraktur, 



Abbildung 15. Mikroskopschrift von Wilb.Grooiu. Aus 
dem IV. Bande (1867) des Archivs für Buchdruckerkunst 


Antiqua und Kursiv) von Wilhelm Gronau in Berlin 
angesehen werden. Die Schrift war vornehmlich zur 
Verwendung auf Banknoten und andern Wertpapieren 
bestimmt, das heißt sie sollte eine gewisse Sicherheit 
gegen Fälschungen geben. Der Preis war damals für 
das Pfund bei Abnahme von etwa 10 Pfund 6 Taler 
für das Pfund, heute kostet die Schrift nicht viel mehr. 

Unter dem Titel Ober den Geschmack beim Setzen 
bringt das Archiv 1867 eine Abhandlung, die man 
wohl als den Ausgangspunkt der sogenannten typo¬ 
graphischen Setzregeln bezeichnen kann, die in fast 
allen Handbüchern Aufnahme fanden und die als 
Grundlage für die Unterweisung der Lehrlinge durch 
den Anführgespan heute noch überall benutzt werden, 
wenn auch mit einigen Einschränkungen und Ver¬ 
besserungen, wie sie durch die typographischen Ge¬ 
sellschaften herbeigeführt wurden. Die Ausführungen 

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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


beziehen sich auf das richtige Ausschließen der Zeilen, 
die Wortteilungen, die Schriftenwahl und den Titel¬ 
satz. Am Schlüsse bemerkt der Verfasser, daß es 
schwierig ist für das Setzen eine Lehre aufzustellen, 
da die Geschmacksäußerung im Buchdruck stets mehr 
oder weniger eine individuelle sein wird. 

Daß sich das Archiv auch an die Gehilfenschaft 
sowie die Lehrlinge wandte, geht aus einem im vierten 
Band enthaltenen Preisausschreiben für Setzer und 
Drucker sowie Setzer- und Druckerlehrlinge hervor. 
Der Gegenstand des Ausschreibens war die Ein¬ 
reichung von wirklich guten Satz- und Druckarbeiten. 
Für die besten Leistungen waren ansehnliche Preise 
ausgeworfen. Das Archiv sollte zu einer Triebfeder 
des Strebens für die Gehilfen und Lehrlinge werden, 
zu welchem Zwecke alljährlich mehrere solcher Wett¬ 
bewerbe stattfanden. 

Die Orthographie gibt dem Archiv vom genannten 
Zeitpunkte (1867) an häufig geeigneten Stoff für seine 
Spalten, u. a. wird bereits im vierten Bande folgendes 
erwähnt: Das Gebiet der Orthographie wäre ein Feld, 
auf dem sich der Unterrichtsminister unseres an der 
Spitze marschierenden Großstaates unverwelkliche 
Lorbeeren erwerben könnte, indem er eine Deutsche 
Hochschule in Berlin oder Leipzig bildete, der die Aus¬ 
arbeitung eines deutschen Wörterbuches übertragen 
würde, welches dann für das gesamte Deutschland 
obligatorisch wäre. Es würde allerdings trotzdem, bei 
dem bekannten Eigensinn deutscher Professoren, sich 
die Verschiedenheit nicht ganz ausrotten lassen, diese 
würde aber vereinzelt dastehen. Die Zeit hat hier 
einigermaßen Wandel geschaffen, aber dennoch lastet 
auf dem Buchgewerbe heute noch die Vielfältigkeit 
der deutschen Orthographien und der Doppelschrei¬ 
bungen. 

Die Frage der Errichtung von Maschinenmeister¬ 
schulen wird im vierten Bande des Archivs wieder 
aufgerollt, und zwar empfiehlt der Buchdruckerei¬ 
besitzer Aug.Bagel in Wesel, Besitzer von sechs Buch¬ 
druck- und vier lithographischen Schnellpressen, die 
Begründung einer Pflanz- und Unterrichtsanstalt für 
junge ausgelernte Buchdrucker, welche Geschick und 
Neigung haben, nach erlangter Fertigkeit im Hand¬ 
pressendruck zu Maschinenmeistern sich auszubilden. 
Aus dieser Anregung heraus entsteht das spätere 
Unternehmen der Herren Fischer & W7tt/ginLeipzig,die 
sich bereits damals des Rufes besonders tüchtiger Fach¬ 
männer erfreuten. Der Mangel an guten Maschinen¬ 
meistern hat sich bis in die Jetztzeit fortgesetzt und 
es wird Aufgabe der nächsten Jahre sein, hier Wandel 
zu schaffen. 

Unter den zahlreichen Beilagen des vierten Bandes 
tritt eine solche, die den farbigen Illustrationsbuch¬ 
druck vermittelst Zinkätzungen veranschaulicht, be¬ 
sonders hervor. Das Blatt ist in sechs Farben ge¬ 
druckt und zwar scheinen die einzelnen Farbplatten 


durch Umdruck vom gekörnten Stein oder von der 
gekörnten Kupferplatte auf Zink übertragen zu sein. 

In einem weiteren, ausführlichen Aufsatz werden 
die Kunstgebräuche im Buchdruck , insbesondere das 
Postulat, die Deposition und andres mehr, wie sie 
fast seit Erfindung der Buchdruckerkunst im Druck¬ 
gewerbe mehr als wie in jedem andern Berufe durch¬ 
geführt wurden, eingehend besprochen und zugleich 
umfangreiche Auszüge aus Täubels Wörterbuch der 
Buchdruckerkunst (Wien 1805) wiedergegeben. In 
der Neuzeit sind die noch vor einem Menschenalter 
üblich gewesenen, wenn auch stark abgeschwächten, 
zünftlerischen Gebräuche mehr und mehr verschwun¬ 
den, da sie mit den modernen Anschauungen über 
Pflichten und Rechte sowie das Persönliche des 
Arbeiters nicht in Einklang standen. 

Die Frage der zweckmäßigen Beleuchtung der Arbeits¬ 
räume hat das Archiv in seinen ersten Jahrgängen 
häufig behandelt. Es ist nicht uninteressant, die vielen 
Beleuchtungsarten, die als Vorläufer des Gases und 
der elektrischen Beleuchtung Anwendung fanden, 
erwähnt und aufs eingehendste behandelt zu sehen. 
Es ist da von Photogene, Solaröl, Kamphin, Schiote, 
coil oil, Paraffin, Naphtha und endlich vom Petroleum 
die Rede, das lange Zeit und an vielen Orten auch 
heute noch Verwendung findet — soweit nicht der 
Weltkrieg die Verwendung dieses durch ihn knapp 
gewordenen verbreitetsten Leuchtmittels unmöglich 
gemacht hat. 

Zu der am 1. Januar 1868 vom Fortbildungsverein 
für Buchdrucker in Leipzig auf Aktien begründeten 
Vereinsdruckerei nimmt das Archiv Stellung, indem 
es bemerkt, daß der Betrieb eines selbständigen Ge¬ 
schäftes den Beteiligten hoffentlich eine andre Ansicht 
von der Rentabilität und dem Glücke , Besitzer einer 
Buchdruckerei zu sein, beibringen wird und sie über¬ 
zeugt, daß die Konkurrenz in bezug auf Preisstellung 
gebieterisch oft Schritte vorschreibt, die mancher selbst 
nur ungerne tut und nicht nur den Arbeiter, sondern 
auch den Prinzipal in Mitleidenschaft zieht, das heißt 
beiden Opfern auferlegt. Der kurze Bestand des Unter¬ 
nehmens hat den prophetischen Blick Waldows be¬ 
stätigt. 

Über den Stand der Buchbinderei in den sechziger 
Jahren unterrichtet eine Abhandlung über die Buch¬ 
binderei in Leipzig. Es wird darin beklagt, daß durch 
das Aufkommen der Hebel- und Imperialpressen die 
Handvergoldung allmählich aufhörte, wenigstens für 
Partien, und von diesem Zeitpunkt datiere anderseits 
aber der Aufschwung der Buchbinderei, da durch sie 
die Anfertigung eleganter Einbände in großen Massen 
nach Zeit und Preis ermöglicht wurde. Es werden auch 
die um dieselbe Zeit aufkommenden Hilfsmaschinen 
wie die Pappenschere, die Schrägemaschine , die Ein¬ 
sägemaschine, die Abpreßmaschine erwähnt und be¬ 
merkt, daß sie sich durch ihre Kostspieligkeit erst in 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


elf Buchbindereien einführen lassen konnten. Ver¬ 
gleicht man mit diesen Ausführungen, die sich im 
übrigen auch auf den ganzen Umfang des damaligen 
Buchbindereibetriebes in Leipzig beziehen, den heu¬ 
tigen Stand dieses Berufszweiges, so muß man fest¬ 
stellen, daß er sich mehr als wie jeder andre zum 
Großbetrieb entwickelt hat und zwar unter starker 
Heranziehung der weiblichen Arbeitskraft und unter 
Nutzbarmachung aller Erzeugnisse der Maschinen¬ 
industrie. 

Im gleichen Bande des Archivs wird auch bereits 
der Entwicklungsgang der Photographie in anschau¬ 
licher Weise geschildert und betont, daß besonders 
durch die Tätigkeit Talbots die Photographie in die 
Reihe der vervielfältigenden Künste trat. Es wird 
dabei der Verdienste Niepees , Daguerres , Poitevins 
gedacht und endlich das damals neue Verfahren Paul 
Pretschs hervorgehoben. 

Der Staatsvertrag zwischen Österreich-Ungarn und 
Frankreich, wegen gegenseitigen Schutzes des Autoren¬ 
rechts an Werken der Literatur und Kunst wird wieder¬ 
gegeben, was deshalb hervorgehoben zu werden ver¬ 
dient, um zu zeigen, daß das Archiv stets auch 
Angelegenheiten, die von allgemeiner Wichtigkeit für 
das Buchgewerbe waren, aufzunehmen pflegte. 

Endlich wird in diesem Bande die Pariser Welt¬ 
ausstellung des Jahres 1867 von nicht weniger als wie 
drei Berichterstattern in eingehendster Weise be¬ 
sprochen, und es ist nach der in Leipzig 1914 ver¬ 
anstalteten Weltausstellung für Buchgewerbe sehr 
interessant zu verfolgen, auf welcher Stufe die ein¬ 
zelnen Zweige und Firmen des Buchgewerbes damals 
standen; ferner, welche Neuerungen damals die Be¬ 
wunderung der Besucher fanden, und wie diese Neue¬ 
rungen nach 50 Jahren nur noch als Saatkörner an¬ 
gesehen werden können, die von unsern Vorfahren 
für die Entwicklung zur heutigen Vollkommenheit 
gelegt wurden und die sich in so umfassender und 
vortrefflicher Weise auf der Bugra widerspiegelte. 
Schon damals lautete das einstimmige Urteil der in- 
und ausländischen Fachwelt, daß die deutsche Typo¬ 
graphie den Sieg davongetragen habe. 

Das Archiv eröffnet seinen fünften Band 
mit einer längeren Abhandlung über den 
Satz des Polnischen , und wenn der Verfasser./.^. Toszka, 
der noch lange Zeit in Leipzig mit dem Satz von Pol¬ 
nisch und Russisch beschäftigt wurde, bemerkt: daß 
ein Deutscher sich schnell und leicht als tüchtiger 
Setzer in fremden Sprachen ausbildet , weil die Ortho¬ 
graphien für ihn leicht faßliche sind y so hat sich im 
Laufe der Zeit gezeigt, daß er recht hatte, denn in der 
Tat hat es unter den Buchdruckern in der Folgezeit 
niemals an regem Interesse für das weite Sprachen¬ 
gebiet gefehlt. Eine weitere lehrreiche Abhandlung 
desselben Verfassers betrifft den Satz des Russischen. 


1868 


Der Verlauf des Weltkrieges stellt den Sprachen¬ 
setzern neue, erweiterte Aufgaben, sofern die be¬ 
setzten Gebiete die Grenzen des Reiches weiter ziehen. 
Durch das neue polnische Königreich ist eine solche 
Aufgabe bereits gegeben und das Zurückgreifen auf 
ältere sprachliche Abhandlungen, wie die oben er¬ 
wähnte, in denen zumeist außer sprachlicher Be¬ 
lehrung auch fachliche Hinweise gegeben sind, kein 
Fehler. Für Polen wird neben dem Polnischen auch 
dasRussischeundHebräische zu berücksichtigen sein. 

Die Hauptabhandlung des fünften Bandes ist eine 
solche von H.Doenges über die Buch- und Geschäfts¬ 
führung in Buchdruckereien. DerVerfasser weist ein¬ 
leitend darauf hin, daß über den gleichen Stoff be¬ 
reits umfangreiche Abhandlungen erschienen sind, 
es sei ihm aber auch bekannt, daß in vielen Offizinen 
die Buchführung sehr unordentlich gehandhabt wird. 
Im Hinblick auf das Handelsgesetzbuch, das auch den 
Buchdrucker verpflichtet,ordnungsgemäße Bücher zu 
führen, halte er die Behandlung des Stoffes für sehr 
am Platze. DieseVorausschickung ist aus dem Grunde 
erwähnenswert, weil auch heute noch derselbe Mangel 
in vielen graphischen Mittel- und Kleinbetrieben vor¬ 
handen ist und auf ihn sogar erst vor kurzem in dem 
umfangreichen Werke Die Organisation der Buch¬ 
druckerei von Dr. Heller die schlechte Rentabilität 
der Buchdruckereien zurückgeführt wurde. Die er¬ 
wähnte Abhandlung selbst erstreckt sich auf sämt¬ 
liche kaufmännischen und Schreibarbeiten, die mit 
dem Buchdruckereibetrieb verknüpft sind. Natur¬ 
gemäß haben auch auf diesem GebieteVeränderungen 
Platz gegriffen, wie ja die Verschiedenheit der Buch¬ 
druckereibetriebe sowie die mehr und mehr an Aus¬ 
breitung gewinnende Spezialisierung besondere kauf¬ 
männische Organisationsformen notwendig machte. 

Sehr interessant ist im fünften Band ferner das in 
ihm wiedergegebene Rundschreiben der Vereinigten 
Leipziger Buchdruckerei-Faktore andieBuchdruckerei- 
besitzer Leipzigs, in dem den letzteren der Vorschlag 
der Begründung einer theoretisch-praktischen Lehr¬ 
anstalt für Setzer-und Druckerlehrlinge gemacht wird. 
Der Vorschlag wird damit begründet, daß der Mangel 
an wirklich tüchtig ausgebildeten Setzern sowohl , 
wie auch hauptsächlich an solchen Druckern und 
Maschinenmeistern leider immer mehr überhandnimmt. 
Den Grund für diesen Übelstand erblickte man schon 
damals darin, daß es bei der Annahme von Lehr¬ 
lingen nicht gelingt, solche junge Leute zu gewinnen, 
die wirklich hinreichende Schulkenntnisse besitzen, 
um sie mit Hilfe dieser zum Setzer so ausbilden zu 
können, als es das wahre Bedürfnis erfordert; betreffs 
der Maschinenmeister habe die Erfahrung gelehrt, 
daß die Buchdruckereien außerstande seien, Lehrlinge 
ohne größere Kosten und Schwierigkeiten zu ordent¬ 
lichen Maschinenmeistern auszubilden, zumal sehr 
selten ein guter Maschinenmeister zu bewegen ist, 


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ZUR 150JÄHRIGEM JUBELFEIER DER BREITKOPF & HÄRTEL’SCHEN OFFICIM IM LEIPZIG. 

1719 V 27. JANUAR V 1869. 


Beilage aus dem Bande VI (1869) des Archivs fiir Buchdruckerkunft. 


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Beilage zum Archiv 


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iv fiir Buch^Srerbe. 


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Zu der Abhandlung: Ein Streifzug durch Se^atiKgSig^äfelJM-dyiv^.fei^Buc hgewerbe. 














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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


die Lehrlinge in den Offizinen erfolgreich anzulernen. 
Der Lehrplan ist dem Rundschreiben angefügt. Aus 
ihm geht hervor, daß es sich um einen einjährigen 
Sonntagsunterricht für Setzer- und Druckerlehrlinge 
handelt, der sich außer auf die Theorie auch auf die 
praktische Betätigung erstreckt. Für den Fachunter¬ 
richt waren praktische Fachmänner (Faktoren) als 
Instruktoren vorgesehen. 

In einer umfassenden Abhandlung von H.Robolsky 
wird das Preußische Buchdrucker-Examen, das zu 
jener Zeit jeder abzulegen hatte, der sich selbständig 
machen wollte, eingehend beschrieben. Sind die ein¬ 
schlägigen Bestimmungen mitsamt dem Examen auch 
gegen Ende der sechziger Jahre außer Kraft gesetzt 
worden, so ist die Abhandlung doch so reich an ge¬ 
schäftlichen Hinweisen und technischen Fragen, daß 
man sie ruhig als eineZusammenfassungalles dessen, 
über das jeder Buchdrucker an Wissen und Können 
verfügen sollte, heute noch gelten lassen kann. Die 
in ihr aufgestellten Forderungen überragen bei weitem 
das, was heute bei der sogenannten Gehilfen- und 
Meisterprüfung verlangt wird. Die Abhandlung schließt 
mit einem Verzeichnis von einschlägigen Fragen und 
Antworten, wie sie sich bei der mündlichen Prüfung 
etwa ergeben würden, und es unterliegt keinem Zwei¬ 
fel, daß eine solche bestandene Prüfung ein guter Ma߬ 
stab für die Tüchtigkeit des Betreffenden gewesen ist. 

Unter dem Titel Typographischer Geschmack er¬ 
scheint eine Abhandlung, in der neben der Behand¬ 
lung zahlreicher technischer Fragen auch Angelegen¬ 
heiten berührt werden, die erst im Laufe der letzten 
Jahre zur Durchführung gebracht werden konnten, 
oder die von neuem in den Kreis fachmännischer Be¬ 
ratung gestellt wurden. So wird die vorteilhafte 
Wirkung der geschlossenen Satzweise, der Satz mit 
Drittelgevierten, die bei geschickter Anwendung zuge- 
lasseneVerquickungvonFraktur-und Antiquaschriften 
bei Akzidenzen u.a.m, behandelt. Der Verfasser be¬ 
tont auch die notwendige gute Schulbildung, die der 
Setzerlehrling mitbringen muß, wenn er zum Schrift¬ 
setzerberuf greift; er beklagt zugleich den mangelnden 
Zufluß befähigter Schüler zum Buchdruck und hebt 
den vorteilhaften Einfluß der um diese Zeit auf¬ 
kommenden Fortbildungsschulen gebührend hervor. 

Im gleichen Bande wird u. a. das von C. B. Lorck 
herausgegebene Werk: Die Herstellung von Druck¬ 
werken, praktische Winke für Autoren und Verleger, 
angezeigt und besprochen. Dieses Buch hat seiner¬ 
zeit eine berechtigte gute Aufnahme gefunden, da es 
das erste war, das den Verlegern und Verfassern klar 
vor Augen führte, wie sie sich dem Buchdrucker 
gegenüber zu verhalten haben, wenn ein gedeihliches 
Zusammenarbeiten Platz greifen soll. 

Bezeichnend für die damalige Schaffensfreudigkeit 
der Schriftgießereien ist eine Auslassung des Archivs, 
die da lautet: ln der Produktion von Schriften und 


Einfassungen ist seit einiger Zeit ein Stillstand ein¬ 
getreten, über den wir uns nur freuen können, als wir 
ja förmlich mit neuen und schönen Erzeugnissen der 
Schriftgießerei überschüttet wurden und dem Konsu¬ 
menten in der Tat die Wahl unter diesen Neuheiten 
zur Qual ivurde. Daß die Schöpfungskraft der Schrift¬ 
gießereien durch die Jahrzehnte hindurch sich fort¬ 
gesetzt gesteigert hat, ist zur Genüge bekannt, der 
Weltkrieg hat jedoch auch hier ein Halt geboten und 
es wäre nur zu wünschen, daß nach dem Frieden die 
Herausgabe von Neuheiten durch die Schriftgießereien 
in zielsicherere Bahnen einlenkt und das Künstlerische 
die Oberhand behält. 

Als neuestes Antriebsmittel für Buchdruckpressen 
führt das Archiv 1868 eine mit flachliegendem Kessel 
versehene Lokomobile vor, die berufen sein sollte, den 
damals noch allgemein eingeführten Handbetrieb ab¬ 
zulösen. 

Die Postverträge des Norddeutschen Bundes mit 
Bayern, Württemberg und Baden, Österreich und 
Luxemburg vom 23. November 1867 gibt das Archiv 
in vollem Umfange wieder und bestrebt sich dadurch, 
wie bereits weiter oben bemerkt, dem Buchdrucker 
auch Allgemeinwissenswertes zu vermitteln. 

Der sechste Band des Archivs bringt in der 
Hauptsache Ergänzungen zu früher erschie¬ 
nenen Abhandlungen. An erster Stelle eine solche 
von Hermann Küntzel über die Schnellpresse und ihre 
Behandlung vor und bei dem Druck. Diese Abhand¬ 
lung ergänzt eine frühere von A. Eisenmann , in der 
die Schnellpresse, ihre Konstruktion und Zusammen¬ 
setzung beschrieben war. Ratschläge an den Buch¬ 
drucker betreffs der Wahl eines Schnellpressen¬ 
systems bilden die Einleitung, in der u. a. gesagt wird, 
daß es sich gleich bleibe, von welcher Fabrik eine 
Maschine bezogen werde, es komme nur darauf an, 
wem man die Maschine anvertraue. Ein schlechter und 
nachlässiger Maschinenmeister werde die beste Schnell- 
presse in kurzer Zeit ruinieren, ein guter wird Gutes 
auf ihr leisten, jeden einzelnen ihrer Teile zu konser¬ 
vieren wissen, sei sie gebaut , von wem sie wolle, voraus¬ 
gesetzt, daß es eine Fabrik war , die überhaupt An¬ 
spruch auf Empfehlung habe. 

Der Walzenguß , als eine der schwierigsten Auf¬ 
gaben für die damalige Zeit, wird ausführlich behandelt 
und dabei betont, daß mit der fertig zu beziehenden 
Walzenmasse noch nicht viel anzufangen sei. An 
gleicher Stelle wird auch die aus einem Stück be¬ 
stehende nahtlose Walzengießhülse als etwas Neues 
erwähnt und der auch heute noch geltende Grundsatz 
aufgestellt — daß ohne gute Walze kein guter Druck 
denkbar ist. Neben den mancherlei Vorarbeiten für 
den Druck wird der Zylinderaufzug, über dessen 
zweckmäßigste Beschaffenheit ja selbst heute die Fach¬ 
gelehrten noch nicht einig sind, eingehend behandelt. 


1869 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Als geeignetsten Aufzug befürwortet der Verfasser 
bereits den aus mehreren Papier- und Kartonbogen 
bestehenden harten Aufzug, der durch ein Gummituch 
vorteilhaft ergänzt werden kann. Eine eingehende 
Beschreibung der Kreis-, Eisenbahn- und Krumm- 
Zapfenbewegung , welch letztere heute nur noch ver¬ 
einzelt Anwendung findet, schließt sich an, das Farb¬ 
werk der verschiedenen Schnellpressensysteme, die 
Tischfärbemaschine, die Bänderführungen, der mecha¬ 
nische Ausleger, der Bogenschneider und viele andre 
Einzelfragen werden in leichtfaßlicher Form behandelt. 
Den Punkturen widmet der Verfasser eine eingehende 
Besprechung, er kam aber auch schon damals zu der 
Ansicht, daß durch bloßes genaues Anlegen der Bogen 
an die Marken ein genaues Register beim Widerdruck 
wohl zu erzielen ist. Der umfangreiche Stoff dehnt 
sich auf den nächsten Band aus und es sei noch einiges 
Bemerkenswerte daraus gleich hier angeschlossen. 

Nachdem das Feuchten des Papieres sowie das Sati- 
nieren, Vorgänge, die 
sich bis an das Ende 
des 19. Jahrhunderts 
fast überall vollzogen, 
um dann sozusagen 
ganz zu verschwin¬ 
den, ausführliche Be¬ 
handlung erfahren 
haben, wird das Ka- 
pitelfar&eund dessen 
Bedeutung für den 
Druck erörtert. 

Daß sich das Archiv 
nicht scheute, auf 
offenkundige Schäden 
im Gewerbe hinzu¬ 
weisen und sie zu 
bekämpfen, geht aus 
folgendem Satze her¬ 
vor, der da lautet: 

Ein Krebsschaden un¬ 
serer Zeit mag bei 
dieser Gelegenheit er¬ 
wähnt werden, es ist 
dies das sogenannte 
Schmieren der Ma¬ 
schinenmeister durch 
die Reisenden man¬ 
cher Farbenfabriken, 
ein Manöver, das den 
Prinzipal ganz ohn¬ 
mächtig gegenüber 
seinen Maschinen¬ 
meister macht, denn 
die beste Farbe einer 
Fabrik, die keine Pro¬ 
vision an den betref¬ 


fenden Herrn zahlt, ist nichts wert, wenn derselbe die 
Absicht hat, sie herabzusetzen . Der Prinzipal muß aber 
bei dem herrschenden Mangel an Maschinenmeistern 
meist gute Miene zum bösen Spiel machen, den Herrn 
Maschinenmeister seine Farbe wählen lassen und froh 
sein, wenn derselbe mit der selbst gewählten Farbe 
wenigstens gut druckt. Es darf wohl zur Ehre der 
Fabriken und der Maschinenmeister gesagt werden, 
daß mit der fortgeschrittenen Organisation des Ein¬ 
kaufs in den Buchdruckereien und durch die bessere 
Entlohnung der Arbeitskräfte sowie die gesetzlichen 
Maßnahmen, die den Geber wie den Nehmer treffen, 
das sogenannte Schmiergelderunwesen eine starke 
Eindämmung erfahren hat. 

In dem Kapitel von der Zurichtung wird ferner be¬ 
reits eine Erscheinung gegeißelt, die sich auch heute 
fast noch überall zeigt: der zu große Zeitaufwand 
beim Druck gewöhnlicher Werkformen. Es heißt u.a.: 
Die Zurichtung einer Werkform, die im wesentlichen 

nur aus glattem Satz 
besteht, der höchstens 
mitunter durch einige 
Titelzeilen unter¬ 
brochen ist, darf, 
wenn die Maschine 
in allen ihren Teilen 
exakt gearbeitet und 
wenn besonders das 
Fundament und der 
Zylinder vollkommen 
egal und plan sind, 
auch die Walzen und 
die Schrift in Ord¬ 
nung, eigentlich sehr 
wenig Nachhilfe 
durch Ausschneiden 
und Unterlegen nötig 
machen. Leider 
herrscht aber die 
Manier unter den 
Maschinen meistern, 
die einfachsten, gut 
aussetzenden Werk¬ 
formen einer längeren 
Zurichtung zu unter¬ 
werfen, und so eine 
odermehrereStunden 
zu einer Arbeit zu 
brauchen, die in einer 
halben Stunde und 
weniger erledigt wer¬ 
den kann. 

Daß die Anschau¬ 
ungen über die zweck¬ 
mäßigste Beschaffen¬ 
heit des Materials im 






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Leipzig. 

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1869. 






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Abbildung 16. Satzbeispiel. Aus dem VI. Bande (1869) 
des Archivs für Buchdruckerkunst 





122 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Laufe der Zeit wechseln, zeigt sich daran, daß in der 
erwähnten Abhandlung mit Bezug auf das Linien¬ 
material folgendes gesagt ist: Viele Druckereien haben 
ihre feineren Messinglinien von vornherein um ein 
Papierblatt niedriger hobeln lassen , wie die eigentliche 
Schrifthöhe , es wird demnach den Maschinenmeistern 
und Druckern beim Akzidenzdruck viel Mühe erspart , 
da wohl alle aufrichtige Schrifthöhe gehobelten feinen 
Linien zu scharf kommen, zumal wenn sie frei stehen, 
demnach auch fast alle ausgeschnitten werden müssen. 
Das Leichterhalten gewisser Liniensorten hat sich 
längst als mit der Durchführung einer genauen und 
feststehenden Schrifthöhe des Setzmaterials nicht 
vereinbar erwiesen und es kommt heute kaum noch 
vor, daß gewisse Liniensorten dem Drucker zuliebe 
niedriger gehalten werden. Im weiteren Verlaufe der 
sich auch noch auf den achten Band des Archiv aus¬ 
dehnenden Abhandlung wird alles den Werk-, Akzi¬ 
denz-, Illustrations- und Farbendruck Betreffende in 
einer für die damalige 
Zeit äußerst lehrrei¬ 
chen Weise und mit 
großer Sachkenntnis 
erklärt und es ist dem 
Gesagten heute kaum 
viel Neues hinzuzu¬ 
fügen, wenn man die 
Verbesserungen an 
den Maschinen sowie 
die der Arbeitsmittel 
unberücksichtigt läßt. 

Der Schluß der Ab¬ 
handlung befaßt sich 
bereits mit der Ende 
der sechziger Jahre 
aus Amerika nach 
Deutschland gekom¬ 
mene Liberty-Tiegeh 
druckpresse , die als 
Vorläufer der späte¬ 
ren Gally- und aller 
andern Typen gelten 
darf (siehe Abbil¬ 
dung 18, Seite 124). 

Die genannte Ab¬ 
handlung darf als 
eine der umfassend¬ 
sten und gründlich¬ 
sten über das Schnell¬ 
pressenwesen des 
Vorigenjahrhunderts 
gelten und es sind 
die darin gegebenen 

Unterweisungen 
solche, daß sie heute 
noch als Grundlage 


für das fachtechnische Wissen betrachtet werden 
können. — Neben der vorstehend erwähnten Abhand¬ 
lung über die Schnellpresse enthält derselbe Jahrgang 
eine Fortsetzung der Artikelfolge über die Buch- und 
Geschäftsführung in Buchdruckereien. Es wird darin, 
wie schon erwähnt, alles Einschlägige in leichtfa߬ 
lichster Weise erörtert und es wäre angesichts der 
neueren Vorschriften für die Gehilfen- und Meister¬ 
prüfung eine Wiedergabe der Artikel in zeitgemäßer 
Bearbeitung gewiß lohnend. 

Daß das Archiv von jeher den Reproduktionsver¬ 
fahren sowie dem Buchdruck verwandte Druckver¬ 
fahren nicht unbeachtet gelassen hat, geht bereits aus 
einem im sechsten Bande enthaltenen Artikel über 
die Herstellung der Metachromotypien (präparierten 
Abziehbilder) hervor. Als ein besonders wichtiges 
Ereignis wird auch die in die damalige Zeit fallende 
Erfindung der Albertotypie (Photographie- oder Licht¬ 
druck) erwähnt und besprochen. Alberts Verfahren 

war eine der wichtig¬ 
sten Verbesserungen 
der photographischen 
Übertragung, er hatte 
es auch schon vordem 
nicht an Verbesse¬ 
rungen auf dem Ge¬ 
biete fehlen lassen. 
Im Hinblick auf die 
erst Anfang der acht¬ 
ziger Jahre gemachte 
Erfindung der Auto¬ 
typie durch Meisen¬ 
bach ist eine im sech¬ 
sten Bande(1869)des 
Archivs befindliche 
Notiz interessant, in 
der es heißt: Es gibt 
wohl bereits manche 
Methode Photogra¬ 
phien in druckbare 
Platten für Buch-, 
Stein- und Kupfer¬ 
druck umzuwandeln , 
Vollkommenes hat 
aber niemand darin 
geleistet . Daß es 
noch eines reich¬ 
lichen Jahrzehntes 
bedurfte um zum 
Ziele zu kommen, 
das heißt bis zum 
Aufkommen der 
Autotypie, hätte bei 
dem Streben in da¬ 
maliger Zeit kaum 
jemand vermutet. 

16 * 



Abbildung 17. Satzbeispiel. Aus dem VI. Bande (1869) 
des Archivs für Buchdruckerkunst 


123 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


„Seiner Tendenz angemessen“ brachte das Archiv 
auch ausführliche Berichte über Jubiläen hervor¬ 
ragender Druckhäuser. Es verband damit stets die 
eingehende Schilderung der geschichtlichen Entwick¬ 
lung der betreffenden Firma und vermittelte auf diese 
Weise den Berufsgenossen Vorbilder, aus denen sie 
ersehen konnten, wie durch Fleiß, Streben und Weit¬ 
blick aus Kleinem Großes entstehen kann. Einen 
solchen besonders charakteristischen Bericht enthält 
der sechste Band über die Firma Breitkopf & Härtel 
in Leipzig , die im Jahre 1869 auf ein hundertund- 
fünfzigjähriges Bestehen zurückblicken konnte. Der 
Herausgeber des Archivs benutzte den Anlaß, der ge¬ 
nannten Firma einen Beweis seiner Hochachtung zu 
geben durch den Druck eines dem Archiv beigegebenen 
prächtigen Gedenkblattes, das dieser Abhandlung in 
der Originalausführung beizugeben angezeigt er¬ 
schien. Das Blatt enthält oben das Bildnis Bernhard 
Christoph Breitkopfs, unten das Johann Gottlob Im¬ 
manuel Breitkopfs, links das Christoph Gottlob Breit¬ 
kopfs, rechts das Gottfried Christoph Härtels, in der 
Mitte das damals neue Druckereigebäude. 

Die Gründung der bereits früher angeregten und 
weiter oben erwähnten Fachschule für Buchdrucker 
verzeichnet das Archiv im sechsten Bande ebenfalls, 
wobei der großen Verdienste des Buchdruckerei¬ 
besitzers Ackermann-Teubner um das Zustandekom¬ 
men der Schule gedacht wird. Die Leitung der etwa 
120 Schüler aufnehmenden Schule wurde damals dem 
angesehenen Schuldirektor Burkhardt übertragen. 

Recht bemerkenswert und bezeichnend für den da¬ 
maligen Zeitgeist ist es, wenn das Archiv berichtet, 
daß ein der Buchdruckerkunst angehörender Bürger 
der Stadt Leipzig ein Kapi¬ 
tal von 20000 Talern zur 
Einrichtung von Arbeiter¬ 
wohnungen stiftete, damit 
Witwen von Buchdrucker¬ 
und Schriftgießergehilfen 
sowie invalide Gehilfen 
darin billige Unterkunft 
finden können. Leider hat 
das damals gegebene Bei¬ 
spiel in der Folgezeit keine 
Nachahmung gefunden, ob¬ 
gleich es der Bedeutung 
und der Größe der Druck¬ 
stadt Leipzig entsprechen 
würde, wenn nach dieser 
Richtung hin etwas Gro߬ 
zügiges entstanden wäre 
und die zahlreichen Inva¬ 
liden und Witwen des Buch¬ 
gewerbes einer der schwer¬ 
sten Sorgen des Alters, der 
Unterkunft, enthoben sein 


würden. — Ein sich auf die Entwicklungsgeschichte 
des Vereinswesens beziehender, beachtenswerter Be¬ 
richt im sechsten Bande des Archivs ist der über die 
am 15. August 1868 in Mainz erfolgte Gründung eines 
Vereins deutscher und schweizerischer Buchdruckerei¬ 
besitzer mit dem Vorort Leipzig. 

Unter den zahlreichen Biographien hervortretender 
Männer des Buchgewerbes, die das Archiv in seinen 
verschiedenenjahrgängen alter und neuerZeit brachte, 
verdient die im sechsten Bande enthaltene über Alois 
Auer , Ritter von Welsbach ihrer zahlreichen tech¬ 
nischen und historischen Hinweise halber besonders 
hervorgehoben zu werden. Es ist ein eigenartiger Zu¬ 
fall, daß im 36. Bande, Heft 11/12 (1899), also nach fast 
dreißig Jahren nochmals eine umfangreiche Abhand¬ 
lung über Alois Auer erschien, die im Zusammenhang 
mit der obenerwähnten Biographie ein erschöpfendes 
Lebensbild dieses hervortretenden Fachgenossen gibt. 

Die auf den Seiten 117, 122 und 123 gezeigten Satz¬ 
beispiele aus dem sechsten Bande (1869) des Archivs 
sind hervortretende Proben der Art der Schriftan¬ 
ordnung und der Ornamentierung, wie sie mit dem 
damals auf zarte, vornehme Wirkungen zugeschnit¬ 
tenen Schriften- und Ziermaterial allgemein ausgeübt 
wurde. Auf zahlreichen Seiten des Archivs und auf 
Beilagen zu demselben erschienen die von den Formen 
der Merkantil-Lithographie, die den Schnörkel hegte 
und pflegte, stark beeinflußten Schriftengarnituren 
der Schriftgießereien, welch letztere es an Schaffens¬ 
freudigkeit schon zu der Zeit nicht fehlen ließen. Die 
figurenreichen Einfassungen sind Meisterstücke des 
Stempelschnittes, zugleich auch aber Belege aus einer 
Zeit, in der der Geschmack im Buchdruck auf eine 
recht abschüssige Bahn ge¬ 
kommen war. Von allem in 
dieser Zeit mit vieler Mühe 
Geschaffenen ist so gut wie 
nichts auf die Gegenwart 
übergegangen, noch dürfte 
das eine oder andre zu 
späterer Auferstehung be¬ 
rufen sein. Das Bemerkens¬ 
werte an all diesen Erzeug¬ 
nissen bleibt einzig und 
allein die Vollkommenheit 
der technischen Durchfüh¬ 
rung beim Stempelschnitt, 
beim Schriftguß, beim Satz 
und Druck, welch letzterem 
stets ganz besondere Sorg¬ 
falt zugewendet wurde. Daß 
die Beispiele des Archivs 
den Druckereien die Rich¬ 
tung für die Drucksachen- 
Ausstattung angaben, liegt 
klar auf der Hand. 

(Fortsetzung folgt.) 



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i ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE i 

Alte und neue Notentitel 

Von ARTHUR DOBSKY 


r^ l ^ | .“ l j' > !ENN man, besonders in den letzten 
■ j j Jahren, die von einer so starken Pro- 

5 [ paganda für alle Künste erfüllt gewesen 

sind, noch immer gern von einer Ge¬ 
ringschätzung und Hintenansetzung der graphischen 
Künste sprach, so ist diese insonderheit wohl der 
Kunst gegenüber berechtigt gewesen, die als unter¬ 
geordnete Erscheinung in den Dienst irgendeines 
andern Gegenstandes trat. Der Buchgewerbler, der 
Kunsthistoriker und schließlich auch jeder, der über¬ 
haupt künstlerisch empfindet, mag es oft bedauert 
haben, wie wenig manche Erzeugnisse der graphischen 
Künste von der großen Menge beachtet und gewürdigt 
werden. Was auf dem Gebiete des Buch- und Kunst¬ 
gewerbes geleistet wurde, steht groß und gewaltig da 
und ist zur Geschichte geworden. Aber mit der Stei¬ 
gerung ihrer Leistungen hat die Wertschätzung nicht 
unbedingt Schritt gehalten, und noch heute erleben 
wir es tagtäglich, daß eine schön gedruckte Speise¬ 
karte oder ein künstlerisch ausgeführtes Wertpapier, 
jaselbsteinheutesoaktuellgewordenesWertobjektwie 
der Fünfzigpfennigschein von den meisten Menschen 
kaum anders angesehen wird als eben als Mittel 
zum Zweck. Angesichts dieser Erkenntnis mag es 
gewiß gar nicht so sehr verwunderlich erscheinen, 
wenn dem sich historisch beschäftigenden Menschen 
hier und da einmal doch noch Dinge des Kunstgebietes 
begegnen, die kaum als selbständige künstlerische 
Erscheinungen angesehen werden. Mag eine solche 
Entdeckung zunächst etwas sehr Betrübendes an sich 
haben, so wird sie auf der andern Seite doch eine 
Freude mit sich bringen, und das ist die, diesem Gegen¬ 
stände zu der verdienten Würdigung zu verhelfen. 

Das soll denn auch die Absicht der vorliegenden 
Arbeit sein, die versuchen will darzulegen, in welch 
reicher kunst- und kulturgeschichtlich interessanter 
Weise sich die Entwicklung des Notentitels vollzogen 
hat. Was der Notentitel ist, braucht gewiß nicht erst 
gesagt zu werden. Wir wissen, daß er ebenso wie der 
Buchdeckel die Aufgabe hat, die bedruckten Blätter 
eines Musikwerkes zusammenzuhalten und ihnen, 
soweit eben dieser Gedanke mitschwingt, eine äußer¬ 
lich schöne Gestalt zu geben. Während nun die Ge¬ 
schichte des Bucheinbandes längst und in dickleibigen 
Folianten beschrieben ist, hat sich merkwürdigerweise 
um denNotentitel fast noch niemand bekümmert und be¬ 
sonders innerhalb der deutschen Kunstliteratur scheint 
auch noch nie der Versuch hierzu gemacht worden 
zu sein. Auch als Sammelobjekt ist der Notentitel 
nur wenig gewürdigt worden, und wenn es gewiß 
möglich ist, in den Musikbibliotheken unsrer großen 
Städte das ganze, überwältigend reiche Material zu 
finden, daß die Musikliteratur umschließt, so sind 


diese doch nur in vereinzelten Fällen ins Leben ge¬ 
rufen worden, den Notentitel als solchen, das heißt 
als buch- und kunstgewerbliches Erzeugnis zu sam¬ 
meln. Das ist unsers Wissens der Fall gewesen, bei der 
Notentitelsammlung des Buchgewerbemuseums in 
Leipzig, der des Germanischen Museums in Nürn¬ 
berg, in Berlin und der bekannten Privatsammlung 
des Herrn Regierungsrates von zur Westen ebenda. 

Was das Buch dem Leser ist, das sind dem musik¬ 
treibenden Menschen seine Noten. Wie dieser das 
Buch zu Hand nimmt, um damit die Feierstunden aus¬ 
zufüllen, so nimmt auch jener seine Musikalien, um 
sich mit ihnen in das Reich einer schönen, ja der 
schönsten Kunst überhaupt zu versetzen. So mag 
es ganz gewiß nicht fernliegend erscheinen, wenn 
man dem ersten Blatte des Musikstückes in gewissem 
Sinne dieselbe Rolle zuerteilt, wie dem Bucheinband. 
Freilich mag hier der Umstand, daß das Buch oft 
Hunderte von Seiten enthält, das Musikstück sich aber 
in den meisten Fällen, soweit es sich nicht um ganz 
große Werke und besonders Partituren handelt, aus 
wenigen Seiten zusammensetzt, eine gewisse Ein¬ 
schränkung begründen, die zugleich eine Unwichtig¬ 
keit des Notentitels enthält. Anderseits aber will 
uns scheinen, daß doch gerade das Musikstück, das 
noch mehr als wie das Buch in ferne Welten, in 
lichtere Sphären erheben soll, das Anrecht habe, 
schon in seiner äußeren Gestalt begeisternd und 
künstlerisch anregend zu wirken, und daß damit dem 
Notentitel eine durchaus wichtige und tragende Rolle 
zuerteilt sei. 

Daß bezüglich dieser tragenden Rolle aber ein 
fundamentaler Irrtum bestand, darf man gewiß schon 
jetzt ganz ehrlich zugeben, und wenn es eines Be¬ 
weises bedürfte, so sind die vorhin erwähnten Tat¬ 
sachen schon genügend. 

Auch der Verfasser selbst war als zwar musik¬ 
begeisterter doch nicht musikausübender Mensch 
der Meinung, daß diese Notentitel und Bilder, wie 
man sie besonders in Hinsicht auf unsre zeitge¬ 
nössischen Erzeugnisse dieser Art bezeichnen kann, 
einen fast nicht wegzudenkenden Bestandteil des 
Notendruckes bilden und auch als solcher gewertet 
werden müßten. Aber die Beschäftigung mit der 
Materie brachte dann ganz andre, zum Teil sogar 
recht überraschende Ergebnisse zutage, und von diesen 
müssen wir auch ausgehen, um die ganze Entwick¬ 
lung des Notentitels historisch verfolgen zu können. 
Daß die Musiker selbst und die Komponisten, auch 
die ganz großen und berühmten, keineswegs immer 
in einem sehr freundlichen Verhältnis zur bildenden 
Kunst standen, ist eine oft gemachte Wahrnehmung. 
Wir werden hundertmal eher einen Maler finden, der 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


musikliebend ist und auch verschiedene Instrumente 
spielt, als einen Musiker, der sich praktisch oder ge¬ 
schweige denn gar theoretisch mit der bildenden Kunst 
beschäftigt. Einzelne Ausnahmen werden natürlich 
auch hier die Regel bestätigen. Aber diese Ausnahmen 
werden selten genug sein, und wo sie zu finden sind, 
da stellt sich merkwürdigerweise gleich die betrüb¬ 
liche Erscheinung ein, daß der Musiker der bildenden 
Kunst mit einer ziemlichen Hilflosigkeit und einem 
durchaus laienhaften, meist recht bescheidenem Ge¬ 
schmack gegenübersteht. So darf es denn nicht ver¬ 
wundern, wenn die künstlerische Entwicklung des 
Notentitels mit der Entwicklung der Musik und ihrer 
Geschichte gar nichts zu tun hat. 

Die Notwendigkeit, das Musikstück durch ein Titel¬ 
bild einzuleiten, ist zweifelsohne zuallererst von den 
Verlegern empfunden worden. Mag sein, daß hie und 
da auch einem Komponisten es aufgedämmert ist, daß 
sein Musikstück dem Publikum gegenüber gefälliger, 
besser und zum Kaufen verlockender wirke, wenn an 
Stelle der einfachen Schrift und Titelangabe ein künst¬ 
lerischer Schmuck trete; im allgemeinen, glauben wir, 
dürfte das Auftreten des Notentitels als gewichtiger 
und selbständiger Faktor doch auf die Initiative der 
verlegerischen Unternehmer zurückzuführen sein. 
Könnte man sich mit dieser Feststellung zur höheren 
Ehre der Verleger einfach abfinden, so verlockt doch 
das psychologische Moment, das zwischen den Aus¬ 
übenden zweier Künste wirken muß, zu einem kurzen 
Verweilen. Gerade unsre Gegenwart und besonders 
die Entwicklung der modernen Schaubühne hat eine 
Verschmelzung der darstellenden mit der bildenden 
Kunst mit sich gebracht, wie wir sie vordem zu keiner 
Zeit kennen. Der Dekorateur, der Kulissen- und Pro¬ 
spektemaler, sie spielten eine Zeitlang fast eine wich¬ 
tigere Rolle als der Dramatiker oder der Komponist 
und besonders die große Oper und das Ausstattungs¬ 
stück haben der bildenden Kunst ein Arbeitsfeld von 
ungeahnter Weite zugewiesen. Was Ernst Stern in 
Berlin, Bernhard Pankok in Stuttgart geleistet haben, 
ist bekannt geworden. Selbstverständlich aber hat ein 
gewisser Konnex der darstellenden Kunst und damit 
auch der Musik, und hier insbesondere der Oper und 
der bildenden Kunst immer bestanden und wir wissen, 
daß, als im 18. Jahrhundert die italienische und die 
französische Oper den Glanzpunkt ihrer Entwicklung 
erreicht hatten, auch die bildende Kunst nicht schlecht 
wegkam. Man wollte nicht nur hören, man wollte 
auch sehen, und zwar so viel als möglich. Dieser 
Wunsch wird gewiß nicht nur seitens des Publikums 
vorhanden gewesen sein, sondern es ist sicher, daß 
auch die Dichter und Dramatiker und nicht zuletzt die 
Musiker das allergrößte Interesse daran hatten, daß 
ihre Werke mit einem möglichst großen Aufwand von 
Prunk ausgestattet wurden. Manch artiges Histörchen 
bekundet noch heute die Kämpfe, die sich gerade 


deshalb zwischen diesen und den Theatergewaltigen, 
den Direktoren, abgespielt haben. Um so auffälliger 
muß es erscheinen, daß besonders die Musiker, die 
doch bei ihrer Arbeit gewissermaßen auch bildliche 
Vorstellungen vor sich haben müssen, die, wenn sie 
ein Lenzlied komponieren, ein Liebespaar im Walde 
vor sich sehen oder, wenn sie ein Sturmlied vertonen, 
sich den bildlichen Eindruck des vom Sturme ge¬ 
peitschten Meeres vor Augen zaubern, daß sie von 
diesen Eindrücken nicht stärker ergriffen wurden, um 
sie, in feste künstlerische Form gebannt, in den Dienst 
ihrer eigenen Kunst zu stellen. Immerhin hat sich 
im Laufe der Jahrhunderte auch hier eine Wandlung 
vollzogen. Besonders unsre zeitgenössischenMusiker, 
die meist auch ein recht gutes geschäftliches Talent 
in sich tragen, wissen ganz genau, daß, um einmal 
einen vulgären Ausdruck zu gebrauchen, die Ver¬ 
packung die Ware macht, und sie wissen es sehr wohl 
zu schätzen, wenn die Zugkraft ihres Musikstückes 
durch die farbig packende Wirkung des Notentitels 
erhöht wird. Aber bis zu diesen Dingen, die heute 
dem modernen Musikladen ihr Gepräge geben, ist 
eben doch ein langer Weg, der weit zurückführt in 
die Tage, da man noch der guten alten und biederen 
Meinung war, daß jedes Kunstwerk für sich wirken 
und sprechen müsse. Gerade diese freundliche und 
naive Meinung, die vor 400 Jahren gewiß noch weit 
eher ihre Berechtigung gehabt haben mag als heute, 
sie gibt uns vielleicht am allerehesten den Schlüssel 
dazu, warum die Notentitel vergangener Zeiten viel¬ 
fach ganz schlicht und schmucklos durch die Welt 
wanderten und ebenso ihren schönen Zweck erfüllten, 
als die oft an die Grenze des Marktschreierischen 
heranreichenden Erzeugnisse unsrer Tage. 

Wollen wir nun versuchen, in großen Zügen ein 
Bild der Entwicklung des Notentitels und seiner wich¬ 
tigsten Epochen zu geben, so wird dieser Versuch 
natürlich ebenso Stückwerk bleiben müssen, wie alles 
menschliche Werk. Der merkwürdigen Tatsache, daß 
dieses Thema in der deutschen Literatur bisher nicht 
behandelt, ja auch nicht einmal gestreift wurde, steht 
die andre Tatsache gegenüber, daß das Material, das 
sich hier zur ästhetischen und kritischen Behandlung 
darbietet, ein so unerschöpflich reiches ist, daß schon 
der Gedanke einerVollständigkeitwie ein Hirngespinst 
anmuten muß. Was allein die beiden Leipziger Samm¬ 
lungen, die Musikbibliothek Peters und die Samm¬ 
lung Beckers in der Stadtbibliothek in ihren wohl- 
geordneten Schränken bergen, ist überwältigend. Ein 
paar Stichproben aus verschiedenen Epochen ge¬ 
nügen schon, um so recht empfinden zu lassen, welch 
wundervolle Kunstwerke aus dem harmonischen Zu¬ 
sammenwirken zweier Künste entstanden sind, und 
mit innigem Behagen nimmt man jene alten Blätter 
in die Hand, nach deren Noten einst unsre Vorfahren 
die Melodie des Lebens tanzten. Mit immer steigender 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Freude sieht man, wie auf ihnen die Musik zum be¬ 
lebenden Element der Malerei wird und wie umgekehrt 
diese den ganzen Reichtum ihrer Erfindung und Phan¬ 
tasie in den Dienst ihrer Schwesterkunst stellt. 

Naturgemäß mußte die Entfaltung dieses Gedanken¬ 
reichtums starken Schwankungen unterworfen sein, 
die letzten Endes ebenso von den Zeitströmungen 
und Stilrichtungen bestimmt wurden, wie jede andre 
künstlerische Äußerung. Als selbständiges Kunst¬ 
werk ist der Notentitel wohl nie angesehen und ge¬ 
würdigt worden. Er ist kein lexikalischer Begriff, 
findet sich nirgends als Haupttätigkeit irgendeines 
Künstlers verzeichnet und hat somit in der Tat immer 
eine untergeordnete Rolle gespielt. Ob zu Recht, 
das fängt man an zu bezweifeln, wenn man einmal 
einen tiefen Blick in die kunst- und kulturhistorisch 
so interessanten Schätze getan, die allein die beiden 
vorerwähnten Sammlungen enthalten und die sich 
durch die Bestände ähnlicher Sammlungen gewiß ins 
Ungeheure steigern lassen. 

Die Entstehung der ersten künstlerischen Noten¬ 
titel, die wir kennen, fällt zu Beginn des glanzvollsten 
Jahrhunderts, das der deutschen Kunst beschieden 
gewesen ist. Sie steht im Zeichen Albrecht Dürers, 
Holbeins und der vielberühmten Kleinmeister, die in 
Holzschnitten und Kupferstichen eine so unerschöpf¬ 
lich reiche Zeit- und Sittengeschichte niedergeschrie¬ 
ben haben. 

Als fast selbstverständlich muß hier eingeschaltet 
werden, daß auch schon in der Zeit der hochent¬ 
wickelten Buchmalerei des 14. und 15. Jahrhunderts 
künstlerische Notentitel entstanden sein dürften. Ge¬ 
rade die klösterliche Einsamkeit der Mönche, die 
diese für die Prachteinbände mittelalterlicher Schrift¬ 
werke so Wundervolles ersinnen ließ, wird ebenso wie 
auf den Psalterien, den Meß- und Kirchenbüchern 
auf den Musikalien jene kunstvollen Dinge hervor¬ 
gebracht haben, die sich aus Silbertreibarbeit, Metall¬ 
guß, Elfenbeinschnitzerei und Emaillierarbeitergaben. 

Da unsre Betrachtung aber dort einsetzen soll, wo 
an Stelle der kunstvollen Handarbeit, vor der wir heute 
ehrfurchtsvoll stehen, die vervielfältigende Technik 
tritt, so müssen wir uns eben dieser Zeit zuwenden. 

Historische Gerechtigkeit und Sachlichkeit aber be¬ 
dingen, daß wir unsre Betrachtungen da beginnen 
lassen, wo die Wiege des Notendruckes stand und 
von wo aus jene allumwälzende Erfindung ging, die 
gleichlaufend mit der Erfindung der Buchdruckerkunst 
das künftige Schicksal des graphischen Gewerbes ent¬ 
scheiden sollte — also bei Italien. 

Sind sich die Gelehrten über den eigentlichen Er¬ 
finder des Kupferstiches heute noch nicht einig, so 
besteht über den Mann, dem das Glück beschieden 
war, bewegliche Musiknotentypen aus Metall zu er¬ 
finden, ganz gewiß kein Zweifel mehr. In der kleinen 
Stadt Fossombrone im HerzogtumUrbino im Jahre 1466 


geboren, selbst aus dem Buchdruckerstande hervor¬ 
gegangen, war es Ottaviano de Petrucci nach vielen 
und rastlosen Versuchen gelungen, das Geheimnis 
zu lösen, mit dem viele seiner Zeitgenossen sich be¬ 
schäftigt hatten. Wie es fast das Schicksal jedes Er¬ 
finders ist, so ist es auch Petrucci gegangen. Er war 
ein armer Teufel, dem die Ausnützung seiner Er¬ 
findung unmöglich gewesen wäre, wenn er nicht in 
Amadeo Scotto und Nicolo da Raphael zwei Buch¬ 
händler gefunden hätte, denen die epochale Bedeutung 
seiner Erfindung sofort einleuchtete. Mit ihrer mate¬ 
riellen Hilfe und der ihm auf 20 Jahre zugesicherten 
Befugnis, in allen dem Freistaate unterworfenen Län¬ 
dern Tonwerke allein drucken und verkaufen zu 
können, ging Petrucci an die Arbeit und er schuf bis 
zu seinem im Jahre 1539 erfolgten Tode das wunder¬ 
volle Werk, das ihn nicht nur als einen geistreichen 
und epochemachenden Erfinder, sondern auch als 
großen Künstler in seinem Fache kennzeichnet. Der 
verdienstvolle und begeisterte deutsche Biograph 
Petruccis, Anton Schmid, verlegt in seinem 1845 in 
Wien erschienenen Werke über den ersten Noten¬ 
drucker das Erscheinen des ersten Druckwerkes aus 
der Petruccischen Offizin in das Jahr 1502. 

Spätere Forscher haben das Jahr 1501 festgestellt. 
Wir müssen uns daran halten, daß ein schönes Musik¬ 
werk aus seiner Werkstatt und zwar eine Sammlung 
von 100 Gesängen mit der Jahreszahl 1501 versehen 
ist. Aber nicht dies ist für uns das wesentliche, son¬ 
dern die erfreuliche Feststellung, daß schon dieses 
allererste Werk mit einem überaus reizvollen und 
künstlerisch bedeutsamen Titel versehen ist, der ein¬ 
dringlich bekundet, daß Petrucci sich der Wichtig¬ 
keit einer künstlerischen Ausstattung seiner Musik¬ 
noten wohlbewußt war. Der Titel dieser 100 Gesänge 
ist: Harmonicae Musices Odhecaton. Die kleine Ab¬ 
bildung nach dem Exemplar in der Bibliothek Liceo 
Musicale in Bologna löst nun gewiß nicht gerade er¬ 
schütternde Eindrücke künstlerischer Bedeutsamkeit 
aus, immerhin ist der Titel in seiner Verschmelzung 
antiker und zeitgenössischer Formen interessant ge¬ 
nug und typisch für die Kunstanschauung der Zeit. 
Die verschiedenen Bücher des Werkes sind durch 
große, überaus reichverzierte gotische Buchstaben 
gekennzeichnet, die denn auch weiterhin oft genug 
als genügend angesehen werden, den Titel von dem 
übrigen Inhalt zu. trennen. 

Auch Petrucci hat sich später bei vielen seiner Ver- 
lagswerkedamitgenugseinlassen, kalligraphischreich¬ 
verzierten Buchstaben die künstlerisch schmückende 
Rolle zuzuerteilen, doch findet Schmid mehr als ein¬ 
mal noch Gelegenheit, die hierüber hinausgehende 
künstlerische Ausgestaltung der Notentitel seines 
Meisters zu loben. Besonders die Zeit von 1513 bis 
1523, in der Petrucci in seiner Vaterstadt Fossom¬ 
brone lebte und wirkte, ist hier an Ausbeute sehr 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


reich. Schon allein die Vervollkommnung seiner Er¬ 
findung, dazu das Auftreten andrer Drucker, die nun 
mit ihm wetteiferten, ließen Petrucci nicht müde 
werde, das Beste und Höchste zu leisten, um die Ge¬ 
wißheit zu haben, daß die Schönheit und Klarheit 
seiner Notendrücke nach jeder Richtung hin un¬ 
übertroffen blieb. Aber die Versuche, es ihm gleich¬ 
zutun, blieben nicht aus, und, um einen etwas zeit¬ 
gemäßeren Ausdruck zu gebrauchen, um Konkurrenz 
war Petrucci nicht verlegen. Es kann nun im Sinne 
des uns gestellten Themas keineswegs die Aufgabe 
sein, all das zu verfolgen, was dieses in den ver¬ 
schiedensten Persönlichkeiten erwachte Streben an 
Erzeugnissen der Notendruckkunst gezeitigt hat, und 
wir müssen uns darauf beschränken, dort haltzu¬ 
machen, wo neben der musikalisch-typographischen 
auch die künstlerische Bedeutung der äußeren Ge¬ 
stalt des Musikwerkes reizvoll genug ist. Das trifft, 
um entwicklungsgeschichtlich zunächst bei den Zeit¬ 
genossen PetruccisundseinenNachfolgern zu bleiben, 
auf die Werke Andreas de Antiquo da Montone ztf, 
dervom Papst selbst die Erlaubnis erhielt, ein Messen¬ 
werk in Regal-Folio drucken zu dürfen. Der Titel 
dieses 1516 erschienenen Werkes ist, wie es scheint, 
eine Art Dank und Huldigung für den Papst. Ist es 
der Komponist der Messen, ist es vielleicht der Drucker 
selbst, jedenfalls zeigt der Hauptteil des Titelblattes 
einen Mann, der sich kniend dem Papste naht und 
ihm ein Musikstück darreicht. Oberhalb des Bildes 
befindet sich die lateinische Widmung, unterhalb das 
Stadtwappen. Die seitlichen Ränder sind mit üppigen 
Renaissanceleisten verziert. Jedenfalls ersieht man 
auch aus diesem nunmehr 400 Jahre alten Noten¬ 
titel, daß der Sinn dafür, das Musikwerk gleichzeitig 
zum Gegenstand künstlerischer Ausübung zu machen, 
zum vollen Bewußtsein erwacht war. Wie weit 
hier die Komponisten mitbestimmend eingegriffen 
haben, wird natürlich dokumentarisch niemals nach¬ 
zuweisen sein. Doch will uns immer wieder die An¬ 
nahme gerechtfertigt erscheinen, daß es vornehmlich 
die Drucker selbst gewesen sind, die den Anstoß ge¬ 
geben haben, daß sich der typographisch vollendeten 
Ausstattung der Musikwerke auch eine künstlerische 
anschloß. Petrucci dürfte, nachdem die verschieden¬ 
sten Musiknotendrucker auf dem Plan erschienen, 
die Lust an seiner Kunst verloren haben. Jedenfalls 
sind nach dem Jahre 1523 die Spuren seiner Tätig¬ 
keit auf diesem Gebiete ganz verwischt und man nimmt 
an, daß er sich wieder dem Buchdruck zugewandt 
hat. Für unsre Forschung liefert nun zunächst Fran¬ 
cesco Marcolini neuen Stoff. Marcolini, der Schrift¬ 
steller, Formschneider und Baumeister, also ein sehr 
vielseitiger Herr war, versuchte sich auch als Drucker, 
und in der Tat erhielt er auch von der Republik 
Venedig die Erlaubnis hierzu. Der einzige von ihm be¬ 
kannte Notendruck ist eine Lautenmusik, deren Cha¬ 


rakter nach dem in der Hof bibliothek inWien erhaltenen 
Exemplar auf dem Titel durch die Darstellung zweier 
Männer angedeutet ist, die einem Lautenspieler zu¬ 
hören. Im Vordergrund weist eine Buchdruckhand¬ 
presse darauf hin, daß bei Francesco Marcolini auch 
Bücher gedruckt wurden. Von wem der Entwurf zu 
dem Titelbilde stammt, ist leider nicht genannt. Wir 
kommen mitdieserbetrüblichen Feststellungaufeinen 
Umstand zu sprechen, der der kritisch-ästhetischen 
wie auch entwicklungsgeschichtlichen Einwertung der 
Notentitel mehr als einmal hindernd im Wege steht. 
Im allgemeinen muß es den Künstlern jener Zeit, die 
zur Schmückung der Notentitel herangezogen wurden, 
eben nicht sonderlich wichtig gewesen sein, ihre 
Namen zu nennen. Wenn man schon hie und da ver¬ 
sucht sein möchte, recht große Künstler hinter diesen 
scheinbar so wenig geschätzten Werken zu vermuten, 
so muß man sich anderseits damit begnügen zu sagen, 
daß das Buchgewerbe jener Tage eben auf einem sehr 
hohen Stande angelangt sein mußte. Hierfür sprechen 
nicht allein die von reicher Erfindung und blühender 
Phantastik erfüllten bildlichen Darstellungen, son¬ 
dern vor allem auch die typographischen Anordnungen, 
die verschwenderisch reiche Verwendung schön ver¬ 
zierter Initialen, üppiger Ornamente und schwung- 
vollerLinien, die sich oft ohne eigentliche Bildbeigabe 
schon zu einem vollkommen bildmäßig wirkenden 
Ganzen verdichteten. Aber gerade diese hochent¬ 
wickelte buch- und kunstgewerbliche Betätigung läßt 
es so bedauerlich erscheinen, daß wir entgegen unsrer 
Zeit, die auf den Namen des Künstlers oft größeren 
Wert legt, als aufseine Leistung, hier mit einer Kunst 
der Namenlosen zu tun haben. Fast auf keinem der 
Notentitel der hinter uns und vor uns liegenden 
Zeit ist der Name des Künstlers genannt, und erst 
im 17. Jahrhundert erfahren wir öfters als bisher, 
daß der oder jener der Erfinder der Zeichnung und 
der oder jener der Ausführende war. Auch die Kom¬ 
ponisten selbst kommen mit ihrem Namen innerhalb 
des Notentitels meistenteils in verhältnismäßig be¬ 
scheidener Weise zur Geltung. Der Schwerpunkt war 
meist der Drucker selbst,und sein Name, seine Firma, 
sein Wappen nimmt in üppig reicher Ausstattung 
manchmal mehr Raum ein als alles übrige. 

Insbesondere sind es die Widmungen und Ergeben¬ 
heitsadressen der Verleger an Fürsten oder Behör¬ 
den, denen sie ihr Druckprivileg verdanken, die ihrem 
künstlerischen Sinn und Geschmack Gelegenheit zu 
unbeschränkter Entfaltung gaben. Schwungvolle Titel 
mit schwülstigen Inschriften, für unsre heutige Emp¬ 
findung meist allzusehr im Byzantinismus erstarrend, 
machen das Publikum damit bekannt, wem das Werk 
zugeeignet ist, und eröffnen damit nicht selten Ein¬ 
blicke in das politische und kulturelle Leben der Zeit. 
Daß eine starke Belebung oder Befruchtung der bil¬ 
denden Kunst durch die Musik mitgesprochen habe, 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


daß, wie man es sich selbst gern einreden möchte, 
die Leute, die für die Notendrucker arbeiteten, be¬ 
geistert und hingerissen von den Klängen der Musik 
sich in derenWelten versetzt und ihre ganze Phantasie 
mobil gemacht hätten, kann man, wenigstens bei den 
Notentiteln des ersten Jahrhunderts seit Petruccis 
Erfindung, kaum behaupten. Meist nähren sich die 
Künstler von den Stoffen und Vorwürfen der Antike: 
mythologische Gestalten deuten daraufhin, daß man 
sich dem Reiche der Musik nähert; oft auchgenügen 
nur flüchtige allegorische Andeutungen, ein paar Ge¬ 
nien, eine Vignette oder ein Ornament, um die Ab¬ 
sicht des Druckers zu unterstreichen, seinem Druck¬ 
werke eine äußerlich sinnfällig geschmückte Gestalt 
zu geben. Der Notentitel hatte ja die gleiche Aufgabe 
zu erfüllen wie der Bucheinband: er sollte eine Ein¬ 
leitung und Vorbereitung auf das sein, was man zu er¬ 
warten hatte. So darf es nicht wundern, wenn gerade 
zu der Zeit Petruccis der Notentitel sich vielfach an 
den Buchdeckel anlehnt und seine äußeren Kenn¬ 
zeichen übernimmt. Der Zeitgeschmack wies auf die 
dem Orient entnommenen Formen hin. Das Wolken¬ 
band, die Maureske, reich verschlungenes Band- und 
Knotenwerk, mit Früchten und Blumen ausgefüllte 
Felder, sie gaben im wesentlichen dem ganzen Satz¬ 
spiegel ihr künstlerisches Gepräge. Dazu kamen dann, 
wie schon bemerkt, die Wappen der Drucker, kamen 
prunkvoll verzierte Monogramme, die man mühsam 
oft aus dem überwuchernden Blatt- und Rankenwerk 
heraussuchen mußte. 

Aber mit einiger Mühe stößt man doch immer wieder 
auf Notentitel, auf denen es deutlich sichtbar wird, daß 
die bildende Kunst auch im Dienst der Musik ihre 
eigenen Wege als freie Muse zu gehen bestrebt war, 
um kongenial mit ihr in Wettbewerb zu treten. Stand 
auf der einen Seite der künstlerische Schmuck in allzu 
bescheidenerWeise im Hintergrund, so wuchs er sich 
auf der andern zu einer anspruchsvollen Üppigkeit aus. 
Einige typische Beispiele hierfür bilden die Werke des 
Druckers Antonio Gardane, mit dessen Auftreten im 
Jahre 1537 Anton Schmid etwa die Blütezeit des ita¬ 
lienischen Musikverlages bezeichnet wissen möchte. 
Ohne Zweifel ist Gardane einer der erfolgreichsten 
Musikverleger gewesen, der mit dem Pfunde zu 
wuchern verstand, das Petrucci hinterlassen hatte. 
Eine für uns besonders beachtenswerte Leistung seiner 
Offizin ist der in fünf Bänden erschienene Novus The¬ 
saurus Musicus, der, in großem Quartformat überaus 
schön gedruckt, dem Kaiser Maximilian II. zugeeignet 
war. Ohne uns leider selbst auf die bildliche Anschau¬ 
ung stützen zu können,gibt die Beschreibung Schmids 
Vorstellung genug, wie prunkvoll der auf fünf Blätter 
verteilte Notentitel dieses Werkes gewesen sein muß. 
1. Die Zueignung des Sammlers an den Kaiser Maxi¬ 
milian. 2. Zwei Carmina Jo. Ploverrii ad Lectorem 
und ad Librum. 3. Das Bildnis Kaiser Ferdinand I. in 


Medaillonform mit einer Unterschrift. 4. Ein lateini¬ 
sches Trauergedicht auf denselben Kaiser mit einem 
Epitaph. 5. Das kaiserliche, oben und unten mit Ver¬ 
sen versehene Wappen in Medaillonform mit der 
den Titel Kaiser Maximilians enthaltenden Umschrift. 
6. Ein Carmen an denselben Kaiser. 7. Das ebenfalls 
oben und unten mit Versen versehene Wappen des 
Erzherzogs Ferdinand. 8. Ein Carmen auf denselben 
Erzherzog und darunter als verzierende Vignette eine 
Gruppe von Früchten. 9. Das oben und unten mit 
Versen bekränzte Wappen des Erzherzogs Karl, und 
endlich 10. ein Carmen auf denselben Erzherzog. Mag 
man nun gern und ohne weiteres den Worten des 
Petrucci-Biographen glauben, daß dieses Werk ein 
wahres Prachtwerk gewesen sein muß, so darf man 
doch gewiß auch ein starkes Mitschwingen rein ge¬ 
schäftlich praktischer Erwägungen bei der Ausstattung 
desselben annehmen. Aber auch abgesehen von die¬ 
ser drucktechnisch wie künstlerisch hochbedeutsamen 
Leistung hat Gardane noch vielerlei hervorragende 
Werke herausgegeben, die gerade dafür, daß er die 
Kunst als werterhöhend in den Dienst seiner musika¬ 
lisch-typographischen Erzeugnisse stellte, treffliche 
Beweise bilden. Doch auch den andern Verlegern und 
Druckern, die in immer größerer Anzahl auf dem Plan 
erschienen und die musikalischen Erzeugnisse zum 
Gemeingut des Volkes machen halfen, tauchte die Er¬ 
kenntnis von der Wichtigkeit, diesen eine äußerlich 
gefällige, ansprechende Form zu geben, immer mehr 
und mehr auf und es hieße Listen von Verlegernamen 
anfüllen, die in diesem Sinne ihre Beiträge zur Ent¬ 
wicklungsgeschichte des Notendruckes und damit des 
Notentitels geliefert haben. 

Innerhalb ihrer Kunstepoche betrachtet, bewegten 
diese sich naturgemäß immer in den durch den Stil 
der Zeit vorgeschriebenen Bahnen. Die Renaissance 
stand in ihrer höchsten Blüte. Der Glanz der Gro߬ 
meister der Malerei schwebte noch über allem, was 
Kunst hieß, was Wunder, daß in den Schatten der 
großen Ahnen der hohen Kunst auch die angewandten 
oder niederen Künste, wie man Buch- und Kunst¬ 
gewerbe nannte, gedeihen mußten. Kupferstich und 
Holzschnitt beherrschten das künstlerische Leben, 
und beide waren ja gewissermaßen prädestiniert, dem 
Notentitel den Schmuck zu verleihen, den er brauchte. 
Wir finden denn auch beide Techniken reichlich an¬ 
gewendet, und bei besonders kostbaren Titeln, die, 
wie der vorerwähnte von Gardane, aus mehreren Blät¬ 
tern bestanden, teilten sie sich sogar in die Aufgabe, 
das heißt, das Bild selbst wurde meist in Holz ge¬ 
schnitten, während die Verzierungen, die Ranken und 
Blumenkelche, die Bandverschlingungen in dem hier¬ 
für besser geeigneten Kupferstich ausgeführt waren. 

Verfolgt man die Entwicklung des Notentitels als 
selbständiges künstlerisches Objekt weiter, so wird 
man sehen, daß sich diese in fast allen Ländern in 

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gleich sprunghafter Weise vollzieht. Während der 
Buchschmuck schon um 1510 den Anlauf zur höchsten 
Blüte nimmt, ist der Notentitel trotz der glänzenden 
Anfangsleistungen Petruccis doch noch immer eine 
Nebensächlichkeit. Wie die meisten Notendrucker in 
Italien, so begnügen sich auch die andrer Länder zu¬ 
nächst in der Hauptsache mit der Verzierung des 
Notentitels durch Ornamente, reich geschmückte Ini¬ 
tialen, Signete und Wappen, die die Einförmigkeit des 
Blattspiegels unterbrechen. Das künstlerische ge¬ 
schmückte Buch war besser daran, es war Begriff, war 
sogar Sammelobjekt zeitgenössischer Bibliophilen ge¬ 
worden. Hier konnte sich die blühende Phantastik der 
Künstler, die fast alle unter dem Einfluß des Gro߬ 
meisters der deutschen Renaissance standen, zu reifer 
Frucht entfalten und die Prunkliebe der Fürsten, der 
Sammler kam ihnen willig und gern entgegen. 

Aber die Notwendigkeit, auch den Notentitel künst¬ 
lerisch auszustatten, dringt doch immer mehr durch, 
und es ist wohl mehr als Vermutung, wenn man an¬ 
nimmt, daß gar manche der berühmten Buchschmuck¬ 
künstler auch in den Dienst der Notendrucker ge¬ 
treten sind. In Frankreich waren es, um nur die 
wichtigsten zu nennen, Pierre Hautin, Guillaume le 
B£, die Gebrüder Godefroy und besonders die Familie 
Ballard, die neben der Vervollkommnung des Noten¬ 
druckesais solchen auch seine künstlerische Belebung 
kultivierten. Die Ballards haben beinah zwei Jahr¬ 
hunderte lang eine Art Monopol des Notendruckes in 
ihrem Lande ausgeübt, so daß es kein Wunder ist, 
wenn von den Erzeugnissen ihrer Offizin auch eine 
Art Stilrichtung für das Äußere des Notentitels aus¬ 
ging. Auch in Lyon hatten sich bedeutende Noten¬ 
druckerniedergelassen, und besondersvon hier kamen 
Werke, die in generöser Verwendung spätgotischer 
Formen schon im Notentitel etwas von der Klangfülle 
ihrer Kompositionen ahnen ließen. Ein interessantes 
BeispielfüreinenausLyonstammendenTitel frühester 
Zeit haben wir in dem zu der Intabulatura von Valeptin 
Greff Bakfark, einem österreichischen Musiker, vor 
uns. Der Notendruck ist 1552 erschienen und zeigt 
im Titel den Künstler selbst, der hinter einem Tische 
sitzend die Laute spielt. Rechts und links verzieren 
zwei Wappen den Raum. Der Kupferstich ist von 
dem Künstler, der ihn geschaffen, gezeichnet. Leider 
aber ist in dem kleinen Faksimile der Name nicht zu 
erkennen. Im allgemeinen, das ist eine auffallende 
Erscheinung, steht der künstlerische Schmuck kaum 
in einem fühlbaren inneren Zusammenhang mit dem 
Musikwerk, d. h. er bemüht sich nur selten, auf den 
geistigen Gehaltder Komposition einzugehen oder ihn 
anzudeuten. AuchdieWerkederberühmtesten nieder¬ 
ländischen Notendruckerei Plantin in Antwerpen 
tragen dieselbe Eigenschaft. Plantin hatte wohl als 
ersterden Gedanken, den später große Musikalien¬ 
drucker aufgegriffen haben, und der dahin ging, durch 


einen Kollektivtitel den Werken seiner Druckerei 
ein möglichst einheitliches, immer wiederkehrendes 
Äußere zu geben, wie es heute etwa die Edition 
Schott, Steingräber, Breitkopf und andere haben. 
Sein Druckerzeichen: ein Zirkel, den eine aus den 
Wolken ragende Hand leitet, und sein Wahlspruch 
Labore et Constantia bilden den Hauptschmuck. Hier 
und da treten allegorische Figuren dazu oder die 
Bilder von Fürsten, denen die Werke gewidmet sind, 
erhöhen den künstlerischen Eindruck. In England, 
Spanien und Portugal ist man zunächst hinsichtlich 
der Ausstattung der Notendrücke noch bescheidener 
und beschränkt sich fast ganz auf das mit Emblemen 
umgebene Druckerzeichen, auf verzierte Initialen und 
heraldischen Schmuck. 

Daß in der Qualität des Notendruckes einerseits 
und der künstlerischen Ausstattung anderseits Italien 
durch das ganze 16. Jahrhundert hindurch bis in das 
17. hinein die Führung behielt, ist fast eine entwick¬ 
lungsgeschichtliche Selbstverständlichkeit. Allein die 
Musikgeschichte dieses Landes ist während der gan¬ 
zen Dauer des 17. Jahrhunderts an überragenden Er¬ 
scheinungen so reich, daß eine Steigerung der hand¬ 
werklichen und künstlerischen Kräfte, die für sie 
arbeiteten, die logische Folge sein mußte. Die enorme 
Absatzerweiterung, die Petruccis Erfindung für das 
gedruckte Notenwerk im Gefolge hatte, mußte die 
typographische Betriebsamkeit außerordentlich be¬ 
flügeln. Überall tauchten wandernde und festdomili- 
zierte Werkstätten auf, das Geschäft blühte und mit 
Riesenschritten näherte sich der Notentitel der Zeit, 
in der er zum Massenartikel wurde und damit an künst¬ 
lerischer Eigenart und Bedeutung verlor. 

Einer der schönsten Titel, der etwa den Ausgangs¬ 
und Höhepunkt der italienischen Notendruckerei des 
16. Jahrhunderts kennzeichnet, stammt aus dem Jahre 
1568 (Abbildung 1). Er ist in Holz geschnitten und 
in Rom gedruckt. Im Mittelfelde sehen wir die Be¬ 
gegnungderbeiden Marien, denen zwei Putten Musik¬ 
stücke darreichen. Auf den dreigeteilten oberen und 
unteren Randflächen spielt sich ein buntbewegtes 
Leben ab, durch das wir die heiteren Klänge der Musik 
zu vernehmen meinen. Die rechts- und linksseitigen 
Ränder sind ausgefüllt mit Emblemen von allen mög¬ 
lichen Instrumenten, die an Bändern hängend einen 
musikalischen Vielklang von unerhörten Dimensionen 
^ergeben müssen. Auch die Schlußseite dieses Werkes 
ist künstlerisch hervorragend und läßt ungern Ab¬ 
schied von dieser Zeit nehmen, die ein so impo¬ 
santes Kapitel innerhalb der Geschichte des Noten¬ 
druckes bildet. 

Wie in diesem außerordentlich schönen Notentitel 
sehen wir auch in der Folge das architektonische Ge¬ 
bilde sehr gern als Vorwurf verwendet. Portiken, Epi¬ 
taphien undNischen,gelegentlich auchTriumphbögen 
geben den Buchgewerblern Gelegenheit, auch in ihrer 


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Canttcnm aö. Mariae Mirginis 
ago:2intmiiccia^rbi0 aöaft- 


licae ©. ifsetn ßSagiftro 
ad crnince niodoe 
factutti, 


Abbildung 1. Titel zu einem im Jahre 1568 in Rom gedruckten Werke von B. Animuccia 


Original fro-m 

PRtNCETON UNtVERSITY 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Kleinkunst einen großartigen Dekorationsstil zu kul¬ 
tivieren. Daß dieser immer eigener Erfindung war, ist 
schwerlich anzunehmen. Man borgte bewußt oder un- 
bewußtvoneinander,lehnte sichanberühmteVorbilder 
an und versuchte nur durch Hinzufügen der Schrift 
oder andrer Bestandteile den Arbeiten einen origina¬ 
len Charakter zu geben. 

Wollen wir, um seinem hervorragenden Anteil an 
der Entwicklung des Notendruckes und dessen Aus¬ 
gestaltung vollauf gerecht zu werden und es gewisser¬ 
maßen als den Ausklang unsrer Arbeit betrachten zu 
können, Deutschland zunächst noch unberücksichtigt 
lassen, so ergibt sich von selbst, daß Italien wieder 
den meisten Stoff zur Betrachtung bietet. Der Glanz 
Italiens als Land der Maler und Bildhauer war im Er¬ 
bleichen. Dafür aber ward ihm Ersatz durch seine 
Musik. Daß mit dem Auftreten seiner genialen Ton¬ 
setzer auch unbedingt das Auftreten von Künstlern 
verbunden sein mußte, die kongenial deren Werke 
vervielfältigten, war keine Notwendigkeit. Aber die 
Produktion ging ins Ungeheure; der Geschmack ver¬ 
flachte. An sich, das läßt sich nicht leugnen, bekam 
der Notentitel ein reicheres, vielgestaltigeres Ge¬ 
sicht. Wo erst nur Ornamente und Ranken und 
schwungvolle Bordüren gestanden hatten, da mußten 
jetzt bildliche Darstellungen in Aktion treten. Wohl 
fand das barocke Ornament mit seiner ganzen, oft 
unklaren Üppigkeit viel zu tun vor. Aber das ge¬ 
nügte nicht mehr, und besonders die profane Musik 
mußte andre Mittel anwenden, um die Aufmerksam¬ 
keit des Publikums schon durch die äußere Gestalt 
zu erregen. So kam ein ganz andres Element in die 
Künstler, die für die Druckereien arbeiteten. Vor allem 
die Antike lieferte willkommene Ausbeute. DieMytho- 
logie mußte herhalten und sämtliche Götter des Parnaß 
traten auf den Plan. Besonders die Oper entwickelte 
sich in diesem Sinne höchst anspruchsvoll. Ein Ab¬ 
glanz ihrer Pracht mußte schon im Musikstück zum 
Ausdruck kommen. Und mit der ganzen Entfaltung 
ihrer Erfindungsgabe gingen die Künstler daran, in der 
ihnen eingeräumten Freiheit zu schwelgen. Daß sie 
Besseres und Wertvolleres geleistet hätten als ihre 
Vorgänger, kann man nicht unbedingt behaupten. Sü߬ 
lich im Sujet, oft mangelhaft in der Zeichnung konnten 
diese Dinge in der Hauptsache nur für den Publikums¬ 
geschmack sein. Vielleicht vollzog sich schon damals 
derselbe Vorgang, der unserm Jahrhundert das Signum 
gibt. Die Masse und der Massengeschmack waren 
Trumpf. Aber es wäre ungerecht, zu verkennen, das 
vieles Schöne und Beachtenswerte geschaffen wurde. 

Den ersten Versuch, dem überreichen Material das 
Wichtigste zu entlocken, hat J. Grand-Carteret in dem 
Werke Rivista Musicale Italiana gemacht. Unter dem 
Titel Les titres illusträs et l’image aux Service de la 
musique gibt er eine Darstellung, die sich von 1500 
bis 1830 erstreckt. Für das 16. Jahrhundert scheint 


er weniger Interesse gehabt zu haben, deshalb haben 
wir uns auch nicht so sehr an seine Ausführungen 
angelehnt. Die Entwicklung während des 17. Jahr¬ 
hunderts weiß er beredsam und mit vielen charak¬ 
teristischen Bildbeispielen eindrucksvoll zu schildern. 
Das wesentliche Kennzeichen ist: der Notentitel ver¬ 
liert mehr den kunstgewerblichen Charakter, er wird 
zum selbständigen Bildwerk; an Stelle der bisher nur 
dekorativen trittjetztdie illustrative Aufgabe. Während 
bisher der eigentliche Titel der Komposition dominie¬ 
rend im Vordergründe gestanden und die Ornamente 
und sonstigen Schmuckstücke von sekundärer Bedeu¬ 
tung waren, trat jetzt das Bild seine beherrschende 
oder zum mindesten sehr anspruchsvolle Rolle an. Die 
Technik des Holzschnittes schien den meisten Künst¬ 
lern nicht mehr zu behagen. Der Kupferstich, beweg¬ 
licher und den Intentionen des Ausführenden nach¬ 
giebiger, war geeigneter, den bildlichen Darstellungen 
die gewünschte Lebendigkeit einzuhauchen und den 
illustrativen Charakter zu betonen. Besonders die 
Opern Giovanni Battista de Lullys, der, in Florenz 
geboren, Hofkomponist Ludwigs XIV. wurde, ver¬ 
langten förmlich nach einer Kunst, die in gewissem 
Sinne sich mit der Plakatkunst unsrer Tage berührte. 
Der Sinn des WortesReklame wird auch in dieser alten 
guten Zeit nichtunbekannt gewesen sein. DieseNoten- 
titel riechen gewissermaßen danach. Zum ersten Male 
erschienen ganze Szenen aufdenNotentiteln.DieWerke 
Le Temple de la Paix, der Rasende Roland, Atys, dann 
verschiedene von Lully vertonte Lustspiele Molifcres 
waren so recht geeignet, die Probe auf das Exempel 
zu machen. Und sie wurde bestanden. Die Künstler, 
wir erfahren sogar ihre Namen, hatten das Richtige 
getroffen und durften teilnehmen an dem Erfolg. Der 
Titel zum Rasenden Roland, er ist von J. Dolinar ent¬ 
worfen und von L. Berin gestochen, zeigt eine ganze 
Bühnenszene mit der Pracht und Üppigkeit, die das 
Kriterium der großen italienischen und französischen 
Oper bildet. Noch mehr ist dies bei dem Titel zu Lullys 
Atys (Abbildung 2) der Fall. Von F. Chaveau ge¬ 
zeichnet und L. Lalouette gestochen, ist dieser äußer¬ 
lich ohne Zweifel sehr bestrickende Titel ein Schul¬ 
beispiel dafür, wie weit man den Pomp der Bühne 
mit ihrer kostümlichen Prachtentfaltung und all den 
stimmungerhöhendenRequisitenaufdasNotenwerkzu 
übertragen bereitwar. Wenn man will, kannman sagen, 
daß gallischer Esprit dahintersteckt. Wenn nicht, kann 
man die künstlerische Bedeutung dieser Werke um ein 
Wesentliches reduzieren. Eines aber war sicher: die 
Renaissance hatte ihre die Welt beherrschende Rolle 
ausgespielt. Fischer von Erlach, der größte deutsche 
Meister der Barockbaukunst, hatte die prunkvollen 
Formen des neuen Stiles nach Wien verpflanzt, die 
deutschen Künstler aber zogen nach Rom, weil sie 
meinten, daß es sein mußte. Rom, Italien ist es, das 
der Welt wiederum ein neues künstlerisches Gewand 

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PRINCETON UNIVERSITY 


Abbildung? Abbildung 6 




























ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


die die französische Herrschaft über ganz Europa 
ausgebreitet hatte. Weiß und Gold waren die farbigen 
Grundakkorde, leichtbeschwingte Zierformen aus 
Muschel- und Knorpelwerk, deren Anmut und Grazie 
mehr zum Tanzen als wie zum Gehen oder Sitzen 
reizten, ihr belebendes Element, das die regellose 
Ornamentik des Barock noch bei weitem übertreffen 
sollte. Wo einst der schweigsame Ernst gotischer 
Spitzbogen zum Himmel gestrebt, da suchte jetzt 
ein wild durcheinander quirlender Formschatz eine 
neue, lustigere Welt zu schaffen. Mochte J. J. Winckel- 
mann von Rom aus noch so sehr für den goüt antique 
Propaganda machen, die Menschen, die in ihren 
Fürsten ein leuchtendes Vorbild für leichtlebige 
Sitten und Gebräuche sahen, fanden am Reifrock 
und an der Allongeperücke mehr Gefallen als an 
der stolzen Schönheit der griechischen Tempelbau¬ 
ten. Eines Beweises, daß auch die Kunst, das Kunst¬ 
gewerbe, der Buchschmuck und damit auch der Noten¬ 
druck begeistert den Bahnen der neu entdeckten 
Schönheit folgte, bedarf es wahrlich nicht mehr. 
Gerade Deutschland ist ja reich genug an dieser 
urfranzösischen Kunst, und wenn auch heute, inmitten 
des Weltkrieges, des großen Preußenkönigs oft mit 
lauterBe wunder ung gedacht wird,weil man in ihm mehr 
denn je ein leuchtendes Vorbild für den ersten Diener 
des Staates erblickte, daß er mit gar so großer Be¬ 
reitwilligkeit und Vorliebe französische Kultur, franzö¬ 
sischen Geschmack nach Deutschland verpflanzte, 
will man ihm nie recht verzeihen. Zu unsern Noten¬ 
titeln zurückkehrend, müssen wir schon gestehen, daß 
gerade das 18. Jahrhundert den Künstlern zur Ent¬ 
faltung reiche Gelegenheit gab. In Deutschland, auf 
das wir später eingehen, steigen Sterne wie Josef 
Haydn, Händel und Gluck am Musikhimmel auf. Von 
Italien aus nehmen Cherubini und Spontini den Weg 
nach Frankreich, um von hier aus die Welt mit ihrem 
Ruhm zu erfüllen. Aber der vorwiegend kirchlichen 
Gedankenwelt, der die Musik des 16. Jahrhunderts 
ihre herrlichsten Töne lieh, hat sich mehr denn je 
zuvor der weltliche Gesang angeschlossen. Die musi¬ 
kalische Produktion als solche ist ins Ungeheure ge¬ 
stiegen, die Notendrucker arbeiten schon längst nicht 
mehr mit der künstlerischen Bedächtigkeit, mit der 
einst die Leute um Petrucci an ihren Druckpressen 
gestanden. Um stoffliche Anregungen sind die Künst¬ 
ler, die den Notentitel zu schmücken haben, nicht 
verlegen. Je mehr Handlung, je mehr Personen die 
Klangfülle des musikalischen Werkes erhöhen, um so 
mehr muß auch der Notentitel darauf schon hinweisen. 
So darf es nicht verwunderlich erscheinen, wenn wir 
auf einer Sammlung französischer Soldatenlieder auch 
eine ganze Kompanie Soldaten sehen, die sich zwi¬ 
schen Geschützen und Gewehren und Pauken und 
Trompeten hindurchwindet. Aber der Titel ist bei 
aller Überladung mit gegenständlichem Inhalt künst¬ 


lerisch noch durchaus einwandfrei und er läßt den 
Schluß zu, daß er von einem recht tüchtigen Meister 
des Faches sein muß. Sehr hübsch ist auch ein solcher 
zu dem Werke Trois Quatuors von Giornovichi, auf 
dem zwei junge Elegants in einer weiten Halle Violine 
spielen. Der Aktionsradius des Notendruckers und 
Verlegers ist eben um wesentliches erweitert. Der 
Geschmack des Publikums ist mehr auf eine sinn¬ 
fälligere Wirkung eingestellt und so konnte man der 
Phantasie freiesten Spielraum lassen. Der Titel zu 
Spontinis„Sensations“ (Abbildung4) darf etwa als klas¬ 
sisches Beispiel gelten. In diesem Sinn eine unendlich 
große Zahl von Notentiteln namentlich und beschrei¬ 
bend aufzuführen, wäre ein Kleines. Doch wir müssen 
uns bescheiden und es bei wenigen Proben belassen. 
Hier wäre vielleicht an erster Stelle zu nennen der 
Titel zu den Romanzen und Duetten von J. J. Rous¬ 
seau, der in Aquatintamanier von L. Benazek ge¬ 
schaffen ist. Er zeigt ein weites Musikzimmer, ganz 
im Stile der Zeit ausgestattet. Auf einem mit reichen 
Draperien geschmückten Tisch steht das große Me¬ 
daillonbildnis Rousseaus. Überaus reizvoll ist auch 
der Titel, den einer der größten Künstler des Rokoko 
und zwar kein Geringerer als Nicolas Lancret zu Chan¬ 
sons von Dandrieu geschaffen hat. Der Stich stammt 
von L. Auber, der weit über diese vielleicht nur ge¬ 
legentliche Tätigkeit hinaus ein reiches graphisches 
Werk hinterlassen hat. Der Titelkupfer zeigt, wie 
könnte es bei Lancret anders sein, eineTanzszene. Ein 
leichtbeschwingtes Rokokovölkchen, das die Kunst, 
zu leben und zu lieben von seinen Königen geerbt 
hatte, entzückende Reifrockdämchen undliebegirrende 
Kavaliere treiben ein kapriziös neckisches Spiel. Das 
eine kann man der französischen Kunst im Hinblick 
auf ihre schmückende Bestimmung als Notentitel 
nicht absprechen: sie war für diese gewissermaßen 
prädestiniert. Das Leichte, spielerisch Elegante, das 
Schwungvolle und Anmutige der Formen, in die 
sich die Phantasie der Liebespärchen hineinversetzen 
konnte, das alles mußte zum willkommenen Wider¬ 
klang der schwülen Sinnlichkeit und berauschenden 
Üppigkeit werden, mit der die Luft geschwängert war. 
Sehr beachtenswert ist auch der Titelkupfer oder 
Frontispiz, wie die Franzosen ihn nannten, zu der 
Pifcce d’orgue von Le Bequ6 mit der heiligen Cäcilie 
an der Orgel und singenden Engeln; reizend ist ein 
solcher zu der Oper Finta Pazza von Giulio Strozzi, 
auf dem Engel die schöne Gestalt der Muse umschwe¬ 
ben. Für uns besonders interessant ist, daß endlich 
einmal der Name eines Künstlers auf verschiedenen 
Titelkupfern wiederkehrt. Es ist P. Choffard, der zwar 
keine erste Größe gewesen sein muß, für das, was er 
zu leisten hatte, aber doch ein gutes Talent mit¬ 
brachte. Grand-Carteret bildet verschiedene seiner 
Notentitel ab. Wir möchten nur einige erwähnen, weil 
sie sich ebenso durch die Schönheit des Entwurfes, 


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wie auch die rein künstlerische Durchführung aus¬ 
zeichnen. Dazu gehörtderTitel für Haydns Erschaffung 
der Erde und zu der heroischen Oper Lodoiska von 
Cherubim. Gelegentlich hat Choffard auch nach den 
Ideen andrer gestochen. So zu einem Romanzen¬ 
werke, zu dem J. Guerin die Zeichnung lieferte. Werfen 
wir noch einen Blick auf die Titel zu der ersten Aus¬ 
gabe von Glucks Orpheus und Eurydice, der mehr 
beachtenswert ist durch die Dürftigkeit der Darstel¬ 
lung, die von L. le Mire gestochen ist, auf des gleichen 
Tonsetzers komische Oper L’arbre enchant6, deren 
Titel, erfunden und gestochen von Gravelot, sich 
dagegen wieder durch eine ungemein melodiöse, 
schwungvolle Bildkomposition auszeichnet, und end¬ 
lich noch als Schluß auf den Titel, den A. Tardieu für 
Cherubinis Medea gestochen hat und der eine ganze 
Szene der Oper in voller, ja überwältigender Pracht¬ 
entfaltung zeigt, so muß es genug sein. Daß auch in 
den Niederlanden, die ein Jahrhundert zuvor mit ihrer 
Kunst die Welt beherrscht hatten, der französische 
Geschmack sich breit gemacht hatte, zeigt ein an sich 
recht hübscher Titel zu den Sonaten von Jean Bapt. 
Mortini. Er ist von Folkema gestochen und 1742 in 
Amsterdam gedruckt. Den gleichen stark franzö¬ 
sischen Einfluß zeigt ein Titel zu Handels Oper Julius 
Cäsar (Abbildung 7), der von James gestochen, in 
London gedruckt wurde. Barocke Elemente mischen 
sich mit den Formen des Rokoko zu einem krausen 
und bizarren Stilgewirr, das aber die ganze Art und 
Richtung der Zeit bezeichnet. Aber die Tage des 
Rokoko waren ja auch bereits gezählt; im Hinter¬ 
grund der Weltgeschichte taucht die Gestalt des ersten 
französischen Kaisers empor. An Stelle der zier¬ 
lichen Schnörkel, des Muschel- und Knorpelwerkes 
tritt die ruhig geschwungene Linie des Empire. Die 
Macht des neugegründeten Kaiserreiches mußte natür¬ 
lich auch in der Kunst lauten Ausdruck finden. Für 
Napoleons Geschmack schien nichts besser geeignet 
zu sein, als die pompöse Feierlichkeit, die die römi¬ 
schen Cäsaren durch die Architektur ihren Städten 
verliehen hatten. Der Klassizismus in Frankreich war 
geboren. Mit einem Schuß nationalen Einschlages 
erstand der Stil, den wir gemeinhin Empire nennen. 
Die schöne, klare, rhythmisch geschwungene Linie, 
die plastisch rund modellierte Form, die besonders 
in Vasen und Gehängen zum Ausdruck kam, waren 
seine Kennzeichen. Die antikisierende Stilisierung 
gab den Menschen wie der Welt, in der sie sich be¬ 
wegten, etwas Hoheitsvolles, das freilich, wenigstens 
im französischen Klassizismus, vom Bombastischen 
und Posierten nicht weit entfernt war. Jacques Louis 
David war das „vulkanische Genie“, das mit erhabener 
Geste eine Welt neuer Schönheiten schuf. Unter 
seinem Stern vollzog sich die kurze aber glanzvolle 
Periode, die dem Empire beschieden war. Auch die 
Kleinkunst stand ganz unter dem Einfluß der von ihm 


geschaffenen Linien und Formen. Die Umrißlinien 
der gesamten Erscheinungswelt werden im Gegensatz 
zur rundlichen Molligkeit des Rokoko langgestreckt, 
dabei dochweich und süßlich. Der sinnliche Reiz des 
schlanken Frauenkörpers findet in den langgestreckten 
Vasen, den Gehängen und Bordüren, in den Möbeln 
den klangreichen Widerhall seines künstlerisch kaum 
auszuschöpfenden Reichtums. Gerade die Notentitel 
geben fast mehr als andre Kunsterzeugnisse Gelegen¬ 
heit, die ganze Eigenart des Stiles und seiner for¬ 
malen Prinzipien zu studieren. Auch hier treten viel¬ 
fach nur schöne Umrahmungen der Blattspiegel auf, 
die genügen müssen, den Titel künstlerisch zu ver¬ 
schönen. Inmitten steht dann schwungvoll die In¬ 
schrift oder es folgt die übliche Zueignung des Ton¬ 
setzers oder des Verlegers (Abbildung 5). Aber auch 
das Bild tritt stark in den Vordergrund, und mehr als 
einmal wird man wie z. B. durch den Titel zu der 
Grand Sonate von D. Steibelt (Abbildung 6), auf dem 
ein posauneblasender Genius durch die Wolken fliegt, 
von der kühnen Erfindungsgabe des freischaffenden 
Künstlergeistesmit fortgerissen. Der Stilcharakter des 
Empire gab dem Künstler das Vorrecht, aus der Welt 
der Antike zu schöpfen. So sehen wir die Bewohner 
des Parnaß auf französischem Boden wieder. Apollo 
und sämtliche Musen und das sonnig heitere Land 
ihres glückfrohen Daseins werden mobil gemacht und 
feiern selbst in den oft kleinformatigen Titelkupfern 
ihre glückliche und beglückende Wiedergeburt. 

Aber der Anbruch des neuen Jahrhunderts hatte 
nicht nur Stilwandlungen von fundamentaler Bedeu¬ 
tung mit sich gebracht. Der vorwärtsdrängende Geist 
des Zeitalters suchte nach neuen Ausdrucksmöglich¬ 
keiten für latente Kräfte, und gleichsam als Vorspiel 
dessen, was zu Ausgang des 19. Jahrhunderts seinen 
glanzvollen Kulminationspunkt finden sollte, sehen 
wir die vom Geist der Erfindung beherrschte Technik 
ihre epochemachenden Wunderdinge vollbringen. In 
Deutschland gelingt es Alois Senefelder nach vielen 
Versuchen, die auf Stein entworfene Zeichnung auf 
Papier zu übertragen. Die Lithographie ist erfunden; 
bereitwillig, ja begeistert nehmen die Künstler aller 
Kulturländer sie auf, und Frankreich, das noch immer 
vom Ruhme zehrt, mehr als ein Jahrhundert lang 
politisch und künstlerisch an der Spitze der Nationen 
gestanden zu haben, tritt bereitwillig in den Dienst 
der neuen Technik. Die Künstler, besonders aber die 
berühmten Karikaturisten sahen sich auf einmal einem 
Hilfsmittel gegenüber, das ihnen die größte Freiheit 
gewährte. Und Freiheit war die Parole in allen Lagern 
und Dingen. Die Nachwirkungen der politischen Wirr¬ 
nisse, damit gleichlaufend der erwachende Sinn für 
den Naturalismus in der Kunst, brachte für diese un¬ 
erhörte Neuerungen mit sich. Paul Gavarni schuf 
seine wundervollen Schilderungen des leichtfertigen 
Pariser Lebens, der Bohfcme, des Quartier Latin und 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


seiner zum Spott herausfordernden 
Zeitgenossen, Honorö Daumier über¬ 
traf ihn an Witz und Schärfe und wurde 
mit seinen meist erschütternden Ver¬ 
höhnungen der damaligen Gesellschaft 
zum Klassiker der Lithographie. Daß 
die neue Technik auch vom Buch- und 
Kunstgewerbe freudig aufgenommen 
wurde, liegt auf der Hand. Auch der 
Notentitel hat davon profitiert und 
gerade das Schlußkapitel von Grand- 
Carterets Betrachtung über die An¬ 
fangszeit des Steindruckes ist über¬ 
reich an Belegen dafür, wie schnell sich 
die deutsche Erfindung auf französi¬ 
schem Boden durchgesetzt hatte. Für 
uns mag es besonders bemerkenswert 
sein, daß auch Paul Gavarni, der sich 
inzwischen mit seinem „Charivari“ berühmt gemacht 
hatte, verschiedentlich Notentitel gezeichnet hat. Was 
er zu der Quadrille von Julien (Abbildung 8) schuf, 
mag nun nicht gerade überwältigend sein, aber eines¬ 
teils ist das hübsche Blatt doch sehr charakteristisch 
für des Künstlers geniale Art zu zeichnen, andern- 
teils gibt er damit gewissermaßen den Ton an für die 
Leute, die sich in der Folge mit dem Notentitel be¬ 
schäftigen. In der Hauptsache tritt die bildliche Dar¬ 


stellung in den Vordergrund und, was besonders be¬ 
merkenswert ist, man schöpft mehr aus der Gegen¬ 
wart, wird naturalistisch und sieht im Gegensatz zu 
den früheren Künstlern in der zeitgenössischen Er¬ 
scheinungswelt genug, um sich künstlerisch zu be¬ 
tätigen. Die Schrift wird nüchterner, das kunstvolle 
Initial von ehedem seltener. Vielfach wird die schön¬ 
geschwungene lateinische Schreibschrift auf den Stein 
übertragen, ein paar elegante Schnörkel tun das übrige 
und das Gesamtbild ist fertig, mit der wir 
besonders gern jene Zeit kennzeichnen, da 
der Großvater die Großmutter nahm. Daß 
aber auch die Künstler jener Zeit es anders 
konnten, bestätigt der entzückende Titel, den 
Jules David zu einem Album von Masini 
(Abbildung 9) geschaffen hat. In ungezügel¬ 
ter Freiheit ist hier von dem Formenschatz 
aller Stilepochen Gebrauch gemacht und ein 
scheinbar neues Gebilde entstanden. Renais- 
sancistische Ornamente, barocke Blumen¬ 
kränze und Gehänge, dem Rokoko ent¬ 
nommene Zierstücke und schließlich die 
Schrift mit den üblichen schwungvollen Ver¬ 
zierungen vereinigen sich widerspruchlos zu 
einem Ganzen, das letzten Endes helles Ent¬ 
zücken auslöst. Weit über die Gelegenheits¬ 
arbeit hinaus war der berühmte Cölestin 
Nanteuil für den Notentitel tätig. In glänzender 
Beherrschung der lithographischen Technik 
hat er viele zeitgenössische Musikalien mit 
seinen phantasiereichen und liebenswürdigen 
Einfällengeschmückt. Es steckte Geschmack 
und Kultur in ihnen. Aber wie in Deutschland 
und den übrigen Ländern, so war auch in 
Frankreich jener Höhepunkt erreicht, dem 
dann langsam aber merklich der jahrzehnte¬ 
lang währende Niedergang folgen sollte. 

(Fortsetzung folgt.) 


UoIutUi IJcvcrmr. 



JULLIEN. 




Abbildung 8 



Abbildung 9 


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== ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE == 

Ein Exlibriswerk von Bruno H6roux 1 

Von VICTOR RUDOLF ARNOLD 


’■ IE es in der Geschichte des Exlibris hin- 
! reichend niedergelegt ist, hat das Bücher- 
j Zeichen als künstlerisches Objekt ein 
,5 ziemlich reichbewegtes Dasein hinter 
sich. Schon im 14. Jahrhundert bekannt, von Dürer 
und Holbein zu glanzvollen Leistungen benutzt und 
auch im 17. und 18. Jahrhundert noch als bedeut¬ 
samer Kulturausdruck gewertet, ist das Exlibris in 
den ersten Dezennien des glorreichen Jahrhunderts, 
das hinter uns liegt, fast vergessen worden. Aber 
wie es auch andern künstlerischen Dingen gegangen 
ist, eines Tages ist ihm eine fröhliche Wiedergeburt 
beschieden gewesen und es bedurfte sozusagen nur 
eines ersten Anstoßes, um so und so viele Menschen 
erkennen zu lassen, daß es sich hier um ein künst¬ 
lerisches Ausdrucksmittel handelte, das der Gegen¬ 
wart wiederzuschenken wohl den Schweiß der Edlen 
wert war. Zu unsrer großen Freude hat auch das 
Bücherzeichen dieses Schicksal erleben dürfen und 
es hieße den Lesern des „Archivs“ nur Bekanntes 
sagen, wenn man betonen wollte, in welch großartiger 
Weise sich die neuere deutsche Kunst des Exlibris 
angenommen hat. Außer den zahlreichen Veröffent¬ 
lichungen, die man nicht nur im Organ der Exlibris¬ 
freunde, sondern auch in andern Kunstzeitschriften 
fand, hat man gesehen, daß die schöne Sitte, den 
Besitz von Büchern durch ein Exlibris zu kenn¬ 
zeichnen, doch in immer weitere Kreise gedrungen 
ist und daß der Sinn für dessen reichen künstlerischen 
und ästhetischen Gehalt immer mehr Widerhall ge¬ 
funden hat. Die größten und besten der deutschen 
Künstler sind gern und freudig in den Dienst dieser 
Kleinkunst getreten, und wenn vor einigen Jahren 
Richard Braungart in seinem entzückenden Werke 
Neue deutsche Exlibris (bei Franz Hanfstaengl in 
München), das aber gewiß inzwischen schon wieder 
zu erweitern wäre, mehr als hundert Künstlernamen 
aufführen konnte, unter denen die deutschen Bücher¬ 
zeichen segelten, so ist dies Beweis genug, daß das 
Exlibris sich die Wertschätzung der Künstler sicher 
und unentreißbar wieder erobert hatte. So über¬ 
zeugend dies hier aber dokumentiert wurde, so wenig 
ließ sich doch leugnen, daß das Bücherzeichen genau 
wieder so wie einst auch jetzt doch mehr oder weniger 
eine Nebenbeschäftigung der Künstler blieb. Mit 
dieser Tatsache eine Graduierung aussprechen zu 
wollen, wäre natürlich grundverkehrt. Die Menschen, 
denen der Sinn für den ästhetischen und artistischen 

1 1. Luxusausgabe, Nr. 1 bis 25 in Ganzleder gebunden; 
ein Remarquedruck des Exlibris H6roux ist signiert bei¬ 
geheftet. Preis M 50.—. 2. Ausgabe, Nr. 26 bis 500 in Ganz¬ 
leinen gebunden; dieser Ausgabe ist das Exlibris H6roux im 
Originaldruck ohne Remarque beigegeben. Preis M 20.—. 


Reiz des Exlibris aufgegangen war, waren auch in 
unserm kulturgesegneten Zeitalter zunächst doch noch 
in verschwindender Minderheit. Wenn, Gott Lob und 
Dank, es auch hiermit besser geworden ist, so hieße es 
doch die Geschichte Fälschen, wollte man behaupten, 
daß das Exlibris heute schon zum Gemeingut der so¬ 
genannten gebildeten Kreise geworden sei. Ja, es 
dürfte kaum überraschen, wenn man sagt, daß auch 
in diesen Kreisen noch vielfach eine recht große Un¬ 
klarheit über das Bücherzeichen herrscht und es so¬ 
gar nicht wenige dieser sogenannten Gebildeten geben 
mag, die überhaupt nicht wissen, was ein Exlibris ist. 
Aber mit diesen uns zu befassen, ist ja hier nicht 
Zweck der Übung. Nur muß es als Erklärung dafür 
dienen, daß das Bücherzeichen auch bis heute nur 
eine relativ bescheidene Verbreitung gefunden hat, 
und daß analog dieser Tatsache es verständlich ist, 
wenn es den meisten Künstlern nicht mehr und 
nicht weniger als eine willkommene Gelegenheits¬ 
arbeitblieb. Aus dem Worte Gelegenheitsarbeit eine 
Minderwertigkeit zu folgern, wäre natürlich wiederum 
unrichtig. Die Kunst aller Zeiten und Völker be¬ 
zeugt, daß gerade die Gelegenheitsarbeit oft unter 
einem ganz besonders glücklichen Zeichen gestanden 
hat, und auch der Blick auf das, was Braungart in 
seinem Buche vereint hat, bestätigt dies in schönster 
Weise. Mag sich nun angesichts des entzückenden 
Bildermaterials auch zunächst der Gedanke auf¬ 
drängen, daß die Künstler, die sich hier zusammen¬ 
finden, eben nur hier und da, wie es gerade die Ge¬ 
legenheit gab, ein oder das andre Exlibris schufen, 
so wird man doch bald durch die Tatsache belehrt, 
daß einzelne, es sei nur an den bekannten Worps- 
weder Heinrich Vogeler, an Hans Thoma, an Josef 
Sattler, der die Kunst des Mittelalters so wundervoll 
zu verjüngen verstand, und nicht zuletzt an unsem 
großen Max Klinger gedacht, ganze Serien von Exlibris 
geschaffen haben, die in ihrem Gesamtwerke eine 
durchaus wichtige Rolle spielen. 

Zu diesen Künstlern, deren Werke wir heute so¬ 
zusagen schon mit historischen Augen betrachten, 
hat sich zu Beginn des neuen Jahrhunderts Bruno 
H6roux gesellt, und gerade er hat mehr als alle jene 
zuvor im Exlibris ein Sondergebiet gefunden und ist 
auf ihm zum Meister geworden. Daß hundert Exlibris 
im Gesamtschaffen eines Künstlers mehr als eine 
Nebensächlichkeit, als eine Gelegenheitsarbeit be¬ 
deuten, mag auch für den, der die Kunst mehr der 
Quantität nach einschätzt, ohne weiteres einleuchtend 
sein. Für den aber, der tiefer in das Wesen des 
Bücherzeichens eingedrungen ist, handelt es sich um 
eine Leistung, die mindestens ebensohoch anzu¬ 
schlagen ist, als wenn sie in großformatigeren Dingen 

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INCETQN UNIVERSUM 



ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


erfolgt wäre, als es die Exlibris ihrer Eigenart nach 
sind. Die Tatsache, die Zahl von hundert überschritten 
zu haben, mag denn auch für Bruno H6roux ein 
durchaus verständlicher Anlaß gewesen sein, den 
Freunden deutscher Graphik im allgemeinen und 
denen des Exlibris im behänderen einen Gesamt¬ 
katalog über das in die Hand zu legen, was er auf 
diesem Gebiete bisher geschaffen hat. Das ist mit 
dem nun vorliegenden Werke geschehen, das schon 
allein um seiner äußeren und inneren Gestalt willen 
wieder ein erfreuliches Zeugnis dafür ist, wie auch 
während des Weltkrieges, wo die Technik des Buch¬ 
gewerbes mit den größten Schwierigkeiten zu kämpfen 
hat, der unerschütterliche Wille, Mustergültiges zu 
leisten, überall diese Schwierigkeiten zu triumphieren 
vermag. Nur mit diesem Willen im Hintergründe 
konnte ein solches Werk zustande gebracht werden, 
das typographisch und drucktechnisch ebenso ein¬ 
wandfrei, ja hervorragend glücklich gelöst ist, wie in 
der gesamten Durchführung, von der Wahl des Papieres 
und der Schrift an bis zu dem schlichten und doch 
kunstvollen Einband. Jedenfalls hat das Zusammen¬ 
wirken des Künstlers selbst mit der ausführenden 
Firma (Oscar Brandstetter in Leipzig) nur von neuem 
gezeigt, daß die gelegentliche Abwehr der künst¬ 
lerischen Mitwirkung durch die Druckereien einem 
falschen Stolze entspringt und daß die künstlerische 
Belebung des schönen Buches ohne den Künstler ein¬ 
fach nicht mehr zu denken ist. 

Die textliche Einleitung des Werkes hat Bruno 
H6roux in die Hände von Rieh. Braungart gelegt, der 
sich hier wieder als feinfühliger Kenner und Interpret 
der Graphik erweist. Das Katalogverzeichnis ist von 
Arthur Liebsch angefertigt und verfolgt natürlich in 
erster Linie den Zweck, den Menschen das nötige 
Orientierungsmittel zu bieten, die das Exlibris nicht 
nur als bildmäßig illustratives Erzeugnis ansehen, die 
vielmehr an dem Wesen der Technik, den Plattenzu¬ 
ständen und den sich hier ergebenden künstlerischen 
Qualitäts-Verschiedenheiten ihre Freude haben. Ohne 
sich an die Worte Braungarts zu klammern, dürfte 
es jedem, der Augen hat zu sehen, nicht schwer 
fallen, zu erkennen, daß H6roux für das Exlibris ge¬ 
wissermaßen prädestiniert war. Aus der auch heute 
nicht zu verachtenden Schule des Handwerks hervor¬ 
gegangen, hat H6roux sich schon in jungen Jahren 
den Fundus geschaffen, auf dem er weiterbauen 
konnte, um mit vollem Rechte ein Sondergebiet, wie 
es das künstlerische Buchzeichen ist, auch zu seiner 
Besonderheit zu erküren. Das Studium des mensch¬ 
lichen Körpers einerseits, die vollkommene Be¬ 
herrschung derTechnik, insbesondere des nur die aller¬ 
subtilste Arbeit gebrauchenden Linienholzschnittes 
oder Holzstiches anderseits hatte ihn so reifen lassen, 
daß er, als er im Jahre 1900 begann, sich der Ge¬ 
brauchsgraphik und damit dem Exlibris zuzuwenden, 


durchaus ein Fertiger war, der alle Register seiner 
Kunst ziehen konnte. Aber das allein hätte ihn noch 
immer nicht zu dem gemacht, was er heute ist, und 
ohne den starken geistigen Einschlag, ohne die Fähig¬ 
keit, sich immer bewußt zu bleiben, daß das Wesen 
des Bücherzeichens etwas Urpersönliches war, wäre 
er nie dahin gelangt, daß man sein Exlibriswerk heute 
ebenso einzuwerten hat, wie etwa die Radierungs¬ 
folgen eines Klingers oder sonst eines Meisters der 
Graphik. Daß hiermit auch die prinzipielle Stellung 
Höroux’ als Künstler ausgesprochen ist, dürfte für 
den mit den Dingen Vertrauten ohne weiteres klar 
sein. Man schrieb nicht umsonst 1900 und nicht um¬ 
sonst wurden die hitzigsten und erbittertsten Kämpfe 
zwischen denen geführt, die alles Gedankliche aus 
der Kunst verbannen wollten, und denen, die im 
Gegensatz und bewußt dessen, daß Asmus Jakob Car¬ 
stens kein hohler Tropf war, nur im geistigen Wider¬ 
hall des Kunstwerkes seine Vollendung sahen. Ge¬ 
wiß hatten die Alten bewiesen, daß man die Aufgabe 
des Bücherzeichens als Wappen und Initial auch anders 
lösen konnte. Aber es galt ja nicht nur das wieder 
aufzunehmen, was diese gelehrt, sondern ihm eine 
neue Form zu geben, aus dem nicht zuletzt der Geist 
der Zeit sprach. Dieser drängte beim Buchzeichen 
vor allem dahin, in ihm vom Wesen des Menschen, 
dessen Besitz das Exlibris gewissermaßen schützen 
sollte, etwas ahnen zu lassen, von seinem Berufe, 
seiner geistige Folie. Die inhaltliche Richtlinie war 
also gegeben und esblieb nun des Künstlers ureigenem 
Ingenium überlassen, dieser je nach dem Charakter 
des Bestellers zu folgen. Wie H6roux dies getan, 
braucht an dieser Stelle schon deshalb nicht erörtert 
zu werden, weil ja das Vorwort dies schon in schönster 
Weise getan. Nur das sei gesagt, daß die Fülle der 
Gesichte wirklich eine unendlich reiche ist und daß 
man auch frei vom furor biographicus seine helle 
Freude daran haben kann, wie H6roux sich den 
gewiß hundertfältig widerstrebenden Erscheinungen 
seiner mehr oder minder bedeutenden Zeitgenossen 
als feinfühliger und nachschaffender Künstler gegen¬ 
übergestellt hat. Für einen hochgeborenen Grafen 
ein Bücherzeichen zu schaffen, ist eben doch eine 
andre Aufgabe, als für einen Arzt oder einen stillen 
Gelehrten. Das Bücherzeichen für einen Weltmann 
wird mit andern Voraussetzungen entstehen müssen, 
als das für einen im Berufe aufgehenden Buchhändler 
oder Verleger oder für ein junges Menschenkind 
weiblichen Geschlechts. Auffallend auch für den 
oberflächlichen Beobachter wird sein, daß H6roux 
besonders den nackten menschlichen Körper sehr 
stark bevorzugt hat. Aber das jahrelange Studium 
desselben hatte ihn zum Meister gemacht, was Wun¬ 
der, daß er gern und mit Vorliebe seine Domäne 
beschritt. Nichts wäre nun verkehrter, als auf eine 
Einseitigkeit zu schließen. Wer die Höhen und Tiefen 


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ffm 1 


ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 



DEN SAMMLUNGEN 

DE#DETO 3 E^ 

B'JCHG EVVE RE£i 


/(*?/ (t rä tJfy/tjüff’r 


Op. 354. Stichradierung 
PlattengröOe 15,4 : 10,4, Bildgröße 14 : 9,2 cm 


Op. 377. Stichradierung 
Plattengröße 15,5:9.9, Bildgröße 14,6:9,1 cm 



Op. 135. Stichradierung 
PlattengröOe 19:14,4, Bildgröße 17:21,1 cm 


Op. 350. Stichradierung 
Plattengröße 14 :10,1, Bildgröße 12,8: 8,9 cm 


vy 

4 » 


EX-üßF^ 

"KakLw. “ 

HIERSEMANN 


Exlibris von Professor Bruno H£roux 


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PRfNCETON UNIVER5ITY 














ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


der freigestaltenden künstlerischen Phantasie so 
durchschritten hat, wie H6roux, weiß immer wieder 
Neues zu finden und neue klangvolle Akkorde anzu¬ 
schlagen. Daß die Versuchung, H6roux als Klinger- 
schüler anzusprechen, nicht von der Hand zu weisen 
ist, wird auch dem Künstler selbst nicht verschlossen 
geblieben sein. Aber Braungart weist diese Ver¬ 
suchung als durchaus falsch zurück und nicht nur 
das: er weiß es auch zu argumentieren. Wie Klinger, 
so stand auch H6roux ganz im Dienste jener Schön¬ 
heit, die sich aus der Vereinigung des menschlichen 
Körpers, seiner Linien und Formen mit der Natur¬ 
erscheinung ergibt. Daß also gewisse Anklänge nicht 
ausbleiben konnten, ist ebenso klar, wie es feststehend 
ist, daß sehr große Künstler der Vergangenheit, die 
nie voneinander wußten, der Ähnlichkeit ihrer Werke 
verfallen sind. Was die Technik betrifft, die H6roux 
bevorzugte, so ist es fast ausschließlich die reine 
Radierung gewesen. Vom Holzschnitt, der der Be¬ 
gleiter seiner Jugend war, ist er bald abgekommen, 
weil die Besteller die feinere Technik der Radierung 
bevorzugten. Auch die Lithographie, die er, was wir 
ja hinreichend wissen, meisterlich beherrscht, hat ihn 
für das Exlibris nur seltener gereizt. So kommt es, daß 
mehr als drei Viertel all seiner Exlibris in der Manier 
ausgeführt sind, die von allen graphischen Künsten 
heute als diejenige gepriesen wird, die die größte 
künstlerische Freiheit einerseits, und die apartesten 
technischen Reize andrerseits gewährleistet. Nicht 
uninteressant dürfte es sein, daß H6roux gerade für 
Menschen, die dem Buchgewerbe nahestehen, also 
für Buchhändler, Verleger, Drucker und Sammler 
gearbeitet und hier mit sein Bestes gegeben hat. Sie 
alle zu nennen, ist unmöglich. Aber mit einem be¬ 
sonderen Nachdruck auf die Bücherzeichen von Rai¬ 
mund Giesecke, Hans Harrassowitz, E. Th. Naumann, 
W. Mendelssohn, Edg. Herfurth, C. W. Hiersemann, 
auf die des Leipziger Bibliophilenabends und des 
Deutschen Buchgewerbe- und Schriftmuseums hin¬ 


zuweisen, ist gewiß angebracht. Sicher ist, daß, wo 
H6roux auch anfaßte, er es tat mit seiner ganzen 
schöpferischen, wissenschaftlich gebildeten und phan¬ 
tasiereichen Persönlichkeit, und dem gedanklichen 
Inhalt mit dem Vielklang des handwerklichen Aus¬ 
drucksmittel zum schönen und harmonischen Wider¬ 
hall zu verhelfen wußte. Besonders beachtenswert 
will es uns auch scheinen, daß H6roux’ starkes kunst¬ 
gewerbliches Empfinden, daß sein sicheres Raum¬ 
gefühl ihn davor behütete, mit der gerade beim Ex¬ 
libris stets notwendigen SchriftSchiffbruch zu erleiden. 
Selbstverständlich ist sie immer da, aber sie spielt 
nicht mehr als jene Rolle, die ihr zukommt. Daß beim 
Exlibris die Schrift als unerläßlicher Bestandteil nie¬ 
mals zur Nebensächlichkeit herabgedrückt werden 
darf, ist selbstverständlich. Im Gegenteil, sie hat ihre 
ganz bestimmte Aufgabe zu erfüllen, und deshalb ist 
es von größter Wichtigkeit, daß es der Künstler ver¬ 
mag, sie dem Gesamtbild so einzufügen, daß sie mit 
ihm gleichsam organisch verwachsen ist. H6roux hat 
das in glücklichster Weise verstanden. Man fühlt 
immer: hier hat die Schrift ihre Daseinsberechtigung, 
hier ist sie am rechten Platze und man könnte sie 
nicht missen. Gerade durch das Zusammenspielen- 
lassen aller dieser wichtigen und zweckbestimmenden 
Faktoren hat H6roux eine Kultur des Exlibris erstrebt 
und erreicht, die einen wesentlichen Bestandteilseiner 
ganzen künstlerischen Persönlichkeit bedeutet. Er 
sah, im Gegensatz zu den andern, die das Bücher¬ 
zeichen nur flüchtigals belanglose Marke abtun wollten, 
ein neues und reiches Feld zur Betätigung, auf dem 
technische Vollendung und gedankliche Tiefe ebenso 
zum Höchsten streben konnten, wie im größten 
Kunstwerk. 

So bleibt, wenn man das Buch aus der Hand legt, 
der Eindruck eines schönen und künstlerisch abge¬ 
rundeten Ganzen, dessen Bestimmung, den ästhe¬ 
tischen Reichtum des Exlibris zu erschließen, in vor¬ 
nehmster Weise erfüllt wird. 


Klingspor-Karten 

Von Dr. JULIUS ZEITLER, Leipzig 


.j AN erlebt immer wieder aufs neue, daß 

■ der Kampf gegen den Schund im Bildpost- 
[ kartenwesen nicht erlahmen darf: jeder 
Blick in die Papierläden und in die Höhlen 
der „Postkartenzentralen 0 lehrt es einem, was für eine 
Flut des Abgeschmackten und Scheußlichen immer 
noch aus den Werkstätten der Postkartenfabrikation 
hervorquillt. Es ist der reine Augiasstall, in dem man 
watet, wenn man sich in das Gebiet hineinbegibt. Die 
Menge des künstlerisch radikal Schlechten, des Sü߬ 
lichen, des Kitschigen ist ungeheuer. Man greift sich 
an den Kopf, wenn man erfährt, mit welchen Absatz- 
zifFern diese Postkartenindustrie zu rechnen gewohnt 


ist. Die Unternehmer lachen sich ins Fäustchen, aber 
die Faktoren, die Drucker an den Maschinen, die 
diesen Schund hersteilen müssen, leiden darunter, 
ohne daß sie es ändern können. Es gibt kunstge¬ 
sinnte Arbeiter, die nur mit Wut und Ingrimm solche 
Maschinen bedienen können, mittels deren der Unter¬ 
nehmer seine üblen Erzeugnisse massenhaft auszu¬ 
speien gewohnt ist. 

In dieser Menge des Schlechten hat das Gute keinen 
leichten Stand. Es ist ja auch zu sehr in der Minorität. 
Immerhin sind den Sammlern und Freunden der künst¬ 
lerischen Bildkarte eine Anzahl trefflicher Leistungen 
bekannt. Es ist nur ungemein schwer, das Publikum 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


zu deren Verständnis zu erziehen. Die Stufe der Bild¬ 
postkarte, von der hier gesprochen wird, ist nicht die 
Reproduktion nach einem größeren Kunstwerke, son¬ 
dern die graphische Originalschöpfung für die Fläche 
der Bildkarte. Es ist in der Tat erstaunlich, für wie 
wenig Geld man Originalgraphik in Form der Bild¬ 
postkarte erwerben kann, wie man sich und andre, 
denen man sie zudenkt, damit erfreuen kann. 

Nun tritt die Schriftgießerei Gebr. Klingspor in 
Offenbach, die sich schon so große Verdienste um 
unsre Schriftkultur erworben hat, mit neuen Ar¬ 
beiten dieses Gebietes vor die Öffentlichkeit, die in 
der Tat die schönste und glücklichste Bereicherung 
desselben bedeuten. Unter der Bezeichnung Klingspor- 
Karten bringt sie gegen 60 Reihen (zu je zehn Stück) 
Bildpostkarten einer neuen Art in den Handel, wie 
sie in dieser Vollendung noch nicht geboten wurden. 
In Wirklichkeit sind es künstlerische Spruchkarten, 
das heißt, sie sind in erster Linie der typographischen 
Gestaltung eines markanten Ausspruchs oder Verses 
gewidmet. In einzelnen Fällen, besonders in den 
Reihen von Otto Hupp begegnen einem auch bildhafte 
Lösungen, aber auch in diesen Fällen ist das Bild doch 
zumeist der Schriftwirkung untergeordnet, der typo¬ 
graphisch wohlgestaltete Spruch steht im Vordergrund. 

Es sind Meisterstücke der Typographie, die hier 
den Künstlern der Schriftgießerei Klingspor gelungen 
sind. Jede einzelne Karte hat ihr individuelles Ge¬ 
präge. In dieser Kleinkunst steckt eine kaum über¬ 
bietbare Schriftkultur. In jedem einzelnen Fall ist 
die Schrift in Beziehung auf den Spruchinhalt gewählt 
und auf ihn hin abgestimmt. Die Gesamtheit des 
literarischen Gefüges bestimmte die typographische 
Prägung. Ein außerordentlicher Schriftgeschmack 
durchwaltet alles, die Sprüche und Verse stehen in 
Umrahmungen von gediegenster ornamentaler Ein¬ 
fachheit. Diese Umrahmungen, die teils linear, geo¬ 
metrisch sind, teils aus Eichenlaub, Lorbeer und Efeu 
komponiert sind, drängen sich nie vor, sondern fassen 
nur mit ihrer zurückhaltendenVornehmheit das Schrift¬ 
bild zusammen.Die Mannigfaltigkeitder Spruchformen 
selbst hat eine reizvolle Vielfältigkeit der Schriftbilder 
zur Folge, immer aber überrascht der durchgehende 
Zug der Einheitlichkeit, der künstlerisch-typographisch 
diesen schönen Postkartenfolgen ihr Gepräge verleiht. 

Neben den graphisch - typographischen Gestal¬ 
tungen, die das ganze Kartenfeld bedecken, stehen 
solche, die nur einen Teil der Schmalseite in Anspruch 
nehmen; das ist sehr praktisch, denn auf diese Weise 
bleibt noch der größere Teil der Fläche zu hand¬ 
schriftlichen Mitteilungen frei. Einen hohen Reiz 
bringt auf allen Karten die Mitwirkung der Farbe mit, 
im Rahmen, wie besonders in den meisterlich ange¬ 
ordneten Initialen und Zierstücken. Diese Farben 
umklingen das Schwarz des Druckes auf eine oft ent¬ 
zückende Weise. Die angewendeten Schriften sind 


vornehmlich die Tiemann-Fr&ktur und mehrere deut¬ 
sche Schriften von Koch und Hupp, besonders markig 
und kraftvoll wirkt bei kurzen Sprüchen die schmale 
und die fette Kochschrift. Es ist prächtig, wie dabei 
die Setzer der Klingsporschen Werkstatt mit den 
Künstlerschriften arbeiten, mit denen sie so vertraut 
sind; jede einzelne Karte ist so zugleich ein Muster¬ 
beispiel der Schriftanwendung. Eine Postkartenfolge 
verbindet die Sprüche mit patriotischen Porträts, in 
deren solider graphischer Art man den so wirkungs¬ 
voll zeichnerischen Strich von Hans Alexander Müller 
wiederzuerkennen glaubt. Überhaupt ist nur in ganz 
wenigen Fällenvorhandenes Schmuckmaterial benutzt, 
in den allermeisten sind die Zieraten und Schmuck¬ 
motive eigens für die betreffende Karte erfunden und 
hergestellt. Es ist auch keine Reihe etwa uniform, 
sondern in jede Reihe ist durch die Verwendung ver¬ 
schiedener Schriften und Ornamente die erwünschte 
schöne Abwechslung gebracht. Für eine Reihe vater¬ 
ländischer Worte hat Georg A. Mathey , Berlin, ein 
neuer Mann der Buchkunst, ganz graziöse Vignetten 
von einer unerhörten Ausdruckskraft gezeichnet, 
Initialen, Schmuckstücke, Wappen von expressio¬ 
nistischem Reiz. Von Math6y rührt auch die dekorativ 
ungemein schwungvolle Hülle einer Anzahl von Folgen 
her, ein Brunnenmotiv unter romanischem Bogen, 
auf dem Becken ist das Feld für die Beschriftung des 
Inhaltes freigelassen. Die meisten Serien sind mit der 
famosen Schlemihl von Walter Tiemann wirksam be¬ 
druckt, die von einem schlichten Rahmen umgeben 
ist. Auf fünf Reihen kündet ein kühner schwarzer 
heraldischer Adler von Otto Hupp an, daß dieser Alt¬ 
meister dem Inhalt seine Sorgfalt hat angedeihen 
lassen. Aber wie künstlerisch jung ist dieser Alt¬ 
meister geblieben! Wie sehr marschiert er noch an 
der Spitze der Jugend mit seinen Schriften, der fast 
der einzige der älteren Generation, der es nicht nur 
mit der Jugend aufnimmt, sondern sie in vielem sogar 
übertriflft. Man muß in der Tat das ganze Schrift¬ 
können der Vergangenheit in sich eingeschmolzen 
haben, um solche Initialen zeichnen zu können, in 
denen die ganze Frische einer hohen mittelalterlichen 
Kultur lebt, Initialgestaltungen, wie sie zur Unziale 
oder Antiqua Hupps passen, in teils lichten, teils 
schwereren Gesamtkompositionen, wie sie von der 
Art des Spruches oder Gedichtes, wie sie Hupp Vor¬ 
lagen, gefordert waren. Hier kommt auch oft ein 
launiger Künstlerhumor zu seinem Rechte. In der 
Huppschen Abteilung sind nicht wenige Blätter ganz 
geschrieben — mit solchen Blättern kann man sich 
nun also die Handschrift eines Meisters der Schrift¬ 
kunst erwerben. Farbig sind fast alle Karten Hupps 
von triumphierender Kraft. 

Die Schriftschönheit im Verein mit einem klar er¬ 
kannten Flächenprinzip ist es,die den Klingspor-Karten 
ihren Reiz verleiht, das flächendekorative Element 


143 


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Original fro-m 

PRINCETON UNIVERS1TY 



ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


harmoniert stets aufs innigste mit dem typographi¬ 
schen Gesamtbild. So bedeuten diese Blätter in der 
Reform der Bildpostkarte ein geradezu klassisches 
Vorgehen. Daß dieser Schritt mitten im Weltkrieg 
geschah, das erhöht die Leistung. Mit den Gegenwarls- 
forderungen stimmt es zusammen, daß die haupt¬ 
sächlichsten Inhalte der Karten dem Deutschtum 
gelten, in Worten von Fichte, Luther, Bismarck, 
Moltke, Treitschke, Friedrich dem Großen, aber auch 
in Aussprüchen über unsre Sprache, in Kriegs¬ 
gedichten, in den Xenien und anderm mehr. Eine 
befeuernde Kraft, etwas Stählendes geht so von den 
Karten aus, was wir recht gut brauchen können und 
nützen wollen. In einer hoffentlich nicht zu fernen 
Zukunft wird wohl das Allgemein-Menschliche, Er¬ 


ziehungstüchtige und Weisheitsvolle aus unsrer Lite¬ 
ratur und Philosophie auch seinen Platz in diesen 
Karten finden dürfen. Die Klingspor-Karten sind der 
schönste und geschmackvollste Gruß, den man einem 
lieben Freund senden kann. Nur wenn man solche 
Karten verbreitet, läßt sich der Kitsch austilgen. Zu 
diesem Werke das Seine beizutragen, sei jeder auf¬ 
gerufen, der mit daran zu arbeiten gewillt ist, das Ver¬ 
ständnis für die graphische und typographische, die 
künstlerische Bildkarte in weiteste Kreise zu tragen. 
Möchte aber auch darüber hinaus jede dieser Folgen 
von/CZingspor-Karterc die ihnen innewohnende Mission 
entfalten können, nämlich der Hebung des Buch¬ 
gewerbes zu dienen, von dem sie letzten Endes doch 
ein Teil sind. 


Hermann Smalian 


K auM vier Wochen vor seinem nach kurzem 
S Krankenlager am 8. Juli dieses Jahres erfolgten 
5 Ableben ersuchte Hermann Smalian die Schrift- 
S leitung des Archivs, seinem letzten eingereich- 
■■■■■■■■■■■■■■ ten Beitrag möglichst bald Raum zu gewähren, 
da das zunehmende Alter ihm gebiete, sich auf die letzte 
Reise, die jedem Sterblichen beschieden ist, vorzubereiten 
und noch Schwebendes zu ordnen. Dem Ersuchen wurde 
um so lieber entsprochen, als Hermann Smalian seit langer 
Zeit zu den treuesten Mitarbeitern des Archivs zählte 
und seine Beiträge stets als wertvolle zum Archivinhalte, 
insbesondere aber zu dem wenig bearbeiteten Gebiete der 
Schriftgießerei eingeschätzt wurden. Das Archiv brachte 
dann den in Heft 3/4 erschienenen Aufsatz „Zur Geschichte 
derSchriftgießerei“ gewissermaßen als Epilog zu der großen 
Anzahl von Aufsätzen, die aus Smalians Feder im Laufe 
der Jahre vorangegangen waren. Nun hat der Tod dem 
unermüdlichen Kämpfer für die Einführung des Normal¬ 
systems in allen deutschen Buchdruckereien für immer 
die Feder aus der Hand genommen und ihm nach langer 
gesegneter Arbeitsdauer ewige Ruhe gebracht. Smalian 
gehörte nicht zu den Fachgenossen, die es sich mit der 
bloßen Erfüllung ihrer eigentlichen Berufspflichten genügen 
lassen, sondern zu jenen, die nach durchlaufener Lebens¬ 
bahn aus der Geschichte des Buchgewerbes durch ihr 
sonstiges Tun und Wirken hervortreten. Unter den Fach¬ 
schriftstellern des Buchgewerbes ragte Smalian durch 
seine absolute Beschränkung auf das Gebiet, auf dem er 
von Jugend auf praktisch tätig war, dem der Schriftgießerei, 
besonders hervor. Manchen Anstoß und immer wieder 
neue Anregung für seine fachschriftstellerische Tätigkeit 
gaben ihm Fälle aus der Praxis, die ihm durch seine beruf¬ 
liche Wirksamkeit tausendfältig zur Kenntnis kamen. Er 
behandelte alles, was mit der Schriftgießerei irgendwie im 
Zusammenhang stand, in klarer und verständlicher Form 
mit größter Gründlichkeit. Das typographische System 
allein bot ihm eine unerschöpfliche Stoffquelle für seine 
Aufsätze, die sich zum Teil an die Schriftgießer, zum 
größeren Teil jedoch an die Buchdrucker wandten. 

Es mag wohl sein, daß nur ein verhältnismäßig kleiner 
Teil von Lesern der Aufsätze in das manchem trocken er¬ 
scheinende Stoffgebiet eingedrungen ist; ebendeshalb be¬ 
tonte aber Smalian das Wichtigste immer von neuem, in 
der Überzeugung, daß nur auf diese Weise zum Ziele zu 
kommen sei. Seine Aufsätze bedeuten daher auch Pionier¬ 
arbeit im wahren Sinne des Wortes. Daß wir trotz der¬ 
selben heute, nach fast fünfzig Jahren immer noch weit 


vom Ziele: der Allgemeindurchführung des Normalsystems 
sind, beweist schon der Umstand, daß noch Hunderte von 
Eigenschrifthöhen in deutschen Druckereien Vorkommen, 
ebenso sind Druckereien mit eigenem Kegel noch in reich¬ 
licher Zahl vorhanden. Hieraus geht hervor, daß es noch 
vieler Arbeit bedarf, um dahin zu gelangen, wo das Aus¬ 
land, im besonderen Frankreich, Amerika, England und 
andre Länder seit langem sind, auf den Zustand der Ein¬ 
heitlichkeit in Kegel und Höhe. Am Ende seiner Lebens¬ 
bahn angekommen, hat Smalian den Wunsch ausgesprochen, 
derVerein DeutscherSchriftgießereien möge alsBerufenster 
die von ihm geleistete Arbeit fortsetzen und die Erfüllung 
seiner Lebensaufgabe herbeiführen. — Seine umfassendste 
Arbeit ist das 1871 in erster, 1877 in zweiter Auflage erschie¬ 
nene „Praktische Handbuch für Buchdrucker im Verkehr 
mit Schriftgießereien“. — Außer in seiner beruflichen Arbeit 
suchte und fand er auch manche Anregung im Kreise seiner 
zahlreichen Freunde und Fachgenossen. Als Gründer der 
BerlinerTypographischen Gesellschaft widmete erderseiben 
oft und lange seine Kräfte durch praktische Mitarbeit, durch 
Vorträge und sonstige Hilfe, wo sie gebraucht wurde. An¬ 
läßlich ihres fünfundzwanzigjährigen Bestehens ernannte 
sieihnzuihremEhrenmitgliede. SieverliertinSmalian eines 
ihrer ältesten und geschätztesten Mitglieder. Die allgemeinen 
Verdienste des Verstorbenen wurden von höchster Stelle 
durch Verleihung des Kronenordens 4. Klasse anerkannt. 

Zum Schlüsse mögen noch einige persönliche Notizen an¬ 
geschlossen sein. Smalian erreichte eiti Alter von 78 Jahren. 
Er hatte die Buchdruckerei in Berlin erlernt, woselbst er 
noch eine Reihe von Jahren als Buchdruckergehilfe tätig war. 
Dann wandte ersieh dem Reisendenberufe zu und reiste für 
die damalige rührige J. G. Frankesche Gießerei. Bald ver¬ 
mittelte er den Verkauf dieser Firma an A. W. Kafemann in 
Danzig und leitete deren nach dort verlegten Gießereibe¬ 
trieb. Im Anschluß hieran ging er, nachdem er inzwischen 
dieSchriftleitung des „Journals für Buchdruckerkunst“ nach 
dem Rücktritt Theodor Goebels besorgt hatte, als Reisender 
zu Wilh.Woellmer in Berlin und nahm dann Stellung bei der 
FirmaH.Berthold ebendort, woselbst erauch als technischer 
Beirat lange Zeit wirkte. In den letzten Jahren widmete er 
sich nur der Fachschriftstellerei. Die Beisetzung des Ver¬ 
storbenen fand seinem Wunsche gemäß in aller Stille statt. 

Mit dem Hinscheiden Smalians hat ein Leben voller Arbeit 
und treuer Pflichterfüllung seinen Abschluß gefunden. In 
der Geschichte des Buchgewerbes aber wird der Name 
Hermann Smalian stets mit Ehren und Anerkennung ge¬ 
nannt werden. H. S. 


144 


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Original from 

PRINCETON UNIVERS1TY 



























+Ho4) eine neue deutle 6piel(forte/ 

*XDenn mir trofj oerfeßtebener, bereits feit längerer 3eit auf ben^ltarft gebrachten Neuheiten in ©pieltarten noch mit einer 
neuen ftarte ßeroorhreten, fo gefeßießt biefes besbalb, weil unferes (Erachtens noch feine fün/tlerifd) durdßgcfüßrtc 
6piclfarte, feine deutle ^eeresfarte erfchienen ift, bie fo recht eigentlich ber großen ßeit bes gewaltigen, uns auf; 
gelungenen Krieges in ihren Silbern roürbig angepaßt ift. ©er felbft im öeeresbienft ftehenbe ^unftmaler J. 6<ßönfcldec 
bat biefe Aufgabe in einer fo glänjenben c H3eife gelöft, baß mir t>on ber unbebingten 3uftimmung namentlich ber fünft* 

finnigen Ktortenfpieler ?u feiner 3bee überzeugt finb. 

Das einige Deut/epland mit feinen Dunbesßaaten ift in den einzelnen tDappen, die fidj fa/t 

über alle Dlätter perteilen, angedeutet. 

Das deutle f>eet und die deutle Marine i/t in den fleinen, lebenswahren und lebendig 
gezeichneten Dildern in den mei/ten tDa/fengattungen, den ßaupt/ädjlidj/ten 6d)i/fstypen, 
in den Zeppelinen und $liegern pertreten. 

Die Pier Könige /Ind in prächtigen Dildni/fen nach (Driginalzeichnungen wiedergegeben. 

<Das gan?e ftartenfpiel ift wie aus einem ©uffe, einheitlich unb harmonifch in ben 3ri<ßnungen unb in ben färben, 
fraftooll, echt beutfeßen ©eiftes. ©ie Ausführung fowohl bes fein abgeftimmten ^arbenbruefes als auch die ©üte bes 

oerwenbeten Kartons entfprechen ßöcßften Anforberungen. 

preis: 1 ©pd. mit echten ©oldecf en in papppulle fll.10.80, mit runden cf en ohne ©old ftt.10.20 

ab ^abrif rein netto ftaffe, bei unbefannten Seftellern nur gegen Nachnahme. 

$. ft. Eattmann ♦ ©piclf artenfabrif * 6oslar a. f>. 


Was Derufetritifer über bie neue ^ecresfarte fagen: 

©eger, der fiunflfrfitifer der „franffurtcr tta<f)ri<f)tctr, fcf)reibt: i Arnold Decfmanti, oeronttD.£eüer der ,$o 0 lQrj<f)en 3*Uung', treibt: 


ßäuterung bes ©efehmaefs 

Wie eine Peft breitete fl«t> gleich nad>Deginn bes Krieges ein grober Unfug aus, 
ber darauf ausging, aller Art ©ebraudzsgegenftänbe mit ben Waffen unb Waffen* 
taten bes beutfeben Doifsbeeres in Beziehung zu feben. WitAed)t ftrengten fich bie 
dazu berufenen an, ben ©efebmaefsmidrigfeiten entgegenzuarbeiten. Ob es nun bie 
ftTengen Ermahnungen unb Aufrufe ber Künftler unb Kunftmärter mären, ober ob 
fich bie oerantmortllchen Kreife bes Qanbels unb ber 3nbuftrie foroie bie Käufer* 
maffe oon felbft zu einem befferen Kriegsfall unb ©efehmaef beranbilbeten, jeden* 
falls finb jept im brttten Kriegsjabr unfere 0d)aufenfter nicht mehr fo angefüllt oon 
beleibigenbem Kriegsfitfch roie im erften. 

Wir liegen einige Päcfchen beutfehe ©pielfarten oor, bie auch hie Kriegsmobe 
milgemacht hoben. 3ft bas nicht ganz natürlich? 3ft hoch ber ©edanfe an ben Krieg 
in uns allen tagein, tagaus mach unb tätig. Wir benfen bei aller unferer Defcpäfti* 
gung unb erft recht bei gefelliger Unterhaltung an ben Krieg, unb ba märe es ja ein 
Anachronismus, moliten bie ©pielfarten unferes Aationalffats auf jebe Anpaffung 
an bie3dchen unb Farben unferer 3eit oerzlchten. 0ie brauchen besmegen nicht ben 
Kunfa* unb ©cbönheitsfinn oerlet/en. Töenn bas hoch hi« unb ba oorfommt, fo 
muh man bebenfen, daß fich bie Oerfaeller, 3«<hner unb Drucfer folcher Kriegs* 
fpieltarten oor eine neue unb fchmierige Aufgabe geftellt feben, bie mit bem erften 
73erfuct> nicht zu löfen ift. 'Darum feben mir nun aber auch, daß bie neueften 
beutfehen Kriegsfpielfarten, bie foeben bie betannte ©oslarer ©pielfartenfabrif 
oon $. A. fiattmann berausbringt, bie bisher oorhanbenen an 3a>ecfmäf)igfeit unb 
©efälligfeit übertreffen. 

Wan hat gefchmaefooller *TOeife auf Derroenbung oieler Porträts oerjichtet: nur 
bie oier Könige tragen bie 3^0* her beutfehen dürften oon Preußen, labern, 0achfen 
unb Württemberg. Wo man nicht, mie bei ben reichen, farbenprächtigen Affen, ber 
reinen Omamentif ben Dor?ug gegeben hat, unb figürlichen ©epmuef anzubringen 
hatte, hat man bas in fünfalerifcp einmanbfreier unb doch ganz naioer, ooltslieb* 
artiger Auffaffung getan. Oft fieht man fauber unb nett entroorfene ©jenen aus 
bem £eben unferer Krieger am unteren Aanbe ber ©pielfarte, bie gemij) ben 0fat* 
brübem nicht nur unferer 3dt $reube machen merben, fonbern mahrfcheinlich auch 
noch lh«n Kindern unb Kinbestinbern, benen fie oon unferer ferneren unb großen 
3eit erzählen merben. 

©elbfaoerfaänblicb ift bie technifche Ausführung bes ^arbenbruefs oollfommen auf 
ber Oöhe. Die ganze Erfcpeinung biefer fiattmannfepen Kriegsfpieltarten ift ein 
febönes 3dchen bafür, baf> bas ©efübl ber Derantmortlicpfeit auch hen Kaufmann 
unb 3nbufariellen, in biefem «^alle ben Derleger, beberrfept» ein Reichen ber 3dt, 
eines fich läuternben ©efepmaefs unb eines fich allmählich gegenüber bem ungeheuren 
Erlebnis bes Krieges jureeptfinbenden Doifsgefübls. 


(Eine beutfeße Uriegsfpielfarte 

Eine neue Kriegsfpielfarte roirb ber beutfehen Karte gemij) roieber neue freunde 
geminnen, benn biefe Karte mirtt in ihrer fünftlerifchen unb technifchen Ausführung 
fo prächtig, baf) fich Diele, bie bisher mit ber franjöfifcben Karte ihren 0tat fpielten, 
an bie beutfehe Karte gemöbnen merben. Die in ber befannten ©pielfartenfabrifoon 
j. A. fiattmann in ©oslar erfebeinenbe Karte ftellt fich als ein THufter harmo* 
nifcher 3ufammenroirtung ber färben unb ber 3^>4)nungen bar. Die Eichel* unb 
bie ©chellenfarten mirten in ber <$arbe forfch unb lebhaft j fie erhalten einen ruhigen 
£on burch bie unten auf bem Kartenblatt in mirflich tünftlerifcber 3eid)nung bar* 
geftellten Dilber aus bem großen Weltfriege. Wir feben ba ben Kaifer bei Deobach* 
tung ber 0chlad>t, eine prächtige Kaoallerieattacfe, bie oerfchneiten Schützengräben, 
bie Arbeit im Drabtoerhau unb eine Wafchinengeroehrabteilung im ©chnee» ferner 
auf ben ©chellenfarten bie Anlegung oon ©chüpengräben, fernere Artillerie, ©^nee* 
fchuhpatrouille, IHarine* Artillerie unb bie Arbeit ber ©anitäter im <$elbe. £ebhaft 
mirten auch bie Qerjtarten allein fchon burch bie gegebene rote <$arbe. ©ie zeigen 
burchmeg Dilber aus bem ©eefriege, bie lätigfeit ber THarineluftfchiffe, ber Unterfee* 
boote unb anberes mehr. Wirtlich oorbilblich in harmonifcher,ruhiger ©efamtroirfung 
finb bie grünen Dlätter. ©ie zeigen ein fein abgetöntes fattes ©rün, bas fich aus ben 
prächtigen Kriegsbilbern (3nfanteriefturm, ^elbartillerie im ©efecht, pontonbriiefe 
ber Pioniere, ©cheinroerferabteilung unb Jlieger) einbrucfsooll heraushebt. Die 
©taatenmappen finb über fämtliche Dlätter ber Zahlenfolge oerteilt, mährenb bie 
Wappen ber oier beutfehen Könige ben Dlättern mit ben Königen oorbebalten finb. 
Diefe Könige (oon Preußen, Daijem, ©achfen unb Württemberg) ftellen rein fünft* 
(erifch bas Defte bes ganzen ©pieles bar. ©ie zeigen bie mohlgelungenen Köpfe ber 
oier beutfehen Könige in einer fo gefälligen Umrahmung, baß jebes einzelne Dlatt zu 
einem fleinen Kunftblatt mirb. Unter unb Ober finb burch has einzelne Dlatt füllenbe 
Kriegerßguren aus Oeer unb Wanne gefchmücft, mährenb bie Asblätter einmal bie 
©ermania mit bem Aheinftrom unb feinen beutfehen Durgen im Ointergrunbe,zum 
anberen ben erroachenben Wichel auf einer 42er ©ranate zeigen» ©chellen*As oer* 
einigt bie Wappen ber oierDerbünbeten, überftrahlt oon ber beutfehen Kaifetfrone, 
unb Qerj*As erinnert an bie Aeuftiftung bes Eifemen Kreuzes bei Ausbruch bes 
Krieges: Das Eiferne Krem, oon ©iegerlorbeer umrahmt, am fchmarz*meißen Danbe 
unb darüber in ben ©trahlcn ber Kaifertrone ber Adler mit roeit ausgefpreljtcn 
©chmingen, ebenfalls einen fleinen grünen fiorbeerjmeig im ©chnabel. Die ganze 
Ausführung ber einzelnen Dlätter macht fomohl bem jungen Künftler, ber im ^elbe 
ftebt, mie auch her ©pielfartenfabrif oon §. A.£attmann alle Ehre. 3^1chnung unb 
Ausführung erheben fich über ben Durchfchnitt, halten fich frei oon allem 
Schablonenhaften, bas fo oft bei anberen Dlättem biefer Art oerftimmt, unb geben 
bem ganzen ©piel ein folibes, fünftlerifchcs ©epräge. 


_ Original fro-m 

PRINCETON UNIVERSITY 


















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■PRINCFT ON UNIVERSITX 











Beilage zum ,, Archiv für Buchgewerbe“. 


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Original frnrn 

PRINCETON UNtVERSITY 










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vient Chemnit/ 


/um u/ Jtiftungsjelt 

am Donnerstag, den 21. TDai 1914 


Beilage /um „Archiv für Buchgewerbe" 


Buchdruckerei Wilhelm Adam, Chemnit/ 


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wei Triebfedern beftimmen mein g 
Handeln* die eine ift das €l)rge= rs> 
füf)l und die andere das U7ol)l § 
des Staates, den der Himmel mir £r 
?um Regieren gegeben f)at* fie r| 
(ct>reiben mir ?wei Gebote vor, 
einmal, nie etwas ?u tun, worüber & 
\&) ?u erröten l)ätte,wenn id) mei= § 
j nem VolKe Rede fteben müßte, und fodann: für g 
) meines Vaterlandes Heil und Ruh>m den letzten ra 
i Tropfen meines Blutes hjinjugeben. mit fold)en et 
' Örundfät^en weidet man feinen Feinden nie! 

5 Friedrich) Ser 6roße ä 



Zeichnung von Profe(Tor Otto Hupp 



Zeichnung von ProfefTor Otto Hupp 


Klingfpor-Karten 


Beilage zum Archiv für Buchgewerbe 

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Schrift, Satz und Druck 
von Gcbr. Klingfpor, Offenbach a. M. 

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Äeine Nation fo fe^r atö bie beutfche ben 2ßert oon 
anberen Nationen uni» roirt» leiber non ben meifien wenig 
geartet, eben wegen biefer 23iegfamfeit. 3JUch bunft, bie 
anberen Nationen haben recht: eine Nation, bie allen gefallen 
will, oerbient oon allen oerachtet ju werben. 

@eorg ßfcriftopfc Stettenberg 1742-1799 


3 rtrt)nung oon ®. TTlathft) 



Ällngfpor*Sarten 
Beilage jum für 23u<hgctoctbc 

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ert>rlff, e<i^ unb t>ru<f 
oon ®ebr. 5 U(ngfpor, Offenbart) a 

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PR1NCETON UNIVER5ITY 






^ef)tnt eucf) oor ötefen Kosmopoliten in 
' acf)t, Öte in ifjren @cf)riften auS metter 
^erne Pflichten (jerfjofen, Öeren Erfüllung fie 
tn begug auf tl)re eigene Umgebung üeräd)t(td) 
Surücftoetfen. (Ein fo(c^er Pljtlofopl) hebt bte 
Sartaren, um beffen überfyoben gu fein, feine 
27acf)barn ju lieben. 

3- 3-^ouffeau 


©efrtjt au* 2fcmann»$raftur 



3ricf)nung oon ?Ju&o(f Äodj 


Ältngfpor-Äartcn 
■Beilage jum ^Irdjlo für 3udigca>er&c 


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0<f>r(ft, 0atj unt> T>rucf 

q r j... ( CJe.br. ÄKngfpor, Offenbar a. 77t. 

PR1NCETON UNIVERSITY 




0<f>riffc, 0at} unt> T>rurf 
von ©ebr. ÄUngfpor, Offenbad) a. TU. 



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====== ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE ==^^= 

Hauptversammlung des Deutschen Buchgewerbevereins 

am 26. Juni 1917 im Deutschen Buchgewerbehause zu Leipzig (Protokoll-Auszug) 


j T ■ ERR Geheimrat Arndt Meyer begrüßt die 
| I I : Erschienenen, stellt fest, daß die Haupt- 

| 5 HS Versammlung satzungsgemäß durch Be- 

kanntgabe im Reichsanzeiger und durch 
Einladung sämtlicher Mitglieder durch besondere Ein¬ 
ladungen einberufen worden ist und geht sogleich 
zum ersten Punkt der Tagesordnung: Bericht des 
2. Vorstehers über. Da der Bericht bereits sämt¬ 
lichen Mitgliedern zugegangen ist, wird auf dessen 
Verlesung verzichtet und Herr Geheimrat Meyer be¬ 
spricht nur kurz die einzelnen Absätze des Berichtes. 
Durch den Tod verloren hat der Verein 26 Mitglieder, 
wovon drei auf dem Felde der Ehre gefallen sind. 
Zum Andenken an die Verstorbenen erheben sich 
die Anwesenden von ihren Plätzen. Herr Geheimrat 
Arndt Meyer berichtet sodann, daß die Ausstellung 
des Buchgewerbevereins in Stockholm von gutem Er¬ 
folg gewesen sei und daß geplant würde, weitere 
ähnliche Ausstellungen zu veranstalten. Geheimer 
Hofrat Dr. v. Hase gibt seiner Freude darüber Aus¬ 
druck, daß in diesen schweren Zeiten der Verein es 
verstanden hätte, in dieser Weise durchzuhalten. 
Irgendwelche Erinnerungen gegen den Bericht werden 
nicht zur Sprache gebracht und derselbe einstimmig 
genehmigt. 

Zu Punkt 2 und 3 der TagesordnunggibtHerr Schatz¬ 
meister Heinrich Wagner den Bericht. Herr Degener 
erstattet darauf den Bericht der Rechnungsprüfer, der 
schriftlich niedergelegt ist. Demzufolge haben die 
Herren Degener und Plenge, welche die Kasse geprüft 
haben, alles in Ordnung gefunden, so daß sie bean¬ 
tragen, dem Schatzmeister für die Rechnungslegung 
1916 Entlastung zu erteilen. Diese Entlastung wird 
einstimmig genehmigt. Herr Degener dankt insbe¬ 
sondere Herrn Heinrich Wagner für seine aufopfernde 
Tätigkeit. 

Bei der Beratung des Voranschlages für das Jahr 1917 
fragt Herr Diebener an, wann die Schoppmeyersche 
Sammlung abgezahlt werden könne, worauf Herr 
Professor Schramm erwidert, daß in der jetzigen Zeit 
nicht daran gedacht werden könne, einen Stifter hier¬ 
für zu finden. Herr Prokurist Schwarz bringt bei dem 
Konto Archiv eine Reihe Anregungen betreffs der 
künftigen Gestaltung des letzteren. Ein besserer Aus¬ 
bau des Blattes als Vereinsorgan, eine räumliche Aus¬ 
gleichung des Umfanges der technischen und wissen¬ 
schaftlichen Abhandlungen, die Begrenzung der Zahl 
der nicht mit dem Texte in Beziehung stehenden Bei¬ 
lagen unter möglichster Berücksichtigung des ver¬ 
schieden interessierten Leser- und Bezieherkreises 
und endlich auch die Erzielung größerer Aktualität 
im Gesamtinhalte erschienen ihm als lösenswerte 
Aufgaben für die Zeit nach Kriegsende. Wenn man 
der Sache ernstlich nähertrete, glaube er, daß da 
und dort auch Kosten erspart werden könnten. Der 
Vereinsausschuß könnte sich vielleicht einmal mit 
der Sache ausführlicher beschäftigen. Auch die Frage 


der Unabhängigkeit sei besonders zu prüfen. Der 
Vorsitzende dankt Herrn Prokurist Schwarz herzlichst 
für die gegebenen Anregungen. Herr Säuberlich möchte 
nicht, daß das finanzielle Moment zu sehr in den 
Vordergrund gerückt würde. Das Archiv sei das 
einzige Bindeglied zwischen den Mitgliedern und dürfe 
unter keinen Umständen Not leiden. Herr Verlags¬ 
buchhändler Degener erklärt, daß der Vereinsaus¬ 
schuß gern sich der Sache annehme; wenn in letzter 
Zeit nichts geschehen sei, so hänge das einzig und 
allein mitdenVerhältnissen zusammen. Herrprokurist 
Schwarz erklärt, daß es ihm weniger um Erzielung von 
Ersparnissen bei dem Archiv zu tun sei, als um die Tat¬ 
sache, daß das Archiv mehr Organ des Vereins werde. 
Der amtlicheTeilmüsse vor allem größer werden, damit 
die Mitglieder besser erführen, was im Verein vor sich 
gehe. Herr Kommerzienrat Giesecke führt aus, daß die 
wirtschaftliche Frage streng getrennt werden müsse 
während der Kriegszeit und während der Friedenszeit. 
Selbstverständlich müsse jetzt möglichst Sparsamkeit 
walten. Er möchte aber dringend davor warnen, diesen 
Zustand für Friedenszeiten beizubehalten, denn das 
Archiv müsse sich seine Bedeutung wahren. Er halte 
es für angezeigt, daß man sich die Frage der Umge¬ 
staltung des Archivs für die Friedenszeit Vorbehalte 
und bittet, daß der Vereinsausschuß sich der wich¬ 
tigen Frage besonders annehmen möge. Herr Verlags¬ 
buchhändler Diebener stimmt Herrn Schwarz zu, daß 
das Organ des Vereins mehr orientieren müsse. Be¬ 
züglich der Abhängigkeit oder Unabhängigkeit könne 
man verschiedener Meinung sein. Herr Verlagsbuch¬ 
händler Degener sagt nochmals zu, daß der Vereins¬ 
ausschuß sich eingehend mit der Frage beschäftigen 
werde, was der Vorsitzende mit großer Freude begrüßt. 

Punkt 4 der Tagesordnung: Neuwahl. Hierzu be¬ 
merkt der Vorsitzende, daß Wiederwahl vorgeschlagen 
werde, daß aber bei dem Vorstand Herr Geheimer 
Kommerzienrat Büxenstein eine Wiederwahl leider 
ablehnen müsse, und daß beim Vereinsausschuß eine 
Wiederwahl von Herrn Löwenheim nicht stattfinden 
könne, da dieser nicht mehr Mitglied des Buchge¬ 
werbevereins sei. Herr Degener erklärt, daß er leider 
für beide Herren keinen Ersatz vorschlagen könne, 
worauf Herr Heinrich Wagner vorschlägt, man solle 
es dem Vorstand bzw. Vereinsausschuß überlassen, 
sich zu ergänzen, falls es während des Krieges not¬ 
wendig sei; dieser Vorschlag wird einstimmig ange¬ 
nommen. 

Damit ist die Tagesordnung erschöpft. Der Vor¬ 
sitzende gibt noch Mitteilungen über den Gang der 
Arbeiten für die Verdeutschungsliste der buchgewerb¬ 
lichen Ausdrücke, wozu Herr KommerzienratGiesecke 
noch einige Anregungen gibt. Herr Hofrat Dr. Joh. 
Baensch-Drugulin dankt dem Vorstand für seine er¬ 
folgreiche Tätigkeit im vergangenen Jahre, worauf der 
Vorsitzende die Versammlung mit dem Dank für das 
Erscheinen der Anwesenden schließt. 

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_ ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE .. 

Deutsche Bibliothekarschule zu Leipzig 


Kursus für mittlere Beamte 1917/19 

I. Dozenten: 

Boysen, Karl, Geheimer Hofrat, Dr. phil., Direktor 
der Universitätsbibliothek zu Leipzig 
Goldfriedrich, Johann, Dr. phil., Bibliothekar und 
Archivar des Börsenvereins der Deutschen Buch¬ 
händler zu Leipzig 

Günther , Otto, Dr. phil., Oberbibliothekar an der 
Universitätsbibliothek zu Leipzig 
Lerche , Otto, Dr. phil., 1. Bibliothekar an der Deutschen 
Bücherei zu Leipzig 

Minde-Pouet, Georg, Professor, Dr. phil., Direktor der 
Deutschen Bücherei zu Leipzig 
Rath , Erich von, Dr. jur., Direktor der Bibliothek des 
Reichsgerichtes zu Leipzig 
Schramm , Albert, Professor, Dr. phil., Direktor des 
Deutschen Buchgewerbemuseums zu Leipzig 
Wahl , Gustav, Dr. phil., Oberbibliothekar an der 
Bibliothek des Reichsgerichtes zu Leipzig 

II. Vorlesungsverzeichnis: 

1. Semester W.-S. 1917/18 
Boysen, Bibliotheksverwaltungslehre 1. Teil 
Lerche , Enzyklopädie und System der Wissenschaften 

1. Teil 

Minde-Pouet, Grundzüge der Weltliteratur l.Teil 
Schramm , Geschichte der Schrift 
Schramm , Geschichte des Buches und Buchgewerbe¬ 
kunde (1. Beschreib- und Bedruckstoffe, Schreib¬ 
geräte, Formen des Buches) 

Wahl, Die Instruktionen für die alphabetischen Kata¬ 
loge der preußischen Bibliotheken l.Teil 

2. Semester S.-S. 1918 
Boysen , Bibliotheksverwaltungslehre 2. Teil 
Lerche, Enzyklopädie und System der Wissenschaften 

2. Teil 

Minde-Pouet, Grundzüge der Weltliteratur 2. Teil 
Schramm, Geschichte des Buches und Buchgewerbe¬ 
kunde (2. Geschichte der Buchdruckerkunst und 
der übrigen Vervielfältigungsverfahren) 

Schramm, Deutschlands Bibliotheken und Museen, 
ein Überblick 

Wahl, Die Instruktionen für die alphabetischen Kata¬ 
loge der preußischen Bibliotheken 2.Teil 

3. Semester W.-S. 1918/19 
Boysen, Geschichte der Bibliotheken 
Goldfriedrich , Geschichte des Buchhandels l.Teil 
Günther, Bibliographie l.Teil 
Minde-Pouet, Grundzüge der Weltliteratur 3. Teil 
Schramm, Buchkunst und Buchillustration l.Teil 
Schramm, Geschichte des Bucheinbandes und des 
Exlibris 


4. Semester S.-S. 1919 

Goldfriedrich, Geschichte des Buchhandels 2. Teil 
Günther, Bibliographie 2. Teil 
Minde-Pouet, Grundzüge der Weltliteratur 4. Teil 
v. Rath, Die rechtlichen Verhältnisse des Buches und 
der Bibliotheken 

Schramm, Buchkunst und Buchillustration 2. Teil 
5chramm,AnlageundVerwaltungvonBlattsammlungen 
Außerdem finden Vorlesungen über Weltgeschichte, 
Literaturgeschichte und Kunstgeschichte in jedem 
Semester statt, worüber Näheres noch bekanntge¬ 
geben wird. Dazu kommen Übungen im Lesen latei¬ 
nischer Texte und im Aufnehmen lateinischer Buchtitel, 
sowie ein Kursus in Stenographie (System Gabels¬ 
berger) und Schreibmaschine. 

In den Sommersemestern werden Studienreisen 
zum Besuche von Bibliotheken, Museen und buch- 
gewerblichen Betrieben unternommen, in den Winter¬ 
semestern werden Führungen durch die Leipziger 
Bibliotheken und Museen veranstaltet, sowie muster¬ 
gültige buchgewerbliche Betriebe besucht. 

DieTeilnehmer haben gleichzeitigalle vierSemester 
als Volontäre an einer Bibliothek zu arbeiten und 
zwar je ein Semester an der Universitätsbibliothek, 
der Deutschen Bücherei, am Deutschen Buchgewerbe¬ 
museum, der Reichsgerichtsbibliothek bzw. Bibliothek 
des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler. 

III. Aufnahmebedingungen: 

Als Studierende werden nur aufgenommen Per¬ 
sonen, die den Nachweis der Reife für Obersekunda 
eines Gymnasiums oder Realgymnasiums oder einer 
Oberrealschule bzw. bei weiblichen Bewerberinnen den 
Nachweis der Reife für die entsprechende Klasse einer 
Studienanstalt oder das Abschlußzeugnis einer zehn- 
klassigen höheren Mädchenschule, eines Lehrerinnen- 
Seminars oder einer gleichwertigen Anstalt beibringen. 

Als Hörer kann jede genügend vorgebildete Person 
aufgenommen werden, die das 18. Lebensjahr vollendet 
hat. Die Teilnahme an bestimmten Vorlesungen kann 
den Hörern versagt werden. 

IV. Gebühren: 

Die Studierenden haben eine Pauschalsumme von 
125M pro Semester zu bezahlen, wofür ihnen alle 
Vorlesungen, Seminarübungen, Führungen usw. un¬ 
entgeltlich zugänglich sind. 

Hörer zahlen für eine einstündige Vorlesung 10M, 
für eine zweistündige 15 M, für eine drei- bis vier¬ 
stündige 20 M pro Semester. 

V. Aufnahme: 

Die Gesuche um Aufnahme als Studierende, bzw. 
Hörer sind bis spätestens 15. September an Museums¬ 
direktor Prof. Dr. Schramm, Leipzig, Gerichtsweg 26 
unter Beifügung der nötigen Papiere einzureichen. 

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= ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE == 

Buchgewerbliche Rundschau 


Hundertjähriges Bestehen der Farbenfabriken Chr. 
Hostmann-Steinberg in Celle. Obgleich es nicht an einer 
umfassenden Literatur über die Erfindung der Buchdrucker¬ 
kunst und die Entwicklung der letzteren mangelt, so findet 
sich doch fast nirgends eine ausführliche Mitteilung über 
die ursprüngliche Art der Herstellung der Buchdruckfarben, 
v. d. Linde gibt auf Seite 129 seines Werkes „Gutenberg“ 
einige wenige technische Andeutungen. Am ausführlichsten 
behandelt J. H. Bachmann in seinem 1876 erschienenen 
Neuen Handbuch der Buchdruckerkunst die schwarze 
Farbe und dabei verweist er auch auf die obengenannte 
Firma, indem er schreibt: „In Norddeutschland war die 
Fabrik von Hostmann in Celle die erste, welche durch ihr 
wirklich gutes Fabrikat den ausländischen Produkten Kon¬ 
kurrenz machte. Diese Fabrik wurde bereits im Jahre 1821 
von einem unternehmenden Manne, dem Kaufmann Holste 
in Celle errichtet und ging dann später auf Hostmann über. 
Sie hat also sehr lange Zeit und vielen Mut dazu gebraucht, 
um es bis zu einem anerkennenswerten Resultat zu bringen.“ 
Die Firma Chr. Hostmann-Steinberg muß demnach als die 
erste deutsche Farben/ahn/c gelten, und wenn man berück¬ 
sichtigt, daß noch Mitte des vorigen Jahrhunderts die Buch¬ 
drucker den Erzeugnissen der Farbenfabriken nicht allzu¬ 
sympathisch gegenüberstanden, weil jeder am liebsten seine 
Farben selbst fertigte, so begreift man die Schwierigkeiten, 
die eine Farbenfabrik zu überwinden hatte, um zur Ent¬ 
faltung und zum Ansehen zu gelangen. Daß der genannten 
Firma dies in weitestem Maße durch die Rührigkeit ihrer 
Inhaber bis auf den heutigen Tag gelungen ist, beweist ihre 
Größe sowie das Ansehen, das sie im In- und Auslande ge¬ 
nießt. Ihre Erzeugnisse gehören zu den bevorzugtesten in 
den Buch- und Steindruckereien. Indem wir der Jubilarin 
eine gedeihliche Weiterentwicklung wünschen, schließen 
wir nachstehend noch einige bemerkenswerte Daten über 
ihre Entwicklung an. Wie bereits oben bemerkt, gilt Johann 
Christian Holste in Celle als der Gründer der Firma; ihm 
mag wohl der damalige Buchdruckereibesitzer Pick, eben¬ 
falls in Celle, bei seiner einsetzenden Fabrikation von Buch¬ 
druckerschwärze an die Hand gegangen sein. 1831 trat 
Holste mit den Celler Bankiers Carl und Chr. Hostmann, 
zwei Brüdern, in Verbindung. Im Jahre 1851 starb Holste, 
so daß das Geschäft von den Vorgenannten eine Reihe von 
Jahren allein weitergeführt wurde. 1857 trat Georg Host¬ 
mann, Chr. Hostmanns Sohn in die Firma ein, um zugleich 
die Leitung des Betriebes zu übernehmen. Der Kaufmann 
Heinrich Holste, der bereits längere Zeit stiller Teilhaber 
gewesen war, trat 1876 ein, um sich mit dem Vorgenannten 
in die Leitung des Geschäftes zu teilen und bei der Er¬ 
weiterung desselben zu betätigen. Seit 1895 wurde der 
Buntfarbenfabrikation erhöhte Aufmerksamkeit zugewandt 
und zu dem Zwecke in Klein-Hehlen ein umfangreiches 
Geländestück erworben. Seit etwa zwei Jahrzehnten gehört 
Dr. Georg Hostmann, der Sohn Georg Hostmanns der Firma 
ebenfalls als Teilhaber an. Seit 1900 hat die Firma die 
Form einer G. m. b. H. angenommen, deren Geschäftsführer 
Dr. Georg Hostmann und Heinrich Holste sind. Georg 
Hostmann und Heinrich Holste traten 1902 in den Ruhe¬ 
stand, die Rechte des letzteren gingen auf den Fabrikbesitzer 
Heinrich Steinberg in Berlin über, dessen Sohn Ernst Stein¬ 
berg bereits 1904 ebenfalls als Gesellschafter undGeschäfts- 


führer in die Firma eingetreten ist. Heinrich Steinberg, 
der älteste Mitinhaber, starb im Jahre 1914, seitdem sind 
Dr. Georg Hostmann und Ernst Steinberg die alleinigen 
Inhaber der Firma. Neben ihren, zahlreichen Zweigge¬ 
schäften in den Hauptdruckstädten des In- und Auslandes 
hat die Firma Chr. Hostmann-Steinberg im Deutschen Buch¬ 
gewerbehause in Leipzig die umfangreichen Räumlichkeiten 
für Geschäfts- und Lagerzwecke inne, die bis vor einer 
Reihe von Jahren von einer angesehenen ausländischen 
Firma belegt waren. Sie hat sich damit noch mehr als wie 
bisher in den Mittelpunkt des Buchgewerbes gestellt. S. 

Auszeichnungen. Seitens der Hamburgischen Gesell¬ 
schaft zur Beförderung der Künste und nützlichen Gewerbe 
(Patriotische GeselLschaft)wurden 13MitarbeiterderFarben- 
fabriken Beit & Co. in Hamburg und Staßfurt für langjährige 
Diensttreue mit einem ehrenden Diplom und einer silbernen 
Medaille ausgezeichnet und zwar die folgenden Herren: 
Aug. Ritterbusch (40), C. Schulze (34), Georg Mickan (32), 
Fr. Schulz (33), Herrn. Schulze (30), Hartwig Begung (29), 
Richard Meier (29), Aug. Loerke (27), Emst Kirchhof (40), 
Johann Reffke (30), Heinrich Koch (29), Fritz Lüdmann (27), 
Carl Thomsen (26). Die beigefügten Zahlen bedeuten die 
Anzahl der Dienstjahre. -a-. 

Die Leltungderk.k.Graphischen Lehr-und Versuchs¬ 
anstalt in Wien gibt bekannt, daß die Einschreibungen 
von Schüler und Schülerinnen für das Schuljahr 1917/18 
am 15. September 1917 beginnen und zwar für sämtliche 
Kurse, sowohl an der Abteilung für Photographie und 
Reproduktionsverfahren, als an derjenigen für Buch- und 
Illustrationsgewerbe,einschließlich der Kurse fürZeichnen, 
Lithographie und Radieren usw. Nähere Auskünfte erteilt 
die Direktion der Anstalt, Wien VII, Westbahnstraße 25, 
woselbst auch Programme erhältlich sind. -c-. 

Fiinfundsiebzigjähriges Bestehen der Firma Oskar 
Leiner in Leipzig. Die vorgenannte Firma, die von jeher zu 
den angesehensten und leistungsfähigsten Mittelbetrieben 
Leipzigs zählt, konnte am 15. Juli dieses Jahres auf ihrfünf- 
undsiebzigjähriges Bestehen zurückblicken. War in Anbe¬ 
tracht des Ernstes derZeit auch von einer besonderen Feier 
abgesehen worden, so ließ doch die große Zahl der Gratu¬ 
lanten, Blumenspenden und sonstigen Beweise der Teil¬ 
nahme erkennen, welcher Sympathien sich die Firma er¬ 
freut. Die Mitarbeiter, unter denen sich zahlreiche Jubilare 
befinden,überreichten eineGedenktafel, derVerein Leipziger 
Buchdruckereibesitzer, zugleich im Namen des Deutschen 
Buchdruckervereins eine künstlerische Adresse. Einige 
Daten über die Entwicklung der Firma, deren Inhaber sich 
auch in derf Organisationen des Buchgewerbes in hervor¬ 
ragender Weise ehrenamtlich betätigt haben, und stets für 
das Schöne im Buchdruck ein hervorragendes Verständnis 
bekundeten, seien hier angeschlossen. Die Firma wurde am 
15. Juli 1842 von Oskar Raymund Ludwig Wilhelm Leiner, ge¬ 
boren am 1 .Juli 1814zu Fordon bei Bromberg,gegründet. Ihm 
folgten seine Söhne Oskar Anton Georg Leiner (1873 bis 1914) 
und Oskar Alfred Wilhelm Leiner (1873 bis 1884). Jetzt be¬ 
findet sich die Firma, die ihre Betriebseinrichtungen fort¬ 
gesetzt erweitert, im Besitze von Oskar K. G. Leiner, dem 
Sohne des 1914 verstorbenen Oskar Anton Georg Leiner. 
Wir wünschen der Firma eine fernere gedeihliche Weiter¬ 
entwicklung. S. 

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■ — = - ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE = = - 

Bücher- und Zeitschriftenschau; verschiedene Eingänge 


V Arbeitsproben der Werkstatt für neuzeitliche Druckaus¬ 

stattung von Wilhelm Adam in Chemnitz. Unter den Firmen 
der Provinz, die sich mit ganz besonderem Verständnis der 
Herstellung künstlerisch ausgestatteterGelegenheitsdruck- 
sachen widmen, verdient die oben genannte Firma (Inhaber 
Max Adam und Jean Hoppe D. W. B.) hervorgehoben zu 
werden. Aus einer uns vorliegenden reichen Sammlung von 
Arbeiten, wie sie das Privat-, Vereins- und Geschäftsleben 
zeitigt, gewinnt man die Überzeugung, daß mit einer guten 
Auswahl an zeitgemäßem Schriftmaterial schöne und klare 
Satzanordnungen getroffen werden, die weder etwas Ge¬ 
künsteltes haben, noch an Überladung oder Leere leiden, 
wie es sonst bei ähnlichen Arbeiten vorkommt. Ein hervor- 
tretenderZug der Arbeiten ist die gute Farbenwahl und nicht 
zuletzt die Verwendung bester Papiere. Diese Eigenschaften 
ergeben zusammengefaßt einen guten künstlerischen Ge¬ 
samtausfall der Arbeiten, die auch im Ganzen ein verständ¬ 
nisvolles Zusammenwirken der an ihrer Herstellung be¬ 
teiligten Kräfte erkennen lassen. Wir bringen in dem vor¬ 
liegenden Hefte einige der Arbeitsproben als Beilagen, unter 
andern auch den Umschlag des Ausstellungskatalogs zur 
Sonderausstellung Max Klingerscher Werke, die die Kunst¬ 
hütte zu Chemnitz vor kurzem im König-Albert-Museum 
dortselbst veranstaltete. Der Umschlag ist eine gediegene 
Arbeit des Künstlers Gustav Schaffer in Chemnitz, dessen 
Kunst künftig dem Buchgewerbe hoffentlich in noch reiche¬ 
rem Maße als wie bisher zugute kommen wird. Der Katalog 
selbst ist bei der Firma Wilhelm Adam in Chemnitz sehr 
geschmackvoll zweifarbig ausgeführt worden und mit meh¬ 
reren Bildproben (darunter auch ein Porträt Max Klingers 
nach dem neuen Gemälde des Grafen Leopold von Kalck- 
reuth) versehen. -w-. 

V Arbeiten graphischer Lehrwerkstätten. Wenn wir im 
letzten Hefte des Archivs auf die günstigen Ergebnisse 
des Werkstatt-Unterrichts an den Fachschulen in Leipzig 
und München hinweisen konnten, so freut es uns, heute 
bereits auf die Arbeiten einer weiteren graphischen Lehr¬ 
anstalt hindeuten zu können, und zwar auf diejenigen der 
Fachklassen für Schriftsetzer und Buchdrucker der dritten 
städtischen Fach- und Fortbildungsschule zu Chemnitz. 
Durch Herrn Oberlehrer R. Zeise empfingen wir eine reich¬ 
haltige Mappe mit Gelegenheitsarbeiten aller Art, die 
während des erst kurzen Bestehens der Fachklassen ent¬ 
standen sind. In dem der Mappe beigegebenen Rundschrei¬ 
ben werden Zweck und Ziele der Fachklassen kurz erläutert, 
und zwar ist etwa folgendes gesagt: Die Schüler werden 
in besonderen Fachklassen unterrichtet. 1916 besuchten 
110 Schriftsetzer- und 65 Druckerlehrlinge die Schule. Im 
Mittelpunkte des Arbeitsplanes steht der Beruf. Die Schüler 
genießen Unterricht im Deutsch, Rechnen, Zeichnen, in 
Gewerbekunde und in praktischen Arbeiten. Der Zeichen¬ 


unterricht vermittelt dem Schüler die fürs Skizzieren prak¬ 
tischer Arbeiten notwendige zeichnerische Fertigkeit und 
Geschmacksbildung durch Schriftschreiben, struktives 
Naturzeichnen und Umwerten einfacher Naturformen zu 
typographischen Zierformen. Der Linoleumschnitt wird 
ebenfalls geübt. Die Drucker werden mit den einfachen 
geometrischen Konstruktionen, den Grundformen unsrer 
Druckschrift und durch technisches Skizzieren mit den 
wichtigsten Teilen der Tiegel- und Schnellpresse und ihrer 
Betätigung vertraut gemacht. Der praktische Unterricht 
will das berufliche Können erweitern und vertiefen und das 
Verständnis für geschmackvolle Gestaltung der Druck¬ 
sachen anbahnen. Den Schülern stehen zunächst nur vier 
Schriftgarnituren, zwei Tiegel- und eine Schnellpresse zur 
Verfügung. Die Arbeiten der Setzerlehrlinge entsprechen 
folgenden Aufgaben: Übungen im Ausschließen, Aus¬ 
gleichen, Spationieren, Teilen, Abkürzen, Unterlegen und 
Durchschießen, Satzkolumne im Werk- und Gedichtsatz; 
Tabellensatz, Titelsatz, gemischter Satz, Inseratensatz und 
Akzidenzsatz, insbesondere Aufteilung der Fläche und Ver¬ 
wendung der Schrift, Vignette und Tonplatte. Die Drucker 
drucken nicht nur die Arbeiten der Schriftsetzer, sie werden 
auch im Bilderdruck, in Prägedruck, Dreifarbendruck, der 
Farbenmischlehre und in der Maschinenkunde unterrichtet. 
Die in der Mappe enthaltenen Arbeiten legen Zeugnis ab 
von dem ernsten Streben der Schüler und des Lehrkörpers, 
sich den Forderungen einer einfachen klaren Ausstattungs¬ 
weise anzupassen unter Verzicht auf unnötigen Schnörkel¬ 
kram und technische Künsteleien, wie sie leider mehr und 
mehr wieder aufzukommen drohen. Wenn bei manchen der 
Arbeiten deren allzu lapidarer Wortlaut und hier und da 
auch die etwas groß gewählten Schriften stören, so kommen 
andrerseits auch wieder sehr gute Lösungen vor, z. B. die 
Arbeiten Martin Plötner, mehrere Briefköpfe und einige 
andre im Satz und in der Farbe recht gelungene. Der saubere 
Druck der Arbeiten sowie gute Farbenzusammenstellungen, 
die vom Altgewohnten abweichen, verdienen besondere 
Hervorhebung. Wenn man die Erschwernisse berücksichtigt, 
unter denen heute auch die Schulen zu leiden haben, und 
daneben die erhöhte geschäftliche Inanspruchnahme von 
Lehrer und Schüler, so müssen die Leistungen der Schule 
als hocherfreuliche bezeichnet werden, die zu den besten 
Hoffnungen berechtigen. S. 

V Deutsche Heereskarte. Herausgegeben von A.Lattmann 
in Goslar. Auf einer diesem Hefte beigegebenen Beilage 
gibt die durch ihre große Auswahl in künstlerisch herge¬ 
stellten Spielkarten bekannte Firma einige Proben ihrer 
geschmackvollen deutschen Heereskarte, die als zeitgemäße 
Neuheit gewiß das weiteste Interesse finden dürfte. Der 
mäßige Preis und die mustergültige Ausführung der Karte 
werden zu deren Verbreitung gewiß beitragen. -r-. 


Inhaltsverzeichnis 


Bekanntmachung. S. 113. — Ein Streifzug durch 50 Jahr¬ 
gänge des Archivs für Buchgewerbe (1. Fortsetzung). S. 114. 
— Alte und neue Notentitel. S. 125. — Ein Exlibriswerk 
von Bruno Höroux. S. 139. — Klingspor-Karten. S. 142. — 
Hermann Smalian f. S. 144. — Hauptversammlung des 


Deutschen Buchgewerbevereins am 26. Juni 1917. S. 145.— 
Deutsche Bibliothekarschule zu Leipzig. S. 146. — Buch¬ 
gewerbliche Rundschau. S. 147. — Bücher- und Zeit¬ 
schriftenschau; verschiedene Eingänge. S. 148. 

11 Beilagen. 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 

BEGRÜNDET VON ALEXANDER WALDOW 


54. BAND JULI-AUGUST 1917 HEFT 7/8 


HERAUSGEGEBEN VOM DEUTSCHEN BUCHGEWERBEVEREIN 


Bekanntmachung 

In den Deutschen Buchgewerbeverein wurden im Monat August 1917 
als Mitglieder aufgenommen: 

1. Hans Adler, i. Fa. Carl Adler, Buchdruckerei, Käst rin-Neustadt. 

2. Joseph Adler, i. Fa. Joseph Strauß’sche Buchhandlung, Frankfurt a. M. 

3. Robert Ahlberg, Fachgeschäft, Stockholm. 

4. J.J. Augustin, Buchdruckerei, Glückstadt. 

5. Karl Bockfeld, Direktor der Aktiendruckerei und Verlag der Pfälzischen Bürgerzeitung, 
Neustadt a. d. Haardt. 

6. H. Dickmann, Prokurist der Duisburger Verlagsanstalt, Duisburg. 

7. Gerh. Gillessen, i. Fa. Gebr. Gillessen G. m. b. H., Buchdruckerei, Dortmund. 

8. Paul Girardet, i. Fa. W. Girardet, Buchdruckerei und Zeitungsverlag, Düsseldorf. 

9. E. Goldammer, i. Fa. H. Goldammers Verlag, Stettin. 

10. R.Gorschalky, Buch- und Steindruckerei, Danzig. 

11. Robert Hamei, i. Fa. Hamei sehe Buchdruckerei, Düren (Rheinland). 

12. Jean Hoppe, i. Fa. Wilhelm Adam, Buchdruckerei, Chemnitz. 

13. Carl Maetschke, i. Fa. Reichenbacher Tageblatt, Reichenbach i. Schl. 

14. Fritz Müller, i. Fa. Reußische Druckerei und Verlagsanstalt G. m. b. H., Gera. 

15. K. Othmer, i. Fa. Joh. Ewich, Buchdruckerei, Duisburg. 

16. Ph. Schaefer-Weiffenbach, i. Fa. R. Th. Hauser & Co., Buchdruckerei und Kunstanstalt, 
Frankfurt a. M. 

17. Daniel Schanz, i. Fa. Papierfabrik Oberschmitten W. & J. Moufang, A.-G.', Oberschmitten 
(Oberhessen). 

18. Max Schoelkopf, i. Fa. Gerhold &Thon, Neumünster. 

19. Richard Vogel, i. Fa. J. Frohberger Nachf., Buch- und Steindruckerei, Erfurt. 

20. Josef Wehlings, Direktor des Magdeburger General-Anzeigers, G. m. b. H., Magdeburg. 

Leipzig, im August 1917 

Die Geschäftsstelle des Deutschen Buchgewerbevereins 

I. A. Paul Agsten 


149 20 


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PRINCETON UNiVERSITY 








ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Ein Streifzug durch 50 Jahrgänge des Archivs für Buchgewerbe 

Von HEINRICH SCHWARZ in Leipzig 
(2. Fortsetzung) 


1Ä7CN l^ er s ' e ^ ente B an d des Archivs wird mit 
^ einer sich über den ganzen Jahrgang aus¬ 
dehnenden Abhandlung von A. Hering über die Gal¬ 
vanoplastik und ihre Anwendung in der Buchdrucker- 
kunst eröffnet.DerVerfasser gibt eine kurzeGeschichte 
des Galvanismus sowie der Galvanoplastik, ihrer 
chemischen und technischen Besonderheiten und eine 
ausführliche Anleitung zur Ausübung des Verfahrens. 
Wenn auch die gegebenen Hinweise und Beschrei¬ 
bungen der einzelnen Verrichtungen im Laufe der 
Zeit überholt und vor allem die Schnelligkeit, mit der 
heute Kupferniederschläge gewonnen werden, eine 
im Gegensatz zu früher geradezu erstaunliche ist, so 
bleibt doch bemerkenswert, daß schon damals An¬ 
sätze zu manchen Verbesserungen der Technik be¬ 
obachtetwerden können, die erst im letzten Jahrzehnt 
zum endlichen Durchbruch gekommen sind. So spricht 
der Verfasser des erwähnten Aufsatzes bereits von dem 
Prägen in Weich- 


mittelst der Galvanoplastik [v. Kobellsches Verfahren] 
wiederzugeben) und endlich die Glyhographie , ein 
galvanisches Verfahren des Engländers Palmer in 
London, das durch den Leipziger Kupferstecher Ahner 
zu größter Vollkommenheit ausgebildet und vielfach 
für Merkantil- und Illustrationszwecke angewandt 
wurde. Das letztgenannte Verfahren wurde ganz be¬ 
sonders bei B . G. Teubner in Leipzig benutzt. 

In demselben Bande des Archivs ist auch bereits 
wiederholt von der Herstellung von Eisenklischees auf 
galvanischem Wege die Rede. Unter anderm heißt 
es: In neuester Zeit hat man vielfache Versuche an¬ 
gestellt , galvanische Klischees in Eisen anzufertigen , 
und nach den bis jetzt erzielten Resultaten scheint eine 
allgemeine Einführung dieses Verfahrens in nicht 
allzu großer Ferne zu liegen. Welch ein unermeßlich 
großer Vorteil durch ein solches Verfahren für die 
Buchdruckerkunst geboten sein wird , ist sehr leicht 

einzusehen, wenn 


blei, in der Art wie 
es bei neuerenSpe- 
zialverfahren ge¬ 
schieht. DieGutta- 
perchaprägung , 
die jahrzehntelang 
im Gebrauche war 
und der viel Wert, 
besonders für das 
Prägen von Satz¬ 
formenbeigemes¬ 
sen wurde, ist da¬ 
gegen fast ganz 
durch die Wachs¬ 
prägung ersetzt 
worden. 

Als Anhang zu 
dieser mit vielen 
Abbildungen ver¬ 
sehenen Abhand¬ 
lung brachte der 
Verfasser noch 
kurzeErklärungen 
über die Galvano¬ 
kaustik^ zenvon 
Kupfer-und Stahl¬ 
platten auf gal¬ 
vanischem Wege), 
die Galvano- 
graphie (die Mög¬ 
lichkeit,Zeichnun- 





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man berücksich¬ 
tigt , um wie viel 
das Eisen härter 
ist als das Kupfer 
und um wie viel 
weniger solche 
Klischees einer 
schnellen Abnut¬ 
zung unterworfen 
sein werden , als 
die aus Kupfer her¬ 
gestellten. Leider 
ist es uns nicht 
möglich, ein be¬ 
stimmtes, in jeder 
Hinsicht sicheres, 
darauf bezügliches 
Verfahren anzu¬ 
geben, denn nur 
von wenigen ist 
bis jetzt diese Auf¬ 
gabe glücklich ge¬ 
löst worden , und 
diejenigen, welche 
wirklich Gediege¬ 
nes erzielten , hiel¬ 
ten ihre Methode 
so geheim als mög¬ 
lich. In einem an¬ 
dern Aufsatze wird 
ein Bericht Jacobis 


gen ohne Atzen Abbildung 19. Verkleinerter (fünffarbiger, blau, rot,braun, Silber,Ton) 

OderRadieren ver- Haupttitel zum VII. Bande (1870) des Archivs für Buchdruckerkunst 


an die Akademie 
derWissenschaften 


150 


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PRINCETON UNIVERSITY 



ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


in St. Petersburg abgedruckt, in dem die von E. Klein 
mit gutem Erfolge erzielten Eisenniederschläge von 
Satz- und andern Druckformen beschrieben werden 
und dem neuen Verfahren außerordentliche Bedeu¬ 
tung zugemessen wird. 

Es ist eigentümlich, daß erst nach beinahe fünfzig 
Jahren, das heißt in der Jetztzeit, derZeit des Kupfer¬ 
mangels, erneut energische Anstrengungen gemacht 
werden, die damaligen Versuche fortzusetzen. Trotz 
aller Anstrengungen der neuen Erfinder und den 
immer wiedergebrachten erheblichen Opfern anMühe, 
Zeit und Geld ist die Eisengalvanoplastik auf dem 
Wege der Versuche wieder steckengeblieben, denn 
zu wirklich endgültig befriedigenden Ergebnissen und 
zu praktischer Anwendung kam sie bislang noch 
nirgends. 

Eine der ersten Abhandlungen über die Photographie 
und ihren Einfluß auf die übrigen graphischen Künste 
erschien in demselben Bande des Archivs. Es wird 


Holzabgelöstwurde. Auch dem Woodburysehen Photo- 
Reliefdruckverfahren, das am Ende der sechziger 
Jahre aufkommt und besonders von Goupil in Paris 
angewendet wurde, widmet das Archiv eingehende 
Behandlung. Es wird im weiteren auch bereits öfters 
des sogenannten Glasdruck- bzw. Lichtdruckverfahrens 
Erwähnung getan und die Ergebnisse desselben als 
diejenigen der Photographie weit übertreffende be¬ 
zeichnet. 

Von dem Ölfarbendruck, der in der Zeit nach 1870 
eine außergewöhnliche Entwicklung in den Stein¬ 
druckereien gefunden hat, ist im siebenten Bande 
des Archiv ausführlicher die Rede. Bemerkenswert 
ist dabei die Stellungnahme des Verfassers zu dem 
künstlerischen Werte der durch den Ölfarbendruck 
entstehenden Druckblätter oder Bilder. Er sagt: Es 
wird in neuerer Zeit und besonders von Künstlern das 
Streben der graphischen Künste getadelt, eine Rich¬ 
tung einzuschlagen, die ihre eigentlichen Grenzen über¬ 
schreite. So werden z. B. die Bemühungen einzelner 

Künstler und Holz¬ 
schneider, in ihren 
Arbeiten das 
Höchstmögliche in 
bezug auf Weich¬ 
heit und Zartheit 
ihrer Produkte zu 
erreichen und 
gleichsam den 
Kupfer- und Stahl¬ 
stich nachzuah¬ 
men, als entschie¬ 
denfalsch bezeich¬ 
net, und warum? 
weil der Holz¬ 
schnitt nur durch 
Linien, nicht 
durch Kreuzlagen, 
Punkte und son¬ 
stige freiere For¬ 
men wirken solle; 
wer will behaup¬ 
ten,daß die unvoll¬ 
kommene, durch 
die mangelhaften 
Hilfsmittel be¬ 
dingte alte Manier, 
nur in Linien zu 
schneiden, die rich¬ 
tige sei, warum 
soll die Weiche, 
der höhere Effekt, 
nicht durch Kreuz¬ 
lagen, Punkte und 
dergleichen erzielt 
werden? Ebenso 

20 * 



darin auf die durch die Photographie ermöglichte Ver¬ 
kleinerung oder 
Vergrößerung ei¬ 
nes Originals hin¬ 
gewiesen,zugleich 
auch die photo¬ 
graphische Über¬ 
tragung des Ori¬ 
ginals auf den 
Stein, die Zink-, 

Kupfer-, Holz¬ 
oder Glasplatte 
erklärt. Die Fort¬ 
schritte in derZink- 
ätzung nehmen an 
diesemZeitpunkte 
ihren eigentlichen 
Anfang. Die er¬ 
wähnte Abhand¬ 
lung ist durch eine 
Beilage illustriert, 
durch die ein Ri- 
dingerscher Stich 
nach erfolgter 
Photolitho¬ 
graphieverkleinert 
zinkographisch 
wiedergegeben 
wurde. —Ein wei¬ 
terer Aufsatz be¬ 
trifft die Photo¬ 
graphie für den 
Holzschnitt, durch 
die die bis dahin 
üblich gewesene 
zeichnerische - 
Übertragung auf 



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EINSATZPAPIERE 


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HERMANN SCHMIDT. 


Leipzig. 




Abbildung 20. Verkleinerte Beilage aus dem V. Bande (1868) des Archivs für Buchdruckerkunst 


151 


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PRINCETON UNIVERSiTY 




ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


wird von vielen Künstlern das Bestreben des Litho¬ 
graphen verpönt, durch seine Steine und seine Presse 
ein Ölgemälde nachzuahmen. Wir können derartige 
Urteile nur als einseitige bezeichnen, denn der Öl¬ 
farbendruck ist ein Feld, das den Tüchtigsten unter 
den Künstlern, den Lithographen und Druckern Ge¬ 
legenheit gibt, zu zeigen, was durchdachte und berech¬ 
nete Benutzung der Farben und die einfache Presse 
vermag, wie schön ists, wenn alle diese Kräfte ihrer 
Aufgabe gewachsen waren, dieselbe zu lösen imstande 
waren. 

In der Tat ist in der Folgezeit im Ölfarbendruck tech¬ 
nisch Hervorragendes geleistet worden, und die in den 
letzten Jahrzehnten bis auf das äußerste entwickelte 
Chromolithographie, der gegenwärtig im vielfar¬ 
bigen Offsetdruck 
(Gummidruck), in 
Verbindung mit 
der Photographie, 
neue Aufgaben er* 
wachsen,darfwohl 
als der Endpunkt 
der damaligen Be¬ 
strebungen, Bild¬ 
mäßiges zu schaf¬ 
fen, angesehen 
werden können. 

In demselben 
Bande treten die 
amerikanischen 
Akzidenzmaschi¬ 
nen, die bereits 
unter 1869 er¬ 
wähnte Liberty- 
Press, ferner die 
Nonpareille- Press 
(s. Abbildung 23) 
u. a. zuerst auf. 

Die einzelnen 
Teile der Pressen 
und deren Funk¬ 
tionen sowie die 
Verwendbarkeit 

der Pressen 
für kleinere Buch-, 

druckereien 
werden aufs ein¬ 
gehendste behan¬ 
delt. Daß durch 
diese Pressen der 
Anfang zu einer 
ganzneuenEpoche 
imMerkantildruck 
gemacht wurde, 
dürfte allbekannt 
sein. Lange Zeit 


hat das Ausland seinen Vorrang im Bau dieser Pressen 
behauptet, bis deutsche Fabriken nicht nur Ebenbür¬ 
tiges, sondern weit Vollkommeneres in den deutschen 
Tiegeldruckpressen schufen. 

Eine für die jetzige Kriegszeit interessante Notiz 
enthält der siebente Band, nämlich die Mitteilung, 
daß eine amerikanische Maschinenfabrik zum Besten 
der in dem Kriege von 1870/71 arbeitsunfähig ge¬ 
wordenen Buchdrucker sowie der hilfsbedürftigen 
Witwen von Buchdruckern eine Liberty-Tiegeldruck¬ 
presse zur Verfügung gestellt habe, die durch das 
Archiv veräußert bzw. verlost werden soll. Das Archiv 
regt an, die deutschen Maschinenfabriken möchten 
sich zu gleicher Opferfreudigkeit entschließen, während 
sein Herausgeber sich zur Spende von 50 Talern be¬ 
reit erklärt. Im 
achten Bande wird 
dann die betref¬ 
fende Maschine, 
eine Liberty Nr. 2 
für Fuß-und Kraft¬ 
betrieb, zum 
Preise von etwa 
275 bis 280 Talern 
angeboten,daeine 
Verlosung nicht 
angängig war. Die 
Maschine ist mit 
einer Widmungs¬ 
tafelversehenwor¬ 
den, die wie folgt 
lautete: Liberty 
Nr. 2, gegeben von 
den Fabrikanten 
Degener & Weiler 
zum Besten der 
Hinterbliebenen 
der in Frankreich 
gefallenen deut¬ 
schen Krieger. 
NewYorkl871. Es 
wäre interessant, 
zu ermitteln, ob 
dieses Kriegs¬ 
stück heute noch 
vorhanden ist; es 
könnte zu einem 
wertvollenBeitrag 
der technischen 
Sammlungen des 
Deutschen Buch¬ 
gewerbevereins 
werden. 

Eine längere 
Abhandlung, wie 
sie in ihrer Art in 



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zu 



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Ouvertüre za „Fra Diavolo“ von Auber. 

Arie fiir Sopran aus der „Nachtwandlerin“ von Bellini. 
Walzer für Sopran von Arditi. 

II. TheiL 

Ouvertüre zu „Prometheus“ von Beethoven. 

Vorspiel zu „Tristan und Isolde“ von Richard Wagner. 
Fantasie-Caprice für Violine von Yieuitemps. 



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Abbildung 21. Satzbeispiel (verkleinerte Beilage) aus der Bandeinfassung von J. H. Rust i 
Aus dem VIII. Bande (1871) des Archivs für Buchdruckerkunst 


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_PR1NCEJ0N UNIVERSITY 




ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


der großen Zahl unsrer neueren Fachblätter nicht 
mehr aufzutreten pflegt, bringt das Archiv im gleichen 
Bande unter dem Titel: Wie schreibt man richtig? 
Der Verfasser gibt einen regelrechten Leitfaden der 
deutschen Sprache unter Hervorhebung alles dessen, 
was der Schriftsetzer am notwendigsten wissen muß 
und unter Anführung einer großen Zahl von Bei¬ 
spielen, wie sie sich aus der dreigliedrigen Teilung 
des Stoffes: I. Das Groß- und Kleinschreiben; II. Der 
richtige Gebrauch der Buchstaben; III. Die Unter¬ 
scheidungszeichen (Interpunktionen) ergeben. In 
seiner einleitenden Besprechung des Wesens der 
deutschen Sprache sagt der Verfasser u. a.: Nach 
meiner Meinung soll man mit Fug und Recht von 
jedem Setzer erwarten dürfen, daß er in allererster 


oder Volksschule entlassen wurde , durch Selbststudium 
oder andre Hilfsmittel weiter auszubauen. 

Ist auch manches besser geworden, so paßt die 
Klage des Verfassers noch treffend auf die Jetztzeit, 
denn die Zahl der Schriftsetzer, die sich in Schrift 
und Sprache frei bewegen können, ist immer noch 
keine allzu große. 

Als ein großer Übelstand wird bereits im gleichen 
Bande( 1870)desArchivs die Verschiedenheit derKästen- 
einteilung bezeichnet und gleichzeitig der Wunsch 
nach Einheitlichkeit zum Ausdruck gebracht. Die der 
Abhandlung beigefügten Kastenschemata haben sich 
jedoch im Laufe der Zeit ebensowenig einzuführen 
vermocht, wie die Verbesserungs-Vorschläge, die 
während 50 Jahren in so großer Zahl für keine andre 


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Abbildung 22. Deutsche einheitliche Schriftkisten. Aus dem VII. Bande (1870) des Archivs für Buchdruckerkunst 


Reihe ein richtiges Verständnis der eigenen Mutter¬ 
sprache besitzt, die elementaren Bedingungen der¬ 
selben gründlich versteht und sich in Sprache und 
Schrift frei darin bewegen kann . Das wäre ein Mini¬ 
mum, unter welches auf keinen Fall herabgegangen 
werden darf. Wer dasselbe nicht erreicht , mit dem 
ist es freilich traurig genug be¬ 
stellt. Leider aber dürfte so 
mancher, der sich ein wenig in 
der Welt umgeschaut, bestätigen 
können, daß dennoch ein er¬ 
klecklicher Teil unsrer Kollegen 
selbst dieses Minimum nicht er¬ 
reicht. Woher kommt das? Aus 
mancherlei Gründen, haupt¬ 
sächlich wohl aber daher , daß 
ein großer Teil der Schriftsetzer 
nur mit ganz schwachen ele¬ 
mentaren Begriffen über das 
Wesen seiner Muttersprache in 
die Lehre tritt und es sich wäh¬ 
rend derselben und des späteren 
Gehilfenstandes nicht angelegen 
sein läßt, das notdürftige Ge¬ 
rüste, mit welchem er aus seiner 
oft recht untergeordneten Dorf- 


typographische Angelegenheit von Fachgenossen, Zeit¬ 
schriften und Fachvereinigungen gemacht worden 
sind. Die hier wiedergegebenen Schemata weichen 
erheblich von den heutigen Einteilungen, wie sie unter 
der Bezeichnung Leipziger und Berliner Einteilung 
fast überall eingeführt sind, ab (siehe Abbildung 22). 

Erst in neuester Zeit sind wieder 
Ansätze gemacht worden, Ein¬ 
heitlichkeit in Größe und Ein¬ 
teilung der Kästen herbeizu¬ 
führen. Die berufene Stelle 
um hier Wandel zu schaffen ist 
der Deutsche Buchdrucker¬ 
verein, der im Verein mit den 
typographischen Gesellschaften 
sicherlich imstande ist das Rich¬ 
tige zu treffen. 

Ein beachtenswerterversuch, 
die alten Frakturschnitte wieder 
zu neuer Blüte zu bringen, ist 
der des Stempelschneiders Wil¬ 
helm Nense in Leipzig, welch 
letzterer im siebenten Bande 
des Archivs die Probe einer 
von ihm geschnittenen Fraktur 
älteren Schnittes gibt und damit 



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Original fro-m 

PRINCETON UNIVERS1TY 








ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


den Zweck verfolgt, zur damals aufkommenden 
Mediäval-Antiqua eine passende Fraktur zu schaffen. 
Das Archiv bemerkt zu der Schrift: Betrachten wir 
diese Schrift als ein der jetzigen Mode, das Alte wieder 
hervorzusuchen, entsprechendes Produkt, so glauben 
wir, daß sie allerdings dem beabsichtigten Zweck ent¬ 
sprechen und wohl Liebhaber finden wird. Was den 
Stempelschneidern mit der Antiqua gelang, warum 
sollte es nicht auch mit der Fraktur gelingen können ? 
Die Schrift, von der hierneben eine Probe wieder¬ 
gegeben ist, hat gewisse Anklänge an die Ungersche 
Fraktur, die im Originalschnitt wie im Neuschnitt 
wieder weiteste Verbreitung gefunden hat (siehe Ab¬ 
bildung 26). 

Von einem Buchdrucker-Schiedsgericht in Leipzig 
berichtet das Archiv um die gleiche Zeit. Dasselbe 
hatte Differenzen zwischen Prinzipalen und Gehilfen 
zu schlichten. In demselben hatten Prinzipale und Ge¬ 
hilfen Sitz und Stimme. Die Satzungen des Schieds¬ 
gerichts werden wiedergegeben, sie sind in manchen 
Punkten interessant, nicht minder die Namen der 
Schiedsgerichts-Mitglieder, von denen einige in der 
Folgezeit noch eine hervortretende Rolle in organi¬ 
satorischer Hinsicht gespielt haben. 

Eine im gleichen Bande des Archivs vorkommende 
längere Abhandlung zur Geschichte der Familie Haas 
in Basel ist in buchdruckerisch-historischer Hin¬ 
sicht von besonderem Interesse. Es werden in ihr 
die mannigfachen technischen Versuche des Baseler 
Schriftschneiders und Schriftgießers Wilhelm Haas 
und sein Verkehr mit Breitkopf in Leipzig und die 
ganze Wirksamkeitder Haasschen Buchdruckerfamilie 
eingehend geschildert. 

Nachdem schon in den vorangegangenen 
Bänden des Archivs die verschiedensten 
Druckverfahren entsprechende Würdigung fanden, 
erscheint im achten Bande eine umfassende Abhand¬ 
lung von L. Hans über die Herstellung von Druck¬ 
platten mittelst Zinkätzung. Der Verfasser weist 
darauf hin, daß die sich immer mehr steigernde An¬ 
wendung des Holzschnittes zur Illustrierung von 
Werken die Frage der schnelleren Herstellung von 
Klischees nahelege, und es käme wohl die Zinkätzung, 
die zwar den Holzschnitt nie ersetzen werde, zuerst 
in Betracht, zumal sich mit ihr in fünf bis sechs 
Stunden druckfertige Platten herstellen ließen. Die 
Billigkeit der Zinkklischees wird gleichzeitig betont 
und eine eingehende Beschreibung des damals aller¬ 
dings noch recht umständlichen Verfahrens und der 
technischen Einzelheiten desselben gegeben. 

Einen für die Beurteilung der Antriebsmöglich¬ 
keiten früherer Zeit lesenswerten Aufsatz bringt das 
Archiv in seinem achten Bande, und zwar über Dampf-, 
Gas- und Heißluftmaschinen. Es werden darin fast 
alle Systeme des In- und Auslandes, die bei dem 


1 1871 | 


Streben nach Vervollkommnung in damaliger Zeit in 
großer Zahl aufkamen, beschrieben und die Wirkungen 
der verschiedenen Kraftquellen und Kraftmengen be¬ 
sprochen. Daß die Dampfkraft lange Zeit die allein 
bevorzugte gewesen ist und die Gas- und Petroleum¬ 
motoren erst viel später allgemeine Verbreitung fan¬ 
den, geht aus den Ausführungen hervor. 

Als eine der charakteristischsten Schriftproben¬ 
beilagen des Archivs befindet sich im achten Bande 
das Musterblatt der von der Schriftgießerei J. H. Rust 
& Co. in Wien geschnittenen Bandeinfassung (siehe 
Abbildung 21), die damals als eine der schönsten und 
verwendbarsten Schöpfungen der Stempelschneide¬ 
kunst galt und eine außerordentliche Verbreitung 
fand. In der Besprechung des Erzeugnisses beklagt 
es das Archiv, daß eine Berliner Firma sich bereits 
veranlaßt gesehen habe, sich das teuer erworbene 
Eigentum des Schöpfers zunutze zu machen, indem 
sie galvanische Matrizen anfertigte, um den Guß der 
Einfassung verkaufen zu können. Es wünscht, daß 
in solchen Fällen die Buchdrucker bedacht seien, den 
Guß solcher Firmen nicht zu kaufen, um sie für ihr 
unrechtmäßiges Verhalten zu strafen. 

Eine weitere bemerkenswerte schriftgießerische 
Neuerscheinung enthält der achte Band des Archivs, 
und zwar Notentypen auf fünf Nonpareille Kegel für 
Liederbuch- und Choralsatz von Wilh. Gronau in 
Berlin. Die Notentypen sind von hervorragend ge¬ 
nauem Schnitte, sie ergeben im ganzen eine ausge¬ 
zeichnete Notenschrift mit etwas kräftigeren System¬ 
linien, wodurch der Übelstand der sich durch die 
Benutzung im Satze bald zeigenden Lücken stark 
eingeschränkt wurde (siehe Abbildung 25). 

Von andern Schriftgießerei-Erzeugnissen aus dieser 
Zeit, in der die Schriftgießereien kein eigentliches 
künstlerisches Ziel verfolgten, verdient noch erwähnt 
zu werden das Bestreben, Schriften in lichter oder 
mussierter Zeichnung herauszubringen. Daß dabei 
vereinzelt bereits gleiche Wege eingeschlagen wurden 
wie in der Neuzeit, in der zur Erzielung von Wir¬ 
kungen, wie sie um die Wende des 18. Jahrhunderts 
beliebt waren, ältere Schriftschnitte aufgelichtet oder 
mit Schnörkelwerk versehen werden, beweist z. B. 
die nachstehend wiedergegebene Kanzleischrift, der 
noch zahlreiche andre im Fraktur- und Antiqua¬ 
charakter beigefügt werden könnten. Um dieselbe Zeit 
wird es auch Brauch, auf Gelegenheits-Drucksachen 
zwischen zahlreichen Antiquaschriften Fraktur bzw. 
gotischeSchriften, selbstSchreibschriften anzuwenden, 
wie dies an mehreren gleichzeitig wiedergegebenen 
Beispielen ersichtlich ist. Daß bei der damaligen Art 
der Schriftenwahl ein feiner Geschmack Erfordernis 
war, wird jeder Fachmann zugeben, der weiß, wie 
schwierig es ist, mit verschiedenen Schriften eine gute 
Wirkung zu erzielen (siehe Abbildung 20, Seite 151). 
Glücklicherweise ist die Zeit der Schriftenmischung 


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PRINCETON UNIVERS1TY 



Abbildung 24. Zierschrift von Wllh. Woellmer, Berlin. Aus dem VII. Bande (1870) des Archivs für Buchdruckerkunst 


längst überwunden und die Schriftreinheit zum Gesetz noch Abdrücke, wenn nicht ganze Sammelhefte, be¬ 
erhoben worden, durch das auch die Arbeitdes Setzers sitzt, hebt das Archiv besonders hervor. Es ist wohl 
eine wesentliche Vereinfachung erfuhr. Hier und da anzunehmen, daß unsre Museen und Fachbibliotheken 
machen sich aber auch schon wieder Modeerschei- es sich angelegen sein lassen, die Fasolschen Arbei- 
nungen auf Drucksachen bemerkbar, die einen Rück- ten, besonders die großen Blätter, möglichst voll¬ 
fall in die Gepflogenheiten der siebziger Jahre be- ständig zusammenzutragen, im Interesse der Ge¬ 
furchten lassen (siehe Archiv für Buchgewerbe 1916). schichte des Buchdrucks, der leider in der neueren 
Wie in den Schriften, so macht sich auch bei den da- Zeit recht wenig Aufmerksamkeit zugewandt wird, 
mals geschaffenen Einfassungen ein ZugzumZierlichen In demselben Bande befindet sich ferner ein inter- 
und Vielgliedrigen bemerkbar, und es bedurfte schon essanter Aufsatz von Aug. Mahrarens über die deutsche 


Mit Feuer. m (McL v. ReickarcU.) 




Abbildung 25. FQnf-Nonpareille-Notentypen von Wllh. Gronau. Aus dem VIII. Bande (1871) des Archivs für Buchdruckerkunst 


eines geschmackbegabten Setzers, wenn das figuren- Lokal - und Provinzialpresse mit Rücksicht auf das 
reicheMaterial zweckentsprechende Verwendung finden Typographische, die Redaktion und die Expedition. 
sollte. Man vereinfachte sich daheroftdie Arbeit durch Der dabei gegebene geschichtliche Rückblick ist be¬ 
iläufige Heranziehung der Linien zur Ausschmückung sonders lesenswert. 

derZeilengruppierungen.DasArchivgabmitseinenBei- Daß schon vor vierzig Jahren manche Fragen die 
lagen in jeder Hinsicht die einzuschlagenden Wege an. Buchdrucker beschäftigten, die heute noch ungelöst 
Den Wert und die technische Eigenart der in der sind, zeigt eine im achten Bande enthaltene Abhand¬ 
ganzen Welt bekannt gewordenen Fasolschen Kunst- lung über den Annoncenschrvindel und die durch den- 
sätze, die etwa 1867 zum ersten Male aufkommen selben entstehenden Verluste. Das Archiv regt die 
und von denen wohl jeder ältere Fachgenosse heute Gründung einer Stelle an, die, ähnlich wie es schon 

Probe einer Fraktur älteren Schnittes aus dem Jahre 1870 

nbem ich ^firnen mit Vorliegenbem Die iProbe^nfidjt einer neuen graftur Älteren Schnittes 
übergebe, erlaube tcf> mir §u bemetfen, bafj ich mit bem Scfmeiben ber (Stempel hierzu ber 
bringenben ^Iufforberung mehrerer Gapaeitäten ber Buchbrucferroelt $olge Reiftet höbe. 

Unfer ^ahrhunbert, roelches in fo mannigfachen Beziehungen (Ich beflrebt, aus ber Vergangenheit 
Dasjenige mieber zur Benutzung für bie 3efctzeit zu bringen, roas an ©ebiegenheit unb Gharafter bie 
drzeugnijje unferer nermeichlichten J^eriobe zurücfbrängt, fyat hierin auf bem ©ebiete ber Buchbrucferei 
bereits grofe gortfchritte gethan, unb ich z rDe if^ e nicht, bajj auch noch ^ufen hin mein (Streben, ber 
fo beliebten Mediaeval eine paffenbe graftur jur (Seite zu (Men, eine rege Unterjlüfcung jtnben roirb. 

Abbildung 26. Aus dem VII. Bande (1870) des Archivs für Buchdruckerkunst 

155 



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PRINCETON UNIVERSITY 



















ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


damals die Verlegervereine mit den Sortiments-Buch- Ein für die Akzidenzdruckereien der damaligen Zeit 
handlungen getan haben, Listen fauler Zahler führt, nicht unwichtiges Gebiet war der Druck von Aktien, 

Annoncenschwindler bekannt gibt und somit die Inter- Wertpapieren und dergleichen, was das Archiv ver- 

essen der Buchdrucker schützt. Der Herausgeber des anlaßte, dieser Drucksachengattung eine eingehende 
Archivs setzt voraus, daß unter den Zeitungsverlegern Behandlung zuteil werden zu lassen. Zahlreiche 

kein so unwürdiger Geist der Konkurrenz herrscht, Druckproben in ein- und mehrfarbiger Ausführung 

wie z. B. in gewissen Städten unter den eigentlichen illustrieren den mit vieler Sachkenntnis geschriebenen 
Lohnbuchdruckern , und wo es ein wahres Gaudium für Aufsatz, der sich über mehrere Hefte des Bandes er- 
den einen ist, wenn ein ihm wohlbekannter schlechter streckt und den Leser in alles Wichtigere des Wert- 
Zahler einen Kollegen mit seiner Kundschaft beglückt papierdrucks einweiht. 

und diesen in Verlust bringt . Das Archiv richtet dann Als beachtenswerte satztechnische Abhandlung er- 
in einem besondern Anzeigenblatt eine Liste schlech- scheint im neunten Bande eine solche über den Satz 
ter Zahler ein. von Tabellen, in der alles dieses Sondergebiet des 

Eine nicht uninteressante kurze Geschichte der Buchdrucks Betreffende in vortrefflicher Darstellung 
Buchdruckerkunst in Schweden enthält derselbe Band, gesagt und durch viele Beispiele belegt ist. Daß da- 
woraus von neuem hervorgeht, daß das Archiv dem bei den Linien aus Blei, die der Setzer vermittelst des 
Buchgewerbe des Auslandes stets sein besonderes Schnitzers oder mit den damals schon vorhandenen 
Augenmerk zuzuwenden bestrebt gewesen ist. Linienhobeln zuzuschneiden hatte, eine breite Be- 

Anläßlich der hundertsten Wiederkehr des Ge- handlung zuteil ward, ist erklärlich, denn die syste- 

burtstags des Erfinders der Lithographie Aloys Sene- matischen Messinglinien hatten zu der Zeit noch keine 

felder bringt das Archiv in seinem achten Bande eine allzu große Verbreitung gefunden. In der Jetztzeit ist 

erschöpfende Abhandlung unter dem Titel Johann das Gegenteil der Fall, da sich die bessere und vor- 

Aloys Senefelders Leben und Wirken . Gleichzeitig teilhaftere Verwendbarkeit längst erwiesen hat. 
wird ein Bericht über eine in der damaligen Buch- Mehr als Kuriosum, denn als wichtiges Begebnis 
händlerbörse zu Leipzig veranstaltete umfassende sei hier noch eine im gleichen Bande (1872) enthal- 
Sene felder-Ausstellung gegeben. In der letzteren tene Mitteilung an die Herren Buchdruckereibesitzer 
hatte die hervorragende Sammlung des Herrn Heinrich erwähnt, in der die Schriftgießereien der Städte Berlin, 
Brockhaus in Leipzig, die zahlreiche Inkunabeln der Köln, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Leipzig 
Lithographie enthielt, einen Hauptraum ausgefüllt, und Offenbach a. M. bekannt geben, daß infolge der 

bedeutenden Erhöhung sämtlicher Arbeitslöhne und 
Eine der hervortretendsten Abhandlungen Materialien eine Erhöhung der Brotschriftenpreise 
aus dem ersten Jahrzehnt des Archivs ist Platz greifen muß. Vergleicht man die damaligen 
die den neunten Band eröffnende Anleitung zur Holz - Preise der Schriften mit den heutigen, so muß man 
schneidekunst von A. Hering . Deren Inhalt zeigt er- bekennen, daß allzu große Schwankungen in der Höhe 
neut, daß der Herausgeber des Archivs stets das Ziel der Schriftpreise im Laufe der Jahrzehnte nicht ein¬ 
verfolgte, den Fachgenossen das gesamte Wesen der getreten sind. Haben auch die später aufgekomme- 
graphischen Künste zu vermitteln. Zu diesem Zwecke nen Komplettgießmaschinen manche Herstellungs¬ 
wird auch hier eine ausführliche Geschichte der Illu- erleichterung mit sich gebracht, so haben doch die 
strationstechniken, das heißt des Kupferstiches, des Erzeugungskosten in den Schriftgießereien eine stän- 
Holzschnittes und der Lithographie, vorangestellt, aus dige Steigerung erfahren, die die heutigen Preise im 
der der Leser zunächst einen guten Gesamtbegriff Gegensätze zu den damaligen immer noch als niedrige 
von dem behandelten Stoffe erlangt. Der Verfasser erscheinen lassen. 

bemerkt selbst zutreffend: daß, um einen festen Stand - Den Büchersammler dürfte ein Bericht interessie- 

punkt für die ästhetische und historische Betrachtung ren, den das Archiv im neunten Bande bringt und 
der graphischen Künste zu gewinnen, das Verhältnis der die 1872 abgehaltene Versteigerung der T. O. 
derselben zu den andern Arten der Kunst Erörterung Weigelschen Sammlung ältester Erzeugnisse der Druck¬ 
finden muß . Die Abhandlung selbst gliedert sich dann kunst betrifft. Es werden darin die Preise aufgeführt, 
in mehrere Teile, und zwar in die Geschichte der die für die hauptsächlichsten Stücke gezahlt worden 
Holzschneidekunst, welche wie folgt zerlegt ist: I. Der sind. Es sei hier nur erwähnt, daß 133 Nummern der 
Holzschnitt von seiner Erfindung bis zu seinem Höhe- Versteigerung einen Erlös von 32000 Talern brach¬ 
punkt 1100bis 1500. II. Die Zeit der Blüte und des all- ten, während die gesamte Versteigerung 82000 Taler 
mählichen Sinkens der ältern Holzschneidekunst 1500 zeitigte. Der Berichterstatter beklagt, genau wie man 
bis 1600. III. Die Periode der vollständigen Niederlage es leider auch heute noch so oft tun muß, daß das 
des Holzschnittes 1600 bis 1700. IV. 1700 bis zur Beste zumeist vom Auslande erworben wurde, wenn 
Gegenwart. Anschließend hieran folgt der Hauptteil: auch manches davon damals in den Besitz des Ger- 
Die Technik des Holzschnittes. manischen Museums überging. 

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Beilage zum Archiv ffir Buchgewerbe 



































































































































Maschinensaal der F. A. Brockhaus’schen Offizin in Leipzig. Aus dem IX. Bande (1872) des Archivs für Buchdruckerkunst 

Zu der Abhandlung: Ein Streifzug durch 50 Jahrgänge des Archivs für Buchgewerbe 





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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Wie bei ähnlichen Anlässen, so brachte das Archiv 
auch bei dem hundertjährigen Bestehen der Firma 
F. A. Brockhaus neben einem eingehenden Bericht 
eine ausführliche Beschreibung des umfangreichen 
Betriebes, in dem am 31. März 1872 bereits 601 Per¬ 
sonen beschäftigt wurden. Bemerkenswert ist hier¬ 
bei, daß die Schriftgießerei damals 73 Personen, die 
geographisch-artistische Anstalt 42 Personen, die 
Buchdruckerei 272 Personen beschäftigte. Aus dem 
Berichte geht ferner hervor, daß die erste Koenig & 
Bauersche Schnellpresse 1823 hier und damit zu¬ 
gleich in Sachsen Aufstellung fand; es wird auch er¬ 
wähnt, daß die Theodor Walbaumsche Schriftgießerei 
in Weimar von der Firma F. A. Brockhaus aufgekauft 
wurde, wodurch die berühmten Walbaumschen Schrif¬ 
ten deren Eigentum wurden. Der interessante Bericht 
ist mit den auf besonderer Beilage wiedergegebenen 
zwei Innenansichten (Setzersaal und Maschinensaal) 
illustriert. Beide Bilder zeigen, daß es auch schon 
zur damaligen Zeit in Leipzigs Druckereien recht 
imposante Arbeitsräume gab, die denen moderner 
Großbetriebe in nichts nachstanden. 

Endlich sei noch ein in dem genannten Bande 
enthaltener Bericht über einen von A. Mahlau in 
Frankfurt a. M. innerhalb des damals neugegründeten 
Deutschen Buchdrucker-Vereins zum ersten Male ge¬ 
haltenen Vortrag über die richtige Preisberechnung 
erwähnt. Die Ausführungen sind heute noch lesens¬ 
wert und als Ausgangspunkt der jahrelangen Be¬ 
strebungen für die Herbeiführung geordneter Preis¬ 
verhältnisse im Buchdruckgewerbe anzusehen.« 

Der zehnte Band des Archivs macht im 
Gegensatz zu den vorangegangenen einen 
weniger geschlossenen Eindruck: es fehlen darin die 
gewohnten großen technischen Abhandlungen, wäh¬ 
rend zahlreiche kleinere Aufsätze über Nebengebiete 
des Buchdrucks, auch Auszüge aus der ausländischen 
und Tagespresse häufiger als wie zuvor Vorkommen. 
Die Beilagen scheinen auch unter etwas ungünsti¬ 
geren Umständen hergestellt worden zu sein, farbige 
Beilagen, wie sie vordem häufiger vorkamen, werden 
seltener. Es mag dies wohl daran liegen, daß zu 
Beginn der siebziger Jahre eine gewisse Zerfahren¬ 
heit in der Druckausstattung beginnt. Teilweise wird 
mit dem aus den sechziger Jahren übernommenen 
Schnörkelmaterial und mit den vielen mussierten 
Schriften gearbeitet, andernteils setzt eine wenig 
glückliche Satzrichtung ein, die sich des Bogensatzes, 
der Bandrollen, der Schattenkästen, der fliegenden 
Bänder und Schilder als Ziermotive bediente. Die 
gotischen Zierschriften, die man heute als geschmack¬ 
lose bezeichnen muß, herrschten auf den Arbeiten 
vor. Alle diese Erscheinungen treten auch auf den 
Beilagen dieses Bandes des Archivs auf. Stärker als 
wie sonst ist der Band mit den Schriftprobenblättern 


der Schriftgießereien belastet; im Anzeigenteil macht 
sich eine auffallende Rührigkeit der Schriftgießereien 
bemerkbar, die sich mehr denn je gerade um diese 
Zeit für die Neueinrichtung von Buchdruckereien 
empfehlen. Es vermehren sich gleichzeitig die Lie¬ 
ferantenfirmen im Druckgewerbe, und es geht dabei 
manches von den kunsthandwerklichen Bestrebungen 
des vorangegangenen Jahrzehnts verloren. 

Ungeachtet all dieser Erscheinungen mag aber der 
Hauptinhalt des Bandes kurz gestreift sein. 

Es wurde bereits angedeutet, daß im Akzidenzsatz 
eine Richtung Platz gegriffen hatte y die keineswegs als 
erfreulich gelten konnte, denn sowohl die Schriften 
wie die Ornamente und die ganze Satzgruppierung 
konnten nicht als buchdruckgerecht angesehen werden. 
Einen weiteren Schritt nach abwärts bedeutete der 
an Verbreitung gewinnende Bogensatz , über den das 
Archiv in seinem zehnten Bande eine längere Ab¬ 
handlung mit vielen Beispielen, die die Technik des 
Bogensatzes veranschaulichen, bringt. Diese der 
Lithographie entlehnte Art der Zeilenanordnung, bei 
der entweder nur die oberste Zeile eines Titelsatzes, 
oft auch die obere und untere, manchmal sogar eine 
Zeile im Innern des Satzes in Bogenform gesetzt 
wurde, hat sich bis Mitte der neunziger Jahre be¬ 
hauptet, obgleich sie in der Typographie schon aus 
rein technischen Gründen keinerlei Berechtigung 
hatte. Der Bogensatz erforderte geübte Setzer, die 
übrigens auf die Verwendung der zur angeblichen 
Vereinfachung des Satzes geschaffenen Hilfsmittel, 
der Bogenstege, Bogenklammern, Keilspatien und 
dergleichen, am liebsten verzichteten. Erst durch die 
neuzeitliche Richtung im Buchdruck fand der Bogen¬ 
satz sein Ende, da er sich mit der Block- und Flächen¬ 
wirkung in keiner Weise in Einklang bringen ließ. 
Für den Stempelsatz, in dem die Bogenzeile vor¬ 
herrscht, brachte die erwähnte Abhandlung manchen 
praktischen Wink. 

Im Zusammenhang mit dieser Abhandlung steht 
eine solche über den Satz von Ornamenten , in der 
auch die ersten Hinweise für das praktische Skiz¬ 
zieren gegeben sind. Die Umgebung der Schriftzeilen 
mit Schnörkelwerk, wie sie in der Merkantil-Litho- 
graphie üblich war, sollte auch im Buchdruck mög¬ 
lichst vollkommen mit dem dazu geschaffenen Orna- 
mentenmaterial erzielt werden. Bis zu einem gewissen 
Grade ist das auch mit einigem Erfolg und mit Ge¬ 
schmack getan worden, was einzelne Beilagen des 
Archivs beweisen. In der Praxis selbst blieb es aber 
nur wenigen geschmackbegabten und technisch siche¬ 
ren Kräften Vorbehalten, den gegebenen Anregungen 
und Beispielen zu folgen. 

In bezug auf das Druckmaschinenwesen ist ein 
längerer Aufsatz über die neuen amerikanischen 
Rotationspressen, die sich damals auch auf dem 
Kontinent Eingang verschafften, bemerkenswert. Die 

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1873 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


für die Neue Freie Fresse in Wien aufgestellten zwei 
Walterpressen bedeuteten ein Ereignis, denn dadurch 
wurde die gesamte Journalistik des europäischen 
Kontinents auf andre Bahnen gedrängt. Neben der 
Walterpresse behandelt das Archiv auch die mit Falz¬ 
apparat versehene Victoriapresse. In Deutschland 
selbst setzt dann der Rotationspressenbau auch bald 
lebhaft ein. 

Als eine für den Farbendruck wichtige Neuerung 
behandelt das Archiv im zehnten Bande die Anfang 
der siebziger Jahre durch die Firma Frey & Sening 
in Leipzig hergestellten und in den Handel gebrachten 
Teigfarben, durch deren Verwendung das bis dahin 
geübte mühsame und nicht immer zuverlässige An¬ 
reiben der Farben aus Trockenstoffen und Firnis hin¬ 
fällig wurde. In der Folgezeit hat man sich fast aus¬ 
nahmslos der Teigfarben bedient, seit Jahren werden 
aber neben den Teigfarben, die unter Beimischung 
von Firnis erst gebrauchsfertig werden, vollständig 
druckfertige Farben von den Fabriken geliefert. 

Die Frage der Errichtung von Lehranstalten für 
Maschinenmeister wird im zehnten Bande des Archivs 
von neuem aufgeworfen und dabei bedauert, daß die 
bis dahin gegründeten Anstalten dieser Art nie zu 
rechter Lebensfähigkeit gelangen konnten. Das Archiv 
geht den Ursachen nach und stellt fest, daß es allein 
die Opfer sind, welche die meist unbemittelten Ge¬ 
hilfen bringen müssen, welche den Erfolg vereiteln . 
Sie müssen meist ein, wenn auch nicht hohes, 
Honorar zahlen, müssen sich, wollen sie etwas Ordent¬ 
liches lernen, monatelang in der Schule aufhalten 
und während dieser Zeit ihren Unterhalt selbst be¬ 
streiten . Unzweifelhaft wäre es eine große Wohltat, 
wenn eine solche Anstalt zur Lebensfähigkeit gelangte, 
denn der Mangel an gutgeschulten Maschinenmeistern 
macht sich von Tag zu Tag mehr geltend . Es wird 
im Anschluß hieran ein Rundschreiben der Schnell¬ 
pressenfabrik Frankenthal Albert & Co. veröffentlicht, 
die eine Allgemeine Maschinenmeisterschule zu be¬ 
gründen sich entschlossen hat. Entgegen den früheren 
Ideen, nach denen die Maschinenmeister nur in Buch¬ 
druckereien gebildet wurden, sollte ihnen in der 
Maschinenfabrik Gelegenheit gegeben werden, sich 
sowohl an der Maschine praktisch auszubilden, die 
Handhabung derselben genau kennen zu lernen, durch 
Montieren, Demontieren und die Vornahme kleiner 
Reparaturen so weit zu kommen, daß den Buchdruk- 
kereibesitzern die Unannehmlichkeit erspart wird, bei 
jeder Reparatur bedeutende Opfer an Zeit und Geld 
aufzuwenden, als sich auch die nötige Zurichtungs¬ 
fertigkeit anzueignen, wozu die Möglichkeit in der mit 
der Schnellpressenfabrik vereinigten Buchdruckerei 
gegeben wurde. An den Kosten des Unternehmens 
nahmen die Buchdruckereien teil, die Maschinen¬ 
meister von der Schule nachgewiesen erhielten, und 
zwar hatten sie für das Jahr fünf Taler zu zahlen 


während der Dauer von fünf Jahren. Den Besuchern 
der Schule erwuchsen keine andern Kosten, als die 
für ihre persönliche Unterhaltung. Inwieweit das 
Unternehmen Erfolge gezeitigt hat, ist nicht festzu¬ 
stellen, es zeigt sich aber auch bei diesem Versuche, 
daß die Maschinenmeisterfrage für dasGewerbe immer 
eine brennende gewesen ist. Etwas gebessert haben 
sich die Verhältnisse durch den Zudrang junger Leute 
zu den offenen Lehrstellen, ferner durch das Wirken der 
Fachschulen mit Lehrwerkstätten, durch die manche 
Lücke im technischen Können ausgeglichen wird. 

Eine in betriebstechnischer Hinsicht recht inter¬ 
essante Abhandlung im zehnten Bande betrifft die 
Behandlung der Dampfkesselfeuerung, in der alle mit 
dieser von jeher wichtigen Frage zusammenhängenden 
Einzelheiten in sachkundiger und einer dem Betrieb 
der Buchdruckereien angepaßten Form behandelt 
wurden. Der mit vielen Illustrationen versehene Auf¬ 
satz ist ein guter Ausgangspunkt für den, der sich 
mit der Verfolgung der Fortschritte, die auf dem Ge¬ 
biete der Krafterzeugung im Laufe der Jahrzehnte 
gemacht wurden, befassen will, er zeigt aber auch, 
daß das Archiv neben seinem typographischen Inhalt 
den wichtigen Betriebsfragen die nötige Beachtung 
widmete. 

Während der Kriegszeit ist die Dampfkesselfeu¬ 
erung durch den Kohlenmangel zu einer der schwierig¬ 
sten Angelegenheiten im Gewerbe geworden, und es 
werden aus den gemachten Erfahrungen ganz neue 
Aufgaben für die Zukunft erwachsen, auf deren Lösung 
sich vorzubereiten schon jetzt hier und da angezeigt 
erscheinen dürfte. 

In dasselbe Stoffgebiet gehören sich anschließende 
Abhandlungen über die Nützlichkeit der Dampf kessel- 
Überwachungsvereine,dieSchwefelkohlenstoff-Dampf- 
maschine, die Heißluftmaschine und andre mehr. 

Die Fortschritte auf dem Gebiete der Vervielfäl¬ 
tigungsverfahren boten dem Archiv immer wieder 
neuen Stoff. So berichtet dasselbe eingehend über 
die Albertotypie, das epochale Lichtdruckverfahren 
Josef Alberts in München, auf Grund eines von Pro¬ 
fessor Towler gehaltenen Vortrags. Das Verfahren 
wurde damals (1873) als der neueste große Fortschritt 
der Photographie bezeichnet. In einer längeren Ab¬ 
handlung werden die Fortschritte in der Vervielfäl¬ 
tigung der Lichtbilder durch den Druck behandelt und 
die mannigfachen Versuche, die seit Niepce von Riflfaut, 
Monte, Nfcgre, Talbot, Garnier, Pretzsch, Poitevin 
und vielen andern gemacht worden sind, hervorge¬ 
hoben. Der Aufsatz schließt mit einem Lob des Holz¬ 
schnittes, der nach wie vor für Bücher und Zeitschriften 
das geeignetste Wiedergabeverfahren sei, dem aber 
die Fortschritte der Photographie insofern auch zu¬ 
gute kämen, als das direkte Kopieren der Zeichnungen 
auf die leicht empfindlich gemachte Oberfläche der 
Holzplatte nunmehr Platz greifen könne. 

(Fortsetzung folgt.) 


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PRINCETON UNIVERS1TY 



= ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE = 

Alte und neue Notentitel 

Von ARTHUR DOBSKY 
(Fortsetzung und Schluß) 


enden w j r U ns Deutschland zu, so ist 
j / jj es notwendig, den Blick in jene Zeit zu- 

| j rückschweifen zu lassen, in der auch 

hier der Notendruck mit beweglichen 
Metalltypen seine Erstehung erlebte. Daß dies fast 
zur gleichen Zeit wie in Italien geschah, darf uns 
gewiß mit besonderer Genugtuung erfüllen. Wer hier 
der erste gewesen ist, der sich das Verdienst erworben 
hat, ist lange Zeit zweifelhaft geblieben. Schließlich 
aber hat man sich doch dahin entschieden, daß nicht 
der berühmte Peter Schöffer, sondern Erhard Oglin 
es war, der fast gleichzeitig mit Petrucci den Noten¬ 
druck mit beweglichen Typen erfand und zur vollen 
Entfaltung brachte. Erhard Oglin ist aus Reutlingen 
in Württemberg gebürtig. Seine Kunst hat er auf 
dem historisch reichen Boden Augsburgs, der Stadt 
Hans Holbeins und andrer Großen, auszuüben be¬ 
gonnen. Oglins erstes musikalisches Werk, das in 
Doppeldruck hergestellt ist, war ohne Zweifel schon 
eine glänzende Leistung und mit Recht stellt Schmid 
sie den Erzeugnissen seines italienischenFachkollegen 
Petrucci ebenbürtig zur Seite. Interessant ist, daß 
auch hier bei diesem ersten deutschen Musikwerke 
schon die Kunst in hervorragender Weise herange¬ 
zogen wurde. Freilich, Oglin war ja an der Quelle, 
und wenn es leiderauch hier immerGeheimnis bleiben 
wird, welcher Künstler ihm den Entwurf zu dem Titel¬ 
bild lieferte, so war es ganz gewiß nicht einer der 
schlechtesten. Das Blatt zeigt einen antikisierenden 
Holzschnitt, auf welchem als Hauptperson Apollo 
geigend unter einem Baume sitzend dargestellt ist. 
Ihm zur Rechten auf dem Parnaß erscheinen die neun 
Musen mit verschiedenen Instrumenten versehen, 
unter diesen der vordere Teil des Pegasus, der aus 
einem zierlich gearbeiteten Springbrunnen trinkt. Zur 
Linken sieht man vier Faune auf Blasinstrumenten 
spielend, unter ihnen eine Oreade, eine Dryade, den 
Gott Bacchus und den reitenden Silen mit einer Kanne 
in der Hand, zu Apollos Füßen vier Kaninchen. Unter 
dem Holzschnitte ist noch ein Tristichon zu lesen 
und darunter die Worte Mons Parnassus. Am Schlüsse 
des ganzen Musikwerkes bekräftigen die Worte 
Inter germanos nostras fuit Oglin Erhardus 
Qui primus nitidas pressit in aere notas 
die Tatsache, daß Oglin der erste deutsche Noten¬ 
drucker war. 

Auch das letzte Blatt des Musikwerkes ist noch 
mit reichem künstlerischem Schmuck versehen, so 
daß man auch, ohne dieses durch die bildliche Vor¬ 
führung unterstützen zu können, einen eindrucks¬ 
vollen Begriff davon bekommt, daß Meister Oglin 
seine Kunst sehr ernst und wichtig nahm. Wie der 


eigentliche Notendruck selbst sich durch hervor¬ 
ragende Klarheit und Schönheit auszeichnete, so war 
auch das schmückende Beiwerk von durchaus künst¬ 
lerischen Erkenntnissen getragen; selbst dem be¬ 
scheidensten Ornament ist in seiner Stellung zum 
ganzen Raum sicheres Stilgefühl und geläuterter Ge- 
sphmack anzumerken. Müssen wir gerade jetzt, wo 
wirinmitten der glanzvollsten Epoche deutscher Kunst¬ 
entwicklung stehen, wo uns auf Schritt und Tritt die 
Namen der großen deutschen Holzschneider und 
Kupferstecher begegnen, es doppelt bedauern, daß 
eine Mitwirkung ihrerseits am Notendruck fast gar 
nicht oder nur wenig nachzuweisen ist, so drängt sich 
die Gewißheit, daß sie ihre Hand im Spiele haben, 
doch immer wieder auf. Ja, ein ganz entzückender 
Notentitel aus dem Jahre 1544 weist ganz auf Albrecht 
Dürers Schule hin und er könnte sogar, wenn es zeit¬ 
lich nicht unmöglich wäre, von des Meisters eigener 
Hand stammen. Ganz von der Innigkeit seiner Ma¬ 
donnenbilder durchflossen,getragen von dem sicheren, 
energischen Strich, mit dem er die feinsten Wirkungen 
erzielte, würde dieser Notentitel im Werke jedes 
großen Künstlers mit Ehren bestehen. Außer allem 
Zweifel dürfte es stehen, daß die Buchschmuckkünstler 
jener Tage auch für die Notendrucker gearbeitet haben. 
Schon ein flüchtiger Vergleich der Werke der be¬ 
kanntesten Buchornamentisten mit den Notentiteln 
derselben Zeit läßt diese Schlußfolgerung zu. Was 
Hans Wechtlin, Hieronymus Hopfer, H. Weidlitz, was 
der in der Kunstgeschichte glänzend angeschriebene 
Hans Baidung Grien für Bücher entworfen und ge¬ 
zeichnet haben, könnte ebenso dem Notentitel als 
Schmuck dienen. Der rein äußerliche dekorative Zweck 
war beim Notentitel ja letzten Endes immer derselbe 
wie beim Buchtitel. Die nachweisbare Tatsache, daß 
Hans Baidung im Dienste des nächst Oglin berühm¬ 
testen deutschen Notendruckers Peter Schöffer stand, 
läßt gewiß die Vermutung zu, daß er für diesen nicht 
nur Buchtitel, sondern auch solche für Noten geliefert 
hat. Baidung hatte für den Straßburger Drucker Joh. 
Knoblauch schon eineMenge Buchschmuckgeschaffen, 
hatte in reizvollen Initialen, in deren kleinen Raum er 
ganze Szenen hineingezwängt, seine reiche Erfin¬ 
dungsgabe und in großen Kompositionen sein starkes 
dekoratives Talent bekundet, als Peter Schöffer von 
Worms aus im Jahre 1530 nach Straßburg kam. Schon 
im nächsten Jahre sehen wir Baidung im Dienste 
Schöffers die ganze Üppigkeit seiner Vorstellungs¬ 
welt entfalten; eine blühende Ornamentik vereint sich 
mit Darstellungen illustrativen Charakters, ein reich 
fabulierender Sinn bewegt sich in lebhafter Schöpfer¬ 
freude zwischen behaglichem Humor und ernster 

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PRINCETON UNIVERS1TY 




ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Dramatik. Daß Peter Schöffer nicht nur Drucker und 
Verleger, sondern auch ein künstlerischempfindsamer 
Mensch war, hatte er freilich schon in seinen früheren 
Druckwerken bewiesen. Der Titel eines Geistlichen 
Gesangbüchleins, das 1525 in Wittenberg gedruckt 
wurde und sich durch eine schöne Initiale in gotischer 
Fraktur auszeichnet, bildet den besten Beweis hier¬ 
für. Ob Urs Graf, mit seinen kecken und derben 
Schilderungen, ob der hervorragende ZeichnerTobias 
Stimmer, der für den Straßburger Verleger Rihel so 
prachtvolle Buchtitel ausführte, auch Notentitel ent¬ 
worfen haben, ist nur schwer nachzuweisen. Immer¬ 


wird bei Breitkopf & Härtel in Leipzig gedruckt und 
wenn hier leider, aber naturgemäß, da es ja nicht vom 
kunst-, sondern vom musikhistorischen Standpunkte 
aus geschaffen wird, manche der alten wundervollen 
Originaltitel nicht wiedergegeben sind, so ist die Aus¬ 
lese doch noch reich genug, um zu sehen, wie stark das 
künstlerische Gefühl bei der Entstehung der Musik¬ 
werke zu allen Zeiten mitgeschwungen hat. Erhard 
Oglin und Peter Schöffer hatten das Vorrecht, die ersten 
Notendrucker in Deutschland zu sein, nicht lange ge¬ 
nießen können. Auch in andern Städten erschienen 
Musikverleger auf dem Plan und damit auch Männer, 



©cfenge c x x 11 1 . tmb Jfmff Sttttt 


mm / Sftr bte gfmctnen s c h v L e n / 
foitberltcßem Ma aus wdcn «lefm/ 
©er juuor ferne; im brucf aue^angen. 

Gebnlctt jn XX)ittemberg/6urcf? Georgen Strati. 


Abbildung 10 


hin, die starken Berührungspunkte, die beiden eigen 
waren, müssen es fastals selbstverständlich erscheinen 
lassen. So wie ihre Tätigkeit als Buchornamentisten 
mehr oder weniger nur eine nebenamtliche war, so 
wird aus ihrer Werkstatt gewiß manch einer der 
schönen Notentitel stammen, mit denen wir inner¬ 
halb unsers Themas die Blütezeit der deutschen 
Renaissance bezeichnen können. 

Eine knappe, jedoch wertvolle Unterstützung seiner 
Studien hierüber findet man in dem monumentalen 
Sammelwerke Denkmäler deutscher Tonkunst, das 
im Aufträge der preußischen Regierung von einer 
eigens hierzu ernannten Kommission herausgegeben 
wird und das in gesonderten Ausgaben für Bayern und 
Österreich eine würdige Ergänzung findet. Das Werk 


die ihren Verlagswerken das nötige künstlerische 
Aussehen zu geben hatten. In Augsburg sind es neben 
Oglin Melchior Kriestein und Philipp Ulhard; in Nürn¬ 
berg, das mit Albrecht Dürer an der Spitze sich eine 
Art künstlerischer Vormachtstellung in Deutschland 
gesichert hatte, Hieronymus Formschneider oder 
Grapheus, wie er sich nach seiner Tätigkeit selbst 
nannte, in Wittenberg Georg Rhau. Sie alle zu nennen, 
die sich um die Verbreitung des Notendruckes in 
Deutschland verdient gemacht haben, würde nicht 
dem Zwecke unsrer Arbeit entsprechen, wir müssen 
dort zugreifen, wo sich Gelegenheit bietet. 

Eine ganz besonders künstlerische Ader scheint 
der Tonsetzer und Schriftsteller Georg Rhau gehabt 
zu haben, der sich, nachdem er in Leipzig sogar als 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Abbildung 11 

und Widmung an den Ehrsamen und Wohlweisen 
Bürgermeister der Stadt Esfeldt anschließt und end¬ 
lich als letztes und zugleich schönstes ein Bild der 
FrauMusika,das bequem ausderWerkstattdesBarthel 
Beham oder eines andern der berühmten Kleinmeister 
hervorgegangen sein könnte. Mehr als Rhau saßen 
aber die Nürnberger und Augsburger Notendrucker 
an den Quellen der Kunst und es bereitet ein großes 
Vergnügen zu sehen, wie auch damals schon der 
Konkurrenzgedanke befruchtend gewirkt haben muß. 
Man meint mitunter, den Wettbewerb zu spüren, der 
sich zwischen den beiden nicht weit entfernten Städten 
abspielt, die jede für sich künstlerischen Ehrgeiz 
genug besaß. Im wesentlichen darf man auch für das 


Abbildung 12 

lieh auch geschmackloser Prunkentfaltung. Ma߬ 
gebend wird hier genau so wie heute der Geschmack 
und das Kulturniveau des Verlegers gewesen sein. 
Immerhin, das Gefühl drängt sich dem aufmerksamen 
Beobachter auf: gerade die deutschen Notentitel des 
16. Jahrhunderts zeichnen sich viel eher durch Zu¬ 
rückhaltung als durch Üppigkeit oder Geschmack¬ 
losigkeit aus. Oft war es nur ein reichverschlungenes 
Band mit kirchlichen Sprüchen. Vielfach auch nur 
eine Zierleiste, in der sich freilich gelegentlich ein 
Tohuwabohu menschlich-tierischen und pflanzlichen 
Lebens abspielte. Hierein oder in ein Ornament wurde 
der Titel des Musikwerkes, der Druckername oder 
auch die Jahreszahl eingesetzt, kurz, der zu höchster 



Kantor und Musikdirektor amtiert hatte, in Wittenberg Deutschland des 16. Jahrhunderts die äußere Gestalt 
niederließ, um Noten zu drucken. Sein Werk Neue des Notentitels auf die in allen Kulturländern gelten- 
Deutsche Geistliche Gesänge für die gemeinen Schulen den Stil prinzipien zurückführen. Wie Dürer für die 
aus demjahre 1544 (Abbildung 10) legt beredtes Zeugnis hohe, so hatten die Kleinmeister, hatten die berühmten 
dafür ab. Der Titel erstreckt sich über mehrere Seiten, Buchkünstler, wie Johann Otmar, Daniel Hopfer, und 
so daß man beinah wie in der musikalischen Sprache auch der große Hans Burgkmeier die Wege gewiesen, 
von einem Präludium, einem Hauptwerk und einem die den angewandten Künsten ein schier unerschöpf- 
Finale reden kann. Erst kommt ein Blatt mit reich lieh reiches Feld der Betätigung sicherten. Aber der 
umrankten Allegorien, dann auf der Umseite das eben- künstlerische Schmuck des Notentitels bewegt sich 
falls reich umrahmte Medaillonbild des Druckers, dem auch damals in lebhaftem Auf und Nieder, zwischen 
sich auf der dritten eine sehr umständliche Vorrede anspruchsloser Einfachheit und üppiger, ja gelegent- 


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^ pluriumvocum. 

§ AVTORE IOHANNE LEONE 

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rotynlicfKnjbrcfce^/cbfrn mit eingefityret/ 
unb bem^epre accomodiret tverben. 
von 

0r. CHurflfcurcbl.juBranöenb. * 

brftaitrn ffapfffCO?» iflrr in / 

Johanne Sebaftiani, VimrilThuringo. 


ZUnigaberg/ 

©fbrudt burd> Jrlbcritb Die ufnern /167a 
3« Jkrlrguna bte 2Iu($«ri t 


Pnuilegiofecrse CaefMaieftalispeculiari. 
Augufta?, apud Valentinum Schonigium- 


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161 


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M I S S AE 

QV ATERNIS, V.VI.ET VIII. 

VOCIBVS. 

AVTHORE 

IOANNE LEONE HASLERO NORIM- 

BERGENSI, 

Nunc recens in luccm cditx. 



Cum privllegio S. C. Majeftatls peculiari 
NORIMBERGÄ 

Apud Paulum Kaufmannum* 


Abbildung 13 


Blüte erwachte Formentaumel ließ die Künstler in 
ungehinderter Freiheit schalten und walten. In Augs¬ 
burg war der Hauptvertreter der deutschen Renais¬ 
sanceornamentik Hans Weiditz. Seine fast groteske 
Phantasie vereinte sich mit einer eminenten zeich¬ 
nerischen Begabung, die spielend die schwierigsten 
Aufgaben löste. Weiditz hat mit das Schönste ge¬ 
schaffen, was an klassischen Beispielen der Buch¬ 
ornamentik existiert, und ohne Bedenken darf man 
wohl sagen, daß durch ihn der Buchschmuck auf eine 
bis dahin nicht gekannte Höhe gehoben wurde. Ebenso 


sicher ist, daß er befruchtend auf die Künstler ge¬ 
wirkt hat, und mehr als ein Notentitel bewegt sich 
ganz in der kompositionellen Gedankenfülle, der 
künstlerischen Liebenswürdigkeit und der zeichne¬ 
rischen Vollendung, die ihm eigen waren. Daß auch 
in Nürnberg es an Künstlern nicht gefehlt hat, die im 
Dienste desBuchschmuckes Hervorragendes leisteten, 
ist wohl selbstverständlich. So darf es nicht ver¬ 
wundern, daß die Musikwerke, die hier bei dem be¬ 
rühmten Hieronymus Forms'chneydergedruckt wurden, 
zum Teil überraschend schön ausgestattet waren. 


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Nachdem Formschneyder von anderen Meistern ver¬ 
drängt worden war, wurde Nürnberg zur Geburts¬ 
stadt eines der berühmtesten Komponisten der Zeit, 
Hans Leo von Häßlers. Häßler war ein sehr frucht¬ 
barer Musiker, dessen Werke bei den verschiedensten 
Verlegern erschienen. Da sie fast alle eine künst¬ 
lerisch sehr gute Ausstattung zeigen, läßt sich sehr 
wohl eine Einwirkung des hochgebildeten Mannes 
auf diese vermuten. Außerordentlich schön sind die 
Titel zu den Cantiones sacrae (Abbildung 11), die 
1591 bei Valentin Schönigkh gedruckt wurden, und den 
Messen (Abbildung 13), die bei Paul Kaufmann in 
Nürnberg erschienen. Sie bekunden in der ganzen 
Schriftanordnung und derVerteilung des ornamentalen 
Schmuckes so viel künstlerische Disziplin, daß man 
ohne weiteres auf einen der Besten des Faches 
schließen kann. In das obere freie Feld wurden dann 
die einzelnen Stimmenangaben eingedruckt. Jedenfalls 
tragen alle diese Dinge bis zu Beginn des neuen Jahr¬ 
hunderts einen durchaus deutschen und durchaus 
originalen Charakter, der auf dem fußt, was Dürer 
und Holbein gelehrt und hinterlassen hatten. Gleich¬ 
laufend mit der Buchornamentik hatte auch der künst¬ 
lerische Schmuck des Notentitels in Deutschland im 
16. Jahrhundert seine höchste Entfaltung erlebt. Ob 
die Erzeugnisse dieser angewandten Kunst damals 
so gewürdigt worden sind, wie heute, wir wissen es 
nicht. Aber das hindert uns nicht, daß wir in stiller 
Ehrfurcht vor diesen oft zur Nebensächlichkeit ver¬ 
dammten Kunstwerken stehen und in ihnen das ganze 
Empfindungsleben jener Zeit wach werden sehen. 
Aber wie einem Naturgesetz folgend jeder Aufstieg 
auch einen Niedergang mit sich bringt, so war es auch 
hier. Im Zeichen der Reformation hatte Deutschland 
auf dem Gebiete der Kunst eine Rolle übernommen, 
die der italienischen der gleichen Zeit nichts nach¬ 
stand, und bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts diese 
auch siegreich behauptet. Dann trat der Umschwung 
ein. DieführendenPersönlichkeitenwarenvomSchau¬ 
platz abgetreten, und die andern benutzten die sich 
immer mehr durchbrechende Geschmackswandlung 
nur allzu bereitwillig, den eigenen nationalen Stil 
aufzugeben und bei den Künstlern andrer Länder ihre 
Anleihen zu machen. Erst waren es die Niederlande, 
deren meteorartig aufsteigende Künstler zur Nach¬ 
ahmung reizten, dann waren es die Franzosen, die 
Stil- und modebestimmend den ganzen nationalen 
Charakter der deutschen Kunst verwischten. Das 
Barock, von Italien ausgegangen, von Frankreich be¬ 
geistert aufgenommen, hielt auch auf deutschem 
Boden seinen Einzug und langsam, aber sicher, treten 
wir auch hier der neuen Formenwelt entgegen. Ganz 
gewiß hat auch das Deutschland des 17. Jahrhunderts 
manche bedeutsame Künstlerpersönlichkeit aufzu¬ 
weisen und die Geschichte des Kupferstiches und 
des Holzschnittes weiß eine Menge zu nennen, die 


im Sinne ihrer Zeit Hervorragendes leisteten. Auch 
für unsre Betrachtung mangelt es keineswegs an Stoff, 
und wenn bei all den Notentiteln, die wir jetzt finden, 
der übernommene Stil auch das wesentliche Charak¬ 
teristikum bleibt, so sind diese an sich doch reizvoll 
genug, um sie nicht einfach zu übergehen. Ein sehr 
typisches Beispiel bildet jedenfalls schon der Titel 
zu der Tabulatura Nova für Orgel und Klavier von 
Samuel Scheidt, der, 1624 bei Hering in Hamburg 
gedruckt, gleichsam die neue Zeit ankündet. 

Nicht minder bezeichnend ist der Titel zu dem 
A-capella-Werke Lacrimae B. Virginis von Georg 
Aichinger. Inmitten einer reichen Ornamentumrah¬ 
mung sieht man die ganze Darstellung der Kreuz¬ 
abnahme, die sich, wie es scheint, an Rubens’ be¬ 
rühmte Passionsverherrlichungen anlehnt. Daß über 
die Bilddarstellungherein eine Draperie mit demTenor 
des Musikwerkes Fällt, will uns nicht sonderlich glück¬ 
lich erscheinen. Etwa aus derselben Zeit, das heißt 
aus dem Jahre 1609 stammt auch ein sehr reizvoller 
Notentitel zu deutschen Psalmen und Kirchenliedern 
von Michael Prätorius (siehe Beilage 1). Die ganze 
Üppigkeit des barocken Formenschatzes ist zur Ent¬ 
faltung gebracht. Musizierende Putten führen in para¬ 
diesischer Ungeniertheit ein sorglos heiteres Dasein, 
sämtliche Instrumente stehen ihnen zurVerfügung,und 
in krausem Durcheinander umrahmen sie das Oblong, 
das den Wortlaut des Titels umschließt. Gerade mit 
dem letzteren Titel ist etwa am eindruckvollsten die 
ganze Stilrichtung gekennzeichnet, die bis zu Beginn 
des 18. Jahrhunderts vorherrschen sollte. Abwand¬ 
lungen bleiben natürlich auch hier nicht aus. Hier 
und da greift man, wie immer gern, einmal auf antike 
Stoffe zurück, kombiniert sie ohne Bedenken mit 
zeitgenössischem schmückendem Beiwerk und lebt 
schließlich in der tröstlichen Meinung, etwas Eigenes 
geschaffen zu haben. Polyhymnia und Euterpe kehren 
in hunderterlei Gestalt immer wieder; mit andern 
Parnaßbewohnern in schöne Landschaften versetzt, 
umworben von Genien, die ihreGrüße zu den Menschen 
tragen, herrschen sie als Königinnen der Musik. 

An Stelle der reichverzierten Schrift, der üppig be¬ 
lebten Initialen ist vielfach eine ganz einfache Schrift 
getreten (Abbildung 12). Dafür aber bietet eine ganze 
Orgel Ersatz, die, in Kupfer gestochen, ganz barocke 
Formen trägt und den Charakter des vorliegenden 
Musikwerkes andeutet. Öfter als bisher tritt auch 
jetzt der Brauch auf, das Bildnis des Komponisten 
in den Raum des Notentitels einzustellen und seine 
Umrahmung über diesen auszudehnen. Sehr beach¬ 
tenswerte Beispiele hierfür finden sich in den in 
Leipzig gedruckten Werken von Johannes Kuhnau 
(Beilage 2), den bei Reusner in Königsberg gedruck¬ 
ten Passionsmusiken von Seb. Teile und andern. 
Weniger angenehm tritt jetzt die oft gebrauchte Ver¬ 
wendung von Versalien in die Erscheinung, die oft 


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Abbildung 14 

nur mit größter Mühe den Wortlaut der Titel entziffern 
lassen. Ein typischer Beleg hierfür ist die Sammlung 
ausgewählter Fabeln von Johann Ernst Bach, auf deren 
Titel das Wort Fabeln fast in Schnörkeln untergeht. 

Schreiten wir nun über die Schwelle des 18. Jahr¬ 
hunderts, so wird es kaum sonderliche Überraschung 
bedeuten, daß der Stilcharakter der angewandten 


Künste ebenso wie im Zeitalter des 
Barock auf die Nachahmung und das Zu- 
sammenschweißen vorhandener Stile 
►vliio eingestellt ist. Die französische Kunst 

K war mit den Modeblüten ihrer tonan¬ 

gebenden Herrscher auch für Deutsch- 
land maßgebend und wenn selbst die 
besten Kupferstecher des ganzen Jahr- 
^ un ^ erts > w ^ r wollen nur Georg Fried- 
rieh Schmidt und den bekannteren 
Daniel Chodowiecki nennen, ganz in 
deren Bann standen, so darf es nicht 
| wundernehmen, wenn von einer spe¬ 

zifisch deutschen Kunst mit nationaler 
Eigenart jetzt kaum die Rede sein kann. 
Politische Verhältnisse hatten macht¬ 
bestimmend eingewirkt und es bedurfte 
erst ganz einschneidender Ereignisse, 
um dem Deutschen auch wieder einen 
deutschen Stil zu bringen, der seinem 
^ eigenen Wesen und Charakter ent- 

I 4 , sprang. Die Werke der großen deut- 

9 sehen Komponisten wurden vielfach 
riüSÄtl zuerst in Frankreich und England ge- 
.. c? druckt und es war nicht mehr als selbst- 

m verständlich, daß sie äußerlich das Ge¬ 

präge des jeweiligen fremdländischen 
Stiles trugen. Originell und über die 
iitff/f lokale Bedeutung hinaus für uns inter- 
essant genug ist ein Notentitel zu dem 
Werke „Die singende Muse an der 
Pleisse in zwei mahl 50 Oden*, das auf 
Kosten der Lustigen Gesellschaft 1736 
! in Leipzig gedruckt wurde. Erst kommt 

* ein hübscher von H.Richter erfundener 

^ Stich, der das typische Stadtbild mit dem 

fe*- GrimmaischenTore zeigt. Eine lustige 

^ Gesellschaft bewegt sich bei Musik und 

^ Gesang im Vordergründe in derselben 

menschlich ungezwungenen Weise, in 
der etwa Adrian Brouwer seine Zeit¬ 
genossen beimTrinken undSchmausen 
verewigte. Das aber hat den Künstler 
nicht hindern können, in der Luft einige 
Amoretten herumschwirren zu lassen, 
die dem Orte gewissermaßen eine 
höhere Weihe geben sollen. Auf einem 
zweiten Blatte folgt dann in reich ver¬ 
schnörkelter Schrift der eigentliche 
Titel (Abbildung 14). Der Darstellungskreis hatte 
sich ja, das haben wir schon im früheren Abschnitt 
gesehen, nicht unwesentlich erweitert. Das Ornament 
war längst nicht mehr als genügend angesehen, dem 
Notentitel die nötige Anziehungskraft zu verleihen, 
und so war es eine logische Erscheinung, daß auch 
die deutschen Notentitelzeichner ihren Entwürfen 


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fötelölatt dsr Salbstimme. der'TicausqaJbe 


Olacf) Den (Originalen für Den praktischen 
Gebrauch bearbeitet unö herausgegeben non 

Johannes 'Dittberner 

^ Cpartttur JJeft I. II. 

C. f. <Äahnt OTacbfotger.ßetp^ig. 

'Beilage jum Ardjio für 'Buchgeroerbe. $ruck oon fF.TTl.töeidel.fieip^g. 


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immer mehr einen illustrativen Charakter gaben. 
Man wollte die Masse mit der Masse zwingen, und 
wenn auch noch zurückhaltend, so doch fühlbar genug 
steuerte man in seiner Geschmacksrichtung jener 
Anschauung entgegen, die erst in unsrer Zeit ihre 
höchste Erfüllung finden sollte. Recht charakteristisch 
in dieser Beziehung ist ein Titel aus dem Jahre 1780 
zu Geistlichen Gesängen von Philipp Emanuel Bach 
(Abbildung 15). Wie der Bearbeiter dieser Gesänge 
die Werke Bachs „elementare Ergüsse hochgestimmter 
Stunden“ nennt, so möchte man auch für den Titel, 


ten, die sich um die Notentitel schlängeln, treten Bilder 
mitAlIegorienundzeitgenössischen Darstellungen,die 
auf den Charakter der Musik hinweisen, immer mehr 
und mehr in die Erscheinung. Auf den Werken der 
Musica sacra die geschwollene Pathetik und theatra¬ 
lische Hohlheit, die sich skrupellos aus allen Stil¬ 
elementen das zusammenholt, was nur zu finden ist, 
auf der weltlichen Musik in erster Linie die lebens¬ 
frohe Gesellschaft der Schönen und ihrer Galane, die 
stets bereit sind, in seideknisternden Kostümen zum 
Menuett oder zur Quadrille anzutreten. Der üppige 



Abbildung 15 


der die Urausgabe schmückt, einen besonderen Super¬ 
lativ ausfindig machen, um ihm gebührend gerecht 
zu werden. Über einem von unheimlich vielen Türmen 
betreuten Stadtbilde, das man als das Hamburgs er¬ 
kennt,schwebt auf Wolken und umgeben von Musen und 
Genien die heilige Cäcilie an der Orgel sitzend. Zwei 
geflügelte Putten tragen ein Doppelmedaillonbildnis, 
das den Komponisten und den Dichter Geliert darstellt. 
Das Ganze wirkt wie eine Art Triumphzug, zu dem den 
leider ungenanntenKünstlervielleichtGuidoRenis viel¬ 
gerühmte Aurora angeregt haben mag. Ist dieser Titel 
beachtenswert mehr durch die Kühnheit der Erfindung 
als durch die künstlerische Bewältigung, so ist er es 
besonders auch deshalb, weil er keineswegs vereinzelt 
bleibt, sondern Nachfolger findet. Neben den kapri¬ 
ziösen verschnörkelten Umrahmungen und Ornamen- 


Dekorationsstil Ludwig XV. hatte auch auf deutschem 
Boden zu festen Fuß gefaßt, und allein die Tatsache, 
daß das Rokoko hundert Jahre später, wo es in Frank¬ 
reich schon ganz vergessen war, in Deutschland noch 
einmal eine Art Wiedererstehung erlebte, beweist, 
wie stark man sich hatte von seiner heiteren Formen¬ 
welt in Bann zwingen lassen. Diese Sympathie ist 
ihm auch bis in unsre Tage hinein treu geblieben. 
Wo immer man die leichten und lockeren Töne des 
galanten Jahrhunderts vernahm, da war auch das Bild 
jener Zeit willkommen. Oft und immer erfolgsicher 
sind unsre zeitgenössischen Verleger zu der heiteren 
und farbenfrohen Kunst der Watteau und Lancret 
zurückgekehrt, wie es auch der hübsche Titel der 
Firma Breitkopf & Härtel von W. Wohlgemuth (Ab¬ 
bildung 16) beweist. 


165 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Aber als auch in Frankreich an Stelle des spiele¬ 
rischen Schäferstiles die feierliche Noblesse des Em¬ 
pire trat, fand man in Deutschland nichts Besseres 
zu tun, als diesem im Klassizismus ein germanisches 
Gegenstück zu schaffen. Der Wunsch, sich gegen 
das fremde Barock und Rokoko aufzulehnen, wieder 
einen nationalen Stil und eine selbständige kunst- 
schöpferische Tätigkeit zu finden, war wohl vorhan¬ 
den und die Reaktion fand in verschiedenen kraftvollen 
Persönlichkeiten ihren Ausdruck. Rein deutschen 
Ursprunges war aber auch die Neigung, sich der 
Klassik zuzuwenden, nicht, denn Napoleon und seine 
Künstler hatten ja bereits den Stil geschaffen, der 
für den deutschen Klassizismus die Grundelemente 
in sich barg. Herkulanum und Pompeji waren nach 
ihren Schätzen durchgraben worden, man schwelgte 
auf einmal in der antiken Formenwelt und an Stelle 
des launisch geschwungenen Schnörkels tratdie ruhige 
vornehme Linie. Auch das Kunstgewerbe steht ganz 
unter dem Zeichen dieser Stilwandlung und die Buch¬ 
schmuckkünstler machen sich mit Feuereifer darüber, 
den neuen Geschmack zu kultivieren. Ein Blick auf 
die Notentitel dieser Zeit bestätigt, daß man auch 
hierfür die Harmonie und das schöne Ebenmaß der 
antiken Linie und Form trefflich anzuwenden wußte. 
Der Flora und Fauna des Ornamentes gesellen sich 
als besondere Kennzeichen reiches Bandwerk und 
Blatt- und Eierstäbe zu, im wesentlichen ist der ganze 



Abbildung 16 



Abbildung 17 


ornamentale Aufputz aber viel ruhiger und einfacher. 
Auch dem Empire ist auf deutschem Boden eine 
ziemliche Anhänglichkeit bewahrt geblieben. Immer 
kehren seine eleganten Formen, seine aparten Kränze 
und Gehänge wieder und besonders, wenn es sich 
darum handelt, ältere Musikwerke neu aufzulegen 
oder auszustatten, greiftauch der Künstler von 1917 
gern und widerstandslos auf die Schätze jener Zeit 
zurück. Unsre Abbildung 17 ist ein hübscher Beleg 
hierfür; wohl ist er dem modernen Geschmack ent¬ 
sprechend vereinfacht, aber letzten Endes doch ganz 
undgartypisch fürseinen ursprünglichenStilcharakter. 

Hatten sich, bis zur Wende des Jahrhunderts, das 
auch die Befreiung der deutschen Völker von der 
Fremdherrschaft bringen sollte, diegraphischen Künste 
ausschließlich des Kupferstiches und des Holzschnittes 
bedienen müssen, so wird ihnen jetzt durch die Er¬ 
findung der Lithographie eine wesentliche und in 
ihren Folgen kaum abzusehende Erweiterung ihres 
Arbeitsfeldes zuteil. 

Daß Senefelders genialer Gedanke schnell Wurzel 
faßte und Verbreitung fand, ist bekannt, und so sehen 
wir denn schon zur selben Zeit, als Napoleon auf den 
deutschen Schlachtfeldern stand, in Frankreich die 
Künstler eifrig bemüht, aus der neuen Erfindung 
Kapital zu schlagen. Uns muß in erster Linie inter¬ 
essieren, daß die Lithographie auch für die ange¬ 
wandten Künste in Deutschland eine gewaltige Um¬ 
wälzung mit sich brachte und damit dem Notentitel 


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Abbildung 18 


Blattspiegel erweitert das Gebiet der Darstellung. 
Mehr als je zuvor fühlt man das Bestreben, im Titel 
schon den musikalischen Gehalt des Werkes anzu¬ 
deuten und durch ihn anreizend und kauffördernd auf 
das Publikum einzuwirken. Der Kupferstich und der 
Holzschnitt werden mehr und mehr in den Hinter¬ 
grund gedrängt; die Lithographie, die vor allem eine 
viel größere Freiheit in der farbigen Behandlung zu¬ 
läßt, reißt den Notentitel als künstlerisches Objekt 
völlig an sich. Daß in der Zeit vom Wiener Kongreß 
bis etwa zum Jahre 1830, das man als das Ende des 
Biedermeiers bezeichnet, die deutsche Kunst wenig¬ 
stens ein eigenes Gepräge hatte, ist bekannt genug. 
Wir haben uns ja, wenn auch nicht recht begründet, 
angewöhnt, gerade diese kurze Periode als die alte gute 
Zeit zu bezeichnen und mit besonderem Vergnügen 
läßt man auch heute, hundert Jahre nachher, die Blicke 
über jene Dinge schweifen, die mit behäbig und bieder 
dreinschauenden Menschen, mit Mullgardinen und 
Lavendelgeruch und steifbeinigen Spinetten verknüpft 
sind. Dabei werden noch immer antike und barocke 
Formen in freier Verschmelzung dem Zeitgeschmack 
angepaßt und nach und nach kristallisiert sich schlie߬ 
lich der eigene Charakter heraus. 

Verfolgt man nun die Entwicklung des Notentitels 
von da bis zur neueren Zeit und zur Gegenwart, so 
wird sich tausendmal Gelegenheit geben, freudig halt¬ 
zumachen und zu sehen, wie er eine immer reichere, 
vor allem aber farbiger werdende Gestalt annimmt. 


Untere Feldgrauen! 

ITlarldi- und kagerlieder 


Abbildung 19 


ungeahnte Möglichkeiten erschloß. Dem Empire war 
mit dem Sturze des Franzosenkaisers das Bieder¬ 
meier gefolgt, und gerade in diesem Stile wußten die 
deutschen Künstler endlich auch wieder etwas Ur- 
deutsches zu geben. Konnte auch das Biedermeier 
seinen französischen Ursprung nicht verleugnen, 
so hat man es doch verstanden, gerade es am 
meisten mit starkem nationalen Einschlag zu durch¬ 
setzen, so daß man ganz ruhig von einem deutschen 
Stil sprechen kann. Die politischen Wirrnisse, die 
zwei Jahrhunderte lang die Welt erregten, hatten 
in der Völkerschlacht, etwa einem reinigenden 
Gewitter gleich, ihren letzten eruptiven Ausklang 
gefunden. Man wußte nun endlich wieder, was fran¬ 
zösisch und was deutsch war. Der Zeit der Gärung, 
der Unruhe, die auch auf die Künste übergegangen 
war, folgte die langersehnte Zeit einer behaglichen 
Ruhe und Beschaulichkeit, dem Schmuck und 
Luxusbedürfnis der höfischen Stile das Streben 
nach einer zweckbewußten Schlichtheit und Sach¬ 
lichkeit. Auch der Schmuck des Notentitels verliert 
mehr den rein dekorativen Charakter; er gewinnt 
eine sozusagen epische Breite, an Stelle des Orna¬ 
mentes, der verzierten Initiale tritt das Bild mit er¬ 
zählendem Inhalt. Männer mit riesigen Vatermör¬ 
dern, Frauen in steifleinenen Röcken und weiten 
Puffärmeln treten in die Arena. Eines ist sicher: die 
illustrative Seite des Notentitels erfährt abermals 
eine starke fortschrittliche Belebung. Schon die 
räumliche Ausdehnung des Bildes auf den ganzen 


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Mehr und mehr drängt sich das Gefühl auf, daß schon 
durch die Titel ein Klingen und Jauchzen gehen muß, 
und daß beflügelt von dem ersten Eindruck, der zwar 
nicht immer der beste ist, der musikliebende Mensch 
in Stimmung versetzt werden soll. Keineswegs immer 
auf künstlerischer Höhe, aber dessenungeachtet für 
uns doch interessant genug sind die Notentitel, die 
den für große Festlichkeiten bestimmten Musikstücken 
als Zierde dienen sollen. Etwa um die Mitte des 
vorigen Jahrhunderts erleben die Sänger-, Turner- und 
Schützenfeste, die Nationalfeiern und andre Festivi¬ 
täten, die oft die Menschen aus dem ganzen Reich 
in eine Stadt zusammenströmen ließen, ihre Aufer¬ 
stehung. Musik stand bei ihnen allen im Vordergrund 
und so ist es selbstverständlich, daß gerade für sie 
die Künstler besonders reizvolle Aufgaben zu lösen 
fanden. Freilich, der Geschmack der großen Menge, 
und die war hier ausschlaggebend, war nicht immer 
der höchste, und nur so ist es zu verstehen, wenn die 
Notentitel jener Tage mehr ein kulturhistorisches als 
künstlerisches Interesse beanspruchen dürfen. Be¬ 
sonders die Militär-, die Schützenmusik war so recht 
geeignet, die Künstler, die wohl hier oft nur hand¬ 
werksmäßig ausübendeLithographen waren,zu platten 
Geschmackslosigkeiten zu verleiten. Immerhin, es 
ist auch in dieser Zeit, in dem der Neugroschen eine 
so wichtige Rolle spielte, manches Beachtenswerte 
geschaffen worden, an dem man auch mit dem ge¬ 
läuterten Geschmack von 1917 seine ungetrübte 
Freude haben kann. Wie all und jede künstlerische 
Äußerung als Ausdruck ihrer Zeit gewertet sein will 
und muß, so auch hier. Nur so kann man den Leuten 
gerecht gegenübertreten, die heute eine Volkshymne 
für Österreich, morgen eine Fantasie über Meyer- 
beers Afrikanerin und übermorgen wieder einen 
schneidigen Militärmarsch mit ihrer Kunst zu zieren 
hatten. Beschränkte man sich auch hier vielfach noch 
auf die einfache Wirkung des Schwarzweiß, so war 
doch die Verlockung der lithographischen Technik, 
diese durch die Farbe zu erhöhen, viel zu groß. Die 
Initialen oder die Namen der Musikstücke mehrfarbig 
zu drucken, hatte man ja schon in den Anfängen des 
Notendruckes geübt. Jetzt verlangte man also mehr 
und wollte auch im Musikwerke schon den farbigen 
Abglanz des Lebens verspüren, der die Festes- und 
Genußfreude erhöhen sollte. 

Die ruhmreichen Kriegsjahre von 1870/71 hatten für 
Deutschlands Kunst nicht unbedingt segenbringend 
gewirkt. Nach wie vor zehrte man von fast allen 
vorhergegangenen Stilrichtungen und braute sich mit 
mehr oder minder großem Geschick ein Ragout von 
andrer Schmaus. Wirklich Eigenes, Persönliches 
sollte erst das Ende des Jahrhunderts bringen, dem 
wir der Geburt nach alle angehören. Kunst und Kunst¬ 
gewerbe gingen ungeahnten Neuerungen entgegen. 
Unerbittlich wurde der ganze Formen schatz der Antike 


und der nachfolgenden Stile über den Haufen ge¬ 
worfen, eine Sezession folgt der andern, der Jugendstil 
machte sich breit, aus ihm und den noch moderneren 
Stilrichtungen löste sich nach und nach das los, was 
wir etwa als den Stil unsrer Zeit zu bezeichnen pflegen. 
Daß der Notentitel dabei zu kurz gekommen wäre, 
läßt sich nicht behaupten. Im Gegenteil, das Kunst¬ 
gewerbe war wieder, wie einst, ein selbständiger Be¬ 
griff geworden. An Stelle der Handwerker, der Litho¬ 
graphen, die schlecht und recht eine mächtige Fahne, 
einen Turner und die Büste Vater Jahns zusammen¬ 
stellten, um den Notentitel für einen Turnfestmarsch 
recht anziehendzu machen, treten die Kunstgewerbler, 
die ihren Beruf zur freien künstlerischen Selbstän¬ 
digkeit erhoben. Wie einst den Meistern der Renais¬ 
sance, so war es auch ihnen wichtig genug, sich der 
alltäglichsten Dinge des menschlichen Lebens anzu¬ 
nehmen, und wie auf den riesigen Plakaten der Lit¬ 
faßsäulen, so konnte man auch auf einer Speisekarte 
oder sonst irgendeinem Druckerzeugnis des täglichen 
Gebrauches die Namen bekannter Künstler lesen oder 
solcher, die eben Wert darauf legten, durch diese 
Dinge bekannt zu werden. Mit der Graduierung des 
künstlerischen Objektes nach dem Namen seines 
Schöpfers stieg auch deren Wertschätzung in den 
Augen der Verleger. War den Notendruckern ver¬ 
gangener Zeiten, die meist ja auch ihre eigenen 
Verleger waren, der Name des Titelzeichners nicht 
wichtig genug, so wurde es jetzt, nachdem Druck und 
Verlag ganz selbständige Zweige geworden waren, 
doch merklich anders. Die Jagd der Verleger nach 
berühmten oder wenigstens gut angesehenen Künst¬ 
lern begann. Dazu kam, daß die Konkurrenz inner¬ 
halb der musikalischen Produktion ins Ungeheure 
gestiegen war, der anspruchsvoll gewordene Ge¬ 
schmack des Publikums tat das übrige, kurz, es fehlte 
nicht an belebenden und befruchtenden Elementen, 
die dem Notentitel unsrer Tage ein ganz andres 
Äußeres geben mußten, wie ehedem. Eine Handvoll 
Notentitel aus unsrer Zeit genügt vollkommen, um in 
den Ruf auszubrechen: wer zählt die Künstler, zählt die 
Namen, und wervermag auf einmal all die gedankliche 
Fülle, den farbigen Reichtum in sich aufzunehmen, der 
hier auf diesen Blättern festgelegt ist. Der ornamentale 
Schmuck ist, man kann es wohl ruhig sagen, ein über¬ 
wundener Standpunkt geworden. Die schlichte Sprache 
des Schwarzweiß genügt langenichtmehr und selbst der 
goldgepreßteTitel,der uns noch hier und da sehnsüchtig 
in die Zeiten des graziös verschnörkelten Rokoko¬ 
ornamentes, der Menschen mit Kniehosen und Schnal¬ 
lenschuhen zurückschauen läßt, vermag sich nicht 
mehr inmitten der Dinge zu behaupten, die lauter und 
geräuschvoller sich an die Sinne der Menschen wenden. 
Der Plakatstil ist Trumpf; große Flächen von stärkster 
farbiger Wirkung werden die Kennzeichen des künst¬ 
lerischen Lebens, das sich in die Öffentlichkeit drängt. 


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Beilage zum Archiv 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Naturgemäß vollzieht sich auch die Entwicklung 
der äußeren Gestalt des Notentitels nur etappenweise 
und sprunghaft. Der Geschmack der Verleger einer¬ 
seits, der musikalische Charakter des Notenstückes 
andrerseits waren immer ausschlaggebend.Daß unsre 
großen deutschen Musikverleger sich die ungeahnten 
Möglichkeiten der künstlerischen Ausschmückung 
des Notentitels hätten entgehen lassen, kann man 
nicht behaupten. Die vervollkommnete Technik der 
Lithographie gab den weitesten Spielraum, der 
Schaffensdrang der Künstler, die hier ein reizvolles 
Gebiet für ihre Tätigkeit sahen, nicht minder. Die 
Übung, allen Verlagswerken durch einen Kollektiv¬ 
titel ein gemeinsames Äußere zu geben, wurde wieder 
aufgegriffen, und das musikliebende Publikum wußte 
schon von weitem, ob ein Musikwerk ans der Edition 
Breitkopf oder Schott stammte. War es hier eine 
modernisierte ornamentale Umrahmung, so war es 
dort nur ein Signet, da wieder beide vereint, um so¬ 
fort erkennen zu lassen, woher das Werk kam. Aber 
der Zeitgeschmack forderte mehr. Das noch nie da¬ 
gewesene Eindringen der Kunst in die breiteste Masse 
gab den Ansporn, ein übriges zu tun. Selbst das be¬ 
scheidenste Kinderlied oder das einfachste Volkslied 
mußte im Schaufenster doch besser und zugkräftiger 
wirken, wenn ein nettes Bildchen, eine hübsche Zeich¬ 
nung ihm ein freundlich verlockendes Antlitz gab. 
Und so konnte auf dem durch das nüchterne Wort 
Reklame vorbereiteten Boden der Künstler erscheinen 
und seine Tätigkeit beginnen. Vom biederen Durch¬ 
schnittskünstler an, der freudig eine neue Einnahme¬ 
quelle begrüßte, bis zu dem großen und berühmten, 
der sich gnädig herbeiließ, für solch ein Ding den 
Entwurf zu liefern, sie alle traten in den Dienst des 
Notentitels. Sie halfen jene in ihrer Art einzig da¬ 
stehende Galerie schaffen, die dienend und fördernd 
zugleich mit dem Griffel und dem Pinsel in künst¬ 
lerischer Form das ahnen lassen und bildlich ver¬ 
körpern sollte, was die musikalische Welt Deutsch¬ 
lands ersann. 

Daß auch die neueren Künstler sich immer wieder 
gern der Formenwelt vergangener Epochen bedienen, 
ist wohl kaum mehr als eine entwicklungsgeschicht¬ 
liche Erscheinung. Auch der modernste Künstler ist 
sich in der Tiefe seines Innern bewußt, daß hier der 
unerschöpfliche Born ist, an dem keiner, und sei er 
noch sogenial, vorüberkommt. Das wußte wohl auch der 
ausgezeichnete Buchschmuckkünstler Franz Stassen, 
als er für Breitkopf & Härtel die Titel zu den Wagner¬ 
opern (Abbildung 18) schuf. Wir nennen sie modern 
und fühlen doch, wie überall derGeist derRenaissance 
hindurchblickt. Nur vereinfacht sind sie, auf ein gutes 
Maß schlichter Größe und Monumentalität zurückge¬ 
führt. Dasaber ist ihre Besonderheitund wird sie inner¬ 
halb der zeitgenössischen Notentitel immer zu den 
besten Leistungen stempeln. Sind wireinmal dabei, die 


Notentitel des ältesten deutschen Musikverlages zu 
betrachten, dessen Ruf heute noch in der ganzen 
Welt gilt, so bereitet es besondere Freude zu sehen, 
was hier eine Anzahl ausgezeichneter Künstler ge¬ 
schaffen hat. Auch L. Burger kehrt in ihrem Titel 
zu Kling Klang zur Erscheinungswelt der Renaissance 
zurück. Ein fahrender Minnesänger in der Tracht der 
Reformationszeit, eine stattliche Hebe, die ihm den 
Becher reicht, und der ganze Raum, in dem sie stehen, 
verschönt mit Weinlaub und Glöckchen und Vögeln, 
die ihre Schnäbel aufsperren, um einzustimmen in 
den heiteren Sang. Die Zeichnung ist in stark kon- 
turiertem Schwarzweiß ausgeführt, der farbige Reiz ist 
nur durch das Rot des Wortlautes erhöht. Daß Paul 
Hey, bekannt durch seine liebenswürdigen Darstel¬ 
lungen aus der Biedermeierzeit, auch für den Noten¬ 
titel seine Motive hierfür aus dieser wählen würde, 
darf nicht verwundern. Aber er hat es mit viel Glück 
getan und mit dem Vorgefühl der Wonne werden 
die Menschen, die diese beiden Duette in die Hand 
nehmen, schon aus den Bildern die Freuden fühlen, 
die ihrer harren. Aber so reizvoll es wäre, all den 
Titeln als künstlerische Leistung gerecht zu werden, 
so unmöglich ist es aus räumlichen Gründen. Daß 
neben den vielen schwachen und belanglosen und 
auch banalen Notentiteln immer wieder sehr schöne 
auftauchen, muß uns genügen. Hierzu gehört wohl 
nicht zuletzt der wunderhübsche und in farbiger Hin¬ 
sicht überaus geschmackvolle Titel, den M. Molitor 
zu Schön Gretlein entworfen hat, der Titel zu Kinder¬ 
liedern des Karlsruher Meisters Hans von Volkmann, 
der sich mit so glücklicher Einfühlung ganz auf das 
kindliche Verständnis einzustellen wußte, und end¬ 
lich der Titel, den Josef Janssen (Beilage 3) zu dem 
Musikdrama Godoleva von Edgar Tinel schuf. Ohne 
Zweifel hat auch Janssen sich an die Schöpfungen der 
Buchschmuckkünstler des 16. Jahrhundertsangelehnt. 
Doch auch er hat das Bild selbst, das den Hauptraum 
in Anspruch nimmt, wie auch die umrahmenden Orna¬ 
mente, den heraldischen Schmuck und die Initiale 
mit feinem Verstehen auf eine gesunde moderne Ein¬ 
fachheit reduziert. Die hervorstechende Eigenart des 
modernen Notentitels ist, das haben wir ja bereits 
gesehen, die, den Charakter des Musikstückes mög¬ 
lichst sinnfällig anzudeuten. Das mußte den Künst¬ 
lern immer vor Augen stehen, und so war es auch nur 
einleuchtend, daß der berühmte Münchner Künstler 
Angelo Jank für die mit Kriegsausbruch so aktuell 
gewordenen Marsch- und Lagerlieder (Abbildung 19) 
einen Trupp ausziehender Feldgrauer wählte, und daß 
andre, nicht genannte Künstler für exotische Musik¬ 
stücke aus der Welt des Orients ihre Anregung 
schöpften. Letzten Endes mußte gerade beim Noten¬ 
titel der Zweck das Mittel heiligen. Auffallen um jeden 
Preis und zumKaufen locken, das war die Parole. Beson¬ 
ders die in den letzten Friedensjahren überwuchernde 


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leichte Musik, das Tanzlied, die Operette, kurz der musi¬ 
kalische Schlager bot den Künstlern Gelegenheit, ihrer 
Phantasie, zum mindesten aber ihrer Farbenfreudig¬ 
keit ungehemmt die Zügel schießen zu lassen. Wie 
in den Musikwerken selbst, so war auch hier der 
Knalleffekt die Hauptsache, und ganz dem Zeichen der 
Zeit folgend, steht denn auch der auf knallige Wirkung 
berechnete Notentitel im Vordergrund der Erschei¬ 
nung. Tanzende und musizierende Menschen, Liebes¬ 
paare in sinnlich schwülen Situationen, betrunkene 
Ehemänner und verlassene Mädchen, Mondschein¬ 
landschaften und schöne Frauenköpfe, sie wechseln 
in buntem, fast sinnverwirrendem Durcheinander und 
führen ein nicht immer sehr ruhmvolles Dasein, dessen 


Töne, die mobil gemacht werden, um der Klangfülle 
der Musik schon im Titel ein möglichst rauschendes 
Präludium zu bereiten. Einzelne Künstler, wie Ed. Edel, 
in seinem Titel zu Wolzogens Buntem Brettl, H. R. Erdt 
zu einem Fliegermarsch, Hohlwein zu einem Kabarett¬ 
vortraggehen ganz auf sozusagen gröbste plakatmäßige 
Wirkungaus. DieSimplizissimuszeichnerErnstHeile- 
mann, Knut Hansen, der einst vielgefeierte Reznizek 
und andre wissen mit ihrer ganz auf die Forderungen 
des Tages eingestellten Kunst auch ganz den leichtbe¬ 
schwingten Ton zu treffen, der ihnen durch die Musik 
vorgeschrieben wird, und wieder andre, wie H. Hirzel, 
Lucian Bernhard, O. J. Olbertz, Emil Orlik und nicht 
zuletzt der vielseitige Buch- und Kunstgewerbler 


imnr.rspin mm 

u le/chte volkstümliche Musikstücke für. mandqune 
ODER WUNE IN DER ERSTEH LAGE ODER Sm&OiZ/ntER M/T 
EINER ZWEITEM STIMME Q/lOUHE MANDOLINE ODER STREICH' 
UTHERSAC LIBITUM UND LAUTEN-ODER. OU'TARREBEGLEiTUNXj 



KO M »O NI IM VON 

(LARLHILTG© MÜMJEIR-EllSENAGHI 

AACH ÜOM. 


LEIPZIG 

CRW SIEGELS MUSIKALIENHANDLUNG (R.UNNEMANN ) 
' 



AM TRAUTEN KAMIN 


Lieder im Volksion zur 

Laute oder Guitarre- 

mit einfacher Begleitung 


*ü*lijh>-ung»r«<M Vorbehalten 
Eigentum de» VrrleflC'S für O'le .dndei 


LEIPZIG 

CFW SIEGEL S MUSIKALIENHANDLUNG (S. LlNNCMANN) 


Abbildung 20 

Aufgabe nichts mehr und nichts weniger ist, als den 
musikalischen Erzeugnissen unsrer Zeit die äußerlich 
gefällige und meist recht auffällige Form zu geben, die 
man für notwendig erachtete, um ihre Durchschlags¬ 
kraft zu sichern. 

Aber neben den gegenständlichen Fadheiten und 
Plattheiten, die man mit in Kauf nehmen muß, be¬ 
strickt doch immer wieder der zutage tretende Ge¬ 
schmack farbig reizvoller Zusammenklänge, durch die 
selbst ein musikalischer Rhythmus weht. Fast alle 
zeitgenössischen Künstler von Rang und Namen, die 
sich illustrativ betätigt haben, treten in den Dienst 
des Notentitels, und der ganze künstlerische Reich¬ 
tum, der sich durch Jahrhunderte aufgespeichert hat, 
bricht sich gewaltsam Bahn. An die Stelle des feier¬ 
lich ernsten Schwarzweiß vergangener Tage treten 
die mit keckem Übermut vorgetragenen Farben, tritt 
feuriges Rot, leuchtendes Blau und alle die andern 


Abbildung 21 

J. V. Cissarz betonen mit vielem Geschick und Ge¬ 
schmack ihr starkes kunstgewerbliches Können. Ja 
selbst berühmte Maler wie Hans Unger, Fritz Erler, 
L. von Zumbusch, Richard Müller treten gelegentlich 
in seinen Dienst und erfüllen mehr als einmal mit 
Staunen darüber, wie auch hier in dieser Kleinkunst 
sich ihr künstlerisches Temperament zu entfalten 
weiß. Das den Alten unbekannte Kunstdruckpapier, 
das eine so einzigartige Bereicherung der Druck¬ 
technik mit sich bringen sollte, dann die farbigen 
Papiere erleichtern es den Buchgewerblern, ihre 
Arbeiten ganz auf ihre künstlerischen Intentionen 
einzustellen und oft schon mit den einfachsten Mitteln 
die vornehmsten Wirkungen zu erzielen. Daß neben 
den von unerhÖrterFarbenfreudigkeit erfüllten Dingen, 
denen die allergrößte und sinnfälligste Wirkung ge¬ 
rade gut genug war, auch immer ein gesunder Sinn 
für dezente vornehme Wirkung einherlief, war ja ein 


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Abbildung 22 Abbildung 23 











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Glück. Nur so konnten die Künstler, deren geläuterter 
Geschmack sie vor den Extravaganzen der andern zu¬ 
rückschreckenließ,denbuntenundmarktschreierischen 
Erzeugnissen solche gegenüberstellen, die wirklich 
den Anspruch auf künstlerische Wertung erheben 
konnten. Ein Blick in die Notentitelmuster einer der 
größten Leipziger Druckereien, vonC.G.RÖder, fördert 
hier schon eine überwältigende Fülle des Guten und 
Beachtenswerten zutage. Von hieraus wurden ja fast 
sämtliche Musikverleger Deutschlands mit Noten ver¬ 
sehen, hier fanden sich alle die Dinge zusammen, die 
in ihrer Gesamtheit ein großartiges Spiegelbild vom 
Stand des modernen deutschen Buch- und Kunst¬ 
gewerbes geben mußten. Daß einzelne Verleger ein 
besonderes Glück hatten, tüchtige Künstler an sich 
zu fesseln, wird man gern und ohne Haß und Vor¬ 
liebe feststellen. Genannt sei hier der Verlag von 
C. F. Kahnt Nachfolger, Leipzig, der, just um die Mitte 
des vorigen Jahrhunderts begründet, noch eine An¬ 
zahl schöner alter Titel zu seinen mit Stolz behüteten 
Schätzen zählt. Beinahe siebzig Jahre Musikverlag 
umschließen immerhin ein gut Teil künstlerischen 
Vorwärtsschreitens und dieses ist an den Werken der 
Firma keineswegs achtlos vorübergegangen. Sehr 
hübsch, zum mindesten sehr zweckentsprechend 
sind die Titel zu Rheinliedern und zu einem Weih¬ 
nachtsalbum. Künstlerisch bedeutender wollen uns 
dagegen die von Damenhand geschaffenen Titel zu den 
Geschichten aus den Bergen, zu Kompositionen von 
Friedrich Martin, zu einem Jugendalbum von Parlow 
und der sich wiederum an ältere Formen anlehnende 
Titel zu dem Kinderkreuzzug (Abbildung 22) erschei¬ 
nen. Auf voller Höhe steht wohl der von Professor 
M. Honegger entworfene Kollektivtitel für die Ausgabe 
Kahnt (Abbildung 23). Ein achteckig abgestumpftes 
Ornament umschließt den Raum, in den der Wortlaut 
des jeweiligen Musikstückes eingesetzt wird. Oben 
ist das Signet der Firma, ein Kahn mit der Jahres¬ 
zahl der Gründung, unten in klarer deutlicher Schrift 
die Anfangsbuchstaben der Firma eingelassen. Kräftig 
betonte schwungvolle Linien, gut verteilte Raum¬ 
flächen sichern dem Titel auf jeder Grundfarbe eine 
gute und klare Wirkung. Mit einigen sehr beachtens¬ 
werten Titeln kann auch die Firma Schott Söhne in 
Mainz aufwarten. Emil Preetorius, dessen reiches 
Können gerade jetzt in verschiedenen Ausstellungen 
so eindrucksvoll zur Geltung kam, hat einen solchen 
zu einem Musikwerk des Großherzogs von Hessen 
(Abbildung 24) entworfen, dem man geschmackliche 
Besonderheit nicht absprechen darf, der Leipziger 
Graphiker Bruno H6roux einen zu den Werken 
des jugendlichen Musikgenies Erich Wolfgang Korn¬ 
gold, H. Michel, Berlin, ein sehr geschmackvolles 
Titelblatt zu Etüden von Burgmüller und Henriette 
Willebeck, die bekannte holländische Künstlerin, 
verschiedene Titel, die mehr um ihrer farbigen 


Delikatesse willen fesseln werden, als wegen der etwas 
steifen und leblosen Zeichnung. Daß vielfach auch der 
moderne Notentitel sich nur mit ganz bescheidenem 
künstlerischen Schmuck begnügt, mag angesichts 
des überreichen, ja verschwenderischen Aufwandes, 
der im wesentlichen vorherrscht, nicht unangenehm 
empfunden werden. Gewiß mag es verständlich 
sein, daß ein Musikstück, wie das bekannte Lied 
an der Weser, das in dem Verlage der Firma Sim- 
rock in Berlin erschienen ist, mit einer Weserland¬ 
schaft geschmückt wurde. Aber viel lieber bleibt 
man doch an den feinen und anspruchslosen Titeln 
der gleichen Firma hängen, die sich entweder nur mit 
schön gesetzter Schrift, mit einer alten Umrahmung, 
einem stilvollen Gehänge oder einem durch farbige 
Kontraste in der Wirkung erhöhten Ornamente be¬ 
gnügen. Aber freilich, eines schickt sich eben nicht 
für alle, und es bedarf kaum eines Nachweises, daß ein 
Notenbüchlein für musikalische Abcschützen durch 
die Gestalt eines pausbäckigen Mädels, dem der Inhalt 
einer großen Notenmappe entrutscht ist (Beilage 4), 
besser und zugkräftiger wirkt, als wie durch die vor¬ 
nehmste Titelzeichnung. Der Charakter der Musik be¬ 
stimmt auch seinen äußeren Schmuck, das wird immer 
dieRichtschnurseinmüssen.WasdemVolksliede recht 
ist, kann der Tanzpantomime nicht billig sein. Dort 
sinnige Einfachheit, hier möglichste Üppigkeit, die 
sich in der Verwendung von Gold und Silber und 
kräftig akzentuierten Farben nicht genug tun kann. 
Und wenn für Max Regers C-Moll*Sonate das schmuck¬ 
lose Grau der ganzen Fläche genügt, die nur durch 
den leichterhöhten Ton des Komponistennamens und 
der Firma und das schlichte Schwarz des Titels unter¬ 
brochen wird, und damit kaum weitere Wünsche offen¬ 
läßt, so ist es noch lange nicht gesagt, daß für ein Werk 
mit Vaterlandsliedern und Chorälen und Märschen die 
gleiche Bedingung gelten kann. In irgendeiner Form 
mußte eben dem Geist der Zeit Rechnung getragen 
werden. Und dieser Geist war, wir wissen es zur 
Genüge, auf andre Wirkungen eingestellt als ehedem. 
Wir wissen, daß heute selbst die größte Einfachheit, 
die irgendein Ding auszeichnet, aus andern Erkennt¬ 
nissen geboren ist, als wie vor vierhundert Jahren. 
Damals war sie Selbstzweck, heute ist sie Mittel zum 
Zweck, der ebenso darauf hinausläuft, aufzufallen und 
herauszuspringen aus der Fülle der Gesichte. Im all¬ 
gemeinen finden wir, daß die großen Musikverleger 
sich über das Stilprinzip ihrer Notentitel recht klar 
sind. Die ernste und schwere Musik fordert ruhige, 
vornehme Ausstattung, die sich oft nur mit schön 
gesetzter Schrift, einer einfachen Umrahmung oder 
dem Farbton des Papieres begnügt. Die leichtere 
Unterhaltungsmusik will auch ein leichteres, locken¬ 
deres Äußere haben. Freilich die letztere dominiert 
heute, und wenn man etwa versucht sein wollte, 
aus den Notentiteln der letzten Jahrzehnte bis zum 


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Beilage zum ArchivTdr Buchgewerbe Druck von C.ö.Roder G.iabli, Leipzig 





















































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SECHS STIMMUNGEN 

FÜR. KLAVIER 



P 


VON ERNSTL UDWIG 

GROSSHERZ O G VON HESSEN 
UND BEI RHEIN 

Abbildung 24 

Ausbruch des Weltkrieges Schlüsse auf die Kulturzu- Emil Doepler jun., Fidus, ErnstRudolfWeiß und Rudolf 
stände der „vielberühmten glorreichen Zeit“, in der Wilke genannt, der für den Verlag von Hofmeister 
wir uns so herrlich und in Freuden lebend wohlfühlten, einen entzückenden Titel zu zwölf neuen Schelmen- 
ziehen zu wollen, man würde oft recht wenig Erbau- liedern schuf, auf dem er einen fahrenden Sänger 
liches erleben. Aber nicht dies soll den Ausklang mit einer gepfändeten Laute zeigt, sie wußten, daß 
unsrer Betrachtungen über Alte und neue Notentitel auch dem Notentitel eine kulturelle Mission inne¬ 
bilden. Wir wissen,daß gerade die letzten Jahrzehnte wohnte. Sie empfanden, daß die Menschen, die sich 
eine Zeit künstlerischer Gärungen bedeuteten, wie nie im Reiche der Musik bewegten, auch etwas für das 
zuvor. Altes und Neues stand sich schroff gegenüber; Auge brauchten. Aus diesem Bewußtsein sind denn 
wie die musikalische Welt ihre Revolutionen durch- auch ihre Notentitel entstanden. Schmerz und Freude, 
lebte, so auch die bildende Kunst und deren Gefolg- Haß und Liebe, stille Entsagung und jubelnde Lebens¬ 
schaft. Aber das steht unumstößlich fest: es ist bei bejahung, kurz alles menschliche Empfinden, das in 
diesen Gärungsprozessen viel Gutes und Schönes den Tönen der Musik seinen Widerhall fand, es mußte 
herausgekommen. Und allein schon ein leider so in diesen Blättern sichtbar und verheißungsvoll aus- 
zur Nebensächlichkeit verurteiltes künstlerisches Er- gedrückt sein. Und gleichlaufend mit den schmerz- 
zeugnis wie der Notentitel bildet als Gesamterschei- voll heiteren Klängen, die sich von stillen Akkorden 
nung eine Fundgrube für das künstlerische Wollen zum rauschenden Fortissimo steigern, mußte auch 
und Ringen einer Zeit, deren höchstes Streben es das, was sie im Bilde, in der Zeichnung und selbst 
letzten Endes war, sich von allen Überlieferungen frei- in einem einfachen Ornament ausdrückten, etwas 
zumachen und einen eigenen Stil mit ausgesprochen ahnen lassen von dem musikalischen Reichtum der 
nationaler Eigenart zu finden. menschlichen Seele. Wie unsre zeitgenössischen 

Wir sehen außer den schon genannten Künstlern ja Künstler dies verstanden haben, hätten wir gern noch 
nocheineganzeMengeimDienstedieserreizvollenund durch einige Bildbeispiele erläutert. Aber — der 
begeisterten Aufgabe stehen und alle das gleiche Ziel Krieg, die Notwendigkeit, mit dem Platz hauszuhalten 
verfolgen. Sie alle, es seien nur noch der Worpsweder muß entschuldigen. Nur das sei noch gesagt, daß ge- 
Graphiker Heinrich Vogeler, der bekannte Bühnen- rade in Leipzig, wo der Notendruck eine Pflegestätte 
reformator Ernst Stern,Walter Tiemann,HorstSchulze, fand wie in keiner andern Stadt, auch die künstlerische 

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Beteiligung hieran immer eine sehr rege und erfolg¬ 
reiche war. Was Bruno Höroux, was M. Honegger, 
was Max Klinger mit seiner berühmten Brahms- 
Phantasie und der allzufrüh verstorbene Otto Greiner 
für die künstlerische Belebung des Notentitels zu 
geben wußten, ist bekannt und oft gewürdigt worden. 
Eine besondere und von rein künstlerischen Er¬ 
wägungen geleitete Pflege des Notentitels hat sich 
auch der Musikverlag C. F.W. Siegel (R. Linnemann) 
zur Aufgabe gemacht. Künstler wie Erich Grüner und 
andre haben sich in seinen Verlagswerken als fein¬ 
sinnige Interpreten des musikalischen Gedankens 
erwiesen; Hugo Steiner-Prag, für derartige Aufgaben 
gewissermaßen prädestiniert, wußte für die Lieder 
eines Verwundeten (Beilage 5) die ganze Zartheit nach¬ 


fühlender Empfindung mit hoher geschmacklicher 
Kultur zu vereinen. Sicher wird das, was sie ge¬ 
schaffen haben, innerhalb der ästhetisch-kritischen 
Würdigung des Notentitels als kunstgewerbliches Er¬ 
zeugnis immer an besonderer Stelle stehen und gewiß 
auch in späteren Arbeiten, die sich mit unserm so 
reizvollen Thema befassen, mit Ehren genannt werden. 
Daß die vorliegende Arbeit nur ein erster Versuch 
war, den überwältigend reichen Stoff in feste Form zu 
gießen, ist ja schon ausgedrückt worden. Dieser Ver¬ 
such ist von den verschiedensten Seiten in liebens¬ 
würdigster Weise unterstützt worden, insbesondere 
aber vom Vorstand der Musikbibliothek Peters in 
Leipzig, Herrn Professor Dr. R. Schwartz, dem auch 
an dieser Stelle verbindlichst gedankt sei. 


Joseph Sattler 

Ein Nachwort zu seinem fünfzigsten Geburtstag 

Von LOTHAR BRIEGER 



Abbildung 1 


N der noch verhältnismäßig jungen Ge¬ 
schichte der deutschen Buch¬ 
kunst spielt Joseph Sattler 
eine eigenartige und bedeu¬ 
tende, eine vielfach an¬ 
gefeindete, aber jeden¬ 
falls keine kleine und 
kleinliche Rolle. Ganz 
plötzlich aufgetaucht,ein 
noch junger Mensch, 
als ein Meteor und 
Erneuerer des illu¬ 


strierten Werkes in Deutschland wie im Auslande 
begrüßt, der Held ungewöhnlich glänzender Erfolge; 
dann mit einem Male stark angefeindet, übrigens nicht 
immer von den kompetentesten Gegnern, sein letztes 
Werk, die Illustrationen zum Simplicius bei weitem 
nicht der erwartete Erfolg. Und nun lange Zeit ein, 
vielleicht verbittertes, Schweigen, möglicherweise ein 
Schaffen in abseitiger Stille, von dem die Öffentlich¬ 
keit nichts weiß, und damit eine gewisse Vergessen¬ 
heit um Dinge, die zu den starken Erlebnissen eines 
jeden gehören, der sie ernsthaft betrachtet hat, und 
zu den stärksten Erlebnissen dessen, der ihr plötz¬ 
liches Dasein unvorbereitet mit erleben durfte. 

Sattlers Aufstieg fällt in die Zeit des „Pan“, er 
kam mit ihm empor und wuchs über ihn hinaus weiter. 
Es sah damals traurig bei uns um die Illustration aus. 
Die gute alte Zeit des illustrierten Buches im Sinne 
der Einheit von Text und Bild innerhalb der Buch¬ 
seite — geistig wie äußerlich — war verloren ge¬ 
gangen, ihr letztesgroßes Geschenk waren in Deutsch¬ 
land Ludwig Richters deutsche Volksbücher gewesen. 
An ihre Stelle trat die entsetzliche Sintflut buchtech¬ 
nisch charakterloser Prachtwerke. Wer wußte noch 


etwas vom Verhältnis des Bildes zum Buche, von der 
Einheit des Buches als eines künstlerischen Erzeug¬ 
nisses? Maler schufen zu ihnen gleichgültigen Texten 
Bilder, die eigentlich Gemälde waren. Die selbstän¬ 
dige Graphik, die Griflfelkunst im Klingerschen Sinne, 
war vollkommen ausgeschaltet. Die Graphik war eine 
ausschließliche Dienerin am fremden Werk. 

Als Reaktion gegen diese unhaltbaren deutschen Zu¬ 
stände entstand der „ Pan“. Es galt der Graphik wieder 
die Geltung einer selbständigen Kunst zu gewinnen 
und das illustrierte Buch tatsächlich wieder zu einem 
Einheitswerk umzugestalten. 

Der bedeutendste Schöpfer am Werke arbeitete ja 
bereits einsam abseits: Menzel. Neben ihn trat Max 
Klinger. Und wieder in einem ganz andern Sinne hat 
sich zu ihnen Joseph Sattler gesellt, ein merkwürdig 
herber und charaktervoller Künstlerkopf, vollkommen 
durchdrungen von seiner Aufgabe, vollkommen ab¬ 
geneigt jeder Konzession. In der Herbheit seiner 
Natur und in der Unbeirrtheit, mit der er seinen 
eigenen Weg ging, sind die Gründe zu suchen, aus 
denen sich sowohl das erste große Aufsehen, wie die 
spätere leidenschaftliche Anfeindung seiner Kunst 
erklären. Er kam mit seinem Schaffen, das durchaus 
auf eine moderne Ausdeutung des altdeutschen Linien¬ 
willens hinstrebt, in eine Zeit, die grade wieder das 
unlineare, das rein malerische Sehen zu besonderen 
Ehren und zu einer klassischen Vollendung brachte. 
So mußte der Augenblick eintreten, in dem sich Sattler 
und der künstlerische Zeitwillen feindlich gegenüber¬ 
standen. Es konnte von vornherein nicht zweifelhaft 
sein, wer in diesem Kampfe unterliegen mußte. Der 
Wille zum Ausdruck mußte vor dem Willen zum Ein¬ 
druck weichen, und die Wege zweier Künstler, die 
sich dermaleinst wie Sattler und Liebermann zu 


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gemeinsamen Schaffen zusammengetan hatten,mußten 
derart weit auseinandergehen, daß diejenigen sich 
schließlich gar nicht mehr sahen, die sie beschritten. 
Solche natürliche Folge von Zeitereignissen, Zeit¬ 
strömungen erscheint hart. Hat doch auch ein Großer 
wie Klinger unter ihr zu leiden gehabt! Aber über 
das Zeitliche hinweg reicht das Bleibende. Im Werke 
Sattlers sind künstlerische Werte, die seinen Schöpfer 
für das geschichtlich sehende Auge an eine so be¬ 
deutende Stelle heben, daß seine Einwirkung nicht nur 
Gegenwart, sondern sehr lebendige Zukunft bedeutet. 



Abbildung 2 


Derim Juli 1867 in Lenbachs Heimatsorte, dem klei¬ 
nen bayrischen Städtchen Schrobenhausen geborene 
Malermeisterssohn ist von früh auf den schweren und 
harten Weg der Technik gegangen. Er stand den 
impressionistischen malerischen Neigungen weder 
fremd noch ablehnend gegenüber, davon zeugt vieles 
in seinem nicht umfangreichen gemalten Werke. Aber 
er sah seine Ziele ganz wo anders liegen. Wie ihn 
von lebenden Künstlern Künstler wie Klinger am 
stärksten beeinflußten, so kam es ihm von vornherein 
darauf an, aus der Technik so viel an Ausdrucks- 
Fähigkeit herauszuholen, wie diese nur irgendwie her¬ 
zugeben vermochte. Mit andern Worten: die Idee lag 
für ihn nicht in der Technik, sondern ganz außerhalb 
derselben. Eine bestimmte Weltanschauung und ein 
bestimmter Charakter strebten sehr eigenwillig zu 
ihrer besonderen Art von Kunst. Mit dem Gelingen, 
daß diese individuelle Kunst erreicht wurde. 


Sattler hat von vornherein den Weg gewählt, auf 
dem die Zeichnung aus dem Buchstaben und dieser 
wiederum aus dem Ornament hervorgegangen ist. 
Hieraus ergibt sich bereits, wie ihm künstlerisch sein 
Werk erstehen mußte. Arbeiten wie seine heilige 
Familie mit den Hobelspänen, die zuerst etwas Über¬ 
raschendes und dann etwas Übertriebenes haben 
mögen, sind nichts anderes als in Kunstformen um¬ 
gesetzte Überzeugung. Die sich im Ornamente mannig¬ 
faltig belebende Linie wird dem Zeichner die Materie 
seiner WeltschÖpfung. Aus ihr baut sich seine ganze 
Arbeit empor, die darum besonders rein und ausge¬ 
glichen in seinen kleingraphischen Arbeiten, also in 
seinen Buchstaben, Zierstücken, Exlibris erscheint. 



Abbildung 3 


Und so mußte denn Sattler sich aufs innigste den alt¬ 
deutschen Meistern verwandt fühlen, deren Arbeiten 
aus ähnlicher Seelenveranlagung entstammen. Er er¬ 
neuerte vor allem den charaktervollen Holzschnitt, war 
überaus sparsam in der Anwendung der Farbe und sah 
überall starke und scheidende Linien sich gegenein¬ 
ander durchsetzen. Alles wird zu einem Ornamente im 
höchsten Sinne, die Einzelheit begegnet unendlicher 
Liebe und Sorgfalt, sie ist dem Künstler nicht minder 
wichtig als das Ganze, und doch ist eben die künst- 
lerischeQualität sogroß,daß alles zum dienendenGliede 
am Ganzen wird. Wie in denWerken der alten deutschen 
Meister die Gewandfalten zunächst fast als Haupt¬ 
sache erscheinen und doch wiederum nur dem einen, 
dem gotischen Zwecke dienen,alle Aufmerksamkeit ge¬ 
sammelt zum Antlitze der Madonna hinaufzuführen, so 
streben auf einem Blatte Sattlers an sich bedeutsame 
Linien dem einen wesentlichen Hauptakzent entgegen. 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 



Abbildung 4 


Man darf 
Parallelen nicht 
zu weit führen, 
und man hat 
diese Parallele 
leider zu weit 
geführt. Ver¬ 
ständnislosig¬ 
keit hat Sattlers 
Anknüpfungan 
die ihm wesens¬ 
verwandte 
deutsche Tra¬ 
dition so auf¬ 
gefaßt, als habe 
erdurchansich 
unpersönliche 
Wiederauf¬ 
nahmederalten 
Grundsätze 
eine Zeitlang 
blenden kön¬ 
nen. Nur der 
oberflächliche 
Blick vermag 
aber in dieser 
Anknüpfung 
eine Abhängig¬ 
keit zu sehen. 

Überwindet 
man ein grund¬ 
falsches Vor¬ 
urteil, so er¬ 
kennt man bald 
sehr deutlich, 
wie hier ein 
selbständiger 



Abbildung 5 


Meister durch¬ 
aus neuzeit¬ 
lichen Tempe¬ 
ramentes am 
Werke ist. 
Seine als altan¬ 
geschaute Welt 
baut in Wahr¬ 
heitgeistig wie 
technisch voll- 
ständigaufdem 
gegenwärtigen 
Empfinden auf. 
Wie seineWelt- 
anschauung 
ohne einen 
starken Schuß 
Schopenhauer 
nicht denkbar 
ist, so sieht 
seine sachliche 
Empfindung 
Natur und Men¬ 
schen, die Per- 
spektivewiedie 
Gestalt völlig 
mit den Augen 
des Impressio¬ 
nisten.DerTod 
seiner Toten¬ 
tanzbilder etwa 
ist kein Hol¬ 
beinscher Tod, 
er ist ein 
moderner Tod, 
wenn man es 
vomTode sagen 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


kann, ein Mitlebender von uns und einer, den wir alle 
miterleben können und miterleben sollen. Und ebenso 
istdie strengeLiniensprache seiner rheinischen Städte¬ 
kultur, die ein so klassisches Empfinden für die Einheit 
von Bild und Buch verrät,wie wenigeWerke unsrerZeit, 
ganz zum Diener einer sehr gegenwärtigen Anschau¬ 
ung geworden. Nicht weniger als etwa die Bilder des 
Bauernkrieges oder der Wiedertäufer kein geringeres 
Ziel verfolgten, als ur¬ 
altes Gemeingut deut¬ 
schen Empfindens einer 
andern Zeit wieder im 
großen Sinne lebendig 
zu machen. Es ist denn 
auch so, daß die sach¬ 
liche Betrachtung des 
einzelnen Blattes des¬ 
sen graphische Endgül¬ 
tigkeit nicht in Frage zu 
stellen vermag, und daß 
die Absage an Sattler 
sich immer auf andre, ei¬ 
gentlich ganz außerhalb 
seiner Arbeit liegende 
Gründe stützen muß, 

Gründe,die mehr als vor¬ 
übergehender Natur sind 
und die bei einem end¬ 
gültigen Urteil einmal 
voraussichtlich gar keine 
Rolle spielen dürften. 

Die dauernde Popu¬ 
larität Sattlers hat zwei¬ 
felsohne auch unter 
einem Umstande gelit¬ 
ten, der mit der künst¬ 
lerischen Qualität über¬ 
haupt nichts zu tun hat: 
unter der Düsterkeit 
seiner Weltanschauung 
undWeltauffassung.Satt- 
ler ist eine grübelnde 
Künstlernatur, seelisch mit einem starken Hange zu 
den düsteren, ja oft gradezu zu den schauerlichen 
und grauenhaften Seiten des menschlichen Lebens. 
Er gleicht den alten Meistern, mit denen man ihn 
so oft überflüssig zusammenhielt, auch darin, daß 
er das Leben schwer auf sich lasten fühlt und seine 
leichteren Augenblicke eigentlich nur in dem Kleinen 
einer begrenzten Gemütlichkeit empfindet. Und er 
ist konsequent genug gewesen, das künstlerisch nie 
zu verheimlichen. So geht denn von seinen Werken 
nie jene Befreiung und Erlösung aus, die anspruchs¬ 
lose Anspruchsvolle von ihr verlangten. Es war ihm 
stets darum zu tun, das zu sagen, was er litt. — 
Da er solches aber für unser Empfinden meisterlich 


und in einer durchaus erfüllten Form gesagt hat, 
wird seine Kunst darum gewiß nicht geringer. Dem 
einen ist das breite Lachen gegeben, ein andrer wieder 
glaubt an erhabene Ideale und ein dritter vermag das 
wirkliche Leben künstlerisch zu solchem Ideale zu 
gestalten. Für Sattler war als Künstler das Leben 
eine harte, schwere und trotzige Angelegenheit. Und 
so wurde denn seine Kunst herb, trotzig, schroff, 

aber darum nicht min¬ 
der stark. 

Es bleibt nun einmal 
eine Eigenart der ihrem 
Wesen nach durchaus 
deutschen Kunst, daß 
sich ihre Geschichte 
stets aus Eigenbrötlern, 
die zugleich starkeHüter 
der überkommenen na¬ 
tionalen Tradition sind, 
zusammensetzt. Immer 
von neuem kehrt in 
unsrer Kunstgeschichte 
der junge Dürer wieder, 
unter anderm Namen 
und in anderm Gewände 
ist sein Schicksal das 
Schicksal nicht der 
schlechtesten Künstler 
unsrer Nation. Auch die 
Kunst Sattlershatdiesen 
jungdürerischen Zug. 
Sie spricht damit nicht 
zu allen Zeitgenossen 
vielleicht: so viele histo¬ 
rische Elemente sie in 
sich birgt, so stark muß 
sie mit ihrer letzten und 
breitesten Anerkennung 
auch auf die historische 
Distanz warten. Aber 
sie darf dafür auch mit 
einigerSicherheit hoffen, 
von dieser unter die Schätze unsrer Buchkunst ge¬ 
zählt zu werden. 

Schließlich sei der Firmen gedacht, die diesem 
Aufsatz das ihn stützende, bei gegenwärtigen Papier¬ 
verhältnissen natürlich nur äußerst bescheidene Illu¬ 
strationsmaterial zur Verfügung stellten. Der Sattler- 
Verlag Stargardt in Berlin erlaubte uns die Initiale 
zu Beginn, die Abbildungen auf Seite 175 und 176 
aus „Internationaler Kunstkrieg“, „Durcheinander“, 
„Deutsche Kleinkunst“, „Bilder aus dem Bauern¬ 
kriege“ und „Ein moderner Totentanz“ abzubilden, 
und der „Unterstand“ auf dieser Seite entstammt einer 
Serie von 1 OAnsichtskarten, die Sattler in diesenTagen 
für die Berliner Firma Amsler & Ruthardt fertigte. 



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" == ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE - 

Ein- und Ausschaltvorrichtungen an Hand-Papierschneidemaschinen 
Der Rückgang der Unfallgefahren 

Von ERNST COLLIN, Berlin-Steglitz 


Pw*] N dem Statistischen Jahrbuch für das Deutsche 
| 1 ■ Reich 1916, das alljährlich vom Kaiserlichen 
I I [Statistischen Amte herausgegeben wird, be- 
L.m.i findet sich auf Seite 77 eine statistische Dar¬ 
legung des Verlaufs der Unfallfolgen bei den Berufs¬ 
genossenschaften. Die trockenen Zahlen reden hier 
eine bedeutsame Sprache. Beweisen sie doch un¬ 
widerleglich das segensreiche Wirken unsrer Berufs¬ 
genossenschaften seit dem Jahre 1887. An Hand der 
Zahlen läßt sich feststellen, wie sich von Jahr zu Jahr 
die Unfallfolgen für die von den Unfällen Betroffenen 
günstiger gestellt haben. Einige der Zahlen, soweit 
sie sich aus der nach etwa vier bis fünf Jahren ab¬ 
geschlossenen Beurteilung ergeben, mögen das klar 
machen. So ist der tödliche Verlauf der Unfälle mit 
jedem Jahr geringer geworden. Während noch 1887 
in 19,49 von 100 Fällen, 1888 in 16,68 von 100 
Fällen der Tod eintrat, kamen 1910 auf 100 Un¬ 
fälle nur 7,87 Todesfälle. Vom Jahre 1911 ab macht 
sich allerdings wieder eine kleine Erhöhung der 
Zahlen bemerkbar. So betragen diese für 1912 8,51 
vom Hundert, für 1913 9,02 vom Hundert und für 
1914 8,84 vom Hundert. (Für die letzten beiden 
Jahre ist die Beurteilung erst nach ein bis zwei Jahren 
angegeben.) Hand in Hand damit geht eine Vermin¬ 
derung der völligen und teilweisen Erwerbsunfähig¬ 
keit nach den Unfällen. So betrug die völlige dau¬ 
ernde Erwerbsunfähigkeit im Jahre 1887 3,11 vom 
Hundert und im Jahre 1914 0,39 vom Hundert, die 
teilweise dauernde Erwerbsunfähigkeit 1887 46,98 
vom Hundert und 1914 28,08 vom Hundert. Ge¬ 
stiegen dagegen ist — und das ist der erfreuliche Um¬ 
stand — die vorübergehende Erwerbsunfähigkeit als 
Unfallfolge. Sie betrug 1887 30,42 vom Hundert und 
1914 62,71 vom Hundert. Diese Zahlen mögen ge¬ 
nügen, um die Tätigkeit der gewerblichen Berufs¬ 
genossenschaften zu kennzeichnen. Und diese Tätig¬ 
keit ist gewiß keine ganz leichte. Immer wieder stößt 
sie auf die Abneigung derer, denen die Leitung oder 
Aufsicht eines gewerblichen oder industriellen Be¬ 
triebes anvertraut ist, oder derjenigen, die hier die 
Maschinen zu bedienen haben. Magauch dieserWider- 
stand zum Teil aus unverzeihlicher Nachlässigkeit 
geboren sein, so hat er in vielen Fällen seine Ursache 
doch in dem Sicherheitsgefühl desjenigen, der seit 
Jahren an seiner Maschine arbeitet. Dieser glaubt 
eben, daß er mit ihr genügend vertraut ist, und hält 
die vorgeschriebenen Sicherungen für überflüssig. 
Die Berufsgenossenschaften aber wissen, auf Grund 
ihrer jahrzehntelangen Erfahrungen, daß auch der 
kleinste Umstand, die geringste Nachlässigkeit einen 


schwerwiegenden Unfall zur Folge haben kann. Und 
es ist gewiß besser, daß sie auf der Anbringung von 
Sicherungen bestehen, die auf den ersten Blick über¬ 
flüssig erscheinen — genau so wie ein Bauwerk auf 
zehnfache Sicherheit gebaut werden muß —, als daß 
sie hier irgend etwas unterlassen. 

Gewiß, es werden sich Unfälle niemals völlig ver¬ 
meiden lassen, aber sie lassen sich doch — und die 
angegebenen Zahlen haben das gelehrt — wesentlich 
verringern, und sie würden noch geringer werden, 
wenn hier jeder seine Pflicht täte. Man braucht nur 
einmal —- um ein Beispiel herauszugreifen — den 
jüngsten Bericht der Papierverarbeitungs- Berufs¬ 
genossenschaft durchzusehen, um zu erkennen, was 
alles noch zur Verhütung der Unfälle unterlassen 
wird, und was hier noch geschehen kann und muß. 
So sind im Jahre 1915 303 Betriebe (34 mit Hand¬ 
betrieb, 269 mit Kraftbetrieb) besichtigt worden, in 
denen 2521 Anordnungen „zum Schutze der Arbeiter 
gegen Gefahren an Leben und Gesundheit“ für nötig 
erachtet wurden. Diese 2521 Anordnungen werden 
in 6872 Mängel gruppiert. Da waren in 56 Betrieben 
83 Mängel vorhanden, welche die Entfernung vor¬ 
handen gewesener Schutzeinrichtungen betrafen. In 
73 Betrieben fand man 170 Mängel in der mangel¬ 
haften oder gar nicht vorhandenen Abschätzung solcher 
Antriebsriemen, die durch ihre Lage im Arbeitsraum 
Personen erfassen können. Auch das Fehlen von 
Sicherungen und Abschätzungen kam in erheblich 
vielen Fällen vor. So fehlte der Schutz an Schwung¬ 
rädern in 297, der an Zahnrädern in 885 Fällen. (Was 
letzteres bedeutet, sagen die 450000 Mark, die die 
Berufsgenossenschaft seit ihrem Bestehen im Jahre 
1885/1886 bis Ende des Jahres 1913 allein für Zahn¬ 
radunfälle an Entschädigungen zu zahlen hatte.) Aber 
nicht nur durch Maschinen ereignen sich Unfälle, 
auch durch das Herabfallen oder Umfallen von Gegen¬ 
ständen, durch Handwerkszeug und Geräte usw. 
werden die Arbeiter in vielen Fällen verletzt — was 
die Papierverarbeitungs-Berufsgenossenschaft und 
mit ihr wohl auch die andern Berufsgenossenschaften 
über Mängel, die sie bei Besichtigungen gefunden 
haben — leider erstrecken sich diese Besichtigungen 
immer nur auf eine verhältnismäßig kleine Anzahl 
von Betrieben — über die Ursache der Unfälle und 
ihren Verlauf zu berichten wissen, spricht Bände. 
Und doch lassen sich durch einige Achtsamkeit und 
durch genügendes Verantwortungsgefühl viele Unfälle 
verhüten. „Selbst Betriebsleiter und Werkführer, die 
meist aus den Kreisen derArbeiter entnommen werden, 
sind sich, obgleich sie vorbildlich wirken sollten und 

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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


könnten, vielfach noch immer nicht der Bedeutung 
der Unfallverhütung und ihrer eigenen Verantwort¬ 
lichkeit bewußt“, sagt der jüngste Bericht der Papier- 
verarbeitungs-Berufsgenossenschaft. Undaus diesem 
Bericht spricht die dringende Mahnung, die nicht ge¬ 
nügend unterstrichen werden kann: alle Unfallquellen 
zu verstopfen und zu den alten nicht neue hinzuzufügen. 

Besonders groß ist alljährlich die Zahl der Unfälle, 
die sich an Papierschneidemaschinen ereignen. Und 
die Bemühungen der Berufsgenossenschaft sind auch 
unablässig darauf gerichtet, an diesen Maschinen die 
Gefahren zu beseitigen oder wenigstens zu vermin¬ 
dern. Als die Papierverarbeitungs-Berufsgenossen- 
schaft vor einiger Zeit feststellte, daß in Berliner 
handwerklichen Buchbindereibetrieben an Hand- 
Papierschneidemaschinen keine Sicherung vorhan¬ 
den wäre, die das selbsttätige Heruntergleiten des 
Messerhalters verhinderte, und die Meisterschaft auf¬ 
forderte, diesen Mangel abzustellen, stieß sie auf 
geringe Gegenliebe. Man ersuchte die Genossen¬ 
schaft, die Meister während des Krieges mit diesen 
Forderungen zu »verschonen“ (!), und wollte deren 
Erfüllung bis nach dem Kriege hinausgeschoben 
wissen. Daß die Berufsgenossenschaft hierauf nicht 
eingehen konnte, braucht nicht erst gesagt zu werden. 
Nicht nur, daß sich die fernere Dauer dieses Krieges 
nicht abschätzen läßt: selbst wenn er nur noch kurze 
Zeit währen würde, könnte gerade in dieser Frist 
durch die Unterlassung der Sicherung ein schwerer 
Unfall eintreten, der entweder den Tod oder eine 
schwerwiegende Verletzung des Betroffenen zur Folge 
haben würde. Und wie wichtig ist gerade in dieser 
Zeit jeder einzelne Arbeitsfähige! Der Krieg hat jedem 
Berufe viele Männer genommen, ob sie nun aus dem 
großen Ringen nie wiederkehren, oder ob sie durch 
eine Verletzung so getroffen worden sind, daß sie 
ihre Tätigkeit nicht mehr ausüben können. Gerade 
deshalb ist es menschliche und vaterländische Pflicht 
jedes einzelnen, dafür zu sorgen, daß diejenigen, die 
heute noch arbeiten, ihrem Berufe erhalten bleiben. 

Da aber die Forderung nach einer selbsttätigen 
Ausrückung an Hand-Papierschneidemaschinen zu 
den unerläßlichen von der Papierverarbeitungs-Be- 
rufsgenossenschaft gestellten Bedingungen gehört 1 , 
so würden sich diejenigen Meister einer Bestrafung 
aussetzen, welche ihr nicht Folge leisteten. In den 
Reihen der Buchbindermeister ist aber die Meinung 
laut geworden, daß die Ein- und Ausrückvorrich¬ 
tung die Schnelligkeit der Arbeit beeinträchtige, 
weil durch sie das Messer angeblich bis zu seinem 
Höhepunkte gedreht werden müsse. Es wurde nicht 
mit Unrecht darauf hingewiesen, daß die Arbeit 

1 In § 112c der Unfallverhütungs-Vorschriften derPapier- 
verarbeitungs-Berufsgenossenschaft heißt es: „Der Messer¬ 
balken muß auch bei Handmaschinen selbsttätig zum Still¬ 
stand kommen." 


wesentlich schneller vonstatten gehe, wenn das Mes¬ 
ser nur so hoch gedreht zu werden braucht, daß es 
die glatte Herausnahme des Papierstoßes nicht be¬ 
hindert. Man hält dann das Schwungrad an, bevor 
das Messer zu seinem Höhepunkte kommt, und so¬ 
bald es in der für gut befundenen Höhe steht. Mir 
ist sogar ein Fall bekannt, wo in einer Buchbinderei 
an der Papierschneidemaschine, an der ein Ein- und 
Ausrückschaltapparat vorhanden war, dieser nicht 
benutzt wurde, und das Messer, bevor es die Siche¬ 
rung erreichte, durch das Schwungrad angehalten 
wurde. Nun ist es aber eine irrtümliche Annahme, 
daß die Papierverarbeitungs-Berufsgenossenschaft 
verlange, daß der Messerhalter bis zu seinem Höhe¬ 
punkte gelangen müsse. Sie fordert nicht einmal 
wörtlich eine Ein- und Ausschaltung, sondern nur 
einen selbsttätigen Stillstand des Messerhalters . In 
dem 1905 von den technischen Aufsichtsbeamten der 
Deutschen Buchdrucker-, der Papiermacher- und der 
Papierverarbeitungs-Berufsgenossenschaft einerseits 
und den Vertretern der Maschinenfabrikanten andrer¬ 
seits herausgegebenen Merkblatt: „Schutzmaßnah¬ 
men an Maschinen für Papierverarbeitung“ heißt es 
unterPunkt 13g: „Selbsttätiger Stillstand des Messer¬ 
halters. Neubeschaffte Maschinen müssen so ein¬ 
gerichtet sein, daß auch bei Handmaschinen der 
Messerbalken nach erfolgtem Schnitt selbsttätig zum 
Stillstand gebracht wird. (Durch Auslösung einer 
Kupplung , durch Arretierung , durch Bremse oder der¬ 
gleichen.)“ Mit den in der Klammer stehenden Worten 
ist also deutlich der Weg angegeben, der neben der 
Auslösung durch Kupplung — das ist der Ein- und 
Ausschaltapparat — beschritten werden kann. 

Wie die Maschinenfabriken über die selbsttätige 
Sicherung des Messerhalters denken, und daß der 
Ein- und Ausschaltapparat durchaus nicht erst bei der 
Höchstlage des Messerbalkens in Tätigkeit tritt, be¬ 
weist die folgende Äußerung des technischen Bureaus 
der Maschinenfabrik Karl Krause , Leipzig: 

„Unter dem Ein- und Ausschaltapparat ist jeden¬ 
falls die,Selbsttätige Ausrückvorrichtung an Schneide¬ 
maschinen* gemeint (wie diese aus Abbildung 4 er¬ 
sichtlich ist). In dieser oder ähnlicher Ausführung ist 
die Vorrichtung laut Vorschrift der Deutschen Buch¬ 
drucker-Berufsgenossenschaft ($ 14, Absatz 7) an 
allen mechanisch oder von Hand betriebenen Schneide¬ 
maschinen anzubringen. — Als ein Hemmnis ist diese 
Einrichtung keinesfalls anzusprechen. — Wenn es sich 
in der Praxis eingebürgert hat, die Maschine beim 
Schneiden niedriger Stöße nicht voll hinaufzudrehen, 
so ist für alle hierdurch hervorgerufenen Unfälle die 
die Maschine bedienende Person selbst verantwort¬ 
lich. — Der Gefahrenfall kann eintreten, wenn die 
Maschine sich rückläufig wieder in Bewegung setzt 
und das Messer herabgeht. Hiermit hat aber die Still¬ 
standseinrichtung nichts zu tun. 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Des ferneren wird behauptet, daß bei einem hohen 
Stoße mit der Maschine ohne die Stillstandeinrichtung 
sich der Schnitt viel leichter durch Schwung erzielen 
läßt als bei einer solchen mit diesem Apparat. Ich 
kann mir nicht denken, in welcher Weise diese be¬ 
gründet sein soll; eher das Gegenteil ist richtig, denn 
man kann dem freilaufenden Schwungrade schon 
vor dem Einrücken der Kupplung eine größere Ge¬ 
schwindigkeit und damit Schwungkraft verleihen. Der 
fernere Einwand der größeren Unfallwahrscheinlich¬ 
keit bei Maschinen mit Ein- und Ausrückvorrichtung 
ist dann sofort als hinfällig zu bezeichnen, wenn die 
Maschine ordnungsgemäß bis zur Höchstlage gedreht 
wird. Im übrigen läßt sich 
die Ausrückvorrichtung 
an jeder Maschine auch 
so verstellbar ausbilden, 
daß sie für niedrigere 
Stoßhöhen eher zur Wir¬ 
kung kommt; gegebe¬ 
nenfalls könnte dann die 
Maschine zwecks Zeit¬ 
ersparnis vor- und rück¬ 
wärts bewegt werden.“ 

Ein Ein- und Aus¬ 
schaltapparat, bei dem 
das Messer bis zu sei¬ 
nem Höhepunkte ge¬ 
dreht werden muß, wird 
natürlich immer den 
Nachteil haben, daß der 
an der Maschine Arbei¬ 
tende in Versuchung 
kommt, das Schwung¬ 
rad vorher anzuhalten. 

Deshalb ist eine Vorrichtung am idealsten, bei der 
das Messer in dem Augenblick zum Stillstand kommt, 
nachdem das Messer nach erfolgtem Schnitt ein wenig 
über dem Messerpreßbalken steht. Nicht unwichtig 
erscheint mir in dieser Hinsicht eine Äußerung der 
Maschinenfabrik Aug. Fomm, Leipzig: 

„Ist eine Schneidemaschine ohne Ein- und Aus¬ 
schal tapparat bestellt und vom Besteller ein diesbezüg¬ 
licher Revers unterschrieben, dann wird das Schwung¬ 
rad mit einer Beschwerung versehen, das heißt: es 
wird ein Arm daran verdickt ausgeführt, und zwar an 
der Stelle, wo die Arme in den Kranz eingreifen. Ein 
solches Schwungrad bleibt immer von selbst stehen, 
sobald die Beschwerung nach unten zeigt und sofern 
es nicht mit Kraft herumgeschleudert wird. Hierbei 
ergibt sich der Vorteil, den Messerträger, sogenannten 
Messerbalken, nicht bis obenhin drehen zu müssen, 
wodurch sich zweifelohne etwas Zeit ersparen läßt. 
Weil nun aber eine solche Schneidemaschine wohl 
die Möglichkeit, nicht aber unbedingte Sicherheit in 
der Stillegung der Messerbewegung gewährleistet, 

180 


dringt die Berufsgenossenschaft auf Anbringung des 
Ein- und Ausschaltapparates. Welche Berechtigung 
dies hat, beweisen die früher unterlaufenen Unglücks¬ 
fälle.“ 

Um nun aber den Inhabern derjenigen Hand-Papier¬ 
schneidemaschinen, an denen sich kein Ein- und Aus¬ 
schaltapparat befindet,dieErfüllungderForderungnach 
selbsttätigem Stillstand des Messers zu erleichtern, 
hat die Papierverarbeitungs-Berufsgenossenschaft 
einige Vorrichtungen vorgeschlagen, die ohne erheb¬ 
lichen Geldaufwand sich an jeder Maschine anbringen 
lassen. Diese bei aller Einfachheit idealen Vor¬ 
richtungen, deren Konstruktion wir in unsern Ab¬ 
bildungen zeigen, seien 
im folgenden, auch hin¬ 
sichtlich ihrer Wirkung 
beschrieben. Nach Bild 1 
wird die Sicherung des 
Messerhalters gegen das 
selbsttätige Herunter¬ 
gleiten bewirkt durch 
einen Bremsklotz , und 
zwar auf folgendeWeise: 

Durch ein an dem 
längeren Arme eines 
Doppelhebels h hängen¬ 
des Gewicht g wird ein 
an dem kürzeren Arme 
des Hebels befindlicher 
Bremsklotz b für ge¬ 
wöhnlich — also wenn 
die Maschine nicht in 
Tätigkeit gesetzt ist — 
gegen das Schwungrad s 
gedrückt,wodurch dieses 
und somit der Messerhalter daran gehindert wird, von 
selbst in Bewegung zu geraten. Der Drehpunkt d des 
Doppelhebels h befindet sich an einem Flacheisen e , 
welches an dem einen Fuße des Maschinengestelles 
befestigt sein kann. — Beim Einlegen des Papier¬ 
stoßes steht nun der Zuschneider etwa in der Gegend 
des unter dem Arbeitstische befindlichen Gewichtes g 
vor der Maschine, ohne befürchten zu müssen, daß 
der Messerhalter von selbst herabkommt. Soll jetzt 
der Schnitt erfolgen, so tritt der Zuschneider an das 
Schwungrad s und zieht, indem er dabei einen Fuß 
auf den Fußtritt / stellt, mittels der an dem kurzen 
Ende des Doppelhebels h befestigten Zugstange z 
den Bremsklotz vom Schwungrad s ab, so daß es un¬ 
behindert gedreht werden kann. Ist der Schnitt er¬ 
folgt und das Messer so hoch gedreht, daß der Papier¬ 
stoß unbehindert wieder herausgenommen werden 
kann, dann muß der Zuschneider von dem Fußtritt 
forttreten, um den Papierstoß aus der Maschine zu 
nehmen. Dadurch wird das Schwungrad und damit der 
Messerhalter ohne weiteres wieder festgehalten. Statt 



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den Bremsklotz b mittels Gewicht und Hebel an das Welche der beiden Vorrichtungen — ob Bremsklotz 
Schwungrad s zu drücken, kann dies auch durch eine mit Fußtritt oder Bremsklotz mit Brett — vorzuziehen 
entsprechend gestaltete Feder geschehen, die irgend- ist, läßt sich schwer sagen und wird wohl am besten 
wie am Gestell befestigt werden kann. (In der Skizze nach der jeweiligen Bauart der Maschine zu bestimmen 
ist die Einrichtung selbstverständlich nur schematisch sein. Der Unterschied besteht darin, daß, wenn die 
dargestellt, da man sich bei der Ausführung nach der Maschine unbenutzt ist, bei der Vorrichtung mit dem 
jeweiligen Bauart der Maschine richten muß.) Fußtritt das Schwungrad festgehalten wird, während 

Auch in der durch Bild 2 wiedergegebenen Vor- es bei der mit dem Brett erst dann durch den Brems¬ 
richtung dient der Bremsklotz b l zum Festhalten des klotz an der Bewegung gehindert wird, wenn der 
Schwungradess, nur wird er hier nicht durch den Fuß- Arbeiter auf dem Brett steht. Doch Fällt dieser Um¬ 
tritt, sondern durch ein unter dem Arbeitstisch der stand kaum schwer ins Gewicht. Die Vorrichtung mit 
Maschine befindliches Brett a in Bewegung gesetzt, dem Brett wiederum hat den Vorteil, daß Festhalten 
Der Bremsklotz kann hier z. B. an dem längeren Teile und Auslösen des Schwungrades ganz mechanisch 



Abbildung 2 


eines Scharniers c befestigt werden, das seitlich an vor sich geht — durch das Stehen des Zuschneiders 

dem Arbeitstisch der Maschine angebracht werden auf dem Brett, bzw. durch sein Verlassen dieses—, 

kann. Am Stande des Zuschneiders ist am Fußboden während er bei der andern Einrichtung noch einen be- 

ein breites Bretta mittels der links befindlichen Lager! sonderen Arbeitsvorgang, den des Herunterdrückens 

so drehbar angeordnet, daß es durch das Gewicht des des Fußtrittes zu leisten hat. Da aber in vielen Fällen 
beim Einlegen des Papierstoßes auf ihm stehenden zwei Arbeiter an der Schneidemaschine beschäftigt 
Zuschneiders ständig nach unten gedrückt wird. Hier- sind, einer der den Papierstoß, und der andre, der 
durch wird auch die an der rechten Seite befindliche das Schwungrad bedient, so würde in diesem Falle die 

Zugstange z, die unten mittels des Flacheisens/ an Vorrichtung von Bremsklotz und Fußtritt vorzuziehen 

dem Brett a, und oben an dem Bremsklotz b l befestigt sein, da bei der andern durch das ständige Stehen des 

ist, nach unten gezogen und somit das Schwungrad s eines Arbeiters auf dem Brett das Schwungrad nicht 
durch den Druck des Bremsklotzes b 1 daran gehindert, ausgelöst werden könnte. 

von selbst in Bewegung zu geraten, so daß auch Eines Bremsbandes bedient man sich bei der in Bild 3 

der Messerhalter nicht herunterkommen kann. Beim abgebildeten Vorrichtung. Dieses Bremsband b 2 kann 
Schneiden tritt der Zuschneider von dem Brett a her- überall da angebracht werden, wo sich an der Maschine 
unter, um das Schwungrad s zu drehen, was leicht be- ein leichtangedrehtes Schwungrad befindet. Das untere 
werkstelligt werden kann, da nun der Bremsklotz b l Ende dieses Bremsbandes b 2 ist wieder an dem Brett a 

keinen Druck mehr ausübt. befestigt. Sein andres Ende ist in der Zeichnung an 

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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


einem Winkeleisen w angebracht, welches an dem Fuß 
der Maschine angeschraubt ist. 

Alle diese von der Papierverarbeitungs - Berufs¬ 
genossenschaft vorgeschlagenenVorrichtungenhaben, 
wie gesagt, den Vorteil, daß sie ohne erhebliche Geld¬ 
mittel an jeder Maschine anzubringen sind. Es braucht 
kaum noch darauf hingewiesen zu werden, daß durch 
sie die Möglichkeit einer Verletzung durch das selbst¬ 
tätige Heruntergleiten des Messerhalters so gut wie 
ausgeschlossen ist. Besonders vorteilhaft ist es an 
ihnen, daß das Messer nicht bis zu seinem Höhepunkte 
gedreht werden braucht, was, worauf schon aufmerk¬ 
sam gemacht wurde, einen immerhin erheblichen 
Zeitverlust verursacht. Stets kann bei diesen Vor¬ 
richtungen der Zuschneider entweder durch das Los¬ 
lassen das Fußtrittes oder durch das Betreten des 
Brettes das Messer dann wieder anhalten, wann es 
ihm für seine Arbeit am vorteilhaftesten dünkt. Selbst¬ 


verständlich muß bei diesen, wie bei allen andern 
Schutzvorrichtungen dafür gesorgt werden, daß sie 
sich ständig in gutem Zustande befinden. 

Die Notwendigkeit der oben beschriebenen Schutz¬ 
vorrichtungen liegt auf der Hand. Selbst wenn der 
Messerbalken durch Festhalten des Schwungrades zum 
Stillstand gebracht ist, kann er sich aus unerklärlicher 
Ursache wieder in Bewegung setzen. Und nur in 
seltenen Fällen wird es dem an der Maschine Han¬ 
tierenden möglich sein, seine Finger unter dem Messer 
vorzuziehen, bevor dieses heruntergekommen ist. Aber 
auch durch einen äußeren Umstand kann das Schwung¬ 
rad in Bewegung gesetzt werden. Man braucht nur 
daran zu denken, daß jemand aus Unachtsamkeit 
gegen dieses stößt. — Auf jeden Fall ist es dringend 
wünschenswert, daß Ein- und Auschaltapparate oder 
die beschriebenen Vorrichtungen an keiner Hand- 
Papierschneidemaschine fehlen mögen. 


Buchgewerbliche Rundschau 


Der Prüfungsausschuß der Handelskammer zu Ber¬ 
lin für Buchdrucker, Stereotypeure, Galvanoplastiker und 
Stempelsetzer macht bekannt, daß die Gehilfenprüfungen 
der im Oktober auslernenden Lehrlinge: Setzer, Drucker, 
Stereotypeure, Galvanoplastiker und Stempelsetzer aus den 
Stadtkreisen Berlin und Umkreis auch in diesem Jahre statt¬ 
finden werden. Anmeldungen nimmt der Vorsitzende des 
Prüfungsausschusses, Herr Buchdruckereibesitzer Alfred 
Forsbergy Berlin NO. 18 Lichtenberger Straße 17, entgegen. 
Bei der Anmeldung sind einzusenden: ein selbständig 
verfaßter und eigenhändig geschriebener Lebenslauf des 
Prüflings auf Reichsformatbogen, eine Bescheinigung des 
Lehrherrn, von wann und bis wann die Lehrzeit währte, das 
Abgangszeugnis der Fach- oder einer Fortbildungsschule 
und die Prüfungsgebühr in Höhe von M 6.—. -h-. 

Technischer Literatur-Kalender. Demnächst soll im 
Verlage R. Oldenbourg, München und Berlin , ein Kalender 
erscheinen, der die technisch-literarische Produktion leben¬ 
der Schriftsteller des deutschen Sprachgebietes nachweist. 
Der Rahmen ist so abgesteckt, daß alles, was gemeinhin 
unter Technik verstanden wird, Berücksichtigung finden 
soll; darüber hinaus nur die allernächsten Grenzgebiete, 
soweit sie für die literarische Praxis technischer Kreise 
Bedeutung haben. Die Aufnahmen sollen sich in erster 
Linie auf die eigenen Angaben der Autoren gründen, wobei 
nicht nur diejenigen Schriftsteller in Betracht kommen, die 
selbständige Schriften veröffentlicht haben, sondern auch 
solche, die nur in Zeitschriften literarisch tätig sind; zwar 
nicht unter Aufzählung der von ihnen verfaßten Aufsätze, 
wohl aber unter Angabe des Fachgebiets, auf dem sie sich 
literarisch betätigen. Es wird dann möglich sein, die auf 
demselben Gebiet tätigen Autoren zusammenzustellen. Da 
möglichste Vollständigkeit im Interesse aller Beteiligten 
liegt, werden die Verfasser und Herausgeber technischer 
Werke, Zeitschriften und Zeitschriftenbeiträge deutscher 
Sprache um Zusendung ihrer Adresse an die Schriftleitung 
(Dr. Otto, Berlin W 57, Bülowstr. 73) gebeten, damit ihnen 
der Fragebogen zugesandt wird. Das neue Unternehmen 


dürfte auch für das Buchgewerbe von Wert sein, da bislang 
über die große Zahl von Mitarbeitern an den buchgewerb¬ 
lichen Zeitschriften und sonstigen Veröffentlichungen jed¬ 
weder Nachweis fehlte. -a-. 

Einschränkung des Papierverbrauchs. Der Krieg hat, 
wie bei so vielen Erzeugnissen, auch beim Papier dazu ge¬ 
führt, daß auf der einen Seite die Erzeugung zurückging 
(infolge von Knappheit an Arbeitskräften, Betriebsmitteln 
und Rohstoffen), auf der andern Seite die Neigung entstand, 
den Verbrauch auszudehnen, vornehmlich indem die eine 
Ware Ersatz bieten sollte für den Mangel an andern. Es 
mußte naturnotwendig eine Papierknappheit entstehen und 
man sollte meinen, daß es nicht vergebens sein könnte, 
wenn man sich an die Allgemeinheit wendet mit dem Auf¬ 
ruf, an Papier zu sparen. Wie und wo gespart werden kann, 
braucht kaum gesagt zu werden. Der Buch- und Zeitschriften¬ 
verlag wurde im Verordnungswege zu einer Einschränkung 
gezwungen. Ein weiteres Gebiet, auf dem sich sparen läßt, 
ist das der Reklame. Weiterhin kommt die Verwendung von 
Schreibpapier und Drucksorten im Amts- und im Geschäfts¬ 
verkehr in Frage, im inneren sowohl als im Verkehr nach 
außen. Ein Sparen an Packpapier, Papierbindfaden, Kartons 
und anderm Verpackungsmaterial aus Papier hat sich zu^ 
meist schon durch die Knappheit dieser Materialien sowie 
durch ihre hohen Preise ergeben. S. 

Erhöhung der Druckpreise. Die allgemeine Steigerung 
der Preise für Arbeitsmittel sowie die wiederholten Kriegs¬ 
zulagen, die den Arbeitern und Angestellten gewährt werden 
mußten, haben naturgemäß auch eine erhebliche Erhöhung 
der Druckpreise zur Folge gehabt. Im Zusammenhang hier¬ 
mit steht eine Erhöhung der Bücherpreise und der andrer 
Erzeugnisse der Druckindustrie und des Buchgewerbes. 
Konnten die Zeitungen und Zeitschriften sich bislang durch 
die Vermehrung der Anzeigenspalten, kleinere Anzeigen¬ 
schrift und Einschränkung des Umfanges einen Ausgleich 
schaffen, so sind auch diese Hilfsmittel erschöpft und ist die 
Erhöhung der Bezugspreise das letzte Mittel zur Bestrei¬ 
tung der Mehrkosten. Neben dieser Preisbewegung in der 


182 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Druckindustrie und im Buchhandel bereitet die Papierknapp¬ 
heit, die zunehmende Verschlechterung der Papiersorten 
sowie der Druckfarben demVerfertiger wie dem Verbraucher 
derDrucksachen viel Sorge. In den Bibliotheken, bei Bücher¬ 
freunden und Sammlern werden diese Kriegsmerkmale 
erst später in ihrer ganzen Wirkung in die Erscheinung 
treten, zumal dann, wenn anstatt guter Qualitätsstoffe Er¬ 
satzstoffe für den Druck und den Einband Verwendung 
fanden. Es dürfte sich aus all diesen Gründen empfehlen, 
solche Bücher und Blätter, die eine längere Lebensdauer 
haben sollen,nach Möglichkeit mit gutem Material hersteilen 
zu lassen, selbst wenn die Herstellungskosten dafür wesent¬ 
lich höhere sind als wie in Friedenszeiten. -r-. 

H. Berthold Messinglinienfabrik und Schriftgießerei 
Aktien-Gesellschaft. Der Aufsichtsrat hat in einer seiner 
letzten Sitzungen beschlossen, die Schriftgießerei Emil 
Gursch mit Wirkung vom 1. Januar 1918 an und mit dem 
Rechte zur Fortführung derFirma zu erwerben. DieZahlungs- 
bedingungen sind langfristig, so daß eine Neuausgabe von 
Aktien zunächst nicht in Frage kommt. Von den Inhabern 
der Firma Gursch trat Herr Erwin Graumann am 1. Oktober 
d.J. in den Vorstand der Berthold-Aktien-Gesellschaft ein, 
während die Wahl des Herrn Carl Graumann in den Auf¬ 
sichtsrat der nächsten Generalversammlung in Vorschlag 
gebracht werden soll. Die langjährigen Prokuristen beider 
Firmen, die Herren Gustav Mohr und Gustav Prietzel sind 
zu stellvertretenden Vorstandsmitgliedern ernannt worden. 
Die Berthold-Gesellschaft erwartet von dieser Transaktion 
eine wesentliche Hebung ihres Berliner sowie des gesamten 
Inlandgeschäftes und damit einen verhältnismäßigen Aus¬ 
gleich der Schädigungen, die ihrem umfangreichen Aus¬ 
landgeschäft durch den Krieg erwachsen sind. Der bisherige 
technische Direktor Herr Balthasar Köhler, der der Ge¬ 
sellschaft nahezu 40 Jahre angehört, hat den Wunsch aus¬ 
gesprochen, aus dem Vorstand auszuscheiden. Um seine 
wertvollen, langjährigen Erfahrungen und seine persön¬ 
lichen Beziehungen der Gesellschaft auch weiterhin zu 
erhalten, ist beschlossen worden, der nächsten General¬ 
versammlungseine Wahl in den Aufsichtsrat vorzuschlagen. 
Für das laufende Geschäftsjahr ist nach dem Bericht des 
Vorstandes das gleiche Erträgnis wie in den letzten beiden 
Jahren in Aussicht zu nehmen. 

Jubiläen. Am 1. August d.J. vollendeten sich 40Jahre, 
seitdem Herr Prokurist Kirchner als Lehrling bei der Firma 
Rudolph Becker in Leipzig eintrat. Der Jubilar hat sich 
während dieser Zeit zu seiner angesehenen Stellung empor¬ 
gearbeitet und am Erinnerungstage Ehrungen mancherlei 
Art erfahren. — Am 13. September d.J. konnte der Akzidenz¬ 
setzer Herr Wilhelm Brumme, Vorsteher der Abteilung für 
Schriftprobensatz im Hause Julius Klinkhardt in Leipzig, 
auf eine fünfundzwanzigjährige ununterbrochene Tätigkeit 
zurückblicken. Seitens der Geschäftsleitung und durch 
seine Mitarbeiter wurden dem Jubilar Ehrungen zuteil, 
wobei die hervorragenden Eigenschaften des durch seine 
Leistungen auf typographischem Gebiete bekannten Fach¬ 
genossen entsprechend betont und anerkannt wurden. — 
Am 30. September vollendeten sich 25 Jahre, daß die Buch-, 
Papierhandlung und Buchbinderei, sowie photographischer 
Kunstverlag von Th. C. Ruprecht, Dresden, besteht. Aus 
kleinen Anfängen hat sich die Firma unter dem unermüd¬ 
lichen Schaffen des Inhabers zu ihrer jetzigen Größe em¬ 
porgearbeitet. -r-. 


Fünfzigjähriges Geschäftsjubiläum der Firma G. Si- 
winna in Kattowltz. Am 15. August d. J. konnte diese 
altbekannte Firma auf ihr fünfzigjähriges Bestehen zurück¬ 
blicken. Aus einem aus diesem Anlaß veröffentlichten Rück¬ 
blick seien folgende Daten wiedergegeben: Die Firma wurde 
am 15. August 1867 von Gottfried Siwinna gegründet und 
zwar als Buchhandlung, der 1870 die bereits bestehende 
Wernersche Druckerei angegliedert ward. Der bis dahin 
wöchentlich nur einmal erscheinende Anzeiger für den 
Oberschlesischen Industriebezirk erschien von 1872 an unter 
dem neuen Titel Kattowitzer Zeitung wöchentlich dreimal, 
es erfolgte zugleich die Aufstellung der ersten Schnellpresse 
am Orte. Im Jahre 1892 starb der Gründer der Firma, die von 
seiner Gattin und deren beiden Söhne weitergeführt wurde, 
bis sie 1900 in den Besitz der beiden letzteren überging. Die 
Verlagsabteilung wurde durch Ausbau des Zeitschriften¬ 
verlags stark und mit bestem Erfolg erweitert. Dertechnische 
Betrieb der Firma ist einer der bedeutendsten im Osten des 
Deutschen Reiches: erumfaßt 17Druckmaschinen, 10 Setz¬ 
maschinen, 66Hilfsmaschinen und beschäftigt in Friedens¬ 
zeiten etwa 250 Personen. Die Firma wurde auf den ver¬ 
schiedensten Ausstellungen ausgezeichnet. Wir wünschen 
der Jubilarin auch ferneres Blühen und Gedeihen. -r-. 

Die Leipziger Gummier- und Lackieranstalt Schroe- 
der & Co. verlegte am 1. Oktober ihre Fabrik gummierter 
Papiere aller Art in Bogen und Rollen, ihren Hauptbetrieb 
sowie das Hauptkontor von Leipzig, Johannisgasse 30, nach 
Lucka S.-A., Meuselwitzer Straße, wo schon seit einiger 
Zeit ein Zweigbetrieb eingerichtet war. Ein Teilbetrieb mit 
Zweigbureau bleibt in Leipzig. 

Joseph Athias, ein jüdischer Drucker des 17. Jahr¬ 
hunderts, hatte eine bedeutende Druckerei in Amsterdam; 
er druckte vornehmlich hebräische Bibeln von besonderer 
Schönheit. Ein Teil der Schriften, die er aus den Beständen 
der Elzeviere übernommen hatte, ging vor kurzem durch 
Kauf in den Besitz der Amsterdamschen Lettergieterij in 
Amsterdam über. Athias war ein spanischer Jude und der 
Nachkomme eines alten Buchdruckergeschlechts, das be¬ 
reits 1552 in Ferrara die Kunst ausübte. Nachdem er in 
Hamburg seine Ausbildung erhalten hatte, ließ er sich in 
Amsterdam nieder und wurde daselbst 1661 als Gildenmit¬ 
glied aufgenommen. Durch den guten Druck seiner Werke 
und den schönen Schnitt seiner Typen, die von dem be¬ 
kannten Stempelschneider Christoff van Dijck geschnitten 
wurden, erlangte er große Berühmtheit. Seine hervor- 
tretendste Arbeit ist die hebräische Bibel, von der die erste 
Ausgabe 1661, die zweite 1667 erschien und die heute noch 
in mancher Hinsicht als mustergültig zu betrachten ist. Als 
Belohnung für diese Arbeit erhielt Athias von den Staaten 
von Holland und Westfriesland eine goldene Medaille an 
goldener Kette zu tragen. Nach dem 1692 erfolgten Tode 
Athias führte sein Sohn Emanuel das väterliche Geschäft 
weiter. Nach Lorcks Angaben ging das Geschäft später an 
J. J. Schepper über, später an den Schriftgießer Johann 
Roman. Letzterer verkaufte seine Gießerei 1767 an Brüder 
Ploos van Amstel in Amsterdam und an Johann Enschedö 
in Harlem, die den Bestand an Matrizen teilten. Die oben 
erwähnten Bestände dürften ihres Alters und ihrer Eigen¬ 
art halber von besonderem Interesse sein und es ist wohl 
zu hoffen, daß die Lettergieterij Amsterdam diesen erfreu¬ 
lichen Zuwachs zu ihren Matrizenbeständen gelegentlich 
der Fachwelt vorführt. S. 

24* 


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- ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE ===== 

Bücher- und Zeitschriftenschau; verschiedene Eingänge 


V Bericht über das Jahr 1916 des Vereins Leipziger Buch¬ 

druckereibesitzer. In einem über 60 Seiten umfassenden 
Hefte gibt der Vorstand eine Übersicht über alles Wichtige 
des abgelaufenen Geschäftsjahres, das für die dem Verein 
angeschlossenen Firmen eins der schwersten seit Kriegs¬ 
ausbruch gewesen ist, denn in demselben haben sich außer 
der durch den Krieg hervorgerufenen schlechten Geschäfts¬ 
lage auch noch betriebstechnische und Personalschwierig¬ 
keiten aller Art eingestellt. Die Frage der Teuerungszulagen, 
der Erhöhung der Druckpreise, die Heranziehung weiblicher 
Arbeitskräfte, die Fürsorge für kriegsbeschädigte Gehilfen 
werden eingehender behandelt. Über den Stand der Mit¬ 
gliederbewegung, die Vermögens- und Tarifübersicht und 
endlich über die Buchdruckerlehranstalt wird in besonderen 
Abschnitten ausführlich berichtet. -w-. 

V Kalenderrückwände der Firma H. Hohmann in Darm¬ 

stadt. Wie alljährlich, so bietet diese Firma auch diesmal 
ihren Geschäftsfreunden eine Auswahl von mehrfarbigen 
Kalenderrückwänden in Form von Vordrucken an, die in 
der jetzigen Zeit der Personalknappheit besonders will¬ 
kommen sein dürften. Neben fünf landschaftlichen Motiven 
liegt noch eine ornamental gehaltene sowie eine heraldische 
Rückwand vor. Die Mehrzahl der Stücke ist bereits mit 
Kalendarium versehen. Die Ausführung selbst erfolgte in 
vielfarbigem Steindruck, wobei auf gute Fernwirkung ent¬ 
sprechend Rücksicht genommen wurde. -c-. 

V 25 Jahre Buchdruckerei F. W. Burau in Danzig. Aus 
Anlaß ihres fünfundzwanzigjährigen Bestehens hat die vor¬ 
genannte Firma einige Drucksachen hergestellt, die des 
Interesses nicht entbehren. Ein kleines Querheft enthält 
eine Anzahl Innenansichten des Betriebes, der sich nach 
und nach zu einem recht ansehnlichen entwickelt hat. Der 
Inhaber, Herr Kurt Siebenfreund, ist Mitglied des Deutschen 
Werkbundesund Hoflieferant Sr. Kgl. Hoheit des Deutschen 
Kronprinzen. In den von der Firma unter dem Titel Buraus 
Zettelkasten herausgegebenen losen Blättern, die an ihre Ge¬ 
schäftsfreunde zur Versendung kommen, ist in der aus Anlaß 
des Jubiläums erschienenen Nummer 5 des 2. Jahrganges 
eine kurze Chronik der Firma enthalten. Zugleich wird eine 
gedrängte Übersicht der Entwicklung der Druckausstattung 
in den letztverflossenen zwei Jahrzehnten gegeben und ge¬ 
zeigt, wie die Firma bestrebt gewesen ist, fortzuschreiten 
und ihren Betrieb auf die Herstellung künstlerisch vollkom¬ 
mener Arbeiten einzustellen. Einige Adreßkarten der Firma 
und andre Arbeitsproben beweisen die Leistungsfähigkeit 
dieser Betriebsstätte für zeitgemäße Druckkunst. S. 

V Zentral-Archiv für die gesamte Zeitungs-Praxis. Ein¬ 
hundert Abteilungen. In fünfzehnjähriger Tätigkeit gesam¬ 
melt und eingegliedert von Paul Frenzei in Berlin. In einem 
ausführlichen Prospekt gibt der Begründer des Zentral- 
Archivs, das eine Nachschlagemöglichkeit für jeden, der 


schriftstellerisch tätig ist, bildet, eine genauere Darstellung 
des Aufbaues dieses von der Fachpresse, von Fachvereinen, 
von Verlegern, Verlagsbeamten und vielen andern Stellen 
günstig beurteilten Unternehmens. Dasselbe umfaßt, wie 
bereits angegeben, 100 Abteilungen, die sich auf die ver¬ 
schiedensten Sachgebiete erstrecken; das Buchgewerbe und 
die Presse stehen an erster Stelle. Das Zentral-Archiv be¬ 
steht aus einem Archivschrank, der 100 Mappen enthält, 
in die die wöchentlich erscheinenden etwa 20 Quartblätter 
mit Inhalt aufgefüllt werden. Das Archiv soll sich zu einem 
Sammel- und Nachschlagewerk auf allen Gebieten des 
Zeitungswesens ausbauen. -r-. 

V Flugblätter des Schriftbundes deutscher Hochschullehrer. 

Von dem Flugblatt Nummer 1 mit dem Titel: Die deutsche 
Schrift als deutscher Kulturträger im Ausland ist im Kom¬ 
missionsverlag bei K. F. Koehler in Leipzig bereits die zweite 
Auflage erschienen. In dem für 30 Pfennige erhältlichen 
Oktavhefte ist neben dem Inhalte, der sich auf die vier 
Kapitel: 1. die deutsche Schrift in Ostasien, 2. die deutsche 
Schrift in der Türkei, 3. die deutsche Schrift in Westeuropa, 
4. die deutsche Schrift in Amerika erstreckt, ein den Welt¬ 
krieg streifendes Vorwort enthalten. Das Heftchen, das vom 
Privatdozenten Dr. phil.E. Hänisch , Berlin,unter Mitwirkung 
von Professor Dr. A. Emin , Konstantinopel, und Professor 
Dr. H. F. Moore, Cambridge, verfaßt ist, verdient in der 
jetzigen Zeit, in der der Schriftstreit wieder lebhafter denn 
je seine Kreise zieht, besondere Beachtung. S. 

V Das Berechnungswesen des Steindrucks nebst kleinem 
Druckpreisetarif. Bearbeitet und herausgegeben von Alfred 
Weck in Solingen. Während für das Berechnungswesen im 
Buchdruck eine ganze Reihe von Veröffentlichungen er¬ 
schien, die als Grundlage für die Ermittlung der Preise dienen 
können, fehlte es im Steindruck an solcher Literatur, und es 
füllt das vorliegende Werkchen diese Lücke in besterWeise 
aus. Der Inhalt desselben berührt in gedrängter Anordnung 
alle Fragen der Preisberechnung und zwar in klarer und 
leichtverständlicherDarstellung. Zahlreiche Formulare für 
den geordneten Geschäftsbetrieb ergänzen den Wortlaut; 
sie werden jedem willkommen sein, der sich schlecht und 
recht mit unvollkommenen Aufzeichnungen behilft und dem 
es an nützlichen Hinweisen und Unterlagen für die geschäft¬ 
liche Organisation mangelt. Das sauber hergestellte Büch¬ 
lein kann jedermann, der mit dem Rechnungswesen im 
Steindruck oder verwandten Geschäftszweigen zu tun hat, 
aufs wärmste zur Anschaffung empfohlen werden. S. 

V Klingspor-Karten. Die von uns in Heft 5/6 des Archivs 
besprochenen Klingspor-Karten sind im Verlage von J.F. 
Lehmann, München SW.2, Paul-Heyse-Straße26, erschienen 
und auch ausschließlich von dieser Firma zu beziehen, 
was wir infolge verschiedener Anfragen, die uns zugingen, 
hiermit erwähnen. 


Inhaltsverzeichnis 


Bekanntmachung. S. 149. — Ein Streifzug durch 50 Jahr¬ 
gänge des Archivs für Buchgewerbe (2. Fortsetzung). S. 150. 

— Alte und neue Notentitel (Fortsetzung und Schluß). S.159. 

— Joseph Sattler. S.174. — Ein- und Ausschaltvorrichtungen 
ub Hand-Papierschneidemaschinen. Der Rückgang der 


Unfairgefahren. S. 178. — Buchgewerbliche Rundschau. 
S. 182. — Bücher- und Zeitschriftenschau; verschiedene 
Eingänge. S. 184. — Deutscher Verein für Buchwesen und 
Schrifttum. S. 185. 

8 Beilagen. 


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r ... ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 

Seutfcher herein für 23ud^roefen unb Schrifttum 

3»<it< SÖlitgli« berlifi« 


^^renau^fc^uß: 

©eine königliche Roheit bcr Grogherjog oon s JRecPlenburgs©treli§ 

©eine königliche Roheit kronprtnj Georg, jperjog ju ©acbfen 

©eine königliche Jpo^cit $er$og 3llbrecbt oon Württemberg, Generalfelbmarfcball 

©eine königliche Roheit bcr Jperjog oon ©achfemSoburg unb Gotha 

©eine königliche Roheit ber £erjog Smft 3luguft ju Braunfchroeig unb Lüneburg 

©eine königliche Roheit <Prinj 3 »>bonn Georg, #er$og ju ©acbfen 

©eine königliche Roheit ber gurft oon /pobenjollern 

©eine Roheit ber Jperjog oon ©aebfem^einingen 

(^remwrfiöenbe: 

Srjellenj Dr. Ütticbaeliö, SteichöPanjler, ^rafibent beö kgl. 9>reu£. ©taatöminijleriumö, Berlin 

Srjellenj D. Dr. jur. Dr.^ng. $. G. Becf, ©taatöminifter für kultuö unb öffentlichen Unterricht, Dreöben 

Stellen j Dr. k. 0 . Sn? alb, Grojsherjogl. Jpeff. ©taatös unb 3uftijmintfler, Darmflabt 

Sjrjellenj Dr. jur. Jp. 0 . Jpabermaaö, kgl. Wurtt. ©taatöminiflcr beö kirchem unb ©chulroefenö, ©tuttgart 

Srjetfenj Generalfelbmarfcball 0 . jpinbenburg unb Benecfenborff 

Sjjellenj Dr. $tfbfcb/ Winifter beö kultuö unb Unterrichtö, karlöruhe 

Sxjetfenj Dr. S. o.kntlling, kgl. Bapr. ©taatöminifter ber kireben* unb ©cbulangelegenheiten, Lunchen 

Sjrjellenj kgl. 9)reu§. ©taatömtnifter t>. 2oebell, Berlin 

Stellen j Dr. *J>. 31.Bagel, kgl. ©acht*. 3ufrijminifter, Dreöben 

Sjjellenj 0 . ©cpberotg, kgl. ©achf. ©taatöminifler, Dreöben 

Sjrjellenj Dr.phil. W. ©olf, ©taatöfePretar beö SKeicböPolonialamtö, Berlin 

Srjellcnj 0. ©tein, kgl. *Prcuf3. kriegömintfler, Berlin 

Sjrjellenj Graf Bigthum 0 . ScPftabt, kgl. ©achf. ©taatöminifter, Dreöbcn 

Sjrjellenj Generalleutnant o. Wilöborf, kgl. ©achf. kriegöminifter, Drcöben 


(Stifter 

(Btinbeftbeitrag 1000 B?arP) 

Werfer, 31., Dr., Britglieb ber I. ©achf. ©tanbePammer, 
^Rittergut kötterigfeb bei Großbothen i. ©. 
jptrfcb, *Paul, granPfurt a. 9)?. 

£eube, jp.,BKtglieb beö SHeichötagö, 3lltonas£)tmarfcben 
9tat ber ©tabt Wien 

£ebentftänglicf)e SDtitgüeber 

(einmaliger Beitrag 500 BtarP) 

31 Hermann, 3Ufreb, Dr. £r.*3ng., #ofrat, Seipjig 
Babtfcbe 3lnilim unb ©obasgabriP, Submigöhufm a. SRb- 
garbenfabriPen oornt. griebr. Baper& So., VeoerPufen 
bei köln a. Sftb« 

granef, SKicbarb, gabriPant, Submtgöburg 
2eufchner, Otto, Dr. phil., Britglieb ber I. ©achf. ®tanbcs 
Pammer, Rittergut Ditteröbacö. 2lmtöh. *Pirna 
SRa tbgeber, Sari, kgl. ©achf. kommerjienrat, BtarPerös 
borf, Bej. Seipjig 


©chuncPe, Wilhelm, GencralbirePtor ber Ditteröborfer 
giljs unb kragentuchfabriP, Ditteröborf bei Sbemnig 

33e&ort>en unb 93erbant>e 

Burfcbenfcbaft Germania, Xtfbingen, Württemberg 
DePanat ber pbilofophifchen gaPultat ber P. P. Unioerfität 
in 3nnöbrucf 

GeneralbirePtion ber königlichen ©ammlungen förkunfi 
unb Wiffenfchaft, Dreöben 
Gefellfchaft für BolPöbilbung, Berlin 
GorreösGefellfchaft jur pflege ber Wiffenfchaft im Pathos 
lifchen Deutfcblanb, Bonn a. 9th* 

3aPob krauge^Bunb, Bereinigung Dcutfcher kunftbueb' 
binber, Berlin 
kantsGefellfchaft, Berlin 
konferenj spreufjifcber ©eminarbirePtoren 
königliche #ofbibliotbeP, ©tuttgart 
königliche ?anbeöbibliotheP, Dreöben 
£anbeöoerbanb ber ©achfifchen treffe, Trtögruppe üeipjig 


185 


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Original frorn 

PRINCETON UNIVERS1TY 



ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


8 eippger 8 ebreroerein, 8 eipjig 
Sitcrarifc^c ©cfeUfc^aft Bremen 
Bicbarb 2BagnersBerein, DarmPabt 
©tabtbibliotbef, Btagbeburg 
©teiermärfifcbe 8 anbeöbibliotbef, @ra$ 
UnioerfitatäsBibliotbef, 8 eip$ig 
herein ber Äunplerinnen, £entratPrtfe 8 eipjig 
herein ber ^lafatfreunbe @. B., @b<wlottenburg 
Bereinigung ber 8 ebrer an ben pabt. bob^ren ©djulen 
Üeipjtgö ( 8 . S}. 8 .), 8 eip$ig 
BerfebrösBerein, 8 eip$tg 

QEinjefmitgtteber 

21cf er mann, Bruno, Dr. jur., ©tabtrat, 8 cip$ig 
2ll(gemeine Deutfcbe (Srebitanpalt, 8 eippg 

Bacb, @arl oon, Dr.s3ng., ©taatörat, ^rofeffor an ber 
£ecbn.#ocbfcbule, Bfitglteb ber I. Kammer, ©tuttgart 
Bacf afcb, Döroalb, ^roiefau i* ©• 

Balb & Krüger, Jpagen 

Barbeleben, (Sari oon, ©eneralleutnant $.D. unb Bors 
pfcenber beö Bereinä „Jperolb", (Sbarlottenburg 
Baerroalb, B?., 3upt$rat, Bfitglieb be$ 2lbgeorbnetens 
baufeö, Broraberg 

Becfer, gr., i. ga. <S. Becferö Bucbbrucferei, Üljen 
Bebrenö, *))eter, *})rofeffor, Beubabeläberg bei Berlin 
Bergboeffer, (Sb* 2B., Dr. phil., DtrePtor ber o. Botb* 
fcbilb’fcben BibliotbeP, granPfurt a. B?. 

Be per, Dtto, Berlagöbucbb&'nbler, 8 eip$ig 
Bleicherei, garberei unb 2lppreturs2lnPalt ©tuttgart, 
Ubingen 

Blocb, 3n>an, Dr. med., Berlin 
Bo cf roig, Sp. Sp., Dr. phil., Bruffel 
Bobnifcb, ©eorg, Bucbbinberobermeiper, 8 eip$ig 
Born Pein, $arl, Dr. med., Berlin 
BorPel, gr. oon, Hamburg 
Boucbfein, Xbv SBitglieb beö 2lbgeorbnetenbaufe$, 
©cbmelm 

Branbi ö, (Sari ©., Dr. phil., ©ebeimer Jpofrat, DirePtor 
ber UnioerfitatösBibliotbeP, 3ena 
Breslauer, SBilbelm, BanPier, 8 eip$ig 
Brucfmann, 2llfon$ oon, ©eneralfonful, SRuncben 
Bucbb^nblung be$ BerbanbeS ber #rjte Deutfcblanbö, 
8 eipjig 

Bubbe, $arl, D., ^rofeffor, ©ebeimer ÄonpPorialrat, 
Marburg 

B u r b a cb, ßonrab, Dr. phil., 9>rof eff or, ©eb* Begierungö* 
rat, ®?itglieb ber $gl. *))reup. 2lPabemie ber SBiffen? 
febaften, Berlins©runen?alb 

Gaffel, DöPar, ©ebeimer 3upi$rat, ©teltoertr. ©tabts 
oerorbnetensBorfteber, Bfitglieb be$ 2 lbgeorbnetens 
baufeS, Berlin 


(SbriPopb & Unntacf, 21.=©., BieSPp 
(Sbromo* Rapier« unb KartonsgabriP oorm. ©uPat> 
Bajorf, 2l.s©., 8eipjig 

(SurttuS, (Sari, Dr. phil., ^rofeffor, ©tabtbibliotbePar, 
8u'becf 

Dablinger, granj, ^apiers©rogbönblung, 8 eip$ig 
Dämmert, Bubolf, Dr. phil., j. 3 . BuParep 
Degen er, jjerrntann 21. 8 ., Berlagdbucbbänbler, 8 eip$ig 
Deutfcber UberfeebienP ©. m. b. #., Berlin 
Deutfcbe BhmitionSsgabriP B?aj 2Balbinger, £>bers 
BamPabt bei DarmPabt 

Dieben er, ÜBilbelm, BerlagSbucbbanblcr, 8 eipjig 
Diebericbö, (Sugen, Berlagebucbbanbler, 3cna 
Donborf, B., ©. m. b. Sp., granPfurt a. 9R. 

Duf oursgeronce, 2llbert, gabriPbefiger, 8 eipjig 
Duiöberg, (S., Dr. phil., Dr.*3ng. et med. h. c., 
^rofeffor, ©ebeimer Begierungörat, 8 eoerPufen 
Dun cf er, 2llejranber, Berlagebucbbanblung, 8 eipjig 

(Jberbarbt, 8., ©ebeimer ^ommerjienrat, ©iöinar 
Sbtig, 2Ö., DtrePtor ber ©tragburger Drucferei unb Ber* 
lagöanpalt oorm. B. ©cbulg & l5o., ©tragburg 
^najr, Sttorig, gabriPs^)apierlager, Berlin 
Sngelmann, ©ilbclm, Berlagöbucbbonblung, 8eipjig 
^iebboff, Dr., Dberburgermeiper, Dortmunb 

gaber, Dr., Berleger ber Bfagbeburgifcben Jritung, 
SBagbeburg 

glebbe, Dtto, jpannooer 

gorper & Borrieö, ©rapbifebe 2lnPalt, ^wiefau 
g u cb ö, oon,©ebetmer jpofrat,^)rafibent berBapr.^ammer 
ber 2lbgeorbneten, Bab $ifpngen 

©arbdtp, ^ugen 8 ., Berlin 
©eiger, 8 ubn>ig, Dr. phil., a. 0 . Unioerfitatöprofeffor, 
©ebeimer Begierungörat, Berlin 
©erbarb, ^arl, Dr. phil., ©ebeimer Begterungärat, 
DtrePtor ber ^g U UnioerfitatöbibliotbeP, ^)alle 
©erbarb, Baimunb, Berlagöbucbb^nbler, B?ajor b. 8 ., 
8 eipjig 

©erPer,$arl, Dr. med. et phil., ©ebeimer ©anitdtörat, 
Braunfelö ^r. ©e^lar 

©olbfebmibt, 8 eon, i. ga. B?. ©logau jr., Hamburg 
©retfcbel, Hermann, Bucbbrucfereibep^er, Dreöben 

^)dbnel, Dr., ©ebeimer Bat, OTitglieb ber II. ©tdnbe* 
Pammer, Borfigenber beö 8anbeöPulturrateö im Honigs 
reich ©aebfen, Bittergut $upprt§ 

Spain, 8 eo, ^onoiPtö s 3nfpePtor am „©eorgianum", 
DuberPabt 

^)anf, Äonrab, Berlag unb Bucbbrucferei, Jjamburg 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Quittung, itlbcrt, i. go. Jjennann 23o'l)lau<5 Otadjfolger, 
©ei mar 

Jpetman, Jjann*, Dr. phil., ©pnbiPuö, SöerlimSbor* 
lottenburg 

Jpengftenberg, 9fticbarb, (gingen a. 9t. 

Verbriet), ©uftao, S&ucbbtnbermeifler, £eipjtg 
£ofbucbbrucferei oon S. Du'nnbaupt, ©. m. b. 

Deffau 

Rommel, Otto, SlbreffemSöerlag, £eipjig 
£oerfcbelmann, 9tolf oon, Wtfncben 
jpoerflel, Antonie, £eipjig 

Jpöttner, Jpeinricb oon, Witglieb ber I. ©äcbl’. ©tänbes 
Pammer, SRittergutebefiger auf *pirP i. $8. 

3oeger, 2lbolf, 23ucberreoifor, £eipjig 
3oloroicj, 3acque$, '$ucbbanb(er, S3erlin 
3 oft, Jpeinricb, S3ucbgeioerbePunftler, Wtfncbcn 
3unP, ©ilbelm, $erlagöbucbbänbler, 23erltn 

Äamlab/ Äurt, SRegierungärat, ObercaffeUDuffelborf 
Äampratb, Srnft, Verlag, £eipjig 
Äagfcb, ftubolf, £eipjig 
Äierop, Jpermann, Kaufmann, Hamburg 
Äircbbacb, Sari oon, *Prafibent a, D v Dreeben 
Äirborf, War, 2lacbem23urtfcbeib 
Mittel, 9tub., D. Dr. phil., Unioerfittfteprofeftbr, ©eb. 
SRat, Domherr be$ jpocbftiftö Weiten, befign. SHcPtor 
ber Unioerfitat ?eipjig 

Kemm, ^ermann, ©efcbäftöinbaber ber Söerlagdanftalt 
für £iteratur unb Äunft Hermann Älemm 21.s@., 
S3trlins©runeroalb 

lo^inann, Jpeinricb, SRecbtdanroalt, Äriegägericbtös 
rat, Dre$ben 

ÄobU’cbmibt, OöPar, ©upecintenbent Lic., (Salbe 
Äommetter, iöiPtor, Dr., Älagenfurt 
Äonegen, £oui6 Sbri<b/ i. 8 Ö * ^nno Äonegen Verlag, 
£eipiig 

Äraufje b’illotd, Jpeinj, Dr., Darmftabt 
Ätfnjet, 23urgermetfter, Witglieb beö 2Jbgeorbnetem 
baufeö, spofen (j. $. Oberburgermeifter in ©omoioiee 
[^olen]) 

£angbammer, War, Witglieb ber 11. ©äebf. ©tänbe; 
Pammer, ^^>cmni§ 

£ercbe, Otto, Dr. phil., 23ibliotbePar, £eipjig 
£eube, S ,Witglieb beö $Reicb$tagö, 2lltenasOtmarfcben 
£iebmann, £ouiö, Dr., granPfurt a. W. 

£innemann, Sftubolf, Söerlagöbucbbänbler, £eipjig 
£ubroig, Dr. jur., Suftijrat, Witglieb beö $bgeorbneten= 
baufeö, Erfurt 
£utber, Äurt, »Paffau 


Mangler, Otto, Dr., Oberlanbeägericbtärat, Witglieb 
ber II. ©äebf. ©tänbefammer, £ofd)n>i§ 

Warcour, Sh., Dr. phil., DirePtor ber ©orreösDrutferei, 
Witglieb beö $Reicb$tag$, Soblenj 
Warjr, Sugen, P. P. Äommer jiafrat, 3nbaber oon$l. iparts 
leben, Söerlagdbucbbanblung, ©ien 
Webnert, Warimilian, Dr. jur., @eb. SRegierungärat, 
2lmt$bauptmann, Witglieb ber II. ©äebf. ©tänbes 
Pammer, flauen 

deiner, geht, Dr., $8erlag$bucbbänbler, £eipjig 
Werfeburger, Sari, SSerlagöbucbbonbluttg, £eipjig 
Werfeburger, ©eorg, S3erlagöbucbbönblung, £eipjig 
Weulenboff, 3. W., ^öucbbonblung, £eipjtg 
2EReroe$, ©., Dr. rer. pol., Sanbeörat, Ouffelborf 
9??eper, ©albemar, Ägl. ^)rofeffor, S3orf. beö 5Ieretnö 
für Punfller. unb miffenfcbaftl. Söejlrebungen, Berlin« 
Sbarlottenburg 

9Ricbaelfon, Jpebmig, Dr. phil., Berlin 
^inbes^ouet, ©eorg, Dr. phil., ^rofeffor, DirePtor 
ber Oeutfcbcn 23ücberei, £eip$ig 
SKulberger, 2)?a): o., Dr., Oberburgermeifler, 

Solingen a. 91. 

Füller, *)>., 2Imtogericbt6rat, 9Äitglieb be$ ^anfed'ber 
Slbgeorbneten, ^rum (Sifel) 

aWunjcöbeimer, Wartin, ©eneralbirePtor, Ouffelborf 

9Iebben, S. jur, 9legterungö5«prafibent a. O., Ouffelborf 
9Iei§er, ©uflao, Dr. jur., SufKjrat, ^Öreölau 
9Hetbammer, Äonrab, Dr. jur., Äriebjltin bei ffialbs 
beim 

9Iorrenberg, Sonftanttn, Dr. phil., OirePtor ber 
£anbe $2 unb ©tabtbibliotbef, Oßffelborf 
9Iofligs©alln)iB, oon, Wajor, ©oblanb (@a.) 

Oer, ©ebaflian oon, P., Unter^Warcbtbal, ©drttemberg 
Oflenoalb, 2Tlbert, £eipjig 

^Pape, Slicbarb, Dr. scient. pol., Äammerfpnbifuö a. O v 
^Prioatgelebrter unb ©cbriftfieller, Äbnigöberg 
spajjant, 21., SieneralbirePtor ber ^olbibütte, ffiien 
etffer, Jpeinricb, DirePtor ber £eipjiger 3Uufhrierten 
Rettung, £eipjtg 

Pfeiffer, W., Dr., Witglieb M 91eicbötagö, Wüncben 
^PbtltpP/ 5llbrecbt, Dr. phil., £anbtag$abgeorbneter, 
Oberlehrer am Ägl. 9tealgpntnafium, S?orna 
^P i cf, SHicbarb, 2lrcbiobirePtor, 2lacben 
^Porfeb, Dr. jur., ©ebeimer 3uflijrat, Srfler Slijes 
praftbent beö ^Preu^. 3Ibgeorbnetenbaufeö, 93reölau 
spoefcbel, Sari Srnfl, S3erlagöbucbbönbler, £eipjig 
*Poefcbel, ^einrtcb Srn(>, 23ucbbrucferetbefiger, £eipjig 
*Pri$, ©uflao, & So., ^öucl'brucferei, £eipjig 

187 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


SRautbe, £>$n>alb, 5lntiquar, 23erlin=griebenau 
9ttcb tbof en, Jp., gretberr oon, Kaiferlicber £egationörat, 
SWitglieb beö 3fteicb$tagS unb 5lbgeorbnetenbaufeö, 
Berlin 

9ticfen, ©ilbelm, Dr. phil., Jpagen 
9t op, 5lbolf, 53erlag$bucbbänbler, Leipzig 

©aeng ©obn, £., 33ucbbänbler, Darmftabt 
©auer, 5luguft, Dr., sprofeffor, ©micboro bei ^rag 
©aoignp, (Sari oon, Dr., ©cblog XrageS 
©cbleufj ner, £>tto, Xpauptfcbriftleiter ber „©acbf. Kor= 
refponbenj", Leipzig 

©cf)(offer, ©eorg, Drucfereibefiger unb Söerlagöbucb* 
bänbler, Snbabcr ber girma (htglert & ©cbloffer, 
granPfurt a. 9tt. 

©cboppmeper, 5lnögar, *Profeffor, S3erlin 
©cbög, Hermann, 23ucbbinbermeijter, Leipzig 
©cbulg, granj, Dr. phil., UnioerfitätSprofeffor, ©trafc 
burq 

©cbul§e, ©tlbeltn, SirePtor ber 5(Ptien = ©efellfcbaft 
©cbaeffer & ©alcPer, Berlin 

© d) n> o b a cb ,gelijr, ©ebeimer 9tegierungSrat,9)?itglieb bcö 
9tetcb$tag$, Berlin 

©cbroibernocb, Karl, ©iencr ©rapbifcbe Kunftanftalt, 
©ien 

©eegen, 51. g. £bv Dr. i ur / SMrgermeifler, 9flitglieb 
ber I. ©tanbePammer, ©urzen 
©eifert, Jpugo, ©tabtrat, Leipzig 
©epfert, 9ttcbarb,Dr. phil., ©d^uirat, ©eminarbirePtor, 
SWitglieb ber II. ©äcbf. ©tanbePammer, 3fcbopau 
©iebenfreunb, Kurt, i. ga. ©. g. 23urau, Danzig 
©imon, £>tto, ^rofeffor, ©ien 
©KgKugellagergefellfcbaft m. b. Jp*/ Berlin 
©onne, Xpermann, ©rogb^joglicber 9tat, Darmflabt 
©pielmeper, 53., ©eneralbirePtor, SWonnbeim 
©pinbler, 5lnton, $!eipzig=9teubnt§ 

©pi^enpfeil, £orenj 9teinbarb, Kulmbacb 
©tern, Dberburgermeifler, föorfigenber be$ 9tbeinifcben 
©tabtebunbcS, 33ierfen 

©traufj unb Xornep, t>on, D. Dr. Dr., ©irPl. @ep. 

£>ber=9teg.=9tat, ©enatSprafibent, Berlin 
©trecfer, ?ubn?ig,Dr., ©ebeimer Kommerzienrat, 9)?tts 
glieb ber I. Kammer ber ©taube, 9)?atnj 
©treifanb, Jpugo, 93ucbbunbler unb 5lntiquar, S3erlin 


©tubel, 9JJori§, Dr. jur., SanbgericbtSrat, Dre$ben=9t. 
©ubboff, Karl, *}>rofeffor, ©eb. 9J?ebi$inalrat, Seipjig 

Xalbot, Robert, Berlin 

£opelmann, 5llfreb, 93erlagöbucbbunbler, ©iefjcn 
Xiuietmeper, (Sari, Kaufmann, Sfipztg 

$8anc$a, Ütta]r,Dr. phil.,n.=o. £anbe$arcbit>ar unb 9Kufe= 
umebirePtor, ©ien 

5$anfeloro, 51., i. ga. g. 33rudPmann 51.=®., SWuncben 
53olPelt, 3obanneö, Dr. phil., UnioerfitätSprofeffor, 
©ebeimer Jpofrat, Leipzig 

53ollratb, hugo, Dr., i. ga. Xbcofopbifcbeö 93erlag$= 
baue, Leipzig 

©arburg, 5lbp, Dr. phil., ^rofeffor, Hamburg 
©elter, Hubert, SöerlagSbucbbunbler, 5lrnbem 
©erner, Suliuö, Pfarrer an ber ^aulePircbe, granPfurt 
©epbe, (J., Dr., ^rofefior, ©ebeimer Xpofrat, Leiter ber 

herzoglichen ^effau 

©ibmann, ©. *))., Dr. phil., ©ebeimer ©tubienrat, 
Kgl. ©pmnafium ^aulinum, i3D?unfier i. ©. 
©ieganbt, ^rn(I, 53erlag6bucbbunbler, Leipzig 
©tepnP, Xpeinricb, 53or(Ianb ber Kgl. Kunf?geroerbe= 
23ibliotbeP, Dreöben 

©ille, 3aP., Dr. phil., ^rofeffor, ©ebeimer Xpofrat, 
X)irePtor ber Unioerfitätö=25ibliotbeP, heibelberg 
©incfelmann, Soute, Verlag, Leipzig 
©inPel, ©. ©., ©ebeimer 9tegierungerat, Königsberg 
©inger, ©ilb v Dr. phil., Jpauptfcbriftleiter, (£ffen 
©oban=53erlag, 5eipzig^©obliS 

©elff, ©eorg, Dr. phil., £)berbtbliotbePar, 53orfIanb ber 
Unioerfitatö=93ibltotbeP, SKuncben 
©olff, Kurt, 33er(agsbucbbunb(er, Leipzig 
©unberltcb, h a nö, i. ga. (Jrnfl ©unberlicb 53erlagS= 
bucbbonblung, Leipzig 

©önfebmann, 5lle;anber, i.ga.D.Xb.©incPler,Leipzig 

3abn, griebricb, u ga. & Sinbner’s Verlag, Leipzig 
^anberö, grau 51. geb. o. ©iemenö, XpauS Serbacb bei 
25erg.=©(abbacb 
3ebl, 5lrtbur, ©urzburg 
3eiß=23enber, Konful, granPfurt a. 9)?. 
^immermann, 3ul. Xpeinr., Kommerzienrat, 50?itglieb 
bcS 9teid)6tagS, Berlin 

^immermann, ^aul o., D. Dr. phil., ^rofeffor, ©ien 


SDerjeitiger fDtitgücÖcrjlflnt»: 

18 (Stifter, 17 lebenslanglicbe SJlttglieber, 30S5e- 
börben unb 93erbanbe unb 722 ©inzelmitglieber. 

188 


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Käst & Ehinger g. m. b. h., Stuttgart 



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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 





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FÜR DIE GESAMTE ZEITUNGS-PRAXIS 

EINHUNDERT ABTEILUNGEN 

<Geschichte der Presse, Verlag, Schrlftleitung, Rechtsprechung, Organisation, Statistik, Spedition, 
Buchhaltung, Werbetätigkeit, Technik, Papier, Beilagen, Literatur, Preisausschreiben usw.) 

Als zeitgemäß und wertvoll von der Fachwelt anerkannt 1 


Unter Mitarbeit bekannter und namhafter Berufsgenossen aus den verschiedensten Gebieten des 
Zeitungswesens angesammelt, fortlaufend erweitert, ergänzt und herausgegeben von 


PAUL FRENZEL, Verlag, Berlin-Südende 


Allen Verlegern, Verlags- und Redaktionsleitern, Redakteuren, Schriftstellern, Verlags- und Druckerel¬ 
beamten, Druckereibesitzem, Buchdruckern in gehobenen Stellungen usw. bestens zu empfehlen. 
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25 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 




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begründet, IS 63 
Prämiert auf uiclerv 
Musstellungeru. _, 


12 



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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 



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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 



ixlg£|judub 


Cbr. Roftrnann-Steinberg’fcbe 

farben-fabriken <3.m.b.ß„ Celle 


Gegründet 1817 


Fjöchfte 

Huezeichnungen 
Bugra 1914: 
Kgl. Bädtftoe 
Staatsmedallle 
Malmö 1914: 
Kgl. Scbwedlfcbe 
Medaille 


BAlTI SKA-U TSfAUNINQtN 


Malmö 1914 


Celpzlg 1914 


Schwarzfarben- und f Irnts-f abrlh In Celle 


Buntfarben- und Cbemlfche f abrih, Kleln-ftehlcn b. Celle 


Schwarze und bunte färben für alle grapb. Druckverfahren 


Herausgeber: Deutscher Buchgewerbeverein 

Verantwortl. Schriftleiter: Prof. Dr. Schramm — Druck von Breitkopf & Härtel — Sämtlich in Leipzig 


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GC 


GÜNTHER CLAUSEN (BRAUNSCHWEIG) 

ZEICHNUNG ZUM BRAUNSCHWEIGER JUGENDKALENDER FÜR TIERSCHUTZ 

UND HEIMATLIEBE 


Beilage zum Archiv für Buchgewerbe. 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 

BEGRÜNDET VON ALEXANDER WALDOW 

54. BAND SEPTEMBER-OKTOBER 1917 HEFT 9/10 

HERAUSGEGEBEN VOM DEUTSCHEN BUCHGEWERBEVEREIN 


Bekanntmachung 

In den Deutschen Buchgewerbeverein wurden im Monat November 1917 
als Mitglieder aufgenommen: 

1. Karl Bächstädt , i. Fa. Hoehlsche Buchdruckerei, Hersfeld. 

2. Bernhard Bercker, i. Fa. Butzon & Bercker, G. m. b. H., Kevelaer. 

3. Chr. Brodbeck, Direktor der Lothringer Zeitung, Metz. 

4. Arie Reinier Freem , i. Fa. Gebr. Junghanß, Buchdruckerei, Leipzig. 

5. August Heider , Teilhaber der Fa. Theodor Lampart, Buchdruckerei, Augsburg . 

6. Alfred Hoff mann, i. Fa. C. F. Kahnt Nachfolger, Musikalien Verlag, Leipzig. 

7. Johs. Ibbeken, i. Fa. F. Johannsens Buchdruckerei (Johs. Ibbeken), Schleswig. 

8. Heinrich Jost , Kunstmaler und Buchgewerbekünstler, München. 

9. Alfred Kaeller , i. Fa. J. D. Küster Nachf., Bielefeld . 

10. Johs . Kästner, i. Fa. Reinhold Kästner, Buchdruckerei, Burgstädt i. S. 

11. Friedrich Knorr, i. Fa. Adolph Knorr, Buchdruckerei, Mühlhausen i. Thür. 

12. Curt Krause, Buchdruckerei, Dresden. 

13. Jos. Krrin , Geschäftsführer des Herold Verlag G. m.b. H., Köln a. Rh. 

14. Oscar Kühlen, i. Fa. B. Kühlen, Kunstverlag, M.-Gladbach. 

15. Otto Kümmel , Buch- und Steindruckerei, Königsberg i. Pr. 

16. Carl Lang, i. Fa. Carl Langsche Druckerei, Kölna. Rh. 

17. Walter Leopold, i. Fa. W. Leopold, Großbuchbinderei, Breslau. 

18. M. Lessmann , Buchdruckerei, Hamburg. 

19. Julius Manias, i. Fa. Julius Manias & Co., Buchdruckerei, Straßburg i. Eis. 

20. Nicolai Nikolaeff, Direktor der Papier-, Handels- und Industrie-A.-G. „Kniga“, Sofia. 

21. G. Roselieb, i. Fa. E. Appelhans & Co., Buchdruckerei und Verlag, Braunschweig. 

22. J. Rumohr, i. Fa. Grefe &Tiedemann, Buchdruckerei, Hamburg. 

23. Carl Schubert , i. Fa. Neue Vogtländische Zeitung, Jeenel &Co., Plauen i. V. 

24. Joh. Auguste Seitz, i. Fa. Buchdruckerei Franz X. Seitz, München. 

Leipzig, den 30. November 1917 

Die Geschäftsstelle des Deutschen Buchgewerbevereins 

1. A. Paul Agsten 


160 25 


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: ~ ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE : = :- - 

Ein Streifzug durch 50 Jahrgänge des Archivs für Buchgewerbe 

Von HEINRICH SCHWARZ in Leipzig 
(3. Fortsetzung) 


j n früheren Bänden des Archivs, so 
J j durfte auch in dem zehnten eine ge- 
{schichtliche Abhandlung nicht fehlen. 
••».T..».....: Diesmal ist es die Geschichte der Papier - 
fabrikation , die eingehendste Behandlung erfährt. An¬ 
schließend wird das Technische der Papierherstellung 
ausführlich wiedergegeben, so daß im ganzen ein aus¬ 
gezeichnetes Bild von dem Stande der Papierfabri¬ 
kation um die damalige Zeit gegeben ist. 

Nicht minder interessant ist ein längerer Aufsatz 
von Dr. Emil Kneschke über das Bücherwesen und die 
Schriftstellerei im Altertum. Der Verfasser führt den 
Leser durch alle Zeiten und schildert in interessanter 
Form alles, was mit der Entstehung und der Her¬ 
stellung des Buches und des Lesestoffes vor der Er¬ 
findung der Buchdruckerkunst verknüpft war. 

Bei der Fürsorge und dem Interesse, das in der 
Neuzeit dem Blin¬ 
denwesen zuteil 
wird, ist eine Notiz 
im zehnten Bande 
des Archivs beach¬ 
tenswert, laut der 
auf Veranlassung 
des damaligen Direk¬ 
tors des neu einge¬ 
richteten Blinden¬ 
instituts in Wien, 

Dr. Frankl, und auf 
Befehl des Öster¬ 
reichischen Kaisers 
an dieser Anstalt 
eine vollständige 
Buchdruckerei ein¬ 
gerichtetwurde. Es 
sollte den blinden 

Zöglingen das 
Setzen und Drucken 
so gelehrt werden, 
daß dieselben einem 
gelernten Buch¬ 
drucker nicht nach¬ 
stehen. 

Es wurde bereits 
an andrer Stelle 
daraufhingewiesen, 
daß das Archiv hier 
und da auch wirt¬ 
schaftliche Fragen 
streifte, und so 
bringt es in seinem 
zehnten Bande eine 


ganze Reihe von Aufsätzen über die nach Einführung 
der Gewerbeordnung sich häufenden Streiks. Die 
Aufsätze haben indessen mehr eine referierende Ten¬ 
denz, da der Herausgeber des Archivs stets für ein 
verständiges Zusammenarbeiten von Arbeitgeber und 
Arbeitnehmer eintrat. Aufsätze über die rechtliche 
Stellung des Arbeitgebers zum Arbeiter, Ein Mahnwort 
an die Arbeitgeber, Rechte und Pflichten gewerblicher 
Arbeiter gehören auch zu diesem Stoffgebiet, das in 
späteren Bänden und besonders in der Neuzeit ganz 
ausgeschaltet wurde. 

Daß auch schon frühzeitig an die Versicherung der 
Arbeiter gegen Unfälle, Invalidität und Krankheit in 
Gewerbskreisen gedacht worden ist, geht aus einem 
im zehnten Bande des Archivs enthaltenen Aufsatz 
hervor. Zunächst sind es die Privatbanken gewesen, 
die sich mit dieser sozialen Angelegenheit befaßt 

haben und versuch¬ 
ten, auch das Buch¬ 
gewerbe zu um¬ 
schließen. Das 
Archiv bemerkt zu 
derFrage selbst: Es 
steht zu erwarten, 
daß die Invaliden 
der Arbeit künftig¬ 
hin nicht den Ge¬ 
meinden zur Last 
bzw. nicht mehr dem 
Proletariat verfal¬ 
len. Überblickt man 
das jetzige gewal¬ 
tige Gebäude der 
staatlichen Arbeiter- 
versicherunggegen 
Unfälle, Krankheit 
und Invalidität, so 
nehmen sich die da¬ 
maligen Versuche, 
etwas derartiges zu 
schaffen, zwar recht 
eigenartig aus, sie 
verdienen aber als 
Saatkörner immer¬ 
hin eine gewisse 
Einschätzung. 

Eine höchst in¬ 
teressante Statistik 
über die Setzerlöhne 
in den Jahren 1715 
bis 1871 mag als 
letztes aus diesem 



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inhaltlich reichen Bande erwähnt sein. Es wird darin 
nachgewiesen, daß der Lohn von 1727 bis 1848 fast 
gar keine Veränderung erfuhr, dann steigt der Setzer¬ 
lohn von 23,55 bis 27,35 auf 32,45 Scheffel Roggen. 
Vom Jahre 1848 an ist der Setzerlohn in stetem und 
zuletzt in rapidem Steigen begriffen. In Jena stieg 
der Setzerlohn von 1860 bis 1870 um 43,7 Prozent. 
Neben andern statistischen Hinweisen wird auch be¬ 
merkt, daß nach der Hausordnung des Waisenhauses 
in Halle a. S. im Jahre 1743 die Arbeitszeit für Buch¬ 
drucker und Setzer von morgens 5 Uhr bis abends 
7 Uhr währte. 

Der elfte Band des Archivs wird mit einer 
lehrreichen Abhandlung über die Zweifach - 
maschine eröffnet. Der Verfasser G. Werther be¬ 
zeichnet die Firma Koenig & Bäuerin Kloster Oberzell 
als die Erfinderin dieser Pressenart, obgleich Dutartre 
in Paris mit derselben zugleich auf der Pariser Welt¬ 
ausstellung 1867 eine solche Maschine ausstellte. 
Er bemerkt dabei, daß alle bedeutenderen deutschen 
Maschinenfabriken sich (1874) dem Bau von Zwei¬ 
farbenmaschinen widmen und gibt eine eingehendere 
Beschreibung des 
Mechanismus und 
der besten Art der 
BedienungderPres- 
sen, die für den 
Druck von Arbeiten 
in mehreren nicht 
aufeinander, son¬ 
dern nebeneinander 
liegenden Farben 
zu ziemlicher Ver¬ 
breitung gelangten. 

Während die Zwei¬ 
farbenmaschinen 
der deutschen 
Fabriken äußerlich 
den gewöhnlichen 
Schnellpressen 
fast gleichen, zeigte 
die damals viel be¬ 
achtete und auch 
im Archiv vorge¬ 
führte Zweifarben¬ 
maschine von Har - 
rild&SonsinLondon 
ein ganz anderes 
Äußere (siehe Ab¬ 
bildung 33). In der 
Neuzeit haben die 
Zweifarbenmaschi - 
nen ihre Bedeutung 
mehr und mehr ver¬ 
loren, da der lang¬ 


same Gang die Rentabilität in Frage stellt. Hingegen 
werden hier und da noch Rotationsmaschinen für 
Zweifarbendruck mit gutem Erfolge verwendet. 

Die bereits auf Seite 158 erwähnte Walterpresse, die 
für den Druck der Wiener Neuen Presse seinerzeit zut 
Aufstellung gekommen war, wird, nachdem sie sich 
über Jahr und Tag im Betrieb befand, eingehender 
besprochen und die Bedeutungder Rotationsmaschinen 
für das gesamte Zeitungswesen erneuthervorgehoben. 
Da es sich um eine ausländische Erfindung handelte, 
so bleibt der in der Abhandlung gegebene Hinweis, 
daß die Idee, das Papier von der Rolle aus in un¬ 
unterbrochenem Zusammenhänge in die Maschine zu 
bringen und dieselbe passieren zu lassen, deutschen 
Ursprungs ist, bemerkenswert, und zwar gebührt die 
Priorität der Erfindung des Drückens von der Rolle 
undder ersten, wenn auch unzulänglichen Anwendung 
dieses Verfahrens dem damaligen Direktor der öster¬ 
reichischen Staatsdruckerei Aloys Auer , der bereits 
in den fünfziger Jahren eine Anzahl Schnellpressen 
mit der sich selbsttätig abwickelnden Papierrolle in 
direkte Verbindung gebracht hatte. Die hier wieder¬ 
gegebene AbbildungderWalterpresse enthebt weiterer 

Beschreibung die¬ 
ser für die damalige 
Zeit höchst wich¬ 
tigen Erfindung, 
durch die das bis¬ 
herige Druckprin¬ 
zip, von der flachen 
Form zu drucken, in 
ganz andre Bahnen 
gelenkt ward (siehe 
Abbildung 32). 

AußeraufdieVer- 
vollkommnung des 
Pressenbaues war 
die deutsche 
Maschinenindustrie 
der damaligen Zeit 
auch darauf bedacht, 
Hilfsmaschinen zu 
bauen, die denDruk- 
ker von mancher 
Handwerksarbeit 
entlasten sollten. 
So bildete das Glät¬ 
ten bzw. Satinieren 
des Papieres bis in 
die siebziger Jahre 
hinein nocheineum¬ 
ständliche Neben¬ 
arbeit für die Buch¬ 
druckereien, denn 
nach dem Feuchten 
wurde fast alles 


1874 


Abbildung 28. Verkleinerter (zweifarbiger, violett, gelblicher Ton) 
Haupttitel zum XU. Bande (1875) dea Archive für Buchdruckerkunst 


191 


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Abbildung 29. Papiermaschine. Aus dem XI. Bande (1874) des Archivs für Buchdruckerkunst 


Druckpapier zur Erzielung schöner Glätte satiniert , 
und zwar ursprünglich auf einfachen, mit Metall¬ 
zylindern ausgestatteten Walzwerken, die durch eine 
Handkurbel in Bewegung gesetzt wurden. Zur Ver¬ 
einfachung dieses umständlichen Verfahrens wurden 
dann Satinierschnellpressen gebaut, die aber nur Vor¬ 
läufer der späteren Kalander waren. Das Archiv 
brachte in einem seiner ersten Bände das einfache 
Satinierwerk, das angeblich einer Idee Ferd. Schlotkes 
seine Entstehung verdankte, im elften Bande erscheint 
dann die SatinierSchnellpresse (siehe Abbildung 30), 
die von der durch ihren Kalanderbau bekannt ge¬ 
wordenen Firma Ferd. Heim & Co. (früher Gebr. Heim) 
in Offenbach a. M. gebaut wurde. Diese Maschine 
war bereits außer mit einer polierten (auch heizbaren) 
Hartwalze mit einer Papierwalze versehen, wie sie 
späterauchdieKalandererhielten. DieeigenePapier- 
satinage auf Kalandern, die mitzehn und mehrWalzen 


gewerbe mit Maschinen zu versorgen, und es dürfte 
durch dieses Eindringen manche Anregung zumeigenen 
Schaffen gegeben worden sein. Im elften Bande des 
Archivs erscheint auch eine äußerlich den neueren 
deutschen Maschinen dieser Art gleichende Falz¬ 
maschine , die des Vergleiches halber im Bilde wieder¬ 
gegeben sein mag(siehe Abbildung31). Es hatziemlich 
lange gewährt, bis deutsche Firmen sich mit wirk¬ 
lichem Erfolge im Bau von Falzmaschinen betätigten. 
Das Archiv wies damals bereits auf die Firma Martin 
Tanner&Co. in Frauenfeld (Schweiz) hin, die ihre 
Maschinen ebenfalls in Deutschland*einführte. Heute 
sind die deutschen Falzmaschinen von größter Voll¬ 
kommenheit, und es macht sie deren sicheres Arbeiten 
zu unentbehrlichen Hilfsmaschinen in graphischen 
Betrieben. 

Über die Preise der Schnellpressen unterrichtet 
eine dem Archiv 1874 beigegebene Preisliste einer 



versehen waren, ist seit einer Reihe von Jahren durch 
die Fortschritte inderPapierfabrikation und im Bau der 
Papiermaschinen fast vollständig aufgegeben worden. 

Neben den amerikanischen Maschinenfabriken be¬ 
ginnen auch englische Firmen das deutsche Buch- 


Abbllduog 30. Satinlerschnellpresse Abbildung 31. Falzmaschine 

Aus dem XI. Bande (1874) des Archivs für Buchdruckerkunst 


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Abbildung 32. Wallerpresse. Aus dem XI. Bande (1874) des Archivs für Buchdruckerkunst 


WürzburgerSchnellpressenfabrik. Danach kostete eine 
kleinste einfache Schnellpresse mit Zylinderfarbwerk 
1löOTaler,eine Doppelschnellpresse mitzwei Druck¬ 
zylindern 2600Taler, Zweifarbenmaschinen 2250Taler 
undeine Tiegeldruckpresse 300Taler. Eine der ersten 
deutschen Tiegeldruckpressenist die umstehend ab¬ 
gebildete Presse, die von der damaligen Firma Bohrt, 
Fasbender & Herber in Würzburg gebaut wurde. 


Die Bestrebungen zur Vereinheitlichung der Papier¬ 
formate liegen weit zurück. Das Archiv tritt im elften 
Bande (1874) auch lebhaft für die Einführung des 
metrischen Systems zur Bezeichnung der Papier¬ 
formate ein, nachdem schon die österreichischen 
Fachgenossen das Zollmaß zugunsten des metrischen 
Maßes hatten fallen lassen. Es wird dabei gleichzeitig 
die Beschränkung auf eine Anzahl Normalformate 





Abbildung 33. Zweifarbenmascbine. Au« dem XI. Bande (1874) des Archivs für Buch Jruckerkunst 


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Der Landkartensatz ist von 
jeher einzelnen Fachgenossen 
als ein verlockendes Gebiet zur 
typographischen Betätigung er¬ 
schienen, und so brachte auch 
das Archiv im elften Bande eine 
Abhandlung über diesen Stoff. 
Sie ist allerdings mehr in histo¬ 
rischer als wie in praktischer 
Hinsicht von Interesse, denn 
eine Bedeutung für die Praxis 
hat der Landkartensatz niemals 
erlangt, und er dürfte sie auch 
kaum jemals erlangen. Der Ver¬ 
fasser des Aufsatzes verweist 
auf die älteste Art der Land¬ 
kartenherstellung im Buch¬ 
druck, auf Conrad Sweynheim, 
der zwar nicht mit Buchdruck¬ 
lettern, sondern mit Metall¬ 
platten, ferner auf den Ulmer Drucker Leonhard Hol, 
der mit Holzplatten Landkarten druckte. Mit Typen 
setzten Landkarten Haas in Basel, Breitkopf in Leipzig, 
Didot in Paris. Die Ergebnisse sind aber so unvoll¬ 
kommene, daß sie nur als typographische Merkwürdig¬ 
keiten gelten können. Von besserer Wirkung war der 
LandkartensatzMahlaus,derseinerzeitinderv.Decker- 
schen Druckerei in Berlin wirkte. Das Archiv gab 
damals die von Breitkopf typographisch hergestellte 
Landkarte (Umgebung von Leipzig) sowie den auch 
durch seine Größe beachtenswerten Landkartensatz 
von Mahlau (Telegraphenkarte) wieder (siehe Ab¬ 
bildung 35). Die hochentwickelte Kartographie läßt es 
undenkbar erscheinen, daß je wieder typographischer 
Landkartensatz entsteht, und von diesem Gesichts¬ 
punkte aus ist die erwähnte Abhandlung immerhin 
von historischem Interesse. 

Ein neues Material für den Bogensatz , von dem 
bereits im vorigen Jahrgang eingehender die Rede 
war, bringt das Archiv in seinem elften Bande, nämlich 
die auch heute noch im Gebrauch befindlichen Bogen¬ 
regletten aus Messing , die ein Leipziger Maschinen- 
fabrikantauf Anregung Waldows nach amerikanischem 
Vorbilde herstellte. Durch dieses Hilfsmittel wurde 
der Bogensatz wesentlich erleichtert. 

Einem der am häufigsten behandelten Kapitel, dem 
des Gießzettels für Schriften begegnet man bereits 
im elften Bande des Archivs, und zwar ist es Hermann 
Smalian, der sich über den Stoff in seiner bewährten 
sachkundigen Weise verbreitet und sich damals (1874) 
schon bemüht, dem Buchdrucker Verständnis für 
schriftgießerische Fragen beizubringen. Er verweist 
auf die verschiedenen Stoffgebiete beim Satze, be¬ 
kämpft die vielverbreitete Ansicht, die Gießereien 
lieferten schlechte Buchstaben-Zusammenstellungen, 
um möglichst bald und häufig Defektbestellungen zu 


angeregt, ebenso einheitliche 
Stoffe und Gewichte für Lager¬ 
sorten. Das Archiv wünschte 
damals, daß der Deutsche Buch¬ 
druckerverein sich mit dieser 
wichtigen Angelegenheit be¬ 
fasse. 

Die verschiedenen Satzarten 
fanden nach wie vor Behand¬ 
lung. Über den Satz mit Logo- 
typen enthält das Archiv bereits 
zwei längere Aufsätze, in denen 
auf die schon früher gemachten 
Versuche hingewiesen ist. Eine 
in London aufgetretene neue 
Logotypenart war der Anlaß zu 
dem einen Aufsatz, an dessen 
Schluß es heißt: Wie die Lage 
der Buchdruckereibesitzer heute 
ist, ist natürlich der Wunsch 
gerechtfertigt , eine Methode des Setzens zu besitzen , 
welche Ersparnis an Zeit und Geld im Gefolge hat. 
Seitdem hat sich mancher Fachgenosse abgemüht, 
durch Logotypenverwendung eine Satzbeschleunigung 
herbeizuführen, die Fortschritte auf dem Gebiete der 
Setzmaschine haben jedoch hier vermutlich für immer 
die Erfinder zum Schweigen gebracht. 


Abbildung 34. Tiegeldruckpresse. Aus dem XI. Bande (1874) 
des Archivs für Buchdruckerkunst 


OldJenbargOsJ 

Jrapenburg 


Nienburg n 


Omabrnc* 


fünfter 


Wesel 


\Soest 
1 Arnsberg 


Ymlo 


Düsseldorf 


'•/Aachen, 
p\r«rcfar« 1 

fV.pin.iltr 


Giesse i 


\ \ Neuwied 
CoblertfVOEmr 


,angcnsi 


Wiesbaden 5 


'S. Quentin 


Mexieres 


7 Darrast; 


Sedan 


Worms <* 
Ludwigshafen 


'/Luxemburg] 


Reihet 


'Mannheim 

0 Ileidelbe, 
IDrucks al 
K OIL 


S'üufü/ij 


.Reimt 


Thionvilte 


jFraulautern ' 
***»<)i Saarbrück ^ 
Landau. 


.per nag Metz 

Chdlont i. Marne 
[ Commercg 


Chdteau - 
Tkierry 1 

Fi try.UFrunfoiy, 


Weissenburg, 


Hagenau 


Toulft^ 

Xunevillt 


Saverne 


S Dixie 


Slrassburg' 


Abbildung 35. Teilstück von Landkartensatz. Aus dem XI. Bande (1874) 
des Archivs für Buchdruckerkunst 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


erhalten. Er gibt aber auch zu, daß Irrtümer in den 
Gießereien unterlaufen können. Die Frage, wie den 
vielen Unbequemlichkeiten, die sich nach dem Be¬ 
züge von Brotschriften zeigen, zu begegnen ist, be¬ 
antwortet Smalian wie folgt: Wenn man zunächst von 
dem Gewichte der Schriften absieht und nur das 
Zahlenverhältnis derselben im Auge behält, so gibt es 
zwei Mittel: 1 . einen eigenen Gießzettel, indem man 
sich ein Schema von der Gießerei ausbittet und dessen 
Zahlen dem Bedürfnis gemäß ändert; 2. durch Be- 
stellen eines stärkeren Quantums, als man im allge¬ 
meinen braucht. Die Gießzettelreform behandelt der 
Verfasser besonders ausführlich, verweist auch be¬ 
reits auf die Systemlosigkeit, die vielen verschiedenen 
Kegel und Höhen, die naturgemäß von Einfluß sind 
auf die Buchstabenanzahl in einem bestimmten Quan¬ 
tum Schrift. Gegen den Schluß der Abhandlung heißt 
es dann: Den vielen Unzuträglichkeiten könnte man 
dadurch begegnen, daß man einen einzigen Gießzettel 
von 10000Ö Buchstaben feststellt , jeden Kegel bis 
Cicero nach demselben auf Pariser Kegel und Leipziger 
Höhe oder Normalhöhe mit reellem Schriftzeug und 
unter nicht zu schnellem Gang der Gießmaschine her¬ 
steilen läßt und das sich ergebende Resultat als Nor¬ 
malgießzettel für ganz Deutschland erklärt und die 
Einteilungen für die einzelnen Kegel ebenfalls normiert. 
Es müßte auf diese Weise den vereinigten Buch¬ 
druckerei- und Schriftgießereibesitzern gelingen, ein¬ 
heitliche Modaliläten im gegenseitigen Verkehr zu 
schaffen und einzuführen, die für beide Teile gewinn¬ 
bringend sein dürften. 

Was Smalian damals anstrebte, hat sich erst nach 
dem Verlauf von 30 Jahren, und zwar im Jahre 1904 
durchführen lassen, nämlich die Annahme von Nor¬ 
malgießzetteln für Fraktur und Antiqua sowie für 
Titelschriften durch das Zusammenwirken eines 
Arbeitsausschusses der Typographischen Gesellschaft 
zu Leipzig und des Vereins Deutscher Schriftgießereien 
(siehe Archiv für Buchgewerbe 1904). Diese Gie߬ 
zettel bilden eine gesunde Grundlage für den Guß der 
Schriften, und es ist bei denselben vor allen Dingen 
auch darauf Bedacht genommen worden, daß dem 
Bezieher der Schriften kein unnützer Ballast gelie¬ 
fert wird. 

Daß die Papierstereotypie trotz ihrer großen Ein¬ 
fachheit zur damaligen Zeit den Buchdruckereien viel 
Schwierigkeiten bereitete, ergibt sich aus einem Auf¬ 
sätze von A. Isermann, der die Gründe für das häufige 
Anhaften der Matrizen an der Schrift ausführlich dar¬ 
legt. Die Ausbildung selbständiger Stereotypeure und 
die Fortschritte auf dem gesamten Gebiete dieses 
Hilfszweiges des Buchdrucks haben hier längst Wandel 
geschaffen. 

Mit dem Ursprung und dem Verfahren der Auto¬ 
typie befaßt sich das Archiv in dem gleichen Bande. 
Eigenartig ist dabei, daß es sich hierbei nicht um die 


von Meisenbach erst viel später erfundene Netzätzung 
handelt, sondern um den Lichtdruck, der bereits in 
den früheren Bänden des Archivs erwähnt wurde. 
In der Tat hat sich das Wort Autotypie im Auslande 
zur Bezeichnung des Lichtdruckes erhalten, während 
in Deutschland und Österreich-Ungarn darunter aus¬ 
schließlich Zink- und Kupferklischees für Buchdruck 
verstanden werden. 

Daß das Archiv sich auch gewerblich-wichtiger 
Angelegenheiten annahm, zeigt ein im elften Bande 
enthaltener Aufruf zum Schutze der Priorität des Er¬ 
finders der Galvanographie Paul Pretsch, nach dessen 
Tode ein bis dahin vollständig unbekannter Mann 
hervortrat und sich die Erfindung Pretschs anmaßte. 
Durch den Aufruf sollten Mittel zusammengebracht 
werden zu der Errichtung eines Denksteins für 
den rührigen und verdienten Erfinder der Galvano¬ 
graphie. 

AlsNebenzweigentstehtbei vielen Buchdruckereien 
Mitte der siebziger Jahre der Formularverlag oder 
das Formularmagazin. Das Archiv weist vielfach auf 
solche Magazine hin, die Dokumente, Verträge, Ge¬ 
schäftsbriefe, Rechnungen, Tabellen und andre For¬ 
mulare verschiedenster Art vorrätig halten und zu 
billigen Preisen abgeben. Eines der größten Maga¬ 
zine dieser Art war die Firma C. G. Naumann in 
Leipzig, deren Engros-Preiskurant dem Archiv bei¬ 
gelegt ist. In der Jetztzeit ist der Formularvertrieb 
mehr auf die Papierhandlungen übergegangen, da der 
Formularverlagsichmitdem modernen Buchdruckerei¬ 
betrieb nicht mehr recht vereinigen läßt. 

Das für das gesamte Buchgewerbe äußerst wich¬ 
tige Preßgesetz, das am 7. Mai 1874 erlassen wurde, 
gibt das Archiv begreiflicherweise in voller Fassung 
wieder. / 

In bezug auf die Ausbreitung des Buchhandels in 
Leipzig zu Anfang der siebziger Jahre sind folgende 
statistische Angaben, die das Archiv bringt, von 
Interesse: In Leipzig hielten 1874 1439 auswärtige 
Handlungen Lager und ließen ihren Verlag ausliefern. 
Vom gesamten Kommissionswesen des Buchhandels 
entfielen auf Leipzig 104 Kommissionäre mit 4034 
Kommittenten. 

Unter dem Titel Ein Trifolium auf dem Gebiete 
buchdruckerischen Wirkens während des Entstehens 
der Kunst erscheint im elften Bande des Archivs ein 
Aufsatz, in dem die Art der Zusammenarbeit Guten¬ 
bergs, Fusts undSchöffers geschildert wird. Der Ver¬ 
fasser gibt in kurzen Zügen eine Übersicht der zuerst 
entstandenen Druckwerke, die teils von Gutenberg 
allein, teils unter Mitwirkung Schöffers entstanden 
sind, und erklärt dabei die wahrnehmbaren Unter¬ 
schiede in der Ausführung. Eine Probe aus der 
42zeiligen Bibel und eine solche aus dem Fust- 
Schöflferschen Psalterium von 1457 illustrieren die 
interessante Abhandlung. 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


- 07 c | An der Spitze des zwölften Bandes des 
J Archivs stehtein mit einem ausgezeichneten 
Porträtholzschnitt geschmückter Nachruf an den 1804 
geborenen, 1874 verstorbenen, um das Buchgewerbe 
hochverdienten Dr. Heinrich Brockhaus, den lang¬ 
jährigen Inhaber der Firma F. A. Brockhaus. — In 
gleicher Weise wird in einem späteren Hefte des 
hundertsten Geburtstags Friedrich Koenigs, des Er¬ 
finders der Schnellpresse, gedacht. 

Unter den historischen Abhandlungen, die das 
Archiv nach wie vor bringt, ist eine solche über das 
Plantinhaus und seine Schätze in Antwerpen be¬ 
merkenswert. Damals waren Plantins Werkstätten 
noch Privateigentum und daher von der Fachwelt 
nicht so eingeschätzt als wie jetzt, wo sie glücklicher¬ 
weise trotz des Weltkrieges eine der größten Sehens¬ 
würdigkeiten Antwerpens sind und bleiben werden. 

Gegen die Fremdwörtersucht kämpft das Archiv 
in seinem zwölften Bande bereits an, und es bemerkt 
der Verfasser des Aufsatzes am Schlüsse: Die Zeit, 
da die Deutschen sich fremden Völkern gegenüber so 
sehr untergeordnet fühlten, daß sie sich vor lauter 
Scheu gar nicht getrauten , in ihrem eigenen Sprach - 
vermögen nach einem Ersatz für die genau fremden 
Völkern abgelauschten A usdrückezu suchen,sollte den n 
doch nun allgemein abgeschlossen sein. Leider ist 


schnitt vertraut machen mußte. Die Ermittelung der 
geeignetsten Tonplattenstoffe bildete eine besonders 
wichtige Aufgabe, deren Lösung mit der Heranziehung 
des Linoieums ihren Abschluß gefunden haben dürfte. 

Es wurde bereitsan andrer Stelle daraufhingewiesen, 
daß der Liniensatz Mitte der siebziger Jahre starke 
Pflege erfuhr. Waren in der auch bereits erwähnten 
H. Berthold sehen Linienprobe schon typographische 
Glanzleistungen dieser Art vertreten, so muß doch 
wohl gesagt werden, daß die Arbeiten aus der Offizin 
von W. Büxenstein in Berlin erst als wirklich prak¬ 
tische Proben des Liniensatzes gelten können. Das 
Archiv bringt im zwölften Bande einige Proben von 
Inseratsätzen, bei denen das Linienmaterial sehr ge¬ 
schickt verwendet ist. Neben den Beispielen inter¬ 
essiert aber gewiß das, was zu denselben gesagt 
wurde: In den Sätzen ist dem in neuerer Zeit auch in 
Deutschland stärker hervortretenden Geschmack für 
Linienarbeiten Rechnung getragen. Können dt rartige 
Arbeiten ihrer schwierigeren Herstellung wegen auch 
nicht in jeder Druckerei und für jede Arbeit geschaffen 
werden, so dürften vielen jedoch einige Andeutungen 
hierüber interessant und nutzenswert sein. Zu der- 
artigen Arbeiten bediene man sich nicht zu spröder 
Bleilinien, denen man durch mittelmäßiges Erhitzen 
jede gewünschte Form geben kann. Zur Ausfütterung der 


dieser Wunsch trotz aller 
füllung gegangen, die Wir¬ 
kungen desWeltkrieges wer¬ 
den aber auch auf diesem 
Gebiete hoffentlich Besse¬ 
rung herbeiführen. 

E\nc Anleit ungzumDruck 
großerTonplatten bringt das 
Archiv angesichts der Ver¬ 
breitung, die der Tondruck 
damals fand und der eine 
Eigenart der Druckausstat¬ 
tung wurde. Das zum Ton¬ 
druck verwendete Platten¬ 
material ist zu dieser Zeit 
fast ausschließlich Birn¬ 
baumholz gewesen, erst 
viel später kommt Karton, 
Blei und Zink zur Ver¬ 
wendung. Eine der Haupt¬ 
schwierigkeiten beim Ton¬ 
druck war das saubere, 
flecken- und streifenlose 
Ausdrucken der ganzen 
Fläche. In der Folgezeit 
ist der Tondruck zu einem 
wichtigen Mittel des Akzi¬ 
denzdruckes geworden, so 
daß sich fast jeder Fach¬ 
genosse mit demTon platten- 


Bemühungen nicht in Er- durch die Rundungen entstandenen Räume verwendet 



Abbildung 36. Verkleineites Musterb ait. Aus dem XII. Bande (1875) 
des Archivs für Bujhdruckerkunst 


man möglichst bloß Qua¬ 
draten und Ausschluß und 
nur im äußersten Notfälle 
Gips , Papier , Kitt oder 
dergleichen. Man suchevor 
allem durch möglichste Ver¬ 
schränkung des Materials 
dem Satz dauernden Halt 
zu geben. Die Büxenstein- 
schen Arbeiten sind lange 
Jahre vorbildlich für die 
damaligen Akzidenzsetzer 
gewesen, denn neben Ori¬ 
ginalität und exaktester 
Ausführung zeichneten sie 
sich auch durch größte 
Übersichtlichkeit in der 
Schriftenanordnung aus. 

Im Zusammenhang mit 
der Büxensteinschen Satz¬ 
kunst steht das von Wilh. 
Woellmer 1875 unter dem 
Titel Nadeln, Schrauben- 
und Nägelköpfe veröffent¬ 
lichte eigenartige Zier- 
material, das in Abbil- 
dung36 wiedergegeben ist. 
Muß man diese der typo¬ 
graphischen Flächenkunst 


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Zwei Satjbeifpiele (Adreßkarten) aus dem XI. Bande (1874) des Archivs fiir Buchdruckerkunft 


Beilage zum Archiv für Buchgewerbe 


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Zu der Abhandlung: Ein Streifzug durch 50 Jahrgänge des Archivs fiir Buchgewerbe 

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Satjprobe (Briefleiften, Etiketts etc.) aus dem XII. Bande (1875) des Archivs für Buchdruckerkunft 


Beilage zum Archiv für Buchgewerbe 


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Zu der Abhandlung: Ein Streifzug durch 50 Jahrgänge des Archivs für Buchgewerbe 

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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 




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Abbildung 37. Briefkopfsatz von W. Buxenstein. Aus dem XII. Bande (1875) des Archivs für Buchdruckerkunst 


widersprechenden Schmuckformen nach heutiger Auf¬ 
fassung als geschmacklose bezeichnen, so haben sie 
damals doch ihren Zweck erfüllt, denn sie lösten in 
Verbindungmitderglattenund schraffierten (Derriey-) 
Linie das stillose Schnörkelmaterial, das in den sech¬ 
ziger Jahren unter französischem Einflüsse entstan¬ 


den Mäntiern als ein nur ihnen zustehendes Gebiet 
betrachtet werden , die gemachten Erfahrungen recht 
günstige sind. Junge Mädchen begreifen die Satz¬ 
regeln viel schneller und lernen in viel kürzerer Zeit 
mit größerer Akuratesse arbeiten als Burschen von 
gleichem Alter; sie sind nicht allein intelligenter , 


Soeben erschien und ist durch 
jede Buchhandlung zu beziehen: 


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1 


Abbildung 38. Inseratsatze von W. Büxenstein. Aus dem XII. Bande (1875) des Archivs für Buchdruckerkunst 


den war, ab und bereiteten auf die bald nachfolgende, 
auflebende Renaissanceperiode vor, von der in den 
weiteren Fortsetzungen noch die Rede sein wird. 

Über die Erfolge bei der Verwendungvon Setzerinnen 
in England berichtet das Archiv im zwölften Bande 
auch schon. Der betreffende Verfasser sagt, daß in 
Berücksichtigung der in unsern Tagen (1875) immer 
schärfer hervortretenden sozialen Frage über Verwen¬ 
dung von Frauen in Industriezweigen , die bisher von 


sondern auch aufmerksamer. Die Einführung von 
Setzerinnen hat sich für diese sowohl wie für die 
Arbeitgeber als sehr ersprießlich erwiesen. Trotz dieses 
günstigen Urteils vermochten Setzerinnen in den 
deutschen Buchdruckereien im Laufe der Jahrzehnte 
keinen festen Fuß zu fassen. Erst der Weltkrieg hat 
diese soziale Frage wieder aufleben lassen, und wenn 
nicht alle Anzeichen trügen, so folgt man bei der 
Ausbildung von Setzerinnen auch jetzt mehr der Not 



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als dem eignen Triebe. Die bislang gemachten Er- derselbe auf zahlreichen Beilagen der verschiedensten 
fahrungen sind keineswegs günstige, und es wird der Jahrgänge zur Anwendung gelangte, 
nächsten Zeit Vorbehalten sein, Mittel und Wege zu Außer den bereits weiter oben erwähnten Hilfs¬ 
finden, damit die Lehrausbildung der Setzerinnen eine maschinen bringt das Archiv noch weitere, u. a. eine 

solche werde, daß diese Kräfte in Leistung und tech¬ 
nischem Können dem Setzer nicht nachstehen. 

In bezug auf die Fortschritte im Bau von Setz¬ 
maschinen ist ein Aufsatz des Archivs bemerkens¬ 
wert, in dem berichtet wird, daß die Times zur Satz¬ 
herstellung eine Maschine benutze, durch die es 
möglich werde, jede Nummer von neuer Schrift zu 
drucken. Es handelte sich damals um die Johnson 
und Atkinsonsche Gießmaschine. Heute ist man ja 
fast allgemein auf diesem Standpunkte angelangt, und 
es klingt nicht wie Überhebung, wenn das Archiv 
schon damals bemerkte: Mit vollem Rechte kann man 
sagen , daß keine andre Industrie seit Erfindung der 
Papiermaschine und der Schnellpresse so riesenhafte 
Fortschritte gemacht hat als die Buchdruckerei. 

Unter den graphischen Veröffentlichungen des 
Waldowschen Verlags, dieim Archiv angezeigt werden, 
treten in dieser Zeit besonders hervor, das zwei¬ 
bändige Werk Die Buchdruckerkunst und ein Separatab¬ 
druck aus demselben unter dem Titel: Die Lehre vom 
Akzidenzsatz. Beide Bücher erfreuten sich lange be¬ 
sonderer Wertschätzung, auch ist ein ähnlich groß 
angelegtes Werk wie das erstgenannte nie wieder 
erschienen, wohingegen das letz¬ 
tere mehrfach neu bearbeitet 
wurde und ein Nebenwerk in 
Fischers Anleitung zum Akzi¬ 
denzsatz (1877) fand. 

Im Heft 4 des zwölften Bandes 
gibt das Archiv eine eingehende 
Beschreibung üevAmericanBank- 
note Company in New York , wobei 
der Werdegang des Papiergeldes 
und andrer Wertpapiere in Wort 
und Bild in interessanter Weise 
geschildert wird. Eine Abhand¬ 
lung über das amerikanische 
Zeitungswesen führt den Leser 
ebenfalls nach der neuen Welt, 
aus der um die damalige Zeit 
mancherlei Anregungen geholt 
wurden. 

Der Golddruck erfreute sich in 
den siebziger Jahren großer Be¬ 
liebtheit, und es gebührt dem 
Herausgeber des Archivs das 
Verdienst, für dessen geschmack¬ 
volle Anwendung besonders ein¬ 
getreten zu sein. Im zwölften 
Bande des Archivs werden be¬ 
reits technische Hinweise über 
den Golddruck gegeben, während 


Abbildung 40. Bogenanleger. Aus dem XII. Bande (1875) 
des Archivs für Buchdruckerkunst 


Gummiermaschine , auf der Papiere aller Art mit einer 
Klebstoffschicht versehen werden konnten.DieMaschine 
hat große Ähnlichkeit mit den modernen Anleim¬ 
maschinen, wie sie in Buchbindereien Verwendung 
finden. Auch die neu erfundene Billettdruckmaschine 
von J. F. Klein in München wird eingehend besprochen. 

Von besonderem Interesse dürfte es sein, daß auch 
ein selbsttätiger Bogenanleger bereits 1875 im Archiv 
beschrieben und vorgeführt wird. Es ist ein Apparat, 
der vermittelst eines Luftaussaug-(Vakuum-) und 
eines Luftausströmungs-Apparates arbeitete. Die 
vorstehende Abbildung dürfte 
weitere Beschreibung unnötig 
t *. machen, man muß sich indessen 
wundern, daß mehrere Jahr- 
^ zehnte verstrichen, bis das Pro- 

blem des selbsttäti ß en Bogen- 
' anlegers seine befriedigende 

Lösung fand. 

ft Von wesentlichen Fortschrit- 
ten auf dem Gebiete der Zink- 
ätzung berichtet das Archiv um 
»,'jl if • A dieselbe Zeit. Unter anderm wird 

■jff ; die Herstellungvon Zinkklischees 

HUf e des Aubelschen Ver- 
fogf § fahrens (Überdruck) eingehender 

beschrieben und Proben ge¬ 
geben, ebenso das Verfahren des 
| Zeichnens auf umdruckfähigem 

Klischeepapier erklärt (siehe Ab- 
bildung 41). Das letztere Ver- 
*/ fahren hat nach der Vervoll- 
ttWTO? \ % kommnung der photographischen 
; Übertragungsmöglichkeiten seine 
Wmmmm Bedeutung bald wieder verloren. 

^ Ferner wird Leitchs verbessertes 
Verfahren (direktes Kopieren auf 
Zink) besprochen und Proben in 
Strich- und Kreidemanier vor¬ 
geführt. 


Abbildung 41. Zinkätzung. Aus dem XII. Bande (1875) 
de» Archivs für Buchdruckerkunct 


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Durch das bis jetzt in bunter Folge aus den Jahr¬ 
gängen 1864 bis 1875 Wiedergegebene ist der erste 
Abschnitt der Abhandlung erfüllt. Der aufmerksame 
Leser wird beobachtet haben, daß die Fachgenossen 
derdamaligen Zeit vorgroße Aufgaben gestellt wurden 
und sie es trotz ihrer nur rein handwerklichen Aus¬ 
bildung nicht an der nötigen Energie haben fehlen 
lassen, sich der Lösung dieser Aufgaben hinzugeben. 
Man darf wohl sagen, daß gerade in dem erwähnten 
Zeitabschnitt die Erfindungen wurzeln, die heute als 


die wichtigsten im Buchgewerbe gelten; es seien nur 
die Setzmaschine, der Rotationsdruck und die Repro¬ 
duktionsverfahren erwähnt. Daß in dieselbe Zeit auch 
Gründungen fallen, die sich zu ansehnlicher Größe 
entwickelten, steht ebenfalls fest, und so darf man 
wohl die genannte Zeit als eine besonders bedeutungs¬ 
volle für das Buchgewerbe bezeichnen. Das Archiv 
hat seinerseits der Allgemeinheit, der Fachwelt, alles 
Wichtige vermittelt und so zur Fortentwicklung bei¬ 
getragen. (Fortsetzung folgt.) 


Einiges über den Kupferdruck 

unter besonderer Berücksichtigung der polychromen Malerdrucke 

Von LUDWIG WEIS, Leipzig 


enN w j r auc ^ Reichen eines gewal- 
■ / ■ tigen europäischen Ringkampfes stehen, 

! [ so geht die Kunst doch nicht müßig. 

Der Völkerkrieg hat trotz seiner ver¬ 
heerenden Wirkungen vielen Künstlern Aufträge ge¬ 
bracht, teils in Kriegsbildern für Bücher und Zeit¬ 
schriften, teils in Gedenkblättern, Trauerkarten und 
andern Arbeiten. Mit den Künstlern waren daher 
auch die Kupferdrucker beschäftigt. 

Der Ernst der Zeit hat allerdings den Humor in der 
Kunst verjagt, er vermochte aber nicht, den Sinn für 
die schönen Künste im Volke gänzlich zum Stillstand 
zu bringen. Ein Beweis hierfür ist u. a. die Samm¬ 
lung meisterhafter Kriegsgedenkblätter, wie sie das 
Deutsche Buchgewerbemuseum angelegt hat, und die 
zahlreichen prächtigen Stücke, die allenthalben im 
Kunsthandel erschienen sind. Neben den bereits 
in Heft 3/4 des Archivs erwähnten Kriegsgedenk¬ 
blättern, die zumeist in Hoch- oder Flachdruck her¬ 
gestellt sind, seien an dieser Stelle nur einige in 
Kupferdruck ausgeführte hervorgehoben, wie sie in 
der vorerwähnten Sammlung Vorkommen, und die als 
Beweis für die ausgezeichnete Wirkung des Kupfer¬ 
druckes anzusehen sind. Da ist z. B. vertreten Max 
Brüning, Zeichner einer Kriegszeitung im Westen, 
mit einfarbigen und polychromen Kupferdrucken, 
Bruno H6roux mit vortrefflichen radierten Sachen, 
ebenso Robert Langbein u. a. Besonders interessant 
sind die Gefangenentypen Max Brünings. Da offen¬ 
bart sich ein vielversprechendes, bereits gereiftes 
Talent. Seine prachtvolle Radierung, Bild eines eng¬ 
lischen Gefangenen mit dem Stahlhelm, fand den 
allerhöchsten Beifall einiger deutscher Heerführer, 
die das Blatt erwarben. Brünings Darstellungen sind 
jedermann verständlich, sie sind naturgetreu und 
wahr, keine Phantasiegebilde, da der Künstler als 
Soldat von Beginn des Feldzuges an die Wirkungen 
des Krieges stets vor Augen hatte. 

Bei Durchsicht der erwähnten Sammlung drängt 
sich dem Beschauer von neuem der künstlerische 


Wert und die Bedeutung des Kupferdruckverfahrens 
auf, und es verlohnt sich wohl, demselben besonders 
in der Kriegszeit, in der leider auch recht viel Minder¬ 
wertiges die Pressen verläßt, einige Zeilen zu widmen; 
dabei soll neben dem einfarbigen Kupferdruck auch 
der polychrome Kupferdruck, auch Malerdruck ge¬ 
nannt, berücksichtigt werden und zugleich ein Hin¬ 
weis auf die Tätigkeit und die Arbeit eines der be¬ 
deutendsten Kupferdrucker Leipzigs, des bekannten 
Meisters Felix Hille sich anschließen. 

Der einfarbige Kupferdruck erscheint manchem als 
eine nicht sehr schwierige Sache. Bei gewöhnlichen 
Drucken mag dies wohl zutreffen, aber bei guten, 
brauchbaren Arbeiten hängt das Gelingen nur von 
der Begabung und der Intelligenz des Druckers ab. 
Der Kupferdrucker muß malerisches Verständnis 
besitzen, um seinen Drucken durch entsprechende 
Farbengebung gewissermaßen Leben einzuhauchen. 
Nachdem der Drucker die Platte eingefärbt hat, be¬ 
ginnt ein Wischen und Putzen derselben, ein Farbe¬ 
hinwegnehmen und wo notwendig ein Farbehinzu- 
geben, als gelte es die Frisur einer jungen Dame. 
Ein schließlicher Farbehauch (duftiger Ton) auf die 
zum Druck fertige Platte und die Anbringung geeig¬ 
neter Lichter durch Wegnahme des Farbetons an den 
betreffenden Stellen trägt noch viel zur Verschönerung 
des Druckes bei. 

Kupferdrucke in zwei Farben gibt es schon seit 
dem Jahre 1491. 

Polychromer Kupferdruck ist ein Verfahren, von 
einer Platte durch einmaligen Druck einen Abzug in 
unbegrenzter Farbenanzahl herzustellen. Wie ist das 
möglich? werden manche Leser ausrufen. Ganz ein¬ 
fach: Der Drucker, der, nebenbei gesagt, des male¬ 
rischen Talentes nicht entbehren darf, bringt eben 
die für das zu druckende Bild benötigten Farben mit 
dem Pinsel auf die Platte. Bei jedem neuen Druck 
wiederholt sich dieselbe Arbeit. Es i?t aber durch¬ 
aus nicht erforderlich, daß der Kupferdrucker diese 
Malerei vornimmt, ich halte es sogar, wenn der 

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Drucker nicht die nötige Schulung und Begabung 
besitzt, für ersprießlicher, wenn der Maler-Radierer 
seine Platte selbst bemalt. Die Arbeit des Druckers 
beschränkt sich in letzterem Falle nur auf das Ein¬ 
färben der Platte mit der zur Gesamtwirkung des 
Bildesgewählten Farbe,dem BlankmachenderFacetten 
und dem nun folgenden Druck. 

Der Kupferstecher Herkules Seghers (geboren 1580), 
auch Zegers genannt, hat zuerst Drucke in mehreren 
Farben geliefert. Erdrückte jedoch nicht von mehreren 
Platten, sondern malte erst die Farbtöne auf das zu 
bedruckende Papier oder 
auf die grundierte Lein¬ 
wand und druckte darauf 
die Platte in einer zum 
Bilde passendenFarbe. Es 
handelt sich hierbei also 
nicht um Mehrfarben¬ 
drucke, wenn auch dies 
Verfahren damals als ein 
Fortschritt bezeichnet 
wurde. 

Mehrfarbige Bilder zu 
drucken, gelang zuerst 
dem Kupferstecher Jakob 
Christoph Le Blon (geb. 

1670 zu Frankfurt a. M.). 

Le Blons System der Far¬ 
benentstehung beruhte 
auf dem Prinzip des heu¬ 
tigen Dreifarbendrucks, 
und zwar durch Mischung 
der Haupt- oder Grund¬ 
farben Rot,Blau,Gelb. Er 
benötigte also zum Druck 
seiner mehrfarbigen Blät¬ 
terdrei Platten. Die Zeich- 
nungbzw.derStich dieser 
drei Platten zu einem Bilde mußte genau überein¬ 
stimmend ausgeführt werden, wenn überhaupt ein 
brauchbarer Druck zustande kommen sollte. Die Be¬ 
arbeitung solcher Farbplatten erforderte ein großes 
Talent und viel Geschicklichkeit. Man bedenke, daß 
es zu damaliger Zeit keine Hilfsmittel gab, die dem 
Zeichner bzw. Stecher die Arbeit erleichterten, wie 
Photographie, Umdruck u. a. Das Verfahren war für 
den Stich nicht anwendbar, sondern nur bei Mezzo¬ 
tinto- oder beim Schwarzkunstverfahren möglich. 
Le Blon druckte in Lasurfarben. Für den Drucker 
war die Sache ebenfalls keine Kleinigkeit. Entweder 
mußten alle drei Farben frisch aufeinander gedruckt 
werden oder man ließ jede Farbe erst eintrocknen, 
bevor weiter gedruckt wurde. Im ersteren Falle be¬ 
kam man wohl ziemlich gute Passer, aber die fertigen 
Bilder ließen viel zu wünschen übrig; im andern Falle 
mußte das Papier zu jeder neuen Farbe nochmals 


gefeuchtet werden, womit jedoch die Gefahr des 
Nichtpassens der Farben verbunden war. An Fehl¬ 
drucken, die eine raffinierte Retusche erforderten 
und damit das ganze Verfahren kostspielig machten, 
wird denn auch kein Mangel gewesen sein. 

Über die Zusammensetzung der von Le Blon be¬ 
nutzten Farben ist nichts bekannt, aber so viel steht 
fest, daß beim Buntdruck mit mehreren Platten durch 
das öftere Feuchten des Papiers die erstmals durch 
die Presse gezogenen Farbdrucke beim Druck der 
folgenden Farben viel von ihrem Glanze einbüßten. 

All diese Übelstände ver- 
anlaßten denn auch den 
Maler Le Blon, von dem 
Druck in den drei Grund¬ 
farben abzugehen und sich 
dem polychromen Druck 
mittelst Lokalfarben zu¬ 
zuwenden, durch Auf¬ 
tragung jeder einzelnen 
Farbe auf die Platte mit 
dem Pinsel. Sein erster 
auf diese Weise herge¬ 
stellter Kupferdruck er¬ 
schien 1721 in Holland 
(Bildnis desGenerals von 
Salisch). Aber auch der 
polychromeDruck brachte 
ihmunddenandemKünst- 
lern damaliger Zeit keine 
brauchbaren Resultate, 
weil sie mit Ersatzfarben 
für Zinnober, Chromgelb 
und andern Farben, die 
das Kupfer angreifen, 
drucken mußten. DasVer- 
fahren, Kupferplatten zu 
verstählen, war dazumal 
noch unbekannt. Wenn die Le Blonschen Drucke den¬ 
noch Farben aufweisen, die das Kupfer (die Druck¬ 
platte) angreifen, so sind sie sicher nachträglich aufden 
fertigen Druck aufgemalt worden. Es konnte sonach 
nicht ausbleiben, daß durch die erwähnten Umstände 
das an sich gute Verfahren des polychromen Kupfer¬ 
druckes in Verfall geriet und der Vergessenheit an¬ 
heimfiel. Doch wurde immer wieder versucht, mehr¬ 
farbige Bilder von verschiedenen Platten zu drucken, 
indessen stets mit zweifelhaftem Erfolg. 

Der Zufall ist der Vater der meisten praktischen 
Erfindungen. Dem reinen Zufall verdanken wir auch 
die Wiedergeburt des polychromen Kupferdrucks. 
Der bereits erwähnte Kupferdrucker Felix Hille be¬ 
obachtete als junger Gehilfe beim Farbereiben auf 
dem Lithographiestein Farbkleckse,dieeinem Wolken¬ 
gebilde glichen. Da kam ihm der Gedanke, diese 
Kleckse auf Papier abzuquetschen. Das Ergebnis war 



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überraschend. Dies veranlaßte ihn, es einmal mit 
einer Kupferstichplatte zu versuchen, auf die er ver¬ 
schiedene Farben mit dem Pinsel auftrug. Von dieser 
Platte machte er einen Pressenabzug. Der Erfolg 
war gut, und damit war das in Vergessenheit geratene 
Verfahren Le Blons unbewußt wiedergefunden, wenn 
auch in andrer Weise. 

Im Jahre 1868 wurden dann von Hille weitere Ver¬ 
suche unternommen,mehrfarbige Bilder von nur einer 
Platte zu drucken. Diese ersten polychromen Drucke 
haben ihm jedoch nicht zum besten gefallen, da der 
starke Pressendruck die Farben ineinander trieb. 
Wollte er das Verfahren nicht wieder aufgeben, so 
blieb ihm nichts weiter übrig, als nach einem Präparat 
zu suchen, das, der Farbe zugesetzt, bessere Resultate 
zeitigte. Hille besann sich auch nicht lange, sondern 
setzte sich sofort auf die Schulbank und studierte 
Chemie, jedoch nicht als Bruder Studio, sondern als 
Arbeiter, der tagsüber sein Pensum Drucke zu liefern 
hatte, daher nur abends dem Studium obliegen konnte. 
Aber auch das Malen mußte erlernt werden, um den 
Drucken die richtige Färbung geben zu können. Hille 
besuchte daher, ebenfalls in den Abendstunden, von 
1875 bis 1877 die Kunstakademie in Leipzig. 

Um sich noch weiter technisch auszubilden, ging 
Hille 1877 nach München; 1878 bis 1887 wirkte er 
in der Hof- und Staatsdruckerei in Wien. Von da an 
war er ein Jahr in Holland als Faktor tätig, um dann 
einem Rufe nach Leipzig als Leiter einer angesehenen 
Kupferdruckerei zu folgen. Seit dem Jahre 1910 ist 
Felix Hille selbständiger Meister in Leipzig. 

Er hat denn auch in seiner langjährigen Praxis viele 
JVlalerdrucke angefertigt, die auf dem Gebiete des 
Chromodrucks einzig dastehen. Daß bei dem poly¬ 
chromen Kupferdruck von einem bloßen Kolorieren 
keine Rede sein kann, liegt auf der Hand. Auf der 
fertig bemalten Platte ist kein Bild zu erkennen, erst 
der Pressenabzug zeigt das Bild in seiner gesamten 
Wirkung. Durch den Druck kommt die oberste Farb- 
fläche der Platte zu unterst, also direkt mit dem Papier 
in Berührung; das Bild wird vom Papier von der 
Platte abgehoben und erscheint an der Oberfläche in 
voller Farbenpracht. 

Zum Bemalen der Druckplatte gehört ein großes 
Kunstverständnis und auch eine bedeutende Fertig¬ 
keit in der Pinselführung. Ferner sind auch noch, 
wie bereits angedeutet, besonders präparierte Farben 
hierzu nötig. Man kann dahermitRechtdieHilleschen 
Eindruck-Vielfarbenbilder als Malerdrucke bezeichnen. 

Die polychromen Drucke, besonders die vonPlatten 
der Schwarzkunst, Aquatinta und Heliogravüre haben 
ein den Original-Aquarellen ähnliches Aussehen, eine 
Weichheit der Farben, die verblüffend wirkt. Daß 
solche Drucke teuer sind, ist einleuchtend, denn die 
Herstellung eines einzigen Druckes nimmt immer¬ 
hin je nach der Größe der Platten ein bis fünf und 


unter Umständen noch mehr Stunden in Anspruch. 
— Auch die Herstellung mehrfarbiger Kupferdrucke 
mittelstmehrererFarbplatten ist eine sehr kostspielige 
und zeitraubende Sache. Der Stich der Farbplatten 
ist sehr kostspielig. Beim polychromen Druckver¬ 
fahren dauert der Druck allerdings länger, aber man 
erspart die Farbplatten, und da es sich hier meist um 
Luxusdrucke handelt mit kleiner Auflage, so gebührt 
dem letzteren Verfahren auch in dieser Hinsicht der 
Vorzug. 

Der farbige Kupferdruck von mehreren Platten 
dürfte überhaupt abgetan sein. Bei den billigen viel¬ 
farbigen Kupferstichen werden heutzutage die Farb¬ 
töne in Lithographie hergestellt. Solche Bilder (Ori¬ 
ginalplatte in Kupferdruck, Farbtöne in Steindruck) 
können zwar das Auge nicht so erfreuen wie ein 
polychromer Druck, immerhin ist ein solcher Kom¬ 
binationsdruck ein nicht zu unterschätzendes billiges 
Druckverfahren,worin MeisterHille auch Bedeutendes 
geleistet hat, indem es ihm gelang, das Chinapapier, 
auf welches vor dem Kupferdruck die verschiedenen 
Farben in Steindruck vorgedruckt werden, so zu prä¬ 
parieren, daß es sich auch in der Feuchtigkeit nicht 
verzieht. 

MeisterHille hat dieKunst des mehrfarbigen Kupfer¬ 
drucks in seiner eigenen Kupferdruckerei noch be¬ 
deutend vervollkommnet. Er hat erkannt, daß auch 
durch Beigabe von nur einigen Farbtönen zur Grund¬ 
farbe sich ein Bild äußerst wirkungsvoll gestalten läßt, 
und gerade diese Drucke sind es, die heute besonders 
interessieren müssen. 

Die wahre Kunst ist die Religion des Volkes; sie 
verkörpert den Hauptbestandteil der Erziehung. Es 
müßte daher schon von Staats wegen dafür Sorge ge¬ 
tragen werden, daß tüchtige Kupferdrucker, ohne die 
ein künstlerisch vollendeter Druck überhaupt nicht 
möglich ist, und auch brauchbare Kräfte für den 
graphischen Beruf herangebildet werden. Teilweise 
geschieht dies ja auch, aber, wie es scheint, sind die 
Kupferdrucker die Stiefkinder der Bildungsanstalten. 
Meister Hille ist kein Jüngling mehr, und wenn ihm 
auch noch eine lange Wirksamkeit zu wünschen ist, 
so sollte doch seine hohe technische Kunst Fort¬ 
pflanzung erfahren. Die von Hille erfundene Farben¬ 
zusammensetzung, ohne welche ein einmaliger Druck 
von mehreren Farben ein Dingder Unmöglichkeit wäre, 
ist von ganz besonderem Wert. Dies könnte wohl 
geschehen, wenn sich unsre Bildungsanstalten der 
Mitwirkung und technischen Beratung dieses hervor¬ 
ragenden Fachmannes ebenso wie andrer technischer 
Kräfte in höherem Maße versichern wollten, als wie 
es bis jetzt geschehen ist. Durch das Mitwirken einer 
solchen fachmännischen Kraft würden junge Kupfer¬ 
drucker aus der recht mühsamen und kostspieligen 
Versuchsarbeit sicher herausgesteuert und zu selb¬ 
ständigerem Schaffen geführt. 


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- ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE - 

Günther Clausen 

Von Dr. phil. OTTO LERCHE, Erstem Bibliothekar der Deutschen Bücherei, Leipzig 


ünTHER CLAUSEN hat nicht nur aus der 
\g ^ {harten Notwendigkeit eine immerhin be- 
’W : achtenswerte Tugend, sondern eine sich 
selbst genügende und in sich selbst be¬ 
rechtigte freie und fröhliche Kunst gemacht. Von 
einem unsrer glänzendsten Essayisten wird gelegent¬ 
lich den Frauenzimmern der Standpunkt klarge¬ 
macht, die für nichts und wieder nichts auf der 
Welt gut sind, die mit einem bißchen Buchkunst und 
Buchschmuck glauben aller Weisheit Ende ergriffen 
zu haben, und nun ohne Sinn und Verstand, ohne 
Rücksicht vor allen Dingen auf die Verwirklichungs¬ 
möglichkeiten ihrer Ideen darauflos zeichnen, kon¬ 
struieren und gestalten und niemals etwas Rechtes, 
Gewachsenes und Naturgegebenes zustande bringen. 
Solche Pfuscher sind geeignet,das ganze Buchschmuck- 
und Buchkunstgewerbe in Mißachtung zu bringen. 
Es fehlt da vollkommen die Verbindung mit der Wirk¬ 
lichkeit, mit dem Bedürfnis und mit der technischen 
Ausführungsmöglichkeit. Es ist selbstverständlich, 
daß in dieser Zeitschrift sowohl das eine wie das 
andre stets stark betont worden ist, und so sind auch 
die für einen brauchbaren Buchschmuck vorauszu¬ 
setzenden Bedingungen hier stets richtig erkannt und 
lebhaft vertreten. Unerläßlich notwendig für den 
Künstler auf unserm Gebiete ist die unbedingte An¬ 
passungsfähigkeit an die technischen Bedürfnisse und 
Möglichkeiten der Buchausstattung: es ist etwas 
andres, ob man einen Wandfries in Stickerei, in 
Malerei, in Steinmetzarbeit oder in Holzschnitzerei 
herstellen will. Dieselbe Ornamentik wirkt anders 
in Porzellan als in Ton, aber denselben ornamentalen 
Gedanken kann man dekorativ unter Erzielung der 
gleichen Wirkungen verwenden in den verschiedensten 
Ausführungen und mit dem verschiedensten Material 
bei den mannigfaltigsten Gegenständen, wenn nur 
die nötige Anpassungsfähigkeit vorhanden und das 
Einfühlungsvermögen lebendig genug ist. In dieser 
Zeitschrift gehören derartige Dinge glücklicherweise 
zu den größten Binsenwahrheiten, und doch darf es 
angerbracht sein — gerade auf dem Gebiete des Buch¬ 
schmucks— sie täglich zu betonen, weil man täglich 
erfahren kann, daß nicht nur gesündigt wird gegen 
den guten Geschmack — in welchem Kunstgewerbe 
kommt das nicht vor —, sondern daß die innere Be¬ 
dingtheit der Buchkunst mißverstanden und unbe¬ 
achtet bleibt. 

Der Künstler, dem diese Zeilen gewidmet sind, 
hat sich von allem Anfang seiner Arbeit stets an die 
technische Möglichkeit, an die leichte Ausführbarkeit 
und an die mühelose Verwertung seiner künstlerischen 
Arbeiten gehalten. Das klingt recht nüchtern und 
langweilig. Und doch stecken gerade da Gefahren, 


die eben nur ein Künstler überwinden kann: nur 
ständige gedankliche Arbeit und bewußte Regsam¬ 
keit des künstlerisch-poetischen Empfindens können 
davor schützen, daß die angewandte Kunst in den 
Schlendrian des Schemas, der Schablone, die dann 
noch handwerksmäßiger anmutet als das Kunsthand¬ 
werk, ausartet. 

Günther Clausen hat die Laufbahn durchgemacht, 
die viele unsrer Künstler durchmachen müssen, die 
aber nur den Auserwählten zum Heile gereicht. Schon 
auf der Schule hat er mit großer Neigung zum Zeichnen 
den inneren Ruf vernommen. Sein Wunsch war es, 
Maler zu werden, als Porträtkünstler sich einen Namen 
zu machen. Aber die Einwilligung seiner Eltern 
konnte er dazu nicht erhalten; noch weniger freilich 
stimmten sie dem später gefaßten Plane zu, als er 
seine eigentliche Begabung als Zeichner erkannt hatte 
und nun eine fachgemäße Ausbildung auf diesem Ge¬ 
biete erstrebte. Die Königliche Kunstschule in Berlin 
und die Akademie in Kassel haben ihm das gegeben, 
was Schulen überhaupt einem berufenen Künstler 
geben können. Mit besonderer Dankbarkeit spricht 
Clausen von den wunderschönen Jahren voll reicher 
Anregungen, die ihm die freundliche hessische Resi¬ 
denz für sein Leben und seine Kunst geboten hat. 
Neben dem Direktor Professor Kolitz nennt er be¬ 
sonders Professor Wagener seinen Lehrer, denen 
beiden er mannigfaltige und vielseitige künstlerische 
Förderung, aber auch wirtschaftliche Erleichterungen 
verdankt. Mit seinen Lehrern hat ihn eine Lehr- 
und Lebensfreundschaft verbunden, wie mit seinen 
Studiengenossen, und das hessische Bergland, das 
an arbeitsfreien Nachmittagen durchwandert wurde, 
hatseinegrünen Wälder und seine silberhellen Flüsse 
in die Seele der Künstlerschar hineinrauschen lassen. 

Schon in Berlin hat Clausen eine Verbindung ge¬ 
schlossen,die fürseine ganze Entwicklung maßgebend 
sein sollte: das ist sein Eintritt in den Wandervogel. 
Die Ideen der Jugendbewegung wurden von da an 
ausschlaggebend für seine Tätigkeitund seine Lebens¬ 
gestaltung. So wie wir ihn kennen, hat er sich stets 
freigehalten von allem Überspannten und allen un¬ 
klaren Idealen: er hat dem ewigen „Anti-“ die Wirk¬ 
lichkeit und ihre Bedürfnisse gegenübergestellt und 
für sie positiv gearbeitet und gewirkt. Und dazu 
haben ihm die große Stadt mit ihren vielen Men¬ 
schen und ihre schöne Umgebung, die märkischen 
Wälder und Heiden, ihre Flüsse und Seen die stärksten 
Anregungen gegeben. Und noch etwas andres hat 
ihm die Berliner Zeit eingebracht, das entscheidend 
wurde für seine Lebensgestaltung und sein Arbeits¬ 
ziel. Er fand in Berlin den Freund, den er für seine 
Arbeiten und seine Ziele erwärmen konnte, der mit 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


ihm fortan die Jugendbewegung geradezu künstlerisch 
geleitet hat: neben Günther Clausen verehrt der 
Wandervogel in Rudolf Sievers einen seiner künst¬ 
lerischen Erwecker und Bildner. 

Alles dies, in Berlin angeregt und angeknüpft, ist 
in Kassel zu glänzender Entfaltung gekommen. Das 
hessische Bergland ist wohl wie keine Gegend des 
deutschen Vaterlandes geeignet, künstlerisch zur 
Verinnerlichung und zur Ausgestaltung anzuregen, 
mag man nun Dichter oder Künstler sein. Wie aber 
wirken die hurtigen Flüsse, die blanken Städte, die 
weißen Dörfer mit ihrem freundlichen Wiesen- und 
Gartenkranze auf den, der Maler und Dichter zugleich 
mit den Augen sieht und mit dem Herzen erlebt, 
dessen Feder festhält, was sein Mund besingt. Wo 
sind die Wälder so spükehaft finster wie zwischen 
Werra und Fulda? Wo sind so viel zauberisch-un¬ 
heimliche Berge wie im Land zu Hessen? Und wer 
von sagenumwobenen Burgen reden und hören will, 
der mag die Weserquellflüsse hinaufwandern und 
sich von Turm und Zinne aus alter Zeit erzählen 
lassen. Wer da zu lauschen versteht, wird nimmer¬ 
mehr vergessen. Ein Kreis von gleichgesinnten und 
befreundeten Studiengenossen in Kassel hat Clausen 
diese Welt aufgehen und erleben lassen, so daß sie 
ihm das letzte in reicher Fülle geboten hat. Neben 
aller Arbeit für die Fort- und Ausbildung hat er wacker 
schaffen müssen für seinen Lebensunterhalt: so ganz 
auf sich selbst gestellt, hat er sich zur Selbstzucht 
gezwungen und den Kreis seiner größten Fähigkeiten, 
den er frühzeitig richtig erkannte, vorsichtig und 
Ökonomisch ausgebaut. Der Abschluß der Kasseler 
Studienzeit und die akademische Abgangsprüfung 
haben ihn als Lehrer nach Wiesbaden an das Kgl. 
Realgymnasium gebracht, wo der Jugend das Zeichnen 
unter Clausens Leitung alsbald so viel wichtiger er¬ 
schienen ist, als die wissenschaftlichen Fächer, daß 
Clausen selbst warnend seinen Jungen klarmachen 
mußte, daß die ganze Wiesbadener Jugend unmög¬ 
lich Maler und Zeichner von Beruf werden könne. 
So viel Freude Clausen hier an seinem Lehrberufe 
gewonnen hatte, und so sehr er mit Freuden wieder 
und wieder erkannt hatte, wie groß sein erzieherischer 
Einfluß in künstlerischer Hinsicht sei, und wie leicht 
von ihm beachtenswerte und überraschende Erfolge 
erzielt wurden, so hat er doch diese Tätigkeit auf¬ 
gegeben, um durch eigene selbständige Arbeiten auf 
einen größeren Kreis weiterhin wirken zu können. 

Für den Buchgewerbler und Graphiker hat die große 
Ausstellung von 1914 lange ihre Schatten voraus¬ 
geworfen. Auch Clausen, unterstützt auch hier von 
seinem Freunde Rudolf Sievers, hat seine Kräfte in 
den Dienst der großen Sache gestellt und in Leipzig 
mehrere Jahre seine ganze Arbeitskraft der alten 
Liebe, dem Wandervogel gewidmet. Da sind nach¬ 
einander eine bunte Reihe von Liederbüchern und 


Fahrtenblättern erschienen, die mit ganz originellen 
Bildern, Rahmen, Titelblättern, Buchzeichen und der¬ 
gleichen nicht im alten Sinne illustriert waren, son¬ 
dern zu erhöhter Lebendigkeit gebracht wurden. Da 
das Freundespaar nicht nur künstlerisch, sondern 
auch literarisch die Zeitschrift des geeinten Wander¬ 
vogels leitete, so hat der „Wandervogel“ einige Jahre 
lang eine innere und äußere Harmonie aufzuweisen 
gehabt, wie sie wohl kaum in einer Zeitschrift jemals 
zum Ausdruck gekommen ist. Vor allen Dingen war 
auch der Einfluß, den die Zeitung auf ihren Leser¬ 
kreis ausübte, groß, und der Erfolg entsprach den 
Absichten. Literarische und künstlerische Beiträge 
aus dem jugendlichen Leserkreise ließen erkennen, 
wie groß das Interesse war, wie rein und unverdorben 
das jugendliche Kunstempfinden war, wie leicht man 
alle Übertreibungen mildern und den bisher schreiend 
auftretenden Kitsch auf ein erträglich bescheidenes 
Maß zurückdrängen konnte. Auch die andern Ver¬ 
öffentlichungen des damaligen Wandervogel-Verlages 
von Friedrich Hofmeister in Leipzig haben die künst¬ 
lerische Hand Clausens zu spüren bekommen; im 
großen und ganzen aber blieb seine Tätigkeit auf die 
künstlerische Ausgestaltung der Jugendbewegung 
beschränkt, und was davon die Bugra gezeigt hat, 
ist wesentlich sein Werk als Künstler, Lehrer und 
Anreger. 

Wie Clausen in der Nähe des alten Johannisfried¬ 
hofes in Leipzig im Lärm der Großstadt ein beschau¬ 
liches Winkelchen zu emsiger Arbeit sich hat sichern 
können, so hat ihn stets die alte Heimatstadt seines 
Freundes Sievers, Braunschweig, mächtig angezogen. 
Die Stadt Heinrichs des Löwen mit ihrer ruhmvollen 
Vergangenheit, die noch im heutigen Stadtbilde stets 
lebendig fortwirkt,hatvonjeheraufden künstlerischen 
Beobachter einen starken Eindruck gemacht. Wer 
wie Clausen die Poesie der stillen Winkel und engen 
Gassen herausgefunden hatte, für den hat es eigent¬ 
lich keine schönere Arbeitsstätte geben können als 
Braunschweig, und zwar haben ihm nicht die geraden, 
schmucken Straßen da draußen vor den Toren, wo 
die neue Stadt in den Kranz der Gärten und Felder 
hineinwächst, sondern ein enges Gäßchen mit win¬ 
keligen Häusern, Balkenwerk und Ziegeldach, ein 
alter Kirchturm und ein Restchen Stadtmauer das 
rechte Lebenselement für seine Arbeit gegeben. Und 
wer frisch wagt, hat gewonnen: hier hat er sein Nest 
gebaut und die Schwester des Freundes in sein Heim 
geführt. 

Nun ist ermit seiner ganzen Kunst Braunschweiger 
geworden, ohne jedoch auch nur etwas aus seiner 
Entwicklung über Bord werfen und aus seinem Ideen¬ 
kreise bannen zu müssen. Es ist ihm leicht geworden, 
sich als Niedersachse einzufühlen. Freilich, so ganz 
schwer wird man es ihm auch nicht gemacht haben, 
da man seine Fähigkeiten gern anerkannt hatte und 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


bereit war, sie in der richtigen Weise auszunutzen 
oder zur Geltung zu bringen. Neben der Arbeit für 
den Wandervogel ergab sich nun für Clausen in der 
Förderung des Heimatschutzes ein neues Tätigkeits¬ 
feld. Wandervogel und Heimatbewegung gehören ja 
eng zusammen. Man kann nichts Besseres für die 
Heimat tun, als wenn man die Jugend auf die Schön¬ 
heiten der Heimat, auf die erhabenen Denkmäler der 
Vergangenheit und auf die ehrwürdigen Bräuche der 
Vorzeit aufmerksam macht. Niemand war geeigneter 
als Clausen, für den braunschweigischen Heimat¬ 
schutz zu wirken: in Bild und Buchausstattung hat 
er das mehrfach zur Freude 
aller Maßgeblichen und vor 
allem zum höchsten Wohlge¬ 
fallen derNächstbeteiligten, der 
Jugend, getan. In einem braun¬ 
schweigischen Regimente ist 
Clausen dann im Sommer 1914 
zur Verteidigung des Vater¬ 
landes ausgerückt: doch ist ihm 
der Krieg vielleicht nicht in 
dem Maße wie andern künst¬ 
lerischen Persönlichkeiten eine 
Quelle vielseitiger Anregung 
und großen Erlebensgeworden. 

Eine böse Granate hat ihn nach 
kurzer Kriegsfahrt bald in die 
erwählteHeimat zurückgebracht 
und erst nach und nach hat er, 
von seinem Unfall genesen, 
wieder in die Welt und in das 
Leben zurückgefunden undauch 
neuen Mut zu forscher Arbeit 
und vielseitigerTätigkeitgewon- 
nen. So steht Günther Clausen 



Abbildung 1. Günther Clausen: Bücherzetchen 


heute da, ein mittlerer Dreißiger, ein fertiger Mann 
ja, aber ein Künstler, der nicht ausgelernt hat, der 
nicht stillesteht, dem das Leben in seinen vielseitigen 
Erscheinungen, der Mensch mit seinen kuriosen Be¬ 
dürfnissen und die Welt mit ihrer Schönheit und 
ihrem Leid stets neue Aufgaben, neue Gestaltungs¬ 
möglichkeiten und unbegrenzte Betätigungsfelder 
bieten, der aber viel zu bescheiden war, von seiner 
Kunst auch nur etwas Aufhebens zu machen, der es 
darum gerade aber verdient, daß man ihn einmal aus 
seinem verträumten Arbeitswinkel hervorzieht. 

Wir wollen hier an der Hand der Einschaltbilder 
und der beigefügten Blätter einen Überblick über die 
Arbeit Clausens geben: Vollständigkeit und ein ab¬ 
schließendes Urteil soll nicht erstrebt werden. Ein¬ 
mal soll nur die rein graphische, in erster Linie buch¬ 
künstlerische Arbeit Clausens berücksichtigt werden 
und anderseits sind viele seiner besten Werke zur¬ 
zeit aus besondern Gründen unzugänglich, andres ist 
schnell verkauft und zerstreut worden. 


Im Vordergründe buchkünstlerischer Kleinarbeit 
steht immer noch das Exlibris, in das soviel wie mög¬ 
lich hineinsymbolisiert und allegorisiert wird. In den 
meisten Fällen ist der Künstler an die Wünsche des 
Bestellers gebunden, er muß sich bemühen, die wider- 
strebendsten Dinge zusammenzubringen und ganz 
unmögliche Gedanken in einer künstlerisch einwand¬ 
freien Form faßbar darzustellen. Clausen ist dieser 
Exlibris-Zusammenstöpselei auf Bestellung in den 
meisten Fällen aus dem Wege gegangen. Im allge¬ 
meinen hat er nur nach näherer Bekanntschaft die 
Ausführung eines Exlibris übernommen und nur in 
gelegentlichen Fällen die Wün¬ 
sche des Bestellers berück¬ 
sichtigt. Während z. B. in einem 
Exlibris für einen Chemiker die 
stilisierte Darstellung chemi¬ 
scher Apparate leicht unruhig 
und überladen wirkt, zeigt der 
große Kran in dem Exlibris von 
Roth(Abbildungl)beiallerFein- 
heit der Ausführung im Kleinen 
und trotz des kleinen hier in 
Originalgröße wiedergegebenen 
Bildes eine starke und kräftige 
Linienführung, die mit Wucht 
den leitenden Gedanken zur 
Darstellung bringt. Es ist nichts 
Gesuchtes und nichts Gezwun¬ 
genes in diesem Bilde: jede 
Stilisierung,dieselbst bei künst¬ 
lerisch einwandfreien Ausfüh¬ 
rungen technischer Vorwürfe 
gelegentlich lächerlich, beinahe 
immer aber gespreizt vorkommt, 
fehlt ganz und gar. Gegenüber 
diesem starken Motiv stellen wir die feine und zarte 
Arbeit des Exlibris Eva Dora Krug (Abbildung 2), das 
in der farbigen Ausführung — schwarz und grün — 
noch freundlicher aussieht. Wie aus dem Exlibris 
Roth, so möchte man aus dem Exlibris Krug gern auf 
die Persönlichkeit des Besitzers schließen: wir sollen 
aber beim Künstler bleiben. Die zarte und anmutige 
Weiblichkeit hätte nicht besser gebracht werden 
können: das freundlich behagliche Stübchen mit den 
anmutigen Möbeln und den sauberen Vorhängen bildet 
den rechten Rahmen für das reizende zierliche Per¬ 
sönchen, das in diesem Märchenreiche Königin ist; 
und dabei fehlt jede Spur konventioneller Bieder¬ 
meierei. Wir haben neben den Exlibris mehrere 
Arbeiten von Clausen, die zeigen, daß er auf dem 
Gebiete der Kleingraphik Meister ist. Insbesondere 
zu erwähnen sind da einige Besuchkarten, die wir zu 
sehen Gelegenheit hatten. Der Name wird von einem 
zierlichen Rankenwerk aus Blumen und Blättern, die 
ornamental stilisiert sind, umschlossen. Besonders 


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reizvoll und eigenartig wirktauch hier die Anwendung 
einer bunten, jedoch nicht zu grellen Farbe. Sehr 
schöne Bilder erzielt diese Art der Arbeit Clausens 
auch mit Grün, ebenso auch Grün mit Schwarz. Bild¬ 
hafter als die Besuchskarte ist die Geburtsanzeige, 
die wir als Beilage wiedergeben. Ebenfalls zu der 
Gruppe der Kleingraphik, die dem eigentlichen Buch¬ 
schmuck etwas fernersteht, gehören die Brief- und 
Plakatköpfe, die als Köpfe auf den Seiten 200, 207 
und 208 in Originalgröße wiedergegeben sind. Das 
Ranken- und Blumenwerk für den Briefbogenkopf 
des Wandervogels zeichnet sich durch außerordent¬ 
lich kräftige und entschiedene 
Linienführung aus. Man möchte 
fast nicht glauben, daß es sich 
nur um Schwarzweiß handelt, 
so lebhaft, ja geradezu bunt 
wirkt die Zierleiste. Es kommt 
häufig vor, daß derartige an¬ 
gewandte Kunst einen über¬ 
mäßig zierlichen und dann zag¬ 
haften Eindruck macht, so daß 
man eigentlich nur von einer 
Spielerei reden kann. Das ist 
bei dem Briefkopf des Wander¬ 
vogels absolut nicht der Fall: 
vielmehr zeigt sie gerade den 
Ernst und die solide Auffassung 
der künstlerischen Gestaltung 
auch im Kleinen. Der Briefkopf 
der Braunschweiger Schatten¬ 
spiele, die unter künstlerischer 
Leitung Clausens stehen, ist 
außerordentlich lebhaft und 
lustig. Freilich, im Original 
ist alles noch viel schöner: da 
stehen und treiben ihr Wesen 
die schwarzen Männlein und 
Weiblein auf einem leuchtenden, goldenen Grunde. 
Aber auch hier sieht man die gewandte Gruppierung 
und die lebendig-szenische Wiedergabe der freund¬ 
lichen Stimmung. Wird nicht jedermann, der einen 
solchen Briefbogen erhält, den sehnlichen Wunsch 
haben, einmal die Schattenspiele zu besuchen? Da¬ 
mit wäre ja dann auch der Zweck des einladenden 
Bogens durchaus erfüllt. Der dritte Kopf stammt von 
einem Wohltätigkeitskunstabend im Interesse der 
Kriegsfürsorge. An den Seiten und unten setzt sich 
der Kopf in Rahmenform mit Stacheldrahtzaun und 
andern Kriegshindernissen fort. Es liegt auf der Hand, 
daß ein so ausgeschmücktes Programm eifrig und 
erfolgreich auf den Besucher der künstlerischen Ver¬ 
anstaltung einspricht. Wir sind noch nicht allzuweit 
ab von den Zeiten, in denen man mit der graden Linie 
in allen Formen und Stärkeverhältnissen geradezu 
einen Kult trieb mit einer Hingabe, die der Nüchtern¬ 


heit der unkünstlerischen Auffassung gar nicht im 
entferntesten entsprochen hat. Mit wie geringen 
Mitteln ist dagegen hier ein wirklicher Schmuck des 
Blattes geschaffen, der mit außerordentlich einfachen 
äußeren Formen innere Wahrhaftigkeit und ehrliche, 
nicht übertriebene Begeisterung für die gute Sache 
verbindet. Es ist in allen solchen Fällen unbedingt 
notwendig, die künstlerische Gestaltung eines Pro¬ 
grammes, eines Plakats, einer Festgabe usw. zwar 
dem guten und edlen Zweck einer Veranstaltung nach 
Möglichkeit anzupassen und mit allen künstlerischen 
Mitteln die Erreichung des Zieles zu erleichtern: 

niemals aber wird man in der 
künstlerischen Form eine auf¬ 
dringliche Betonung des guten 
Zwecks finden dürfen: nie darf 
die künstlerische Form dem — 
wenn auch noch so idealen, so 
schließlichdochzumal in unsrer 
Zeit letzthin — materiellen 
Zwecke untergeordnet werden. 
Ich möchte hierin ein Mittel 
sehen, den rechten Künstler 
von dem auf Bestellung arbei¬ 
tenden Handwerker zu unter¬ 
scheiden. Der echte Künstler 
wird stets den Takt haben, zu 
wissen, wie weit er gehen darf, 
wo er gelegentlich einmal auf¬ 
dringlich sein darf, und wann 
er nur andeuten kann und das 
weitere dem Beschauer und 
seiner Kunstempfänglichkeit 
überlassen muß. Clausen hat, 
soviel wir von seinen zahl¬ 
reichen Arbeiten auf diesem 
Gebiete gesehen haben, nie¬ 
mals die Grenze überschritten 
und stets in jeder Weise die künstlerischen Forde¬ 
rungen denen der äußeren Veranlassung wohl an¬ 
gepaßt, nie aber untergeordnet. Besonders erfreulich 
ist für diese Tatsache ein Programm zu einer Feier 
im herzoglichen Hoftheater in Braunschweig. Die 
Ausstattung des Programms in seiner Gesamtheit 
hat in Clausens Händen gelegen: die Verteilung des 
Textes und die Wahl der verschiedenen Typen ist 
also von ihm im Einklang mit der künstlerischen Aus¬ 
schmückung erfolgt. Das so geschaffene Blatt ist 
darum auch ein reiner Genuß des Beschauers: die 
Raumeinteilung ist ohne jegliche Theatralik und ohne 
beängstigende Gespreiztheit erfolgt; die Buchstaben 
des Textes sind nicht übermäßig gedehnt, die Worte 
sind nicht über Gebühr in die Länge gezogen. Durch 
geschickte Anwendung verschiedenerTypen und Ab¬ 
wechseln der Satzarten ist ein typographisch ein¬ 
wandfreies Bild geschaffen, das in seiner geradezu 

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Abbildung 2. Günther Clausen: Bücherzeichen 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 



Günther Clausen: 
Briefkopf 




klassischen Schönheit erst recht wirkt über dem 
romantisch-unruhigen Gerümpel der zusammenge¬ 
suchten und verpolterten Theaterrequisiten. Dieses 
Gerümpel im Gegensatz zu dem Texte ist so inter- 
essierend-aufregend und verheißungs-ahnungsvoll, 
daß man mit größter Spannung dem angekündigten 
Festabend entgegengegangen sein wird. 

Aber wir wollen uns pflichtgemäß mit diesen 
graphischen Kleinigkeiten — Kleinigkeiten nicht im 
herabsetzenden Sinne: wir haben ja betont, wie sehr 
es Clausen Emst ist selbst um diese Kleinigkeiten—, 
so anmutig und reizvoll sie sind, nicht allzulange auf¬ 
halten und zu den eigentlichen buchgewerblichen und 
buchkünstlerischen Arbeiten übergehen. Mehrfach 
ist Clausen recht hervorragend ein wirkungsvoller 
Umschlag gelungen. Ganz besonders erfreulich ist 
auf diesem Gebiete zunächst wiederClausensWander- 
vogelarbeit. Mehrere Gaublätter des Wandervogel¬ 
vereins verdanken seiner Künstlerhand einen neuen 
ansprechenden Umschlag. Auch hier liebt Clausen 
die kräftigen Farben und die starke Linienführung. 
Auffallend schön ist das Wandervogelblatt fürNieder- 
sachsen (1914) ausgestattet; auf dem sattgrünen 
Grunde sehen wir über den kräftigen schwarzen 
Schriftzeichen des Titels die braunschweigische In¬ 
fanterie in der historischen schwarzen Uniform vor¬ 
sichtig sich heran- und durch Gebüsch und Gestrüpp 
durchfühlen. Es ist ein Kriegsheft, das den Kriegs¬ 
teilnehmern des Bundes gewidmet ist und ohne Frage 
viel Freude gemacht haben wird. In der Ausnutzung des 
Raumes und in der Ausgestaltung der ornamentalen 
Ranke und ihrer Verschlingung zeigt sich der Künstler 
hervorragend glücklich in den Lied